Archiv für die Kategorie ‘gehört’

Eintopf mit Genudel

Es ist beinahe schon Realsatire: Zwei Drittel der Redaktion befinden sich momentan im Überlebenskampf mit einem Arbeits-Tsunami, während das dritte Drittel den Kopf im Arsch des Winters stecken hat und kaum wieder raus bringt. Daumenschrauben wo man hinschaut, ob Wirtschaft oder Wetter.

Egal, denn die Welt dreht sich weiter.

Zum Beispiel wurde letztes Wochenende abgestimmt. Keine Überraschungen so weit, aber das Resultat beim Tieranwalt hat mich dann doch ein wenig geknickt. Offenbar ist die “aufgeklärte” Menschheit noch nicht reif dafür, sich vom Menschen-zentrierten Weltbild zu lösen und auf Augenhöhe mit Tieren zu leben. Schade, wieder eine verpasste Chance mehr, denn die Tiere hätten es wahrlich nötig und sind es allemal wert.

Ein Skandälchen könnte sich bei den scheints extensiven Ermittlungen der Bundesanwaltschaft bei den Hells Angels abzeichnen. Man findet offenbar nix von Relevanz, jedenfalls nicht im Vergleich mit den Deutschen Gesinnungsbrüdern. Finde ich aber gar nicht so schlimm. Und deppert sind solche uniformierten und durchorganisierten Töffbubenclans sowieso. Oder, um es mit Janis Joplin zu sagen: Freedom’s just another word for nothing left to loose.

Zitat des Tages: “So schön kann Gewalt sein!”. Und so witzig und geistreich kann Videogame-Journalismus sein. Es geht immer nur um Kontext, Baby.

Last but not least meine Empfehlung des Tages für das elektronischen Klängen zugeneigte Ohr. Gepflegten Drum’n'Bass aus aller Welt gibt es bei bassdrive.com, meinem Lieblingssender der Stunde. Ob beim Schreiben oder Zocken, die DJs wissen mich immer wieder zu verzaubern.

E guete.




Lebe und lerne

Es gibt Tage, an denen geht es Schlag auf Schlag. Eine Einsicht jagt die Andere, man kommt kaum nach mit begreifen, das Licht der Erkenntnis fackelt sich regelrecht einen ab.

Aber beginnen wir von vorne:

Ich besitze eine stattliche Sammlung von Internet Radio Mitschnitten, die ich ausgewählt auf meinem iPod im iPhone gespeichert habe. Jedes Lied eine separate Datei, das ist sehr praktisch. Ich genoss bisher fast ausschliesslich diese ein- bis zweitausend Songs, bunt gemischt im Shuffle-Modus.

Aber irgendwas stimmte nicht. Ich hatte das subtile Gefühl, dass mir der iPod etwas vorenthalten würde, manchmal fühlte ich mich sogar irgendwie bevormundet. Aber es war eben subtil, deshalb versandete es im Alltagsrauschen.

Dann, nach Monaten, in einem Anfall von Entschlossenheit, diesen Gefühlen endlich nachzugeben, kam die unausweichliche Handlung: Shuffle deaktiviert – und es tat sich eine neue Welt auf. Ich habe seither immer wieder so eine Art akustischen Vollrausch.

Ich zehre seit ein paar Tagen davon, gewisse Songs nach Monaten wieder mal zu hören, obwohl es von Anfang an bis jetzt das gleiche “Album” war. Der Shuffle hat mir Lieder regelrecht vorenthalten, die mit der alphabetischen Playlist nun endlich wieder in mein Ohr finden. Ich verschmelze mit dem Sound im Zug, am Bahnhof, in der Migros, bei Minusgraden im Schneegestöber, einfach grandios.

Manchmal braucht es wenig.




United State of Pop 2009

Bereits zum dritten mal veröffentlicht DJ Earworm, der Mashup-Schlingel,  sein Best of Pop des vergehenden Jahres. Ich stehe zwar selbst nur bedingt auf den Einheitsbrei aus den Charts, aber es hat ja immer mal wieder eine Perle darunter, und im Mashup machts gleich nochmal mehr Spass:

Mehr von dem Stoff gibts auf youtube.




Weisste Bescheid!

Was ist denn da los? Seit dem letzten Abstimmungswochenende hat irgendwie jeder das Gefühl, er müsse seinen mehr oder minder wertvollen Kommentar zum Ergebnis der Minarettinitiative auf irgendeiner Online Plattform oder wahlweise lautstark im vollen Bus  bekanntgeben. Politisieren und eine fundierte Meinungsäusserung ist ja durchaus sehr wertvoll, dieses Stammtischniveau ist jedoch höchst bedenklich.  Da wurde aus einer einfachen Bauvorlage eine Grundsatzdiskussion über die beginnende Islamisierung (mein Favorit für das Unwort des Jahres) und geht nun bis hin zum Burkaverbot (ja gellen Sie, Frau Schwarzer, auch so kann man, exgüsé, frau sich wieder einmal ins Gespräch bringen). Etwas mehr Bildung und etwas weniger dummes Geschwätz wäre doch irgendwie wünschenswert. Auso ehrlech…

Und nun zu etwas ganz anderem.

Einen gelungenen Übergang zu finden ist jetzt etwas schwierig, ich versuchs trotzdem: Alsoder Clou….Meine Fresse… Nee, geht nicht, diesen Themawechsel müsst ihr jetzt verkraften:

Editors! Da gabs gestern im Bierhübeli keine müssigen Diskussionen irgendwelcher Türmchenphobiker sondern nur grossartige Musik und einen Sänger mit einer Stimme, die Frau Korhonen in den Wahnsinn treibt (wieder einmal ganz pathetisch…).

Von einem Geheimtipp kann wohl keine Rede mehr sein, trotzdem kann ein Erwerb dieses Tonträgers im Plattenladen Eures Vertrauens ohne Vorbehalt empfohlen werden!

Isso.




Wir wolln den Jesus sehen!

Es war einer dieser tristen Novemberabende als sich Nasse und meine Wenigkeit zusammen mit unseren Liebsten auf eine Reise in die tiefste Teenievergangenheit aufmachten: Depeche Mode in da House oder besser gesagt in Genf…

Gut, ist jetzt nicht Prince, aber da ich dessen Auftritt bekanntermassen so was von verpasst habe, war ich sehr erfreut über die Tatsache, den Dave ansabbern zu können…ähm…die wunderbare Musik von DM geniessen zu können (etwas Contenance, Frau Korhonen, also wirklich!).

Nach ein paar Bierchen vergassen der Nasse und ich dann auch prompt unser nordisch-zurückhaltendes Temperament und hüpften rum wie zwei Springböcke auf Speed. Und -- um ehrlich zu sein -- trotz der fantastischen Mucke und der wunderbaren Show, wollten wir im Grunde doch nur eines hören:

Mei, war des scheen!




Musigstubete

Es gibt Sounds, die gehen einem auch noch nach Jahrzehnten durch Mark und Bein. The Cure gehört zu den Bands, die musikalisch kein Verfalldatum haben. Bitteschön:




Anglizismen reloaded und Götter auf Brettern

Mein aktueller Favorit bei den üblen Anglizismen (sinngemäss, im Radio gehört im Zusammenhang mit Robbie Williams):

“Mis Mami findet dä hotter than July!”

Klar, und ich finde den Spruch colder than January. Was für ein Bullshit.

Und nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, ein Glanzstück aus den Neunzigern, das mir auch heute noch genickschädigendes Headbangen entlockt. Bühne frei für die mittlerweile aufgelösten Guano Apes mit der rattenscharfen Sandra Nasic am Drücker:

Meine Fresse ist der Song geil. Ich habe jetzt das Bedürfnis, sehr laut zu schreien.




Schwein hat die Sau!

*SCHNORCHZ!*

OK, den Dschango hat es böse erwischt. Keine Ahnung, ob es was Schweinisches ist oder nur eine normale Grippe, aber verdammt, bin ja noch wirrer im Hirn als sonst. So wird das nix mit Bloggen.

*SCHNAUB!*

Aber damit dieser Post nicht völlig in der Sinnlosigkeit endet, habe ich noch was für euch. Also, wer sich mal wieder so richtig aufregen will, dass ihm oder ihr die Galle schier überschäumt, der oder die klickt hier bzw da.

*KROCHELHUST!*

Und wer sich mal wieder verblüffen lassen will, klickt am besten hierdrauf. Vielleicht die ersten 90 Sekunden überspringen, wenn man in Eile ist.

*SCHNEEEEEEEEEUZ!*

So. Das wars für diese Woche. Dschango geht jetzt mal sterben. Euch auch noch n’schönes Leben.

*HUSTWÜRGLUFTSCHNAPPNIESVIRENSPEI!!!*




Musik mit Sand und Bäumen

Irgendwie eine coole Idee:

Klingender Sand

Klingender Baum




Der King hat ausgepoppt

Schon saublöd.

Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben, da stirbt der Jackson Michel (das ist der, der den Begriff ‘Gesichtsverlust’ auf ein völlig neues Level gehoben hat) weg und ich hab eine Überschrift, die einfach zu gut ist, als dass man sie ignorieren kann.

Henusode.

Nicht, dass es mich jetzt gross (oder auch nur am Rande) in meiner Lebensqualität beeinträchtigen würde, wenn der weisseste Schwarze aller Zeiten nicht mehr unter uns weilt – er hat mich auch nicht gross beschäftigt, als er noch lebte, schliesslich habe ich keine Kinder. Irgendwie hab ich den Zugang zu der Figur verloren, ungefähr zu demselben Zeitpunkt, als MTV Scheisse wurde. An ‘Beat it’ kann ich mich noch erinnern, und an die ‘Dirty Diana’, und natürlich an ‘Thriller’. Aber sonst? ‘Black or White’? Ja, entscheide dich mal… ‘Heal the world’? Pffffft… heil dich doch selber…

Weil ich ein alter Masochist bin, habe ich mir aber einen Blick ins Michael Jackson Forum nicht verklemmen können, und siehe da, Perlen warten darauf, ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden!

Schon ziemlich geil beginnt es ja im Foren-Header, wo die Betreiber versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben:

Für alle die alleine sind oder mit einem unbeteiligten sprechen möchten, empfehlen wir die TelefonSeelsorge. 24 Stunden täglich – anonym, vertraulich, gebührenfrei.

So meint beispielsweise sana24:

mich trift es schwer den ein mänsch den wir lieben ist von uns gegangen

Nimm es easy, liebe sana24, weil, ob MJ überhaupt noch unter die Kategorie ‘mänsch’ gefallen ist, das würde ich als zweifelhaft ansehen. War ja eher ein Cyborg, mit all dem Plastikzeug drin. Und der positive Aspekt: jetzt hast du endlich wieder den Kopf frei, um im Deutschunterricht mitzumachen und musst nicht mehr die ganzen Hefte mit “I love U Michael!”-Einträgen füllen. Hat eben alles zwei Seiten im Leben.

Andere Leute sind schockiert, wie die Welt mit ihrem Idol posthum umgeht, so zB MJJmyLOVE:

Die Leute sind schrecklich, sogar jetzt noch sagen die: “man muss sagen, dass seine Beziehung zu kleinen Jungs krank war” wie unfassbar!!!

Ja, es ist total schlimm. Weil, spätestens dann, wenn sie tot sind, sollte man Pädophile nicht mehr schmähen, sondern ihnen ein Denkmal setzen – oder ein Kirchenfenster, siehe nebenstehendes Bild.

Als etwas unsensibel empfinde ich die Signatur von CptChaos:

MICHAEL!!! GO 4 LONDON!!!

Vielleicht ist der gute Cpt aber auch nur überoptimistisch.

(Unter uns: ich glaube ja immer noch, dass das ganze Gesterbe nur a) ein Marketing-Trick ist oder b) ein easy Weg, um die bereits ausverkauften Konzerte im Januar möglichst kostenneutral abzusagen.)

Dafür macht cyplone auf Fatalismus:

HEUTE NACHT IS DIE MUSIK GESTORBEN!!!!!!

Hauptsache, die Grossbuchstaben überleben.

Etwas unorthodox dann die Frage von sunshine1974:

Weiß jemand wo ich vielleicht mit gleichgesinnten Michael Jackson Fans Trauern kann? Ein Gottesdienst oder so etwas ähnliches.

Ich verwette meine linke Arschbacke darauf, dass irgend ein schlauer Pfaffe in den nächsten Tagen genau dies anbieten wird. Denen ist ja mittlerweile nichts mehr zu blöd, um ihre Hütten vollzukriegen. An sunshine1974s Stelle würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und eine Initiative starten, damit die ganze Welt kollektive Global-Trauer verhängt. Und einen globalen (ja was red ich da, einen UNIVERSALEN!) MJ-Gedenktag brauchen wir auch. Dringend!

Sowieso: theologisch sind MJ-Fans offenbar recht gebildet. So auch Littlesister:

Möge Gott ihn beschützen und ihn oben im Himmel einen Popstern schenken.

Einen Popp-Stern? So wie den hier?

Und auch Blacky09 ist Hobby-Theologin:

Doch, ich glaube, es gibt einen Gott. Er hat Michael zu sich geholt, um ihn nicht noch mehr zu quälen. Er meinte es sicher gut und will, dass Michael nun ein besseres und schöneres und ruhigeres Leben hat.

Komm Blacky, sprich Klartext: MJ ist Gottes eingeborener Sohn, der zu uns geschickt wurde, die Sünden der Welt von uns zu nehmen. Er ist nun wieder vereint mit seinem Vater im Himmel und betreut im Moment gerade die Vorhölle, wo er sich den ungetauften Kindern annimmt. Halleluja! Amen!

(BTW: ziemlich geil ist die Tatsache, dass wegen MJs Tod jetzt in diesem Forum eine Diskussion über die Existenz Gottes entbrannt ist, im Sinn von “wie kann ein Gott existieren, der MJ von uns nimmt?!?”…)

Darüber, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, ist man heutzutage ja informiert. Trotzdem ist es immer wieder wichtig, dass man da drauf hinweist, so wie MJJusic:

Als ich heute morgen ganz gemütlich duschen gehen wollte, das Radio angeschalten hab und diese Nachricht gehört habe, brach ich förmlich zusammen.

Merke: nie gleichzeitig gemütlich duschen und Radio hören! Das kann nämlich zu Zusammenbrüchen führen. Man spricht in dem Zusammenhang bereits von Killer-Radios und Koma-Duschen.

Etwas orientierungslos kommt Zagros in seinem selbst verfassten Gedicht rüber:

Ein kurzes Gedicht von mir an Michael:

Wenn ich Gott anflehen würde, könnest du dann kommen?
Wenn ich ein Teil meines Lebens dir gebe, würdest du dann zurück kommen?
Der Tod steht Michal Jackson nicht, ich habe nicht genug von dir. Wo willst du hin Michael wohin?

Ich rate mal: Six feet under. Zur Wurm-Party. Radieschen von unten ansehen. Perma-AFK. Und das Gedicht ist so toll, dass Blacky09 meint:

Ein sehr schönes Gedicht! Wie schön wäre es, wenn es wahr werden könnte. Ich würde sofort einen Teil von mir geben, wenn er nur wieder da wäre!

Mit dem Teil von dir meinst du wohl dein Gehirn, aber das wird nicht klappen, weil Gott Gehirne nicht so toll findet. Das sind Zombies, die da drauf abfahren, als MJ-Fan solltest du das eigentlich wissen.

So, dann mal ab in die Grusel-Ecke. Lischen83 mag ja eine ganz flotte sein. Total nett und so, ey. Aber stellt euch jetzt plastisch vor, wer hinter so einer Aussage stehen könnte:

Er hat mich sowohl künstlerisch geprägt als auch meinen Beruf als Sozialarbeiterin…

Also wie jetzt? ‘Künstlerisch’ im Sinn von ‘künstlichem Gesicht’? Und Sozialarbeit im Sinn von… hoffentlich nicht mit kleinen Jungs, oder?

Wirklich gruslig ist aber das hier, aus dem Foren-Header:

Seine Kunst ist unsterblich.

Uuuuuuuhhh… jetzt hab ich aber wirklich Angst…




Radio Gaga

Internet Radio ist eine ganz feine Sache. Seit ich über eine Breitbandverbindung verfüge (also gefühlte 25 Jahre), haben die öffentlichen Radios in meinem Leben ausgefunkt. Mal ehrlich, ausser Couleur 3 kann ich eh keinen Sender mehr hören ohne auf dem Trommelfell Ausschlag zu bekommen. Alle anderen Sender sind entweder zu angepasst, zu blöd, zu gesucht witzig oder waren schon immer zu weit von meinem erlesenen Geschmack entfernt. Als einzige Ausnahme seien hier die Sparten-Kabelsender erwähnt, Swiss Jazz oder RMC kann ich den ganzen Tag ohne Ausfallerscheinungen hören.

Genug der Einleitung, hier folgen die Empfehlungen:

Soma FM (Link)

Mein Haussender aus San Francisco. Die 14 Stationen lassen eigentlich keine Wünsche übrig, wobei meine Favoriten ganz klar sind: Secret Agent und Groove Salad. Meine Hausregel: Bis am Abend der leicht verrückte Secret Agent Sound, bei Sonnenuntergang kommt die Stunde der Gemütlichkeit mit Groove Salad. Aber auch die anderen Sender können Spass machen, ganz nach Belieben. Jedenfalls sind hier die Spendendollars von meinem Paypal Account gut investiert, hier gibts wirklich einen Gegenwert fürs Geld.

Proton Radio (Link)

Eines der rennommiertesten Radios im Bereich der elektronischen Musik. Alle namhaften DJs haben schon hier gespielt und die Auswahl gilt als eine der Besten im Internet. Zahlende Mitglieder bekommen Extras (beispielsweise aufgezeichnete DJ Sets in guter Qualität zum herunterladen), die sich sehen lassen können. Ich finde dort zwar nicht immer “meinen” Sound, aber gelegentlich fliegt mir ob der hochkarätigen Auswahl an DJs und Techno-Musik schon das Blech weg. Wie Roger S. aus Z. sagen würde: “Das isch mini nömber one!”.

Frisky Radio (Link)

Mein zweiter Favorit im elektronischen Kuchen. Frisky bietet die optimale Ergänzung zum teilweise etwas trockenen Sound von Proton. Wenn also auf Proton ein puristischer Elektroniker seine minimalistischen Töne scheisst, besteht eine gewisse Chance, dass auf Frisky etwas flockiger und melodiöser zu Werke gegangen wird. Ich riskiere immer wieder gerne ein Ohr voll.

Nasse wünscht eine gute Entdeckungsreise und viel Vergnügen beim Ohrenschmaus!




Nebenbei notiert

Hier musste ich lachen, besonders bei Icordo, einfach herrlich.

Da habe ich zur Kenntnis genommen, wie verständlich man sich in der Politik mitunter auch ausdrücken kann. Es geht also doch…

Diese hier finde ich recht witzig, manchmal entwaffnend. Es hat für alle etwas dabei. Ausnahmslos.

Etwas erstaunt war ich darüber, dass das Phantom effektiv ein Geist war. Nämlich der Geist des Wattestäbchens. Irre. Hat mich zeitweilig echt beschäftigt, die Sache, CSI sei dank. Ich habe mir ja die wildeste weibliche Kriminalkarriere aller Zeiten zusammengereimt. Tja, ausser Spesen nix gewesen.

Weiter möchte ich auf diesen Artikel von Kollege Beinhart respektive die Kommentare darunter hinweisen, denn: bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe.

Last, but not least schon wieder so ein talentierter Bursche, der ausschliesslich mit seinem Gefräss ansprechende Musik macht.

Manchmal braucht man wenig, um glücklich zu sein.




A little death around the eyes

Es gibt diese Momente im Leben, die dich kurz alles vergessen lassen. Ein Satz in einem Buch, der es wert ist, dick unterstrichen und unzählige Male hintereinander gelesen zu werden. Oder eine Zeile aus einem Song, die dich mitten ins Herz trifft und dich glauben lässt, sie sei alleine für dich geschrieben worden.

Heute hatte ich diese unerwartete aber nicht minder schöne Begegnung mit Peter Doherty.

Zugegebenermassen habe ich mich bis anhin nicht sonderlich mit diesem Junkie, Wrack, begnadeten Songschreiber befasst. Ich war mir nicht einmal sicher, ob der skandalgebeutelte Babyshambles Sänger in der Zwischenzeit irgendwo hinter schwedischen Gardinen weilt oder der stetige Heroinkonsum ihn bereits dazu brachte, die Rüeblis von unten anzusehen. Wie auch immer.

Jedenfalls stiess ich heute beim sonntäglichen surfen zwischen Information und Nonsense auf das erste Solo Album von Peter Doherty, Grace/Wastelands. Und was soll ich sagen? Es ist wunderbar, es ist poetisch, es berührt und immer noch berauscht vom gehörten würde ich mich wohl in meiner Euphorie auch noch zu Meisterwerk hinreissen lassen.

Wenn Drogen bei diesem Herrn solche kreativen Schübe hervorrufen, dann immer schön rein mit dem Heroin, Mr. Doherty.

Aga meint: Respect! ★★★★★




Man kann nicht immer lustig sein

ja, liebe Leute, diese Woche macht es sich der Dschango total einfach. Nicht, dass nichts passiert wäre, über das sich zu schreiben lohnen würde, aber euer Dschango war einfach mit anderem Zeug beschäftigt.

Erstens: Kollega Magnussen hat mir die neue Prodigy, „Invaders must die“, gesteckt. Diese ist, das muss ich zugeben, verdammt gut. Ich bin ja momentan sowieso in der Metal-Drum’n'Bass-Fusion-Phase, Pendulum sind meine Helden der Stunde und da passt das Gebrettere der Techno-Punk-Opas perfekt. Wie dem auch sei: die CD hat mich mit Haut und Haaren zurück in die 90er katapultiert. In den 90ern hingegen war mein Gehirn… nunja, anderweitig beschäftigt und keineswegs in der Lage, witzige oder gar kluge Sätze zu formulieren. QED.

Zweitens: wer mich (bzw diesen Blog) kennt, weiss, dass ich ein grosser REAPER-Fan bin. Es ist noch viel schlimmer: ich bin ein REAPER-Fanboy, der sogar mit entsprechendem T-Shirt durch die Gegend rennt. Nun ist die Version 3 unterwegs, diese Woche wurde eine neue Testversion aufgelegt und ich bin einer derjenigen, die das Teil auf Herz und Nieren testet. Im Gegensatz zu anderen Produkten, bei der ein Beta- (bzw Alpha-)Test vor allem daraus besteht, die vorhandenen Bugs soweit zu umschiffen, so dass man die eigentlichen Funktionen trotzdem noch anschauen kann, geht es bei REAPER vor allem darum, die neuen Features auch tatsächlich auszuprobieren. Und von diesen gibt es bei jeder neuen Version mehr als genug.

Drittens: Anfang Monat ist, nach fast zehn Jahren Entwicklungszeit, Darkfall Online erschienen. Ja, ich weiss, nach dem Spore-Debakel habe ich geschworen, mich nie mehr auf ein Game zu freuen. Und dieses Mal war ich tatsächlich cool, liess mich nicht zu sehr euphorisieren von den vollmundigen Versprechungen und habe das Teil mit relativ wenig Emotionen gekauft, installiert und angezockt. Ich weiss nicht, ob es an meiner veränderten Geisteshaltung oder am Spiel selber liegt, aber das Ding ist bis jetzt einfach nur geil. Mein Char versucht im Moment zwar vor allem, auf Bäume einzuhacken und dabei nicht getötet zu werden, aber so nach den ersten paar Stunden kann ich sagen, dass das Spiel zumindest ein würdiger Nachfolger von Ultima Online ist. Ich habe mich sogar dazu hinreissen lassen, in einen Clan einzutreten (Darkfall Pirates, yarrrr!!), für mich als eingefleischten Solo-Player wirklich eine ausserordentliche Sache. Ich werde zu gegebener Zeit einen ausführlichen Bericht darüber schreiben.

Wie ihr seht: Dschango war diese Woche primär damit beschäftigt, sich selbst zu unterhalten und er hat noch nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei. Wer heute auf dieses Blog kommt, nur um sich unterhalten zu lassen, ist deshalb selber schuld.

Ätsch-Bätsch!




Generation “Hääh?!?”

Letzten Samstag gingen Beinharts mal wieder in den Ausgang. Da ich seit Anfang Jahr wieder RaBe-Mitglied bin, dachten wir uns, wir schauen an selbigem Fest vorbei, das im Gaskessel über die Bühne ging. Kurzes Fazit: Dreadzone Soundsystem waren supi-nette Dudes, Saalschutz arrogante Zürcher Sub-Szene-Futzis mit gravierenden Bildungslücken, das DJ-Kollektiv Skeewiff war recht geil (Sound) bzw fast eine Spur zu geil (Performance) und PlayBoy’s Bend aus Belgien ist für mich die Entdeckung des noch jungen Konzertjahres 2009 schlechthin.

Darum gehts hier jetzt aber überhaupt nicht.

Wir standen im Gaskessel rum und beobachteten, wie uns das Ausgangsvolk langsam aber sicher zu siezen beginnen möchte. Sind wir uns mittlerweile ja gewohnt. Zum Glück oszillierte der Schwäbi bereits im Raum, so dass wir noch nicht die Ältesten waren. Es lief Funk und die Minderjährigen hupften zu Musik, die bereits ihre Eltern wuschig gemacht hat. Naja, trotz unserem Dinosaurier-Alter nicht so unser Ding, also lästerten wir stattdessen eine Weile über die Leute ab.

Irgendwann wurde das langweilig, glücklicherweise aber der Konzertsaal aufgemacht und die Hasen hoppelten rüber. Suchten uns ein nettes Plätzli, höckelten hin und warteten.

Und staunten.

Früher, ich meine jetzt wirklich ganz, ganz viel früher, da lief ein Konzert wie folgt ab: zuerst war auf der Bühne noch nix los, bzw nur Roadies, die das Mantra aller Roadies beteten: “TEST, TEST, ONE, TWO”. Das ging etwa eine Stunde so, während derer im Hintergrund dezente Beschallung lief. Ein grosses No-Go war, die Musik der Band, die gleich spielen würde, aufzulegen – man will die Musiker ja nicht mit ihrer eigenen Studio-Aufnahme brüskieren. Eventuell spielte jemand mit dem Lichtpult herum, eventuell kotzte jemand vor die Bühne, aber im grossen Ganzen war der Rahmen hier vorgegeben. Vor allem: der Schallpegel war zu diesem Zeitpunkt auf einem Level, wo man theoretisch bei normaler Gesprächslautstärke noch ein Rilke-Gedicht hätte rezitieren und die Menschen um einen herum dies hätten verstehen können.

Danach spielte eine Band, es wurde laut, es wurde ständig an der Schmerzgrenze entlang geschrammt, eventuell ploppte auch mal ein Trommelfell. Man konnte dies aber vermeiden, indem man Ohrenstöpsel so bis zu einem Drittel tief ins Ohr schob, was dem Sound zwar etwas abträglich war, der Hörfähigkeit aber umso zuträglicher.

Nach der ersten Band hiess es “zurück auf Feld eins”, die Roadies kamen wieder aus ihren Löchern hervor und so ging es weiter, bis man irgendwann in einer Ecke aufwachte und sich fragte, wo man wohl seine Hosen gelassen hat. Und das Portemonnaie. Und woher die Bissspuren in der Unterleibsgegend kommen. Die Ohren haben noch genau so lange gepfiffen, wie das letzte Bier im Magen rumort hat und gut war.

Heute, meine Lieben, heute ist das ganz anders. Es scheint keine Übergänge zwischen Acts mehr zu geben, die Trennung zwischen Soundcheck und Act ist aufgehoben. Heute ist alles im Flow, Mann! Egal ob Sound- bzw Linecheck, Wartezeit, tatsächlicher Act oder Putzkommando: alles spielt sich auf derselben Lautstärke ab. Und diese Lautstärke, ich wage es zu sagen, ist mittlerweile jenseits von Gut und Böse.

Man komme jetzt nicht auf die Idee, dem Dschango vorzuwerfen, er sei eine alte Memme. Dschango hat damals, als MP3s noch für Nerds waren, auben den Gring in Bassboxen gesteckt, damit es ihn so richtig durchhudlet. Dschango ist mal an einem Motörhead-Konzert eingepennt. Und Dschango hat generell grosse Freude an Lautstärke, ganz einfach weil sie vorzüglich zu Lärm passt.

Es ist geil, wenn die Bässe meine Testikel zum Schwingen bringen, ja. Es ist geil, wenn mein Herzschlag vom Beat synchronisiert wird, ja. Ich kann total gut nachvollziehen, was die 15-Jährige, die sich auf 35 frustriert hat, um sich danach auf 18 runterzuschminken, gemeint hat, als sie mir, unterlegt von einer Hello Kitty-Lippenstift- contra Flaschenbier-Fahne, “EYYSCHSOOOOOOOGEEEEEILMANN!!” ins Ohr geröhrt hat (sie hat definitiv nicht Dschango gemeint). Aber Leute, alles hat Grenzen. Und was ich lautstärketechnisch in der letzten Zeit im Ausgang erlebe, sprengt diese Grenzen eindeutig.

Wo diese Grenze liegt? Ich würde sie ungefähr dort ansetzen, wo, wenn ich einen Qualitäts-Ohrenstöpsel komplett bis an den Anschlag ins Ohr drehe, immer noch nicht das Gefühl habe, dass die Musik auch nur annähernd zu leise ist. Wie letzten Samstag geschehen.

Jetzt ist es ja nicht so, dass die Jugend von heute nach so einem Abend glücklich ins Bettli fällt, um den Ohren eine Woche oder zwei Ruhe zu gönnen. Nein, die Jugend von heute braucht Dieselboy ab iPod, um einschlafen zu können. Und steht spätestens zwei Tage später wieder vor der Bassboxe, um sich auch noch die letzte widerspenstige Hörfähigkeit auszuhämmern.

Wen wundert es da noch, dass die Jugendlichen heute immer schlechter hören? Wen wundert es, dass diese Teenies nicht mehr tanzen können? Schon mal einem Haufen Minderjähriger beim Arschwackeln zugesehen? Keine Ahnung von Takt oder gar Rhythmus, nur noch ein dröges Schaukeln, im besten Fall unmotiviertes Auf-der-Stelle-Treten ohne Konzept und Plan. Kein Wunder, wenn sich das hörbare Spektrum auf einen kontinuierlichen Brumm beschränkt. Wer das nächste grosse Ding in der Musik sucht, setzt vorzugsweise auf Tinnitus als primären Datenträger.

(Daneben fiel mir übrigens auch auf, dass die heutigen DJs keine Ahnung mehr von Aufbau haben. Diese Wahrnehmung mag so niederschmetternd sein, weil ich mittlerweile tatsächlich ein alter Sack bin, aber heute heisst “mixen” offenbar in erster Linie, alle vier Beats irgend etwas zu bringen, das die Tanzwilligen aus dem Konzept wirft.)

Meine Theorie: Alles taube Nüsse. Egal ob BesucherInnen, TechnikerInnen, DJs, MusikerInnen und VeranstalterInnen, alle schwer hörgeschädigt und im Prinzip berechtigt, eine IV-Vollrente zu beziehen. Der DJ kann die Tracks nur noch anhand der Basslinie erspüren und ohne all die Blinkis und Leuchtis an den Geräten wären die meisten Musiker akkustische Autisten. Sie merken es nur nicht, weil sie sich dauernd mit Leuten umgeben, die genauso hörbefreit sind wie sie selbst. Wir werden also faktisch von Gehörlosen mit Musik versorgt – so lassen sich auch Phänomene wie der Loudness War und MusicStar erklären.

Kennt ihr Saramagos “Stadt der Blinden”? So stelle ich mir die Zukunft vor, halt einfach mit Gehörlosen statt Blinden. Letztens war ja in der Presse zu lesen, man plane, in der Schweiz Englisch als fünfte quasi-offizielle Landessprache einzuführen. Vorher, ich sage es euch, vorher kommt die Zeit, in der Gebärdensprache als einzige offizielle Landessprache eingeführt wird, ganz einfach, weil in 20 Jahren niemand mehr gesprochene Sprache verstehen wird.

Und die beiden letzten, die dann noch tanzen können, sind Dschango und der Schwäbi.

Ho-ly fuck!




Von Ownage und anderen Sauereien

Ein Teil unserer werten Leserschaft weiss, was Ownage bedeutet. Der andere Teil schaut bitte kurz hier rein. Herzlichen Dank.

Ich bin auf ein Stück Ownage gestossen, das bei mir ultimativ eingeschlagen hat. Ich habe Tränen gelacht, den Kopf geschüttelt und mich geistig verneigt. Die Rede ist vom Beatboxer/Musiker/Sänger/Multitalent Beardyman, der ein regelrechtes Husarenstück vollbracht hat.

Wie man vielleicht weiss, sind Oasis manchmal voll bedepperte und kaum auszuhaltende Proll-Spasten ein bisschen prätentiös, obschon sie mitunter tolle Musik machen.

Auf jeden Fall bekam der feine Herr Beardyman keine Erlaubnis, einen Remix vom diesem Lied zu veröffentlichen. Ein klarer Fall für eine Vorgehensweise nach Art von Web Zwonull…

Mit Hilfe eines Computers und ausschliesslich seiner eigenen Stimme (!!!) hat der Bartmensch aus dem wilden Süden von England eine vor Ironie und Lebensfreude nur so strotzende Interpretation dieses Songs auf Youtube abgeliefert. Schwer zu beschreiben, mit wie viel Liebe und Hingabe dieser afrikanische Musikstil adaptiert wurde, ich bin schwer beeindruckt. Zückt die Kleenex und lacht euch einen Schranz, hier kommt Beardyman sein Cousin aus Burkina Faso:




Jukebox Part 3

Bei dem allgegenwärtigen Krisengelaber brauchts jetzt echt mal eine Ohrenspühlung. Wer elektronische Musik aus Deutschland mag, kommt diesmal voll auf seine Kosten.

Empfehlung des Tages: Anthony Rother. Es gibt bei seeqpod eine kleine Playlist und als kleines Schmankerl obendrauf noch ein video:

Nasse wünscht einen hervorzüglichen Medienschmaus.




Musigstubete à la Jul

Zum meinerseits geliebten Julfest (ja, Weihnachten wurde von den Christen annektiert, die Wintersonnenwende feiern wir glücklicherweise schon ein Weilchen länger…) offeriere ich unserer vollgefressenen und hoffentlich reich beschenkten Leserschaft noch ein wenig Musik zum Kerzenschein. Unser heutiger Unterhalter sieht aus wie ein Taliban, jedenfalls vom Hals an aufwärts. Egal, das bärtige Kerlchen kann Gitarre spielen wie der Teufel:

Hier noch der Link direkt auf Youtube, da gibts auf der rechten Seite noch mehr Stoff von dem Herrn zu sehen und vor allem zu hören. Viel Vergnügen und eine warme Stube allerseits!




Bern hat gewählt: die Gala-Preisverleihung 2008

So, endlich ist der Zauber vorbei. Gewählt ist in Bern, die Ergebnisse kann man hier, hier und hier einsehen. Während ihr euch alle wochenlang herumgequält habt, ob und wo ihr jetzt euer Kreuzlein macht, tagte ein internationales Expertenteam im Daumenschraube-Hauptquartier, um die begehrten Wahl-Daumenschrauben 2008 zu vergeben. Nun sind die Würfel gefallen!

Ich schlüpfe deshalb jetzt in meinen Frack, schmeisse Britney von der Bühne und stelle euch die Gewinnerinnen und Gewinner der diesjährigen Wahl-Daumenschrauben-Preise vor:

Das Beste vorweg: Den Preis für sympathischen Realitätsverlust gewinnt die Bürgerliche Wende, die bis vor kurzem noch die Stadt bedroht, sich Sonntag Nacht aber spontan in Luft aufgelöst hat. Nebst diesem Preis gibt es von meiner Seite noch ein total lieb und konstruktiv gemeintes “fuck you” für euch. Lasst ihr es in vier Jahren endlich bleiben oder wollt ihr wieder eine kalte Dusche?

Vom Himmel hoch...

Vom Himmel hoch...

Es folgt der nächste Höhepunkt, nämlich der Preis für die grösste Geschmacklosigkeit. Diesen gewinnt die Grüne Partei Bern. Was denn, nicht die SVP? Erstaunlicherweise nicht, nein. Zwar hat die Dreckschleuder-Sturmspitze der guten alten Grüsel-Partei, bestehend aus Hess und Glauser, im Stadtrat bereits weit vorgespurt, wurde aber im Finish vom Ängeli-Jenni, der im Wahlprospekt der GPB aus dem Wolkenmeer zu uns herabschauend abgedruckt wurde, deutlich deklassiert. Dass man mit Toten Wahlkampf macht hat die GPB zwar nicht erfunden – siehe Gretli Wafa, die ihren Fokus jetzt wieder vermehrt auf den Besuch von Eishockeymatches legen kann. Trotzdem bemerkenswert, dass neu offenbar auch im links-grünen Lager Emotionen vor Inhalt und Populismen vor Programm salonfähig werden.

Bärenstark!

Bärenstark!

Den Integrationspreis “Politiker trotz allem” gewinnt Stephan Hügli mit seiner grandiosen Kampagne “mein unsichtbarer Freund, der Bär”. Erinnert sich noch jemand an ‘My friend Harvey’? Das Theaterstück um den Mann, der als einziger einen riesigen, weissen, sprechenden Hasen sehen und hören kann? Genau so kam Hügli jeweils rüber, wenn er sich mit einem plüschigen Bären im Hintergrund ablichten liess. Dazu der immer leicht gequälte Blick, nicht nur die Fotos, sondern der ganze Wahlkampf von einer geradezu erratischen Statik geprägt… fantastisch. Wirkte ziemlich psycho und war somit ein klares Statement dafür, dass man auch dann Exekutiv-Politiker sein kann (oder zumindest will), wenn man sich die meisten Freunde bloss einbildet.

Den Gothic-Preis ‘Vlad Tepes’ gewinnt, absolut verdient, RGM mit der Plakat-Kampagne “weniger unters Solarium, dem Klima zuliebe”. Noch nie haben zur Wahl stehende PolitikerInnen auf Plakaten so käsig ausgesehen, geradezu wie frisch aus der Gruft. Oder war es eine indirekte Werbung für “Spende Blut – rette der SP das Leben”? Es kann natürlich auch sein, dass der Grafiker einfach nur mit dem Aufheller ins Kraut geschossen hat. Trotzdem ein schöner Beitrag, mein Vampir-Herz jubelt (düster).

Links und n@t?

Links und n@t?

An die SP geht der Preis für “Schau mal, die tollen Zeichen, die es auf meiner Tastatur hat!”. Leute, nur weil ein Zeichen vage an ein ‘a’ gemahnt, ist es noch lange keins. Oder kann mir mal jemand erklären, was Secondäts sind? Euer Alex hat ja vorgemacht, wie es richtig sein sollte. H@tet (!) ihr ihm das Plakat gezeigt, bevor ihr es gedruckt habt, dann wäre das sicher gut gekommen. Was cool und trendy gedacht war wirkt so im besten Fall seltsam.

Nanu?

Nanu?

Den Voher-Nachher-Preis ‘Beauty and Beast in Personalunion’ gewinnt deutlich Barbara Hayoz (FDP). Man vergleiche ein Inserat, das sie zur Wahl als Stadtpräsidentin empfiehlt (wuahahahaaa!) mit dem Foto, das ein Bund-Schurni paar Wochen vor den Wahlen aufgenommen hat – wohlverstanden nach dem Coiffeur-Besuch. Ich frage mich (und die Welt): ist dies überhaupt dieselbe Person? Böse Zungen behaupten, dass hier der SP-Grafiker (siehe oben) eingesetzt wurde und dass selbiger halt nicht nur gerade einen Aufheller-, sondern auch noch einen Runzel-Krähenfuss-Schlupflid-und-Tränensack-wegmach-Werkzeug-Kurs besucht hat und sich beim Babsi voll austoben konnte/wollte. Von Vorspiegelung falscher Tatsachen zu reden hiesse selbstredend Bären vom Graben an die Aare zu tragen, schliesslich ist Hayoz ja auch als Frau zu den Wahlen angetreten.

Der Preis für zirkuläre Antilogik mit Ansage geht an Jimy Hofer. Nicht nur deshalb, weil seine Statements zum Klimawandel das Bildungsniveau jedes Fünfjährigen beleidigen, sondern vor allem wegen seinem Wahlspruch (“Wählt keine Politiker”). Nunja, zum Stapi hat es nicht gereicht, dafür wird er bald den Stadtrat mit seiner Anwesenheit beglücken (nebenbei: passt der überhaupt in die Sessel…?). Das Problem ist nur: sobald er im Stadtrat hockt, wird Jimy zum Politiker, ghoue oder gstoche. Hofer bricht also sein wichtigstes Wahlversprechen im Moment des Amtsantrittes. Tritt er deshalb konsequenterweise noch während der ersten Stadtrats-Sitzung zurück? Fände ich schön, glaube ich eher nicht, deshalb der Preis.

Ebenfalls an Jimy verleihe ich den Preis Abschreckendes Beispiel im Bereich Alphabetisierung. Ein knapp A5-Format erreichendes “Wahlprogramm”, das vor Rechtschreibfehlern strotzt, zeigt einerseits die Grenzen und Probleme unseres Schulsystems deutlich auf. Dass sich ein funktionaler Analphabet aber zutraut, Stadtpräsident der Schweizer Hauptstadt zu werden, spricht andererseits wieder für das grosse Einfühlvermögen und den ausgezeichneten Fachverstand unserer SozialpädagogInnen. Vielleicht mal einmal weniger z’Vieri näh, dafür ab der Vierten wiederholen, wie wäre das, Jimy?

Für die GFL haben wir uns extra einen Anerkennungspreis ausgedacht, einfach weil sie uns die letzten vier Jahre hindurch so toll unterhalten hat. Weil diese Partei aber politisch partout nicht eingrenzbar ist (sind es jetzt velofahrende FDPler oder fdplende Velofahrer?), bekommt sie den Wetterfahnen-Preis zum sturmen Huhn.

Wir erlauben uns auch, den GFL-Präsidenten Manuel C. Widmer persönlich mit dem Sonderpreis ‘Tausendmal probiert, tausendmal ist nichts passiert’ zu würdigen. Und wir wetten darauf, dass er auch bei der nächsten Wahl wieder versuchen wird, in den Stadtrat zu kommen. Und bei der übernächsten. Und der über-übernächsten. Aber Mänu, nimm es easy: wenn du so weitermachst, wirst du immerhin nie der Amtszeitbeschränkung zum Opfer fallen. Immerhin.

(Wie eine böse, aber durchaus verlässliche Zunge Dschango ins Ohr geraunt hat, ist die Strategie des Nicht-Gewählt-Werdens bei Widmer übrigens durchaus Programm. So scheiterte er bereits im Semer mehrfach beim Versuch, als SchülerInnenvertreter gewählt zu werden. Sein wichtigstes politisches Amt war bisher das des Klassenchefs, und, so munkelt man, auch dieses habe er nur bekommen, weil einfach sonst niemand scharf aufs Klassenbuch war.)

Rrrrrrhrrhrrrr...!

Sexy beast

Der Preis für die abgefahrenste Frisur war Gegenstand heftigster Diskurse unter den Experten. Man einigte sich schliesslich auf Philippe Müller von der FDP, der mit seiner Eigenkreation ‘Schnittlauch im Töpfli, dressiert’ angetreten ist. Sein Mut, fortschreitenden Haarausfall nicht etwa zu kaschieren sondern im Gegenteil zu betonen, gehört belohnt. Und das Schübeli, das wie eine Mutantenspinne in die hoh(l)e Stirn hängt, wertet sein Gesicht unglaublich auf, gerade weil es von selbigem ablenkt. Bravo!

Keine Angst, er will bloss spielen!

Keine Angst, er will bloss spielen!

Das Zeitungsinserat, das Müller als frei flottierenden Rosenkavalier zeigt, hat übrigens den Männeranteil in Berns Strassen die letzten Wochen auf fast 100% ansteigen lassen – die Aussicht, dass ihnen in der Stadt ein Schnittlauch-Müller entgegenkommt und ein Röseli anhängen will, hat die meisten Frauen veranlasst, sich bis nach den Wahlen zu Hause zu verstecken.

Dann hätten wir noch den Preis für die meisten Kandidierenden im Verhältnis zu den tatsächlich erkämpften Sitzen und auch absolut, der dieses Jahr an die EVP geht. Ihr Plan, die Stadt zu übernehmen und zusammen mit der EDU einen Gottesstaat zu errichten, ist leider gescheitert. Eure Charme-Offensive war zwar beeindruckend, der Prospekt wahnsinnig bunt und mit lauter glücklichen Menschen drauf, von dem her habt ihr alles richtig gemacht. Bei euch merkt man aber einfach schon recht schnell, dass das selige Leuchten in euren Augen nur deshalb so hell scheint, weil das Sonnenlicht ungehindert durch den Hinterkopf zur Hornhaut gelangen kann. Nächstes Mal tretet ihr vielleicht besser nur mit den wirklich fähigen Kandid… ok, sorry, das war jetzt gemein, ich will ja keineswegs zu eurer Auflösung aufrufen.

Apropos EVP: der Preis für das jämmerlichste Hobby geht an Gabriel Nathanaël Jordi von der EVP. Kann ja an mir liegen, aber, werte Frauen, würdet ihr einem Mann länger als drei Sekunden zuhören, der von sich selbst sagt, er sei “Coach einer Kinderband”? Eben. Und gäbe es einen Preis für ‘Dank Eltern, die bei der Vornamenswahl total kreativ waren, fürs Leben stigmatisiert’, Jordi hätte ihn auf sicher.

(Nein, die EDU bekommt dieses Jahr keinen Preis. Die Jesus-Soldaten Gubser und Räber sind schon Witzfiguren genug, da muss man sie nicht auch noch im Internet fertig machen, finde ich. Naja, wenigstens heute nicht.)

Dann haben wir noch den Sisyphos-Preis für viel Aufwand, wenig Wirkung, der dieses jahr an Sylvia Lafranchi-Haas (FDP) geht. Man hat sie ja stunden- und tagelang in der Stadt herumlungern sehen, Passanten ihr Wahlkärtli in die Hand drückend. Inserate wurden geschaltet mit ihrem Konterfei, eine tolle Homepage wurde gebastelt, auch Dschangos Briefkasten mit ihrem Konterfei zugemüllt und es wurde überhaupt ein rechter Aufwand getrieben, die Frau und ihren Offroader via Medien in des Volkes Herz zu torpedieren. Sogar eine Liason mit Lastwagen-Proll und Beinahe-Bundesrat Erich J. Hess wurde medienwirksam inszeniert. Muss ordentlich Schotter (und einen Haufen Überwindung) gekostet haben und ging ja sowas von komplett in die Hose. Aber es hat immerhin für einen dritten Ersatzplatz gereicht – wir hoffen, das hat sich somit für die Kandidatin gelohnt!

Da wir sowieso schon in der Rechtskurve angelangt sind, jetzt doch noch zur SVP. Diese gewinnt den Preis “wenn es ein Secondo kann, dann wir sowieso”. Oder ist es nur Zufall, dass die Berner SVP mit demselben Schlagwort wie Barack Obama (allerdings mit noch weniger Inhalt) Wahlwerbung machte? Wie auch immer: aus den Wahlunterlagen der SVP spricht deutlich, dass man überhaupt keinen Plan hat, was ein Programm überhaupt ist. Der Messias der SVP wohnt ja in Herrliberg, den kann man in Bern gar nicht wählen, auch wenn dieser nicht will. Folgerichtig setzt man einzig auf einen Slogan, der alles und gleichzeitig überhaupt nichts sagt. Und den man benutzen kann, egal welche Politik man momentan gerade betreibt. Dafür gibt es noch einen zweiten Preis, denjenigen für demaskierende Ehrlichkeit nämlich. Ein Wort (Ehrlichkeit), das man eher selten in Zusammenhang mit dieser Partei liest, zugegebenermassen, trotzdem ist der Preis mehr als verdient.

Dann liegt hier noch ein Preis für die absolute Bedeutungslosigkeit rum, den wir an Arbeitnehmer- und Rentnerpartei (ARP) vergeben. Nehmt es locker, wirklich relevant wart ihr ja noch nie. Und lange werdet ihr auf dem Ehemaligen-Bänkli nicht bleiben: nächstes Mal folgen euch die Schweizer Demokraten, übernächstes Mal auch noch die FDP nach.

Und Jimy Hofer dankt ja schon in der ersten Stadtratssitzung ab.




Jukebox Part 2

Die Achtzigerjahre waren modisch und ästhetisch eine mitunter recht fragwürdige Zeit. Musikalisch war es ein sehr gutes Jahrzent, denn sogar der seichte Mainstream-Pop war vollgepackt mit wunderbaren Kompositionen. Hiervon zeugt die neuste Jukebox:

Mucke marsch!

Nasse wünscht ein hervorzügliches Hörerlebnis.