Beinhart Dschängu wagt wieder den Hosenlupf
Wir waren da ja in Schweden, auf Urlaub. Hat ein bisschen länger gedauert, sorry.
Zurück in der Heimat merke ich, dass sich dieses eher träge, langweilige Land in der Zwischenzeit zu einer freudigen, dynamischen Irrenanstalt entwickelt hat. So musste ich feststellen, dass der Bundesrat, vor einem halben Jahr noch eine uneinige, streitlustige, inkompetente und handlungsunfähige Selbsthilfegruppe, mittlerweile seine zwei grössten Probleme angepackt hat und auf dem Weg ist, in absehbarer Zeit eine Lösung zu finden. Das ist ja schonmal gut. Es foutiert mich auch nicht wirklich, wenn ich in Zukunft von einer Frauenmehrheit regiert werde. Konkret ist dies für mich seit bald zwei Jahrzehnten der Normalzustand und ich kann der Grinsekatz vom Leman hier versichern, dass dieser Zustand auch für Männer durchaus Vorteile hat. Was mich aber stutzig gemacht hat, ist die Aussage diverser Medien, einer Frau, die sich in den Bundesrat wählen lassen wolle, käme wohl “das Geschlecht in die Quere”. Hier muss ich doch die anatomischen Kenntnisse einzelner Schurnalisten in Frage stellen und auf eine entsprechende Weiterbildung pochen. Alternativ könnte man natürlich auch von intimem Insiderwissen einzelner Schurnis ausgehen und sich die Frage stellen, ob… nein, sorry, aber ich möchte heute noch etwas essen, herzlichen Dank.
Anderes Beispiel: Man hat es ja im ganzen In- und Ausland gelesen: die Schweiz führt die Todesstrafe ein! Nein, tut sie natürlich nicht. Für unsere ausländischen Freunde, hier als kleine Guideline, wie politische Meinungsäusserungen in der Schweiz zu gewichten sind:
- Wenn von knapp 8 Millionen Einwohnern eines Landes deren fünf an einem Küchentisch eine freaky Idee haben, ist dies kein Thema zur Besorgnis, sondern bloss das normale Surrogat von Irren, das man in jedem Land findet.
- Wenn 100′000 Knallköpfe diese Idee supigeil finden und sich zu einer Freudenbekundung qua Unterschrift bewegen lassen, ist dies zwar besorgniserregend, aber noch kein Problem.
- Wenn dann das Parlament dieses Landes die Idee auch noch so OK findet, ist dies langsam problematisch, aber noch keine Katastrophe.
- Und wenn (und erst wenn!) dann die Mehrheit der Stimmenden an der Urne tatsächlich diese Idee annimmt – dann ist die Katastrophe eingetroffen.
Die lustige Idee mit der Todesstrafe ist ja nun knapp über Stufe 1 zur Furzidee verkommen, von dem her kann man sich trefflich darüber bespassen. Aber wichtig ist die Aktion der Initianten schon, weil sie die Debatte neu lanciert hat. Nicht diejenige über die Todesstrafe (ey, hallo?!?), aber doch darüber, ob man das Initiativrecht an eine Zurechnungsfähigkeitsprüfung der Initianten koppeln solle. Die Debatte sei hiermit eröffnet!
Ihre Meinung bereits gut überlegt und kundgetan im 20Min vom 25.8. hat Christine Burgassi-Spears (19) aus Hombrechtikon ZH:
Ich finde sie [die Todesstrafe] gut. Heute kommen viele Mörder bloss ein paar Jahre ins Gefängnis und lernen daraus nichts.
Nein, ich möchte nicht Christine sein. Aber noch viel weniger möchte ich ihr Freund sein, der dieses Statement morgens auf dem Weg zur Arbeit liest und spontan eine Kosten-Nutzen-Rechnung zwischen originellem Sex und “nicht wegen meiner Freundin ausgelacht werden” aufstellt. An seiner Stelle würde ich mal einen sexy Namen für meine rechte Hand brainstormen. Aber es ist ja seine Entscheidung.
Und apropos Statement: ich las diese Woche, dass Claudia Schiffer 40 geworden ist – ich gratuliere herzlich, du alte Sau! Ich darf der Claudia übrigens mit Fug und Recht “alte Sau” sagen, weil nächstes Jahr werde ich ja selbst eine. Aber eben, Statement: da wurde in irgend so einer Journaille (ich finde den Mist ums Verrecken nicht im Netz, sorry) gefragt, was sie, die Frau Schiffer, denn für die Umwelt tue. Und zur Antwort gab die Schifferin, dass sie gerne weniger Wäsche kochen würde. Frau Schiffer zeigt hier also, nebst einer schon beinahe übermenschlichen Sorge um unsere Umwelt, dass sie durchaus auch eine intellektuell-philosophische Seite hat, indem sie die Regel, aus dem Sein dürfe man kein Sollen ableiten, in eine neue Dimension erweitert. Chapeau!
Viele Entscheidungen standen auch bei der selbsternannten “Partei des Mittelstands” an. Die Halleluja-Brüste dürfen jetzt ja leider nicht Bundesratten werden, der kleine Fuchs darf nicht mehr im Stadtrat sein (das glauben wir hingegen erst dann, wenn wir es sehen) und im nachhinein hat man gemerkt, dass die Hauptzielgruppe des bunten Fragebogens von selbigem weit überfordert wurde. Echt jetzt, liebe SVP-Schefstrategen, meint ihr wirklich, eure Wähler könnten mehr als zehn Wörter pro Seite lesen?
Apropos kleiner Fuchs: der ist jetzt sogar Titelheld eines schönen Liedes. Und not very amused. Was wiederum erstaunt, da er doch sonst jede Gelegenheit, Medienthema zu werden, freudig nutzt, unter anderem eben auch das Patronat der einen Halleluja-Brust, ihrerseits der Spasspolitik in keinster Weise abgeneigt. Und wer jetzt “Fake!” und “inszeniert!” schreit, soll ruhig sein, weil als einem der kleine Fuchs vom grossen an Bauernzmorgen als Bettgenosse vorgestellt wurde, da war der kleine Fuchs ja bloss der kleine Hess, den man noch nirgends kannte. Und ipso ergo facto irrelevant.
Zum Erich Dschei und seinen aufrechten Patrioten passt ja auch noch eine Entdeckung, die Hase letzthin gemacht hat, und zwar auf der Schachtel ihrer Slipeinlagen. Da steht nämlich, dass diese ein Verfalldatum haben. Ich muss jetzt ein bisschen ausholen und anmerken, dass Hase das Erreichen des Verfalldatums eines Produkts nicht als “ablaufen” bezeichnet”, sondern als “nicht mehr gültig sein”: das Joghurt mit der lustigen grünen Pelzmütze ist also “nicht mehr gültig”, genauso wie das Libero-Abi vom fähndrigen Jahr. Aber item. Der Punkt ist, dass Hase entdeckt hat, dass auch ihre Slipeinlagen ein Ablaufdatum haben, also irgendwann den Zustand erreichen, wo sie “nicht mehr gültig” sind. Man stelle sich das mal vor. Was, so fragten wir uns, passiert, wenn man das weibliche Genital in Kontakt mit ungültigen Slipeinlagen bringt? Explodiert, wie von Hase (!) angeregt, gleich die ganze Frau oder bekommt man bloss unangenehmen Besuch von der Slipolizei? Man weiss es nicht.
Und wie wir schon beim weiblichen Genital sind: das Wort “Vuvuzela” hat es ja scheints in den Oxford Dictionary geschafft, was saublöd ist, weil ich nach wie vor drauf bestehe, dass das Ding “Vuzulela” heisst, weil es so einfach phonetisch und vom Duktus her besser klingt. Das Wort meine ich jetzt; die Tröte klingt genau gleich, völlig gleichgültig, wie man sie nennt.
Ah, und übrigens: Müslüm, ich will ein Kind von dir!






