Archiv für die Kategorie ‘Politik’

My house is MY fucking house

Die USA haben wieder mal einen Rassismus/Polizeiwillkür/Vorurteils-Zwischenfall zu beklagen. Zwar wurde dem afro-amerikanischen Harvard-Professor H.L. Gates Jr. ausnahmsweise mal nicht das Fressbett mit dem Polizeiknüppel poliert, aber eine Festnahme mit Handschellen musste es schon sein. Schliesslich hat der kleine, schwarze Mann dem grossen, weissen Polizisten die Meinung gesagt, und das mögen amerikanische Polizisten nicht, besonders wenn sie gross und weiss sind. God bless America, fuck yeah!

Toll fand ich, dass der berühmte Herr Obama darauf die Polizeiaktion als dumm bezeichnete, auch wenn er im Nachhinein seine Wortwahl etwas entschärft hat. Entschuldigt hat er sich nicht, obwohl verschiedene US-Polizeiverbände dies forderten, und das ist auch gut so.

Persönlich habe ich viel Verständnis für den Unmut, den Herrn Gates angesichts des dummen Polizisten befallen hat. Wer lässt sich schon gerne im eigenen Haus dissen, nachdem man den Nachweis des Besitzes erbracht hat. Klar, es braucht immer zwei, damit es knallt. Aber wenn ich in meinem eigenen Haus bin, dann lasse ich mir auch nicht gerne auf den Füssen rumtreten, schon gar nicht von der Bullizei, Rechtsstaat hin oder her.

Die Daumenschraube für Vorverurteilung und Merkbefreitheit aber geht an die liebe, alte, weisse Nachbarin von Herrn Gates, die zwei dunkle Gentlemen an der Türe seines Hauses rumfummeln sah und darauf die Cops anrief. Schade nur, dass es sich eben um den Herrn Gates mitsamt Kollegen handelte. Vielleicht würde hier ein wenig Socialising unter Nachbarn helfen, damit man die Leute auch spätabends wieder erkennt. Man könnte auch nachfragen, aber dafür hatte die alte Dame wohl zu viel Schiss vor dunklen Menschen nach Sonnenuntergang.

Anfang Juni, als ich in L.A. war, hatte ich Kontakt mit einer netten jungen Dame aus der Gegend der grossen Seen (Illinois). Die erklärte mir, dass gerate ältere Generationen in den USA oftmals ein quasi genetisches Rassismusproblem hätten. In diesem Fall haben wir hier vermutlich einen Treffer voll ins Schwarze, regelrecht wortwörtlich.




Wer hat Angst vor den bösen Piraten?

Ich weiss ja nicht, wie das bei euch so ausschaut, aber jedesmal, wenn ich das Wort ‘Raubkopierer’ höre, streckt sich mein Rückgrat durch, meine Brust bläht sich auf und ich bin mindestens zehn Zentimeter grösser. Der Grund dafür ist die Silbe ‘Raub’ im Wort:

  • Raubfisch
  • Raubtier
  • Raubkatze
  • Raubvogel
  • Raubwanze

Gibt definitiv schlimmere Nachbarschaften für einen popeligen Zigeuner in den Enddreissigern. Gut, da gibt es auch noch:

  • Raubtierkapitalismus (ok, können die armen Viecher jetzt nichts für)
  • Raubbau
  • Rauber (eine Ex-Arbeitskollegin bzw Ex-Arbeits- und Ex-Kollegin von mir, die meinetwegen gern geraubt, höchst ungern aber kopiert werden darf)

Apropos Enddreissiger. Letzthin mal wieder mit Kollega Magnussen geplaudert, kamen auf das Thema Midlife-Crisis (ja Nasse, ich weiss, du wirst so eine nie kriegen; die Diskussion darf dort bleiben, wo wir sie abgebrochen haben). Auf jeden Fall merkte ich, dass ich über kurz oder lang vor einem riesigen Dilemma stehen werde. Weil, was macht jemand, der irgendwie findet, er sei jetzt dann langsam alt genug für eine Midlife-Crisis, der aber mit seinem Hasen total glücklich ist, sich nicht für Autos interessiert und extremste Höhenangst hat? Es wird eine schwierige Zeit auf mich zukommen, soviel ist schon mal sicher.

Aber zurück zu den Raubkopierern. Schauen wir doch mal, wie die gute alte Wikipedia den Raub definiert:

Raub ist nach deutschem Strafrecht die Wegnahme (Besitzübergang) einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben mit der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.

Wer ein Gehirn besitzt, dessen Kapazität nur wenig mehr als die Ansteuerung von Photosynthese erlaubt, wird unschwer erkennen, dass alleine schon das Wort ‘Raubkopieren’ ein Widerspruch in sich ist – das Anfertigen einer Kopie ist nun mal kein Besitzübergang. Und, das darf ich wohl sagen, noch nie hätte ich gegen jemanden Gewalt ausgeübt, nur damit er mich seine mp3-Sammlung kopieren lässt, isch schworen.

Der Begriff ‘Raubkopierer’, so falsch er auch ist, griffig kommt er allemal daher. Unter diesem Begriff lassen sich auch gut sämtliche Strohmänner einordnen, die PolitikerInnen mit wenig Ideen und noch viel weniger Plan gerne in ihre eloquenten Reden streuen. Pädosexuelle? Lösen wir en passant mit dem Raubkopierer-Problem. Rassismus? Ist obsolet, sobald alle Raubkopierer kastriert sind. Klimawandel? Mal ein paar Raubkopierer verbrennen, die sind CO2-neutral.

Ich meine, ist ja ganz witzig, mal wieder zu einer anderen sozialen Gruppe zu gehören, die von der Mehrheit als Paria angesehen wird. Macht Laune, weil schliesslich die ganzen Gitanen schon längst vollständig in diese Gesellschaft integriert sind und der Dschango sonst nichts mehr zu Jammern hätte.

Trotzdem wurde letzten Sonntag in Zürich die Piratenpartei Schweiz gegründet und Dschango findet das gut. Womit wir endlich am Kern dieses Artikels angekommen wären.

“Nanu!”, so interjektiert nun die besorgte LeserInnenschaft. “Schon wieder so eine Ein-Themen-Partei? Was wollen diese Piraten denn? Anarchie im Tarngewand einer politischen Partei? Hemmungsloser Konsum für alle, gar die Geilheit des Geizes als Parteiprogramm?”

Nun ja, ganz so schlimm ist es auch nicht.

Im Kern geht es der Piratenpartei um eines: die Re-Demokratisierung unseres Kulturguts. Dazu gehört sowohl die Einschränkung des Urheberrechts (das sich mehr und mehr vom Konsumenten und vom Urheber entfernt, um immer näher beim Rechteverwerter zu stehen), ein Verbot von Kopierschutz-Technologien, Abschaffung von Patenten, bedingungsloses Grundeinkommen für alle, etc.

Klingt utopisch, ja, weil die Forderungen der Piratenpartei die Grundfesten dessen, was wir als unseren Reichtum und als Basis unserer Gesellschaft ansehen, angreifen. Und so meint auch die NZZ, schon lange bekannt als grosse Verfechterin von Konsumentenrechten und Bewahrerin der individuellen Freiheit:

[Die Piraten] stören sich daran, dass jemand ein Buch schreibt oder eine Musik komponiert und daraus das Recht auf Entschädigung durch die Nutzniesser ableitet.

(…)

Die Freiheit, von der die Piraten reden, meint die freie Selbstbedienung im Internet und bedeutet nicht weniger als die Enteignung der Künstler. Das Urheberrecht mag ein Auslaufmodell aus dem Geist des aufgeklärten 18. Jahrhunderts sein und wird vielleicht nicht lange dem Ansturm der digitalen Verwerter standhalten. Aber wir brauchen es nicht gleich im Namen vermeintlicher Bürgerrechte zu Grabe zu tragen.

Man kann knapp danebenliegen, oder auch komplett. Die NZZ hat hier aber eindeutig eine neue Rekordmarke in der Disziplin ‘Merkbefreitheit’ aufgestellt. Nicht nur, dass sie Urheber- und Verwertungsrechte verwechselt. Offenbar war bei der NZZ zum Zeitpunkt des Artikelschreibens das Internet kaputt, so dass der Schurni nicht mal die Website der Piraten besuchen konnte. Nur so lässt sich erklären, warum eine Zeitung wie die NZZ die Faktenlage komplett ignoriert und sich stattdessen auf ein Pamphlet im bewährten neoliberalen Stil beschränkt.

Gut, es gäbe noch die Möglichkeit, dass die NZZ ein gewisses Eigeninteresse daran hat, den Status Quo zu erhalten. So etwas über ein derart seriöses und objektives Blatt zu behaupten wäre allerdings wahnsinnig unschicklich. Lieber dumm als bös, das haben schon die Christen gemerkt, und die NZZ preist in der Folge auch im Jahre 2009 noch ihren Gott ‘freier Markt’ als Lösung aller Probleme. Also, das heisst natürlich, ‘frei’ innerhalb der Freiheit, in der Monopolisten wie genanntes Blättchen ihr angegrautes Geschäftsmodell rentabel halten können. Ist ja nur logisch.

Wer jetzt immer noch nicht weiss, warum die Piratenpartei durchaus diskussionswürdige Ansätze vertritt, kann sich gerne mal von der deutschen WirtschaftsWoche (WiWo) aufklären lassen.

Ob ich der Partei beitreten werde? Mal schauen. Die einzige Partei, bei der ich bisher Mitglied war, hat sich knapp ein halbes Jahr nach meinem Eintritt aufgelöst. Von dem her weiss ich nicht, ob es wirklich als Unterstützung anzusehen wäre, würde ich der Piratenpartei beitreten.

Ob ich sie wählen werde? Mal schauen. Am Schluss entscheiden halt schon Personen und nicht Parteien, bei wem ich mein Kreuzchen mache. Mein Vertrauen in parteilich organisierte Interessenvertretungen hat sich bei mir in den letzten Jahren merklich abgekühlt. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis auch die Piraten vom parlamentarischen Irrsinn auf ein ‘konstruktives, lösungsorientiertes, aus der Mitte heraus politisierendes’ Format geschrumpft werden.

Und ob die Piratenpartei eine wirkliche Zukunft hat? Dreimal könnt ihr raten… genau: Mal schauen! Auch die Grünen haben vor gefühlten 100 Jahren als Spinner und Wirtschaftsfeinde angefangen. Heute nennen sie sich ‘grünliberal’, können rechnen, gelten als sexy und spinnen immer noch – neu aber mit einer gewissen politischen Relevanz.

So, jetzt brauche ich noch einen knackigen Schlusssatz. Oh, da ist ja einer, garantiert 100% raubkopiert:

KLAR MACHEN ZUM ÄNDERN!




Denunziärän Sie jätzt!

Ach du meine Güte. Die Stadtberner SVP läuft wieder mal Amok.

Erich J. Hess aka. “Där Föhrär” hat sich mit seiner rechtswinkligen Spielgruppe wieder mal dem Dossier Sozialhilfe angenommen und eine Hotline für Verdachtsmeldungen zu Sozialhilfemissbrauch eingerichtet. So weit, so schlecht.

Manchmal ist ja das Ansinnen von jemandem rechtens, auch wenn es bei der Umsetzung dann etwas holpert und klemmt. Aber bei Erich und seinen Rattenkindern kann ich nicht mal ansatzweise so etwas wie ein berechtigtes Ansinnen erkennen, aus dieser Ecke kommt einfach nur gequirlte Scheisse.

Ganz übel wird es, wenn man ein wenig historisches Gspüri walten lässt. Hotlines für Denunzierungen haben einen ganz üblen Nebengeschmack. Kommt noch dazu, dass nicht mal eine Lücke gefüllt wird. Der Stadtverwaltung kann man ja bereits Unstimmigkeiten melden, und das erst noch bei der zuständigen Behörde selbst, so quasi ohne Umweg über irgendwelche dubiosen Stellen ohne städtisches Qualitätsmanagement.

Manchen Politikern ist wirklich jeder Scheiss recht, um mal wieder in der Zeitung zu stehen. Echt jetzt.




Liberal im Jahre 2009

Es gibt heute ja bekanntlich viele, viele bunte Blätter, die dem und der Gläubigen ihren Überschuss an Phantasie satt befriedigen: “reformiert” (formerly known as “saemann”), das katholische Pfarrblatt und noch viele weitere, selten wirklich auflagenstarke und/oder relevante Blättchen tummeln sich im Pfuhl der medialen Verkündigung. Das ist auch gut so: erstens hat selbst der Dümmste im Lande ein Recht darauf, in seiner Ignoranz bestätigt zu werden, zweitens müssen all die Absolventen der Ringier-Journalistenschule zu Zeiten des medialen Kollapses ja irgendwohin.

Was ich aber partout nicht verstehen will: warum entwickelt sich der Bund, frisch “gerettet” (die paar Entlassungen sind ja sowas von nicht relevant) zum neuen Berner Pfarrblatt?

Wer auch nur mit minimal offenen Augen durch diese Zeitung blättert, staunt, denn mehr und mehr dominieren religiöse Themen. Selbstverständlich wird möglichst “tolerant” berichtet (lies: verniedlichend), möglichst “neutral” (lies: anbiedernd) und möglichst “objektiv” (lies: kompatibel mit den eigenen Glaubensvorstellungen).

Beispiel gefällig? Nun denn. Nehmen wir doch mal die Ausgabe vom 1. Juli diesen Jahres. Unter dem Titel “Betende Banker” werden solchige portraitiert – auf etwa 2/3 Seite. Völlig widerspruchsfrei dürfen da Erzfundamentalisten ihre frohe Botschaft verkünden, inklusive intelligenten Behauptungen wie “Gebet verbessert Betriebsklima” (das tut regelmässiges Lüften auch) oder “die UBS gehört Gott Vater” (dann soll er den Mist gefälligst auch selbst finanzieren).

Dann, auf Seite 19, darf auch noch EVP-Mann Ruedi Löffel salbadern. Zugegeben: hier sehe ich eine gewisse Relevanz, da Löffel als Vater des Antirauch-Gesetzes gilt, das hier seit 1. Juli in Kraft ist. Natürlich bekommt auch Löffel eine 2/3 Seite, inklusive Foto mit Agentur C-Bild im Hintergrund (“Seid still und erkennet, dass ich euer Gott bin” – wenn die Argumente ausgehen, hilft halt nur noch “STFU!”). Natürlich fühlt sich hier ein Bund-Schurni bemüssigt, einen Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und Löffels religiösem Background zu konstruieren. Was dieser im Übrigen recht gekonnt umschifft.

Weiter, diesmal mit einer 4/5 Seite, wird noch ein Seelsorger-Ehepaar portraitiert – ironischerweise unter der Rubrik “Arbeit”.

So geht das im Bund schon eine ganze Weile. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einmal an prominenter Stelle irgendwelche Spinner von Gottes Gnaden zu Wort kommen. Dass sich der Bund übrigens während vielen Jahren dem Wunsch konfessionsfreier LeserInnen entzogen hat, bei den Todesanzeigen nicht nur immer Bibelsprüche, sondern vielleicht zumindest ab und zu mal einen neutraler Text abzudrucken, passt hier ja bestens hin. Soweit ich weiss war der 13. Juni insofern eine Premiere, als dass man hier tatsächlich zum ersten Mal eine Bund-Todesanzeigenseite anschauen konnte, ohne der Bibelpropaganda ausgesetzt zu sein. Und auch die Tatsache, dass in der Regel erst 20Minuten, dann eventuell die BZ, und erst dann – eventuell – der Bund über Aktionen der Freidenker, der Brights oder anderer säkularer Bewegungen berichtet, passt in dieses Konzept.

Die Frage ist nun: ist diese neue Richtung eine Art vorausschreitender Gehorsam, um die Zwinglianer aus Zürich gnädig zu stimmen? Oder ist sie vielmehr Ausdruck einer neuen Stossrichtung als Nischenprodukt?

Wahrscheinlich ist “gläubig” halt einfach das neue “liberal”. Von dem her hat die FDP durchaus das Recht und die Verpflichtung, in der neuen Landesregierung vertreten zu sein.

Nein, ich meine jetzt nicht den Bundesrat, sondern den Vatikan.

Santo subito!




DDR mit Hamilton-Optik

Weichzeichnerei im Rahmen von Geschichtsschreibung ist etwas ganz Beschissenes. Und doch scheinen Massen von Ostdeutschen genau das zu betreiben. Offenbar tun sie dies, um ihre historische Identität und das damit verbundene Gefühl zu schützen.

Ich kenne den Effekt. Unser tolles Gehirn hat ja das eingebaute Feature, dass mit der Zeit die negativen Erinnerungen aus einem Erlebniskomplex verschwinden, je effizienter desto mehr Zeit vergeht. Klar, sonst würde ja der Besuch jedes Schulraumes den leidgeprüften Ex-Schülern ihre schmerzlichen Erinnerungen aus der Steinzeit des Bildungswesens wieder in den Stirnlappen drücken, und wir würden alle bei der Erwachsenenbildung gepflegt durchdrehen. So oder ähnlich dürfte sich das dann abspielen.

Darum haben wir einen Erinnerungs-Weichzeichner im Gehirn. Ich persönlich schätze dieses Feature ausserordentlich, erlaubt es mir doch beispielsweise alten Arbeitskollegen freundlich und entspannt zu begegnen. Wenn ich mich noch an jedes Detail meiner Empfindungen aus der damaligen Zeit erinnern könnte, würde ich dem einen oder anderen glatt das Fressbett polieren wollen. Aber mit Weichzeichner im Gehirn wird man zum freundlichen Lamm.

Oder zum DDR-Zombie, um mal beim Thema zu bleiben. Der verlinkte SPON-Artikel hat auch ein kleines Forum mit mittlerweile über tausend Einträgen, welch ein Kabinett des Schreckens. Die Stimmen, die die Verklärer der DDR ins Pfefferland respektive in die Psychiatrie wünschen, sind selten, die meisten glänzen mit Ignoranz, Trotz, Merkbefreitheit und seltsamem Erinnerungs-Patriotismus.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe nicht das Gefühl, in einer marktwirtschaftlichen Sozial-Utopie zu leben. Ich sehe genug Änderungsbedarf in unserer Gesellschaft und an der Art und Weise, wie wir auf diesem wunderbaren Planeten leben. Und ja, wir haben gewissermassen eine Art Diktatur des Kapitals, wie auch immer die geartet sein mag. Wir können aber mal einen Auszug dessen machen, was wir nicht haben, denn die negative Auswahl hilft oftmals auch weiter:

  • Grenzmauer.
  • Ausreisebeschränkungen.
  • Selbstschussanlagen an der Grenze.
  • Geheimgefängnisse.
  • Bespitzelung durch die eigenen Reihen auf breiter Basis (wird jetzt freiwillig und butalstmöglich auf Facebook gemacht, wer braucht da noch Geheimdienste…).
  • Ein Volk – eine Partei.
  • Mangelwirtschaft.
  • Leere Regale im Supermarkt.
  • Qualitativ schlechte Lebensprodukte des Alltags.

Die Liste könnte auch noch länger sein, das macht hier aber keinen Sinn. Was lernen wir aus dieser Diskussion? Dass die Geschichte und deren Aufarbeitung nie neutral sein kann, aber sehr wohl professionell sein muss. Da können wir hierzulande immer noch vom hervorragenden Bergier-Bericht zehren, die Ostdeutsche Geschichte bräuchte etwas ähnlich geballtes. Aber da fehlt unserem nördlichen Nachbar wohl die Kohle. Eigentlich Schade…




Romand mon oeil!

Es ist kompliziert. Eigentlich bin ich ja der alte Schwede, ich könnte aber auch ein alter Romand sein. Oder ein Franzose, oder ein Norweger, oder ein Schweizer mit etwa fünf verschiedenen europäischen Nationen in seinem Blut vereint, wer weiss das schon ganz genau?

Tatsache ist, dass gestern im Club auf SF1 um die Frage “Was ist ein echter Romand?” (im Zusammenhang mit der anstehenden Wahl eines Nachfolgers vom alten Kuschbrot) diskutiert wurde. Ich habe mir in etwa die ersten 15-20 Minuten der Sendung angetan, danach wusste ich (zumindest gefühlt) bescheid.

Besonders negativ aufgefallen ist mir Claude Ruey, der wirklich alles erdenkliche dafür tat, als romand-rassisches Arschloch mit ganz komischen Anwandlungen bezüglich seines Romand-Daseins aufzufallen. Positiv aufgefallen ist mir der scharfzüngige Jean-Martin Büttner, der Claude Ruey und besonders die historische Konnotation seines “Romands” ziemlich angriff. Gut so.

Wer aber waren die wirklichen Sieger des Abends? Natürlich die Bastarde! Diejenigen, die zwischen den Welten gehen, die beides kennen, die sich in beide Seiten einfühlen können. Also wir.

Ein Weltengänger würde sich nie um solch eine relativ stupide Frage kreisen. Warum kann man nicht einfach die Person nehmen, die am meisten nach vorne schaut, die die besten Ideen hat, die diesem Land effektiv dienen will?

Genau das war meiner bescheidenen Meinung nach die Quintessenz der gestrigen Sendung, auch wenn ich sie, zugegebenermassen, nicht fertig gesehen habe. Ich bekomme immer noch Vögel, Pickel, Würmer, wasauchimmer, wenn irgendwelche Leute mit einer bestimmten “Herkunft” die selbige glorifizieren und allgemeingültige Werte daraus heraufbeschwören. Der Begriff des Romands und die Entstehung dessen ist mit einer Geschichte des Rassismus (siehe die 30er und 40er Jahre im Welschland) und der Ausgrenzung verbunden.

In diesem Kontext kann die Frage nicht wirklich lauten: brauchen wir einen Romand im Bundesrat?, sondern sie muss lauten: Bekommen wir bitte einen fähigen Schweizerbürger zum Bundesrat, der ein gutes Gespür für die Westschweiz und Lebenserfahrung in derselbigen hat? Solche Leute hat es in diesem Land glücklicherweise genug, und sie müssen halt auch nicht zwangsläufig aus der Romandie stammen, so viel ist klar.

Merci, circulez, il y a rien à voir.




Deutsche Demokratsche Rebübligg

Ein interessantes Interview im Angesicht der Deutsch-Deutschen Auseinandersetzung gibts hier auf SPON zu lesen. Mahlzeit!




Brückensprenger

Eigentlich dachte ich, dass ich mich nicht mehr mit Herrn Steinbrück befassen muss, da er irgendwann von der gehobenen Diplomatie ausgebremst wird. Dem ist ganz offensichtlich nicht so.

Jetzt haben sogar die sonst so entspannten Luxemburger die Schnauze voll von dem Nordisch-by-Nature-Gefasel, das will was heissen. Ich kann dem nur beipflichten. Ein pöbelndes Bübchen ist eine Zeit lang sicherlich unterhaltsam, doch auch beim weitgehend schmerzbefreiten Zuschauer stellt sich irgendwann eine Sättigung ein.

Darum: Husch husch, Peer, ab ins diplomatische Steinkörbchen.




Berlusconis Welt

Die medialen Glanzleistungen des Silvio Berlusconi sind momentan wieder einmal nicht zu übertreffen. Zuerst schreit er beim offiziellen Empfang  ganz nach italienischer Manier die Queen an. Am nächsten Tag lässt er vor laufenden Fernsehkameras die Merkel bei der Begrüssung im Regen stehen, weil er anscheinend noch ein wichtiges Gespräch mit dem türkischen Minister führen muss. Alles etwas seltsam aber nicht weiter tragisch. Den obdachlosen Erdbebenopfern die notdürftig erstellten Zeltlager als “Camping-Urlaub” schmackhaft machen, bringt jedoch das Fass zum überlaufen. Bravo, Signor Berlusconi, sie wissen, wie man trauernden Menschen das Glas als halbvoll verkauft!

Dass dieser Mann die Weisheit nicht mit dem Löffel gegessen hat und sich lieber um Fernsehsender, kurzfristige Gesetzesänderungen und undurchsichtige Gerichtsverhandlungen kümmert, ist hinlänglich bekannt. Ich schlage trotzdem vor, sich etwas weniger mit Schönheitsoperationen sondern vermehrt mit dem Wohl des Volkes zu beschäftigen. Oder am besten gleich abtreten.

Basta!




Fair enough

Dem Herrn Balsiger vom Wahlkampfblog bin ich ja schon übel übers Maul gefahren – meiner Meinung nach durchaus berechtigt. Nun hat er aber einen Artikel zur SP in der Krise eingestellt, nach dessen Lektüre ich geneigt bin, dem Herrn Balsiger vollumfänglich zuzustimmen.

Wahrscheinlich werde ich alt.




Nebenbei notiert

Hier musste ich lachen, besonders bei Icordo, einfach herrlich.

Da habe ich zur Kenntnis genommen, wie verständlich man sich in der Politik mitunter auch ausdrücken kann. Es geht also doch…

Diese hier finde ich recht witzig, manchmal entwaffnend. Es hat für alle etwas dabei. Ausnahmslos.

Etwas erstaunt war ich darüber, dass das Phantom effektiv ein Geist war. Nämlich der Geist des Wattestäbchens. Irre. Hat mich zeitweilig echt beschäftigt, die Sache, CSI sei dank. Ich habe mir ja die wildeste weibliche Kriminalkarriere aller Zeiten zusammengereimt. Tja, ausser Spesen nix gewesen.

Weiter möchte ich auf diesen Artikel von Kollege Beinhart respektive die Kommentare darunter hinweisen, denn: bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe.

Last, but not least schon wieder so ein talentierter Bursche, der ausschliesslich mit seinem Gefräss ansprechende Musik macht.

Manchmal braucht man wenig, um glücklich zu sein.




Fräulein Stamm

hübsches ding

hübsches ding

Welch erfrischende, wenn zugegebenermassen auch nicht fundiert recherchierte Meldung in Zeiten, in welchen Schweizer mit Indianern und deutsche Finanzminister mit Nationalsozialisten verglichen werden:

…Ulrich Schlüer von der Schweizer Volkspartei SVP sagte, er würde Steinbrück eher “einer Lümmelfraktion zuteilen als einer Regierung”. Seine Parteifreundin Luzi Stamm rief: “Shame on you, Bundesfinanzminister Steinbrück!

Fortsetzung folgt bestimmt…




Da haben sich ja zwei gefunden…

Wenn es einen Himmel gibt, dann gibt es auch Beziehnungen, die dort geschlossen worden sein müssen. Ich spreche jetzt nicht von der Hasenliebe, auch wenn diese definitiv in die Kategorie ‘heavenly’ passen würde, nein, es geht mir hier vielmehr um die Medien und ihre enge Beziehungen zu intellektuellen Flachzangen mit grossem Mitteilungsbedürfnis.

Beispiele gefällig? OK.

Die üblichen Verdächtigen sind gut genug

Als erstes möchte ich euch Herrn Roland Näf vorstellen. Ich weiss gar nicht, ob wir über diesen Herrn schon geschrieben haben hier, verdient hat er es sowieso. Herr Näf ist Vizepräsident der SP des Kantons Bern und hat sich auf die Fahne geschrieben, die Welt von Killerspielen zu befreien. Er hat zu diesem Behufe beispielsweise auch schon den Mediamarkt verklagt, weil dieser solche pösen Spiele anbiete – natürlich ist die Klage abgeschmettert worden.

Herrn Näf ehre ich heute mit einem Eintrag in diesem Blog, weil dieser wackere Kämpfer, der nach dem Motto “wenn wir die Wirkung verbieten, wird auch die Ursache von selbst verschwinden” politisiert, offenbar neu auch telepathische Fähigkeiten entwickelt hat. So schrie er, interviewt nach dem Massenmord von Winnenden, in den Medien bereits nach einem Killerspiel-Verbot, als die Polizei den Computer des Mörders noch gar nicht untersucht hatte. Näf zementiert mit seiner sektiererischen, verbissenen Art genau das Image, das seine Partei verzweifelt abzulegen versucht: das einer ängstlichen, verbotsgeilen und bevormundenden Ansammlung von Oberlehrern. Folglich ist das einzige wirkliche Killerspiel, das ich bisher mitverfolgen durfte, dasjenige, das Näf mit den Medien zuungunsten seiner Partei spielt.

Übrigens, Herr Näf: man munkelt, Tischtennis sei das neue Counter-Strike… ihr Engagement ist gefragt!

Kleider machen zwar Leute, aber nicht intelligenter

Ein anderes Beispiel, wie Ignoranz und Durchschnitt unverhältnismässige Wichtigkeit erhalten können, wenn sie nur oft genug in der Medienlandschaft durchgekaut werden, sehen wir am Beispiel Andreas Thiel. Sicher gibt es schlechtere Kabarettisten als ihn, gerade in der Schweiz. Zum Glück wird diesen aber, im Gegensatz zu Thiel, selten Gelegenheit zu öffentlichen Auftritten gegeben, geschweige denn, die eigene Meinung in ganzseitigen Zeitungsberichten der Welt mitzuteilen.

Es geht mir jetzt hier gar nicht darum, dass ich Thiel schlicht nicht lustig weil verdammt platt finde (ok, vielleicht 5% der Gags kommen bei meinem Zwerchfell an). Auch nicht, dass mich sein Gesicht immer wieder an einen Ameisenbären mit selbstgestrickten Ohrenwärmern erinnert. Oder dass die Medien seine “geschliffene Sprache” loben, während es mir jedesmal die Fussnägel hochrollt, wenn Thiel versucht, Bühnenhochdeutsch zu sprechen (Kurz-Tipp: ein ‘ch’ wird niemals als ’sch’ ausgesprochen, auch wenn es nach einem ‘r’ kommt). Und auch, dass Thiel seine politische Gesinnung, die meilenweit von der meinen entfernt ist, zum Hauptverkaufsargument seines Humors macht, ist mir egal. Meinetwegen kann man sich ausgerechnet der Ideologie verschreiben, die uns in die aktuelle Scheisse geritten hat und natürlich profitiert Thiel hier von einem Exoten-Bonus. Ob man das jetzt intelligent finden soll, sei dahingestellt.

Was mich an Thiel aber wirklich nervt ist sein unglaublicher Mangel an Allgemeinbildung. Er ist ja im Solothurnischen aufgewachsen, von dem her habe ich, als Auch-Betroffener des solothurnischen Schulsystems, ein gewisses Verständnis. Gerade an mir, heute weitestgehend erfolgreich in die Restwelt integriert und befähigt, etwas weiter als bis ans Ende meines Rüssels zu denken, lässt sich aber auch aufzeigen, dass man das Stigma einer solchen Schulbildung durchbrechen kann, wenn man nur den Kopf aus dem eigenen Arsch zieht und selbst zu denken beginnt.

Thiel nutzt den Trick aller Populisten: er vereinfacht. Was nicht ausserhalb seiner (zugegebenermassen beeindruckenden) Nasenspitze geschieht, wird ausgeblendet. So war er sich nicht zu blöde, sich selbst in einem 10vor10-Bericht als einen der wenigen (ich meine sogar, er sagte “einzige”) wirklich freien Bühnenkünstler zu bezeichnen. Warum? Ganz einfach, weil er noch nie Subventionen oder staatlich Unterstützung angefordert oder bezogen habe.

Bei wem schellt der Bullshit-Alarm jetzt auf Stufe 10? Gut so. Wer auch nur eine halbe Millisekunde überlegt, merkt, was an dieser Aussage faul ist. Natürlich bekommt Thiel nicht direkt Geld vom Staat. Natürlich wird er nicht subventioniert (er gibt ja auch keine Milch). Aber schon mal dran gedacht, dass die allermeisten Orte, an denen er auftritt, durchaus am Rockzipfel des Staates hängen? Momentan gastiert er im Berner La Capella – hat ihm wohl jemand gesagt, dass dieser Veranstaltungsort nur dank den Subventionen, die der Stadtrat letztes Jahr bewilligt hat, überhaupt noch existiert? Thiel macht es sich so einfach wie die Schweizer Rüstungsindustrie, die zwar Waffen in Kriegsgebiete schickt, aber sämtliche Verantwortung ablehnt, was mit diesen Waffen geschieht – man selbst drückt ja nicht ab.

Die gute Nachricht kam aber diese Woche in der Berner Zeitung: Thiel plant seinen Umzug nach Island, zwecks Auswanderung. Ist zwar schade für diese Insel und ihre Bewohner, die gerade in der letzten Zeit wirklich genug gelitten haben, aber was solls, Island ist ja gross. Er stellt sich vor, ein- oder zweimal pro Monat für Auftritte (an subventionierten Bühnen) in die Schweiz zu kommen. Offenbar weiss er nicht, dass Flüge nach und von Island notorisch verspätet sind oder ausfallen – wir dürfen uns ab Mai also über zahlreiche “Vorstellung fällt aus”-Meldungen in Zusammenhang mit Thiel freuen. Spassig ist in diesem Zusammenhang Thiels Aussage, in der Schweiz gebe es einfach “zu viele Dealer und Pisser”. Nunja, zumindest von Letzteren gibt es ab Mai einen weniger hier.

Noch ein kleiner Tipp: in Island kommt es momentan nicht sehr gut an, wenn man mit Sprüchen wie “weniger Staat, mehr unternehmerische Freiheit” unterwegs ist. Isländer sind zwar extrem cool (im wahrsten Sinne) und auch wahnsinnig (ebenfalls im wahrsten Sinne) nett, ich würde Herrn Thiel aber empfehlen, sich hier vielleicht ein bisschen bedeckt zu halten. Wir wollen ja nicht, dass plötzlich ein Schweizer Kabarettist mit dem Gesicht nach unten in der Bucht von Reykjavik treibt.

Lieber beten als denken (oder gar handeln)

Den Preis für Ignoranz und Verbohrtheit gewinnt diese Woche aber klar die deutsche Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Statement zum Massenmord in Winnenden, sie würde “dem Bundesland alle nötige Hilfe zukommen lassen und für die Angehörigen beten”, das von allen Tagesschauen freudig verbreitet wurde. Ja, klar, mit Beten wird den Angehörigen sicher geholfen. Was ist eigentlich der Witz daran, wenn jemand sagt, er oder sie bete für einen? Will der Betende damit sagen, dass er einen direkten Draht zu Gott habe? Dass sich Gott durch die Gebete irgendwelcher Nacktaffen dazu genötigt fühlen könnte, die Toten umgehend wieder auferstehen zu lassen? Oder ist es halt doch nichts weiter als akkustisches Nasenbohren, das umso besser ankommt, wenn man die bittersäuerliche Trauermiene aufsetzt, in der Merkel Weltmeisterin ist?

Ich bin ja auch gespannt, wie die Hilfe konkret aussehen wird, insbesondere dann, wenn sie, im Gegensatz zum Beschwören eingebildeter Freunde, mit Kosten verbunden sein sollte. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Frau Merkel tatsächlich eine 180°-Kehrtwende macht und nun vermehrt Gelder für so unnütze Dinge wie schulpsychologische Dienste und Bildung (kleinere Klassen, mehr und besser ausgebildete LehrerInnen, bessere Infrastruktur, Tagesschulen etc, etc, etc) fliessen. Höchstwahrscheinlich war das aber auch nur mal wieder medienwirksames Betroffenheits-Geseier ohne Sinn und rationale Basis – von dem her passt es ja auch wieder zur Beterei. Oder wie sagte mal ein guter Freund von mir:

“To say ‘I pray for you’ is polite for ‘fuck off’”.

In diesem Sinne, an all die Näfs, Thiels, Merkels und sonstigen Experten, Genies und Führer sowie ihre willfährigen Speichellecker, die Medien: ich bete für euch bis ans Ende meiner Tage…




Katholix Reloaded

Es ist schlimmer als im Supermarkt: man weiss beinahe nicht, welche Katasprophe man bei den Katholen herauspicken soll. Aber eben, nur beinahe.

Was sich diese Brüder leisten, ist wirklich schon fast nicht mehr von dieser Welt…




Frauen, Nacktwanderer und andere Mysterien

Herzliche Gratulation, liebe Walliser/innen!

s'geit ambrüf

s'geit ambrüf

Ihr habt es doch noch geschafft, eines dieser unberechenbaren und subtilen Wesen, unter Fachleuten auch unter dem schwierigen Begriff “Frau” bekannt, in die Regierung zu wählen. Also um genau zu sein, ist sie ja nicht direkt gewählt worden, sondern flott nachgerückt. Aber das sind angesichts des wahrhaftig historischen Moments nur noch Feinheiten auf dem Papier.

Also ich finde das schampar gewagt. Eine Frau die nun aktiv mit- und dreinreden darf und dann erst noch eine Linke. Aiaiai, habt ihr euch das gut überlegt? Da werden plötzlich Begriffe wie Gleichberechtigung, Emanzipation und – achtung, ganz böse – Registrierung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften fallen. Und das in dieser heilen Bergwelt wo bis anhin selbst die Familiennamen übersichtlich blieben.

Aber keine Angst, liebe Männer, ihr schafft diesen Fortschritt. Bei viel Geduld und etwas gutem Zureden lässt sich bald erkennen, dass das weibliche Wesen tatsächlich über Gehirnfunktionen verfügt, welche das Speichern von Kochrezepten und der Terminologie der diversen Reinigungsutensilien durchaus übersteigen können.

Und falls ihr doch einmal insgeheim die gute alte Zeit der Männerbastion zurücksehnt, stehen euch die Appenzeller sicherlich mit Rat und Tat zur Seite: von der Landsgemeinde zu den Nacktwanderern, das nenn ich revolutionär, da ist doch eine Frau in der Regierung noch das kleinere Übel.




Ignorant und fehlgeleitet

Deutsch und deutlich: der Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse bereut seine Aussagen zum unmöglichen Gerichtsentscheid über die Supermarkt Kassiererin Barbara E.

Dabei hat Herr Thierse nur ausgesprochen, was ich selbst auch gedacht habe: Es kann doch nicht sein, dass eine Frau, die 31 Jahre für einen Hungerlohn gearbeitet hat, für die Unterschlagung von 1.30 Euro den Schuh bekommt. Es ist ein himmelschreiendes Urteil, dass jegliches Einfühlungsvermögen vermissen lässt. Und ja, in einer gesunden Demokratie müssen auch Gerichte Kritik einstecken können. Es dient dem Rechtsstaat wohl mehr, wenn er sich als kritikfähig erweist, als wenn solch dumme und Vertrauen zersetzende Urteile noch weiter gegen jegliche Verhältnismässigkeit verteidigt werden.

Ganz lustig wird es, wenn ein Anwaltsverein den Rücktritt von Herrn Thierse fordert, nur weil dieser die lausige Leistung einer Berufskollegin kritisiert. Liebe Damen und Herren Juristen, seit wann sind Sie denn das Mass aller Dinge? Ein klarer Fall von Lautsprecherei und totaler Selbstüberschätzung. Allez Hopp, ab zurück ins Körbchen!

Fazit: Kein Bedauern mit Firmen, die ihr Personal ausnehmen. Kein Bedauern mit Juristen, die voll daneben hauen. Und ganz wichtig: Immer ans eigene Glück denken. Denn das nächste mal, wo man einen Kugelschreiber am Arbeitsplatz mitgehen lässt (Wert ca. CHF 1.20) , könnte das letzte mal sein.




Multiples Kulturversagen

Es ist ja hinlänglich bekannt, dass ich nicht so recht an die multikulturelle Gesellschaft glauben mag. Das heisst aber nicht, dass Einwanderung per se zum Scheitern verurteilt ist, was man schon an mir altem Integrations-Schweden exemplarisch feststellen kann. Ok, meine helle Hautfarbe und meine linguistische Flexibilität haben schon enorm geholfen, aber glaubt mir, die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen der Schweiz und Schweden sind wirklich enorm, trotz relativ ähnlicher Kulturen.

Jetzt ist es halt so, dass diese Einwanderungsgeschichte ordentlich daneben gehen kann, ganz besonders dann, wenn man nicht auf einen angepassten Kurs eingestellt ist. Der Begriff “angepasst” ist hier vielfach interpretierbar, soll aber grundsätzlich mal ausdrücken, dass man sich bewusst die Gesellschaft auslesen sollte, in der man leben gehen will. Wenn man sich die Gesellschaft nicht vorderhand auslesen kann oder will, wirds zwar ein bisschen komplizierter, aber man kann immer noch einen Reality-Check machen, ob das klappen könnte.

Ich habe kein Problem damit, Flüchtlinge in guter, alter humanistischer Tradition aufzunehmen. Auch wirtschaftliche Flüchtlinge finde ich ok, da fällt mir kein Zacken aus der Krone. Ich bin also bereit, einen (wenn auch kleinen) Teil meiner Steuergelder in Menschen in Not zu investieren. Ich bin auch bereit, diese Leute in unserer Mitte aufzunehmen, in jeder Hinsicht.

Doch wie schon Kollege Beinhart anderswo sehr treffend bemerkte: “Nur weil jemand zufälligerweise eine dunkle Haut hat, aus einem fremden Land kommt, verfolgt wurde oder eine Frau ist, heisst das noch lange nicht, dass dieser Jemand auch ein guter Mensch ist oder a priori sein Gehirn regelmässig zum Denken einschaltet.”

Genau. Ich halte es mit Kulturen ein bisschen wie mit Religionen: die Geschmacksrichtung ist grundsätzlich mal egal, gemessen wird anderswo.

Im weiter oben verlinkten Fall der Deutsch-Afghanin Morsal wird das Dilemma von wenig anpassungsfähigen Menschen aus anderen Kulturen relativ schnell klar.

Meines Erachtens ist die Zeit reif dafür, dass man sich als sozialdemokratisch eingestellter Mensch durchaus auch über die Ausschaffung oder Internierung von Ausländern, die sich partout nicht anpassen können oder wollen, unterhalten muss. Natürlich ist die Lage auf der Welt recht kompliziert, und Internierungslager am Rande oder ausserhalb der Menschenrechte sind gänzlich inakzeptabel.

Ich habe aber den Anspruch, dass Menschen, die nach unseren hiesigen Standards leben wollen, vor solchen wie dem Bruder von Morsal geschützt werden. Es ist immer dasselbe: der junge Mann war schon die längste Zeit der Polizei bekannt als Schläger, Dieb und Unterdrücker. Warum sollten wir solche Leute nicht in ihr Heimatland zurück verfrachten, auch wenn dort die Kacke am dampfen ist? Das ist etwas, was ich moralisch aushalten würde. Es hätte wohl einen unangenehmen Nebengeschmack, wäre aber allemal angenehmer als dieser bestialische Mord an einer aufmüpfigen, lebhaften jungen Frau, die in unserer Mitte leben wollte.




Ausgelutscht und abgehalftert?

Dann wird es Zeit, werter Christoph Blocher, dass Sie sich endlich mal etwas Gutes tun. Wellness zum Beispiel? Man bekommt ja gelegentlich den Eindruck, dass Sie etwas verspannt sind und sich mit der Gestaltung Ihres letzten Lebensabschnittes etwas schwer tun. Ich weiss, die Pension ist ein hartes Los für einen Ackergaul wie Sie es sind.

Dabei wäre gerade Sport für Senioren doch ein optimales Betätigungsfeld für Sie. Stellen Sie sich mal vor, wie viel Dampf Sie beispielsweise bei Soft-Tennis ablassen könnten. Hm? Mal so richtig auf den Softball eindreschen, das befreit. Oder lassen Sie sich mal von Silvia das Frühstück ans Bett bringen und anschliessend die zähen Gliedmassen so richtig durchkneten, mit scharfe Söss und alles. Da hätte die Silvia gleich noch ein Muskeltraining, das würde ihr gut anstehen. Die Gute ist ja schon ganz hager vom jahrelangen Schattenregieren…

Mir fällt da gerade auf, dass zwischen George Dabbeljuh Bush und Ihnen gewisse Parallelen existieren, wenn auch die Grössenverhältnisse nicht stimmen. Ich meine, Sie beide haben wertvolle Werte in Grund und Boden geritten und krasse Flurschäden hinterlassen. Bei Ihnen wie beim Schorsch war die Öffentlichkeit am Ende der Amtszeit ein bisschen müde und gesättigt (falls nicht mit der Behebung der vorher erwähnten Flurschäden beschäftigt). Und, zu guter letzt, haben grossflächig die Korken geknallt, als Sie und Schorschl abgetreten wurden.

Trotz des erwähnten Grössenunterschiedes: Sie und der Schorsch sind Brüder im Geiste. Denn was Sie beide eint, ist diese ganz besondere Merkbefreitheit, die jeglicher Beschreibung spottet. Ehrlich, Herr Blocher, für so etwas finde ich keine Worte. Und das kommt sehr, sehr selten vor…




Die perfekte Woche

Ja, der Titel dieses Artikels…  ich habe lange mit ihm gerungen, schliesslich hat er mir das Kreuz auf die Matte gedrückt und ich hab nur noch abklopfen können. Vielleicht ist es nicht die perfekte Woche gewesen, aber heieiei, verdammt nahe dran war sie auf jeden Fall.

So könnte ich diese Woche beispielsweise über die Katholen und deren obersten Schef schnöden. Ginge total easy, vor lauter Steilvorlagen weiss man ja nicht, wo man als erstes abdrücken soll. Aber erstens hat Kollege Magnussen bereits in äusserst befriedigener Weise abgedrückt und zweitens läuft es in der katholischen Kirche momentan absolut optimal, jedenfalls für meine persönliche Agenda diese Organisation betreffend. Also lassen wir das mal.

Ich könnte auch darüber schreiben, wie sich diesen Montag eine Theologieprofessorin ohne Plan und von der traurigen Gestalt selbst demontiert hat. Das war am Mäntigsapéro, das Ron Orp wohl im kompletten Drogenrausch recherchiert hat (merci, Berner Gazette!) und bei dem es eigentlich auch den Beda Stadler (da übrigens ungewohnt nett und die Theologin Schroer schon fast liebevoll provozierend) nicht wirklich gebraucht hätte. So viel Schwurbel hat selbst der Dschango noch selten gehört und am Schluss machte die gute Frau den Eindruck, als ob sie den Blödsinn, den sie da rausgelassen hat, selbst nicht mehr glauben könnte. Schade war nur, dass die eigentlich wichtigste Frage des Abends nicht gestellt werden konnte, nämlich wie viel Neues wir in den letzten 200 (oder 500, oder 1000, oder 2000) Jahren dank der Theologie über die “Natur Gottes” gelernt haben. War ja toll, wie Frau Schroer erzählt hat, was sie alles machen in ihrer Fakultät (Kurzfassung: nichts, was in anderen Fakultäten nicht mindestens so professionell, aber ohne Dogma als Ausgangspunkt aller Forschung gemacht würde). Andererseits hatte ich gegen Schluss den Eindruck, dass die Frau Professorin jetzt dann eh bald heulend zum Saal rausrennt und liess es mit der Fragerei bleiben.

Ja, und selbst wenn all dies nicht passiert wäre, könnte ich euch von einer Amazon-Suche erzählen, bei der ich zufällig auf das Buch “Gott: eine kleine Geschichte des Grössten” gestossen bin. Nicht, dass man das Buch jetzt lesen müsste (laut Amazon-Kritik macht der Autor so tolle, voll richtige und total noch nie gehörte Aussagen wie “wer Atheist ist, ist Nihilist, ist Massenmörder oder zumindest ein Unterstützer solcher”, hier der Lesbarkeit zuliebe gekürzt wiedergegeben). Aber man schaue sich mal dies an:

Ein Schelm, aber sowas von ein Schelm, wer da Böses denkt, vor allem, wenn er kurz vorher die doch leicht sinnfeindlich und lusttötend dreinblickende Frau Schroer live gesehen hat.

Und zum Schluss melden die mir doch noch, dass schwanz-und-hirnlos-Rapper Bushido zur dreizehnthässlichsten Frau Deutschlands gekürt wurde. Noch vor Angie Merkel (Platz 14) und Bill Kaulitz (Platz 30).

Sorry, aber… kann eine Woche überhaupt noch besser laufen?




Scherzo fortissimo

Owned! Da hat der Kusi ein paar Leute in Abstimmungskommittees ziemlich in die Pfanne gehauen. Schade um das Geld für die tollen Konter-Inserate, die (z.B. bei 20 Minuten) vor lauter Verzweiflung aufgeschaltet wurden. Deppentum und blinder Aktivismus waren noch nie eine gute Mischung, und am Sonntag ist diese Posse eh definitiv vorüber.

Vote!