Archiv für die Kategorie ‘Spocht’

Wer hätte das gedacht

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Beharrlichkeit zahlt sich eben doch aus.

Gestern wurde ich vom 6. zum 5. Kyu befördert. Auf Deutsch heisst das, dass ich kein blutiger Anfänger mehr bin und gewisse Grundtechniken beherrsche.

Ist jetzt nicht so die Weltleistung per se, aber die Befriedigung sitzt tief. Der Motivation hat es auch nicht geschadet.

Der betonharte Arsch ist mehr so ein unbeabsichtigter, aber willkommener Nebeneffekt.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit
  5. Die Perfektion und ihr Kind
  6. Wer hätte das gedacht




Schampus und Champions

Ich bin ja selbst deklarierter Fussball-Nixchecker. Umso schlimmer für die Footer-Fan-Kollegen im Büro, als ich eine Einladung für ein Spiel der Champions League bekam. So mit alles drum und dran, inklusive Eintritt in die Champions Lounge und Lizenz zum Futtern und Löten.

Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, den zwei Fussballbegeisterten mein Ticket unter die Nase zu halten und ihre Reaktion zu geniessen. Hie und da muss ich meinen leichten sadistischen Neigungen einfach etwas Auslauf gönnen, das aber nur nebenbei.

Da habe ich also mit der werten Kollegin im Voraus freudig fantasiert, wie wir bequem auf einer Ledercouch rumpflözen und uns mit feinstem Schampus vollaufen lassen würden. Das Spiel würde so zur Nebensache verkommen und wir hätten mit ein paar netten Leuten einen lustigen Abend verbracht.

Die erste Enttäuschung liess nicht lange auf sich warten. Nachdem wir uns durch tausende von eigenartig eingekleideten Leuten durchgewühlt hatten, kamen wir etwas erschöpft, aber eben voller Vorfreude in der Champions Lounge an.

Dann dies: Es gab keinen Schampus. Die Tische waren durchaus reichlich gedeckt, aber an Blubberwein hatte offensichtlich niemand gedacht.

Und dies: Weit und breit keine Ledercouch. Es gab zwar die eine oder andere Möglichkeit, sich bequem zu setzen, aber die grosse Anzahl Menschen in dieser Lounge stand in keinem Verhältnis zu den wenigen Sitzmöglichkeiten. Zudem musste das Spiel optimalerweise auf den Rängen in harten Schalensitzen aus Plastik genossen werden. Zum Glück hatten wir ein Dach über dem Kopf.

Das brachte mein welkes Oberstübchen dazu, ein paar Erkenntnisse zu formulieren.

Erstens: Ein Ticket in die Champions Lounge ist kein Freibillet für dekadenten Schampus-Spass mit Leder unter dem Füdli. Wenn man sich einen Abend lang wie ein Halbgott fühlen will, geht man also besser nach Egerkingen ins Römerbad, das kostet etwa gleich viel, aber man kommt wesentlich entspannter aus dem Laden wieder raus.

Zweitens: Menschen, die für ein Ticket in der Champions Lounge bezahlen, haben eigentlich nur Gratisessen, Gratisbooze und einen leicht besseren Blick auf das Spielgeschehen, mehr nicht. Der Andrang ist etwa gleich gross und penetrant wie beim Fussvolk und es gibt auch bei den vermeintlich Mehrbesseren Leute, die sich nach dem Gang aufs Klo die Hände nicht waschen.

Ich habe echt kurz überlegt, ob ich in res publica auf den Mann zeigen und laut schreien sollte  “Die Sau hat sich nach dem Pinkeln die Hände nicht gewaschen!”. Ich tat es dann doch nicht, weil die Einladung von einem Kunden und Sponsoren kam und ich niemanden unnötig blamieren wollte. Henusode.

Ach ja, das Spiel. Glücklicherweise vergingen die zwei mal fünfundvierzig Minuten inklusive Pause wie im Fluge, es war streckenweise sogar richtig spannend. Natürlich hat der Favorit letztendlich gewonnen und die Lokalmatadore gingen geknickt, aber unter tosendem Applaus zurück in ihre Kabinen.

Immerhin hatte der Anlass trotz allem ein wenig People-Flair, habe ich doch zwischen all den Wichtigtuern noch ein paar Dekoschlampen Spielerfrauen und sogar das Christineli Surer gesehen. Aber die Ärmste sollte wirklich mal richtig Essen, bei so einem Klappergestell muss ich immer gleich an den Mittermeier denken: “Die will man nicht ficken, die will man füttern.”

Sei’s drum, es war eine interessante Erfahrung, die ich in etwa mit dem gleichen Fazit wie beim Oktoberfest abschliessen kann:

Es ist in Ordnung, wenn man es mal gesehen hat, aber einmal reicht im Leben.




Sie leben…

Ja, wir leben noch. Auch wenn der Rhythmus unseres Geschreibsels zuletzt etwas zu wünschen übrig gelassen hat.

Egal, denn im Prioritäten setzen waren wir schon immer gut.

Apropos Prioritäten setzen, nachdem die in Schweizer Besitz befindliche Ölplattform Deepwater Horizon abgegluckert ist und den mexikanischen Golf inklusive Küsten schön einölt, könnte jetzt eine Schweizer Firma Abhilfe schaffen. Man ist da scheinbar zuversichtlich.

Komisch, irgendwie fühlen wir uns ein bisschen an die übliche CH-Kriegsgewinnlerei(TM) erinnert. Ein Schlingel, wer böses dabei denkt…

Denken ist ein gutes Stichwort. Wir sind immer wieder mal überrascht, wie die Jesus-betrunkenen Polit-Kreuzritter gelegentlich von den Kollegen der SVP in Sachen Hirnakrobatik rechts überholt werden.

Unsichtbare Freunde hin oder her, das hier stellt doch einiges in den Schatten, obwohl es in der Schweizer Politik an Dummheiten zuletzt kaum gefehlt hat. Respekt, solch gequirlte Scheisse muss man im Denkstübchen erst mal hinkriegen.

Diskussionen über Fussbälle oder Plastiktröten sparen wir uns an dieser Stelle, da faktisch kein Interesse vorhanden. Ich finde Vuvuzelas aus Metall eh besser, die kann man wenigstens als Rauchinstrument benutzen.

Olé.




Die Perfektion und ihr Kind

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Nasse lernt kloppen


Es ranken sich viele Mythen um die Japaner und ihre ganz eigene Definition von Perfektion und dem Streben danach. Auf mich als durchschnittlichen Europäer mit Wikinger-Hintergrund wirkt das mitunter etwas bescheuert, obwohl gerade im Schweizerischen Dienstleistungssektor etwas mehr Japan-Groove wünschenswert wäre. Anders kann ich mir meine Glücksgefühle nicht erklären, wenn ich ordentlich bis gut bedient werde und am Ende sogar noch das bekomme, was ich bestellt oder wofür ich bezahlt habe.

Natürlich kommt man in der Kampfkunst auch nicht um diesen Aspekt herum. Das äussert sich in meinem Dojo zum Beispiel darin, dass grundsätzlich ein sehr hohes Niveau gepflegt wird. Während man in anderen Dojos bei einer entsprechenden Leistung einen höheren Gurt bekommt, gibts bei uns Sprüche à la “Nett und schön, aber verbesserungswürdig”.

Das kann zwar tierisch nerven, hat aber äusserst positive Auswirkungen auf die Gesamtqualität unserer Rumhebelei. Zudem führt es zu einer Selbstbetrachtung, die von einer gewissen Bescheidenheit geprägt ist, frei nach dem Motto: Ich weiss, dass ich nichts kann. In unserer wer-hat-den-Längsten-Gesellschaft ist das durchaus erfrischend und angenehm, zudem kann man mit dieser Einstellung eigentlich nur gewinnen.

Andererseits verzichte ich gerne auf sämtliche Aspekte der totalen Selbstaufgabe in eben diesem Streben nach Perfektion. Ich habe nach wie vor ein Leben mit allem drum und dran, darum werde ich bestimmt nicht den ganzen Tag im Kimono und in Reislatschen durch die Gegend rennen. Auch das Verneigen vor dem Bildnis eines längst toten Meisters an der Wand ist nicht so meins, es ist aber nicht wirklich hilfreich, sich dagegen zu wehren. Jedem Verein seine Mätzchen, wohl oder übel.

Letztendlich kann ich mich nicht beklagen, denn es gibt Dojos, wo die Etikette wesentlich strenger gelebt wird und die Philosophie mindestens so viel Platz wie der eigentliche Sport einnimmt. Somit habe ich es mit diesem doch sehr sportlich orientierten Trüppchen gut getroffen, und die paar unausweichlichen Bücklinge, die gefordert werden, halten sich in einer übersichtlichen und vertretbaren Menge.

Wir bleiben dran.


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Leistungsindex schmerzbefreit

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Nasse lernt kloppen


Neulich in der Garderobe, kurz vor dem Training.

Nasse: “Du, Housi, bin ich eigentlich auch im Plan für die Gelbgurtprüfung im Frühling?”
Housi: “Nööp, du bist noch zu schlecht dafür.” (breites Grinsen)
Nasse: “Mir würden im Fall deine markigen Statements fehlen, wenns die mal nicht mehr gäbe…”
Housi: “Ich mags halt direkt. Dann weisst du wenigstens, woran du bist.”
Nasse: “Ach Housi, wenn ich mal gross und stark bin, dann lege ich dich auch auf die Matte.”
Housi: “Du bist schon gross und stark. Jetzt musst du halt noch lernen, deine Masse anständig zu bewegen. Technik ist das Stichwort. Und dreissig Jahre Erfahrung.”
Nasse: *seufz*

Wenigstens kann ich jetzt den Obi Knoten.


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Ballistische Erfahrung

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Nasse lernt kloppen


Es geht vorwärts. Nach drei Wochen schnupfenbedingter Abwesenheit ging ich neulich wieder mal auf die Matten. Und wat war das geil, echt jetzt. Es hat mir tatsächlich enorm gefehlt.

Einer der Kollegen in Weiss (ich meine die Gurtfarbe) muss für seine Gelbgurt-Prüfung üben. Da ich nach meiner erwähnten Abwesenheit wieder ein bisschen warm werden musste, war das eine gute Gelegenheit, ganz im Geiste des Ehrenkodex der Kampfkünste, mich zur Verfügung zu stellen. Was dann darin gemündet hat, dass ich während etwas mehr als einer Stunde permanent als Wurfgeschoss eingesetzt wurde. Und es war gut so. Sehr gut sogar.

Es ist mir nach wie vor ein kleines bisschen unheimlich, wie man sich nach koordiniertem verkloppt werden so wohlig fühlen kann.


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Gut gerollt

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Nasse lernt kloppen


Aus einem blutigen Anfänger ist nun ein bemühter Anfänger geworden. Das Abrollen geht schon in die meisten Richtungen und aus allen möglichen Positionen ganz gut, doch mit der Beinarbeit haperts noch. Ist auch nicht ganz einfach, mit so langen Stelzen wie ich sie habe.

Insgesamt aber kann ich bereits nach knapp zwei Monaten regelmässigen Trainings deutliche Veränderungen wahrnehmen, körperlich wie geistig. Meine Stressresistenz ist beispielsweise signifikant gestiegen, das Selbstbewusstsein verändert sich irgendwie auf eine sehr subtile Art, es scheint viel zu gehen in meinem System. Und es passiert eben auf eine sehr unterschwellige, aber scheinbar konsistente Art.

Man kann sich natürlich darüber streiten, was jetzt “wegen” Aikido passiert und was nicht. Grundsätzlich hilft es, wenn man offen und Arbeitswillig ist was die eigene Entwicklung angeht. Kampfkunst kann ein Katalysator sein, sie kann Entwicklungen unterstützen oder vielleicht sogar beschleunigen.

Man könnte es möglicherweise so zusammenfassen: Bei der Kampfkunst setzt man sich auf eine sehr intensive Art und Weise mit sich selbst und anderen auseinander, ausserdem lernst man sich physisch und psychisch zu beherrschen.

Witzigerweise bezahlt man dafür um hart zu trainieren, sich in eine erst mal fremde Gruppe einzufügen und wegstecken muss man auch noch einiges. Zum Glück bleibt da der Spass nicht auf der Strecke, sonst wäre es gar etwas masochistisch.

Zusammen mit dem gelegentlichen Waffentraining (vorerst mit dem Holzschwert, Bokken genannt) ergibt das praktizieren von Aikido ein rundes Paket für Körper und Geist, das ich mittlerweile nicht mehr missen möchte.


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Abgründig demokratisch

Leider nicht das, wonach es aussieht

Leider nicht das, was der Name suggeriert

Angenommen, es wäre  Donnerstag Abend und ihr hättet zwar wahnsinnig Lust auf Unterhaltung, leider aber kein Geld zur Verfügung. Kann ja mal vorkommen. Normalerweise wärt ihr in dieser Situation voll angeschissen, weil bekanntlicherweise kostet hierzulande alles, ganz besonders Unterhaltung.

Normalerweise, ja, aber nicht, wenn ihr euch zufälligerweise in der Stadt Bern aufhaltet. Hier gibt es nämlich seit viiielen hundert Jahren schon eine Anstalt, die sich zumindest seit einiger Zeit dafür einsetzt, einmal in der Woche auch dem kleinen Geldbeutel Zerstreuung zu bieten. 80 Freiwillige geben jede Woche ihr Bestes, um auf und hinter der Bühne ein Spektakel aufzuführen, hinter dem jede griechische Tragödie zur Soap verblasst. Es werden neu auch Elemente des Theatersports aufgenommen: oft ist unklar, ob die Protagonisten (man darf hier ruhig einmal ausschliesslich die männliche Form benutzen) nun Schauspieler oder Publikum sind.

Und wo findet man diese ehrenwerte Institution? An pittoresker Lage im Herzen der Berner Altstadt, am Rathausplatz, da in dem Gebäude mit den hohen Treppen links und rechts. Mag ja sein, dass dieser Ort ursprünglich nicht als Musentempel vorgesehen war, spätestens seit der gestrigen Budgetdebatte ist aber klar: will Bern als Kulturhauptstadt punkten, muss sie für den Stadtrat einen Posten im Kulturbudget reservieren!

Hauptakteurin war mal wieder die Fraktion “SVPplus”, die sowohl den tragischen wie auch den komischen Teil der Aufführung in Eigenregie inszenierte. Als Kullissenschieberin amtete, zumindest, bevor es sogar diesen Herrschaften zu blöd wurde (und das will etwas heissen), Juniorpartnerin FDP.

Ah, apropos FDP: ihr wisst ja alle (*hüstel*), dass der höchste Berner momentan der FüDläParteiler Ueli Haudenschild ist. Witzig übrigens, wenn nicht gar von prophetischer Qualität: ich habe zuerst “Huahaschild” geschrieben, und eigentlich müsste man ihn genau so umbenamsen. Falls man mich irgendwann mal anfragen wird, ob ich einen Lexikonartikel zu den Stichworten “Unfähigkeit”, “Führungsniete” und “Rückgratschwund” verfassen würde, mit dem Foto vom Herrn Huahaschild wüsste ich im Fall grad sofort eine diese Stichworte visualisierende Illustration. Aber mich fragt ja keiner. Deshalb wird auch mein Artikel zum Thema “schwanz- und eifrei (s.a.: ‘Huahaschild’)” bloss geistige Makulatur bleiben.

Schade eigentlich.

Wahrscheinlich muss ich an dieser Stelle dem Teil der Leserschaft, der sich nicht für Politik interessiert (ich verstehe euch jeden Tag ein bisschen besser), etwas Hintergrundinformationen liefern. Es wurde gestern nämlich in einem zweiten Anlauf das Budget der Stadt Bern fürs Jahr 2010 beraten. Dazu hat die Fraktion ‘SVPplus’ (das sind im Wesentlichen die SVP, deren Blocherjugend, ein paar scheintote Schweizer Demokraturisten sowie “mini Harley het i mim Ranze Platz, mis Hirni näbem Boschettli” Jimy Hofer) ein Paket von 180 Änderungsanträgen eingereicht. Ziel dieses ‘Planes’ war, dass die Debatte derart verzögert wird, dass das Budget nicht mehr vor den Herbstferien verabschiedet und somit auch im November nicht den StimmbürgerInnen zur Abstimmung vorgelegt werden kann. Damit wollte man bei der SVP erreichen, dass – ja, was eigentlich? Dass die Stadt Bern möglichst bald vom Kanton zwangsverwaltet wird, in der Hoffnung, dass dann die vom Kanton vorgeschriebenen Auslagen, welche die SVP streichen wollte, direkt vom Kanton an den Kanton überwiesen werden? Man weiss es nicht. Falls ihr hierzu mehr Informationen haben wollt, fragt doch am besten direkt beim Herrn Wurmbandführer Hess nach. Wenn ihr viel, viel Geduld mitbringt und alle Fragen mit Worten formuliert, die aus nicht mehr als zwei Silben gebildet werden, besteht vielleicht eine gewisse Chance, dass er euch das erklären kann.

Wobei – man muss ja ganz klar sagen, dass die Qualität von Hess’ Voten der Qualität seiner Anträge in nichts nachstand: auf jeder Ebene, egal ob formal, rechtlich, inhaltlich oder rhetorisch unter jeglicher jemals über den Hof galoppierten Sau. Und weil ihm die Argumente fehlten (logisch, bei unter 12 Gramm aktivierbarem Resthirn), musste er die Redezeit von fünf Minuten pro Antrag halt eben mit Extrem-Bärndütsching dehnen:

Miiiiiiiiir stiimmmmmmmeeeeee iiiiitz üüüüübere Aaaaaaaaatraaaaaag füüüüfesäääächzg bis siiiiibeeeeeneeeesääääächzg aaaaab… daaaaaas siiiiii drüüüüüüüü Aaaaaaaträääääg zuuuu füüüüüf Minuuuute, das maacht ausoooo… ääääääääh… füfzäääääääh Minuuuuuteeeee, odeeeer, angerscht gseit, ä Vieeeeertuuuuuustuuuuuuuuuuund…

Aber zum Glück sass ja noch Ziehvater und Puppenspieler Thomas Fuchs auf der Zuschauertribüne (keine Sorge, sie wurde extra zu diesem Zweck im Vorfeld mit zusätzlichen Stahlträgern verstärkt). Mit dem Natel in der Hand gab er seinem Führer-Stellvertreter unten im Saal Anweisungen, was zu tun sei – selbiger war dann auch noch dämlich genug, während diesen (keineswegs in konspirativer Lautstärke geführten) Gesprächen ständig zu seinem Idol hochzuschauen. Schon interessant, wie jemand von der Zuschauertribüne aus die Politik im Stadtrat steuern kann, ohne dass dies dem Stadtratspräsidenten negativ auffallen würde. Huahaschild halt, sag ich doch.

So war es auch an der Grenze zur Realsatire, als Jimy Hofer während einem Votum mitten im Satz abbrach und zurück an seinen Platz ging. Erstaunen im Rat, was war geschehen? Nun, wie man uns aus zuverlässiger Quelle mitteilte, knurrte er, wieder in den Sitz gezwängt:

Ha ke Ahnig gha, um was es geit, aber dr Hess het gmeint, ig müess derzue ga rede.

Heil, Führer befiehl, die Broncos folgen!

Spassig wurde die Sache natürlich erst so richtig, als gegen Mitternacht die elektronische Abstimmungsanlage ausfiel und der Stadtrat mit Einzelnamensaufruf (“Hanspeter Aeberhart?” – “Ja” – “Michael Aebersold?” – “Nein” …) über die letzten hundert Anträge abstimmen durfte. Morgens um 3 war dann der Spuk vorbei.

Und als Fazit? Fast zweihundert Änderungsanträge, die allermeisten davon rein rechtlich gar nicht umsetzbar, in der Folge genau keiner (0, null, zero, zilch) angenommen. Zig Chefbeamte und Gemeinderäte während fast 24 Stunden in Geiselhaft (wo ist der Bundesmerz, wenn man ihn braucht?!?) einer Partei, die sich einen schlanken, effizienten Staat und den Abbau von Bürokratie auf die braunrandige Fahne geschrieben hat. Eine Partei, die sich als singuläre Repräsentantin von Volk und Demokratie darstellt und die bei jeder ihrer Aktionen, welche nichts anderes tun, als die Grundfesten der Demokratie zu diskreditieren, klar und deutlich zeigt, wie sehr sie im Grunde genommen auf genau dieses Volk, auf genau diese Demokratie scheisst.

Dazu passt doch der Spruch von Hases Mami, zwar nicht in dem Zusammenhang geäussert, aber trotzdem wie der Nagel auf den Kopf:

Ig ha gchotzet wie nä Gärbihung.

In diesem Sinne: ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn wir uns wieder zum fröhlichen Theatersport im Berner Stadtrat treffen!

PS: Dschango fährt diesen Sonntag mal wieder auf Urlaub, zu Hasenverwandten nach Italien. Kann also gut sein, dass ihr nächste Woche auf mich verzichten müsst. Aber keine Sorge: euer Dschango kommt sicher zurück – und voraussichtlich bringe ich wieder amüsante Einsichten mit aus dem Land, wo die Zitronen blühn.

Bis bald!




Nasse und die Kampfkunst

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Jahaha, da staunt ihr, wa? Ich hatte ehrlich gesagt keine grosse Ahnung von dem ganzen Kram. Habe mir, ganz der Web 2.0 Cowboy, verschiedene Kampfsportarten auf YouTube reingezogen und bin immer wieder bei Aikido hängen geblieben.

Das Probetraining (mein erstes seit Jahren) hat jedenfalls schon mal ordentlich Spass gemacht. Die Leute waren easy drauf und ich wurde recht schnell in den Trainingsbetrieb integriert. Meine ungelenke Holzfäller-Masse hat zwar für den einen oder anderen Lacher gesorgt, andererseits konnte ich bereits nach einer halben Stunde meine Körperkraft deutlich besser einschätzen als die letzten gefühlten 50 Jahre. Mindestens zwei Leute haben sich noch hörbar darüber beschwert, dass ich teils schwer zu lösende Griffe tätige. Passt schon, ich will ja schliesslich Gegenleistung für mein Geld.

Summa summarum eine recht flockige Bilanz, vom Muskelkater mal abgesehen. Das Jahresabonnement jedenfalls ist so gut wie gelöst. Natürlich bleiben wir bezüglich der hiesigen Berichterstattung über Nasses Abenteuer im Kampfkunst-Dschungel dicht am Schlagstock, äh, Ball.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
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  6. Wer hätte das gedacht




Ein Idiot und zwei Räder

Spaziergänge im Wald mit Schatzi und Hund sind ein wahrer Segen. Probleme gibt es selten, sogar mit Reitern und Velofahrern klappt es eigentlich immer, vorausgesetzt, alle Beteiligten tragen ihren Teil dazu bei.

Leider konnte ich letzten Sonntag nicht auf den Spaziergang mitgehen, also war mein wildes Schatzi mit dem Sauzahn alleine unterwegs. Im Forst ob Matzenried, um genau zu sein. Gut, alleine war sie ja nicht wirklich, da noch ein Velo-Wald-Trial (oder wie auch immer das heisst) mit gefühlten 300 Bikern stattfand. Und alle haben sich anständig benommen.

Alle? Nicht ganz, denn ein zäher Kern von bescheuerten Vollidioten stellt nach wie vor das eigene Leistungsziel vor angepasstes Verhalten in entsprechender Umgebung. Es kam also wie es kommen musste:

Mit vollem Caracho kommt einer dieser Offroad-Rabauken um die unübersichtliche Ecke geschossen, ruft kurz Achtung! und erwartet offensichtlich, dass meine Mätresse den Hund in 30 Millisekunden gesichert hat. Das ging natürlich nicht, also lief unser hübscher Blonder vors Velo, der Fahrer strauchelt, fällt und begräbt unser geliebtes Viech unter dem Drahtesel.

Der Hund ist natürlich traumatisiert und verwirrt und weiss nicht wohin, der Fahrer steigt ohne ein Wort zu verlieren wieder auf und fährt im gleichen Tempo davon. Schade nur dass unser Hund in seiner Angst leider immer noch nicht gesichert werden konnte und jetzt vor dem Velofahrer seine Runden zog und sich von diesem gejagt fühlte. Mein Schatzi hat sich schier heiser geschrien und wohl auch seit Monaten nicht mehr in so kurzer Zeit so viel geflucht.

Am Ende war unser Hundi zum Glück wieder bei den Leuten und der Velofahrer ward nicht mehr gesehen. Alle beteiligten haben ihr Trauma bewältigen können und sind immerhin ohne Schaden davon gekommen.

Als mir mein Schatzi die Geschichte erzählte, da erkannte ich das seltene Glück, dass diesen unsäglichen Mountainbiker an diesem Tag ereilt hat: Wäre ich dabei gewesen hätte es für den Biker Nasenbluten gegeben und er wäre mit einem ziemlichen Achti in den Speichen nach Hause geeiert.

Falls der betroffene Biker per Zufall diese Zeilen liest: wenn das jemals passieren sollte wenn ich dabei bin, dann mach dich darauf gefasst, dass ich dich nötigenfalls vom Bike reisse und dir deine dumme Fresse polieren werde. Ich habe kein Verständnis für solch Rücksichtsloses Verhalten.

Ich nehme im Übrigen auch eine Anzeige wegen Körperverletzung in Kauf. Da würde ich bei der Gesichtsmassage sogar ein kleines Supplement geben, damit sich die Anzeige wenigstens lohnt…




Schlechter Verlierer

Der olle Schwabe Jürgen Klinsmann hat grad eine etwas mühsame Phase in seinem Dasein. Nicht nur, dass seine überbezahlten und verwöhnten Kicker-Nulpen vom FC Bayern zur Zeit eher unterirdisch spielen, jetzt wird er auch noch von der Presse und von Gerichten gepiesackt.

Nun gut, die hervorragende Bezahlung als Bayern Trainer setzt eine gewisse Schmerzbefreitheit voraus, könnte man jedenfalls meinen. Aber nein, der Jürgen macht einen auf religiöse Mimose. Herr Klinsmann lässt verlauten, dass die Karikatur in der TAZ ihn in seiner religiösen Ausprägung aufs Massivste und Unerträglichste verletzt hat. Och…

An diesem Punkt würde ich gerne auf ein paar Aussagen/Zitate vom Klinsi stichwortartig meinen Senf dazu geben. Los geht’s:

Klinsi: Er verstünde sich als religiöser Mensch und erzöge seine beiden minderjährigen Kinder auch in diesem Sinne.
Nasse meint: Arme Bälger, wie sollen die sich später mal orientieren können oder so etwas wie seelische Stabilität aufbauen, wenn schon der Papa so einen religiösen Eiertanz aufführt?

Klinsi: Er werde zum Objekt und Opfer blasphemischer Angriffe.
Nasse meint: Wer sich öffentlich zu einer Religion bekennt und dies nicht privat halten kann, der sollte sich auch auf mögliche Kritik einstellen. Es gibt kein Recht auf verbale Unversehrtheit, wenn man sich öffentlich zu Zauberkram bekennt.

Klinsi: Er werde dafür benutzt, dass das Leiden Christi ins Lächerliche gezogen werde – und werde Hohn und Spott ausgesetzt.
Nasse meint: Wer sich mit ernster Miene und schwäbischem Dialekt für die Leiden Christi einsetzt, der muss damit rechnen und sollte es auch ertragen, den einen oder anderen Lacher zu verursachen.

Da wir nicht nur auf die Leute eindreschen sondern auch konkret helfen wollen, haben wir für den alten Jürgen einen Trick aus unserer Lebenshilfe-Kiste parat: Konzentrier Dich auf Dein Kerngeschäft, überlasse den Jesus und seine Kamellen den üblichen Wirrköpfen und ihren Vertretern vom FC Vaticano und heul nicht öffentlich rum, wenn Dich jemand ans Kreuz nagelt. Jesus wäre da sicher hart geblieben. Darum: Jürgen, sei ein Mann!




Yoga und andere Vorurteile

Ja, ich habe mich gesträubt, geziert und mich lustig drüber gemacht: Yoga ist was für Wollpullis tragende Veganer/innen. Solche, die Batikkurse in der Toscana besuchen. Oder wahlweise im Jura. Müeslipickers, die zu faul zum Joggen sind – das geht ja schliesslich in die Knie. Kann man auch so schlecht mit homöopathischen Kügelis kurieren.

Aber irgendwann kam er, der Gruppendruck. “Was, Du hast noch nie Yoga gemacht??” Dieser Satz häufte sich in meinem Umfeld, stets verbunden mit einem leichten, ungläubigen die-Augenbrauen-hochziehen. Na gut, ihr habt es alle so gewollt, ich habe mich tatsächlich in die Höhle des Löwen gewagt. Sozusagen. Schliesslich kann man nur über etwas urteilen, das man auch ausprobiert hat. Das übliche Bla-Bla eben…

Natürlich fand ich mich nach wie vor viel zu cool – ein sehr uncooles Wort, ich weiss – für so was. Mein Ding ist das Konditionstraining, da muss alles schön rausgeschwitzt werden, die Trainingsklamotten müssen nass sein, die Lunge schmerzen und das Herz pumpen (danke der Nachfrage, gesundheitlich ist alles in Ordnung bei mir…).

power-yoga

Jedenfalls habe ich nun mein erstes Mal hinter mir. Ich habe sie alle gemacht, das Sonnengebet, den Pflug, den Hund, die Kobra und den Fisch – ja gar die Heuschrecke. Ich habe durch den linken Arm eingeatmet, um gleich wieder über das Brustbein durch den rechten Arm auszuatmen. Wie das funktioniert? Keine Ahnung, normalerweise mache ich das mit der Nase. Aber…es war gut!

Vor lauter Konzentration habe ich sogar vergessen, mich auf meine Mit-Yoga-Streiter zu achten. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass ich keine Strickpullis gesichtet habe.

Mann, bin ich entspannt…und frei von Vorurteilen!