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Liberal im Jahre 2009

Es gibt heute ja bekanntlich viele, viele bunte Blätter, die dem und der Gläubigen ihren Überschuss an Phantasie satt befriedigen: “reformiert” (formerly known as “saemann”), das katholische Pfarrblatt und noch viele weitere, selten wirklich auflagenstarke und/oder relevante Blättchen tummeln sich im Pfuhl der medialen Verkündigung. Das ist auch gut so: erstens hat selbst der Dümmste im Lande ein Recht darauf, in seiner Ignoranz bestätigt zu werden, zweitens müssen all die Absolventen der Ringier-Journalistenschule zu Zeiten des medialen Kollapses ja irgendwohin.

Was ich aber partout nicht verstehen will: warum entwickelt sich der Bund, frisch “gerettet” (die paar Entlassungen sind ja sowas von nicht relevant) zum neuen Berner Pfarrblatt?

Wer auch nur mit minimal offenen Augen durch diese Zeitung blättert, staunt, denn mehr und mehr dominieren religiöse Themen. Selbstverständlich wird möglichst “tolerant” berichtet (lies: verniedlichend), möglichst “neutral” (lies: anbiedernd) und möglichst “objektiv” (lies: kompatibel mit den eigenen Glaubensvorstellungen).

Beispiel gefällig? Nun denn. Nehmen wir doch mal die Ausgabe vom 1. Juli diesen Jahres. Unter dem Titel “Betende Banker” werden solchige portraitiert – auf etwa 2/3 Seite. Völlig widerspruchsfrei dürfen da Erzfundamentalisten ihre frohe Botschaft verkünden, inklusive intelligenten Behauptungen wie “Gebet verbessert Betriebsklima” (das tut regelmässiges Lüften auch) oder “die UBS gehört Gott Vater” (dann soll er den Mist gefälligst auch selbst finanzieren).

Dann, auf Seite 19, darf auch noch EVP-Mann Ruedi Löffel salbadern. Zugegeben: hier sehe ich eine gewisse Relevanz, da Löffel als Vater des Antirauch-Gesetzes gilt, das hier seit 1. Juli in Kraft ist. Natürlich bekommt auch Löffel eine 2/3 Seite, inklusive Foto mit Agentur C-Bild im Hintergrund (“Seid still und erkennet, dass ich euer Gott bin” – wenn die Argumente ausgehen, hilft halt nur noch “STFU!”). Natürlich fühlt sich hier ein Bund-Schurni bemüssigt, einen Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und Löffels religiösem Background zu konstruieren. Was dieser im Übrigen recht gekonnt umschifft.

Weiter, diesmal mit einer 4/5 Seite, wird noch ein Seelsorger-Ehepaar portraitiert – ironischerweise unter der Rubrik “Arbeit”.

So geht das im Bund schon eine ganze Weile. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einmal an prominenter Stelle irgendwelche Spinner von Gottes Gnaden zu Wort kommen. Dass sich der Bund übrigens während vielen Jahren dem Wunsch konfessionsfreier LeserInnen entzogen hat, bei den Todesanzeigen nicht nur immer Bibelsprüche, sondern vielleicht zumindest ab und zu mal einen neutraler Text abzudrucken, passt hier ja bestens hin. Soweit ich weiss war der 13. Juni insofern eine Premiere, als dass man hier tatsächlich zum ersten Mal eine Bund-Todesanzeigenseite anschauen konnte, ohne der Bibelpropaganda ausgesetzt zu sein. Und auch die Tatsache, dass in der Regel erst 20Minuten, dann eventuell die BZ, und erst dann – eventuell – der Bund über Aktionen der Freidenker, der Brights oder anderer säkularer Bewegungen berichtet, passt in dieses Konzept.

Die Frage ist nun: ist diese neue Richtung eine Art vorausschreitender Gehorsam, um die Zwinglianer aus Zürich gnädig zu stimmen? Oder ist sie vielmehr Ausdruck einer neuen Stossrichtung als Nischenprodukt?

Wahrscheinlich ist “gläubig” halt einfach das neue “liberal”. Von dem her hat die FDP durchaus das Recht und die Verpflichtung, in der neuen Landesregierung vertreten zu sein.

Nein, ich meine jetzt nicht den Bundesrat, sondern den Vatikan.

Santo subito!




Der King hat ausgepoppt

Schon saublöd.

Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben, da stirbt der Jackson Michel (das ist der, der den Begriff ‘Gesichtsverlust’ auf ein völlig neues Level gehoben hat) weg und ich hab eine Überschrift, die einfach zu gut ist, als dass man sie ignorieren kann.

Henusode.

Nicht, dass es mich jetzt gross (oder auch nur am Rande) in meiner Lebensqualität beeinträchtigen würde, wenn der weisseste Schwarze aller Zeiten nicht mehr unter uns weilt – er hat mich auch nicht gross beschäftigt, als er noch lebte, schliesslich habe ich keine Kinder. Irgendwie hab ich den Zugang zu der Figur verloren, ungefähr zu demselben Zeitpunkt, als MTV Scheisse wurde. An ‘Beat it’ kann ich mich noch erinnern, und an die ‘Dirty Diana’, und natürlich an ‘Thriller’. Aber sonst? ‘Black or White’? Ja, entscheide dich mal… ‘Heal the world’? Pffffft… heil dich doch selber…

Weil ich ein alter Masochist bin, habe ich mir aber einen Blick ins Michael Jackson Forum nicht verklemmen können, und siehe da, Perlen warten darauf, ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden!

Schon ziemlich geil beginnt es ja im Foren-Header, wo die Betreiber versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben:

Für alle die alleine sind oder mit einem unbeteiligten sprechen möchten, empfehlen wir die TelefonSeelsorge. 24 Stunden täglich – anonym, vertraulich, gebührenfrei.

So meint beispielsweise sana24:

mich trift es schwer den ein mänsch den wir lieben ist von uns gegangen

Nimm es easy, liebe sana24, weil, ob MJ überhaupt noch unter die Kategorie ‘mänsch’ gefallen ist, das würde ich als zweifelhaft ansehen. War ja eher ein Cyborg, mit all dem Plastikzeug drin. Und der positive Aspekt: jetzt hast du endlich wieder den Kopf frei, um im Deutschunterricht mitzumachen und musst nicht mehr die ganzen Hefte mit “I love U Michael!”-Einträgen füllen. Hat eben alles zwei Seiten im Leben.

Andere Leute sind schockiert, wie die Welt mit ihrem Idol posthum umgeht, so zB MJJmyLOVE:

Die Leute sind schrecklich, sogar jetzt noch sagen die: “man muss sagen, dass seine Beziehung zu kleinen Jungs krank war” wie unfassbar!!!

Ja, es ist total schlimm. Weil, spätestens dann, wenn sie tot sind, sollte man Pädophile nicht mehr schmähen, sondern ihnen ein Denkmal setzen – oder ein Kirchenfenster, siehe nebenstehendes Bild.

Als etwas unsensibel empfinde ich die Signatur von CptChaos:

MICHAEL!!! GO 4 LONDON!!!

Vielleicht ist der gute Cpt aber auch nur überoptimistisch.

(Unter uns: ich glaube ja immer noch, dass das ganze Gesterbe nur a) ein Marketing-Trick ist oder b) ein easy Weg, um die bereits ausverkauften Konzerte im Januar möglichst kostenneutral abzusagen.)

Dafür macht cyplone auf Fatalismus:

HEUTE NACHT IS DIE MUSIK GESTORBEN!!!!!!

Hauptsache, die Grossbuchstaben überleben.

Etwas unorthodox dann die Frage von sunshine1974:

Weiß jemand wo ich vielleicht mit gleichgesinnten Michael Jackson Fans Trauern kann? Ein Gottesdienst oder so etwas ähnliches.

Ich verwette meine linke Arschbacke darauf, dass irgend ein schlauer Pfaffe in den nächsten Tagen genau dies anbieten wird. Denen ist ja mittlerweile nichts mehr zu blöd, um ihre Hütten vollzukriegen. An sunshine1974s Stelle würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und eine Initiative starten, damit die ganze Welt kollektive Global-Trauer verhängt. Und einen globalen (ja was red ich da, einen UNIVERSALEN!) MJ-Gedenktag brauchen wir auch. Dringend!

Sowieso: theologisch sind MJ-Fans offenbar recht gebildet. So auch Littlesister:

Möge Gott ihn beschützen und ihn oben im Himmel einen Popstern schenken.

Einen Popp-Stern? So wie den hier?

Und auch Blacky09 ist Hobby-Theologin:

Doch, ich glaube, es gibt einen Gott. Er hat Michael zu sich geholt, um ihn nicht noch mehr zu quälen. Er meinte es sicher gut und will, dass Michael nun ein besseres und schöneres und ruhigeres Leben hat.

Komm Blacky, sprich Klartext: MJ ist Gottes eingeborener Sohn, der zu uns geschickt wurde, die Sünden der Welt von uns zu nehmen. Er ist nun wieder vereint mit seinem Vater im Himmel und betreut im Moment gerade die Vorhölle, wo er sich den ungetauften Kindern annimmt. Halleluja! Amen!

(BTW: ziemlich geil ist die Tatsache, dass wegen MJs Tod jetzt in diesem Forum eine Diskussion über die Existenz Gottes entbrannt ist, im Sinn von “wie kann ein Gott existieren, der MJ von uns nimmt?!?”…)

Darüber, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, ist man heutzutage ja informiert. Trotzdem ist es immer wieder wichtig, dass man da drauf hinweist, so wie MJJusic:

Als ich heute morgen ganz gemütlich duschen gehen wollte, das Radio angeschalten hab und diese Nachricht gehört habe, brach ich förmlich zusammen.

Merke: nie gleichzeitig gemütlich duschen und Radio hören! Das kann nämlich zu Zusammenbrüchen führen. Man spricht in dem Zusammenhang bereits von Killer-Radios und Koma-Duschen.

Etwas orientierungslos kommt Zagros in seinem selbst verfassten Gedicht rüber:

Ein kurzes Gedicht von mir an Michael:

Wenn ich Gott anflehen würde, könnest du dann kommen?
Wenn ich ein Teil meines Lebens dir gebe, würdest du dann zurück kommen?
Der Tod steht Michal Jackson nicht, ich habe nicht genug von dir. Wo willst du hin Michael wohin?

Ich rate mal: Six feet under. Zur Wurm-Party. Radieschen von unten ansehen. Perma-AFK. Und das Gedicht ist so toll, dass Blacky09 meint:

Ein sehr schönes Gedicht! Wie schön wäre es, wenn es wahr werden könnte. Ich würde sofort einen Teil von mir geben, wenn er nur wieder da wäre!

Mit dem Teil von dir meinst du wohl dein Gehirn, aber das wird nicht klappen, weil Gott Gehirne nicht so toll findet. Das sind Zombies, die da drauf abfahren, als MJ-Fan solltest du das eigentlich wissen.

So, dann mal ab in die Grusel-Ecke. Lischen83 mag ja eine ganz flotte sein. Total nett und so, ey. Aber stellt euch jetzt plastisch vor, wer hinter so einer Aussage stehen könnte:

Er hat mich sowohl künstlerisch geprägt als auch meinen Beruf als Sozialarbeiterin…

Also wie jetzt? ‘Künstlerisch’ im Sinn von ‘künstlichem Gesicht’? Und Sozialarbeit im Sinn von… hoffentlich nicht mit kleinen Jungs, oder?

Wirklich gruslig ist aber das hier, aus dem Foren-Header:

Seine Kunst ist unsterblich.

Uuuuuuuhhh… jetzt hab ich aber wirklich Angst…




Lustige Logik

Jaja, auch den Dschango hat der Brief des BernMobil-Direktors René Schmid erreicht. Logisch, der Dschango ist ja seit gefühlten 100 Jahren BäreAbi-Besitzer (bzw ‘Libero’, wie die Jungen heute sagen) und somit in Herrn Schmids Adresskartei. Aber auch wenn der Dschango nur per Rauchzeichen erreichbar wäre: Herr Schmid wollte auf Nummer Sicher gehen und hat den Brief, nicht, dass dann der Dschango rumsürmelt, er habe von nichts gewusst, auch noch in der einen oder anderen Gratiszeitung abdrucken lassen (was wohl kaum gratis war, auch wenn der Ausdruck ‘Gratiszeitung’ solches suggerieren könnte). Ganzseitig, versteht sich, weil der Herr Schmid hat ja auch einiges zu sagen in seinem Brief.

Was denn? Irrelevant, eigentlich. Er jammert irgendwas davon, dass er am Morgen im 3-Tram den Abfall zusammenräumt und sich dabei offenbar auffällig verhält – fragt mich nicht. Kann ja nicht mein Problem sein, wenn sein Pflichtenheft auch noch den Punkt “allgemeine Sauberkeit in den Fahrzeugen gewährleisten” enthält. Hätte er mal besser beim Einstellungsgespräch auf den Tisch gehauen. Oder wäre Direktor der UBS geworden, die haben nämlich überhaupt keine Trams.

Aber ein Satz ist mir dann doch noch aufgefallen, im Brief von Herrn Schmid:

Legen Sie zum Beispiel Ihre Gratiszeitung in Ihren Zeitungssammler daheim beziehungsweise im
Büro.

Nebst der Tatsache, dass dieser Satz grammatikalsch und stilistisch unter aller Granate ist, hat bei mir beim Lesen desselben doch prompt mein guter, alter Bullshit-Detektor mal wieder angegeben (ich darf solche Sätze machen! Die Welt erwartet das von mir!). Herr Schmid skizziert mit seinem Brief eine Welt, die ungefähr folgendermassen aussieht:

  1. 1) Die Welt dreht sich einzig und allein um Dschango.
  2. 2) Wegen 1) kauft BernMobil jeden Tag einen Haufen Zeitungen, damit der Dschango gut unterhalten in den Tag startet.
  3. 3) Wegen 2) gibt es ein Abfallproblem im Tram.
  4. 4) BernMobil ist eine Non Profit-Organisation, die sich hauptsächlich der Rettung des Weltklimas widmet.
  5. 5) Auch die Angehörigen fremder Kulturen, die als ‘Team Sauber’ durch die Trams streifen, sind unbezahlte Fronarbeiter, die ihren Job eigentlich nur machen, weil sie BernMobil so total groovy finden.
  6. 6) Wegen 3), 4) und 5) fände es BernMobil total easy, wenn der Dschango die Gratiszeitungen im Büro oder zuhause entsorgen würde.

Soweit, so gut. Dummerweise sieht die Realität aber so aus:

  1. BernMobil kassiert von den Gratiszeitungen einen ganz ordentlichen Batzen Geld, damit deren Mist in den Trams aufliegt.
  2. Dank der Tatsache, dass Dschango (und noch zwei oder drei andere) den Mist überhaupt in die Hand nimmt, zahlen die Gratiszeitungen überhaupt was an BernMobil.
  3. Gratiszeitungen sind am einfachsten und angenehmsten zu entsorgen, wie mir ein Mitarbeiter des Team Saubers persönlich gesagt hat.
  4. Dschango war schon verdammt froh, wenn er spätabends noch einen zerknüllten BlAbend gefunden hat, der ihn bis zur Zielhaltestelle in genügendem Masse sediert hat.

Man kann also auch sagen:

  1. Nicht Dschango verursacht die Papierflut, sondern die Gratiszeitungen.
  2. Nicht Dschango profitiert in erster Linie, sondern BernMobil.

Verursacherprinzip? Oh ja! Ich bin weder Drucker, noch Reporter, noch Verleger, noch Austräger, noch nicht mal Tramchauffeur und schon gar nicht BernMobil-Direktor. Weitere Fragen, wer folglich für die Entsorgung der Papierflut zuständig ist? Kein Fragen? Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Ausserdem: Kann ja sein, dass zwei Drittel von Schmids Brief-EmpfängerInnen eine “neue, ungelesene Zeitung” bevorzugen. Aber hallo, gerade aus dem Gedanken des Minderheitenschutzes heraus werde ich jetzt grad extra meine Zeitung immer liegenlassen. Ich meine, möglicherweise kommt da plötzlich der dritte Dritel vorbei, findet keine gelesene, alte Zeitung und fährt, total enttäuscht von sich und der Welt, wieder mit dem Auto zur Arbeit. Und dann ist Scheisse mit der Klimarettung, soll dann ja kein Schmid jammern kommen.

Und noch etwas ist interessant:

Übernehmen Sie ein kleines bisschen Verantwortung für «Ihr» Verkehrsmittel. Ich gebe zu: Am Anfang hat mich diese Umstellung auch ein wenig Überwindung gekostet. Aber ich versichere Ihnen: Ich wurde deswegen noch nie ausgelacht oder beschimpft. Und ich fühle mich dabei wohler als vorher.

Ja, man könnte “ihr Verkehrsmittel” mit “Jesus” austauschen und der Satz bliebe erhalten, das ist aber gar nicht der Punkt (und man wird ausgelacht, wenn man für Jesus Verantwortung übernimmt, zumindest von mir). Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sich Herr Schmid, als BernMobil-Direktor wohlverstanden, dazu überwinden musste, für sein Verkehrsmittel ein “kleines bisschen Verantwortung” zu übernehmen.

Schon bedenklich, die Einstellung dieser Manager heutzutage.




Das parfümierte Rektum

Durch eine unglückliche Verkettung von für sich genommen eigentlich ganz harmlosen Zufällen gelangte neulich eine Rolle parfümiertes Luxus-Klopapier an den häsischen Toilettenpapierhalter. Erst wusste ich gar nicht, woher dieser penetrante Gestank nach chemischen Blümchen herkam, als ich dann aber den quietschbunten, zwölflagigen Ausbund an Anal-Dekadenz sah, schwante mir einiges.

Vielleicht sollte ich hier erläutern, wie die Hasen (und somit auch der Dschango) mit diesem Thema sonst umgehen. Also, im Grunde genommen scannen wir das Angebot unseres lokalen Detaillisten nach dem Term ‘Recycling’ und packen davon jeweils die grösste Einheit mit dem niedrigsten Preis in unseren Einkaufswagen. Eine Seite so rauh wie eine Metallfeile, die andere noch viel schlimmer, weitestgehend geruchs- und farbneutral, generell eher unscheinbar, genau so mögen wir unser WC-Papier seit Anbeginn aller Zeiten.

Und nun war da plötzlich dieser gelbe Wahnsinn auf Rolle, der mit seinem Frühlingsgestank penetrante Fröhlichkeit an einem Ort zu verbreiten suchte, an dem ich sonst nur Erleichterung und Kontemplation zu finden erhoffe. Das brachte mich dann aber immerhin auf eine Idee für einen Blog-Artikel.

Und zwar, so fragte ich mich, nähme es mich wahnsinnig wunder, worin denn der Sinn eines parfümierten Klopapiers besteht. Ich meine, es kann ja nicht daran liegen, dass man den Ratten im Abwasserkanal ein hübsches Geschenk machen und auch nicht daran, dass man den Gestank der eigenen Fäkalität kompensieren möchte – in beiden Fällen müsste man dann ja jeden Gagu einzeln mit Klopapier umwickeln.

(Im Übrigen stellt sich mir die Frage nach dem Sinn noch bei so einigen parfümierten Produkten: Kerzen, Raumspray, Slipeinlagen – ein weites Feld. Aber einewä, eins nach dem anderen, ich kann mich ja nicht um alles kümmern, heieiei!)

Wie man es dreht und wendet, es macht keinen Sinn, ausser demjenigen, dass man seinem After eine gewisse Parfümierung angedeihen möchte. Falls dem so ist (und ich habe daran absolut keinen Zweifel), hätte ich auch mehrere Ideen, wie man den eigentlichen Zweck dieses Produkts endlich einmal klar und deutlich herausstellen könnte. Die Idee, die noch am jugendfreiesten und am wenigsten brechreizerregend ist, möchte ich hier kurz vorstellen. Also, hier ein TV-Spot, der wie folgt läuft:

Kamera blendet ein, man sieht das Gesicht einer schlummernden, wunderhübschen Frau. Die Kamera zoomt langsam weg, man sieht, dass die Frau in einem Bett liegt. Beim Zoomen streift die Kamera auch noch die vielen Diplome und Urkunden an der Wand: man will uns suggerieren, dass diese Frau nicht nur schön, sondern auch noch wahnsinnig klug ist. Die Morgensonne scheint durchs Fenster, Vöglein zwitschern, alles ist gut.

Dann hört man auf einmal eine WC-Spülung, danach tapsende Fusstritte, wenig später legt sich ein Mann, der ein bisschen aussieht wie Stefan Weiler in unschwul und ohne Agglo-Aura, zu der Frau, kuschelt sich an sie und es kommt, wie es kommen muss: konsensualer, gegenseitiger Oralverkehr (vulgo: 69ern).

In dem Moment, wo die wunderhübsche Frau dem unschwulen Mann das Rektum auslutscht, hält sie plötzlich inne und sagt: „Oh, dein After riecht heute aber frisch!“ Er: „Kein Wunder, ich habe ihn auch mit Flauschi Frühlingsfrisch gewischt!“ Beide mit Blick in die Kamera: „Flauschi Frühlingsfrisch – für natürlich frischen After!“ Beide lachen glücklich und saugen danach weiter, als ob es kein Morgen gäbe. Erkennungsmelodie, ausblenden.

Zugegebenermassen: im Vorabendprogramm von SF1 würde ich den Spot nicht zeigen. Zwitschernde Vöglein sind einfach zu abgedroschen.




Türkisch-griechische Freundschaft – mit Alles!

Alle kennen die Frage, die einem beim Kebab- bzw Falafelverkäufer unweigerlich gestellt wird, kurz bevor selbiger den heiss ersehnten Imbiss mit Brot umhüllt:

„Mit Scharf, mit Alles?“

Vom grammatikalischen und stilistischen Standpunkt her total falsch, ja. Trotzdem sympathisch, wenn nicht sogar heimelig. Von dieser sympathischen Heimeligkeiit möchte wohl auch die Migros profitieren, wenn sie ihre (im Übrigen total leckeren) Hot Sandwiches anschreibt.

Vielleicht liegt hier die lang ersehnte Versöhnung zwischen Griechen und Türken, quasi zum Reinbeissen parat. Die Zyprioten freuen sich bereits, so munkelt man.




Ausgehobelt

Zum Abschied sag’ ich leise Scheisse: Pontiac wird heruntergefahren.

Einverstanden, seit geraumer Zeit kam nicht mehr viel Schlaues von den Brüdern. Nur der Blick zurück offenbart den Verlust. Stichworte gefällig? GTO, Firebird, Chieftain, LeMans, und so weiter und so fort.

Ich werde langsam alt und sentimental…




Berlin-Fieber (oder: kreativer Bio-Antifaschismus)

Es ist ja bereits zu einer schönen Tradition geworden: wenn Dschango in Urlaub fährt, wird er erstmal krank. Keine Ahnung, ob das an meinem ungesunden Lebenswandel liegt (unwahrscheinlich) oder daran, dass mein Körper bei Urlaubsbeginn sofort auf ‘totale Enspannung’ schaltet und in der Folge sämtlichen Viren, Würmern, Bazillen und sonstigen mikroskopischen Schweinereinen Tür und Tor öffnet. Vielleicht war das bei meinen Vorfahren schon so, als sie jeweils die Wohnwagen sattelten und an einen neuen Ort zogen, die lokalen Bauern mit Heugabeln und Teerfackeln dicht im Nacken. Egal, irgendwie geht es offenbar nicht anders, als dass ich eine Reise mit Magenkrämpfen, Dünnpfiff, Fieber, Bronchitis, Angina oder weiss der Teufel was beginne. Nach ein oder zwei Tagen ist dann meist wieder alles paletti und der tatsächliche Urlaub kann beginnen. Das Gute daran: ich habe mittlerweile einen ganz guten Überblick über die verschiedenen Gesundheitssysteme dieser Welt.

Jaja, schon klar...

Jaja, schon klar...

Nun ja, auch dieses Mal schlug die Tradition zu. Beim Besteigen des Zuges nach Berlin war mir schon tendenziell elend zumute, meine Laune war noch schlechter als sonst bei Erwartung einer achtstündigen Zugfahrt und langsam aber sicher kam in mir auch ein Temperatürchen hoch. Beim nachmittäglichen Powershopping am Prenzlberg hing ich dann schon ziemlich in den Seilen und die Nacht verbrachte ich als des Hasen persönliche Zentralheizung, die unser Schlafzimmer auf kuschlige 39° erwärmte.

Berlin ist eine Reise wert, auch im Fieberwahn, und ich halluzinierte nächtens irgendwas von frisch geschlüpften Vögeln, die nur aus Beinen und Gehirnen bestanden und sich folglich schlecht füttern liessen. Durchaus spannend, aber man muss es wohl selbst erlebt haben. Dieses Intermezzo dauerte genau eine Nacht lang und am nächsten Tag war ich wieder fit und die alte Rampensau.

Richtig? Falsch!

Angefangen hat es damit, dass ich keine Einkaufstüten mehr tragen konnte – in Berlin eine mittlere Katastrophe. Meine Hände fühlten sich an, als ob sie offen wären, schmerzten wie Sau und waren so hitzeempfindlich, dass ich den Kaffee via Röhrli soff. Ich konnte nicht mal mehr den Verschluss einer PET-Flasche aufschrauben, ohne in Heulen und Wehklagen auszubrechen.

Dann, am nächsten Tag: noch mehr Schmerzen (ich konnte mich nicht mal mehr an der Haltestange in der U-Bahn festhalten), die Hände so geschwollen, dass sie aussehen wie die Dinger, die man in amerikanischen Stadien in die Luft hält („USA #1!“). Ausserdem waren da plötzlich Zillionen von kleinen Flecken, Pocken nicht unähnlich, die langsam aber gewissenhaft zu jucken begannen. Und damit nicht genug: der ganze Zirkus erschien plötzlich auch auf meinen Fusssohlen und an allen Zehen.

Mein erster Gedanke war natürlich: „Stigmata! Scheisse Dschango, jetzt wirst zu einem Heiligen und musst den Rest deines Lebens damit verbringen, Kranke zu heilen und übers Wasser zu gehen. Und das als Nichtschwimmer!“ Hase hat mich dann aber überzeugt, statt einem Exorzisten einen Hautarzt aufzusuchen, was ich schliesslich auch tat.

Die Hautärztin hiess dann leider nicht ‘Dr. Krätzig’, das war der Verhaltenstherapeut einen Stock höher. Fand ich schade, irgendwie. Meine Frau Doktor liess mich aber (nach bloss etwa sechs Stunden Wartezeit und einem zweisekündigen Blick auf meine Hände) wissen, dass meine Symptome typisch für eine Virusinfektion seien.

„Bitte? Ein Virus?? Sicher keine Allergie?“ – „Neinein“, meinte Frau Doktor, „eindeutig ein Virus. Ihr Körper muss da von selbst mit fertig werden (was er dann auch wurde), das kann bis zu vier Wochen dauern (dauerte es dann nicht), ich verschreibe Ihnen eine Salbe, die die Pusteln lindern sollte (tat sie dann auch).“

Nunja, die Salbe war etwa doppelt so teuer wie die Behandlung, was mich irritierte, offenbar aber mit dem faszinierenden teutonischen Gesundheitssystem zusammenhängt, das Kranke und ihre Ärzte bestraft, solange keine Pharmazeutika konsumiert werden. Wie ich nun so die Apotheke verlasse, reift in meinem von Viren noch arg gebeutelten Gehirn ein Plan, der an Bösartigkeit und Brillianz kaum zu überbieten ist. Sobald nämlich die Nacht über Berlin hereinbrach, setzte ich mich in die U-Bahn und stieg bei der Station Lichtenberg aus. Dann stellte ich mich vor jeden Briefkasten, den ich finden konnte, hob die Klappe hoch und hustete einmal kräftig rein.

Als erstes ein grosses „mea culpa, mea maxima culpa!“ an alle unschuldigen EinwohnerInnen von Lichtenberg. Wie gesagt, mein Gehirn war noch vom Virus geschwächt und mein Moralzentrum offenbar ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen. Es tut mir wahnsinnig leid, liebe unschuldige EinwohnerInnen von Lichtenberg, seid immerhin beruhigt: der Virus ist ein im Grunde genommen ganz harmloser.

Aber die Vorstellung, dass alle Berliner Neonazis das ganze folgende Wochenende blöd herumstanden, weil sie keine Baseballschläger mehr in den Händen halten konnten, ist einfach zu geil.

(Sonst war Berlin aber wieder erste Sahne. Zwei Shoppingtipps: Fette Beute verschönert deinen Spiegel und den Naschpiraten würde ich vom Fleck weg heiraten. Und nochmals vielen, vielen Dank an die lieben Leute vom Kinzig9 für die Gastfreundschaft, war wunderbar bei euch!)




Grenzen der Unbegrenztheit

Beinharts sind ja treue Sunrise-Kunden und als solche eigentlich auch relativ zufrieden. Gut, wir sind die Sorte Kunden, denen alles egal ist, solange sie einigermassen das bekommen, wofür sie bezahlen.

Nunja, Dschango hat sich vor einiger Zeit so ein Sunrise T@KE AWAY (ausgesprochen wohl “Tätki ewei”, muss irgendwas finnisches sein) Teil zugetan, mit der Idee, er wäre dann jederzeit mit einem flotten Internet unterwegs. Das hat eigentlich auch supi funktioniert und Dschango war glücklich. Dann, vor etwa drei Wochen, stelle er fest, dass seine Interwebs nur noch mit maximal 16 KB/s daherkommen. Ja, das ist ungefähr der Datendurchsatz, den wir früher mit unseren analogen Modems erreicht haben. Und nein, mit Technologie aus dem 20. Jahrhundert machen Internet-Anwendungen des 21. Jahrhunderts absolut keinen Spass.

Erster Gedanke: Rechnung nicht bezahlt. Kann ja vorkommen. Flugs Arschlahm geinternetbankt und gesehen, dass ich mal wieder ein vorbildlicher Kunde war. Dann mit dem Notebook in der Hand quer durch Bern gelatscht und festgestellt, dass es definitiv nicht am Standort liegt – überall dieselbe vorsintflutliche Bandbreite. Es führte also kein Weg dran vorbei: ich musste mich beim Sunrise-Kundendienst melden.

Das normale Vorgehen in einem solchen Fall besteht darin, Proviant, Trinkwasser und mediale Unterhaltung für die nächsten zwei Wochen einzulagern, damit man das Hotline-Queuing einigermassen gesund übersteht. Man sucht sich dann eine Sitzgelegenheit, in der man möglichst während mehreren Stunden bequem sitzen kann und stellt sich mental auf die Orgie an drittklassigen Hits aus den 90ern ein, die man bald geniessen darf.

Das Positive zuerst: noch nie war ein Anruf an ein Call-Center so derart schmerzfrei. Natürlich bin ich beim “Wenn Sie Fragen zu…, drücken Sie Taste EINS…”-Gelaber gescheitert – die Situation, dass mein Problem bereits in der Roboter-Schleife korrekt einsortiert wird, wird wohl zu meinen Lebzeiten nie mehr eintreten – und bin folglich beim komplett falschen Herrn gelandet. Als er mir das mitteilte, ging ich als erfahrener Hotliner übergangslos in Kampfstellung: “Könnten Sie mich dann bitte mit der korrekte Stelle verbinden?”. Wie baff war ich, als mir der Herr, immer noch freundlich, aber mit einer leichten Reiznote in der Stimme, zurückgab: “Genau das habe ich Ihnen gerade vorschlagen wollen.”

OK, da war ich jetzt wirklich mal sprachlos. Seit wann denken die Leute in den Callcentern mit? Seit wann kommen die auf die Idee, proaktiv zu überlegen, was der Kunde als nächstes wohl möchte? Seit wann kommen die überhaupt auf Ideen?

Komplett aus dem Häuschen war ich dann, als ich nach nur einmal (!) Umleiten bei der richtigen (!!) Dame landete und diese schon umfassend (!!!) über mein Problem informiert war, inklusive aller relevanten Kundendaten, inklusive der Bandbreitenlimite von 16KB/s, inklusive allem. Dschango zerdrückte eine Freudenträne, wähnte sich im Dienstleistungsparadies und hätte die Dame vor Euphorie fast spontan geheiratet.

Leider bekam Dschango einen doppelten Korb. Auf mein Heiratsangebot ging die Dame überhaupt nicht ein und auf mein Problem in einer Art, die für mich nicht wirklich erfreulich war. Das heisst – und ich kann es nicht genug betonen – die Dame hat es geschafft, mir zu erklären, dass mein Problem halt einfach so sei und dass es auch noch lange so bliebe und dass man da nichts machen könne, dies aber in einer Art, die mich als Kunden einigermassen zufrieden zurückliess. Dafür, liebe Sunrise-Dame mit der netten Stimme, deren Name ich leider nicht mehr weiss, dafür möchte ich mich bei Ihnen nochmals herzlich bedanken. Wenn ich zumindest das Gefühl habe, ernst genommen zu werden, ist es auch nicht mehr so schlimm, wenn Ihre Firma Infrastrukturprobleme hat, die ich als Kunde ausbaden darf.

Mein Problem bestand nämlich darin, dass ich offenbar zuviel Traffic auf meinem Abo hatte. Die nette Frau Sunrise machte mich darauf aufmerksam, dass dies im Vertrag drinstehe, und tatsächlich, da steht zwar:

Inklusive-Datenvolumen unbegrenzt(1)

Aber eben auch:

(1) Fair Usage: Bei Überschreitung einer Datenmenge von 10 GB pro Monat wird die Bandbreite reduziert.

“Hahaaa!”, dachte sich da der Dschango, “das ist wohl, weil ich nur so ein Memmen-Abo (basic) habe. Wenn ich auf das tolle ‘max’ umsteige, dann ist die Limite sicher weg!”

Denkste. Es ist auch nicht möglich, die Bandbreite durch Zahlung eines (meinetwegen saftigen) Aufschlags wieder freizugeben. Die Idee von Frau Sunrise, einfach noch ein zweites Produkt zu kaufen, fand ich dann nicht so super, also bleibt mir nur noch, bis am 4. April (dann beginnt mein Abrechnungszyklus) mit einem Anschluss auszuharren, bei dem sich Internet so anfühlt, als ob jedes Bit einzeln und auf Ochsenkarren zu meinem Computer verschoben würde.

Liebe Sunrise, mit dem Kundendienst hast du diesmal ja punkten können bei mir. Das finnische Internet fliegt aber bei nächster Gelegenheit raus – schick das zu der netten Dame vom Callcenter, die wird dem Siech schon beibringen, wie man Kunden glücklich macht.




Verantwortung ist anstrengend

Das Rezept zur Aktualität: Man nehme eine gute Portion tabuisierte psychische Probleme, füge mangelnde Kontrolle bei altersgemässen Beschäftigungen hinzu, mische das ganze mit schlechten Vorbildern, fahrlässiger Lagerung von Feuerwaffen und Munition und schon haben wir unser Amok-Soufflé.

Ich habe schon mal vor rund zwei Jahren an anderer Stelle, die leider nicht mehr verfügbar ist, ein kleines Essay/Pamphlet zu dem Thema geschrieben, daher riskiere ich hier, mich zu wiederholen. Es gibt nebst der Tatsache, dass die Ereignisse in Wenningen eh grauenhaft sind, ein paar schauerliche Details, die bei derartigen Geschichten immer wieder durchscheinen. Im obersten Absatz habe ich natürlich extrem vereinfacht, und doch sind dies mehr oder weniger die Zutaten, die es für einen Untergang mit wehenden Fahnen braucht.

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, dass Menschen zu den immer gleichen Verklärungen neigen, wenn vermeintlich Unbegreifliches geschieht, man betet, hofft auf Gott, sieht “das Böse” aufblitzen und so weiter und so fort. Mag sein, dass mir ein wenig der Geruch des Klugscheissers auf dem Sofa anhaftet, wenn ich da jetzt aus der Distanz die grosse Analyse mache. Dennoch:

Da ist nichts Magisches daran, wenn jemand so handelt. Vorbilder gibt es mittlerweile genug, der Mensch zeichnet sich ja durch adaptives Lernverhalten aus. Da reicht es, wenn Eltern nicht genau genug hinschauen, Waffen verfügbar sind und die betroffene Person sich im Stich gelassen fühlt. Unser Chemie-Cocktail im Gehirn besorgt den Rest.

Es gibt immer einen Spielraum zum lernen, und im Fall von Tim K. kommt man nicht darum herum, die Rolle der Eltern sehr kritisch zu hinterfragen. Ich bin dafür, diese Chance zu nutzen und die Eltern daran zu erinnern, dass es eine ganz konkrete Verantwortung gibt. Wir sollten diese von Eltern konsequent einfordern, auch wenn Kinder gross ziehen ein hartes Brot sein kann.




Da haben sich ja zwei gefunden…

Wenn es einen Himmel gibt, dann gibt es auch Beziehnungen, die dort geschlossen worden sein müssen. Ich spreche jetzt nicht von der Hasenliebe, auch wenn diese definitiv in die Kategorie ‘heavenly’ passen würde, nein, es geht mir hier vielmehr um die Medien und ihre enge Beziehungen zu intellektuellen Flachzangen mit grossem Mitteilungsbedürfnis.

Beispiele gefällig? OK.

Die üblichen Verdächtigen sind gut genug

Als erstes möchte ich euch Herrn Roland Näf vorstellen. Ich weiss gar nicht, ob wir über diesen Herrn schon geschrieben haben hier, verdient hat er es sowieso. Herr Näf ist Vizepräsident der SP des Kantons Bern und hat sich auf die Fahne geschrieben, die Welt von Killerspielen zu befreien. Er hat zu diesem Behufe beispielsweise auch schon den Mediamarkt verklagt, weil dieser solche pösen Spiele anbiete – natürlich ist die Klage abgeschmettert worden.

Herrn Näf ehre ich heute mit einem Eintrag in diesem Blog, weil dieser wackere Kämpfer, der nach dem Motto “wenn wir die Wirkung verbieten, wird auch die Ursache von selbst verschwinden” politisiert, offenbar neu auch telepathische Fähigkeiten entwickelt hat. So schrie er, interviewt nach dem Massenmord von Winnenden, in den Medien bereits nach einem Killerspiel-Verbot, als die Polizei den Computer des Mörders noch gar nicht untersucht hatte. Näf zementiert mit seiner sektiererischen, verbissenen Art genau das Image, das seine Partei verzweifelt abzulegen versucht: das einer ängstlichen, verbotsgeilen und bevormundenden Ansammlung von Oberlehrern. Folglich ist das einzige wirkliche Killerspiel, das ich bisher mitverfolgen durfte, dasjenige, das Näf mit den Medien zuungunsten seiner Partei spielt.

Übrigens, Herr Näf: man munkelt, Tischtennis sei das neue Counter-Strike… ihr Engagement ist gefragt!

Kleider machen zwar Leute, aber nicht intelligenter

Ein anderes Beispiel, wie Ignoranz und Durchschnitt unverhältnismässige Wichtigkeit erhalten können, wenn sie nur oft genug in der Medienlandschaft durchgekaut werden, sehen wir am Beispiel Andreas Thiel. Sicher gibt es schlechtere Kabarettisten als ihn, gerade in der Schweiz. Zum Glück wird diesen aber, im Gegensatz zu Thiel, selten Gelegenheit zu öffentlichen Auftritten gegeben, geschweige denn, die eigene Meinung in ganzseitigen Zeitungsberichten der Welt mitzuteilen.

Es geht mir jetzt hier gar nicht darum, dass ich Thiel schlicht nicht lustig weil verdammt platt finde (ok, vielleicht 5% der Gags kommen bei meinem Zwerchfell an). Auch nicht, dass mich sein Gesicht immer wieder an einen Ameisenbären mit selbstgestrickten Ohrenwärmern erinnert. Oder dass die Medien seine “geschliffene Sprache” loben, während es mir jedesmal die Fussnägel hochrollt, wenn Thiel versucht, Bühnenhochdeutsch zu sprechen (Kurz-Tipp: ein ‘ch’ wird niemals als ’sch’ ausgesprochen, auch wenn es nach einem ‘r’ kommt). Und auch, dass Thiel seine politische Gesinnung, die meilenweit von der meinen entfernt ist, zum Hauptverkaufsargument seines Humors macht, ist mir egal. Meinetwegen kann man sich ausgerechnet der Ideologie verschreiben, die uns in die aktuelle Scheisse geritten hat und natürlich profitiert Thiel hier von einem Exoten-Bonus. Ob man das jetzt intelligent finden soll, sei dahingestellt.

Was mich an Thiel aber wirklich nervt ist sein unglaublicher Mangel an Allgemeinbildung. Er ist ja im Solothurnischen aufgewachsen, von dem her habe ich, als Auch-Betroffener des solothurnischen Schulsystems, ein gewisses Verständnis. Gerade an mir, heute weitestgehend erfolgreich in die Restwelt integriert und befähigt, etwas weiter als bis ans Ende meines Rüssels zu denken, lässt sich aber auch aufzeigen, dass man das Stigma einer solchen Schulbildung durchbrechen kann, wenn man nur den Kopf aus dem eigenen Arsch zieht und selbst zu denken beginnt.

Thiel nutzt den Trick aller Populisten: er vereinfacht. Was nicht ausserhalb seiner (zugegebenermassen beeindruckenden) Nasenspitze geschieht, wird ausgeblendet. So war er sich nicht zu blöde, sich selbst in einem 10vor10-Bericht als einen der wenigen (ich meine sogar, er sagte “einzige”) wirklich freien Bühnenkünstler zu bezeichnen. Warum? Ganz einfach, weil er noch nie Subventionen oder staatlich Unterstützung angefordert oder bezogen habe.

Bei wem schellt der Bullshit-Alarm jetzt auf Stufe 10? Gut so. Wer auch nur eine halbe Millisekunde überlegt, merkt, was an dieser Aussage faul ist. Natürlich bekommt Thiel nicht direkt Geld vom Staat. Natürlich wird er nicht subventioniert (er gibt ja auch keine Milch). Aber schon mal dran gedacht, dass die allermeisten Orte, an denen er auftritt, durchaus am Rockzipfel des Staates hängen? Momentan gastiert er im Berner La Capella – hat ihm wohl jemand gesagt, dass dieser Veranstaltungsort nur dank den Subventionen, die der Stadtrat letztes Jahr bewilligt hat, überhaupt noch existiert? Thiel macht es sich so einfach wie die Schweizer Rüstungsindustrie, die zwar Waffen in Kriegsgebiete schickt, aber sämtliche Verantwortung ablehnt, was mit diesen Waffen geschieht – man selbst drückt ja nicht ab.

Die gute Nachricht kam aber diese Woche in der Berner Zeitung: Thiel plant seinen Umzug nach Island, zwecks Auswanderung. Ist zwar schade für diese Insel und ihre Bewohner, die gerade in der letzten Zeit wirklich genug gelitten haben, aber was solls, Island ist ja gross. Er stellt sich vor, ein- oder zweimal pro Monat für Auftritte (an subventionierten Bühnen) in die Schweiz zu kommen. Offenbar weiss er nicht, dass Flüge nach und von Island notorisch verspätet sind oder ausfallen – wir dürfen uns ab Mai also über zahlreiche “Vorstellung fällt aus”-Meldungen in Zusammenhang mit Thiel freuen. Spassig ist in diesem Zusammenhang Thiels Aussage, in der Schweiz gebe es einfach “zu viele Dealer und Pisser”. Nunja, zumindest von Letzteren gibt es ab Mai einen weniger hier.

Noch ein kleiner Tipp: in Island kommt es momentan nicht sehr gut an, wenn man mit Sprüchen wie “weniger Staat, mehr unternehmerische Freiheit” unterwegs ist. Isländer sind zwar extrem cool (im wahrsten Sinne) und auch wahnsinnig (ebenfalls im wahrsten Sinne) nett, ich würde Herrn Thiel aber empfehlen, sich hier vielleicht ein bisschen bedeckt zu halten. Wir wollen ja nicht, dass plötzlich ein Schweizer Kabarettist mit dem Gesicht nach unten in der Bucht von Reykjavik treibt.

Lieber beten als denken (oder gar handeln)

Den Preis für Ignoranz und Verbohrtheit gewinnt diese Woche aber klar die deutsche Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Statement zum Massenmord in Winnenden, sie würde “dem Bundesland alle nötige Hilfe zukommen lassen und für die Angehörigen beten”, das von allen Tagesschauen freudig verbreitet wurde. Ja, klar, mit Beten wird den Angehörigen sicher geholfen. Was ist eigentlich der Witz daran, wenn jemand sagt, er oder sie bete für einen? Will der Betende damit sagen, dass er einen direkten Draht zu Gott habe? Dass sich Gott durch die Gebete irgendwelcher Nacktaffen dazu genötigt fühlen könnte, die Toten umgehend wieder auferstehen zu lassen? Oder ist es halt doch nichts weiter als akkustisches Nasenbohren, das umso besser ankommt, wenn man die bittersäuerliche Trauermiene aufsetzt, in der Merkel Weltmeisterin ist?

Ich bin ja auch gespannt, wie die Hilfe konkret aussehen wird, insbesondere dann, wenn sie, im Gegensatz zum Beschwören eingebildeter Freunde, mit Kosten verbunden sein sollte. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Frau Merkel tatsächlich eine 180°-Kehrtwende macht und nun vermehrt Gelder für so unnütze Dinge wie schulpsychologische Dienste und Bildung (kleinere Klassen, mehr und besser ausgebildete LehrerInnen, bessere Infrastruktur, Tagesschulen etc, etc, etc) fliessen. Höchstwahrscheinlich war das aber auch nur mal wieder medienwirksames Betroffenheits-Geseier ohne Sinn und rationale Basis – von dem her passt es ja auch wieder zur Beterei. Oder wie sagte mal ein guter Freund von mir:

“To say ‘I pray for you’ is polite for ‘fuck off’”.

In diesem Sinne, an all die Näfs, Thiels, Merkels und sonstigen Experten, Genies und Führer sowie ihre willfährigen Speichellecker, die Medien: ich bete für euch bis ans Ende meiner Tage…




Generation “Hääh?!?”

Letzten Samstag gingen Beinharts mal wieder in den Ausgang. Da ich seit Anfang Jahr wieder RaBe-Mitglied bin, dachten wir uns, wir schauen an selbigem Fest vorbei, das im Gaskessel über die Bühne ging. Kurzes Fazit: Dreadzone Soundsystem waren supi-nette Dudes, Saalschutz arrogante Zürcher Sub-Szene-Futzis mit gravierenden Bildungslücken, das DJ-Kollektiv Skeewiff war recht geil (Sound) bzw fast eine Spur zu geil (Performance) und PlayBoy’s Bend aus Belgien ist für mich die Entdeckung des noch jungen Konzertjahres 2009 schlechthin.

Darum gehts hier jetzt aber überhaupt nicht.

Wir standen im Gaskessel rum und beobachteten, wie uns das Ausgangsvolk langsam aber sicher zu siezen beginnen möchte. Sind wir uns mittlerweile ja gewohnt. Zum Glück oszillierte der Schwäbi bereits im Raum, so dass wir noch nicht die Ältesten waren. Es lief Funk und die Minderjährigen hupften zu Musik, die bereits ihre Eltern wuschig gemacht hat. Naja, trotz unserem Dinosaurier-Alter nicht so unser Ding, also lästerten wir stattdessen eine Weile über die Leute ab.

Irgendwann wurde das langweilig, glücklicherweise aber der Konzertsaal aufgemacht und die Hasen hoppelten rüber. Suchten uns ein nettes Plätzli, höckelten hin und warteten.

Und staunten.

Früher, ich meine jetzt wirklich ganz, ganz viel früher, da lief ein Konzert wie folgt ab: zuerst war auf der Bühne noch nix los, bzw nur Roadies, die das Mantra aller Roadies beteten: “TEST, TEST, ONE, TWO”. Das ging etwa eine Stunde so, während derer im Hintergrund dezente Beschallung lief. Ein grosses No-Go war, die Musik der Band, die gleich spielen würde, aufzulegen – man will die Musiker ja nicht mit ihrer eigenen Studio-Aufnahme brüskieren. Eventuell spielte jemand mit dem Lichtpult herum, eventuell kotzte jemand vor die Bühne, aber im grossen Ganzen war der Rahmen hier vorgegeben. Vor allem: der Schallpegel war zu diesem Zeitpunkt auf einem Level, wo man theoretisch bei normaler Gesprächslautstärke noch ein Rilke-Gedicht hätte rezitieren und die Menschen um einen herum dies hätten verstehen können.

Danach spielte eine Band, es wurde laut, es wurde ständig an der Schmerzgrenze entlang geschrammt, eventuell ploppte auch mal ein Trommelfell. Man konnte dies aber vermeiden, indem man Ohrenstöpsel so bis zu einem Drittel tief ins Ohr schob, was dem Sound zwar etwas abträglich war, der Hörfähigkeit aber umso zuträglicher.

Nach der ersten Band hiess es “zurück auf Feld eins”, die Roadies kamen wieder aus ihren Löchern hervor und so ging es weiter, bis man irgendwann in einer Ecke aufwachte und sich fragte, wo man wohl seine Hosen gelassen hat. Und das Portemonnaie. Und woher die Bissspuren in der Unterleibsgegend kommen. Die Ohren haben noch genau so lange gepfiffen, wie das letzte Bier im Magen rumort hat und gut war.

Heute, meine Lieben, heute ist das ganz anders. Es scheint keine Übergänge zwischen Acts mehr zu geben, die Trennung zwischen Soundcheck und Act ist aufgehoben. Heute ist alles im Flow, Mann! Egal ob Sound- bzw Linecheck, Wartezeit, tatsächlicher Act oder Putzkommando: alles spielt sich auf derselben Lautstärke ab. Und diese Lautstärke, ich wage es zu sagen, ist mittlerweile jenseits von Gut und Böse.

Man komme jetzt nicht auf die Idee, dem Dschango vorzuwerfen, er sei eine alte Memme. Dschango hat damals, als MP3s noch für Nerds waren, auben den Gring in Bassboxen gesteckt, damit es ihn so richtig durchhudlet. Dschango ist mal an einem Motörhead-Konzert eingepennt. Und Dschango hat generell grosse Freude an Lautstärke, ganz einfach weil sie vorzüglich zu Lärm passt.

Es ist geil, wenn die Bässe meine Testikel zum Schwingen bringen, ja. Es ist geil, wenn mein Herzschlag vom Beat synchronisiert wird, ja. Ich kann total gut nachvollziehen, was die 15-Jährige, die sich auf 35 frustriert hat, um sich danach auf 18 runterzuschminken, gemeint hat, als sie mir, unterlegt von einer Hello Kitty-Lippenstift- contra Flaschenbier-Fahne, “EYYSCHSOOOOOOOGEEEEEILMANN!!” ins Ohr geröhrt hat (sie hat definitiv nicht Dschango gemeint). Aber Leute, alles hat Grenzen. Und was ich lautstärketechnisch in der letzten Zeit im Ausgang erlebe, sprengt diese Grenzen eindeutig.

Wo diese Grenze liegt? Ich würde sie ungefähr dort ansetzen, wo, wenn ich einen Qualitäts-Ohrenstöpsel komplett bis an den Anschlag ins Ohr drehe, immer noch nicht das Gefühl habe, dass die Musik auch nur annähernd zu leise ist. Wie letzten Samstag geschehen.

Jetzt ist es ja nicht so, dass die Jugend von heute nach so einem Abend glücklich ins Bettli fällt, um den Ohren eine Woche oder zwei Ruhe zu gönnen. Nein, die Jugend von heute braucht Dieselboy ab iPod, um einschlafen zu können. Und steht spätestens zwei Tage später wieder vor der Bassboxe, um sich auch noch die letzte widerspenstige Hörfähigkeit auszuhämmern.

Wen wundert es da noch, dass die Jugendlichen heute immer schlechter hören? Wen wundert es, dass diese Teenies nicht mehr tanzen können? Schon mal einem Haufen Minderjähriger beim Arschwackeln zugesehen? Keine Ahnung von Takt oder gar Rhythmus, nur noch ein dröges Schaukeln, im besten Fall unmotiviertes Auf-der-Stelle-Treten ohne Konzept und Plan. Kein Wunder, wenn sich das hörbare Spektrum auf einen kontinuierlichen Brumm beschränkt. Wer das nächste grosse Ding in der Musik sucht, setzt vorzugsweise auf Tinnitus als primären Datenträger.

(Daneben fiel mir übrigens auch auf, dass die heutigen DJs keine Ahnung mehr von Aufbau haben. Diese Wahrnehmung mag so niederschmetternd sein, weil ich mittlerweile tatsächlich ein alter Sack bin, aber heute heisst “mixen” offenbar in erster Linie, alle vier Beats irgend etwas zu bringen, das die Tanzwilligen aus dem Konzept wirft.)

Meine Theorie: Alles taube Nüsse. Egal ob BesucherInnen, TechnikerInnen, DJs, MusikerInnen und VeranstalterInnen, alle schwer hörgeschädigt und im Prinzip berechtigt, eine IV-Vollrente zu beziehen. Der DJ kann die Tracks nur noch anhand der Basslinie erspüren und ohne all die Blinkis und Leuchtis an den Geräten wären die meisten Musiker akkustische Autisten. Sie merken es nur nicht, weil sie sich dauernd mit Leuten umgeben, die genauso hörbefreit sind wie sie selbst. Wir werden also faktisch von Gehörlosen mit Musik versorgt – so lassen sich auch Phänomene wie der Loudness War und MusicStar erklären.

Kennt ihr Saramagos “Stadt der Blinden”? So stelle ich mir die Zukunft vor, halt einfach mit Gehörlosen statt Blinden. Letztens war ja in der Presse zu lesen, man plane, in der Schweiz Englisch als fünfte quasi-offizielle Landessprache einzuführen. Vorher, ich sage es euch, vorher kommt die Zeit, in der Gebärdensprache als einzige offizielle Landessprache eingeführt wird, ganz einfach, weil in 20 Jahren niemand mehr gesprochene Sprache verstehen wird.

Und die beiden letzten, die dann noch tanzen können, sind Dschango und der Schwäbi.

Ho-ly fuck!




Furu Siftware chropmatsch

Wer den Dschango ab und zu IRL trifft, weiss, dass das Chrischtchindli ihm nachträglich noch ein MPD32 gebracht hat. Ein ganz primafeines Gerät, es zischt auch vorzüglich mit REAPER, Dschango ist total glücklich.

Er wäre aber nicht Dschango, wenn er nicht mindestens ein Haar finden würde, und siehe, in der deutschen Preset-Dokumentation wurde er fündig. Wohlverstanden, ich mache mich hier nicht über einen Fremdsprachler lustig, der Google-übersetzte Dokumente generiert. Vielmehr scheint, dass der Autor die eine oder andere Substanz konsumiert hat oder aber einem sprachlichen Kreativ-Schub erlegen ist.

Ganz besonders schlimm hat es den GURU-Teil getroffen, aber man siehe selbst:

Ist lustig, ja – aber bei den Stichworten ‘Siftware’ und ‘chropmatsch’ komme ich schon ins Grübeln. Woher, so frage ich mich, woher wissen Akai um meine Musik-Skills? Woher wissen sie um den Qualitätslevel meiner eingesetzten Programme?

Das erklärt wohl den Zusatz ‘Pro’ im Firmennamen.




Die noch einmal ganz andere Presseschau

Es wird ja immer wieder gejammert über den Qualitätsverlust, der die Presselandschaft mehr und mehr prägt. Auch wir von der Daumenschraube sind immer an vorderster Front dabei, wenn es darum geht, der sogenannten dritten Macht (nicht zu verwechseln mit dem dritten Reich, total etwas anderes) auf die Pfoten zu hauen, weil sie mal wieder einen Bock geschossen hat.

Und ich hab fast mein Höslli genässt vor Lachen

Man muss aber so ehrlich sein, auch Lobenswertes zu erwähnen. So geschehen diese Woche im BlaAbend, mit der besten Schlagzeile aller Zeiten. Da kann sich sogar “Wir sind Papst!” dahinter verstecken, finde ich.

Sowieso, der Blabend, gäbe es diesen nicht, wie viel würde uns fehlen. Dank diesem tollen Blatt entgeht uns nichts, beispielsweise auch nicht, dass Ramona und Nico gerne von der Presse in Ruhe gelassen würden. Und die Grossmutter von Nico auch. Und Juri, der Vater von Nico, sowieso. Und Ramona, Nico, Juri und Grosi hätten ohne den Blabend kein Podium, um dieses Bedürfnis der Welt auch mitzuteilen, weil, die Schweizer Illustrierte liest ja eh kaum ein Schwein. Blabend, mach weiter so, die Teenie-Mütter dieses Landes brauchen dich!

OHGOTTOHGOTTOHGOTT!!

OHGOTTOHGOTTOHGOTT!!

Ich finde es auch schön, wenn die Presse ihre national-psychohygienischen Aufgaben wahrnimmt. Da war beispielsweise die ganze Zeit von einer Weltwirtschaftskrise die Rede, die uns alle total sturm im Gring gemacht hat. Auch bei Beinharts hat sich die Weltwirtschaftskrise im Kopf breit gemacht: wir kaufen jetzt nur noch das billige Séléction-Zeug aus der Migros, anstatt den traditionellen Wocheneinkauf im Globus zu machen.

Item. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, dass die Presse den Menschen den Kopf wieder geraderückt und ihnen sagt: Leute, so schlimm ist das alles nicht! Freut euch des Lebens und sagt JA! Und dieser Woche ist es der Berner Zeitung gelungen, mal wieder deutlich zu machen, dass wir in einer absoluten Null-Problem-Zone leben. Oder wie sonst kann man es sich erklären, dass die Tatsache, dass eine Schönheitskönigin von einem Büsi gekratzt wurde, eine Meldung mit Foto wert ist? Danke an die BZ, die uns mal wieder klar gemacht hat, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben!

PS: Schönheitskönigin und Büsi wurden umgehend von einem Care-Team betreut; beiden geht es den Umständen entsprechend wieder gut.




Hey Joe & Co.

Ja, der Seppli Ackermann muss jetzt zurückrudern. Vielleicht muss seine Bank sogar die ihn beschämende Staatshilfe in Anspruch nehmen. Gleichzeitig fordert der Schweizer Arbeitgeberverband, dass Arbeitslosen der Druck erhöht respektive die Zahlungen gekürzt werden sollen, wenn sie nach einer gewissen Zeit immer noch keine Arbeit haben. Und dies notabene, nachdem Milliarden an Staatshilfen gefordert und auch bezahlt wurden. Die Reichen fördern, von den Armen fordern. Inkonsistenz bis zu Inkontinenz? Offenbar…

Oder dies: in meinem liebsten Gratis-Käseblatt äussert sich der Herr Brögger von der IFPI zu seinen Vorstellungen zur Umsetzung des Urheberrechts in der Schweiz, vor allem im Bezug auf Filesharing und “illegale” Inhalte. Wie ich den Scheiss nimmer hören kann. Die Plattenindustrie hat seit Jahren sinkende Zahlen? Kleiner Tipp: ökonomisch denken. Wie wärs damit, neue Produkte auf den Markt zu werfen, Preise zu senken, das Angebot qualitativ aufwerten? Wenn man als gesamte Branche vor Zehn(!) Jahren die wichtigste technologische Neuerung überhaupt verpennt hat, geht’s halt eine Weile, bis man das wieder aufgeholt hat. Aber eben, liebe Plattenbranche, wenn ihr euer letztes Büro räumt und die letzten Mitarbeiter entlässt, da werdet ihr vielleicht merken, dass es wohl der falsche Weg war.

Ja, das neue Jahr ist voll im Gang. Ich habe so das Gefühl, dass 2009 enorm spannend werden könnte…




Das auserwählte Volk

Schon mal überlegt, warum die Klorolle im Büro-WC immer dann leer ist, wenn du auf dem Pott hockst? Oder schon mal gestutzt, weil immer du der- oder diejenige bist, dem/der die Tauben auf den Kopf scheissen? Dass in der Beiz immer du vom Personal übersehen wirst? Kann das einfach nur Zufall sein? Natürlich nicht, du gehörst einfach nicht zum Auserwählten Volk.

So schön sah er lange nicht mehr aus

So schön sah er lange nicht mehr aus

Es gibt ja einige Gruppen, die von sich behaupten, von Gott auserwählt zu sein. Im Grunde genommen behaupten das auch alle Religionsgemeinschaften von sich, mal mit mehr, mal mit weniger Offenheit und Vehemenz. Allen voran natürlich die Juden, die die Auserwähltheit quasi erfunden haben und die diese Idee bis heute durchziehen. Man kann (und soll) sich jetzt natürlich fragen, ob es unbedingt einen Holocaust, verstümmelte Shnibbeles und Katjuscha-Raketen braucht, damit Gott einem zeigen kann, wie ganz doll lieb er einen hat. Eher nicht, denk ich mir jetzt mal.

Die Muslime hingegen leben mehrheitlich unter grausligen Verhältnissen, bekommen israelische Bomben zum Frühstück und haben Schiss vor Schnaps und Frauen. Und die Shnibbele-Geschichte gilt auch hier. Also die Muslime können wir bezüglich Auserwähltheit wohl ebenfalls knicken.

Dann noch die Christen. Rein vom ökonomischen (lies: calvinistischen) Standpunkt her könnten sie ja auserwählt sein: Wohlstand einer breiten Bevölkerung kommt primär in christlich geprägten Ländern vor. Sie müssen sich auch nicht von Geistlichen an ihren juvenilen Genitalien rumsäbeln lassen, das passt auch. Die besten Gegenargumente hierzu: Weltwirtschaftskrise und katholische Priester. Ausserdem gibt es mittlerweile so viele Abspaltungen, Sekten und Kleinbibelgruppen christlichen Flavours, dass ich darauf wette, nicht mal Gott selbst hätte noch die Übersicht darüber, welche er jetzt genau als auserwählt ansehen würde.

Wenn man lange genug über dieses Thema nachdenkt, kommt man zwangsläufig zu diesem Schluss: Das Auserwählte Volk, meine lieben Leserinnen und Leser, das wirklich und wahrhaftig von Gott Auserwählte Volk, das sind die Zahnärzte dieser Welt.

Mir kam dieser Gedanke, als ich mir vorgestern Nacht mal wieder die Füllung von Molar 17 ausgebissen habe. Molar 17 und ich teilen eine lange, nicht immer erfreuliche Geschichte. Zig Füllungen (Amalgan, Porzellan, Plastik, Araldit, Weisses-Zeug-aus-der-Tube-womit-man-Löcher-in-der-Wand-zustopft), Wurzelbehandlungen, Spülungen und was weiss ich noch alles habe ich diesem verfluchten Zahn geschenkt. Und was kam zurück? Schmerzen und noch mehr Schmerzen. OK, vielleicht war es ja auch mein Fehler, weil wirkliche Aufmerksamkeit habe ich Molar 17 (oder ‘17′, wie mein Zahnarzt und ich ihn liebevoll nennen) nur dann zukommen lassen, wenn er mir mal wieder eine Eiterbeule bescherte, die mein Gesicht leicht rechtslastig wirken liess. Tatsache ist aber: mein Zahnarzt hat sich dank 17 eine Golfausrüstung, ein vergoldetes iPhone und eine Scheidung leisten können. Für einen simplen Backenzahn eine ganz beachtliche Leistung.

Habe ich eigentlich schon mal von meinem Zahnarzt erzählt? Ich mag ihn sehr gut leiden. Bedenkt man, dass wir ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zueinander haben (ich möchte gerne auch morgen noch kraftvoll zubeissen können, er möchte sein Handicap verbessern), kann man sogar sagen, dass wir in einer fröhlichen Symbiose zueinander leben. Er hat es geschafft, dass ich locker und entspannt auf dem Zahnarztstuhl hocken kann und mir nicht mehr die (metaphorische) Seele aus dem Leib schwitze, sobald ich seine Folterwerkzeuge sehe. Er bohrt wie der Teufel und wenn er mir sagt, dass ich keine Spritze brauche, dann ist das auch so. Da ich sehr viel Zeit auf dem Zahnarztstuhl verbringe, habe ich mir auch einige Grundkenntnisse der dentalassistentischen Tätigkeiten angeeinet: absaugen und Füllungs-Pistole nachladen sowie Röntgenaufnahmen meines Gebisses anfertigen kann ich mittlerweile weitestgehend autonom. Ich halte meinem Med. Dent. auch gerne die Werkzeuge. Oder packe ihn am Kragen, damit er mir beim Füllungsaufbau nicht ins Maul fällt.

Wie ich also vorgestern die – im Übrigen erstaunlich schwere – Ex-Füllung meines Zahns in der Hand hielt, ging ich folgendem Gedankengang nach:

Wenn Gott existiert, hat er sich etwas dabei überlegt, als er uns gemacht hat. Es kann also nicht sein, dass unsere für das Leben im Zuckerparadies des 21. Jahrhunderts schlecht angepassten Zähne durch Zufall oder gar – oh Schreck! – ein fehlerhaftes Design entstanden sein können. Sowieso: etwas derart Kompliziertes wie ein Zahn kann gar nicht durch Zufall entstanden sein. Immerhin braucht es da drinnen einen Nerv, dessen Aufgabe es ist, Unruhe in der Mundhöhle zu stiften und seinen Besitzer regelmässig daran zu erinnern, Gott für seinen tollen Job zu loben.

Nebst diesem – zugegebenermassen ehrenvollen – Zweck hat ein Zahn aber auch noch die Aufgabe, mindestens einem Zahnarzt einen gewissen Lebensstandard zu ermöglichen. So schlau war Gott, als er die Welt schuf, dass er schon daran gedacht hat, was er wohl mit den Zahnärzten macht, die sonst nur den ganzen Tag rumhängen und Golf spielen. Müssen Gott ordentlich auf den Sack gegangen sein, all die Golfbälle, die den ganzen Tag durchs Paradies flogen. Und so sehr liebte er die Zahnärzte, dass er schuf den Zahnnerv und den Karies, und Saure Zungen und Sugus, an denen Füllungen kleben bleiben und dann mit diesen zusammen beim TV schauen mit einem lauten Knirschen wieder rauskommen. Und Gott sah, dass es gut war. Vor allem der Part mit Dschango, der im Monatsturnus spuckte und fluchte, gefiel ihm ganz ausgezeichnet und er lachte sich den Ranzen voll.

Molar 17 hat sich nun zur letzten Reise aufgemacht. Mein Lieblings-Folterknecht hat ihn mit einem Gartenkralle-ähnlichen Werkzeug aus dem Kiefer gebrochen, in kleine, handliche Stücke zerkleinert und im Sondermüll entsorgt. Es war eine blutige, trotzdem befriedigende Angelegenheit für alle Beteiligten.

Er ruhe in Frieden, der kleine Sauhund.




Heute schon ein totes Tier im Schuh gehabt?

Dieser Artikel beginnt mit einem Geständnis: Ich, Dschango Beinhart, gestehe hiermit, Käsefüsse zu haben. Und nicht Käse so aus der Gouda-Light-Abteilung, sondern richtig üble Fine Food Quanten, im Aroma oszillierend zwischen einem gut abgereiften Camenbert aus der Normandie und einer würzigen, ungarischen Salami. Das sind wohl meine Gene, die jahrhundertelang in allen Ecken Europas herumflottiert sind, um dann schliesslich in meinen Füssen fröhliche Zusammenkunft zu feiern. Ist jetzt nicht so schlimm wie, sagen wir mal, Haarausfall im Jugendalter (hier liebe ich meine Gene!), weil ein Fusstoupet ist etwas ganz Normales, während ein Toupet auf dem Kopf immer wieder Anlass für derbe Spässe an Geschäftsweihnachtsessen ist.

Und spart euch all die guten Tipps. Alles ausprobiert, Erfolg mässig bis nicht vorhanden. Egal welches Fasergemisch für die Socken, egal wie oft oder wie selten mit welchen Emulsionen, Meersalzen und ätherischen Ölen eingerieben, gereinigt und gepudert, es läuft immer auf dasselbe hinaus: Falls mal jemand eine gefechtsfähige Geruchskanone entwickelt, wird er garantiert früher oder später bei Dschango vorbeikommen.

Da ich es vermeide, bei Besuch o.ä. meine Schuhe auszuziehen (meine wenigen Freunde will ich nicht auch noch verlieren) ist es im Grunde genommen nur Hase, die darunter leidet. Dies jedoch sehr. Und wer schon mal versucht hat, eine Frau, die grün im Gesicht ist, zu einem Schäferstündchen zu verführen, weiss, dass es höchst kontraproduktiv für einen entspannten Koitus ist, wenn die Frau darauf besteht, beim Akt den Kopf aus dem Fenster zu halten. Aber zum Glück gibt es heute, wo keine definierbare Zielgruppe von Marketingaktivitäten und auf sie zugeschnittenen Angeboten verschont wird, auch für Käsefussbesitzer und ihre Hasen eine Lösung: Geox, der Schuh der atmet!

Ich bin (bzw Hase ist) ja ein treuer Kunde dieser Firma, die mit dem gesellschaftlichen Tabu des Körpergeruchs ein Schweinegeld erwirtschaftet. Hatte bisher ein paar Sommerschuhe von denen, die auch tatsächlich das hielten, was sie versprachen: weniger Fussschweiss, daraus resultierend weniger Fussgeruch, daraus resultierend mehr und besseren Sex. OK, das Letzte habe ich jetzt frei hineininterpretiert, aber bei mir läuft es mehr oder weniger darauf hinaus.

Nunja.

Neulich war Zeit für einen Schuhwechsel, zielstrebig steuerten wir den Geox-Laden an und Dschango hatte die Aufgabe, von dem ausgestellten Schuhwerk ein Paar auszuwählen, das seinem Gusto entsprach. Das geschah auch recht flott – das Kriterium ’schwarz’ reduziert das Angebot in der Regel auf unter 50%, ‘ohne jeglichen Schischi’ auf maximal 5% und bei ‘ich sagte doch, ohne jeglichen Schischi, gopfertami!’ bleibt dann meist nur noch ein Schuh übrig. Die nette Verkäuferin meinte noch aufgeregt, der Schuh sei einmalig, weil erstmals auch von oben her wasserdicht (“die Membrane ist bis oben durchgezogen!”) und wir wurden uns schnell handelseinig. Zweihundert Franken abgedrückt, eine tolle Tüte mitbekommen, meine Füsse hatten ein kältefestes, schweissresistentes Winterquartier – was konnte da noch passieren?

Also, mal das Positive vorweg: der Schuh ist sau bequem. Wie Finkli schmiegen sich die Teile an meine strapazierten Treterchen, sie sind wohlig warm und tatsächlich kann man sich sogar eine Schneeballschlacht mit den Büro-Dudes geben, ohne dass Wasser von aussen reinkäme. Aufmerksame LeserInnen merken hier: da kann etwas nicht stimmen. Und ihr habt natürlich völlig recht, ihr aufmerksamen LeserInnen ihr!

Es geschah ein paar Tage nach dem Kauf, als Dschango abends noch vor dem Computer sass. Irgendwas roch da eigenartig. Undefinierbar, aber doch eindeutig unangenehm. Subtil, aber doch störend. Das Gemeine war: hätte es nach Käsefuss gerochen, hätten bei mir sofort alle Alarmglocken geschellt und ich hätte mir Müllsäcke über die Schuhe gezogen. Bei diesem Geruch dauerte es aber eine Weile, bis der Ursprung ausgemacht wurde. Er erinnerte mich an etwas Totes, das irgendwo in einer Ecke vor sich hinrottet und geduldig darauf wartet, zu Staub zu zerfallen. Nachdem ich eine Stunde lang unter allen Möbelstücken die vermeintliche Ex-Maus gesucht und die Katzen mit bösen Blicken verunsichert habe, merkte ich, dass mir der Geruch folgt. Dass er immer da ist, wo ich bin. Das gab mir dann doch zu denken.

Also. Der Schuh ist tatsächlich dicht. Er ist dichter, als ich es je war. Er atmet bestimmt irgendwie – vielleicht einmal pro Minute, so wie ein Wal. Das reicht jedoch bei weitem nicht, original osteuropäischen Zigeunerfussschweiss auszuweisen. Mit einem Emmentaler Bauernfuss wäre der Schuh bestimmt klar gekommen, vielleicht sogar mit einem Freiburger Pied Vacherin, bei mir streckt er aber die Waffen, schreit laut “Erbarmen!” zu mir hoch und die Dampfwölkchen, die in der Werbung immer so lustig paff-paff machen, bleiben bei mir ganz aus. Witzigerweise schafft es der Geruch, die ach so dichte Membrane (“bis oben hin durchgezogen!”) auszutricksen. Wahrlich ein Meisterwerk schuhmacherischer Ingenieurskunst!

Ganz übel ist es, wenn der Schuh eine Nacht ‘ausatmen’ kann. Der Geruch, der dem Teil am nächsten Morgen entströmt, ist sogar für meine Nase eine Note zu exotisch. Ich war schon an wirklich üblen Orten unterwegs, habe schon ganz, ganz elende Gerüche eingeatmet, habe nie auch nur die geringsten Berührungsängste gegenüber menschlichen Ausdünstungen gezeigt, aber dieser Mief ist wirklich, wirklich unter jeglicher Sau. Kein totes Tier auf dieser Welt kann derart bestialisch stinken.

Damit könnte ich ja noch leben. Letzthin, als es gerade arschkalt war, zeigte der Schuh aber noch ein neues, weitaus perfideres Gesicht: die Dinger sind nicht eistauglich. Ja, werte LeserInnen, richtig gelesen: nicht eistauglich! Ihr erinnert euch an letzte Woche, als die Strassen und Trottoirs alle gefroren waren? Da hättet ihr den Dschango sehen sollen, wie er verzweifelt versuchte, spät in der Nacht auf seinen rutschenden Tretern einen vereisten Hügel hochzukommen: ein Schritt vor, zwei Schritt zurück, Hopplarutsch, und das während etwa einer halben Stunde. Am Schluss krabbelte ich auf allen Vieren, die Fingernägel ins Eis hackend und mich daran den Hügel hochziehend. Wäre es jemand anderem passiert und hätte ich es gesehen, ich hätte mich bestimmt kaputtgelacht.

Die Nachbarn reden übrigens seit Neustem nicht mehr mit uns. Ich vermute, das ist, weil sie zweimal pro Tag im Treppenhaus an meinen in den letzten Zügen vor sich hinröchelnden Geox-Schuhen vorbeimüssen und sich fragen, warum der verfluchte Beinhart nicht endlich das sterbende Tier aus seinen Latschen entfernt.

Und verdammt, ich kann sie irgendwie verstehen.




PraktikantInnentag auf der Tagi-Redaktion

Naja, ‘Tag’ ist relativ.

Seit einigen Wochen
hat man eher den
Eindruck, dass da eine übermotivierte Kleinklasse die Redaktion komplett übernommen hat. Oder wie sonst erklärt man sich kreative Wortschöpfungen wie “verzweifelt schmunzeln“? Schon mal probiert, verzweifelt zu schmunzeln? Geht das überhaupt? Wenn ja – Fotobeweise bitte an dschango@daumenschraube.ch, werden umgehend hier veröffentlicht.

Die Online-Objektedatenbank des Museums in der Runden Ecke in Berlin ist hingegen durchaus einen Klick wert.

In diesem Zusammenhang (bzw fernab von jenem) hier noch eine heitere Szene aus der Welt der Lehrlingsbetreuung, neulich passiert in diesem Land und eurem Dschango zugetragen:

Schef: Schreib mal das Couvert an… hier hast du einen Zettel mit der Adresse, musst sie nur abschreiben.
Stift: OK…
(Stunden später)
Schef: Couvert angeschrieben?
Stift: Joa!
Schef: (liest) Moment… auf dem Zettel steht ‘Treuhand Tschanz’. Warum hast du ‘Tschanz Treuhand’ aufs Couvert geschrieben?
Stift: Ja, weil, ich wusste nicht, welches der Vor- und welches der Nachname ist…

Ich prophezeie diesem Auszubildenden eine steile Karriere als Tagi-Journalist.




Einen an die Waffel!

Man mag sich darüber empören, wie viel Schrott unter dem Label ‘Unterhaltung’ produziert wird. Man kann sich auch darüber wundern, wofür Menschen Geld hinzulegen bereit sind. Dies gilt ganz besonders für den Bereich der Computerspiele, denn beim Gamer paaren sich im Idealfall drei Eigenschaften (Technikverliebtheit, Untervögelung und der Bezahlwille, um dem Zocken auch möglichst exzessiv frönen zu können), die ihn zu einem begehrten Zielobjekt von allerlei Herstellern sinnloser Plastikgeräte machen.

Die Firma TN Games hat nun ein Gerät in Helmform angekündigt, das es dem Computerspieler erlaubt, auf ihn eingehende virtuelle Kopfschüsse und Schläge auf den Kopf mittels Force-Feedback zu spüren. Die Firma hat bereits eine Weste auf den Markt gebracht, mit der man spüren kann, wenn der Gegner einen Körpertreffer gelandet hat – und wo.

Ob das nötig ist? Kaum. Macht es die SVP konkordanzfähig? Eher nicht. Rettet es auch nur eine einzige chinesische Katze vor dem Kochtopf? Man darf es bezweifeln. Trotzdem, Dschango findet, hier wurde Geschichte geschrieben. Wer nicht im IT-Support arbeitet versteht das vielleicht nicht, aber ich sage euch: dieses Teil muss von einem IT-Supporter erfunden worden sein.

Man stelle sich die Möglichkeiten vor, die sich beim unternehmensweiten Einsatz solcher Geräte ergeben würden. So könnte man zum Beispiel den Auslöser mit Windows-Systemereignissen koppeln – wer Rückfragen des Systems provoziert, erhält Schläge auf den Hinterkopf, in stufenlos ansteigender Heftigkeit. Wer den Internet Explorer anstatt einem anständigen Browser startet (bzw Bullshit-Meldungen über solche verbreitet), spürt, wie ihm die Trojaner um die Ohren fliegen. Und vergesst die doofen Pop-Ups und Systemmeldungen, die nur hässlich aussehen und um die sich keine Sau kümmert: findet der Virenscanner verdächtige Objekte, wird der Benutzer künftig erstmal mit einem paralysierenden Stromstoss davon abgehalten, weiteren Schaden anzurichten, bis der Fachmann vorbeikommt. Ein Traum!

Selbstverständlich könnte man den Kopfschuss-Helm auch ferngesteuert auslösen. Dann beispielsweise, wenn man, wie diese Woche in Dschangos Büro geschehen, von einem Kunden das gewünschte Logo zwar tatsächlich in computerlesbarer Form und per eMail erhält – allerdings hübsch eingebunden in eine Excel-Tabelle.

Reply – OK – “Terrorists win”




Dem Chefredaktor fiel der Dativ aus dem Hirn

Muss nicht sein, oder?

Und wir regen uns auf, wenn wir Amateure in unseren Artikeln ein Rechtschreibfehlerchen übersehen haben. Pah!

Zumindest bei den Titeln sind wir immerhin fehlerfrei. Und die Fälle beherrschen wir eigentlich alle.

Mal eine Scheibe von der Daumenschraube abschneiden Tagi!




Eine Frage der Moleküle

Ich finde, Frauen riechen von Natur aus gut. Keine Ahnung, wie die das machen, aber sie tun es. Quasi defaultmässig aufs Optimum voreingestellt – Hacks erübrigen sich.

Wenn mich eine Frau anmachen will, riecht sie nach Frau und nicht nach dem Chemiekasten eines Parfumeurs. Auch nicht nach Heublümchen, nicht nach Opium und schon gar nicht nach Steffi Graf, sondern einfach nach Frau. Ich bin da auch tolerant, was Schweiss angeht; dieser wirkt auf mich im Zweifelsfall zumindest weniger aufdringlich als eine tonnenschwere Parfumwolke, die den latent zugrundeliegenden Schweissgeruch sowieso mehr unterstreicht denn kaschiert.

Bei Männern ist es dasselbe. Ja, Männer riechen manchmal streng, so dass es Richtung Gestank geht. Aber trotzdem: lieber weiss ich via meiner Nase, dass mein Nachbar im Bus kürzlich dem ältesten aller Hobbies gefrönt und schon vor ein paar Tagen sein Ungerhösli zu wechseln vergessen hat, als dass ich diese Informationen plus einer Dosis Axe von gestern, plus einer Prise Rasierwasser von heute Morgen, plus einem Häuchlein vom Wunderbaum aus Muttis Golf empfange.

Ja, der Dschango hat eine ausgezeichnete Nase. Er riecht es sowieso, liebe Frauen, wenn ihr untenrum zyklusbedingt grad nicht dicht seid. Easy, vollstes Verständnis von meiner Seite her. Aber erspart mir doch bitte, dass die Gerüche eurer Ausflüsse von denjenigen der synthetischen Kamille überlagert werden, mit der eure Slipeinlagen präpariert wurden. Mit den Ausflüssen kann ich nämlich umgehen, mit Ausflüssen gemischt mit Syntho-Kamille eher nicht.

Ganz übel: wenn Frau seit Jahrzehnten dasselbe Parfum benutzt, in täglich steigenden Dosen, um die eigene Unempflindlichkeit gegenüber dem Duft zu kompensieren. Arme Junkies der Geruchsindustrie, zum sozialen Abstieg verdammt. Solche Frauen riecht man, lange bevor man sie sieht. Und beides ist nicht schön.

In meiner perfekten kleinen Welt würde olfaktorischer Exhibitionismus sowieso mindestens so streng bestraft wie Rasen mit dem Auto: die Dunkelziffer, wieviele Unfälle jedes Jahr geschehen, weil Piloten aufgrund der Ange-ou-Démon-Granate einer Flight Attendant während Sekunden ins Koma fallen, wird von Experten als “wahrscheinlich verdammt uhuere hoch” eingeschätzt.

Auch so eine Sache: Düfte, die auf einer von mehreren Personen benützten Toilette nun mal vorkommen. Niemand konnte mir bisher erklären, warum der Gestank von verbranntem Schwefel in einer Toilette angenehmer sein soll als derjenige von einem gesunden Schiss, der immerhin dorthin gehört, im Gegensatz zu Schwefel, der in Toiletten nur extrem selten natürlich vorkommt.

In diesem Zusammenhang möchte ich mal denjenigen Menschen, die unter latenter oder voll ausgebrochener Bakterien-Paranoia leiden, ein für alle Mal den Rest geben. Darauf freue ich mich schon lange, also passt gut auf, hier gibts was zu lernen!

Wie wir ja alle wissen, sind Düfte nichts anderes als Mokeküle. Was wir als Duft erleben, ist der Reiz, den ein Duftmolekül beim Andocken an einen entsprechenden Rezeptor in unserer Nase auslöst (Details hier). So weit, so gut. Was viele Leute (erfolgreich) verdrängen: ein Duft ist nicht etwas ätherisch-feinstoffliches, sondern etwas ganz und gar Handfestes, eine chemische Verbindung nämlich. Bevor sie nun auf unseren Riechkolben trifft, reist diese Verbindung fröhlich durch die Luft und hat ihren Ursprung – Achtung! – in dem Objekt, von dem sie abgesondert wurde.

(Denkpause)

Na, hat es eingeschlagen? Oder bist du dir der Tragweite dieser Einsicht immer noch nicht bewusst? OK, ich helfe dir auf die Sprünge: wenn es nach Kothaufen riecht, hast du tatsächlich ein Stück Scheisse in der Nase. Riecht es nach Schweiss? Dann ist der Schweiss so präsent in dir, wie er es nie wäre, würde der Schwitzende dir mit der nassen Hand bloss über den Rücken fahren. Riecht es nach Sonntagsbraten? Dann, lieber Vegi, hast du dir selbigen soeben einverleibt, ob du willst oder nicht. Und wenn es tötelet, weil eine dahingegangene Maus unter dem Sofa verrottet – ja, dann hast du soeben tatsächlich ein Stück langsam vor sich hinfaulender toter Maus in deiner Nase gehabt. Oder kurz: was du riechst ist in dir.

Witzige Vorstellung, nicht? Vor allem, wenn man bedenkt, wie nahe die Nase dem Mund ist und wie nicht existent die hermetische Schranke zwischen den beiden.

Den LeserInnen, die noch nicht aufgehört haben zu atmen, muss spätestens jetzt völlig klar sein, warum künstliche Düfte bei mir pfui sind, egal ob für die Wohnung, den Hund, das Auto oder die Slipeinlage: Ich rieche gern, was ist. Wir können es sowieso nicht umgehen, mit der Welt um uns in Berührung zu kommen, schon gar nicht, was unser Riechorgan betrifft. Folglich vermeide ich tunlichst, die Welt durch das olfaktorische Äquivalent zu einer rosaroten Brille zu betrachten.

Meine Nase ist mein Auge ist mein Ohr.