Archiv für die Kategorie ‘geglotzt’

Comme il faut not

So gehts nicht:




Comme il faut

Die Engländianer wissen, wie’s gemacht wird:

Mal ‘ne Scheibe davon abschneiden, wa!?




Grüne Eier, unschwule Filme, nuttige Models und ein drittplatzierter alter Sack

Himmel, Arsch und Zwirn, wie ging es ab bei mir die letzten Wochen… meine Schräubchen-Aktivität hat darob arg gelitten, deshalb: mea culpa. Als klitzekleine Entschädigung wird dieser Artikel mal wieder epische Länge aufweisen. Genauso wie die Liste der Tags zu diesem Artikel. Soll ja niemand sagen, ich schaue nicht zu meinen LeserInnen.

Also: Jahreswechsel war bekanntlich, bzw sogar Jahrzehntewechsel; hoffe, die werte Leserschaft ist gut geflutscht. Bei Beinharts gings wie immer im entspannten Rahmen über die Bühne, unaufgeregt und inmitten vieler lieber Leute. Und ich darf beruhigen: die neue Scheisse scheint zum Glück noch 1:1 der alten Scheisse  zu entsprechen, kein Grund also, sich auch nur annähernd neu zu orientieren. Der Bundesrat ist noch genauso ratlos wie letztes Jahr, Merz hat sein Gesicht noch immer nicht gefunden, Leuthard ihr rechtes Auge noch immer nicht schliessen können und generell darf gesagt werden, dass Denkbefreitheit nach wie vor Breitensport ist.

Soweit so gut.

Eier trotz grün

Aber trotzdem gibt es ein paar Dinge, die neu sind. Da war beispielsweise ein gewisser Diego Hättenschwiler (mir bis dato völlig unbekannt, aber offenbar Delegierter der Berner Grünen), der meiner bescheidenen Meinung nach der bisher erste Grüne ist, bei dem zwischen den Beinen etwas anderes als handgerollte Filzkügelchen aus Bio-Wolle baumelt. Und genau dorthin (zwischen die Beine, aber am anderen Ende als an dem, wo idR die Kronjuwelen hängen) zielt auch die Diskussion, die Hättenschwiler anstossen will: die Beschneidung von Knaben ohne entsprechende medizinische (!) Indikation, bei Mädchen ein Straftatsbestand, müsse endlich diskutiert und verboten bzw bestraft werden. Man kann sich vorstellen, dass unsere beschnittenen Mitbürger exotischer Religionszugehörigkeiten am Toben sind.

Dschango aber sagt: Recht so! Meinen Segen habt ihr, liebe Grüne! Endlich wird an einem Tabu gerührt, das mir schon seit Jahren auf den Sack geht und anderen an die infantile Vorhaut. Ich meine: es kann ja nicht sein, dass wenn ich volljährigen, mündigen Leuten auf ihren Wunsch hin ein Piercing verpassen möchte, von Gesundheitsamt und Gewerbepolizei kontrolliert werde, es aber kein Problem darstellt, wenn tatterige Hobby-Chirurgen mit unsichtbaren Freunden auf dem Copiloten-Sitz an Geschlechtsteilen von Säuglingen herumschnippeln. Es ist mir völlig schnuppe, wenn dies zwischen Erwachsenen im Konsens geschieht. Ihr könnt euch dann gegenseitig alle möglichen Körperteile absäbeln, ob von Gott angeordnet oder nicht, ob alte oder neue Tradition, es geht mir komplett am Arsch vorbei. Aber die Lizenz zur Misshandlung von Säuglingen, nur weil man einer bronzezeitlichen Endzeit-Sekte angehört? Hallo?!?

Spassig ist die Reaktion des Schweizerischen Israelischen Gemeindebundes: erstens sei die jüdische Beschneidung eine alte Tradition (das allein rechtfertigt ja schon sämtliche Verstümmelungen), zweitens sei die Beschneidung von Juden durch die Religionsfreiheit geschützt (logo, wir stellen in der Schweiz die Religionsfreiheit grundsätzlich über alle anderen Grundrechte, vor allem über diejenigen von Dritten, und ganz besonders dann, wenn die Dritten minderjährig sind) und schliesslich habe die Beschneidung von Knaben handfeste Vorteile, denn sie vermindere das Risiko von Harnwegsinfekten und Peniskrebs. Letzteres stimmt tatsächlich, theoretisch zumindest, man kann denselben Effekt aber auch erzielen, indem man seine Nille hin und wieder “guet mit Söifi und Wassr” wischt. Das BAG hat scheints schon einen entsprechenden TV-Werbespot mit Ali Kebap in der Hauptrolle geplant – man will ja auch die muslimischen MitbürgerInnen erreichen.

Und übrigens: wenn die Theorie des SIG tatsächlich hinhauen würde, wäre Pimmelkrebs in Israel, den USA und fast allen arabischen Ländern komplett ausgerottet. Ist er das? Eben.

Abschliessend kann ich Herrn Hättenschwiler zu seinen haarigen Klöten nur eine unglaublich dicke Haut wünschen. Er wird sie, im traditionell religiösen Absurditäten Sympathie entgegenbringenden Grünen-Umfeld, bitter benötigen.

Ghey secks for teh win!

So apropos “bestens unterhalten”: wir (Hase, Dschango, der Franzose) waren neulich mal wieder im 3D-Kino, “Avatar” ansehen. Wir waren begeistert! Selten, dass ich nach Filmende das dringende Bedürfnis hatte, den Film gleich nochmal zu schauen (machen wir dann auch noch, Mitte-Mitte ist das Stichwort). Die Story ist zwar in maximal drei Hauptsätzen erzählt (ganz witzig: in der Pause haben wir drei überlegt, wie der Film weitergeht, und wir haben im Detail jeden einzelnen Strang genau so fertiggesponnen, wie er dann auf der Leinwand tatsächlich kam), das hat uns aber nicht wirklich gestört – vor lauter Gucken kommt man eh kaum zum Denken.

Weniger Freude an dem Film hatten einzelne Transgender/Schwulen/Lesben/WTF-Verbände, die auch zum Boykott gegen den Film aufriefen. Wieso das denn, könnte man sich fragen. Ganz einfach: im ganzen Film kommt kein einziger Schwuler vor, keine einzige Lesbe (OK, Frau Weaver spielt mit, immerhin), nicht ein Transgendator, keine Transen, null Sex (letzteres würde ich als valides Argument noch so halb unterstützen). Und das geht so natürlich nicht.

Ich träume schon von einer Welt, in der man keinen Film mehr machen darf, ohne nicht eine Liste von Quoten-Minderheiten rollentechnisch zu berücksichtigen. Das heisst, egal ob Krimi, Science Fiction, HdR, Kostümschinken oder Disney-Weihnachtsfilm, neu müssen folgende Sprechrollen zwingend enthalten sein (die Liste ist als ‘work in progress’ zu verstehen und muss noch durch das BunDesamt zum Schutz von Minderheiten [BDSM] freigegeben werden):

  • 3 Juden (1 orthodox,  1 liberal, 1 de facto-Atheist)
  • 1 Uigure (einfach bloss, um China anzupissen)
  • 2 Muslime
  • 5 Fetisch-Liebhaber, Ausrichtung je nach Wunsch und/oder Präferenz des Regisseurs besetzt
  • 1 Zeuge Jehowas
  • 1 Atheist
  • 2 Personen mit Schuhgrösse >= 45
  • 1 Agnostiker
  • 3 Schwule (davon mind. 1 Ledertrine, kann nicht anstelle eines Fetisch-Liebhabers [s.o.] besetzt werden!)
  • 2 Lesben
  • 8 Informatiker
  • 1 abgehalfteter Ex-Bundesrat mit Profilneurose, Messias-Komplex und Verfolgungswahn (guckt nicht so: endlich ein Job, für den der Mann wirklich die beste Wahl ist!)
  • 6 Hundehasser
  • 1 Outdoor-Fanatiker
  • 2 Bisexuelle
  • 2 Vegetarier
  • 24 Zigeuner (kann man immer, in jedem Film brauchen!)
  • 1 Asexueller
  • 3 Versicherungsvertreter
  • 1 Kleinwüchsiger
  • 3 Schwarze, die Afroamerikaner genannt werden möchten
  • 2 Afroamerikaner, die Schwarze genannt werden möchten
  • 2 Inder
  • 8 Detailhandelsangestellte (paritätisch zwischen Coop und Migros aufgeteilt)
  • 1 Analphabet
  • 5 Fettleibige (BMI nicht unter 52 pP)
  • 3 Magersüchtige (BMI nicht über 7 pP)
  • 4 Allergiker

Man müsste auch noch bestimmen, ob man als Regisseur kumulieren darf, also zB mit einer schwarzen, lesbischen, magersüchtigen, muslimischen Inderin gleich fünf Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Ich wüsste da ein paar Leute, die so den Sprung in die Selbständigkeit wagen und sich ein recht schickes, regelmässiges Einkommen sichern könnten.

Ach übrigens, mein altes Vorurteil, dass man einfach kein schlechter Mensch sein kann, wenn man einen derart appetitlichen Arsch wie die Frau Rodriguez hat, dieses Vorurteil hat sich dann im zweiten Teil des Films vollumfänglich bestätigt. Das Vorurteil wird folglich per sofort zum Dogma erhoben.

Der Zahn der Zeit

Bevor jetzt die Gerüchte wieder überkochen: Dschango ist trotz seines hohen Alters noch ein extrem Agiler, Wendiger, ja, gar ein sich stromlinienförmig durch die Welt Bewegender. Physisch wie geistig, wie ich anmerken darf. Trotzdem lässt sich nicht leugnen: wir bauen langsam aber sicher ab.

Da war beispielsweise der Vorfall bei einem Kunden. Es ging darum, ihm ein Outlook 2007 zu installieren (nicht hinterfragen, manchmal muss ein Mann einfach tun, was ein Mann tun muss). Alles lief recht smooth ab, ich startete dieses doofe Outlook, “wollen Sie Konto einrichten”, neeee, wie immer halt, mach einfach weiter du Depp… *tschägäng-tschabbawahnsinn*… Oh-lala, wie bunt sieht das denn aus? Gut. Ich versuche, ein eMail zu verfassen, um zu schauen, wie sich das Teil so anfühlt. Neue Nachricht, Adresse eingeben, Subject, Text. Und abschicken. Hmmm… wo zum Henker ist der ‘Send’-Button…?

Suchen, suchen, suchen… Zillionen von Optionen, Myriaden von Ribbons, Knöpfe agogo, aber keiner, der ein Mail zu versenden verspricht. Panik macht sich breit. Erstmal den Kollegen rufen (knapp 20 Jahre jünger), er soll den Send-Button finden. Grosses Gelächter, “na Dschango, jetzt gibst aber wirklich ab, ne?”, er setzt sich hin… und sucht… und sucht… und sucht… irgendwann dann “Gopfertami!”, aber immer noch kein Send-Button.

Also mal Google anwerfen, und siehe da: ungefähr 600′000 Einträge, alle mit demselben Problem. Und die Lösung? Outlook 2007 kann zwar Mails schreiben, wenn noch kein Konto definiert ist, logischerweise aber keine verschicken. Ein ‘dummer’ Mailclient würde jetzt einfach eine Fehlermeldung ausgeben. Und Fehlermeldungen sind gut! Mit Fehlermeldungen kann ich umgehen! Fehlermeldungen verdanke ich seit 20 Jahren einen Grossteil meines Einkommens! Weil aber der Dreck aus Redmond gerne mal für den User denkt, zeigt er in der Folge ganz einfach keinen Send-Button an, so im Stil von: “Hach, du hast in dem Moment, als ich wollte, nicht das gemacht, was ich für dich vorgesehen habe. Weisste was? Du kannst dir deinen Send-Button sonstwohin stecken. Bevor du den zu sehen bekommst, darfst du mich jetzt erstmal eine halbe Stunde lang bewundern… bin ich nicht schön geworden? Hast du gesehen? Neuer Lidschatten! In Farben, von denen du gar nicht wusstest, dass sie existieren! Oder streichle mal meine Ribbons, wie sie hübsch aufribbeln…Wie…? Ah jetzt lass mal den blöden Send-Button, schau doch mal, die Schuhe…!!

Es ist ein bisschen so, als ob man Paris Hilton  zu seinem Mailclient machen würde. Und das verstehe ich nicht, warum man das tun möchten sollte. Aber gut, das kann man noch damit erklären, dass ich einfach ungern Micromist benütze. Oder dass 600′000 Google-Hits tatsächlich von einem nicht durchdachten System zeugen. Aber letzthin stand der Dschango an der Tramhaltestelle und sah vis-à-vis ein Plakat hängen. Bisher ist das noch überhaupt nicht erwähnenswert, ihr könnt eure Münder also erstmal wieder zumachen. Aber was Dschango da las, war erstaunlich: “Peniskassen” stand da nämlich, in riesigen Lettern auf dreifaches Weltformat gedruckt, appliziert auf einer hundskommunen APG-Plakatwand. Nein, der Zusammenhang mit der BAG-Kampagne wider den Schwanzkrebs muss hier nicht hergestellt werden, weil der zweite (dritte?) Blick enthüllte, dass das Wort eigentlich “Pensionskassen” hiess.

Zehn Minuten später, Dschango wirft einen Blick auf den BlAbend, und was steht da: “Nuttig! Martina wird Model”, darunter ein Foto von einer etwas seltsam posierenden Frau Hingis. Dschango war erstaunt, weil, auch wenn er die Frau Hingis eine eher unattraktive findet und sich immer panisch die Ohren zuhält, wenn er sie sprechen hört: sie als “nuttig” zu bezeichnen erschien ihm dann doch etwas gar derb. Erfreut bemerkte er, nachdem er sein Haupt mehrmals irritiert geschüttelt hatte, dass das Wort eigentlich “mutig” hiess. Und Dschango überlegte, ob es nicht langsam doch Zeit für eine Brille wird.

Auf der anderen Seite ist da noch ein anderes als das vorgängig erwähnte Büro-Gspandli, das, mit Blick auf den BlAbend auf meinem Pult, meinte:

“Hey, weisch was hani zersch gläse?!”

“Nuttig?”

“Genau!!”

Und dieses Gspändli ist doch ein paar Jährchen jünger als ich. Und hat bereits eine Brille. Kann also noch nicht so schlimm sein mit dem alten Dschango.

Und was war sonst noch?

Bei unserem alljährlichen XMas/New Year-Pokerturnier (Schrauben-Red, Schrauben-Red-Hasen, Friends) wurde der Dschango dieses Jahr Dritter. Immerhin. Bisher war er noch immer im Heads Up, das wollte diesmal irgendwie nicht klappen. Im Gegensatz zu meinen werten Blog-KollegInnen (beide relativ sang- und klanglos ausgesemmelt, HA!!) bin ich aber sehr zufrieden, vor allem, weil meine beste Hand des ganzen Abends ein 10er-Trilling war, der von einem Full House verdient geschlagen wurde. Die Bilanz des Abends gestaltete sich trotzdem erfreulich: ausschliesslich mit Bluffs SFr. 11.- verdient und noch die nächsten zwei Tage an den (selbstinduzierten) Folgen des Poker-Events gelitten.

Sch’äbe geng das.




United State of Pop 2009

Bereits zum dritten mal veröffentlicht DJ Earworm, der Mashup-Schlingel,  sein Best of Pop des vergehenden Jahres. Ich stehe zwar selbst nur bedingt auf den Einheitsbrei aus den Charts, aber es hat ja immer mal wieder eine Perle darunter, und im Mashup machts gleich nochmal mehr Spass:

Mehr von dem Stoff gibts auf youtube.




Wise words from Schorsch

Zeit für ein bisschen Unterhaltung, denn wenn schon Religion, dann bitte so:

Schade, dass George Carlin diesen Planeten nicht mehr bewohnt.




Endlich! Wir sind wieder wer!

Der Titel bezieht sich auf das gewesene Abstimmungs-Wochenende. Dazu aber später. Viel später.

Auch komplett ausgehängt hat es ja bei der Daumenschraube. Wie ihr sicher alle gemerkt habt, war unsere kleine Bastion der Dummheit mit Niveau während einer Weile weg vom Fenster. Kommt halt davon, wenn man im Heimatland des kastrierten Datenschutzes hostet, so könnte man meinen. Entsprechend waren auch die Mails und Telefone, die wir in der letzten Zeit erhalten haben: Verschwörungstheorien for teh win, ich sags euch. Finde ich ja grundsätzlich gut, diese Verschwörungstheorien, aber leider muss ich hier wie folgt rapportieren:

  • Es waren keine christlichen oder sonstwie gearteten Fundies, die uns gehackt haben
  • Es war auch nicht die SVP oder ihr nahestehende Kreise
  • Es waren keine juristischen Schritte, die gegen uns eingeleitet wurden

Irgendwie schade, ich weiss, hätte jetzt viel lieber eine “Alle sind gegen uns!”-Geschichte erzählt, aber der Hoster hat die Kiste bloss vom Netz genommen, weil diese scheints per phpMyAdmin-Exploit ein bisschen in der Gegend rumgescannt habe. Und das hat den Hoster gar nicht happy gemacht, sagt er. Und warum das so lange gedauert hat? Naja, Admin per Interpol zur Fahndung ausschreiben lassen, Admin von den Bahamas… ähm… “abholen” lassen, Admin im Serverraum einsperren, etc pp, das gibt halt schon zu tun. Aber jetzt sind wir ja beim besten Hoster der Welt und alles wird gut.

Behinderter Bär

Nunja. Auch ein Hack fand ja bekanntlich vorletztes Wochenende in Bern statt, wo sich ein (geistig behinderter) Mann als Rüebli sah und folglich in den Bären einbauen lassen wollte. Das hätte auch fast geklappt, wenn die unsensiblen Polizisten statt auf den Bären aufs menschliche Rüebli geschossen hätten. Man prüft jetzt, ob man das Sicherheits-Dispositiv im Bärenpark anpassen wolle/müsse/solle, damit es auch unbeaufsichtigten Marschflugkörpern mit Profilneurose und Hirnklemme genügt. Ziel muss sein, dass man sich das Gehirn bis auf den Hirnstamm rausoperieren und trotzdem noch sicher im Bärenpark aufhalten kann. Warum füllen wir den Bärenpark nicht einfach bis zum Rand mit Drücki-Plastikfolie und stopfen diese mühsamen Bären aus? So echt mit Weichgummizähnen und so, damit man auch endlich wieder gefahrlos mit seinem psychotischen Kampfhamster einen netten Sonntagsausflug in den Bärenpark machen kann.

Scheints haben sich ja deutsche Medien darüber echauffiert, dass man in der Schweiz mehr Mitleid mit einem angeschossenen Bären als mit einem angefressenen Behinderten habe. Ja, liebe Teutonen, das ist so in der Schweiz. Es lässt sich aber rein historisch begründen: im Gegensatz zu euch haben wir halt noch keine schlechte Erfahrungen mit kleinen Braunen aus dem Osten gemacht, die Cheiben haben deshalb bei uns denselben Sympathiebonus wie bei euch Anno 32 oder so. Ich weiss, wir lernen einfach nichts aus der deutschen Geschichte und an selbigem Wesen wollen wir ums Verrecken nicht genesen. Sorry.

Aber nicht nur ennet dem Rhein machen sie auf Berufs-Zeigefingerheber: Das Thema scheint ja auch gut genug zu sein, dass sich ein Blabend-Chefredaktor (eventuell ein eingewanderter Deutscher? Man weiss es nicht) dazu ersaublödet, den freischaffenden Bedenkenträger zu geben. Macht sicher Laune; ich wette, die lachen sich heute noch krumm auf der Blabend-Redaktion. Aber es ist halt auch ein Graus, weil zwar alle am Schicksal eines angeschossenen Bären Anteil nehmen, ein paar weniger an dem eines zerfetzten Behinderten, es würde jetzt aber sicher keine Sau interessieren, wenn ein Blabend-Chefredaktor in den Bärenpark springen würde. Auch die Polizei käme da wohl in arge Bedrängnis, weil: wen erschiessen? Den Bären oder den Aufbinder desselben? Man weiss es nicht.

Traurige Clowns

Letzthin habe ich übrigens mal wieder TV gekuckt und dabei festgestellt, dass es der schweizerischen Kulturlandschaft offenbar dringend an Einkommen fehlt. Erst sah ich den Schlatter, wie er für die Schweinegrippe bzw deren Vermeidung Werbung macht. OK, dachte ich mir, den Schlatter sehe ich sowieso eher als sumpfiges Randbiotop helvetischer Kunst, da macht es irgendwie ja noch Sinn. Tut auch niemandem weh, mal wieder die Hände zu waschen. Und an Glaubwürdigkeit hatte der Schlatter ja eh nicht viel zu verlieren, da werden auch Werbespots für eine Grippe, die so nicht stattgefunden hat, nicht viel dran ändern.

Anders sieht es bei Massimo Rocchi aus, der bei mir auf eine gewisse Glaubwürdigkeit zählen konnte. Ja, der Dschango hat per dato sogar noch ein Ticket für eine Rocchi’sche Vorstellung, das er im Verlaufe der nächsten Wochen einzulösen gedenkt. Und ich bin froh, sagen zu dürfen, dass dies dann wohl das letzte Mal war. Nicht, weil mir der Massimo als Künstler degoutieren täte, sondern einfach deshalb, weil ich aus der Hoffnung heraus denke, dass er beim erwiesenermassen unsensibelsten Unternehmen der Schweiz wesentlich mehr für seine Werbeauftritte bekommt, als er in Jahren mühseliger Bühnenarbeit zusammenkratzen könnte. Ich wünsche Herrn Rocchi hiermit bereits schon mal alles Gute für seine weitere Zukunft, war schön mit Ihnen, schade ist es schon zu Ende.

Übrigens: Die Gerüchteküche kocht ja über, warum sich gerade Rocchi für Cablecom-Werbung hingibt. Die momentan plausibelste Vermutung ist, dass ihn die Scheidung von seiner momentan letzten Ehefrau finanziell ruiniert habe. Was lernen wir daraus? Genau: wenn schon heiraten, dann bitte arm bleiben, sonst hampelt man am Schluss für Cablecom und alle Welt schüttelt mitleidig den Kopf über den Clown, statt über ihn zu lachen.

Ich will auch besseren Sex!

Da gibt es bei uns in Bern übrigens eine Jungpolitikerin, die sich zwecks Verzierung ihres Revers eigene Buttons gebaut hat, auf denen „Feministinnen haben besseren Sex!“ steht. Die Politikerin heisst Tanja Walliser und ich möchte ihr immer Maria sagen, daran sieht man mal wieder, dass ich ein Kind des finsteren Mittelalters 2.0 (vulgo: 80er) bin. Ich weiss nicht, ob die Politikerin Skifahren kann oder ob Maria auch Buttons stanzt, ganz sicher ist aber, dass der Herr Kuhn, der ja auch schon auf der Schraube zu Gast war, an diesem Button gar keine Freude haben dürfte. Schon nur deshalb, weil ein Wort, das mit „innen“ endet und nicht mit „Sexarbeiter“ beginnt, eher quer in seinem Wortschatz stehen dürfte. Ja item. Frau Walliser scheint einen Haufen Hass-Mails bekommen zu haben, worin sich die Stimme des Volkes höchst ungebührlich äussert. Gerüchte besagen ja, dass die meisten Mails aus der Parteizentrale (sagt man da eigentlich noch „Wolfsschanze“ oder ist das auch schon wieder veraltet?) der SVP kommen. Und dass 90% der Mails denselben Absender tragen und jedesmal mit „Anonym!“ unterschrieben sind. Aber einewä, mindestens ein ganz liebes Mail hat die Frau Walliser dann doch noch bekommen, vom Dschango nämlich, denn da schrieb er, die Frau Walliser möge doch bitte eine Dschango-Edition basteln, mit dem Text: „Feministen haben besseren Sex!“. Ich würde diesen Button im Fall subito an meine Textilien heften und ihn mit grossem Stolz tragen. Falls sich in dieser Geschichte etwas tut, werden wir euch rechtzeitig informieren.

Gnarzelgnom ist das neue Adonis

Ja und übrigens, der René Kuhn, seines Zeichens Ex-Politiker, Noch-Russinnenmöger und zukünftiger Shooting Star der Schweizer Jungautoren-Szene. Er hat jetzt eben ein Buch geschrieben, der Herr Kuhn. Nicht so ein dickes, aber immerhin. Und darin erklärt uns der Herr Kuhn die Welt, insbesondere bezüglich Frauen und warum selbige doch gefälligst wieder unten zu liegen haben. Oder zumindest die Position nur auf ausdrückliche Anweisung des Mannes wechseln. Um die universale Gültigkeit seiner Weltsicht zu unterstreichen, lässt sich Herr Kuhn mit den Worten zitieren, dass „sogar ein bekannter TV-Moderator“ ihn, Herrn Kuhn, in seiner Meinung bestätigt habe. Wenn das nun mal nicht als Beweis für eine universale Wahrheit reicht, dann weiss ich echt auch nicht.

Ja, und eben: endlich!

Dann kommen wir mal zum Titelthema. Dazu nur dies: Danke, liebe Stimmberechtigte. Danke, danke, danke!

Vorbei ist es mit den Zeiten, wo man im Ausland belächelt wird. Schluss damit, dass uns alle immer bloss „niedlich“ finden und über unseren Dialekt lachen. Niemand wagt es jetzt noch, uns als “langsam” zu bezeichnen. Endlich sieht man in den Augen der ausländischen Gesprächspartner wieder das blanke Entsetzen, wenn man seinen rotweissen Pass zückt. Das gabs ja seit der Schlacht bei Sempach nicht mehr. Und endlich assoziiert niemand mehr nur Berge und Schoggi mit uns, sondern eben echt schweizerische Werte, die Grundfesten des helvetischen Selbstbewusstseins, die Eigenschaften, die uns schon seit unserer Staatsgründung zu wackeren Eidgenossen machen: blinde Wirtschaftsgläubigkeit, Xenophobie und Kriegsgewinnlerei.

Danke, danke, danke!




Wir wolln den Jesus sehen!

Es war einer dieser tristen Novemberabende als sich Nasse und meine Wenigkeit zusammen mit unseren Liebsten auf eine Reise in die tiefste Teenievergangenheit aufmachten: Depeche Mode in da House oder besser gesagt in Genf…

Gut, ist jetzt nicht Prince, aber da ich dessen Auftritt bekanntermassen so was von verpasst habe, war ich sehr erfreut über die Tatsache, den Dave ansabbern zu können…ähm…die wunderbare Musik von DM geniessen zu können (etwas Contenance, Frau Korhonen, also wirklich!).

Nach ein paar Bierchen vergassen der Nasse und ich dann auch prompt unser nordisch-zurückhaltendes Temperament und hüpften rum wie zwei Springböcke auf Speed. Und -- um ehrlich zu sein -- trotz der fantastischen Mucke und der wunderbaren Show, wollten wir im Grunde doch nur eines hören:

Mei, war des scheen!




Kurz notiert

Dank unserem flotten Admin Charlie steht unser kleiner Elfenbeinturm wieder in seiner ganzen Pracht im Netz der Netze. Besten Dank hierfür. Und auch für die Geduld, verehrte Leserschaft.

And now for something completely different:

Orange und sunrise heiraten bekanntlich demnächst, die Verlobung wurde heute gross verkündet. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich nur skeptisch oder gar angepisst sein soll, habe ich doch eines dieser günstigen Abos, für die sunrise berühmt und berüchtigt ist. Ich bin aber auch Swisscom Kunde, ich diversifiziere gerne ein wenig, um meine Risiken als Kunde zu verkleinern oder zumindest zu verteilen. Meine Erfahrung ist bisher, dass der Schweizer Telekom-Markt eine einzige Fehlkonstruktion ist, und das wird sich auf absehbare Zeit kaum ändern, bei diesen News erst recht nicht…

Die Simpsons müssen am Teevau neu angewarnt werden. Ja mei, die armen Kinder. So eine leicht subversive Zeichentrickserie kann schon Kinderseelen vergiften, das muss man klar sehen. Ja ja, humorfrei und Spass dabei. Wie war das schon wieder mit diesen Anime für Erwachsene, die in Fronkräisch in leicht geschnittener Fassung im Nachmittagsfernsehen für Kinder(!!!) liefen? Hab’ ich da was verpasst?

Last but not least kommen wir zum unvermeidlichen Schmankerl aus den News: der angeschossene Bär und sein Revier-Intruder. Die Diskussion hierzu ist in weiten Teilen einfach nur bescheuert. Wenn mich an der ganzen Sache etwas aufregt, dann ist es die Passivität der Leute. Dieser junge Mann hat scheinbar Minuten lang auf der Mauer gekauert, bevor er runter ging. Da müssen etliche Leute an ihm vorbei gegangen sein, ohne auch nur einen müden Finger zu rühren. Für mich ist da der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung gegeben, es ist einfach immer das Gleiche. Ach übrigens, den beiden geschlagenen Herren wünschen wir gute Besserung.

Echt jetzt.




Im Knast, exponiert und gut nachgemacht.

Da der Kollege Beinhart bereits erfolgreich aufgespurt hat, bleiben wir noch kurz beim Thema Arschloch: Carl “Penisguided” Hirschmann, so schrei(b)t man beispielsweise bei 20Min.ch, wurde offenbar wegen sexueller Nötigung angezeigt und sitzt nun in Untersuchungshaft. Wie auch immer die Sache ausgeht, wir werden es garantiert mitbekommen.

Apropos Mitteilungsdrang, in den USA läuft wieder mal eine Geschichte mit Vorbildcharakter, was das Recht auf Attention-Whoring von Minderjährigen auf Social Networks angeht. Auf Spiegel Online gibt es einen guten Artikel dazu.

Ein Pflichtfach für Schauspieler ist meiner bescheidenen Meinung nach die Imitation von anderen Menschen. Kevin Spacey hat mich diesbezüglich sehr überrascht und unheimlich zum Lachen gebracht, aber seht selbst:




No, i don’t eat pork.

Craig Ferguson ist ein echt witziger Typ:




Schwein hat die Sau!

*SCHNORCHZ!*

OK, den Dschango hat es böse erwischt. Keine Ahnung, ob es was Schweinisches ist oder nur eine normale Grippe, aber verdammt, bin ja noch wirrer im Hirn als sonst. So wird das nix mit Bloggen.

*SCHNAUB!*

Aber damit dieser Post nicht völlig in der Sinnlosigkeit endet, habe ich noch was für euch. Also, wer sich mal wieder so richtig aufregen will, dass ihm oder ihr die Galle schier überschäumt, der oder die klickt hier bzw da.

*KROCHELHUST!*

Und wer sich mal wieder verblüffen lassen will, klickt am besten hierdrauf. Vielleicht die ersten 90 Sekunden überspringen, wenn man in Eile ist.

*SCHNEEEEEEEEEUZ!*

So. Das wars für diese Woche. Dschango geht jetzt mal sterben. Euch auch noch n’schönes Leben.

*HUSTWÜRGLUFTSCHNAPPNIESVIRENSPEI!!!*




Stiefelknechte oder ich bin auch ein Auge

Da haben sich wohl einige Bauern aus dem Jura ein gutes Beispiel am irakischen Schuhwerfer genommen:

Schau mir in die Augen, Kleines

Schau mir in die Augen, Kleines

Das Bundesratsdorli wurde doch tatsächlich anlässlich einer Rede an der Käseolympiade in Saignelégier von einer erzürnten Menge der Bauerngewerkschaft mit Stiefeln beworfen.

Das ist ja jetzt an und für sich nicht sehr originell. Was mich an dieser Geschichte viel mehr interessiert: Kann sich der Hypnoseblick unserer Volkswirtschaftsministerin im Schockzustand wohl noch intensivieren? Man weiss es nicht genau…




Gut gelacht

Tja, der Sommer hat uns fest im Griff. Unser selbst auferlegter Publikationszwang wird von der gesamten Redaktion ignoriert, von wegen Sommerloch.

Daher bleibt auch meiner Wenigkeit nichts anderes übrig, als in die Mottenkiste zu greifen. Ich habe mich für zwei witzige TV-Ereignisse entschieden.

Bitteschön:




Musik mit Sand und Bäumen

Irgendwie eine coole Idee:

Klingender Sand

Klingender Baum




Real pacman

Um jeglichen Spekulationen vorzubeugen: Nein, es handelt sich bei den Protagonisten nicht um die Daumenschraube-Redaktion…




King Louis

Louis CK ist einer dieser lauten US-Amerikaner, die im normalen Leben manchmal schwer zu ertragen sind. Doch in diesem Fall hat die Lärmerei System, denn Herr Louis ist ein Komiker. Ein recht witziger dazu, wie ich finde. Folgende Clips haben es mir echt angetan, er spricht mir quasi aus der Seele:




Abgetrocknet

Oder: fürs Leben lernen. Jimmy Carr, Engländer und Berufskomiker, hat einen etwas eigenwilligen Stil, der rege Interaktion mit dem Publikum und grenzwertiges Ausloten von Tabuthemen beinhaltet. Very dark, very British. Es gibt Unmengen von brilliantem Material auf Youtube, also nur zu.

Ich wollte lediglich auf nachfolgende Session hinweisen, wo der äusserst schlagfertige Mister Carr einem mutigen Kerl im Publikum seine Grenzen aufzeigt. Mahlzeit und Film ab!




Vom Wissen über das Wissen des Wissens Wissen

So oder ähnlich fühle ich mich, nachdem ich – zu natürlich rein investigativen Zwecken – einen Online-Persönlichkeitstest bei Scientology gemacht habe. Schade, dass ich nur bis Frage Nr. 80 durchgehalten habe. Mal ganz unter uns, länger hält man das als halbwegs intakter Mensch auch gar nicht aus. Immerhin war ich schon ganz durchgekaut vom gekläffe meines Bullshit-o-Meters, das seit dem Betreten der Scientology-Website ununterbrochen Alarm geschlagen hatte.

Nun gut. Wieviele gelesene Seiten Dianetik braucht es denn, bis man ein wenig durchblick, wie dieser Laden eigentlich tickt? Eigentlich reicht es, hier auf Youtube ein wenig rumzustöbern. Da kann man sich schon ganz gut seine Meinung bilden. Kurz zusammengefasst könnte man sagen: Scientology ging und/oder geht massiv und auf mehreren Ebenen auf South Park los, weil erstere (inkl. ein gewisser Tom C.) in letzterer ziemlich durch den Kakao gezogen wird. Himmel, da hat sich Scientology aber einen zähen Gegner ausgewählt, welch Challenge, wow… War übrigens eine absolut grandiose Folge von South Park, alleine bei Tom Cruise im Schrank habe ich mich fast genässt vor Lachen. Das ist ganz grosses Animationskino.

Dies nebenbei, denn im Grunde wiederholt sich hier ein altbekanntes Muster: eine sich selbst als Kirche bezeichnende Organisation geht auf völlig harmlose Medienmacher los, die mal eben ein wenig auf den Putz hauen. Hatten wir doch schon, oder?

Um es mit den Worten von Shirley Bassey zu sagen: It’s just a bit of history repeating…




Auch ein Herr Kurer hat seine Probleme

Es ist verdammt schwierig, heutzutage noch eindeutige Feindbilder zu haben. Früher, ich meine, früher, als wir noch Billigzigarettenrauch durch Arafat-Tücher geblasen haben, da war das noch viel einfacher: die in den Banken, das waren die bösen Kapitalisten, und die davor, das waren die lieben Antikapitalisten. Die Bösen waren dafür, dass der Staat sich wie ein alter, zahnloser, impotenter Tattergreis aufführt und sie gefälligst in Ruhe lässt. Und so Spinner wie ich reckten die Faust in die Luft, weil wir wollten, dass der Staat mehr wie ein hübsches, liebes Mami wird, das uns umsorgt und uns die Windeln nicht nur bezahlt sondern auch noch höchstpersönlich anlegt und uns den Arsch dreimal täglich pudert.

Diese Zeiten, liebe Leute, sind jetzt vorbei. Nehmen wir beispielsweise den armen Herrn Kurer von der UBS. Früher hätte ich gesagt: “Scheisskapitalist! Verdient Millionen auf dem Buckel von Millionen! Hängt ihn am höchsten Laternenpfahl auf!”. Und heute merkt man, dass auch dieser Mann seine Probleme hat, gegen die die unseren doch eher jämmerlich anmuten. Ich meine, wenn ich jetzt sofort auf die Hälfte meines Lohns verzichten müsste, was wären das? Paar tausend Kröten? Völlig irrelevant, davon kann man sich ja noch nicht mal ein ordentliches Auto kaufen. Herr Kurer hingegen verliert auf einen Schlag MILLIONEN! Das sind mal Probleme!

Natürlich bleiben ihm noch genau so viele Millionen übrig, aber das ist ja nicht das Thema. Weil, der Kurer und seine Getreuen haben eben Verantwortung zu tragen. Genau wie der Herr Ospel oder der Herr Wuffli damals. Und Verantwortung, das muss mal gesagt sein, gibts nicht einfach nur so für ein paar Fränkli, da muss man schon tief in die Tasche langen, um so viel Verantwortung auch bezahlen zu können. Denn, wie war das noch mal, vor der Ewigkeit von… zwei Monaten, wenn so Sozialromantiker wie ich anmerkten, das gegenwärtige System des All-you-can-eat bei den Managerlöhnen und -boni sei jenseits allen Anstands? Da wurde man belächelt, verbal getätschelt und es wurde einem von einem brummenden Patriarchen-Bass erklärt, dass eben nur dann die besten Leute kommen täten, wenn man diese auch super entlöhne. Dass man nur dann Top-Manager finde, wenn diese für die unglaubliche Verantwortung, die sie tragen würden, auch unglaublich gut entschädigt würden.

Habt ihr das denen damals echt geglaubt? Ich meine… wirklich geglaubt?

Heute ist das ja total anders, weil da nimmt der Herr Kurer in der Tagesschau auch gerne mal Worte wie ‘Ethik’ oder ‘Moral’ in den Mund, ohne in Würgekrämpfe oder hysterisches Gelächter auszubrechen. Mittlerweile lässt sich die grösste Schweizer Bank vom Bund mit einem zarten Tüchli die Fäkalien entfernen, pudern, eincrèmen, wickeln; “Jä-tu-tuuu!” und einen Muntsch aufs Fudi gibts auch noch, ohne dass die Führungsriege damit ein Problem hätte. Was bei jeder x-beliebigen Branche einem ‘Rückfall in den Kommunismus’ gleichgekommen wäre, ist hier absolut kein staatlicher Eingriff und marktwirtschaftlich sinnvoll. Wir lernen: ethisch ist es dann, wenn es den Banken nützt.

Zum Glück meinen die Schweizerinnen und Schweizer ja immer noch, ‘UBS’ stehe für ‘unsere Bank der Schweizer’, wie dies gestern auch die Tante Egerszegi bei Giaccobo & Müller gequakt hat. Die UBS bekommt somit eine Art gefühlten Nationalbankstatus, was insofern beachtenswert ist, weil der gleiche Typ, der schon das eine ‘nationale Symbol’ in Luft auflösen liess (welch Wortspiel in diesem Zusammenhang!), jetzt am anderen Symbol herumkriselt. Herrn Kurer kann man somit guten Willens als ‘Symbol-Demontierer der Nation’ bezeichnen; ein Ehrentitel, den ich jetzt zugegebenermassen frei erfunden habe, der mich aber diebisch freuen würde, wenn er mir denn einmal verliehen würde. Da kann ich aber noch lange drauf warten!

Dschangos Prognose: die UBS wird in spätestens einem halben Jahr der Deutschen Bank verkauft. Die Nationalbank gibt es bis dahin nicht mehr; als Währungsreserve der Schweiz dient dann der Geldspeicher des Führers vom Herrliberg. Bald gibt es auch einen Film zum Grounding der UBS, mit Viktor Giaccobo als Peter Kurer und Whitney Toyloy als Bundesrätin Leuthard, Louis de Funès wird mit Hilfe modernster Computeranimation auferstehen und Bundesrat Merz spielen (in einer Nebenrolle: Matthias Hüppi als Thierry Carrel). Der Film wird ein riesiger Erfolg, vor allem im Multiplex-Kino des Westsides, wo die Leute anstehen werden bis zu den Nudelsuppen. In Langenthal und Burgdorf floppt der Film aber total. Gerne stellt sich Dschango fürs Drehbuchschreiben zur Verfügung, Angebote bitte an dschango@daumenschraube.ch, dankeschön.

Nochmal, damit es auch der/die Letzte kapiert: wir (du, ich, alle in den Arbeits- und Steuerprozess eingegliederten) bezahlen den Managern der UBS stattliche Boni dafür, weil sie so verdammt gut gwärchet haben. Als Detail spannend: Auch die Ex-Swissair-Angestellten bezahlen jetzt die Zeche für die Party, die diejenigen Banker, die ihnen den Job weggenommen haben, gefeiert haben.

Hmmm…

Man kann vom Kapitalismus denken was man will, aber vom Aspekt der Selbsterhaltung her ist das System unschlagbar.




Dr. Jesus, bitte melden, Notfall in OP drei…

An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen, Herrn Rudolf Merz, seines Zeichens Finanzbundesoberhoschi, eine gute Genesung zu wünschen. Es geht mir nicht um seine Art, Politik zu machen, sondern rein um ein Anliegen der Gerechtigkeit: ich finde, es ist ungerecht, wenn bloss Frankreich dauernd einen Politiker im Fernsehen hat, der mich frappant an Louis de Funès erinnert. Wenn ich Sarkozy sehe, warte ich immer darauf, dass jetzt dann bald der ausserirdische Kohlsuppenfresser ins Bild rückt und zusammen mit Sarkofunès lustige Ausserirdischensprachengespräche pflegt. Ja, es ist an der Zeit, dass jedes Land Politiker an der Spitze hat, die wie tote französische Komiker aussehen oder zumindest deren Mimik/Gestik übernehmen!

Damit hat dieser Artikel aber eigentlich überhaupt nichts zu tun, wie man unschwer am Titel erkennen kann, der ja noch nicht mal den Namen “Louis” enthält. Kommen wir also endlich zur Sache, Schätzchen.

Dass ein Berner Herzchirurg den Finanzminister bebypasst, wenn selbiger kollabiert, dagegen kann man ja eigentlich nichts haben (siehe auch oben). Man kann meiner Meinung nach nicht mal was dagegen haben, wenn dieser Herzchirurg ein gläubiger Christ ist. Heja, nicht alle sind mit genug Selbstvertrauen ausgestattet, um durchs Leben zu kommen, da reicht es oft nicht mal, als internationale Koryphäe auf einem doch eher schwierigen Gebiet angesehen zu gelten. Jeder so, wie er mag, und mir ist es immer noch lieber, wenn Herzchirurgen in die Kirche gehen, als dass sie Sonntag für Sonntag am Bahnhof herumlungern.

Item.

Wenn der Herr Finanzminister am Herzen operiert wird, ist das ein Ereignis mit News-Charakter, sehe ich ein. Und auch dass der Chirurg, der selbigen Minister operiert hat, zu diesem Thema interviewt wird, kein Einspruch von meiner Seite. Warum aber das Schweizer Fernsehen und hier besonders das von mir sonst sehr geschätzte Magazin “Schweiz Aktuell” in einem Beitrag zu des Merzens Gesundheitszustand Herrn Carrel für seinen Glauben Werbung machen lässt (3:00 – 3:20), muss aber wohl offen bleiben. Der Chirurg beim Beten, der Chirurg beim telegenen Mit-sich-Hadern, der Chirurg beim Vor-dem-Kloster-Stehen – inwiefern hat dies auch nur marginalen News-Wert? Oder auch nur am äussersten Rand mit dem operierten Finanzminister zu tun? Geradezumal, als diese Aussagen aus dem 2005 ausgestrahlten Dokumentarfilm “Der Herzchirurg” stammen (in dem sie im Übrigen auch Sinn machten)?

Das Znacht im Hals stecken blieb mir allerdings (zum Glück nur metaphorisch), als Herr Carrel den folgenden Verbalfurz abliess:

Es gibt für mich die schöpferische Hand hinter mir, die doch noch einen Einfluss hat und die sich wahrscheinlich beim geringsten Fehler, den ich machen würde, manifestieren täte.

Wohlverstanden: Herr Carrel spricht nicht vom Jäten im Garten oder vom Auswählen des korrekten Brotbelags zum Zmorge, sondern vom Operieren am offenen Herzen.

(Um den WTF-Faktor dieser Aussage vollständig entfalten und auf die werte Leserschaft wirken zu lassen, legen wir an dieser Stelle eine Denkpause ein und unterhalten Sie währenddessen mit flockiger Fahrstuhlmusik.)

Haben das alle kapiert? EIn Chirurg zählt darauf, dass Gott, Jesus oder die Aliens einschreiten, wenn er dummerweise mal die falsche Ader trifft. Eine Art übersinnliche Kunstfehlerversicherung, sozusagen. Bei manchen Leuten mag das ja heimelig wirken, vielleicht sogar beruhigend. Bei mir löst dies nur Befremden aus und, in Hinblick auf meinen nicht ganz risikofreien Lebenswandel, leichte Panik.

Und apropos Versicherung: zahlt meine Krankenkasse überhaupt Wunderdoktoren? Hat Jesus einen Vertrag mit meiner Kasse? Muss ich getauft sein, um unter Carrels Zaubermesser liegen zu dürfen? Funktioniert seine chirurgische Notbremse auch bei Muslimen? Atheisten? Anti-Theisten? Fragen über Fragen, die uns alle interessiert hätten, Schweiz Aktuell aber nicht zu beantworten wagte.

Man muss das aber auch positiv sehen, irgendwie. Dank Herrn Carrel haben wir nun einen Grund mehr, zu unseren Pumpen Sorge zu tragen, weil – wer will schon darauf vertrauen, dass Russels Teapot einschreiten, wenn der Chirurg grad dem Musculus Gluteus Maximus der Anästhesistin nachschaut?

OK, brave Christen machen sowas ja eh nicht.

Wuaaaa-hahahaaa…!!