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Durcheinander

Ja, das bin ich. Getrost. Aber auf eine gute Art. Ich habe mich zwar jüngst gefragt, ob man im Leben wirklich genügend gefordert ist, wenn man Produktbezeichnungen wie Bonding Wärmezange Advanced einfach nur geil findet.

Aber ich habe die Frage schnell wieder verworfen und daraufhin ein wenig im letzten Magazin geblättert. Da hat es in der Tat ein paar nette Schreiben drin. Es tut immer wieder gut, solches Papier in die Hände zu bekommen. Man muss zwar realistisch genug bleiben und davon ausgehen, dass nicht jede Ausgabe nur glänzen kann, aber es gelingt diesen Leuten immer wieder, tolles Material abzuliefern. Gerne wieder für meinen Teil.

Ja und sonst…? Ich finds im Moment schwierig, aus der Flut von News und Unterhaltung die richtigen Perlen zu ziehen. Ich hatte diese Woche sicher gefühlte fünfzig Momente, wo ich ein ultimatives Blog-Thema gehabt hätte. Leider war ich zu blöd, auch nur ansatzweise so etwas wie Notizen zu machen. Ging halt immer irgendwo um mich herum die Post irgendwie ab, was mich letztendlich wieder und vollständig abgelenkt hat.

Ich schwebe irgendwo zwischen gedämpfter Ignoranz und Boderline auf Valium, so in etwa. Vielleicht noch eine kleine Prise ADS-mässiges Assoziieren, und schon haben wir unseren kleinen Brei im Oberstübchen beisammen. Und wenn gar nichts mehr geht, dann spielen wir ein bisschen Musik.




Prioritätenmanagement

Montag Morgen, 06.30 Uhr, der Kaffee dampft, die Frisur sitzt. Die Themen in Presse und Radio:

  • Was bedeutet die neue deutsche schwarz-gelb Regierung (YB-Koalition quasi) für die Schweiz? Wird der Herr Westerwelle, seines Zeichens Aussenminister in spe, aufgrund seiner sexuellen Präferenzen bei einem allfälligen Iranbesuch umgehend vom Achmeschlagmichtod verhaftet und gefoltert?
  • Ist die Verhaftung des Herrn Polanski gerechtfertigt oder bloss ein weiterer Versuch der Schweizer Regierung, das Ansehen im Ausland aufzupolieren? Ein Aufschrei geht durch die lokale Filmszene (ist ja auch unverschämt, einem flüchtigen Kinderschänder den Prozess zu machen, auso ehrlech!).
  • Ach ja, fast vergessen: Die neue Miss Matterhorn wurde ja auch noch gekürt. Blondiert und streng gläubig – eine verheerende Mischung aus dumm und weltfremd.

Zur Erinnerung: Am Wochenende haben wir über die eine oder andere wichtige Vorlage abgestimmt. Ich finde es irgendwie seltsam, dass dies in der Montagspresse und den Onlinemedien mehr oder weniger als Randnotiz zu finden war. Eine Prioritätenanpassung im Newsbereich wäre wünschenswert.




Liberal im Jahre 2009

Es gibt heute ja bekanntlich viele, viele bunte Blätter, die dem und der Gläubigen ihren Überschuss an Phantasie satt befriedigen: “reformiert” (formerly known as “saemann”), das katholische Pfarrblatt und noch viele weitere, selten wirklich auflagenstarke und/oder relevante Blättchen tummeln sich im Pfuhl der medialen Verkündigung. Das ist auch gut so: erstens hat selbst der Dümmste im Lande ein Recht darauf, in seiner Ignoranz bestätigt zu werden, zweitens müssen all die Absolventen der Ringier-Journalistenschule zu Zeiten des medialen Kollapses ja irgendwohin.

Was ich aber partout nicht verstehen will: warum entwickelt sich der Bund, frisch “gerettet” (die paar Entlassungen sind ja sowas von nicht relevant) zum neuen Berner Pfarrblatt?

Wer auch nur mit minimal offenen Augen durch diese Zeitung blättert, staunt, denn mehr und mehr dominieren religiöse Themen. Selbstverständlich wird möglichst “tolerant” berichtet (lies: verniedlichend), möglichst “neutral” (lies: anbiedernd) und möglichst “objektiv” (lies: kompatibel mit den eigenen Glaubensvorstellungen).

Beispiel gefällig? Nun denn. Nehmen wir doch mal die Ausgabe vom 1. Juli diesen Jahres. Unter dem Titel “Betende Banker” werden solchige portraitiert – auf etwa 2/3 Seite. Völlig widerspruchsfrei dürfen da Erzfundamentalisten ihre frohe Botschaft verkünden, inklusive intelligenten Behauptungen wie “Gebet verbessert Betriebsklima” (das tut regelmässiges Lüften auch) oder “die UBS gehört Gott Vater” (dann soll er den Mist gefälligst auch selbst finanzieren).

Dann, auf Seite 19, darf auch noch EVP-Mann Ruedi Löffel salbadern. Zugegeben: hier sehe ich eine gewisse Relevanz, da Löffel als Vater des Antirauch-Gesetzes gilt, das hier seit 1. Juli in Kraft ist. Natürlich bekommt auch Löffel eine 2/3 Seite, inklusive Foto mit Agentur C-Bild im Hintergrund (“Seid still und erkennet, dass ich euer Gott bin” – wenn die Argumente ausgehen, hilft halt nur noch “STFU!”). Natürlich fühlt sich hier ein Bund-Schurni bemüssigt, einen Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und Löffels religiösem Background zu konstruieren. Was dieser im Übrigen recht gekonnt umschifft.

Weiter, diesmal mit einer 4/5 Seite, wird noch ein Seelsorger-Ehepaar portraitiert – ironischerweise unter der Rubrik “Arbeit”.

So geht das im Bund schon eine ganze Weile. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einmal an prominenter Stelle irgendwelche Spinner von Gottes Gnaden zu Wort kommen. Dass sich der Bund übrigens während vielen Jahren dem Wunsch konfessionsfreier LeserInnen entzogen hat, bei den Todesanzeigen nicht nur immer Bibelsprüche, sondern vielleicht zumindest ab und zu mal einen neutraler Text abzudrucken, passt hier ja bestens hin. Soweit ich weiss war der 13. Juni insofern eine Premiere, als dass man hier tatsächlich zum ersten Mal eine Bund-Todesanzeigenseite anschauen konnte, ohne der Bibelpropaganda ausgesetzt zu sein. Und auch die Tatsache, dass in der Regel erst 20Minuten, dann eventuell die BZ, und erst dann – eventuell – der Bund über Aktionen der Freidenker, der Brights oder anderer säkularer Bewegungen berichtet, passt in dieses Konzept.

Die Frage ist nun: ist diese neue Richtung eine Art vorausschreitender Gehorsam, um die Zwinglianer aus Zürich gnädig zu stimmen? Oder ist sie vielmehr Ausdruck einer neuen Stossrichtung als Nischenprodukt?

Wahrscheinlich ist “gläubig” halt einfach das neue “liberal”. Von dem her hat die FDP durchaus das Recht und die Verpflichtung, in der neuen Landesregierung vertreten zu sein.

Nein, ich meine jetzt nicht den Bundesrat, sondern den Vatikan.

Santo subito!




Brückensprenger

Eigentlich dachte ich, dass ich mich nicht mehr mit Herrn Steinbrück befassen muss, da er irgendwann von der gehobenen Diplomatie ausgebremst wird. Dem ist ganz offensichtlich nicht so.

Jetzt haben sogar die sonst so entspannten Luxemburger die Schnauze voll von dem Nordisch-by-Nature-Gefasel, das will was heissen. Ich kann dem nur beipflichten. Ein pöbelndes Bübchen ist eine Zeit lang sicherlich unterhaltsam, doch auch beim weitgehend schmerzbefreiten Zuschauer stellt sich irgendwann eine Sättigung ein.

Darum: Husch husch, Peer, ab ins diplomatische Steinkörbchen.




Jung und willig

Es ist ja bekanntlich immer etwas schwierig, wenn ältere Semester sich der Jugendsprache bedienen um ihrem Ausdruck eine flotte Note zu geben. Das dies zeitweilig in eine – in diesem Falle wohl nicht ganz beabsichtigte – komische Richtung gehen kann, zeigt ein Auszug einer gestern im Bund publizierten Todesanzeige:

Ein Schelm, der Böses dabei denkt…




Schlechter Verlierer

Der olle Schwabe Jürgen Klinsmann hat grad eine etwas mühsame Phase in seinem Dasein. Nicht nur, dass seine überbezahlten und verwöhnten Kicker-Nulpen vom FC Bayern zur Zeit eher unterirdisch spielen, jetzt wird er auch noch von der Presse und von Gerichten gepiesackt.

Nun gut, die hervorragende Bezahlung als Bayern Trainer setzt eine gewisse Schmerzbefreitheit voraus, könnte man jedenfalls meinen. Aber nein, der Jürgen macht einen auf religiöse Mimose. Herr Klinsmann lässt verlauten, dass die Karikatur in der TAZ ihn in seiner religiösen Ausprägung aufs Massivste und Unerträglichste verletzt hat. Och…

An diesem Punkt würde ich gerne auf ein paar Aussagen/Zitate vom Klinsi stichwortartig meinen Senf dazu geben. Los geht’s:

Klinsi: Er verstünde sich als religiöser Mensch und erzöge seine beiden minderjährigen Kinder auch in diesem Sinne.
Nasse meint: Arme Bälger, wie sollen die sich später mal orientieren können oder so etwas wie seelische Stabilität aufbauen, wenn schon der Papa so einen religiösen Eiertanz aufführt?

Klinsi: Er werde zum Objekt und Opfer blasphemischer Angriffe.
Nasse meint: Wer sich öffentlich zu einer Religion bekennt und dies nicht privat halten kann, der sollte sich auch auf mögliche Kritik einstellen. Es gibt kein Recht auf verbale Unversehrtheit, wenn man sich öffentlich zu Zauberkram bekennt.

Klinsi: Er werde dafür benutzt, dass das Leiden Christi ins Lächerliche gezogen werde – und werde Hohn und Spott ausgesetzt.
Nasse meint: Wer sich mit ernster Miene und schwäbischem Dialekt für die Leiden Christi einsetzt, der muss damit rechnen und sollte es auch ertragen, den einen oder anderen Lacher zu verursachen.

Da wir nicht nur auf die Leute eindreschen sondern auch konkret helfen wollen, haben wir für den alten Jürgen einen Trick aus unserer Lebenshilfe-Kiste parat: Konzentrier Dich auf Dein Kerngeschäft, überlasse den Jesus und seine Kamellen den üblichen Wirrköpfen und ihren Vertretern vom FC Vaticano und heul nicht öffentlich rum, wenn Dich jemand ans Kreuz nagelt. Jesus wäre da sicher hart geblieben. Darum: Jürgen, sei ein Mann!




Nebenbei notiert

Hier musste ich lachen, besonders bei Icordo, einfach herrlich.

Da habe ich zur Kenntnis genommen, wie verständlich man sich in der Politik mitunter auch ausdrücken kann. Es geht also doch…

Diese hier finde ich recht witzig, manchmal entwaffnend. Es hat für alle etwas dabei. Ausnahmslos.

Etwas erstaunt war ich darüber, dass das Phantom effektiv ein Geist war. Nämlich der Geist des Wattestäbchens. Irre. Hat mich zeitweilig echt beschäftigt, die Sache, CSI sei dank. Ich habe mir ja die wildeste weibliche Kriminalkarriere aller Zeiten zusammengereimt. Tja, ausser Spesen nix gewesen.

Weiter möchte ich auf diesen Artikel von Kollege Beinhart respektive die Kommentare darunter hinweisen, denn: bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe.

Last, but not least schon wieder so ein talentierter Bursche, der ausschliesslich mit seinem Gefräss ansprechende Musik macht.

Manchmal braucht man wenig, um glücklich zu sein.




Aber, aber…

Ja, liebe/r BZ Redaktor/in, da muss wohl das Orthographie Semester nochmals wiederholt werden. Ist aber auch ein schampar langer Artikel…




Shake it…

Shake it

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Da gestaltet sich selbst der einfache Versuch, ein entspannendes Bad zu nehmen zu einem grammatikalischen Hürdenlauf. Aus “schütteln” und “umschütten” wird kurzerhand “umzuschütteln” – grossartig. Ja-ha, auch die Pharmaindustrie muss sparen!

Egal, einmal grosszügig in die heisse Wanne verteilt – und weg ist der Schüttelfrust Schüttelfrost…




Music for the jilted people

Also doch: es gibt sie noch, die Gutmenschen unserer Zeit. Menschen, die sich ganz uneigennützig und selbstlos um jene kümmern, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass P. Diddy aka Puff Daddy aka….who cares…den Obdachlosen in New York zur Weihnachtszeit grosszügig iPods verteilte – nota bene ausschliesslich mit Songs von Mister Habdenbezugzurrealitätverloren.

Ja-ha, der Puffvater hat sich dabei schon was gedacht:

Wintermäntel? Viel zu konventionell, die trägt ja jeder entlang der 5th Avenue.

Essen? Keine gute Idee beim aktuellen Skinny Look. Da wäre ein Wohlstandsbäuchlein definitiv fehl am Platz.

Warme Schuhe? Nee, lass mal, die können eh nur eine Saison getragen werden.

Und da ja an jeder Strassenecke New Yorks Steckdosen zu finden sind, bei welchen die iPods auch wieder aufgeladen werden können, bietet sich dieses Geschenk natürlich absolut an.

Eine explosive Mischung aus unsagbarer Dummheit und miserablen PR-Beratern verbunden mit einer gehörigen Portion Realitätsverlust. Respekt…




Dem Chefredaktor fiel der Dativ aus dem Hirn

Muss nicht sein, oder?

Und wir regen uns auf, wenn wir Amateure in unseren Artikeln ein Rechtschreibfehlerchen übersehen haben. Pah!

Zumindest bei den Titeln sind wir immerhin fehlerfrei. Und die Fälle beherrschen wir eigentlich alle.

Mal eine Scheibe von der Daumenschraube abschneiden Tagi!




Warum Computer unzuverlässig sind

Nichts Neues im Westen, mag sich da das eine oder andere Lesewesen sagen. Weit gefehlt, sage ich. In der aktuellen Ausgabe 01/09 des Linux-Magazins wurde das Editorial von Professor Andrew S. Tanenbaum (Informatik, freie Uni A’dam) verfasst, der sich unter anderem mit einer fundamentalen Kritik der gängigsten Betriebssysteme hervortut. Die Kernaussage seiner Kritik lautet, dass die aktuell meistverwendeten Systeme für Personal Computer und Server (in dem Fall Unix/Linux und Windows) im Kern zu instabil sind, dies aufgrund des Designs und der Grösse des Betriebsystem-Codes. Herr Tanenbaum definiert gleich selbst einen Wert “Zuverlässigkeit”, der folgendermassen beschrieben ist:

Ein Gerät gilt als verlässlich, wenn 99 Prozent aller Besitzer während des Lebenszeit des Geräts nie irgendwelche Ausfälle zu beklagen haben.

Alle, wirklich alle, die jemals längere Zeit mit einem gängigen Computer gearbeitet haben, wissen, dass dem im Alltag eben nicht so ist. Insofern pflichte ich unserem Professor, auch im Namen unserer computergeplagten Leserschaft, vorerst uneingeschränkt bei. Nun würde es wohl den Rahmen dieses kleinen Boudoirs der Eitelkeiten sprengen, wenn ich diese These in allen Details auseinander nehmen würde. Kurz zusammengefasst und sinngemäss meint der Herr Professor folgendes:

Die Anzahl Fehler pro Tausend Zeilen Programmcode (KLoC) ist bei (sehr) gut programmierter Software eigentlich nicht unter 2 KLoC zu bringen. Will heissen, dass viel Programmcode zwangsläufig auch viele Fehler enthält. Im Falle eines gängigen Betriebssystems heisst das, dass auf die x-millionen Codezeilen entsprechend x-tausend Fehler kommen. Fehler machen ein System instabil und damit den User unzufrieden.

Jetzt gibt es ja Geräte wie Fernseher, Radios, Mobiltelefone und MP3-Player, die quasi absturzfrei durch ein ganzes Geräteleben hindurch funktionieren. Dasselbe bei Geräten im medizinischen und industriellen Bereich. Was ist denn dort anders als bei unseren problemgeplagten Computern? Die Antwort ist, laut dem Herrn Professor, beim Betriebssystemkern (Fachbegriff: Kernel) zu finden. Während bei EKG, Fräsmaschine, Fernseher und Co. so genannte Mini-Kernel eingepflanzt werden, sind bei den verbreiteten Computersystemen vor allem grössere Kernel im Einsatz (wir erinnern uns: mehr Code, mehr Fehler, desto weniger stabil).

Wenn es also darauf ankommt, dass ein Gerät quasi Absturzfrei funktionieren sollte (99 Prozent Verfügbarkeit), dann muss man mit einem Mini-Kernel arbeiten. Der einzige Nachteil von Mini-Kernel gegenüber grösseren Kernel liegt in der Performance, sprich Mini-Kernel sind aufgrund ihres Designs ein bisschen langsamer. Dieser Nachteil konnte aber von Studiengruppen mittels Code-Optimierung auf unter 10 Prozent gedrückt werden, sprich der Benutzer würde das praktisch nicht merken.

Ich kann diese Argumentation verstehen. Ich habe zwar nicht das Problem, einem Informatikguru auf Gedeih’ und Verderben ausgeliefert zu sein, um allfällige Computerprobleme in den Griff zu bekommen. Aber ich kann mich sehr gut in jemanden hineinfühlen, der eben diesen Anspruch auf die 99 Prozent fehlerfreien Betrieb eines Geräts stellt. So sollte es eigentlich sein.

Rein von der Kundenorientierung her ist der aktuelle IT-Markt für den unwissenden Endverbraucher der reinste Horror. Während der unbedarfte Konsument mit hunderten von Anschlüssen, Kabeln, Steckern, schlecht programmierter Software und einer schier erschlagenden Auswahl in sämtlichen Bereichen überfordert ist, schlagen sich Windows-Jünger und Linux-Freaks die Köppe ein. Ist jetzt vielleicht ein kleines bisschen plakativ dargestellt, läuft aber am Ende darauf heraus. Apple wird hier mangels Signifikanz nicht als Alternative in Erwägung gezogen, fault doch Steve Jobs Evangelium letztendlich an den gleichen Ecken wie der Rest der Branche. Einzig das alles-aus-einer-Hand-Konzept verhindert zwar Wildwuchs, aber am Ende kochen alle mit Wasser.

Was heisst das nun für uns, die breite Masse an bequemen Endbenutzern? Erst mal müssen wir uns ziemlich sicher in Geduld üben. Es wird Computer geben, die ein einfacheres, zuverlässigeres und benutzerfreundlicheres Konzept mit sich bringen, aktuelle Subnotebooks wie zum Beispiel der eeePC von Asus sind erste Anzeichen einer solchen Entwicklung. Allerdings kommt das erwähnte Beispiel nach wie vor mit “schweren” Betriebssystemen daher, aber da wird in Zukunft noch einiges gehen. Medizin und Industrie setzen sowieso auf ultra-zuverlässige Mini-Systeme, der restliche Profi-Bereich wird nicht ohne komplizierte und “schwere” Software auskommen, wobei hier zwischen Desktop und Server noch mal unterschieden werden muss. Hier gibt es wenig erkennbaren Tendenzen, Computerhersteller sind zurzeit vor allem damit beschäftigt, die Hardware schlanker, kleiner und viel energieeffizienter zu machen. Auch wenig Neues bei den grossen Softwareschmieden und Open Source Projekten, die sind ganz gut mit sich selbst und dem Markt beschäftigt. Eine drastische Kehrtwende bei Fragen der Systemarchitektur lässt sich (mal abgesehen von den üblichen Streitereien) zumindest nicht erahnen. Anders gesagt: für Jobs als Informatiker jeder Couleur ist weiterhin und auf Jahrzehnte hinaus reichlich gesorgt.

Fazit: Auf jeden Fall ist es gut, dass Leute wie der Herr Tanenbaum (irgendwie saisonal passend, der Name…) ihre Botschaft in die Welt raus plärren. Meine vage Hoffnung ist, dass die Branche auf solche Köpfe hört. Wir werden sehen…




Nuscheln am Sonntag

Nuschelalarm in der heutigen SonntagsZeitung: Ein typischer Fall von Alkohol am Arbeitsplatz? Man weisch esch nischt scho genau…

Grieschenland

Grieschenland




Wo ist Walter…äh…Axl?

Eine bizarre Meldung, auf welche man heute in diversen Online-Medien stösst: “Wo ist Axl Rose?”

Wanted!

Wanted!

Im ersten Moment dachte ich, es handle sich um ein lustiges Wimmelbildchen, mit welchem man sich eine Weile beschäftigen kann, bis man das Antlitz des bis zur Unkenntlichkeit gelifteten Altrockers gefunden hat. Aber nein, der Herr ist tatsächlich verschwunden – also so richtig weg – und das, trotz aktueller Veröffentlichung des neuen Albums “Chinese Democracy” (welch lustiges Wortspiel).

Ja gibts denn sowas? Da soll der doch das neue Album promoten und hat sich stattdessen so mir nichts dir nichts in Luft aufgelöst. Ich gehe ja stark davon aus, dass der Herr Rose auf spektakuläre Weise direkt aus der Schönheitsklinik entführt wurde und ihm nun in Fernost gezeigt wird, was dort unter dem Begriff Demokratie verstanden wird. Ihr wisst schon, ist bestimmt nicht angenehm. Um es mal vorsichtig auszudrücken.

Also, falls jemand sachdienliche Hinweise zum Aufenthalt der gesuchten Person machen kann: Der nächste Boulevardjourni ist für jede kleinste Information dankbar. Schliesslich muss auch der seine Brötchen verdienen.

Sachen gibts.




Freudscher Verleser… unschuldig!

Ein Schelm, wer Schlüpfriges denkt?

Ein Schelm, wer Schlüpfriges denkt?

Tztztz… da hat sich ein Bund-Redakteur aber Mühe gegeben, dass sich der alte Dschango beim Zmorgekafi ganz fest die Augen reiben muss. War dann aber doch nicht das, was ich gemeint habe zu lesen.

Wäre zugegebenermassen auch sehr erstaunlich gewesen, wenn es dabei Tote gegeben hätte, irgendwie.




Leseoffensive zum Wochenende

Das Wochenende steht vor der Tür, es hudlet und luftet wie blöd. Nächste Woche ist Abstimmungs- und Wahlsonntag, beides geht mir schon sowas von auf den Keks. Zur Unfähigkeit von BärenBabsi ist alles gesagt, zur Lachnummer auf der Harley ebenfalls. Auch auf der SVP herumtrampeln macht mir momentan wenig Freude – da diese Partei bald mehr Bundesratskandidaten als WählerInnen hat, was soll ich hier denn noch Lustiges beitragen?

Politikverdrossenheit? Schnauze voll vom miesen Wetter? Warum nicht mal wieder ein gutes Buch in die Hand nehmen, sich mit dem Hasen im Bau verstecken und dort mal dem einen, mal dem anderen frönen?

Deshalb hier meine aktuellen Leseempfehlungen aufs Wochenende:


R. D. Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Ja, ich weiss, der Titel dieses Buches könnte von mir stammen. Tut er aber nicht. Leider, einerseits, weil wer fände es schon nicht toll, wenn ein Titel von einem (ein guter noch dazu!) auf ein Buch gedruckt würde? Zum Glück, andererseits, weil sein eigenes Buch unter Pseudonym zu rezensieren, das wäre jetzt sogar für mich ein kleines bisschen zu narzisstisch.

Darum gehts hier jetzt aber überhaupt nicht. Stattdesssen möchte ich der werten LeserInnenschaft, die philosophisch interessiert ist, dieses höchst amüsante und spannende Buch ans Herz legen. Zwar ist es eine Übersicht über die Philosophie, im Gegensatz zu den bisher erhältlichen Büchern zu diesem Thema ist es aber weder eine knochentrockene Abhandlung der verschiedenen Denkschulen und Ismen, noch ein Bombardement von Fakten, das die Lust am eigenen Denken schon im Keim erstickt. Stattdessen kommt es in einer humorvollen, verständigen Sprache daher und richtet sich ganz am konkreten Leben aus: Was ist Wahrheit? Woher weiss ich, wer ich bin? Nicht dass das Buch kugelsichere Antworten auf diese Fragen liefern würde, aber es gibt die richtigen Impulse, um selbst weiter zu denken.

Der Autor führt uns in einer Art philosophischer Weltreise durch die verschiedenen Orte, an denen Philosophie gemacht wurde, verknüpft immer den Titel des jeweiligen Kapitels mit dem Ort, der Person und der Zeit, die auf die jeweilige Frage eine Antwort gefunden zu haben glaubte. Auf diese Weise schafft er es, die zum Teil sehr anspruchsvollen Denksysteme anschaulich darzustellen.

Dschango-Prädikat: Unbedingt empfehlenswert!


Naomi Wolf: Wie zerstört man eine Demokratie – Das 10-Punkte-Programm

Die Autorin geht in ihrem Buch der Frage nach, was es braucht, damit eine Regierung ein Land von einer Demokratie in eine Diktatur verwandeln kann. Sie schildert dies mit einem Brief an einen Freund, in dem sie beschreibt, wie fragil einerseits das ist, was wir als ‘Demokratie’ bezeichnen und wieviel Aufmerksamkeit es von jeder Demokratin, jedem Demokraten auch und besonders heute braucht, damit die Errungenschaften, die unsere Vorfahren mit Blut und Geld erkämpft haben, nicht von billigen Populismen über den Haufen geworfen werden.

Hui, was für ein Satz…

Das 10-Punkte-Programm, wie es Wolf beschreibt, wurde in der Vergangenheit von beinahe jeder Diktatur angewendet. In den USA wurden in der Vergangenheit offenbar sogar angehende südamerikanische Diktatoren gezielt darin ausgebildet, ihre Bevölkerung mit diesen zehn Punkten unter die Knute zu zwingen.

Ja, das Buch ist aus einer sehr USAmerikanischen Warte aus geschrieben und die ständigen Lobreden auf die bestmögliche Demokratie ennet dem grossen Teich wirkt auf europäische Gehirne wohl etwas… naja, naiv vielleicht. Trotzdem hat, was Wolf zu sagen hat, durchaus auch bei uns Gültigkeit. Die Strategien und Techniken, die autoritäre Regimes anwenden, um eine freiheitliche Gesellschaft in Unterdrückung und Angst zu führen, sind während Jahrhunderten erprobt und bewährt und es wäre verwegen zu behaupten, dass solches bei uns nicht möglich wäre.

Bemerkenswert ist Wolfs Einsicht, dass die meisten Diktaturen keineswegs mit gewalttätigen Aktionen an die Macht gekommen sind. In den meisten Fällen liessen sich Diktatoren demokratisch wählen, zumindest aber juristisch legitimieren. Eine Diktatur entsteht nie über Nacht, indem man plötzlich die Stiefeltritte uniformierter Schergen im Treppenhaus hört. Stattdessen ist es ein langsamer, beinahe unmerklicher Prozess, der das Volk soweit bringt, zum Schluss dankbar zu seinem Metzger zu laufen.

Ein wichtiger Appell an das Demokratieverständnis jedes Einzelnen.

Dschango-Prädikat: Sollte beim Erreichen des Stimmrechtsalters Pflichtlektüre sein.

So, genug von all dem klugen Zeugs, hier noch ein bisschen Belletristik:


T.C. Boyle: Zähne und Klauen

Boyle begleitet mich schon seit bald 20 Jahren, war sogar mal mein absoluter Lieblingsautor (“America” war eine Offenbarung). Diesen Status musste er zwar leider abgeben (es wird ihn bitter reuen), noch immer aber schreibt er durchaus lesenswert.

Die Kurzgeschichtensammlung “Zähne und Klauen” beschreibt den Menschen als Spielball zwischen Ratio und Trieb, zwischen Dekadenz und Infantilität, zwischen Sinn und Unsinn. Seine Helden sind Säufer, Aussteiger und durchgeknallte Verlierer der Gesellschaft. Absurde Situationen treffen auf absurde Figuren, oder umgekehrt, je nachdem. Und Boyle schafft es, dass wir auch die grössten Deppen dafür bewundern, wie sie es schaffen, ihr seltsames Leben zu leben.

Dies ist sicherlich eines der grössten Talente von Boyle: man schliesst seine Figuren ins Herz. Boyle trifft, vor allem in seinen Kurzgeschichten, genau den Ton, genau die Balance zwischen Witz und Intellekt, die dazu führen, dass man sein als “Zwüschedüre”-Literatur geplantes Buch in wenigen Stunden wegliest. Die Boyleschen Verlierer machen süchtig, genauso wie sein süffiger, immer mit einem spitzbübischen Grinsen versehener Stil. Zynismus seinen Figuren gegenüber ist Boyle fern und es ist genau dieses Liebevolle, das ihn in meinen Augen zu einem der grössten seiner Zeit macht.

Dschango-Prädikat: Nicht nur fürs Nachttischli geeignet.


Sven Regener: der kleine Bruder

Ja, der Herr Lehmann ist wieder da! Das dünne Büchlein enttäuscht zwar vom Umfang her (seit ‘Neue Vahr Süd’ sind meine Standards gestiegen), aber trotzdem: ein höchst vergnügliches Lesewerk hat der Herr Regener da wieder abgeliefert.

Das Buch spielt zwischen ‘Herr Lehmann’ und ‘Neue Vahr Süd’. Frank Lehmann wurde gerade aus der Bundeswehr entlassen und fährt mit seinem Punk-Kumpel Wolli ins Berlin paar Jahre vor dem Mauerfall, um da zu seinem Bruder Manni zu ziehen. Regener führt uns durch den Alltag der Hausbesetzer- und Anarcho-Szene in Berlin, ihre Auseinandersetzungen, ihre (faulen) Kompromisse, letztlich auch ihr Scheitern vor dem real existierenden Kapitalismus.

Ja, das Buch ist zum Brüllen lustig. Kaum eine Seite, auf der ich nicht in lautes Lachen ausgebrochen bin. Die Figur Frank Lehmann oszilliert ständig zwischen Naivität und Weltgewandtheit, stösst als Landei in Berlin zwar dauernd auf Mitleid, entpuppt sich aber, wenn es wirklich hart auf hart kommt, durchaus als der einzige, der einigermassen seine Hirnzellen zusammenreissen kann.

‘Der kleine Bruder’ ist einerseits ein Lobgesang auf ein Leben abseits aller Konventionen, andererseits auch dessen Schwanengesang, weil auch der autonomste Kapuzenjackenträger über kurz oder lang von der Gesellschaft abhängig ist, gegen die er, am liebsten unter Mamis Rock hervor, revoltiert.

Hase hat das Buch auch gelesen und fand es nur “soso, lala”. Es ist irgendwie ein Männerbuch, ja. Es beschreibt die seltsamen Rituale von XY-Trägern, ihre eigenartige Logik, ihr befremdliches Paarungsverhalten und ihre noch viel befremdlicheren Initiationsriten. Es entlarvt uns Männer (vor allem diejenigen, die sich gerne als links, anarchistisch, autonom und/oder feministisch sehen) als weinerliche Testosteronhaufen, die den Schwanz wortwörtlich einklemmen, sobald das eigene Weltbild ins Wanken gerät.

Vielleicht ist das Lesevergnügen für Frauen nicht so gewährleistet. Wenn man aber als Mann zwischen 18 und 25 Jahren in alternativen Szenen aufgewachsen ist und sich auch im hohen Alter noch nicht vollständig vom Geruch von Freiheit, Tränengas und Bierdunst lösen kann, erkennt man sich und seine damalige Umwelt auf jeder Seite wieder. Frank Lehmann ist so, wie ich mich zu sein erinnern glaube, und ich denke, das geht jedem so, der eine ähnliche Biografie hat.

Einziger Kritikpunkt: ZU KURZ, VERDAMMT!

Dschango-Prädikat: Ja, wie jetzt? Muss doch sein, oder?




Ein bisschen Mitleid bitte…

Gute Nacht!

Den armen Raser plagen nächtens anscheinend unsägliche Albträume, da wird kurzerhand mit dem Mami das schlechte Gewissen weggekuschelt.

Ts, ts, wer konnte denn auch ahnen, dass das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs, massiv überhöhte Geschwindigkeit, zuviel Testosteron und Selbstüberschätzung zu einem solch tragischen Unfall führen könnte!

Da bleibt einem doch glatt die Züpfe im Hals stecken…




Das Wort zum Sonntag von Pfarrer Beinhart

Liebe Brüder und Schwestern,
Liebe Gemeinde.

Was für eine Woche! Wer sich auch nur ein kleines Bisschen für die Trennung von Kirche und Staat interessiert, kam voll auf seine Rechnung. Gute Nachrichten, verwirrende Nachrichte sowie Nachrichten, die eigentlich schlecht sind, sich aber dann doch noch ins Positive wandeln.

Als erstes war die Meldung, dass die Freidenker-Vereinigung sich über Diskriminierung beschwerte. Was ist da passiert? Um auf ihre neu aufgeschaltete Website konfessionsfrei.ch aufmerksam zu machen (hier können sich Konfessionsfreie zu ihrem Nicht-Glauben ‘bekennen’), wollte die Vereinigung Plakate im öffentlichen Verkehr aufhängen lassen. Dürfte eigentlich kein Problem sein, denkt man da, aber Holla! In Thun, St. Gallen und Bern weigerten sich die Verkehrsbetriebe, dies zu tun. Manchmal waren die Begründungen schwammig/nebulös (BernMobil), manchmal einfach nur bescheuert (St. Gallen). Der Vorfall macht deutlich, wie wichtig die Arbeit dieser Vereinigung ist.

Übrigens: wie mir normalerweise gut unterrichtete Kreise mitteilten, war die unbeabsichtigte Werbung, die die Verkehrsbetriebe mit dem Ablehnen des doch sehr biederen Plakats ausgelöst haben, wesentlich effizienter und vor allem günstiger, als wenn die Plakate tatsächlich in den Bussen und Trams gehangen hätten. Von dem her: Danke, ihr lieben fundamentalistischen Jesus-Verkehrsbetriebe!

Interessant ist hier vielleicht noch, wie die lokalen Medien auf diesen Vorfall reagierten: während 20Minuten berichtete, verzichteten BZ und Bund auch nach mehrmaligem Nachhaken der FVS darauf. Beda Stadler hat sich heute zwar in gewohnt polemischer und witziger Weise in der BZ dazu geäussert, ansonsten war die Sache den Blättern keine Zeile wert. Macht auch Sinn, irgendwie, weil wenn man ums Verrecken einen CVP-Kandidaten im Stadtberner Gemeinderat sehen möchte, dann vermeidet man logischerweise alles, was die Leute zum (freien) Denken anregen könnte.

(Hier noch ein kleiner Veranstaltungshinweis: am Montag um 20:15 hält der Philosoph Michael Schmidt-Salomon im ONO einen Vortrag zum Thema “Projekt Aufklärung – glaubst du noch oder denkst du schon?”. Der Eintritt ist frei und folglich auch während der Finanzkrise aufbringbar.)

Dann las ich gestern, dass das Bundesgericht einen Entscheid von 1993 korrigiert hat, in dem es um gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht bei muslimischen Schülern geht. Völlig unerwartet hat hier Lausanne einen mutigen, wichtigen, absolut richtigen Akzent gesetzt: Integration geht vor Religionsfreiheit. Gratulation an dieser Stelle nach Lausanne, dieser Entscheid lässt darauf hoffen, dass bei euch doch noch nicht alle Tassen aus dem Schrank gefallen sind. Weiter so!

Und heute, noch vor dem ersten Kafi, las ich (diesmal wieder in den Berner Lokalkäseblättern), dass sich die “Umma”, der Dachverband der Muslime im Kanton Bern, aus dem depperten “Haus der Religionen” zurückgezogen hat. Offenbar waren da zuviele interkulturelle Probleme, als dass man sie denn innerhalb eines “kulturverbindenden” Projekts hätte lösen können. Dschango würde das total schade finden, wenn er meinen würde, dass interreligiöser Dialog etwas Gutes wäre. Tut er aber nicht, hahaha!

Und so möchte ich euch, liebe Gemeinde, in den Sonntag entlassen mit den Worten: unsere Gesellschaft braucht nicht mehr Religion, sondern weniger davon. Diese Woche ist der beste Beweis dafür.

Gehet hin in Frieden!




Genug gespielt

Da titelt doch der Bund vom Montag mit folgender Schlagzeile: “2011 ist Irak-Krieg zu Ende”.

Na, das ist doch mal eine Ansage, ein einwandfreies Termingeschäft sozusagen. Da haben die Amis wohl keine Lust oder kein Geld mehr (ein Hurra auf die allgegenwärtige Finanzkrise) und meinen, och nö, genug gespielt und zerstört im Irak, lasst uns mal in drei Jahren das kriegerlen beenden. Von einem Abkommen ist die Rede, gemäss welchem die letzten Soldaten den Irak verlassen sollen, “sofern die Lage dies zulässt“.

Da reibt sich der Laie erstaunt die Augen und denkt wohl berechtigterweise, ausser Spesen nix gewesen: Osama verbreitet weiterhin fröhlich seine Videobotschaften und der irakischen Bevölkerung geht es wohl kaum besser, seit der Herr Hussein aus dem Erdloch geborgen wurde und medienwirksam dem Galgen zum Opfer fiel. Da nützt es auch nichts, dass dieser Galööri, formerly known as Tschortsch Dabeliu, nach wie vor die in den sinnlosen Krieg investierten Milliarden und die unzählig geopferten Soldaten vehement verteidigt.

Der Ausgang der Geschichte ist wohl schon jetzt klar: Westliche Firmen werden sich eine goldene Nase beim Wiederaufbau verdienen während sich die Schiiten weiterhin mit den Sunniten blutig bekämpfen. Ach ja, und  die Individualreisenden und Katastrophentouristen werden bald den Irak als neue Trenddestination entdecken, nachdem Afghanistan mittlerweile schon wieder zu kommerziell ist, seit es eine eigene Rubrik im Lonely Planet erhalten hat…

Poor world.




Dem Dativ sein Tod

Miss Schlag-mich-tot

Es gibt gewisse Sachen, die gehen einfach gar nicht. Auch nicht wenn ein gewiefter Werbefuzzi meint, das sei ganz doll lustig. Nein. Einfach nicht. Seit einigen Tagen begegnet mir auf meinem Arbeitsweg ein Werbeplakat eines Kaffeeherstellers. Darauf ist eine der unzähligen Schlag-mich-tot-Ex-Missen zu sehen, lasziv in die Linse blickend. Nun gut, adrett ist sie ja wirklich. Anyway.

Da steht also in grossen Lettern über der blonden Schönen: “Ich liebe jedem seiner Stärken“. Ha! Ich kann ihn direkt vor mir sehen, den für diesen Schund zuständigen Werber. Rechteckige, vorzugsweise schwarze Hornbrille, die leicht angegraute Mähne lässig mit Gel nach hinten gepappt, schwarzes Sakko, junge Modelfreundin, Lieblingsclub: Kaufleuten. Halt eben Klischeewerber mit Jahreseinkommen eines Bundesrates. Hat zwar den Vorteil, dass man sich wenigstens die renommiertesten Herzchirurgen leisten kann. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun gut, einen kurzen Moment dachte ich ja noch, dass hier eine übereifrige Werbeassistentin den Druckauftrag etwas zu voreilig erteilt hat. Aber nein, das ist voll Absicht! Frei nach dem Motto: Wenden wir doch mal den Dativ falsch an. Was mit Verona Feldbusch Poth (oder wars Buschpoth-Feld?) vor zig Jahren in Deutschland funktioniert hat, ist doch bestimmt auch in der Schweiz lustig. Hat sich der Herr Werber gedacht. Nein, meine Herren Kreativen, ist es nicht. Es ist bloss eine billige Kopie des abgedroschenen “Hier werden Sie geholfen” Slogans.

Da muss wohl das nächste Mal etwas intensiver gebrainstormt werden, dann klappts dann vielleicht wieder mit dem Idee…