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Der Wolf im Walliser Schafspelz

Aus aktuellem Anlass, heute mal ein kleiner Exkurs in eine den meisten völlig unbekannte Welt. Eine Welt, in der der einzig wahre Sozialschmarotzer im Dorf als moralische Instanz gilt und die Gesetze vor allem dazu da sind, Gott vor allerlei Bösem zu beschützen. Zum Beispiel vor einem Lehrer, der es wagt, seine Grundrechte und diejenigen der ihm anvertrauten Kinder einzufordern.

Was ist passiert? In Stalden im Kanton Wallis, sowieso ja nicht gerade als der Kanton  bekannt, der bezüglich Grundrechten eine Vorreiterrolle einnimmt, ist ein Oberstufenlehrer am letzten Schultag vor den Ferien fristlos entlassen worden. Und dies nicht etwa, weil er sich an seinen Schülern vergriffen hätte, sondern nur deshalb, weil er sich weigert, in seinem Schulzimmer ein Folterwerkzeug aufzuhängen.

Seitens Schulleitung beruft man sich aufs Walliser Schulgesetz, das die Schule dazu verpflichtet, den Schüler “auf seine Aufgabe als Mensch und Christ” vorbereiten. Klar widerspricht dies der Bundesverfassung krass, welche ihrerseits die Schulen dazu anweist, konfessionell neutral zu sein, aber das interessiert im Wallis natürlich keine Sau. Es spielt auch keine Rolle, ob es im Wallis Kinder mit muslimischem Glauben gibt. Da das Christentum Leitkultur ist, werden einfach alle zu Christen erzogen, egal ob Kathole, Musel oder Atheist. Gott wird die seinen dann am Schluss schon aussortieren.

(An dieser Stelle ein Aufruf: Wenn ihr noch immer einen Facebook-Account habt, tretet doch bitte der Gruppe “Solidarität mit Valentin Abgottspon” bei – Merci!)

Und nun ist die Kacke am Dampfen. Die Presse berichtet beinahe täglich (sucht einfach nach “Valentin Abgottspon” und ihr werdet fündig) und auch Schweiz Aktuell hat sich zu einem – ausnahmsweise sogar recht objektiven – Bericht hinreissen lassen. Plötzlich ist das schwarzkatholische Herz am Rand der Schweiz im Fokus, plötzlich merken wir, dass eine Stunde Zugfahrt weit weg eine kleine, aber umso aktivere Taliban-Gemeinde ihren persönlichen Scharia-Flavour etabliert. Dies, wohlverstanden, stillschweigend vom föderalistischen Prinzip gedeckt und hauptsächlich vom un- oder falschgläubigen Rest der Schweiz finanziert.

Man verstehe mich richtig: es geht hier nicht um evangelikale Endzeit-Spinner. Es geht nicht um Sektenanhänger im landläufigen Sinne, die eine etwas derbe Interpretation des im Grunde genommen Ach so toleranten Christentums praktizieren. Nein, wir sprechen hier von identitätsstiftenden, über alle moralische Zweifel erhabenen Landeskirche-Katholiken, die sich darauf berufen, dass das Wallis katholisch sei und bleibe, und wer anderer Meinung sei, dürfe das, solle aber gefälligst die Klappe halten oder sich zum Teufel scheren. Wer mal schauen will, wie diese Leute ticken, dem seien die Kommentare auf der Freidenker-Seite rund um dieses Thema empfohlen. Eine echte Lektion in erzkatholischem Rechts- und Toleranzverständnis.

Man fürchtet im Wallis also nicht nur den Wolf (was zu braven Schafen an sich ja gut gepasst hätte), sondern auch Laizität, freies Denken und generell ein modernes (sprich: post-1600) Staatsverständnis. Die Kirche bleibt im Wallis nicht nur mitten im Dorf, sondern sie bleibt auch zentrale Richtschnur bezüglich dem, was gedacht werden darf bzw was nicht.

Vielleicht wäre es mal Zeit, den Fehler von 1815 zu korrigieren und das Wallis dem Vatikan als Exklave zu spendieren. Als Italiener (bzw italienische Vatikaniten) wären die Walliser doch sowieso wöhler: bezüglich Vetternwirtschaft, Korruption und theokratisch geprägter Politik sprechen wir auf jeden Fall von verwandten Mentalitäten.

UPDATE:

Uns wurde aus absolut vertrauenswürdiger Quelle berichtet, dass die identitätsstiftenden und integrativen Kräfte bereits dazu übergegangen sind, ihre moralische und argumentatorische Überlegenheit mit Sachbeschädigungen zu unterstreichen. Zwar (noch) nicht im Wallis, aber in einem anderen, ebenso schwarzen (und ebenso auf finanziellen Zuspruch aus der Restschweiz angewiesenen) Gebiet. Dies ist tatsächlich eine neue Qualität im Diskurs – Beschimpfungen, anonyme Anrufe/Briefe und ähnliches kennt man ja sogar hier, im säkulareren Teil der Schweiz, wenn man sich bezüglich Konfessionsfreiheit auch nur ein bisschen aus dem Fenster lehnt.




Schädeldecke

Quizfrage:

Was ist der Unterschied zwischen Ueli “Shlomo” Maurer und Micheline “Fatima” Calmy-Rey?

Nix, nada, niente. Beide haben sich lokalen Kleidungsbräuchen angepasst, beide jeweils aus guten Gründen.

Wo aber bleibt der Protest? Micheline musste damals medial ziemlich unten durch wegen ihrem weissen Nichts auf dem Kopf, beim Ueli hingegen hält sich die rechte Journaille offenbar ziemlich im Zaum. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Die Frau Roten vom Magazin ist auch ein bisschen streitbar, ich zum Beispiel finde ihr Geschreibsel recht gut. Die Meinungen in meinem Umfeld sind aber recht geteilt, ich stehe weitgehend alleine da mit meiner beinahe bedingungslosen Vorliebe für die Michèle.

Ihre Kolumne im aktuellen Magazin (das zum Teufel noch mal nicht mehr gratis im Web steht. Was hat die Leute bloss geritten?) hat mir wirklich aus dem Herzen gesprochen, sie schreibt da über den rechten Meinungs-Pöbel und seine Auswüchse.

Ihre Argumentation ist schlüssig und nebenbei – auch ohne expliziten Bezug von Frau Roten selbst – ein flammendes Plädoyer wider die Diktatur des Pöbels.

Unbedingte Leseempfehlung!




Amokläuferinnen in den Bundesrat!

So, wir wären dann jetzt also unter einem Weiberregime.

Finde ich ja grundsätzlich gut, habe hie und da schon erwähnt, dass ich privat in den letzten Jahren damit nur beste Erfahrungen gemacht habe. Ich warte übrigens immer noch darauf, dass ich von Tanja Walliser meinen “Feministen haben besseren Sex”-Button zugeschickt bekomme. Man kann ja von ihrer Idee, Porno zum Schulfach zu machen, halten was man will. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es seinen Notenschnitt massiv verbessert hätte, hätte es schon zu des Dschangos Volksschulzeiten ein solches Fach gegeben.

(Ich würde sonst anstelle des Buttons auch ein T-Shirt nehmen, im Fall.)

Aber eben, Bundesratswahl: Irritiert hat mich höchstens, dass ich fünf oder sechs Minuten, nachdem Frau Sommaruga gewählt wurde, von ihr ein ellenlanges eMail an meine private Adresse erhielt, in dem sie mich als “gewählte Bundesrätin” persönlich begrüsst und mir ihre Positionen und künftigen politischen Schwerpunkte erklärt. Ich war sehr erstaunt, weil, so fragte ich mich, woher nimmt die Frau Sommaruga die Zeit, mir ein eMail zu schicken, während sie noch im Parlament ihre Antrittsrede hält? Es ist verblüffend. So verblüffend, dass ich nicht mal über die Tatsache verblüfft war, dass Frau Sommaruge offenbar in Besitz meiner privaten eMail-Adresse ist. Bzw, darüber war ich dann auch verblüfft, aber erst, nachdem der erste Verbluff verpufft war. Die darauf folgende Verblüffung war dann aber umso verblüffender.

Aber zurück zum faktischen Matriarchat: die im Ausland wundern sich ja mal wieder über die Schweiz. Einerseits wollen wir keine Minarette, andererseits lassen wir uns von Frauen regieren. Den Ausländern muss man jetzt halt geduldig erklären, dass Minarette nach wie vor gebaut werden und der Spass mit der Frauenmehrheit höchstens ein Jahr wähnt.

(Ist euch eigentlich aufgefallen, dass der Merz, als er diese Woche “Bü… hü… BÜNDNERFLEISCH!!” gesagt hat, zur Widmer-Schlumpf rübergeschaut hat? Aber egal.)

Nicht in den Bundesrat, aber in die baldige Versenkung gewählt wird das Léger-Käsli der Nation, aka Linda Fäh, aka Noch-Miss Schweiz. Die gute Linda, die mit so intelligenten Sätze wie “ich bin katholisch und glaube an Gott” zitiert wird (das erste macht ohne das zweite wenig Sinn, irgendwie), verdient(e) zwar nicht übel, hat aber offenbar ein grosses Problem: während ihrer gesamten Missen-Zeit hat sie kaum Liebesbriefe bekommen.

OH – MY – GOD!!

Gut, das Problem hat sich dann wenige Tage später erledigt und es ist ein Sürmel, wer jetzt meint, Frau Fäh habe nur am Schluss ihrer Karriere noch einmal in die Zeitung kommen wollen. Ein bisschen leid tut sie mir aber schon, die Linda. Jetzt nicht ganz so leid, als dass ich mich selbst zu amouröser Poesie zu Handen Frau Fäh verpflichtet gefühlt hätte, aber schon ein bisschen leid. Weil, wozu sonst lässt sich ein gläubiges Landei zur Miss wählen? Doch wohl nur, um einen feschen Kerl von der Schweizergarde abzukriegen! Und jetzt ist die Missen-Zeit schon fast durch und Linda immer noch unbefleckt, stopft sich mit kalorienreduzierten Produkten von der Migros voll und wird davon weder fett noch glücklich. Es ist eine Schande.

Apropos Migros und Frauen: Von letzteren standen diese Woche ein paar vor dem Quartier-ersterem, und sie hatten einen recht improvisiert aussehenden Stand aufgebaut. Von weitem sah es ein bisschen so aus, als ob Zaffaraya eine Filiale vor dem Zähringer-Migros eröffnet hätten. Nunja, an diesem Stand wurde jetzt zwar kein medizinischer Hanf feilgeboten, das fand ich schade, hingegen hing da aber ein Schild mit der Aufschrift:

Kuchenverkauf für Aids-Projekt

Ich habe keine Ahnung, um was für ein Projekt es sich handelte, aber der Kuchen sah… nicht lecker aus. Und irgendwie sprach mich das Aids-Projekt noch viel weniger an, als einen ein wild dahergekommenes Aids-Projekt jetzt in der Regel so anspricht, so im Zusammenspiel Zaffaraya-Stand und unlecker aussehendem Kuchen. Kein: “hallo, ich bin das Aids-Projekt Soundso und ich päpple Aids-Waisen auf” oder: “ey, Alter, ich bin das Aids-Projekt Wasweissich und quäle kleine Säugetiere, um an Aids erkrankten Banken-CEOs einen Weg zu finden, wie sie ihr Aids-Medikament einnehmen können, ohne dass es zu Nebenwirkungen mit Viagra kommt”. Nichts, aber auch rein gar nichts sprach mich an diesem Aids-Projekt direkt an. Ich meine, es ist doch alles eine Frage, wie man daherkommt. Das darf doch wohl auch für ein Aids-Projekt gelten, nicht?

Ich kauf doch keinen unlecker aussehenden Kuchen, nur um irgend so einem aidskranken CEO das Ficken zu ermöglichen.

Ah ja, Hase und ich waren am Mittwoch ja noch in der Dampfzentrale, Pix-Mix kucken. War extrem lustig, gehen wir gerne mal wieder hin. Speziell erwähnenswert: Sister’s Funky Tongue mit einer schlicht brillianten Premiere. Und wenn wir schon bei der Kultur sind, ich habe da noch einen Link zu einem (für mich neuen) Beardyman-Video für euch. Wenn ihr mal eine Stunde (!) Zeit mitbringt, schaut euch das Teil an. Beardyman ist für mich nicht nur ein Wahnsinns-Musiker und ein wandelndes Musiklexikon, sondern momentan schlicht und ergreifend der absolute Gott des Entertainments, und dieses Video unterstreicht meine Einschätzung voll und ganz – wer’s verpasst ist selbst schuld.

Und wo wir schon bei kreativer Freizeitgestaltung sind: Was ist das eigentlich für ein seltsamer Trend zum Amoklauf bzw Co-Suizid in letzter Zeit? In Lörrach hatten sie diese Woche auch wieder einen, ging übel aus, das. Da sag ich mir doch: lieber wählen wir die Frauen in den Bundesrat oder zur Miss Synthokäse, als dass wir sie wild rumschiessend in Krankenhäuser lassen.

Ich meine, wenn man das mal so richtig durchdenkt, kommt man zum Schluss, dass 99.999% aller Amokläuferinnen den Beruf der Rechtsanwältin ausüben. Ist nun die Juristerei das neue Killerspiel? Muss man vorsorglich allen Rechtsanwältinnen die Plastiksäcke wegnehmen? Muss ich besorgt sein, wenn meine Partnerin die Rechts-Hotline des Beobachters anruft? Wieviele Gesetzestexte darf eine Frau besitzen, damit das noch als unbedenklich durchgeht?

Fragen über Fragen.

UPDATE: Links zu Sister’s Funky Tongue und Beardyman korrigiert… danke Nasse!




Von Zügen und Jägern

Auf Geschäftsreisen erlebt man viele lustige Sachen. Was sage ich da, es ist ein regelrechter Kosmos voller Absurditäten, gerade wenn man im Zug reist. Folgendes trug sich auf den Schienen zwischen Zürich und München zu:

Da wäre beispielsweise dieser anabolisch aufgeblasene Ostblöckler (hätte auf Rumäne oder Bulgare getippt), der morgens um sieben gefühlte 278 SMS schreibt, und das mit eingeschalteten Tastentönen. Meine höfliche Intervention (“Würden sie bitte die Tastentöne ausschalten?”) wurde mit einem unfreundlichen “Nein, das kann isch ned” quittiert.

“Natürlich können sie das!” kam mir gerade noch über die Lippen, doch dann erkannte ich die Sinnlosigkeit meiner Bildungsoffensive. Der Herr meinte wohl, es sei technisch nicht möglich, ich hingegen bin der Meinung, dass die Anabolika dem Gehirn dieses Fleischberges nicht allzu gut getan haben. Sei’s drum.

Für echte Heiterkeit sorgte aber der Schwäbische Schaffner, der in schönstem Schwenglisch bei jedem Halt u.A. “Ssänk juh foa trävelling wis se Deutsche Bahn, guud bajj” über die Lautsprecher schmetterte. Die einzigartige Betonung des “i”-Lautes in Good Bye, kombiniert mit der etwas zu langgezogenen, verschwäbelten Aussprache, haben mich für alle Tastentöner und Kloraucher auf dieser Fahrt entschädigt.

Nicht vollständig entschädigt wird wohl der Kanton Bern für seinen teuren Einsatz gegen den renitenten Rentner Kneubühl. Was für eine absurde Geschichte. Da freut man sich als Steuerzahler, wenn für die ausgegebenen Millionen am Ende wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit dabei herausschaut.

Zudem scheint die Meinungsfreiheit in unserer Demokratie noch intakt, wenn einem Polizisten das halbe Gesicht weg geschossen wird und trotzdem ein paar Hirnamputierte in Texas-Manier “Go, Kneubühl, go!” skandieren. Da fühlt man sich gut aufgehoben.

Doch die Kirsche auf dem Kuchen ist die Begegnung der fahndenden und leicht nervösen Schroterei mit dem gestandenen und total mutigen Taubenjäger aus dem Jura, was für ein Mannsbild in dieser ach so wilden Schweiz hinter den sieben Bergen.

Wir finden es ja total verhältnismässig, für ein bisschen (gefühlte) Freiheit und Stolz in Kauf zu nehmen, mit staatlich finanziertem Blei aus Polizei-Schrotflinten vollgepumpt zu werden.

Eh ja, jedem seine Priorität.




Das Konsensationslager wählt

So, am Mittwoch ist es endlich soweit: die Wägsten und Besten des Landes steigen in den Ring der vereinigten Bundesversammlung, damit aus ihren Reihen neue Landesväter und/oder -mütter gewählt werden. Im Vorfeld dieser schönen eidgenössischen Tradition hat man ja einiges von den Kandidierenden erfahren: dass Frau Sommaruga beispielsweise schon mal Hasch-Guetsli gebacken hat oder dass Johann Schneider-Ammann nie lügt. Beides rudimentäre Voraussetzungen, um dem bundesrätlichen Stellenprofil zu genügen.

Gesucht ist, wie übrigens meistens, die eierlegende Polit-Wollmilchsau: möglichst jung (muss aber trotzdem seriös wirken), möglichst eine Führungspersönlichkeit, möglichst viel Charisma (aber nicht zu viel!), möglichst dossierfest, möglichst konsensorientiert, trotzdem zielstrebig, konfliktfähig, ausgleichend, intelligent (aber nicht zu sehr!), volksnah, wenn Frau: nicht allzu hässlich (aber ja auch nicht zu hübsch!), mit mindestens einem BWL- und einem Jus-Abschluss, Erfahrung in der Privatwirtschaft wäre von Vorteil. Die Beherrschung aller vier Landessprachen wird vorausgesetzt, die Beherrschung von Englisch hingegen nicht. Und schön wärs, wenn der/die KandidatIn in ungefähr fünfzehn Kantonen gleichzeitig Wohnsitz hätte. Und als Frau zählt, aber Mann ist.

Bekommen werden wir, wie auch meistens, im besten Fall (und nur in diesem) viel guten Willen im Sinne von “gibt sich und hat Mühe”. Und vielleicht mal ein Hasch-Guetsli von der Frau Sommaruga, was ja immerhin schon mal was wäre. Würde die Bundesratssitzungen auf jeden Fall auflockern; ich weiss da, wovon ich rede.

Doch halt: ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass die Politik im Bundeshaus von unfähigen, blinden und tauben Einbeinigen gemacht wird! Zwar haben die Bundesparlamente wie erwartet sowohl beim Mietrecht wie auch bei der Wafffeninitiative komplett versagt, aber immerhin gibt es noch Volksvertreterinnen, die Prioritäten zu setzen wissen und die wirklich brennenden Issues unserer Gesellschaft schonungslos aufs Tapet bringen. Ja, Frau Ada Marra hat per Motion durchgebracht, dass künftig zu Beginn der Bundesversammlung die Nationalhymne gesungen wird. Endlich, sage ich da nur! Wenn sie schon sonst nichts Schlaues auf die Reihe bringen, sollen sie wenigstens Singen dürfen. Ist ja wie damals in der Schule, wo einem der Lehrer gesagt hat, dass zwar nichts aus einem werden würde im Leben, er aber froh wäre, wenn man im Schulchor mitsingen würde, weil man der einzige ist, der die Töne preicht. Aber einewä, das Beachtliche an dieser Motion ist, dass sie aus den Reihen der SP kommt. Und nein, ich habe jetzt kein “V” vergessen: es ist offenbar wirklich eine SP-Nationalrätin, die auf folgende Zeilen abgeht wie ein Zäpfchen:

Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.

Sozialdemokratie in Reimform, sozusagen. Seltsam? Nein, Politik.

Und wie wir ja eh schon bei dieser sind: Letzthin habe ich in der Stadt eine junge Frau gesehen, die hat ein T-Shirt getragen. Das ist bereits recht beachtlich, weil die Temperaturen waren in der Stadt mitunter in letzter Zeit keineswegs Tiischi-tauglich. Aber item. Ich habe das T-Shirt gesehen und mir gedacht, hm, wenn ich jetzt nur ein bisschen bessere Beziehungen zum französischen Präsidenten hätte, ich würde ihn grad sofort anrufen und sagen, ich hätte ihm dann übrigens noch was zum Anziehen, so zwecks Imagepolitur bei der EU. Und kleidsam wärs sowieso:

Sarkozy loves Roma!

Man nehme übrigens mal wieder die gnadenlos geilen Gimp-Skills vom Dschango zur Kenntnis.

Eigentlich wollte ich ja noch über einen anderen regelmässigen Daumenschraube-Gast schreiben, der diese Woche wieder mal was von sich hören hat lassen: René Kuhn, seines Zeichens gewesene SVP-Knallerbse und Pussy Magnet qua Selbstbild, ruft gemeinsam mit anderen Opfern weiblicher Gewaltherrschaft zum ersten Antifeminismus-Treffen auf. Kommt mir jetzt aber irgendwie vor, wie wenn ein Diabetiker zur Zuckerboykott-Demo aufrufen würde, also lassen wir es halt.

Letzthin beim Zappen im Prekariats-TV übrigens so eine Doku über irgendeine am Rande der Gesellschaft lebende Familie gesehen, die irgendwas auf die Reihe gebracht hat, was der TV-Station immerhin 49 Minuten Sendezeit wert war, interessant war es trotzdem nicht. Aber als dann im Verlaufe der Sendung der Name des jüngeren Sohnes fiel, habe ich gemeint, ich hör nicht recht. Tat ich dann aber doch, wie sich dank moderner MAZ-Technik bald zeigte:

Das T-Shirt, das der junge Mann trägt, beschreibt übrigens ziemlich genau meine Reaktion auf seinen Namen. Man verstehe mich jetzt ja wirklich nicht miss: ich bin sehr dafür, Kindern möglichst exotische, schräge oder sonstwie belastende Vornamen zu geben. Das macht sie hart fürs Leben, ganz nach dem Cash’schen Motto des “Boy named Sue”. Aber wenn man bereits einen Nachnamen einbringt, der eigentlich schon Hypothek genug ist, muss man doch nicht noch… oder?

Da fällt mir ein: ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass es den Begriff der “konsensorientierten Politik” ungefähr solange gibt, wie es konsensorientierte Politik als solche nicht mehr gibt? Finde ich noch interessant, irgendwie.

Aber noch etwas Erfreuliches zum Schluss. Habe soeben “Dr Goalie bin ig” von Pedro Lenz fertiggelesen. Und bin schlicht und ergreifend begeistert. Nicht nur, weil Lenz in einem mir nahen Idiom schreibt (O-Ton Hase: “Hihi, dä schriibt fasch so komisch wie du redsch!”), und auch nicht nur, weil er in real ein bisschen so aussieht wie der Dschango auf seinem Daumenschraube-Föteli, sondern vor allem, weil er ein begnadeter Erzähler sowie ein grandioser Beobachter ist, der zusätzlich noch je einen grossen Haufen Humor und Menschenliebe im Rucksack dabei hat. Endlich mal wieder ein Buch, bei dem jeder Satz, jedes Wort und jedes Satzzeichen dort steht, weil es dort stehen muss. Vor gefühlten hunderttausend Jahren hat sich der junge Dschango zum Ziel gesetzt, irgendwann mal die Schweizer Version von “Trainspotting” zu schreiben. Mit viel Neid, aber noch viel mehr Freude stellt der altersmilde Dschango heute fest, dass Lenz genau dies gelungen ist – besser und authentischer, als es der olle Zigeuner je hingebracht hätte.

Kaufen, lesen, lieben.




Hilfe, die Dogen bilden wieder Szenen!

Auch davor schützt die Reithalle-Initiative!

Nun ist es ja so, dass auch ich nicht alles weiss, was es auf dieser Welt zu wissen gäbe. Mir war noch knapp geläufig, was “Dogen” sind – Oberhäupter der italienischen Republiken Venedig und Genua im Mittelalter nämlich – es war mir aber nicht bewusst, dass es mit diesen Dogen Probleme in der Jetztzeit geben könnte. Geschweige denn, dass sie in der Stadt Bern durch eine besonders ausgeprägte Szenenbildung auffallen würden.

Zum Glück wurde ich diese Woche eines Besseren belehrt, durch jene Postille nämlich, die – zum Glück! – vom durch den “keine Werbung”-Kleber auf unserem Briefkasten nicht abgeschreckten Verträger in selbigen gesteckt wurde.

Es geht hier natürlich um den Hochglanzprospekt zur fünften oder sechsten oder wasweissichwievielten Reithalle-Initiative, die am 26. September in Bern zur Abstimmung kommt und übrigens ein grandioses Beispiel dafür ist, wie sehr gewissen Politikern der Volkswille am Herzen liegt, vor allem dann, wenn das strunzdumme Volk ums Verrecken nicht begreifen will, was sein Wille zu sein habe. Vielleicht etwas Positives vorweg: der ganze Prospekt kommt mit genau zwei (2!) Ausrufezeichen aus. Das sind, notabene, genau gleich viele, wie ich zum Schreiben dieses Artikels bisher benützt habe.

Ich weiss nicht, ob meine werte LeserInnenschaft jetzt die Sensation wirklich begreift (ihr braucht ja schon mindestens fünf Anläufe, bis ihr endlich kapiert, was ihr eigentlich abstimmen wolltet, gopf): da ist ein Prospekt, der unter anderem das Konterfei von Brokeback-Erich enthält, ich würde jetzt den Textanteil auf rund 2000 Zeichen schätzen, und nur zwei davon sind Ausrufezeichen. Wenn man die textarme Titelseite wegrechnet, sogar nur noch eines! Viermal weniger als ich, unter wohlverstanden hochverantwortlicher Dosierung, bis jetzt hier verschreibt habe! Wahrlich, ich sage euch: der Tag, an dem die Hölle zufriert, ist nahe.

Und wenn wir schon beim Prophetentum sind: Meinen Glückwunsch an die muslimischen MitbürgerInnen, ihr dürft ab morgen ja wieder im Sonnenlicht fressen, saufen, rauchen und ficken, weil das euer nachtblinder Gott dann wieder zulässt. Das finde ich schon mal gut. Vor allem den Punkt mit dem Rauchen, weil das bekanntlich saudumme Verletzungen gibt, wenn man im Dunkeln rauchen will und dann zB die Zigi oder die Shisha falsch herum anzündet.  Das Ende des Ramadans entlastet somit auch die Krankenkassen, und wer kann sich ernsthaft dagegen wehren? Eben.

Apropos Ramadan: im Gegensatz zum Rest der muslimischen Welt hat Genf ja das ganze Jahr über einen, und dessen Ende ist nicht wirklich absehbar. Bei dem geht es auch keineswegs um Ficken, Fressen und andere das Leben beglückende Ereignisse, sondern um Steinigungen. Die jetzt vielleicht in einer Wüstenlandschaft noch Sinn machen, aber in einer agrarisch geprägten Landschaft wie der Schweiz eher schräg daherkommen. Ich meine, bevor man sich die Mühe macht, hier genügend Steine im aparten Format zu finden, könnte man sich allenfalls überlegen, die Sitte hierzulande mit Kuhfladen umzusetzen. “Kuhfladigung” wäre eh noch ein geiles Wort, irgendwie. Kuhfladigung in der Mubarak, hahaha. Ich werde das beim Herrn Ramadan vielleicht bei Gelegenheit mal anregen.

Noch jemand, der grossen Spass am Ende des Ramadans (nicht dem von Genf, jetzt!) hat, ist der Pastor Terry Jones, der sich vor Jahren mal in seiner damals noch in Deutschland angesiedelten Halluzinationsgruppe am Klingelbeutel gütlich getan hat, danach zurück ins gelobte Land gegangen ist und sich nun dem Koran-BBQ widmet. Oder widmen will, man weiss das nicht so genau. Auf jeden Fall hat ihm die Gemeinde Gainesville seine Aktion verboten, unter Hinweis auf feuerpolizeiliche Bestimmungen, was ich persönlich recht schlappschwanzig finde. Momentan ist noch nicht klar, ob morgen tatsächlich Koräne (-ane?) brennen werden oder nicht, mich persönlich regt aber schon nur die Idee an sich auf. Ich meine, in Zeiten von Rohstoffknappheit, welcher Idiot kommt auf die Idee, wertvolles Papier einfach zu verbrennen? Hat Pastor Jones nichts aus der “Deep Horizon”-Katastrophe gelernt? Man muss es fast annehmen, denn sonst würde er nicht nur den Koran, sondern sämtliche überflüssige Fantasy-Literatur (Koran, Bibel, Tora, egal) in grossen Containern sammeln und zu nützlichen Konsumgegenständen wie Bratwurst-Umwickelservietten oder Klopapier verarbeiten. Mister Jones, noch haben Sie Zeit,  zu bereuen und auf den rechten Pfad zurückzukehren!

Man könnte es zugegebenermassen falsch verstehen, dass ich von den Fundamentalisten direkt auf Roland Näf überleite, aber ich bin stolz darauf, meiner lieben LeserInnenschaft mitteilen zu dürfen, dass wir es jetzt amtlich haben: die Tatsache, dass ihr regelmässige Daumenschraube-LeserInnen seid, heisst nicht zwingend, dass deshalb nichts aus euch wird im Leben. Einer der Daumenschraube-Fans der ersten Stunde wurde nämlich letzthin zum Präsidenten der SP des Kantons Bern gewählt – wir gratulieren herzlich!

Nicht so viel Freude hatten wir, als wir hörten, dass der Grosse Rat des Kantons Bern einen Vorstoss Näfs, den Kindergärten mehr Stellenprozente zu gönnen, abgelehnt hatte. Da muss man sich schon an den Grind langen: hat der Näf doch endlich mal eine gute Idee und löst sich etwas von seiner Killerspiel-Fixierung, macht ihm der Grosse Rat diese Idee prompt kaputt. In dieses Bild passt übrigens, dass derselbe Grosse Rat auch das Kulturprogramm abgelehnt hatte. Selbstverständlich will man Integration, selbstredend will man Förderung, und ohne Zweifel ist Bildung, als unsere wertvollste Resource, hochprioritär zu behandeln, nur kosten darf der Scheiss natürlich nichts.

Übrigens, da wir uns nun in die Niederungen des Bildungswesens begeben haben: ich glaube, dies hier mal erwähnt zu haben, euer Dschango ist ja jüngst unter die Lehrmeister gegangen und bildet nun Spätpubertierende zu waschechten Informatikern aus. Macht Spass, macht Freude, und die Kleinen lernen erst noch was dabei statt nur herumzulungern. Keine Freude macht hingegen, was der Dschango da dauernd an Papier von der GIBB bzw von der OdA ICT Bern erhält. Nicht weil er grundsätzlich etwas gegen Papier hat – siehe meine Opposition gegenüber der Verbrennung desselben -  sondern weil diese der Erziehungsdirektion angehängten Läden offenbar des teutschen Sprake night so righik machtig sint. Anders kann ich mir nicht erklären, wie diese Institutionen Papier produzieren können, die vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzen. Ich will hier ja nicht ins Detail gehen, aber als mein Stift letzthin mit einem Brief dazu aufgefordert wurde, zu einem Lehrgang “nicht leidende Kleidung” zu tragen, da war sowohl der Stift als auch ich etwas überfordert. Wollte man sicherstellen, dass nur Fair Trade-Baumwolle getragen wurde? Oder, dass dem Stift sein Gwändli nicht in einem Sweatshop produziert wurde? Oder meinte man eher “nicht-leitend” und hat einfach das Legasthenen-AddOn aus der Textverarbeitung auszuschalten vergessen? Fragen über Fragen.

Aber zurück zum Reithalle-Prospekt und somit zum Titel dieses Artikels. Nebst der beinahe schon angsteinflössend geringen Anzahl von Ausrufezeichen und dem Bildnis von Richi-Dschei frappiert dieser nämlich auch noch mit folgender schockierenden Feststellung:

Es besteht eine Dogenszene, gegen welche die Polizei nicht durchgreifen kann.

Zum Glück gibt es noch aufrechte Politiker, die sich dagegen wehren, wenn italienische Herrscher aus dem Mittelalter unkontrolliert nach Bern immigieren und hier ihren Zirkus aufführen, eine rat- und tatlose Polizei vor sich. Und zum Glück gibt es auch noch ein Volk, das diesen Politikern hoffentlich auch beim fünften Mal den wohlverdienten Finger zeigt.




Thilo, wir fahr’n nach nirgendwo.

Diese Tage wurde schrecklich viel über Thilo Sarrazin geschrieben und er hat auch viel gesagt. Sehr viel sogar. Wir haben für unsere werte Leserschaft die ganze Geschichte handlich zusammengefasst, frei nach Dieter Nuhr:

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.

Adiömerci.




Von Eiern und Trägern

Habe mich vom Sommer bestens erholt, danke der Nachfrage. Es darf nun wieder geschraubt werden, shall we?

Jüngst hat sich meine wilde Schweizerin über unsere Kaffeemaschine beschwert. Ist mir absolut unverständlich, denn ich mag dieses billige und willige Kolben-Espresso-Teil. Der Kaffee ist gut und knallt ordentlich rein, den von meiner Süssen als zu hoch bemängelten Reinigungsaufwand nehme ich ohne sichtbare Regung in Kauf.

Was mir aber definitiv gegen den Strich ging, war die Alternative, die meine Wildkatze vorgeschlagen hat: Nespresso.

Ja, Nespresso-Kaffee ist gut, ja, der Reinigungsaufwand für diese Kapselscheisser ist easy und natürlich ist der Schorsch ein sympathischer Werbeträger. Was mir aber an dem Vorschlag dermassen auf den Senkel geht, ist Nestlé selbst.

Ich kann diese Firma nicht ausstehen und meide sie, wo es nur geht. Die paar Guttern Nestea, die ich übers Jahr konsumiere, betrachte ich als unvermeidlichen Kollateralschaden, weil es manchmal einfach keine Alternative gibt. Und wenn ich Eistee will, dann will ich das eben und nix anderes. So.

Was mir aber im Bezug auf Nestlé bei der mittäglichen Lektüre des Bundes die Essensklumpen definitiv im Hals hat stecken lassen, war dieses unsägliche Interview, dass dem Inquisitor persönlich, Peter Brabeck, in selbiger Zeitung heute gewährt wurde.

Ich kann diese grosskotzerte Haltung von gewissen Wirtschaftsbossen nicht ertragen. Am besten fand ich ja sein Statement, dass er (=Nestlé) sich auf einer Linie mit Helvetas sieht. Gut, Helvetas ist halt der NGO-Joggeli der Schweizer Wirtschaft, aber Nestlé mit einer wohltätigen Organisation zu vergleichen, ist blanker Hohn. Und, ganz nebenbei, auch ziemlich merkbefreit.

Das sagt sehr viel über das Selbstverständnis dieses selbstherrlichen Menschen, der (oftmals über Tochterfirmen) schon viel Leid über diese, unsere Welt gebracht hat. Stichworte gefällig? Zum Beispiel die Ursupierung von Wasserquellen und die nachfolgende, bewaffnete (!) Behinderung von Einheimischen, sich an den eben annektierten Wasserquellen zu versorgen, wie es diese Einheimischen seit hunderten von Jahren getan haben. Oder Milchpulver in China. Oder oder oder. Es nimmt kein Ende.

Solche Sachen machen mich rasend, da könnte ich vor Wut kotzen. Dass Nestlé jetzt Brasilien beim wirtschaftlichen Aufstieg “hilft”, macht die Sache zwar nicht besser, aber zum Glück ist Brasilien weit weg von hier. Ist zwar ein schwacher Trost, aber immerhin.

Die Lektüre dieses Interviews sei jeder und jedem empfohlen, nur vielleicht nicht gerade beim Essen. Aber auch nicht auf nüchternen Magen, das wäre wohl ein bisschen zu derb.

Nun gut, Herr Brabeck ist nicht der einzige Träger von Testikeln, der offenkundig an der eigenen Macht und Selbstherrlichkeit krankt.

Tony Blair, seines Zeichens selbst deklarierter Beseitiger von Aids und Irakischen Massenvernichtungswaffen, hat seine Memoiren veröffentlicht. Und er hat nicht mit Hohn gespart, dieser bleichgesichtige, Porridge fressende, Insel bewohnende Schleimscheisser. Natürlich sind auch immer dann, wenn etwas versaut wurde, die anderen Schuld, egal ob es um Terrorismus (Al Quaida), den Britischen Staatshaushalt (Tories) oder die EU (Frankreich, Deutschland, Griechenland etc.) geht.

Für so viel Eigenlob und fehlende Einsicht gibt’s von uns nicht mal Daumenschrauben, sonder nur ein schnoddriges, mit viel Spucke versehenes fuck you!

Welch gutes Stichwort, denn unser liebster Dorftrottel, George Dabbeljuh Bush, steht ja offenbar kurz vor der Vollendung seiner Memoiren. Er verspricht intime Einsichten zu Themen wie Entscheidungen treffen, die Zeit als Alki, die Genesung und der darauf folgende Glauben und noch viel mehr. Das wird sicher spannend, denn jemand, der von sich sagt “i think i’m being misunderestimated” oder solche Blüten wie “i’m the decider von sich gibt, kann nur einen enormen Unterhaltungswert versprechen. Wir freuen uns darauf.

Derweil vertörlen wir uns die Zeit bis dahin mit dem brillianten Robin Williams, der 2008 bei “We are most amused” eine affengeile Performance abgeliefert und mir dabei die vorigen Statements vom Schorsch Dabbeljuh vorgelegt hat:

Last but not least noch eine kleine Empfehlung kulinarischer Natur: beim Sushi House Wasabi gibt’s das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei Sushi in Bern. Und ihr Wasabi knallt rein wie sonst was, Himmel, was mag ich das Zeugs. Ach ja, die nette, junge Verkäuferin, die heute charmant am Tresen stand, ist noch um einiges ansprechender als die gesamte Auslage dieses tollen Ladens. Dies aber nur nebenbei.

Mahlzeit!




Beinhart Dschängu wagt wieder den Hosenlupf

Wir waren da ja in Schweden, auf Urlaub. Hat ein bisschen länger gedauert, sorry.

Zurück in der Heimat merke ich, dass sich dieses eher träge, langweilige Land in der Zwischenzeit zu einer freudigen, dynamischen Irrenanstalt entwickelt hat. So musste ich feststellen, dass der Bundesrat, vor einem halben Jahr noch eine uneinige, streitlustige, inkompetente und handlungsunfähige Selbsthilfegruppe, mittlerweile seine zwei grössten Probleme angepackt hat und auf dem Weg ist, in absehbarer Zeit eine Lösung zu finden. Das ist ja schonmal gut. Es foutiert mich auch nicht wirklich, wenn ich in Zukunft von einer Frauenmehrheit regiert werde. Konkret ist dies für mich seit bald zwei Jahrzehnten der Normalzustand und ich kann der Grinsekatz vom Leman hier versichern, dass dieser Zustand auch für Männer durchaus Vorteile hat. Was mich aber stutzig gemacht hat, ist die Aussage diverser Medien, einer Frau, die sich in den Bundesrat wählen lassen wolle, käme wohl “das Geschlecht in die Quere”. Hier muss ich doch die anatomischen Kenntnisse einzelner Schurnalisten in Frage stellen und auf eine entsprechende Weiterbildung pochen. Alternativ könnte man natürlich auch von intimem Insiderwissen einzelner Schurnis ausgehen und sich die Frage stellen, ob… nein, sorry, aber ich möchte heute noch etwas essen, herzlichen Dank.

Anderes Beispiel: Man hat es ja im ganzen In- und Ausland gelesen: die Schweiz führt die Todesstrafe ein! Nein, tut sie natürlich nicht. Für unsere ausländischen Freunde, hier als kleine Guideline, wie politische Meinungsäusserungen in der Schweiz zu gewichten sind:

  • Wenn von knapp 8 Millionen Einwohnern eines Landes deren fünf an einem Küchentisch eine freaky Idee haben, ist dies kein Thema zur Besorgnis, sondern bloss das normale Surrogat von Irren, das man in jedem Land findet.
  • Wenn 100′000 Knallköpfe diese Idee supigeil finden und sich zu einer Freudenbekundung qua Unterschrift bewegen lassen, ist dies zwar besorgniserregend, aber noch kein Problem.
  • Wenn dann das Parlament dieses Landes die Idee auch noch so OK findet, ist dies langsam problematisch, aber noch keine Katastrophe.
  • Und wenn (und erst wenn!) dann die Mehrheit der Stimmenden an der Urne tatsächlich diese Idee annimmt – dann ist die Katastrophe eingetroffen.

Die lustige Idee mit der Todesstrafe ist ja nun knapp über Stufe 1 zur Furzidee verkommen, von dem her kann man sich trefflich darüber bespassen. Aber wichtig ist die Aktion der Initianten schon, weil sie die Debatte neu lanciert hat. Nicht diejenige über die Todesstrafe (ey, hallo?!?), aber doch darüber, ob man das Initiativrecht an eine Zurechnungsfähigkeitsprüfung der Initianten koppeln solle. Die Debatte sei hiermit eröffnet!

Ihre Meinung bereits gut überlegt und kundgetan im 20Min vom 25.8. hat  Christine Burgassi-Spears (19) aus Hombrechtikon ZH:

Ich finde sie [die Todesstrafe] gut. Heute kommen viele Mörder bloss ein paar Jahre ins Gefängnis und lernen daraus nichts.

Nein, ich möchte nicht Christine sein. Aber noch viel weniger möchte ich ihr Freund sein, der dieses Statement morgens auf dem Weg zur Arbeit liest und spontan eine Kosten-Nutzen-Rechnung zwischen originellem Sex und “nicht wegen meiner Freundin ausgelacht werden” aufstellt. An seiner Stelle würde ich mal einen sexy Namen für meine rechte Hand brainstormen. Aber es ist ja seine Entscheidung.

Und apropos Statement: ich las diese Woche, dass Claudia Schiffer 40 geworden ist – ich gratuliere herzlich, du alte Sau! Ich darf der Claudia übrigens mit Fug und Recht “alte Sau” sagen, weil nächstes Jahr werde ich ja selbst eine. Aber eben, Statement: da wurde in irgend so einer Journaille (ich finde den Mist ums Verrecken nicht im Netz, sorry) gefragt, was sie, die Frau Schiffer, denn für die Umwelt tue. Und zur Antwort gab die Schifferin, dass sie gerne weniger Wäsche kochen würde. Frau Schiffer zeigt hier also, nebst einer schon beinahe übermenschlichen Sorge um unsere Umwelt, dass sie durchaus auch eine intellektuell-philosophische Seite hat, indem sie die Regel, aus dem Sein dürfe man kein Sollen ableiten, in eine neue Dimension erweitert. Chapeau!

Viele Entscheidungen standen auch bei der selbsternannten “Partei des Mittelstands” an. Die Halleluja-Brüste dürfen jetzt ja leider nicht Bundesratten werden, der kleine Fuchs darf nicht mehr im Stadtrat sein (das glauben wir hingegen erst dann, wenn wir es sehen) und im nachhinein hat man gemerkt, dass die Hauptzielgruppe des bunten Fragebogens von selbigem weit überfordert wurde. Echt jetzt, liebe SVP-Schefstrategen, meint ihr wirklich, eure Wähler könnten mehr als zehn Wörter pro Seite lesen?

Apropos kleiner Fuchs: der ist jetzt sogar Titelheld eines schönen Liedes. Und not very amused. Was wiederum erstaunt, da er doch sonst jede Gelegenheit, Medienthema zu werden, freudig nutzt, unter anderem eben auch das Patronat der einen Halleluja-Brust, ihrerseits der Spasspolitik in keinster Weise abgeneigt. Und wer jetzt “Fake!” und “inszeniert!” schreit, soll ruhig sein, weil als einem der kleine Fuchs vom grossen an Bauernzmorgen als Bettgenosse vorgestellt wurde, da war der kleine Fuchs ja bloss der kleine Hess, den man noch nirgends kannte. Und ipso ergo facto irrelevant.

Zum Erich Dschei und seinen aufrechten Patrioten passt ja auch noch eine Entdeckung, die Hase letzthin gemacht hat, und zwar auf der Schachtel ihrer Slipeinlagen. Da steht nämlich, dass diese ein Verfalldatum haben. Ich muss jetzt ein bisschen ausholen und anmerken, dass Hase das Erreichen des Verfalldatums eines Produkts nicht als “ablaufen” bezeichnet”, sondern als “nicht mehr gültig sein”: das Joghurt mit der lustigen grünen Pelzmütze ist also “nicht mehr gültig”, genauso wie das Libero-Abi vom fähndrigen Jahr. Aber item. Der Punkt ist, dass Hase entdeckt hat, dass auch ihre Slipeinlagen ein Ablaufdatum haben, also irgendwann den Zustand erreichen, wo sie “nicht mehr gültig” sind. Man stelle sich das mal vor. Was, so fragten wir uns, passiert, wenn man das weibliche Genital in Kontakt mit ungültigen Slipeinlagen bringt? Explodiert, wie von Hase (!) angeregt, gleich die ganze Frau oder bekommt man bloss unangenehmen Besuch von der Slipolizei? Man weiss es nicht.

Und wie wir schon beim weiblichen Genital sind: das Wort “Vuvuzela” hat es ja scheints in den Oxford Dictionary geschafft, was saublöd ist, weil ich nach wie vor drauf bestehe, dass das Ding “Vuzulela” heisst, weil es so einfach phonetisch und vom Duktus her besser klingt. Das Wort meine ich jetzt; die Tröte klingt genau gleich, völlig gleichgültig, wie man sie nennt.

Ah, und übrigens: Müslüm, ich will ein Kind von dir!




Der Tag ist schön, die Sonne lacht.

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unserer fiebrig-heissen Kolumnen, die aktuell überall kleben bleiben. Sommer, halt. Also, wo um Himmels Willen soll ich bloss anfangen?

Ein Walliser auf Achse

Beim Oskar. Freysinger. Der alte Knallkobb aus dem hüere schönen Wallis mit dem gewissen Flair für Mystik und lustiger Politik. Er ist stinkig auf seine glatten Zürcher Parteikollegen und will jetzt eine Art Fraktion innerhalb der SVP gründen, die bei ihren einmal gefällten Entscheiden bleibt, so aus demokratischen Überlegungen heraus. Damit die Politik vor den einfachen Leuten glaubwürdig bleibt.

Ich verstehe zwar jetzt nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat, aber ich habe ja auch nicht mit dem Oski darüber gesprochen, was er sich da ausgedünkt hat. Zudem war ja er derjenige, der im Wallis so quasi die Zürcher Methoden eingeführt hat. Oder bin ich da wieder völlig falsch gewickelt? Die Wahrheit ist irgendwo da draussen.

Peng, du bist tot.

Die E3 ist wieder mal über die Bühne gegangen. Ein irres Spektakel, dessen Rahmenprogramm heuer offenbar besonders opulent ausgefallen ist. Nun ja, unsereins hat natürlich die Sache ein bisschen verfolgt und wir sind ein klitzekleines bisschen enttäuscht. Noch selten sind so viele FPS angekündigt worden, und man scheint sich gegenseitig mit Blut und Tränen überbieten zu wollen.

Nicht, dass ich plötzlich mit Pixelgewalt ein Problem hätte. Nicht, dass ich plötzlich einen Mechanismus entdeckt habe, der irgendwie neu oder bisher nicht wahrnehmbar gewesen ist.

Vielmehr ist mir aufgefallen, dass die kommenden Spiele, die sich nicht zu  gefühlten 95 Prozent mit gegenseitiger Meuchelei und dergleichen beschäftigen, heuer recht selten sind. Es gibt nur wenige Highlights abseits der doch schon recht ausgetretenen Ballerpfade.

Zudem sollen wir uns jetzt alle vor unseren Konsolen bewegen, mit Move und Kinetic. Sorry, liebe Sony und MS, aber Nintendo war zuerst, und das vor laaaanger Zeit. Und hat es bis jetzt am besten gemacht, denn ohne etwas in der Hand finde ich gamen saudoof (MS), und mit einem Objekt, das aussieht wie ein Mikro mit integrierter Fisting-Funktion (Sony), möchte ich nicht gesehen werden.

Nun denn, vielleicht werde ich nur alt und bin schon ein bisschen eingetrocknet, was bei dem Wetter auch kein Wunder ist.

So sei es. Gehet hin und habt warm.




Sie leben…

Ja, wir leben noch. Auch wenn der Rhythmus unseres Geschreibsels zuletzt etwas zu wünschen übrig gelassen hat.

Egal, denn im Prioritäten setzen waren wir schon immer gut.

Apropos Prioritäten setzen, nachdem die in Schweizer Besitz befindliche Ölplattform Deepwater Horizon abgegluckert ist und den mexikanischen Golf inklusive Küsten schön einölt, könnte jetzt eine Schweizer Firma Abhilfe schaffen. Man ist da scheinbar zuversichtlich.

Komisch, irgendwie fühlen wir uns ein bisschen an die übliche CH-Kriegsgewinnlerei(TM) erinnert. Ein Schlingel, wer böses dabei denkt…

Denken ist ein gutes Stichwort. Wir sind immer wieder mal überrascht, wie die Jesus-betrunkenen Polit-Kreuzritter gelegentlich von den Kollegen der SVP in Sachen Hirnakrobatik rechts überholt werden.

Unsichtbare Freunde hin oder her, das hier stellt doch einiges in den Schatten, obwohl es in der Schweizer Politik an Dummheiten zuletzt kaum gefehlt hat. Respekt, solch gequirlte Scheisse muss man im Denkstübchen erst mal hinkriegen.

Diskussionen über Fussbälle oder Plastiktröten sparen wir uns an dieser Stelle, da faktisch kein Interesse vorhanden. Ich finde Vuvuzelas aus Metall eh besser, die kann man wenigstens als Rauchinstrument benutzen.

Olé.




Na, geht doch!

Und sie sind doch lernfähig.

Pressetext:

JUSO kippt Haltung der SP zu Killergames

Mit grossem Mehr hat die Delegiertenversammlung der SP Schweiz heute in Frauenfeld die Resolution der JUSO Schweiz angenommen (im Anhang.)
Die Resolution “Jugend mit Zukunft: Perspektiven statt Diskriminierung, Selbstbestimmung statt Bevormundung, Freiräume statt Verbote” beinhaltet unter anderem die Forderung, auf ein Verbot von so genannten Killergames zu verzichten. Tanja Walliser, Zentralsekretärin der JUSO Schweiz: “Ein riesiger Erfolg. Die SP hat mit der Annahme dieser Resolution bewiesen, dass sie sich für das Recht der Jugendlichen auf eine selbstbestimmte Jugendkultur einsetzt und sich gegen jegliche Bevormundung wehrt. Die Jugendlichen sollen selber bestimmen, womit sie ihr Freizeit verbringen, sei dies Fussball, das Basteln von Modellflugzeugen oder eben das Spielen von Killergames.”
Mit dem heutigen Entscheid ist die Ausgangslage für die parlamentarische Debatte wieder offen. Wir werden uns weiterhin für eine selbstbestimmte Jugendkultur und gegen Verbote von Killergames einsetzen.

Resolution Jugend mit Zukunft (PDF)




Noch ein Häppchen vom News-Buffet?


Auch du bist Deutschland?

Nö, aber den ESC haben wir — Überraschung! — wieder mal verserbelt. Trotz brilliantem Michi in Gold (habe ich mir sagen lassen), es hat nix geholfen. Vermutlich hat das protzige Goldjäckchen in Zeiten der Krise nicht den richtigen Ton getroffen.

Warum tun wir uns so einen Scheiss überhaupt an? Ich bin für den bedingungslosen Rückzug, weil irgendwann muss man es einfach gut sein lassen. Es geht da unter anderem um Würde und solches Gedöns, aber mir hört ja eh keiner zu.

Dafür hat die über-gehypteste Landpomeranze der Neuzeit (mit Pilgererfahrung im Jesus-Camp light) ohne richtige Singstimme und mit Englischem Fantasie-Akzent den Laden gerockt. Alle sind Lena, oder so.

Na ja. Soll mal einer die Teutonen oder den ESC an sich verstehen.


Shalom und Tschüss!

Bei den Israelis piepts wieder mal in den höchsten Tönen. Dafür ernten sie jetzt ziemliche Misstöne aus aller Welt, was auch absolut gerechtfertigt ist. Wir schliessen uns dem Geheule gerne an.

Bezüglich der Lösung für die Nahost-Frage halte ich es mit Henrik M. Broder. Der fand mal (irgendwo, Link leider verloren), dass man die Israelis mitsamt Sack und Pack am besten nach Ostdeutschland umsiedeln sollte.

Liegt irgendwie auf der Hand: Die Ossis sind ihre demographischen und strukturellen Probleme los (man denke nur an die knackigen Israelinnen!) und der Nahe Osten kann aufatmen und endlich wieder in Ruhe die Eselchen über die Golanhöhen treiben, ohne über lästige Siedler zu stolpern.

Idylle pur.


Läuft doch wie geschmiert…

Last but not least möchte ich noch, sozusagen fürs Protokoll, unseren Unmut über die trübe Brühe loswerden, die seit längerem den Golf von Mexiko braun einfärbt. Die ganze Sache ist einfach nur ein Trauerspiel erster Güte, mehr fällt mir da echt auch nicht ein.

Wir fassen zusammen: Daumenschrauben light für Deutschland-Lena und den ESC, einmal extra-fest für die Verantwortlichen in Israel und nochmals extra-fest für die versammelten Öl-Trottel dieser Welt.




Knallcharge reloaded

Heute könnte es ein wenig länger gehen. Doch fangen wir von vorne an.

Unser nördlicher Nachbar verliert gleich zwei streitbare Figuren, die in den letzten Jahren die Deutsche Politik massgeblich geprägt haben.

Einerseits hätten wir den angekündigten Abgang der konservativen Krawallbraut Gabriele Pauli, die den Stoiber Edi mit einem gut gesetzten Tritt vors Schienbein zum straucheln, dann letztendlich zu Fall gebracht hat. Das war allerdings zum grossen Teil alles, was die Dame an politisch relevantem für das Land hervorgebracht hat. Immerhin. Wir sagen tschüss, prost und wünschen viel Spass bei den zukünftig wohl vermehrten Ausritten mit ihrer Ducati Monster.

Andererseits hat Roland Koch angekündigt, seinen Bettel hinzuschmeissen. So wie es aussieht wurde er von der strategisch wieder mal griffigen Angie langfristig ins (bundespolitische) Abseits befördert, was diesen reaktionären und verbal gelegentlich haarscharf am Faschismus vorbeischrammenden Hardliner unter anderem wohl zum Rücktritt bewegt hat.

Natürlich will er seine Hackfresse auch zukünftig nicht im Zaum halten, das freut die konservative Klientel in Hessen und womöglich auch darüber hinaus. Nun gut, man muss halt auch wissen, dass man im schönen Hessen ja in Lokalzeitungen auch noch auf  Schwule eindreschen darf, ohne seinen Job als Provinzredaktor zu verlieren. Ist halt nicht alles Frankfurt, was den Löwen im Wappen hat.

Etwas ganz anderes hat Mark Gasson gemacht. Kurz zusammengefasst hat sich der Froscher einen Virus auf einem bei ihm implantierten RFID Chip (wir erinnern uns: Tiere und Produkte werden gerne mit diesem passiven System versehen) gepackt und ziemlich beeindruckend demonstriert, was bei dieser Technologie alles schief gehen kann.

Bei der nächsten Diskussion über Chip Implantate beim oder rund um den Menschen dürfte dieser Artikel einige gute Argumente für Gegner dieser Technologie bereit halten. Ich habe jedenfalls aufmerksam gelesen, denn die breite Diskussion um RFID hat erst begonnen.

Und dann dies: Eigentlich habe ich mir geschworen, dieses Thema sein zu lassen. Ich kann keine neuen Erkenntnisse bieten, geschweige denn einen konstruktiven Beitrag dazu liefern. Aber es muss raus.

Seit Jahren schon nerve ich mich immer wieder über Mitmenschen, die es nicht fertig bringen, sich im urbanen Raum anständig zu bewegen. Sei es beim Rangieren in öffentlichen Verkehrsmitteln, sei es beim Anstehen, halt dann, wenn grössere Menschenaufläufe abgefertigt werden müssen.

Heute war wieder einer dieser Tage, wo ich mich heimlich nach einem eigenen Auto sehne und in geistigen Bildern schwelge, in denen ich mich mit feiner Musik und geschlossenen Fenstern im Stau in meiner kleinen autistischen Autoblase entspanne. Natürlich mit einem automatischen Getriebe, da sind auch Krämpfe im Kupplungsbein Vergangenheit.

Ich liste die Knackpunkte in zeitlicher Reihenfolge auf:

  • Beim Umladen am Bahnhof stehen die wartenden Bus-Passagiere so rum, dass man als Aus- bzw Umsteiger über Bänke steigen muss, wenn man nicht über einen gefühlten Kilometer Umweg zur eigentlich nahe liegenden Destination machen will.
  • An der Wartestelle für den Bus ins heimische Gefilde ist es einer breiten Mehrheit offenbar nicht möglich so zu stehen, dass Passanten wenigstens halbwegs noch das Trottoir, das ja bekanntlich für den Fussgänger-Transfer bestimmt ist, artgerecht benutzen können.
  • Beim umladen des zweiten Busses dann das gleiche Spiel wie beim ersten Punkt. Zu dritt waren wir offenbar die einzigen, die das Drama erkannten und uns wenigstens Mühe gaben, den Aussteigern nicht im Weg zu stehen.
  • Im Bus selbst sass ich (beinahe 190cm, lange Arme und Beine, nur knapp genug Platz) wieder mal neben einem Dickerchen, das offenbar nicht in der Lage war, seine Beine auch nur annähernd so zusammen zu halten, dass sich unsere Oberschenkel nicht aneinander reiben. Da ich mein möglichstes bereits tat, bat ich um Nachsicht beim Sitznachbar. Ein abschätziger Blick war alles, was ich von dem Kohlenstoff-Bomber bekam.

An solchen Tagen macht man es mir sehr, sehr schwer, an das eigentlich dufte Konzept von öffentlich Verkehrsmitteln zu glauben. Es ist ja wie immer: Nicht das System ist das eigentliche Problem, sondern seine Teilnehmer, was dann leider auch auf das System abfärbt, zumindest in der Wahrnehmung.

Hiermit fordere ich den Führerschein für urbane Bewegung, wer den nicht schafft (Kranke, Behinderte, Alte und Kids mal ausgenommen) , darf das Stadtgebiet zur Rush Hour nicht mehr betreten. Oder man darf straffrei auf diese Idioten eindreschen. Echt jetzt.




Läckmer mit Handicap

Neulich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mit dem gesamten Körpergewicht auf eine Hand zu fallen. Ohne fremdes Zutun notabene, und natürlich ging dabei auch etwas Knochensubstanz kaputt.

Immerhin ist es beruhigend zu wissen, dass ich mir für grosse Missgeschicke nach wie vor selbst genug bin. Andere Leute brechen sich ja beim Kampfsport oder bei näherem Kontakt mit Migrantenkindern irgendwelche Knochen.

Somit war ich die letzten zwei Wochen gut ausgelastet damit, meiner lieben Lebensabschnittsbegleiterin deutlichen Mehraufwand im Haushalt zu bescheren und meine gesamte Umwelt wissen zu lassen, wie behindert ich mich mit einem geschienten und eingebundenden Arm fühle.

Das erklärt auch einigermassen, warum ich so lange nichts geschrieben habe. Einhändig macht es einfach nicht so viel Spass. Wobei man ja froh sein kann, im Zeitalter der leichtgängigen Tastaturen zu leben. Man stelle sich mal vor, ich würde auf einer alten Olympia mit der schwachen Hand und dem Geier-Sturzflug-System meine Beiträge verfassen. Ein erbärmliches  Bild.

Apropos erbärmlich, ich bin immer wieder beeindruckt vom Mass an Selbstüberschätzung, dass Filippo Leutenegger an den Tag legt. Da gehört schon ein gehöriges Mass an Merkbefreitheit dazu, wenn ein solcher Vollpfosten für das Amt des SRG-Generaldirektors kandidiert.

Immerhin hat mich die Wahl von Roger de Weck etwas milde gestimmt, damit kann die Nulpe Walpen endlich mit gutem Gewissen weggetreten werden. Sogar der Roscheee hat seine Freude an der Wahl, und das will etwas heissen.

Wir sind jedenfalls gespannt darauf, wie sich die SRG ab dem nächsten Jahr entwickeln wird.




Zur Mitte, zur Titte, zum Sack – zack, zack!

Es ist, und da spricht jetzt der alte Sack mal wieder aus mir, schon nicht mehr so wie früher. Ich meine, wenn man ein derart hochintellektuelles Produkt wie die Daumenschraube betreut, das sich (vielleicht nicht nur, aber eben doch) der gepflegten Satire verschrieben hat, dann hat man es momentan nicht leicht.

Warum denn dies? Nun, das Stichwort ist “Realsatire”. Ich meine, ist es denn heute überhaupt noch möglich, reale Zustände überspitzt zu formulieren? Kann man überhaupt noch  Personen, Situationen oder Geschehnisse überzeichnen? Schlägt die Realität nicht schon lange jegliche Phantasie um Längen? Ich meine, ich weiss ja schon gar nicht, wo ich mit Beispielen anfangen soll. Also, vielleicht beim Herrn Doerig, der als Präsident der Credit Suisse fungiert. Weil, der Herr Doerig, der lässt sich im TagiBund mit den Worten zitieren: “Sie wissen ja nicht, was ich persönlich mit dem Geld mache”. Schon klar, man könnte Geld verheizen (wurde gerade in letzter Zeit öfters gemacht), man kann es (entgegen gewissen Indianerweisheiten) zu einer schmackhaften Mahlzeit verarbeiten, man kann es als Dämmmaterial verbauen oder man kann es, zu Blöcken geschichtet, als Ziegelsteinersatz verwenden. Von dem her bleibt ja schon eine gewisse Unklarheit in Bezug auf Doerigs Umgang mit Geld. Ich würde aber mal vermuten, dass er es, wie alle anderen Leute, früher oder später einfach ausgeben wird. Gut, im Fall von Herrn Doerig eher später (wenn überhaupt noch), aber egal.

Der Herr Doerig hat heute übrigens GV, was in seinem Alter meist nicht mehr Geschlechtsverkehr meint, sondern Generalversammlung. Das heisst, dass alle Leute, die Aktien von seiner sympathischen Familienklitsche gekauft haben, sich gemütlich im Hallenstadion besammeln und dann reihum den Helden auf der Bühne die Schultern klopfen. Also, eigentlich machen das die im Saal nicht, weil die sind im Grunde genommen in der Minderheit und in der Tendenz angepisst. Diejenigen, die mehrheitlich schulterklopfen, sind andererseits im Saal in der Minderheit (wenn überhaupt anwesend), real aber die absolute, unumstössliche Mehrheit. Da soll noch jemand durchblicken! Man kann zusammenfassen mit: ich möchte Herrn Doerigs Job nicht. Sex statt Millionensalär ist meine Devise, meinen Schef wirds freuen.

Auch so einen Job, den ich ums Verrecken nicht möchte, ist der vom Herrn Provopoulos, angestellt als Geissbock bei der Bank of Greece und bei der Europäischen Zentralbank. Bock zum Gärtner zum Bock, sag ich da nur, ohne das Populus jetzt allzu sehr provozieren zu wollen (Tusch!). Und wenn wir schon bei lustigen Namen bei der Zentralbank sind: wer zur Hölle, der noch alle Sinne beeinander hat, würde jemanden zum Präsidenten der Zetralbank machen, dessen Name verdammt nach “bschiisse” klingt? Die Europäer machen es uns mit Jean-Claude Trichet vor und uns erstaunt nichts mehr.

Ui, lustige Namen, letzthin habe ich in unserem Badezimmer übrigens ein Produkt entdeckt, das durch Hase seinen Weg zu uns gefunden hat. Es heisst “Frizz Ease” und ist gemäss der aufgedruckten Beschreibung dazu geeignet, aus Locken einen haarigen Wahnsinn zu machen. Es müssen tausende von Nobelpreisträgern bei der Entwicklung des Produkts beteiligt gewesen sein, wenigstens liest sich die Inhaltsangabe wie das Who Is Who des Chemiebaukastens. Und übrigens: man muss schon von Natur aus Locken mitbringen, Wellen reichen nicht aus für den Locken-Wahnsinn. Das hat auch Hase gesagt, nachdem ich mir eine halbe Flasche von dem Scheiss eingerieben habe, in der Erwartung, mir wachse jetzt dann gleich ein Afro. Und ja, sie hat dazu DAS GESICHT gemacht. Aber darum geht es gar nicht. Ich habe mir nämlich stattdessen überlegt, dass es noch recht heikel ist, ein Shampoo auf den Markt zu werfen, das mit der heute üblichen Lese- und Verständnisschwäche ganz gut als “Friss es!” gelesen werden könnte. Ich wette, es hat mal wieder niemand an die Kinder gedacht.

Ganz im Gegensatz übrigens zur katholischen Kirche, wo traditionell ganz, ganz viel an Kinder gedacht wird. Der Bischof Mixa beispielsweise, der hat früher mal wahnsinnig viel an Kinder gedacht, dann plötzlich hat er sie vergessen, und auf einmal sind ihm dann die Kinder wieder eingefallen. Beziehungsweise, der Mixa ist den Kindern eingefallen, die heute keine Kinder mehr sind. Und dann haben sie sich mal wieder getroffen, so auf ein Bier und eine Brezn, und hatten es ganz lustig miteinander. So lustig, dass der Mixa gefunden hat, es lange jetzt dann mal mit dem Bischofsein und er gebe jetzt den Hirtenstab mal wieder dem Ratzi, soll der doch einen noch Dümmeren finden.

Was macht eigentlich ein Bischof, wenn er in Rente geht? Ich meine, alte Buchhalter oder Cobol-Programmierer finden immer wieder eine Beschäftigung, auch greise Metzger und senile Ex-Bundesräte bringen wir unter, aber Ex-Bischöfe? Die sind ja schon zur aktiven Zeit zu kaum was nütze, ausser, dass sie dafür sorgen, dass die schönen Kleidchen regelmässig ausgelüftet werden. Und dass der stetige Strom von Austrittswilligen mittlerweile die Ausmasse einer Flutkatastrophe hat. Aber sonst? Kleriker wird man ja nicht, wie in anderen Berufen, weil man etwas besonders gut kann, sondern weil man eben genau gar nichts kann. Da sollte sich Frau Leuthard mal drum kümmern, nicht immer da um diese doofen Jugendlichen, die sowieso schon von der katholischen Kirche reichlich Zucker (o.ä.) in den Arsch geblasen kriegen.

Ja, die Frau Leuthard… die Arme stand ja recht belämmert da am Trottoir in Berlin, als das Merkel sie im (metaphorischen) Regen stehen liess. Auch so ein Job, den ich nicht wollte, Bundesrat. Erst lassen sie dich da stehen, dann schleckt dich die Merkel ab. Und dann muss man eine halbe Ewigkeit rumlaufen, während man vom Militär von einer Seite her mit unglaublich lauter Marschmusik beschallt wird. Und dann sagen die am Schluss auch noch, man sei ja voll die Freunde. Hallo?? Meine Freunde hole ich vom Zug ab, ich drücke ihnen nicht die Arme zusammen, während ich sie küsse und ich versuche auch, sie nicht mit akkustischer Kriegsführung mürbe zu kriegen. Nein, Bundesrat ist kein schöner Job. Oder so wie beim Merz: man wird einfach nicht verstanden. Die Welt ist einfach zu klein für einen Appenzeller Intellektuellen. Übrigens, wäre ich Appenzeller Tourismusdirektor, ich würde sofort den Slogan “Appenzell – intellektuell!” lancieren. Nicht, weil er zur Zielgruppe passen oder auch nur ansatzweise stimmen würde, aber ich finde, den Reim wäre es wert.

Aber wir waren ja beim Merz, weil die Welt ihn eben partout nicht verstehen will. So will es der Welt, dieser doofen Kuh, auch nicht in den sturen Grind, dass eine Biografie sich eben nicht zu stark auf die portraitierte Person fokussieren soll. Und, das muss ich sagen, hier verstehe ich den Hans-Rudolf mal. Es gibt schliesslich nicht Öderes, als wenn man, sagen wir mal, eine Biografie vom Napoleon liest, und auf vielleicht 1000 Seiten kommt dauernd nur Napoleon hier, Napoleon da, Napoleon blah-blah-blah. Vielleicht mal der erste, mal der zweite oder so, aber im Grossen und Ganzen voll der Gähn. Nach spätestens 20 Seiten denken doch eh alle, “uaaaaah, nicht schon wieder Napoleon, ich kann es nicht mehr lesen!” und legen frustriert das Buch zur Seite. Gut, eingefleischte Napoleon-Fans halten vielleicht bis Seite 100 oder so durch, aber da ist Herr Merz eben ganz Realist und kann es sich nicht vorstellen, dass es eingefleischte Merz-Fans gibt. Ich stimme ihm zu, dass es viel spannender ist, wenn jetzt, auch eher exemplarisch zu verstehen, in einer Ghandi-Biografie urplötzlich Richard Löwenherz auftritt. Oder Aliens! Eine Biografie ohne Aliens ist einfach kaum das Papier wert, auf das sie gedruckt wurde. Nackte Weiber müssen auch sein, und, um dem Ganzen noch so einen aufklärerisch-pädagogischen Touch zu geben, eine kurze Abhandlung über das bäuerische Bodenrecht in der Schweiz. Ein Sudoku wär auch fesch. Das wär mal eine Biografie, die sich gewaschen hat!

Achso, ja, stimmt ja, es waren ja auch noch Wahlen im Kanton Bern. Falls ihr da grad aufm Klo wart oder so, hier die Zusammenfassung. Postitives gab es wie folgt:

  • Die Jesus-Freaks (EVP, EDU) wurden abgeklatscht. Bringt offenbar doch was, wenn man diese Leute an die Öffentlichkeit zerrt und sie dazu bringt, ihre “christlichen Werte”, die sie sanft-säuselnd und um verständnisvolles Kopfnicken heischend als ihre Basis deklarieren, mal konrekt auszuformulieren.
  • Auch die FDP, wie obige Parteien mehr als politischen Einfluss suchende Sekte denn als Partei zu verstehen, hat links und rechts paar ans Gesicht gekriegt.
  • Rötlich-grünlich hält sich in der Regierung stabil

An Negativem gäbe es zu vermelden:

  • alles andere.

Ihr seht: nichts los in Satire-Land. Realität fressen Witz auf. Und dieser doofe Eierfallen-Vulkan hat zwar den weltweiten Flugverkehr lahmgelegen können, der Thiel, der nur wenige Kilometer weiter wohnt, lebt aber immer noch.

Was für ein Gott lässt sowas zu?!?




Katholen-Polonaise

Zwischendurch mal eine gute Nachricht aus dem Reich (sic!) der Katholen. Nachteil: Die nächste Tröte mit Dackelblick gen Himmel und Ministrant auf dem Schoss steht schon bereit.

Henusode.




Alles Asche

Kinder, was war das für eine irre Woche. Da muss unsereins erst mal tief Luft holen und sondieren, was jetzt abgefahrener ist: Die halbe Polnische Elite, die nach einem Flugzeugabsturz am nächsten Morgen am Frühstückstisch fehlt oder der Isländische Vulkan, der die Hälfte der Airlines an den Rand der Insolvenz und des Nervenzusammenbruchs bringt.

Doch eins nach dem anderen.

Die lieben Polen und ihre Lieblings-Zwillinge. Fast ein bisschen wie bei Schwarzenegger, vom Film in die Politik, nur viel bleicher und so was von staubtrocken, auf die Polnische Art halt. Nix mit Kalifornischem Sunneschii. Und dann die Reaktionen der Leute. Ich wähnte mich definitiv im falschen Film, als in den Nachrichten ein Pole mit stockender Stimme unter Tränen den Verlust des besten Präsidenten aller Zeiten beklagte. Dem hatte es wohl Vulkanasche ins Gehirn geschneit.

Nun gut, man muss auch das positive sehen. Es dürfte sich in Polen mit diesem Ereignis das eine oder andere politische Problem von alleine gelöst haben. Man denke nur an die Einführung des Euros, dessen grösster Widersacher, der Chef der Notenbank, ebenfalls im Flugzeug sass. Überhaupt, es ist wirklich krass, wie viele Entscheidungsträger in diesem einen Flieger waren. Da werden in Warschau wohl ein paar Regierungsarbeiter nachsitzen müssen.

Und dann dies: ein kleiner Berg mit Verdauungsproblemen in Island stellt die gefühlte Hälfte der weltweiten Fliegerei ins Reduit und verhindert en passant dazu noch die Teilnahme hochrangiger Regierungsmitglieder an der Abdankungsfeier der Polnischen Absturz-Opfer. Mal ehrlich, nicht mal die Coen Brüder hätten das besser hingebracht.

Item, es ist wirklich ein beeindruckendes Naturschauspiel mit enormer Tragweite, ganz grosses Kino. Sogar ich hatte zwei Abwesenheitsnachrichten in meiner Mailbox von irgendwelchen Leuten, die irgendwo gestrandet waren und ihren Urlaub zwangsverlängern mussten. Gelernt habe ich auch etwas, denn dank dem Language Log weiss ich nun, wie man Eyjafjallajökull korrekt ausspricht. So tönts halt, wenn man Wikinger während tausend Jahren auf einer kleinen Insel aussetzt und ihnen Vulkanasche in die Joints streut.

Angesichts solcher Nachrichten braucht unsereins gar nix in den Tabak gestreut, denn da sitzt man nicht nur in der ersten Reihe, das ist der Film-Film mit eingebauter 3D-Brille.




Ich will die Scheidung. Oder?

Bravo. Gratuliere, das habt ihr gut hingekriegt. Danke Evi, danke Roland und danke allen anderen Vor- und Mitreitern aus den Reihen meiner GenossInnen und ausserhalb. Man hat im Zweifel gegen den Angeklagten geurteilt, auch wenn der Nachweis nicht mal Ansatzweise erbracht ist.

Das Ganze mit tatkräftiger Unterstützung aus den Reihen der eigenen Partei, die seit ein paar Jahren einen klitzekleinen Prozentsatz meines Lohnes bekommt, damit sie ihre – zugegeben – oftmals hehren Motive ein klitzekleines bisschen mehr an die Leute bringen kann.

Jetzt denke ich halt eben über die Scheidung nach. Nicht, dass ich das wirklich rational begründen könnte. Die üblichen Verdächtigen in der SP haben schon bei viel grösserem Mist mitgemacht, als das aktuell der Fall ist, und die JuSo finde ich zu guten Teilen ja eigentlich ganz dufte.

Aber dieses eine Mal hat dem Fass den Gipfel geknickt. Manchmal ist das einfach so und man kann nichts dagegen tun. Ist halt so ‘ne Gefühls-Kiste.

Irgendwie weiss man instinktiv, wann etwas kaputt ist. Andererseits bin nicht der Typ, der vor so einer Krise davonläuft. Ganz wie die Angie aus Teutonia. Sitzen wir die Sache mal aus und schauen, was sonst noch passiert.




Die Zehn Gebote 2.0

Leute, ich fühle mich momentan ja sowas von entspannt, relaxt und ausgeglichen. Ich gehe durchs Leben wie eine Hindu-Kuh auf Valium. Der Grund dafür ist ein Winterwander-Kurzurlaub, der sich dann, infolge katastrophalen Witterungsverhältnissen, in ein Wellness-Monsterprogramm verwandelt hat. Euer alter Zigeuner ist nun gepeelt, gewalkt, gewaschen, gesprudelt und bis in die letzte Hautfalte rebalanct. Hammer.

Hase und ich haben uns bisher ja auf Vals eingeschossen, jetzt waren wir das erste Mal in Leukerbad (witzigerweise just an dem Wochenende, an dem Pleitier Otto G. Loretan aus dem Knast entlassen wurde). Und was soll ich sagen: architektonisch überzeugt Vals nach wie vor um Welten, dafür ist das Publikum in Leukerbad wesentlich angenehmer. Die wenigen anwesenden Russen haben sich zivilisiert benommen, trendy Züri-Gigle fehlen dank nicht vorhandenem Highlife vollkommen und generell ist der Groove eher heimelig-familiär denn mondän-elitär. Me likes a lot.

Unsere Tipps:

Vor allem erwähnenswert ist die Tatsache, dass ich mich in einem Schweizer Kurort zum ersten Mal nicht als Fremdkörper mit Kreditkarte, sondern als gern gesehener Gast fühlte: durchs Band weg freundlichstes, nicht arschkriechendes Personal, das flexibel und kundenorientiert Wünsche zu erfüllen sucht.

Liebe Leukerbaderinnen, liebe Leukerbader: jederzeit wieder!

Fusskalender

Letzthin, da haben Hase und ich übrigens noch was herausgefunden: anhand meiner Füsse kann man nämlich sofort erkennen, welche Jahreszeit ist! Und das geht so:

  • Wenn sie himmelschreiend stinken, aber optisch blitzblank sauber sind: Winter
  • Wenn sie einigermassen sauber sind und nur wenig stinken: Frühling
  • Wenn sie dauernd vor Dreck strotzen und nur leicht müffeln: Sommer
  • Wenn sie total verdreckt sind und stinken wie Sau: Herbst

Ich kann gar nicht genug betonen, wie praktisch so ein Talent  ist.

Sie wollen alle nur deine Deppenenergie!

Letzthin, es war schon etwas spät, da lief auf dem Bildschirm neben mir der Film «Monsters Inc.». LeserInnen, die sich hin und wieder auch für Populärkultur interessieren und sich nicht ausschliesslich auf intellektuellen Profitcentern wie der Daumenschraube aufhalten, werden den Film kennen. Für alle anderen hier die Zusammenfassung:

Monster bauen Atomkraftwerk, aber mit Kindern statt Brennstäben. Saugen die Energie ab, die von erschreckten Kindern ausströmt. Revolution, Umsturz, Randall ist eine schleimige Ratte! Sully und Mike finden heraus, dass Kinder noch viel mehr Energie produzieren, wenn sie lachen. Sully und Mike werden die Helden der Monsterwelt – the Happy End.

Mal ganz abgesehen davon, dass der Film mit glühenden Nadeln in einem uralten Trauma von mir herumpult (ich bin immer noch beleidigt, weil ich als Kind niemals eine nächtliche Monster-Vorstellung in meinem Zimmer hatte, weder in der Schocker-, noch in der Lacher-Version, dabei wäre ich mit beiden total glücklich gewesen), hat er mich auch zum Nachdenken angeregt.

Und zwar, so dachte es mir, wenn es denn möglich wäre, dass man Lachen und Weinen zu Energie umwandeln kann, wäre es dann nicht auch möglich, Dummheit zu Energie umzuwandeln? Könnte man nicht einfach Leute unglaublich viel Dummbatz erzählen lassen, die Deppen-Energie, die dabei entsteht, abziehen und in Strom aus der Steckdose transformieren? Könnte man nicht Deppenkraftwerke (DKW) bauen?

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr kam ich zur Überzeugung, dass das eigentlich gehen müsste. Flauschemonster lügen schliesslich nicht. Und auf einmal fiel es mir wie die verdammten Schneeflocken, die jetzt dann endlich für eine Weile aus meinem Gesichtsfeld verschwinden, aus dem Hirn: es ist noch viel, viel schlimmer.

Meine Erklärung: es sind die Ausserirdischen. Eine furchterregende Verschwörung

Ich meine, schaut euch doch nur mal an, wie Tempel, Minarette und Kirchtürme sowie andere Horte der Dummheit gebaut sind. Immer hoch zum Himmel ragend, immer hat es oben irgendwas, das an eine Antenne erinnert. Immer wird zum Bau von solchen Gebäuden Metall verwendet, gerne sogar Gold – bekanntlich ein ausgezeichneter Energieleiter! Und gerne verweisen die Erbauer solcher Dinger darauf, dass der Ort ihres Bauwerks ein bekannter «Kraftort» (sic!) sei. Durchschaubarer geht ja wohl kaum mehr!

Klar, vor allem die göttliche Fraktion will uns beruhigen, will uns einreden, ja, der Energiefluss, der finde tatsächlich statt (sie leugnen es ja nicht mal!), allerdings in umgekehrter Richtung: von Gott zu den Gläubigen. Aber sicher doch. Wenn dem so wäre, müsste man Kirchen ja nicht aufwändig mit höchst irdischer Energie beheizen und beleuchten. Verarschen kann ich mich selber.

Nein, wer offenen Auges durch die Welt geht erkennt: hier sind finstere Mächte am Werk. Die Deppenenergie von Tausenden von ahnungslosen Gottesdienstbesuchern wird jeden Sonntag schonungslos abgesaugt, katalysiert und zu den Sternen hochgeschickt. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass intergalaktische Energietransferabkommen bestehen, mit einem klingonischen Leuenberger in der Kommission, der auf Klingonisch “ääääääääääh….!” sagt. (Momentan kommt aus den katholischen DKWs etwas weniger Stoff, das wird aber durch den komprimierten Dummbatz, der in der Zentrale in Rom produziert wird, locker wieder ausgeglichen.)

Man kann den Leuten nur empfehlen, sich vor jedem Kirchbesuch Alufolien-Hüte aufzusetzen. Oder einfach aus der Kirche auszutreten. Müssen ja nicht unbedingt jedesmal Kinder gequält werden, damit bei den Schäfchen Denkprozesse ausgelöst werden.

Finde ich jetzt persönlich.

Ja, eben…

Also, endlich zum Thema – die zehn Gebote. Warum, so fragt ihr euch jetzt sicher, warum braucht es diese? Sind die alten nicht schon völlig ausreichend? Sind wir nicht schon sowieso total überreguliert, zB bezüglich dem Pissen im Stehen, wie der Londoner Stapi meint?

Das mag schon so sein, erwidere ich solchen Fragern in der Regel. Aber man kann doch die zehn Gebote mehr oder weniger  zusammenfassen unter: die Verfasser haben sich wirklich Mühe gegeben und das Ergebnis sieht jetzt auf den ersten Blick so ganz OK aus, es ist aber einfach weder innovativ noch wirklich brauchbar. Da haben die judochristilimischen zehn Gebote also eine gewisse Ähnlichkeit mit dem iPad.

Und zur Überregulierung sage ich nur soviel: ich habe jahrelang unter einem Spanier gewohnt. Das taugt jetzt als Argument noch überhaupt nichts, auch nicht die Tatsache, dass ich ihn in fünf oder sechs Jahren genau einmal mit eigenen Augen gesehen habe. Aber dass er jeden Morgen, pünktlich um drei Uhr dreissig, geschätzte fünf Hektolikter Urin aus – ebenfalls geschätzten – zwanzig Metern Höhe in die Kloschüssel prasseln liess, das taugt insofern als Argument, als dass ich zu dieser Zeit, wegen diesem Spanier, mit fliegenden Fahnen für so ein Verbot, wie es der Londoner Stapi in der Schweiz zu geben meint, gekämpft hätte.

Obwohl ich ja sonst gegen Spanier als solche gar nichts habe.

Wir sehen an diesen beiden Punkten: was die Menschen wollen und dringlichst benötigen ist ein Regelwerk, das sie einfach durchs Leben geleitet. Das ihnen Anweisung und Leitplanke bietet, sie sicher durch die stürmischen Wogen des Alltags schifft und zielgenau in den Hafen der Glückseligkeit führt. Die Menschen brauchen etwas, an dem sie sich festhalten können – gerade in harten Zeiten wie diesen. Da wäre auch sicher der Spanier dankbar gewesen für. Oder der Popel in Rom.

So, genug der vielen Worte, hier sind sie also, exklusiv auf Daumenschraube.ch, für alle Spanier und Nicht-Spanier sowie Spanier im Herzen und Nachfolger der Spanischen Inquisition, die zehn Gebote des Dschango Beinhart!

Die Zehn Gebote des Dschango Beinhart

  1. Versuche doch bitte, wenn immer möglich, dir und deiner Umgebung gegenüber kein allzu grosses Arschloch zu sein.
  2. Siehe 1
  3. Siehe 1
  4. Siehe 1
  5. Siehe 1
  6. Siehe 1
  7. Siehe 1
  8. Siehe 1
  9. Siehe 1
  10. Siehe 1

Ualah. Und nun gehet hin und seid gute Menschen.

Amen.