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Energy Gebräu

Es ist wahrlich kein Spass, den ganzen Tag lang Radio Energy Bern zu hören.

Doch zum Glück gibt es mutige Menschen wie den Ane H. vom kleinen Bund, der es trotzdem gemacht hat.

Unbedingte Leseempfehlung!




Schädeldecke

Quizfrage:

Was ist der Unterschied zwischen Ueli “Shlomo” Maurer und Micheline “Fatima” Calmy-Rey?

Nix, nada, niente. Beide haben sich lokalen Kleidungsbräuchen angepasst, beide jeweils aus guten Gründen.

Wo aber bleibt der Protest? Micheline musste damals medial ziemlich unten durch wegen ihrem weissen Nichts auf dem Kopf, beim Ueli hingegen hält sich die rechte Journaille offenbar ziemlich im Zaum. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Die Frau Roten vom Magazin ist auch ein bisschen streitbar, ich zum Beispiel finde ihr Geschreibsel recht gut. Die Meinungen in meinem Umfeld sind aber recht geteilt, ich stehe weitgehend alleine da mit meiner beinahe bedingungslosen Vorliebe für die Michèle.

Ihre Kolumne im aktuellen Magazin (das zum Teufel noch mal nicht mehr gratis im Web steht. Was hat die Leute bloss geritten?) hat mir wirklich aus dem Herzen gesprochen, sie schreibt da über den rechten Meinungs-Pöbel und seine Auswüchse.

Ihre Argumentation ist schlüssig und nebenbei – auch ohne expliziten Bezug von Frau Roten selbst – ein flammendes Plädoyer wider die Diktatur des Pöbels.

Unbedingte Leseempfehlung!




Das Konsensationslager wählt

So, am Mittwoch ist es endlich soweit: die Wägsten und Besten des Landes steigen in den Ring der vereinigten Bundesversammlung, damit aus ihren Reihen neue Landesväter und/oder -mütter gewählt werden. Im Vorfeld dieser schönen eidgenössischen Tradition hat man ja einiges von den Kandidierenden erfahren: dass Frau Sommaruga beispielsweise schon mal Hasch-Guetsli gebacken hat oder dass Johann Schneider-Ammann nie lügt. Beides rudimentäre Voraussetzungen, um dem bundesrätlichen Stellenprofil zu genügen.

Gesucht ist, wie übrigens meistens, die eierlegende Polit-Wollmilchsau: möglichst jung (muss aber trotzdem seriös wirken), möglichst eine Führungspersönlichkeit, möglichst viel Charisma (aber nicht zu viel!), möglichst dossierfest, möglichst konsensorientiert, trotzdem zielstrebig, konfliktfähig, ausgleichend, intelligent (aber nicht zu sehr!), volksnah, wenn Frau: nicht allzu hässlich (aber ja auch nicht zu hübsch!), mit mindestens einem BWL- und einem Jus-Abschluss, Erfahrung in der Privatwirtschaft wäre von Vorteil. Die Beherrschung aller vier Landessprachen wird vorausgesetzt, die Beherrschung von Englisch hingegen nicht. Und schön wärs, wenn der/die KandidatIn in ungefähr fünfzehn Kantonen gleichzeitig Wohnsitz hätte. Und als Frau zählt, aber Mann ist.

Bekommen werden wir, wie auch meistens, im besten Fall (und nur in diesem) viel guten Willen im Sinne von “gibt sich und hat Mühe”. Und vielleicht mal ein Hasch-Guetsli von der Frau Sommaruga, was ja immerhin schon mal was wäre. Würde die Bundesratssitzungen auf jeden Fall auflockern; ich weiss da, wovon ich rede.

Doch halt: ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass die Politik im Bundeshaus von unfähigen, blinden und tauben Einbeinigen gemacht wird! Zwar haben die Bundesparlamente wie erwartet sowohl beim Mietrecht wie auch bei der Wafffeninitiative komplett versagt, aber immerhin gibt es noch Volksvertreterinnen, die Prioritäten zu setzen wissen und die wirklich brennenden Issues unserer Gesellschaft schonungslos aufs Tapet bringen. Ja, Frau Ada Marra hat per Motion durchgebracht, dass künftig zu Beginn der Bundesversammlung die Nationalhymne gesungen wird. Endlich, sage ich da nur! Wenn sie schon sonst nichts Schlaues auf die Reihe bringen, sollen sie wenigstens Singen dürfen. Ist ja wie damals in der Schule, wo einem der Lehrer gesagt hat, dass zwar nichts aus einem werden würde im Leben, er aber froh wäre, wenn man im Schulchor mitsingen würde, weil man der einzige ist, der die Töne preicht. Aber einewä, das Beachtliche an dieser Motion ist, dass sie aus den Reihen der SP kommt. Und nein, ich habe jetzt kein “V” vergessen: es ist offenbar wirklich eine SP-Nationalrätin, die auf folgende Zeilen abgeht wie ein Zäpfchen:

Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

Sozialdemokratie in Reimform, sozusagen. Seltsam? Nein, Politik.

Und wie wir ja eh schon bei dieser sind: Letzthin habe ich in der Stadt eine junge Frau gesehen, die hat ein T-Shirt getragen. Das ist bereits recht beachtlich, weil die Temperaturen waren in der Stadt mitunter in letzter Zeit keineswegs Tiischi-tauglich. Aber item. Ich habe das T-Shirt gesehen und mir gedacht, hm, wenn ich jetzt nur ein bisschen bessere Beziehungen zum französischen Präsidenten hätte, ich würde ihn grad sofort anrufen und sagen, ich hätte ihm dann übrigens noch was zum Anziehen, so zwecks Imagepolitur bei der EU. Und kleidsam wärs sowieso:

Sarkozy loves Roma!

Man nehme übrigens mal wieder die gnadenlos geilen Gimp-Skills vom Dschango zur Kenntnis.

Eigentlich wollte ich ja noch über einen anderen regelmässigen Daumenschraube-Gast schreiben, der diese Woche wieder mal was von sich hören hat lassen: René Kuhn, seines Zeichens gewesene SVP-Knallerbse und Pussy Magnet qua Selbstbild, ruft gemeinsam mit anderen Opfern weiblicher Gewaltherrschaft zum ersten Antifeminismus-Treffen auf. Kommt mir jetzt aber irgendwie vor, wie wenn ein Diabetiker zur Zuckerboykott-Demo aufrufen würde, also lassen wir es halt.

Letzthin beim Zappen im Prekariats-TV übrigens so eine Doku über irgendeine am Rande der Gesellschaft lebende Familie gesehen, die irgendwas auf die Reihe gebracht hat, was der TV-Station immerhin 49 Minuten Sendezeit wert war, interessant war es trotzdem nicht. Aber als dann im Verlaufe der Sendung der Name des jüngeren Sohnes fiel, habe ich gemeint, ich hör nicht recht. Tat ich dann aber doch, wie sich dank moderner MAZ-Technik bald zeigte:

Das T-Shirt, das der junge Mann trägt, beschreibt übrigens ziemlich genau meine Reaktion auf seinen Namen. Man verstehe mich jetzt ja wirklich nicht miss: ich bin sehr dafür, Kindern möglichst exotische, schräge oder sonstwie belastende Vornamen zu geben. Das macht sie hart fürs Leben, ganz nach dem Cash’schen Motto des “Boy named Sue”. Aber wenn man bereits einen Nachnamen einbringt, der eigentlich schon Hypothek genug ist, muss man doch nicht noch… oder?

Da fällt mir ein: ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass es den Begriff der “konsensorientierten Politik” ungefähr solange gibt, wie es konsensorientierte Politik als solche nicht mehr gibt? Finde ich noch interessant, irgendwie.

Aber noch etwas Erfreuliches zum Schluss. Habe soeben “Dr Goalie bin ig” von Pedro Lenz fertiggelesen. Und bin schlicht und ergreifend begeistert. Nicht nur, weil Lenz in einem mir nahen Idiom schreibt (O-Ton Hase: “Hihi, dä schriibt fasch so komisch wie du redsch!”), und auch nicht nur, weil er in real ein bisschen so aussieht wie der Dschango auf seinem Daumenschraube-Föteli, sondern vor allem, weil er ein begnadeter Erzähler sowie ein grandioser Beobachter ist, der zusätzlich noch je einen grossen Haufen Humor und Menschenliebe im Rucksack dabei hat. Endlich mal wieder ein Buch, bei dem jeder Satz, jedes Wort und jedes Satzzeichen dort steht, weil es dort stehen muss. Vor gefühlten hunderttausend Jahren hat sich der junge Dschango zum Ziel gesetzt, irgendwann mal die Schweizer Version von “Trainspotting” zu schreiben. Mit viel Neid, aber noch viel mehr Freude stellt der altersmilde Dschango heute fest, dass Lenz genau dies gelungen ist – besser und authentischer, als es der olle Zigeuner je hingebracht hätte.

Kaufen, lesen, lieben.




McJesus drive-through

Dumm gelaufen für den moralisierenden Christo-Fundi auf dem gelben Töffli.

Eigentlich wollten wir ja auf Daumenschrauben nach Art des Hauses für den jetzt (mindestens kurzfristig) arbeitslosen Deppen verzichten, aber wir können uns das nicht verkneifen. Et voilà.

Ja, es scheint, dass die halluzinierenden Mitmenschen aus der Jesus-Klapse gerade Ausgang haben, denn auch die Frau Hagen (die übrigens mal total gut war) fühlt sich bemüssigt, die zeitgenössische Pop-Ikone Lady Gaga nach ihrer Art zu bewerten.

Man mag ja von Frau Germanotta halten, was man will, aber so schamlos und deppert von (viel) früheren Glanzleistungen zu zehren, steht nicht mal der Nina H. aus B. zu. Darum: Maul halten, Frau Hagen, wenn man gerade mal wieder im Delirium verweilt.

Merci, circulez, y’a rien à voir.




Wie jetzt? Schon wieder Frühling?

Letzthin hat der Schweizer Souverän (sowie seine Souveräne) ja den Tierschutzanwalt wuchtig verworfen. Es ist halt so, dass des Eidgenossen liebstes Tier das Kotelett ist und selbiges am artgerechtesten in der Pfanne gehalten wird. Simple Fakten des Lebens. Letzthin im Büro hatte ich aber mit dem neuen Coder-Gspändli eine Diskussion über Guinness. Nämlich, dass dieses schöne Getränk, von dem sich in Irland ganze Familien schon seit Generationen mehrheitlich ernähren,  hierzulande gleich vierfach vergewaltigt wird:

  • Es ist hier nur in der Memmen-Version “Draught” erhältlich
  • Es wird gerne in Büchsen kredenzt, mit so einer grausligen Gummikugel drin (soll wohl das Überschäumen verhindern)
  • Es wird hier ungern bei mehr als molligen 4° Celsius ausgeschenkt
  • Um das Büchsen-Feeling zu verschwammen, setzt man in hiesigen Gaststätten das aus der Hülse ins Glas gestürzte Bier auf einen Mini-Vibrator, welcher dann dem Guinness aus der Dose zur arttypischen, schaumigen Krone verhilft.

Man kann das oben zusammenfassen mit: schmeckt voll Scheisse.

Und daraus entwickelte sich dann die Idee: wir lancieren einen Bierschutzanwalt! Der dann von Pub zu Pub geht, mit einem Thermometer in der Hand, und überprüft, ob alle Biere auch artgerecht gehalten werden. Dieser Anwalt müsste gleichzeitig natürlich auch Kläger, Richter und Henker sein können – wir dulden keine Toleranz gegenüber Bierquälern!

Das Traurige an der Sache ist: käme so ein Seich an die Urne, das Verhältnis Ja/Nein wäre wohl gerade umgekehrt wie beim Viecheranwalt.

Die ollen Katholen

Jaja, die Mutter aller Kirchen ist mal wieder am Pranger. War ja alles in den Medien, Kindsmissbrauch hier und da, grosses Drama, die Obrigkeit hält sich mit systeminterner Kritik nobel zurück, unterstützt die Täter und fordert von den Opfern Initiative, die verklemmte Haltung zur Sexualität ist sicher nicht der Grund, neineneineinen, also alles wie gehabt. Wäre da nicht ein gewisser Bischof Mixa, der meint, diese Vorfälle wären auch Ergebnis der “sogenannten sexuellen Revolution“.

Seltsam, wie eine gesellschaftliche Entwicklung just in der Institution, die sich dieser Entwicklung seit jeher am vehementesten entgegenstemmt hat, ihre reichste Blütenpracht entfalten kann.

Confessions of a Stupid Old Man

Apropos traurig: da war ja neulich im TagiMagi ein Artikel über den Peter Bichsel, der nur noch als Karikatur seiner selbst auftritt (die Parodie von Mike Müller wirkt mittlerweile echter als das Original). Ganz besonders witzig ist der Bichselsche Gottesbeweis, den ich hier in verkürzter Form wiedergebe:

  • Prämisse 1: In Solothurn lebt ein vom Leben und sich selbst enttäuschter alter Mann, der früher mal ganz OK geschreibt hat.
  • Prämisse 2: Dieser alte Mann bringt es nicht auf die Reihe, aus eigenem Antrieb Lebenssinn zu entwickeln, sondern meint, dass dieser Sinn ihn gefälligst in einer Beiz anspringen solle.
  • Prämisse 3: Der alte Mann weiss zwar nicht, ob er an Gott glaubt, braucht ihn aber, um Sinn zu schaffen und damit sich der Bichsel noch auf etwas freuen kann.
  • Logische Schlussfolgerung: Gott existiert!

Lieber Peter, such dir doch ein Fumoir und bleib da drin, bis die Asche, die du produzierst, von dir selbst nicht mehr zu unterscheiden ist. Die Tour de France findet ihren Weg über den TV auch ins Flora – da musst du nicht unbedingt einen Dokumentarfilmer bis in ein Pariser Hotelzimmer mitschleppen.

Evi löst das Problem der Jugendgewalt

Mittlerweile weiss man ja, wo das Hauptproblem der Jugend zu verorten ist. Es ist nicht die Unwilligkeit der Politik, massiv in Bildung zu investieren. Es ist auch nicht die krude Auffassung von Integration, die hierzulande gepflegt wird (“lasst sie einfach alle kommen, es wird ihnen derart gefallen hier, dass sie sich von selbst integrieren”). Und natürlich ist auch nicht der Leistungsdruck schuld, nicht der alltägliche Medienwahn, nicht die fehlenden Zukunftsperspektiven. Es liegt nicht daran, dass wir als Gesamtgesellschaft kein Bild davon haben, wohin wir uns entwickeln sollen und auch nicht daran, dass die einzigen Führerfiguren, die wir haben, wirklich das sind: führende Figuren.

Nein, Schuld an allem sind Killerspiele.

Schon nur das Wort: ich kenne Kartenspiele, da spielt man mit Karten. Ich kenne Brettspiele, die spielt man mit Brettern. Gesellschaftsspiele werden in Gesellschaft gespielt, Geschicklichkeitsspiele benötigen Geschicklichkeit. Und Killerspiele? Benötigt man da Killer dazu? Spielt man diese mit anderen Killern? Oder dient der Killer gar als Spielfeld? Man weiss es nicht.

Obwohl also eine gewisse Unschärfe bezüglich dieses Begriffs besteht, ist man sich darüber einig, dass solches verboten gehört. Wegen den Kindern. Und ja, nicht nur für Kinder verboten, sondern für alle. Weil es ja bekanntlich allen Kindern schadet, wenn ein Erwachsener zum Zwecke des Zeitvertreibs auf animierte Pixel schiesst. Das Statement von Rolf Schweiger in 10vor10, das betreffe ja sowieso nur ein paar tausend Leute, die Einschränkung der Freiheit sei hier also zumutbar, finde ich schon noch bemerkenswert, vor allem von einem FDPler. Wieviele Millionäre gibt es in der Schweiz? Nur ein paar tausend? Warum beschlagnahmen wir denen nicht ihr Prvatvermögen und senken dafür die Steuern für alle anderen? Sind ja nur ein paar tausend, die Einschränkung deren persönlicher Freiheit ist hier also, da der Gesamtgesellschaft förderlich, durchaus zumutbar. Und denkt endlich mal jemand an die Kinder?!?

Dschango denkt natürlich an die Kinder. Und er weiss, dass heutige Kinder ihren Erziehungsberechtigen in technologischer Hinsicht weit voraus sind. Die Tatsache, dass sich ein in der Agglomeration amtierender und vom Zufall in die Politik gespülten Lehrer von einem Verkaufsverbot davon abhalten lässt, ein “Killerspiel” zu spielen, beweist nur, dass der Lehrer eine vorgestrige Nulpe ist. Es gibt kein Spiel, keinen Film und kein Buch, das heute nicht innert Minutenfrist auf die heimische Festplatte gesaugt werden kann. Minimales technisches Verständnis vorausgesetzt, das bei der Zielgruppe (Kinder) vorhanden ist, bei den Bedenkenträgern aber komplett fehlt.

Und da ja das Kinder-Argument immer verfängt: wieviele Kinder sterben jedes Jahr durch den Strassenverkehr? Wieviele Kinder und Jugendliche werden jedes Wochenende in den Entnüchterungszellen eingeliefert? Muss die Konsequenz nicht sein, dass man Autofahren und Alkohol verbietet, um die armen, armen Kinder zu schützen? Und wenn wir Gewaltverherrlichendes und Intolerantes konsequent verbieten wollen: wo ist der Bann für die Bibel? Für den Koran? Das SVP-Parteiprogramm?

Ja, noch wegen SVP… obwohl ich mir jetzt wohl einen Monat lang die Hände zwangswaschen muss: der Führerlehrling Erich J. Hess setzt sich in einem überparteilichen Kommitee dafür ein, dass dieses Verbot nicht durchkommt. Und vorgestern im 10vor10 hat er fast intelligent gewirkt, wie er da seinen auswendig gelernten Satz aufgesagt hat. Ist ein bisschen wie beim Matthias Stürmer, der einerseits als von mir hochgeschätzter Kämpfer für Open Source Software agitiert, andererseits aber auch ein Jesus-Fundi mit gesellschaftlichen Ansichten aus der Bronzezeit ist.

Hat eben alles zwei Seiten. Mindestens.

Die grössten Kritiker der Elche…

… waren früher selbst mal welche, so sagt bekanntlich der Volksmund, der ja immer recht hat. Sagt ihrerseits zumindest wieder die SVP, die aber im Moment ein grosses Problem hat: wie macht man dem unfehlbaren Volk klar, dass man zwar einen Haufen Abzocker in den eigenen Reihen hat, deshalb eigentlich gegen jegliche regulative Eingriffe in die Wirtschaft ist, sich aber gleichzeitig gegen die Linke positionieren muss, die blöderweise ein recht populäres Anliegen bereits seit gefühlten zwei Milliarden Jahren predigt, das von der SVP, andererseits, wiederum seit gefühlten vier Milliarden Jahren, verlacht und verhetzt wird, wie also macht man diesem Volk weis, dass man doch auch irgendwie gegen Abzockerei in der Wirtschaft ist? Ganz einfach: man nimmt denjenigen Herrn, der in den 90ern das Mantra des “mehr, mehr, mehr!” erfolgreich in der Schweiz eingeführt hat, schliesse diesen mit dem nicht wirklich mit Intelligenz und politischem Gespür gesegneten Initianten der Abzocker-Initiative eine Woche lang in einen fensterlosen Raum, und voilà, schon haben wir:

  • eine eigentlich sinnvolle Initiative, die ständig davor bedroht ist, zurückgezogen zu werden
  • einen Gegenvorschlag, der in den Erweiterungen interessant, im Kern aber jämmerlich ist
  • einen gescheiterten Alt-Bundesrat, der endlich mal wieder Auftritte im TV bekommt und sich als (millionenschwerer, aber egal) Paulus und volksnahen Kümmerer aufspielen kann.

Es kann einfach nur Gewinner geben. Genau wie bei der Sicherheits-Initiative, die von Philippe “was tut der eigentlich genau?” Müller erfolgreich aufgegleist wurde und an der Urne jämmerlich gescheitert ist. Am Montag nach der Abstimmung fühlte sich der Dschango dann im komplett falschen Film, weil sowohl Müller als auch die Medien die Ablehnung der Initiative als Sieg für Müller werteten.

Und in neun Tagen sind Grossratswahlen im Kanton Bern. Am liebsten würde ich mich schon heute ins Koma saufen.




Durcheinander

Ja, das bin ich. Getrost. Aber auf eine gute Art. Ich habe mich zwar jüngst gefragt, ob man im Leben wirklich genügend gefordert ist, wenn man Produktbezeichnungen wie Bonding Wärmezange Advanced einfach nur geil findet.

Aber ich habe die Frage schnell wieder verworfen und daraufhin ein wenig im letzten Magazin geblättert. Da hat es in der Tat ein paar nette Schreiben drin. Es tut immer wieder gut, solches Papier in die Hände zu bekommen. Man muss zwar realistisch genug bleiben und davon ausgehen, dass nicht jede Ausgabe nur glänzen kann, aber es gelingt diesen Leuten immer wieder, tolles Material abzuliefern. Gerne wieder für meinen Teil.

Ja und sonst…? Ich finds im Moment schwierig, aus der Flut von News und Unterhaltung die richtigen Perlen zu ziehen. Ich hatte diese Woche sicher gefühlte fünfzig Momente, wo ich ein ultimatives Blog-Thema gehabt hätte. Leider war ich zu blöd, auch nur ansatzweise so etwas wie Notizen zu machen. Ging halt immer irgendwo um mich herum die Post irgendwie ab, was mich letztendlich wieder und vollständig abgelenkt hat.

Ich schwebe irgendwo zwischen gedämpfter Ignoranz und Boderline auf Valium, so in etwa. Vielleicht noch eine kleine Prise ADS-mässiges Assoziieren, und schon haben wir unseren kleinen Brei im Oberstübchen beisammen. Und wenn gar nichts mehr geht, dann spielen wir ein bisschen Musik.




Prioritätenmanagement

Montag Morgen, 06.30 Uhr, der Kaffee dampft, die Frisur sitzt. Die Themen in Presse und Radio:

  • Was bedeutet die neue deutsche schwarz-gelb Regierung (YB-Koalition quasi) für die Schweiz? Wird der Herr Westerwelle, seines Zeichens Aussenminister in spe, aufgrund seiner sexuellen Präferenzen bei einem allfälligen Iranbesuch umgehend vom Achmeschlagmichtod verhaftet und gefoltert?
  • Ist die Verhaftung des Herrn Polanski gerechtfertigt oder bloss ein weiterer Versuch der Schweizer Regierung, das Ansehen im Ausland aufzupolieren? Ein Aufschrei geht durch die lokale Filmszene (ist ja auch unverschämt, einem flüchtigen Kinderschänder den Prozess zu machen, auso ehrlech!).
  • Ach ja, fast vergessen: Die neue Miss Matterhorn wurde ja auch noch gekürt. Blondiert und streng gläubig – eine verheerende Mischung aus dumm und weltfremd.

Zur Erinnerung: Am Wochenende haben wir über die eine oder andere wichtige Vorlage abgestimmt. Ich finde es irgendwie seltsam, dass dies in der Montagspresse und den Onlinemedien mehr oder weniger als Randnotiz zu finden war. Eine Prioritätenanpassung im Newsbereich wäre wünschenswert.




Liberal im Jahre 2009

Es gibt heute ja bekanntlich viele, viele bunte Blätter, die dem und der Gläubigen ihren Überschuss an Phantasie satt befriedigen: “reformiert” (formerly known as “saemann”), das katholische Pfarrblatt und noch viele weitere, selten wirklich auflagenstarke und/oder relevante Blättchen tummeln sich im Pfuhl der medialen Verkündigung. Das ist auch gut so: erstens hat selbst der Dümmste im Lande ein Recht darauf, in seiner Ignoranz bestätigt zu werden, zweitens müssen all die Absolventen der Ringier-Journalistenschule zu Zeiten des medialen Kollapses ja irgendwohin.

Was ich aber partout nicht verstehen will: warum entwickelt sich der Bund, frisch “gerettet” (die paar Entlassungen sind ja sowas von nicht relevant) zum neuen Berner Pfarrblatt?

Wer auch nur mit minimal offenen Augen durch diese Zeitung blättert, staunt, denn mehr und mehr dominieren religiöse Themen. Selbstverständlich wird möglichst “tolerant” berichtet (lies: verniedlichend), möglichst “neutral” (lies: anbiedernd) und möglichst “objektiv” (lies: kompatibel mit den eigenen Glaubensvorstellungen).

Beispiel gefällig? Nun denn. Nehmen wir doch mal die Ausgabe vom 1. Juli diesen Jahres. Unter dem Titel “Betende Banker” werden solchige portraitiert – auf etwa 2/3 Seite. Völlig widerspruchsfrei dürfen da Erzfundamentalisten ihre frohe Botschaft verkünden, inklusive intelligenten Behauptungen wie “Gebet verbessert Betriebsklima” (das tut regelmässiges Lüften auch) oder “die UBS gehört Gott Vater” (dann soll er den Mist gefälligst auch selbst finanzieren).

Dann, auf Seite 19, darf auch noch EVP-Mann Ruedi Löffel salbadern. Zugegeben: hier sehe ich eine gewisse Relevanz, da Löffel als Vater des Antirauch-Gesetzes gilt, das hier seit 1. Juli in Kraft ist. Natürlich bekommt auch Löffel eine 2/3 Seite, inklusive Foto mit Agentur C-Bild im Hintergrund (“Seid still und erkennet, dass ich euer Gott bin” – wenn die Argumente ausgehen, hilft halt nur noch “STFU!”). Natürlich fühlt sich hier ein Bund-Schurni bemüssigt, einen Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und Löffels religiösem Background zu konstruieren. Was dieser im Übrigen recht gekonnt umschifft.

Weiter, diesmal mit einer 4/5 Seite, wird noch ein Seelsorger-Ehepaar portraitiert – ironischerweise unter der Rubrik “Arbeit”.

So geht das im Bund schon eine ganze Weile. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einmal an prominenter Stelle irgendwelche Spinner von Gottes Gnaden zu Wort kommen. Dass sich der Bund übrigens während vielen Jahren dem Wunsch konfessionsfreier LeserInnen entzogen hat, bei den Todesanzeigen nicht nur immer Bibelsprüche, sondern vielleicht zumindest ab und zu mal einen neutraler Text abzudrucken, passt hier ja bestens hin. Soweit ich weiss war der 13. Juni insofern eine Premiere, als dass man hier tatsächlich zum ersten Mal eine Bund-Todesanzeigenseite anschauen konnte, ohne der Bibelpropaganda ausgesetzt zu sein. Und auch die Tatsache, dass in der Regel erst 20Minuten, dann eventuell die BZ, und erst dann – eventuell – der Bund über Aktionen der Freidenker, der Brights oder anderer säkularer Bewegungen berichtet, passt in dieses Konzept.

Die Frage ist nun: ist diese neue Richtung eine Art vorausschreitender Gehorsam, um die Zwinglianer aus Zürich gnädig zu stimmen? Oder ist sie vielmehr Ausdruck einer neuen Stossrichtung als Nischenprodukt?

Wahrscheinlich ist “gläubig” halt einfach das neue “liberal”. Von dem her hat die FDP durchaus das Recht und die Verpflichtung, in der neuen Landesregierung vertreten zu sein.

Nein, ich meine jetzt nicht den Bundesrat, sondern den Vatikan.

Santo subito!




Brückensprenger

Eigentlich dachte ich, dass ich mich nicht mehr mit Herrn Steinbrück befassen muss, da er irgendwann von der gehobenen Diplomatie ausgebremst wird. Dem ist ganz offensichtlich nicht so.

Jetzt haben sogar die sonst so entspannten Luxemburger die Schnauze voll von dem Nordisch-by-Nature-Gefasel, das will was heissen. Ich kann dem nur beipflichten. Ein pöbelndes Bübchen ist eine Zeit lang sicherlich unterhaltsam, doch auch beim weitgehend schmerzbefreiten Zuschauer stellt sich irgendwann eine Sättigung ein.

Darum: Husch husch, Peer, ab ins diplomatische Steinkörbchen.




Jung und willig

Es ist ja bekanntlich immer etwas schwierig, wenn ältere Semester sich der Jugendsprache bedienen um ihrem Ausdruck eine flotte Note zu geben. Das dies zeitweilig in eine – in diesem Falle wohl nicht ganz beabsichtigte – komische Richtung gehen kann, zeigt ein Auszug einer gestern im Bund publizierten Todesanzeige:

Ein Schelm, der Böses dabei denkt…




Schlechter Verlierer

Der olle Schwabe Jürgen Klinsmann hat grad eine etwas mühsame Phase in seinem Dasein. Nicht nur, dass seine überbezahlten und verwöhnten Kicker-Nulpen vom FC Bayern zur Zeit eher unterirdisch spielen, jetzt wird er auch noch von der Presse und von Gerichten gepiesackt.

Nun gut, die hervorragende Bezahlung als Bayern Trainer setzt eine gewisse Schmerzbefreitheit voraus, könnte man jedenfalls meinen. Aber nein, der Jürgen macht einen auf religiöse Mimose. Herr Klinsmann lässt verlauten, dass die Karikatur in der TAZ ihn in seiner religiösen Ausprägung aufs Massivste und Unerträglichste verletzt hat. Och…

An diesem Punkt würde ich gerne auf ein paar Aussagen/Zitate vom Klinsi stichwortartig meinen Senf dazu geben. Los geht’s:

Klinsi: Er verstünde sich als religiöser Mensch und erzöge seine beiden minderjährigen Kinder auch in diesem Sinne.
Nasse meint: Arme Bälger, wie sollen die sich später mal orientieren können oder so etwas wie seelische Stabilität aufbauen, wenn schon der Papa so einen religiösen Eiertanz aufführt?

Klinsi: Er werde zum Objekt und Opfer blasphemischer Angriffe.
Nasse meint: Wer sich öffentlich zu einer Religion bekennt und dies nicht privat halten kann, der sollte sich auch auf mögliche Kritik einstellen. Es gibt kein Recht auf verbale Unversehrtheit, wenn man sich öffentlich zu Zauberkram bekennt.

Klinsi: Er werde dafür benutzt, dass das Leiden Christi ins Lächerliche gezogen werde – und werde Hohn und Spott ausgesetzt.
Nasse meint: Wer sich mit ernster Miene und schwäbischem Dialekt für die Leiden Christi einsetzt, der muss damit rechnen und sollte es auch ertragen, den einen oder anderen Lacher zu verursachen.

Da wir nicht nur auf die Leute eindreschen sondern auch konkret helfen wollen, haben wir für den alten Jürgen einen Trick aus unserer Lebenshilfe-Kiste parat: Konzentrier Dich auf Dein Kerngeschäft, überlasse den Jesus und seine Kamellen den üblichen Wirrköpfen und ihren Vertretern vom FC Vaticano und heul nicht öffentlich rum, wenn Dich jemand ans Kreuz nagelt. Jesus wäre da sicher hart geblieben. Darum: Jürgen, sei ein Mann!




Nebenbei notiert

Hier musste ich lachen, besonders bei Icordo, einfach herrlich.

Da habe ich zur Kenntnis genommen, wie verständlich man sich in der Politik mitunter auch ausdrücken kann. Es geht also doch…

Diese hier finde ich recht witzig, manchmal entwaffnend. Es hat für alle etwas dabei. Ausnahmslos.

Etwas erstaunt war ich darüber, dass das Phantom effektiv ein Geist war. Nämlich der Geist des Wattestäbchens. Irre. Hat mich zeitweilig echt beschäftigt, die Sache, CSI sei dank. Ich habe mir ja die wildeste weibliche Kriminalkarriere aller Zeiten zusammengereimt. Tja, ausser Spesen nix gewesen.

Weiter möchte ich auf diesen Artikel von Kollege Beinhart respektive die Kommentare darunter hinweisen, denn: bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe.

Last, but not least schon wieder so ein talentierter Bursche, der ausschliesslich mit seinem Gefräss ansprechende Musik macht.

Manchmal braucht man wenig, um glücklich zu sein.




Aber, aber…

Ja, liebe/r BZ Redaktor/in, da muss wohl das Orthographie Semester nochmals wiederholt werden. Ist aber auch ein schampar langer Artikel…




Shake it…

Shake it

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Da gestaltet sich selbst der einfache Versuch, ein entspannendes Bad zu nehmen zu einem grammatikalischen Hürdenlauf. Aus “schütteln” und “umschütten” wird kurzerhand “umzuschütteln” – grossartig. Ja-ha, auch die Pharmaindustrie muss sparen!

Egal, einmal grosszügig in die heisse Wanne verteilt – und weg ist der Schüttelfrust Schüttelfrost…




Music for the jilted people

Also doch: es gibt sie noch, die Gutmenschen unserer Zeit. Menschen, die sich ganz uneigennützig und selbstlos um jene kümmern, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass P. Diddy aka Puff Daddy aka….who cares…den Obdachlosen in New York zur Weihnachtszeit grosszügig iPods verteilte – nota bene ausschliesslich mit Songs von Mister Habdenbezugzurrealitätverloren.

Ja-ha, der Puffvater hat sich dabei schon was gedacht:

Wintermäntel? Viel zu konventionell, die trägt ja jeder entlang der 5th Avenue.

Essen? Keine gute Idee beim aktuellen Skinny Look. Da wäre ein Wohlstandsbäuchlein definitiv fehl am Platz.

Warme Schuhe? Nee, lass mal, die können eh nur eine Saison getragen werden.

Und da ja an jeder Strassenecke New Yorks Steckdosen zu finden sind, bei welchen die iPods auch wieder aufgeladen werden können, bietet sich dieses Geschenk natürlich absolut an.

Eine explosive Mischung aus unsagbarer Dummheit und miserablen PR-Beratern verbunden mit einer gehörigen Portion Realitätsverlust. Respekt…




Dem Chefredaktor fiel der Dativ aus dem Hirn

Muss nicht sein, oder?

Und wir regen uns auf, wenn wir Amateure in unseren Artikeln ein Rechtschreibfehlerchen übersehen haben. Pah!

Zumindest bei den Titeln sind wir immerhin fehlerfrei. Und die Fälle beherrschen wir eigentlich alle.

Mal eine Scheibe von der Daumenschraube abschneiden Tagi!




Warum Computer unzuverlässig sind

Nichts Neues im Westen, mag sich da das eine oder andere Lesewesen sagen. Weit gefehlt, sage ich. In der aktuellen Ausgabe 01/09 des Linux-Magazins wurde das Editorial von Professor Andrew S. Tanenbaum (Informatik, freie Uni A’dam) verfasst, der sich unter anderem mit einer fundamentalen Kritik der gängigsten Betriebssysteme hervortut. Die Kernaussage seiner Kritik lautet, dass die aktuell meistverwendeten Systeme für Personal Computer und Server (in dem Fall Unix/Linux und Windows) im Kern zu instabil sind, dies aufgrund des Designs und der Grösse des Betriebsystem-Codes. Herr Tanenbaum definiert gleich selbst einen Wert “Zuverlässigkeit”, der folgendermassen beschrieben ist:

Ein Gerät gilt als verlässlich, wenn 99 Prozent aller Besitzer während des Lebenszeit des Geräts nie irgendwelche Ausfälle zu beklagen haben.

Alle, wirklich alle, die jemals längere Zeit mit einem gängigen Computer gearbeitet haben, wissen, dass dem im Alltag eben nicht so ist. Insofern pflichte ich unserem Professor, auch im Namen unserer computergeplagten Leserschaft, vorerst uneingeschränkt bei. Nun würde es wohl den Rahmen dieses kleinen Boudoirs der Eitelkeiten sprengen, wenn ich diese These in allen Details auseinander nehmen würde. Kurz zusammengefasst und sinngemäss meint der Herr Professor folgendes:

Die Anzahl Fehler pro Tausend Zeilen Programmcode (KLoC) ist bei (sehr) gut programmierter Software eigentlich nicht unter 2 KLoC zu bringen. Will heissen, dass viel Programmcode zwangsläufig auch viele Fehler enthält. Im Falle eines gängigen Betriebssystems heisst das, dass auf die x-millionen Codezeilen entsprechend x-tausend Fehler kommen. Fehler machen ein System instabil und damit den User unzufrieden.

Jetzt gibt es ja Geräte wie Fernseher, Radios, Mobiltelefone und MP3-Player, die quasi absturzfrei durch ein ganzes Geräteleben hindurch funktionieren. Dasselbe bei Geräten im medizinischen und industriellen Bereich. Was ist denn dort anders als bei unseren problemgeplagten Computern? Die Antwort ist, laut dem Herrn Professor, beim Betriebssystemkern (Fachbegriff: Kernel) zu finden. Während bei EKG, Fräsmaschine, Fernseher und Co. so genannte Mini-Kernel eingepflanzt werden, sind bei den verbreiteten Computersystemen vor allem grössere Kernel im Einsatz (wir erinnern uns: mehr Code, mehr Fehler, desto weniger stabil).

Wenn es also darauf ankommt, dass ein Gerät quasi Absturzfrei funktionieren sollte (99 Prozent Verfügbarkeit), dann muss man mit einem Mini-Kernel arbeiten. Der einzige Nachteil von Mini-Kernel gegenüber grösseren Kernel liegt in der Performance, sprich Mini-Kernel sind aufgrund ihres Designs ein bisschen langsamer. Dieser Nachteil konnte aber von Studiengruppen mittels Code-Optimierung auf unter 10 Prozent gedrückt werden, sprich der Benutzer würde das praktisch nicht merken.

Ich kann diese Argumentation verstehen. Ich habe zwar nicht das Problem, einem Informatikguru auf Gedeih’ und Verderben ausgeliefert zu sein, um allfällige Computerprobleme in den Griff zu bekommen. Aber ich kann mich sehr gut in jemanden hineinfühlen, der eben diesen Anspruch auf die 99 Prozent fehlerfreien Betrieb eines Geräts stellt. So sollte es eigentlich sein.

Rein von der Kundenorientierung her ist der aktuelle IT-Markt für den unwissenden Endverbraucher der reinste Horror. Während der unbedarfte Konsument mit hunderten von Anschlüssen, Kabeln, Steckern, schlecht programmierter Software und einer schier erschlagenden Auswahl in sämtlichen Bereichen überfordert ist, schlagen sich Windows-Jünger und Linux-Freaks die Köppe ein. Ist jetzt vielleicht ein kleines bisschen plakativ dargestellt, läuft aber am Ende darauf heraus. Apple wird hier mangels Signifikanz nicht als Alternative in Erwägung gezogen, fault doch Steve Jobs Evangelium letztendlich an den gleichen Ecken wie der Rest der Branche. Einzig das alles-aus-einer-Hand-Konzept verhindert zwar Wildwuchs, aber am Ende kochen alle mit Wasser.

Was heisst das nun für uns, die breite Masse an bequemen Endbenutzern? Erst mal müssen wir uns ziemlich sicher in Geduld üben. Es wird Computer geben, die ein einfacheres, zuverlässigeres und benutzerfreundlicheres Konzept mit sich bringen, aktuelle Subnotebooks wie zum Beispiel der eeePC von Asus sind erste Anzeichen einer solchen Entwicklung. Allerdings kommt das erwähnte Beispiel nach wie vor mit “schweren” Betriebssystemen daher, aber da wird in Zukunft noch einiges gehen. Medizin und Industrie setzen sowieso auf ultra-zuverlässige Mini-Systeme, der restliche Profi-Bereich wird nicht ohne komplizierte und “schwere” Software auskommen, wobei hier zwischen Desktop und Server noch mal unterschieden werden muss. Hier gibt es wenig erkennbaren Tendenzen, Computerhersteller sind zurzeit vor allem damit beschäftigt, die Hardware schlanker, kleiner und viel energieeffizienter zu machen. Auch wenig Neues bei den grossen Softwareschmieden und Open Source Projekten, die sind ganz gut mit sich selbst und dem Markt beschäftigt. Eine drastische Kehrtwende bei Fragen der Systemarchitektur lässt sich (mal abgesehen von den üblichen Streitereien) zumindest nicht erahnen. Anders gesagt: für Jobs als Informatiker jeder Couleur ist weiterhin und auf Jahrzehnte hinaus reichlich gesorgt.

Fazit: Auf jeden Fall ist es gut, dass Leute wie der Herr Tanenbaum (irgendwie saisonal passend, der Name…) ihre Botschaft in die Welt raus plärren. Meine vage Hoffnung ist, dass die Branche auf solche Köpfe hört. Wir werden sehen…




Nuscheln am Sonntag

Nuschelalarm in der heutigen SonntagsZeitung: Ein typischer Fall von Alkohol am Arbeitsplatz? Man weisch esch nischt scho genau…

Grieschenland

Grieschenland




Wo ist Walter…äh…Axl?

Eine bizarre Meldung, auf welche man heute in diversen Online-Medien stösst: “Wo ist Axl Rose?”

Wanted!

Wanted!

Im ersten Moment dachte ich, es handle sich um ein lustiges Wimmelbildchen, mit welchem man sich eine Weile beschäftigen kann, bis man das Antlitz des bis zur Unkenntlichkeit gelifteten Altrockers gefunden hat. Aber nein, der Herr ist tatsächlich verschwunden – also so richtig weg – und das, trotz aktueller Veröffentlichung des neuen Albums “Chinese Democracy” (welch lustiges Wortspiel).

Ja gibts denn sowas? Da soll der doch das neue Album promoten und hat sich stattdessen so mir nichts dir nichts in Luft aufgelöst. Ich gehe ja stark davon aus, dass der Herr Rose auf spektakuläre Weise direkt aus der Schönheitsklinik entführt wurde und ihm nun in Fernost gezeigt wird, was dort unter dem Begriff Demokratie verstanden wird. Ihr wisst schon, ist bestimmt nicht angenehm. Um es mal vorsichtig auszudrücken.

Also, falls jemand sachdienliche Hinweise zum Aufenthalt der gesuchten Person machen kann: Der nächste Boulevardjourni ist für jede kleinste Information dankbar. Schliesslich muss auch der seine Brötchen verdienen.

Sachen gibts.




Freudscher Verleser… unschuldig!

Ein Schelm, wer Schlüpfriges denkt?

Ein Schelm, wer Schlüpfriges denkt?

Tztztz… da hat sich ein Bund-Redakteur aber Mühe gegeben, dass sich der alte Dschango beim Zmorgekafi ganz fest die Augen reiben muss. War dann aber doch nicht das, was ich gemeint habe zu lesen.

Wäre zugegebenermassen auch sehr erstaunlich gewesen, wenn es dabei Tote gegeben hätte, irgendwie.