Archiv für die Kategorie ‘Kabuff’

Man kann uns wieder bemehlen

Der Admin meldet gehorsamst wie folgt:

Wie uns leider nicht mitgeteilt wurde, waren die Daumenschraube-AutorInnen während längerer Zeit nicht per eMail erreichbar. Dies ist ab sofort geflickt; wir bitten folglich um Kenntnisnahme.

Le Admin




Beinhart Dschängu wagt wieder den Hosenlupf

Wir waren da ja in Schweden, auf Urlaub. Hat ein bisschen länger gedauert, sorry.

Zurück in der Heimat merke ich, dass sich dieses eher träge, langweilige Land in der Zwischenzeit zu einer freudigen, dynamischen Irrenanstalt entwickelt hat. So musste ich feststellen, dass der Bundesrat, vor einem halben Jahr noch eine uneinige, streitlustige, inkompetente und handlungsunfähige Selbsthilfegruppe, mittlerweile seine zwei grössten Probleme angepackt hat und auf dem Weg ist, in absehbarer Zeit eine Lösung zu finden. Das ist ja schonmal gut. Es foutiert mich auch nicht wirklich, wenn ich in Zukunft von einer Frauenmehrheit regiert werde. Konkret ist dies für mich seit bald zwei Jahrzehnten der Normalzustand und ich kann der Grinsekatz vom Leman hier versichern, dass dieser Zustand auch für Männer durchaus Vorteile hat. Was mich aber stutzig gemacht hat, ist die Aussage diverser Medien, einer Frau, die sich in den Bundesrat wählen lassen wolle, käme wohl “das Geschlecht in die Quere”. Hier muss ich doch die anatomischen Kenntnisse einzelner Schurnalisten in Frage stellen und auf eine entsprechende Weiterbildung pochen. Alternativ könnte man natürlich auch von intimem Insiderwissen einzelner Schurnis ausgehen und sich die Frage stellen, ob… nein, sorry, aber ich möchte heute noch etwas essen, herzlichen Dank.

Anderes Beispiel: Man hat es ja im ganzen In- und Ausland gelesen: die Schweiz führt die Todesstrafe ein! Nein, tut sie natürlich nicht. Für unsere ausländischen Freunde, hier als kleine Guideline, wie politische Meinungsäusserungen in der Schweiz zu gewichten sind:

  • Wenn von knapp 8 Millionen Einwohnern eines Landes deren fünf an einem Küchentisch eine freaky Idee haben, ist dies kein Thema zur Besorgnis, sondern bloss das normale Surrogat von Irren, das man in jedem Land findet.
  • Wenn 100′000 Knallköpfe diese Idee supigeil finden und sich zu einer Freudenbekundung qua Unterschrift bewegen lassen, ist dies zwar besorgniserregend, aber noch kein Problem.
  • Wenn dann das Parlament dieses Landes die Idee auch noch so OK findet, ist dies langsam problematisch, aber noch keine Katastrophe.
  • Und wenn (und erst wenn!) dann die Mehrheit der Stimmenden an der Urne tatsächlich diese Idee annimmt – dann ist die Katastrophe eingetroffen.

Die lustige Idee mit der Todesstrafe ist ja nun knapp über Stufe 1 zur Furzidee verkommen, von dem her kann man sich trefflich darüber bespassen. Aber wichtig ist die Aktion der Initianten schon, weil sie die Debatte neu lanciert hat. Nicht diejenige über die Todesstrafe (ey, hallo?!?), aber doch darüber, ob man das Initiativrecht an eine Zurechnungsfähigkeitsprüfung der Initianten koppeln solle. Die Debatte sei hiermit eröffnet!

Ihre Meinung bereits gut überlegt und kundgetan im 20Min vom 25.8. hat  Christine Burgassi-Spears (19) aus Hombrechtikon ZH:

Ich finde sie [die Todesstrafe] gut. Heute kommen viele Mörder bloss ein paar Jahre ins Gefängnis und lernen daraus nichts.

Nein, ich möchte nicht Christine sein. Aber noch viel weniger möchte ich ihr Freund sein, der dieses Statement morgens auf dem Weg zur Arbeit liest und spontan eine Kosten-Nutzen-Rechnung zwischen originellem Sex und “nicht wegen meiner Freundin ausgelacht werden” aufstellt. An seiner Stelle würde ich mal einen sexy Namen für meine rechte Hand brainstormen. Aber es ist ja seine Entscheidung.

Und apropos Statement: ich las diese Woche, dass Claudia Schiffer 40 geworden ist – ich gratuliere herzlich, du alte Sau! Ich darf der Claudia übrigens mit Fug und Recht “alte Sau” sagen, weil nächstes Jahr werde ich ja selbst eine. Aber eben, Statement: da wurde in irgend so einer Journaille (ich finde den Mist ums Verrecken nicht im Netz, sorry) gefragt, was sie, die Frau Schiffer, denn für die Umwelt tue. Und zur Antwort gab die Schifferin, dass sie gerne weniger Wäsche kochen würde. Frau Schiffer zeigt hier also, nebst einer schon beinahe übermenschlichen Sorge um unsere Umwelt, dass sie durchaus auch eine intellektuell-philosophische Seite hat, indem sie die Regel, aus dem Sein dürfe man kein Sollen ableiten, in eine neue Dimension erweitert. Chapeau!

Viele Entscheidungen standen auch bei der selbsternannten “Partei des Mittelstands” an. Die Halleluja-Brüste dürfen jetzt ja leider nicht Bundesratten werden, der kleine Fuchs darf nicht mehr im Stadtrat sein (das glauben wir hingegen erst dann, wenn wir es sehen) und im nachhinein hat man gemerkt, dass die Hauptzielgruppe des bunten Fragebogens von selbigem weit überfordert wurde. Echt jetzt, liebe SVP-Schefstrategen, meint ihr wirklich, eure Wähler könnten mehr als zehn Wörter pro Seite lesen?

Apropos kleiner Fuchs: der ist jetzt sogar Titelheld eines schönen Liedes. Und not very amused. Was wiederum erstaunt, da er doch sonst jede Gelegenheit, Medienthema zu werden, freudig nutzt, unter anderem eben auch das Patronat der einen Halleluja-Brust, ihrerseits der Spasspolitik in keinster Weise abgeneigt. Und wer jetzt “Fake!” und “inszeniert!” schreit, soll ruhig sein, weil als einem der kleine Fuchs vom grossen an Bauernzmorgen als Bettgenosse vorgestellt wurde, da war der kleine Fuchs ja bloss der kleine Hess, den man noch nirgends kannte. Und ipso ergo facto irrelevant.

Zum Erich Dschei und seinen aufrechten Patrioten passt ja auch noch eine Entdeckung, die Hase letzthin gemacht hat, und zwar auf der Schachtel ihrer Slipeinlagen. Da steht nämlich, dass diese ein Verfalldatum haben. Ich muss jetzt ein bisschen ausholen und anmerken, dass Hase das Erreichen des Verfalldatums eines Produkts nicht als “ablaufen” bezeichnet”, sondern als “nicht mehr gültig sein”: das Joghurt mit der lustigen grünen Pelzmütze ist also “nicht mehr gültig”, genauso wie das Libero-Abi vom fähndrigen Jahr. Aber item. Der Punkt ist, dass Hase entdeckt hat, dass auch ihre Slipeinlagen ein Ablaufdatum haben, also irgendwann den Zustand erreichen, wo sie “nicht mehr gültig” sind. Man stelle sich das mal vor. Was, so fragten wir uns, passiert, wenn man das weibliche Genital in Kontakt mit ungültigen Slipeinlagen bringt? Explodiert, wie von Hase (!) angeregt, gleich die ganze Frau oder bekommt man bloss unangenehmen Besuch von der Slipolizei? Man weiss es nicht.

Und wie wir schon beim weiblichen Genital sind: das Wort “Vuvuzela” hat es ja scheints in den Oxford Dictionary geschafft, was saublöd ist, weil ich nach wie vor drauf bestehe, dass das Ding “Vuzulela” heisst, weil es so einfach phonetisch und vom Duktus her besser klingt. Das Wort meine ich jetzt; die Tröte klingt genau gleich, völlig gleichgültig, wie man sie nennt.

Ah, und übrigens: Müslüm, ich will ein Kind von dir!




Der Tag ist schön, die Sonne lacht.

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unserer fiebrig-heissen Kolumnen, die aktuell überall kleben bleiben. Sommer, halt. Also, wo um Himmels Willen soll ich bloss anfangen?

Ein Walliser auf Achse

Beim Oskar. Freysinger. Der alte Knallkobb aus dem hüere schönen Wallis mit dem gewissen Flair für Mystik und lustiger Politik. Er ist stinkig auf seine glatten Zürcher Parteikollegen und will jetzt eine Art Fraktion innerhalb der SVP gründen, die bei ihren einmal gefällten Entscheiden bleibt, so aus demokratischen Überlegungen heraus. Damit die Politik vor den einfachen Leuten glaubwürdig bleibt.

Ich verstehe zwar jetzt nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat, aber ich habe ja auch nicht mit dem Oski darüber gesprochen, was er sich da ausgedünkt hat. Zudem war ja er derjenige, der im Wallis so quasi die Zürcher Methoden eingeführt hat. Oder bin ich da wieder völlig falsch gewickelt? Die Wahrheit ist irgendwo da draussen.

Peng, du bist tot.

Die E3 ist wieder mal über die Bühne gegangen. Ein irres Spektakel, dessen Rahmenprogramm heuer offenbar besonders opulent ausgefallen ist. Nun ja, unsereins hat natürlich die Sache ein bisschen verfolgt und wir sind ein klitzekleines bisschen enttäuscht. Noch selten sind so viele FPS angekündigt worden, und man scheint sich gegenseitig mit Blut und Tränen überbieten zu wollen.

Nicht, dass ich plötzlich mit Pixelgewalt ein Problem hätte. Nicht, dass ich plötzlich einen Mechanismus entdeckt habe, der irgendwie neu oder bisher nicht wahrnehmbar gewesen ist.

Vielmehr ist mir aufgefallen, dass die kommenden Spiele, die sich nicht zu  gefühlten 95 Prozent mit gegenseitiger Meuchelei und dergleichen beschäftigen, heuer recht selten sind. Es gibt nur wenige Highlights abseits der doch schon recht ausgetretenen Ballerpfade.

Zudem sollen wir uns jetzt alle vor unseren Konsolen bewegen, mit Move und Kinetic. Sorry, liebe Sony und MS, aber Nintendo war zuerst, und das vor laaaanger Zeit. Und hat es bis jetzt am besten gemacht, denn ohne etwas in der Hand finde ich gamen saudoof (MS), und mit einem Objekt, das aussieht wie ein Mikro mit integrierter Fisting-Funktion (Sony), möchte ich nicht gesehen werden.

Nun denn, vielleicht werde ich nur alt und bin schon ein bisschen eingetrocknet, was bei dem Wetter auch kein Wunder ist.

So sei es. Gehet hin und habt warm.




Mission accomplished

Der Admin meldet gehorsamst wie folgt:

  1. Daumenschraube war weg, weil der zugrundeliegende Server “gehackt wurde” (so sagt zumindest der Ex-Betreiber).
  2. Daumenschraube ist jetzt bei einem klugen Hoster. Und hat mehr Kontrolle über sich selbst.
  3. Bei der Gelegenheit hat das IT-Department grad noch die olle Schraube auf die neueste WP-Version gebracht, dank dem Tipp von Hymnos lief das sogar mit dieser Uralt-Installation hier absolut smooth ab.

Wir bitten das verehrte Publikum für alle eventuell aufgetretenen Unannehmlichkeiten um Verzeihung.

Le Admin




RSS-Feeds fixed – please reload

Wertes Daumenschraube-Publikum

Offenbar sind unsere RSS-Feeds kapüster gegangen, sind hiermit gefixt. Darf ich deshalb Ihro werte Leserschaft darum bitten, die Feeds im RSS-Feedreader Ihrer Wahl nochmals zu abonnieren? Herzlichen Dank.

Le Admin




Erbarmen!

Also.

Morgen in einer Woche beginne ich meinen neuen Job. Bis dahin sollte ich den jetzigen Job in Anstand fertigbringen. Draussen sind gefühlte 52° und am Freitag haben Cockos endlich, endlich REAPER Version 3.0 veröffentlicht. Alles für sich genommen durchaus erquickliche Ereignisse, die mir auch hübsch Freude bereiten, aber heieiei, einisch isch gnue. Folglich gibt es diese Woche von mir weder Lustiges noch Interessantes hier, bitte weitergehen, dankeschön.

Ausserdem solltet ihr bei dem Wetter nicht am Computer sitzen, ihr Nerds.

Echt jetzt.




Spassbremsen

Brazil is calling!

Eine lüpfige Sambamelodie im Kopf und im Geiste schon den Rucksack am packen, gratulierte ich mir zu dem Entschluss, auch dieses Jahr wieder unbezahlten Urlaub zu beziehen und mein Kusinchen in Brasilien zu besuchen. Manchmal habe ich echt gute Ideen.

Ausnahmsweise konnte mir an diesem Tag nicht einmal der vor sich hin stinkende Sitznachbar im Bus meine gute Laune nehmen. Und das will etwas heissen. Im Normalfall können mir – im Gegensatz zum lieben Dschango – solche vermaledeiten Körperausdünstungen aber sowas von den Tag vermiesen…

Die Freude über meine Pläne wurden jedoch bereits am nächsten Tag getrübt, als sich morgens zwei E-Mails von besorgten Familienmitgliedern mit Links zu den EDA-Sicherheitshinweisen in meinem Postfach fanden. Dass ich nicht bereits beim lesen dieser erschossen wurde, grenzt an ein Wunder. Spätestens beim Besteigen des Flugzeuges muss ich mich dann wohl langsam mit dem Gedanken abfinden, mich endgültig von der Welt zu verabschieden. Ja, schön wars…

Ist ja putzig, wenn sich Mitmenschen um einen sorgen. Aber meine Güte, ich flieg doch nicht in den Gazastreifen! Und ein Besuch in den Favelas ist auch nicht vorgesehen. Also, calm down, tudo bem.




Die noch einmal ganz andere Presseschau

Es wird ja immer wieder gejammert über den Qualitätsverlust, der die Presselandschaft mehr und mehr prägt. Auch wir von der Daumenschraube sind immer an vorderster Front dabei, wenn es darum geht, der sogenannten dritten Macht (nicht zu verwechseln mit dem dritten Reich, total etwas anderes) auf die Pfoten zu hauen, weil sie mal wieder einen Bock geschossen hat.

Und ich hab fast mein Höslli genässt vor Lachen

Man muss aber so ehrlich sein, auch Lobenswertes zu erwähnen. So geschehen diese Woche im BlaAbend, mit der besten Schlagzeile aller Zeiten. Da kann sich sogar “Wir sind Papst!” dahinter verstecken, finde ich.

Sowieso, der Blabend, gäbe es diesen nicht, wie viel würde uns fehlen. Dank diesem tollen Blatt entgeht uns nichts, beispielsweise auch nicht, dass Ramona und Nico gerne von der Presse in Ruhe gelassen würden. Und die Grossmutter von Nico auch. Und Juri, der Vater von Nico, sowieso. Und Ramona, Nico, Juri und Grosi hätten ohne den Blabend kein Podium, um dieses Bedürfnis der Welt auch mitzuteilen, weil, die Schweizer Illustrierte liest ja eh kaum ein Schwein. Blabend, mach weiter so, die Teenie-Mütter dieses Landes brauchen dich!

OHGOTTOHGOTTOHGOTT!!

OHGOTTOHGOTTOHGOTT!!

Ich finde es auch schön, wenn die Presse ihre national-psychohygienischen Aufgaben wahrnimmt. Da war beispielsweise die ganze Zeit von einer Weltwirtschaftskrise die Rede, die uns alle total sturm im Gring gemacht hat. Auch bei Beinharts hat sich die Weltwirtschaftskrise im Kopf breit gemacht: wir kaufen jetzt nur noch das billige Séléction-Zeug aus der Migros, anstatt den traditionellen Wocheneinkauf im Globus zu machen.

Item. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, dass die Presse den Menschen den Kopf wieder geraderückt und ihnen sagt: Leute, so schlimm ist das alles nicht! Freut euch des Lebens und sagt JA! Und dieser Woche ist es der Berner Zeitung gelungen, mal wieder deutlich zu machen, dass wir in einer absoluten Null-Problem-Zone leben. Oder wie sonst kann man es sich erklären, dass die Tatsache, dass eine Schönheitskönigin von einem Büsi gekratzt wurde, eine Meldung mit Foto wert ist? Danke an die BZ, die uns mal wieder klar gemacht hat, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben!

PS: Schönheitskönigin und Büsi wurden umgehend von einem Care-Team betreut; beiden geht es den Umständen entsprechend wieder gut.




Leseoffensive zum Wochenende

Das Wochenende steht vor der Tür, es hudlet und luftet wie blöd. Nächste Woche ist Abstimmungs- und Wahlsonntag, beides geht mir schon sowas von auf den Keks. Zur Unfähigkeit von BärenBabsi ist alles gesagt, zur Lachnummer auf der Harley ebenfalls. Auch auf der SVP herumtrampeln macht mir momentan wenig Freude – da diese Partei bald mehr Bundesratskandidaten als WählerInnen hat, was soll ich hier denn noch Lustiges beitragen?

Politikverdrossenheit? Schnauze voll vom miesen Wetter? Warum nicht mal wieder ein gutes Buch in die Hand nehmen, sich mit dem Hasen im Bau verstecken und dort mal dem einen, mal dem anderen frönen?

Deshalb hier meine aktuellen Leseempfehlungen aufs Wochenende:


R. D. Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Ja, ich weiss, der Titel dieses Buches könnte von mir stammen. Tut er aber nicht. Leider, einerseits, weil wer fände es schon nicht toll, wenn ein Titel von einem (ein guter noch dazu!) auf ein Buch gedruckt würde? Zum Glück, andererseits, weil sein eigenes Buch unter Pseudonym zu rezensieren, das wäre jetzt sogar für mich ein kleines bisschen zu narzisstisch.

Darum gehts hier jetzt aber überhaupt nicht. Stattdesssen möchte ich der werten LeserInnenschaft, die philosophisch interessiert ist, dieses höchst amüsante und spannende Buch ans Herz legen. Zwar ist es eine Übersicht über die Philosophie, im Gegensatz zu den bisher erhältlichen Büchern zu diesem Thema ist es aber weder eine knochentrockene Abhandlung der verschiedenen Denkschulen und Ismen, noch ein Bombardement von Fakten, das die Lust am eigenen Denken schon im Keim erstickt. Stattdessen kommt es in einer humorvollen, verständigen Sprache daher und richtet sich ganz am konkreten Leben aus: Was ist Wahrheit? Woher weiss ich, wer ich bin? Nicht dass das Buch kugelsichere Antworten auf diese Fragen liefern würde, aber es gibt die richtigen Impulse, um selbst weiter zu denken.

Der Autor führt uns in einer Art philosophischer Weltreise durch die verschiedenen Orte, an denen Philosophie gemacht wurde, verknüpft immer den Titel des jeweiligen Kapitels mit dem Ort, der Person und der Zeit, die auf die jeweilige Frage eine Antwort gefunden zu haben glaubte. Auf diese Weise schafft er es, die zum Teil sehr anspruchsvollen Denksysteme anschaulich darzustellen.

Dschango-Prädikat: Unbedingt empfehlenswert!


Naomi Wolf: Wie zerstört man eine Demokratie – Das 10-Punkte-Programm

Die Autorin geht in ihrem Buch der Frage nach, was es braucht, damit eine Regierung ein Land von einer Demokratie in eine Diktatur verwandeln kann. Sie schildert dies mit einem Brief an einen Freund, in dem sie beschreibt, wie fragil einerseits das ist, was wir als ‘Demokratie’ bezeichnen und wieviel Aufmerksamkeit es von jeder Demokratin, jedem Demokraten auch und besonders heute braucht, damit die Errungenschaften, die unsere Vorfahren mit Blut und Geld erkämpft haben, nicht von billigen Populismen über den Haufen geworfen werden.

Hui, was für ein Satz…

Das 10-Punkte-Programm, wie es Wolf beschreibt, wurde in der Vergangenheit von beinahe jeder Diktatur angewendet. In den USA wurden in der Vergangenheit offenbar sogar angehende südamerikanische Diktatoren gezielt darin ausgebildet, ihre Bevölkerung mit diesen zehn Punkten unter die Knute zu zwingen.

Ja, das Buch ist aus einer sehr USAmerikanischen Warte aus geschrieben und die ständigen Lobreden auf die bestmögliche Demokratie ennet dem grossen Teich wirkt auf europäische Gehirne wohl etwas… naja, naiv vielleicht. Trotzdem hat, was Wolf zu sagen hat, durchaus auch bei uns Gültigkeit. Die Strategien und Techniken, die autoritäre Regimes anwenden, um eine freiheitliche Gesellschaft in Unterdrückung und Angst zu führen, sind während Jahrhunderten erprobt und bewährt und es wäre verwegen zu behaupten, dass solches bei uns nicht möglich wäre.

Bemerkenswert ist Wolfs Einsicht, dass die meisten Diktaturen keineswegs mit gewalttätigen Aktionen an die Macht gekommen sind. In den meisten Fällen liessen sich Diktatoren demokratisch wählen, zumindest aber juristisch legitimieren. Eine Diktatur entsteht nie über Nacht, indem man plötzlich die Stiefeltritte uniformierter Schergen im Treppenhaus hört. Stattdessen ist es ein langsamer, beinahe unmerklicher Prozess, der das Volk soweit bringt, zum Schluss dankbar zu seinem Metzger zu laufen.

Ein wichtiger Appell an das Demokratieverständnis jedes Einzelnen.

Dschango-Prädikat: Sollte beim Erreichen des Stimmrechtsalters Pflichtlektüre sein.

So, genug von all dem klugen Zeugs, hier noch ein bisschen Belletristik:


T.C. Boyle: Zähne und Klauen

Boyle begleitet mich schon seit bald 20 Jahren, war sogar mal mein absoluter Lieblingsautor (“America” war eine Offenbarung). Diesen Status musste er zwar leider abgeben (es wird ihn bitter reuen), noch immer aber schreibt er durchaus lesenswert.

Die Kurzgeschichtensammlung “Zähne und Klauen” beschreibt den Menschen als Spielball zwischen Ratio und Trieb, zwischen Dekadenz und Infantilität, zwischen Sinn und Unsinn. Seine Helden sind Säufer, Aussteiger und durchgeknallte Verlierer der Gesellschaft. Absurde Situationen treffen auf absurde Figuren, oder umgekehrt, je nachdem. Und Boyle schafft es, dass wir auch die grössten Deppen dafür bewundern, wie sie es schaffen, ihr seltsames Leben zu leben.

Dies ist sicherlich eines der grössten Talente von Boyle: man schliesst seine Figuren ins Herz. Boyle trifft, vor allem in seinen Kurzgeschichten, genau den Ton, genau die Balance zwischen Witz und Intellekt, die dazu führen, dass man sein als “Zwüschedüre”-Literatur geplantes Buch in wenigen Stunden wegliest. Die Boyleschen Verlierer machen süchtig, genauso wie sein süffiger, immer mit einem spitzbübischen Grinsen versehener Stil. Zynismus seinen Figuren gegenüber ist Boyle fern und es ist genau dieses Liebevolle, das ihn in meinen Augen zu einem der grössten seiner Zeit macht.

Dschango-Prädikat: Nicht nur fürs Nachttischli geeignet.


Sven Regener: der kleine Bruder

Ja, der Herr Lehmann ist wieder da! Das dünne Büchlein enttäuscht zwar vom Umfang her (seit ‘Neue Vahr Süd’ sind meine Standards gestiegen), aber trotzdem: ein höchst vergnügliches Lesewerk hat der Herr Regener da wieder abgeliefert.

Das Buch spielt zwischen ‘Herr Lehmann’ und ‘Neue Vahr Süd’. Frank Lehmann wurde gerade aus der Bundeswehr entlassen und fährt mit seinem Punk-Kumpel Wolli ins Berlin paar Jahre vor dem Mauerfall, um da zu seinem Bruder Manni zu ziehen. Regener führt uns durch den Alltag der Hausbesetzer- und Anarcho-Szene in Berlin, ihre Auseinandersetzungen, ihre (faulen) Kompromisse, letztlich auch ihr Scheitern vor dem real existierenden Kapitalismus.

Ja, das Buch ist zum Brüllen lustig. Kaum eine Seite, auf der ich nicht in lautes Lachen ausgebrochen bin. Die Figur Frank Lehmann oszilliert ständig zwischen Naivität und Weltgewandtheit, stösst als Landei in Berlin zwar dauernd auf Mitleid, entpuppt sich aber, wenn es wirklich hart auf hart kommt, durchaus als der einzige, der einigermassen seine Hirnzellen zusammenreissen kann.

‘Der kleine Bruder’ ist einerseits ein Lobgesang auf ein Leben abseits aller Konventionen, andererseits auch dessen Schwanengesang, weil auch der autonomste Kapuzenjackenträger über kurz oder lang von der Gesellschaft abhängig ist, gegen die er, am liebsten unter Mamis Rock hervor, revoltiert.

Hase hat das Buch auch gelesen und fand es nur “soso, lala”. Es ist irgendwie ein Männerbuch, ja. Es beschreibt die seltsamen Rituale von XY-Trägern, ihre eigenartige Logik, ihr befremdliches Paarungsverhalten und ihre noch viel befremdlicheren Initiationsriten. Es entlarvt uns Männer (vor allem diejenigen, die sich gerne als links, anarchistisch, autonom und/oder feministisch sehen) als weinerliche Testosteronhaufen, die den Schwanz wortwörtlich einklemmen, sobald das eigene Weltbild ins Wanken gerät.

Vielleicht ist das Lesevergnügen für Frauen nicht so gewährleistet. Wenn man aber als Mann zwischen 18 und 25 Jahren in alternativen Szenen aufgewachsen ist und sich auch im hohen Alter noch nicht vollständig vom Geruch von Freiheit, Tränengas und Bierdunst lösen kann, erkennt man sich und seine damalige Umwelt auf jeder Seite wieder. Frank Lehmann ist so, wie ich mich zu sein erinnern glaube, und ich denke, das geht jedem so, der eine ähnliche Biografie hat.

Einziger Kritikpunkt: ZU KURZ, VERDAMMT!

Dschango-Prädikat: Ja, wie jetzt? Muss doch sein, oder?




über uns

Die Daumenschraube war, so Wikipedia, ein Werkzeug zur “Wahrheitsfindung”. Selbstverständlich einer sehr subjektiven Form von Wahrheit, da die Daumenschraube immer die Wahrheit des Daumenschrauben-Anlegenden zu bestätigen hatte. Zur Wahrheitsfindung wollen wir diesen Blog ebenfalls einsetzen; zur Findung und Abbildung unserer subjektiven Wahrheit nämlich.

Wir glauben nicht an Objektivität, nicht an universale Tatsachen und nicht an unveränderliche Gesetze. Wir sind ausschliesslich uns selbst verpflichtet, sind so unabhängig, wie man dies als Konsumschlampen im 21. Jahrhundert sein kann, glauben an uns, unsere Gedanken und daran, dass schon Morgen das Heutige von Gestern sein kann.

Die Daumenschraube wird da korrekt angesetzt, wo es weh tut. Wir schreiben nicht, um uns Freunde zu machen. Auch nicht, um explizit Feinde zu gewinnen – aber wir sagen weder zu den einen noch zu den anderen nein.

Die Daumenschraube darf ruhig unterhalten, ja, wenn sie das nicht tut, hat sie ihren Sinn verfehlt. Wir wollen nicht betroffen sein, sondern treffsicher. Nicht jammern wollen wir, sondern dreinschlagen. Und wenn Ihr beim Lesen unserer Artikel nicht mindestens einmal lachen müsst, schämen wir uns ganz doll.

Wir, die AutorInnen dieses Blogs, fühlen in unseren Brotjobs, wie die Daumenschrauben des real existierenden Neoliberalismusparadieses jeden Tag noch ein Quäntchen mehr angezogen werden. Gleichzeitig ist die Daumenschraube auch das Werkzeug, das uns, alle drei hochgradig prokrastinatorisch veranlagt, an den Bildschirm zwingt und uns unter Verlust von Blut und Tränen Texte aus den Fingern presst. Eure Folter, liebe LeserInnen, ist deshalb auch immer die unsere.

In diesem Sinne noch viel Spass auf der Daumenschraube!

Aga T. Korhonen
Dschango Beinhart
Nasse Magnussen