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Beinhart Dschängu wagt wieder den Hosenlupf

Wir waren da ja in Schweden, auf Urlaub. Hat ein bisschen länger gedauert, sorry.

Zurück in der Heimat merke ich, dass sich dieses eher träge, langweilige Land in der Zwischenzeit zu einer freudigen, dynamischen Irrenanstalt entwickelt hat. So musste ich feststellen, dass der Bundesrat, vor einem halben Jahr noch eine uneinige, streitlustige, inkompetente und handlungsunfähige Selbsthilfegruppe, mittlerweile seine zwei grössten Probleme angepackt hat und auf dem Weg ist, in absehbarer Zeit eine Lösung zu finden. Das ist ja schonmal gut. Es foutiert mich auch nicht wirklich, wenn ich in Zukunft von einer Frauenmehrheit regiert werde. Konkret ist dies für mich seit bald zwei Jahrzehnten der Normalzustand und ich kann der Grinsekatz vom Leman hier versichern, dass dieser Zustand auch für Männer durchaus Vorteile hat. Was mich aber stutzig gemacht hat, ist die Aussage diverser Medien, einer Frau, die sich in den Bundesrat wählen lassen wolle, käme wohl “das Geschlecht in die Quere”. Hier muss ich doch die anatomischen Kenntnisse einzelner Schurnalisten in Frage stellen und auf eine entsprechende Weiterbildung pochen. Alternativ könnte man natürlich auch von intimem Insiderwissen einzelner Schurnis ausgehen und sich die Frage stellen, ob… nein, sorry, aber ich möchte heute noch etwas essen, herzlichen Dank.

Anderes Beispiel: Man hat es ja im ganzen In- und Ausland gelesen: die Schweiz führt die Todesstrafe ein! Nein, tut sie natürlich nicht. Für unsere ausländischen Freunde, hier als kleine Guideline, wie politische Meinungsäusserungen in der Schweiz zu gewichten sind:

  • Wenn von knapp 8 Millionen Einwohnern eines Landes deren fünf an einem Küchentisch eine freaky Idee haben, ist dies kein Thema zur Besorgnis, sondern bloss das normale Surrogat von Irren, das man in jedem Land findet.
  • Wenn 100′000 Knallköpfe diese Idee supigeil finden und sich zu einer Freudenbekundung qua Unterschrift bewegen lassen, ist dies zwar besorgniserregend, aber noch kein Problem.
  • Wenn dann das Parlament dieses Landes die Idee auch noch so OK findet, ist dies langsam problematisch, aber noch keine Katastrophe.
  • Und wenn (und erst wenn!) dann die Mehrheit der Stimmenden an der Urne tatsächlich diese Idee annimmt – dann ist die Katastrophe eingetroffen.

Die lustige Idee mit der Todesstrafe ist ja nun knapp über Stufe 1 zur Furzidee verkommen, von dem her kann man sich trefflich darüber bespassen. Aber wichtig ist die Aktion der Initianten schon, weil sie die Debatte neu lanciert hat. Nicht diejenige über die Todesstrafe (ey, hallo?!?), aber doch darüber, ob man das Initiativrecht an eine Zurechnungsfähigkeitsprüfung der Initianten koppeln solle. Die Debatte sei hiermit eröffnet!

Ihre Meinung bereits gut überlegt und kundgetan im 20Min vom 25.8. hat  Christine Burgassi-Spears (19) aus Hombrechtikon ZH:

Ich finde sie [die Todesstrafe] gut. Heute kommen viele Mörder bloss ein paar Jahre ins Gefängnis und lernen daraus nichts.

Nein, ich möchte nicht Christine sein. Aber noch viel weniger möchte ich ihr Freund sein, der dieses Statement morgens auf dem Weg zur Arbeit liest und spontan eine Kosten-Nutzen-Rechnung zwischen originellem Sex und “nicht wegen meiner Freundin ausgelacht werden” aufstellt. An seiner Stelle würde ich mal einen sexy Namen für meine rechte Hand brainstormen. Aber es ist ja seine Entscheidung.

Und apropos Statement: ich las diese Woche, dass Claudia Schiffer 40 geworden ist – ich gratuliere herzlich, du alte Sau! Ich darf der Claudia übrigens mit Fug und Recht “alte Sau” sagen, weil nächstes Jahr werde ich ja selbst eine. Aber eben, Statement: da wurde in irgend so einer Journaille (ich finde den Mist ums Verrecken nicht im Netz, sorry) gefragt, was sie, die Frau Schiffer, denn für die Umwelt tue. Und zur Antwort gab die Schifferin, dass sie gerne weniger Wäsche kochen würde. Frau Schiffer zeigt hier also, nebst einer schon beinahe übermenschlichen Sorge um unsere Umwelt, dass sie durchaus auch eine intellektuell-philosophische Seite hat, indem sie die Regel, aus dem Sein dürfe man kein Sollen ableiten, in eine neue Dimension erweitert. Chapeau!

Viele Entscheidungen standen auch bei der selbsternannten “Partei des Mittelstands” an. Die Halleluja-Brüste dürfen jetzt ja leider nicht Bundesratten werden, der kleine Fuchs darf nicht mehr im Stadtrat sein (das glauben wir hingegen erst dann, wenn wir es sehen) und im nachhinein hat man gemerkt, dass die Hauptzielgruppe des bunten Fragebogens von selbigem weit überfordert wurde. Echt jetzt, liebe SVP-Schefstrategen, meint ihr wirklich, eure Wähler könnten mehr als zehn Wörter pro Seite lesen?

Apropos kleiner Fuchs: der ist jetzt sogar Titelheld eines schönen Liedes. Und not very amused. Was wiederum erstaunt, da er doch sonst jede Gelegenheit, Medienthema zu werden, freudig nutzt, unter anderem eben auch das Patronat der einen Halleluja-Brust, ihrerseits der Spasspolitik in keinster Weise abgeneigt. Und wer jetzt “Fake!” und “inszeniert!” schreit, soll ruhig sein, weil als einem der kleine Fuchs vom grossen an Bauernzmorgen als Bettgenosse vorgestellt wurde, da war der kleine Fuchs ja bloss der kleine Hess, den man noch nirgends kannte. Und ipso ergo facto irrelevant.

Zum Erich Dschei und seinen aufrechten Patrioten passt ja auch noch eine Entdeckung, die Hase letzthin gemacht hat, und zwar auf der Schachtel ihrer Slipeinlagen. Da steht nämlich, dass diese ein Verfalldatum haben. Ich muss jetzt ein bisschen ausholen und anmerken, dass Hase das Erreichen des Verfalldatums eines Produkts nicht als “ablaufen” bezeichnet”, sondern als “nicht mehr gültig sein”: das Joghurt mit der lustigen grünen Pelzmütze ist also “nicht mehr gültig”, genauso wie das Libero-Abi vom fähndrigen Jahr. Aber item. Der Punkt ist, dass Hase entdeckt hat, dass auch ihre Slipeinlagen ein Ablaufdatum haben, also irgendwann den Zustand erreichen, wo sie “nicht mehr gültig” sind. Man stelle sich das mal vor. Was, so fragten wir uns, passiert, wenn man das weibliche Genital in Kontakt mit ungültigen Slipeinlagen bringt? Explodiert, wie von Hase (!) angeregt, gleich die ganze Frau oder bekommt man bloss unangenehmen Besuch von der Slipolizei? Man weiss es nicht.

Und wie wir schon beim weiblichen Genital sind: das Wort “Vuvuzela” hat es ja scheints in den Oxford Dictionary geschafft, was saublöd ist, weil ich nach wie vor drauf bestehe, dass das Ding “Vuzulela” heisst, weil es so einfach phonetisch und vom Duktus her besser klingt. Das Wort meine ich jetzt; die Tröte klingt genau gleich, völlig gleichgültig, wie man sie nennt.

Ah, und übrigens: Müslüm, ich will ein Kind von dir!




Statusmeldungen, die keine Sau braucht.

Heiss. Hirn schmilzt dahin. Alles klebt.




Sie leben…

Ja, wir leben noch. Auch wenn der Rhythmus unseres Geschreibsels zuletzt etwas zu wünschen übrig gelassen hat.

Egal, denn im Prioritäten setzen waren wir schon immer gut.

Apropos Prioritäten setzen, nachdem die in Schweizer Besitz befindliche Ölplattform Deepwater Horizon abgegluckert ist und den mexikanischen Golf inklusive Küsten schön einölt, könnte jetzt eine Schweizer Firma Abhilfe schaffen. Man ist da scheinbar zuversichtlich.

Komisch, irgendwie fühlen wir uns ein bisschen an die übliche CH-Kriegsgewinnlerei(TM) erinnert. Ein Schlingel, wer böses dabei denkt…

Denken ist ein gutes Stichwort. Wir sind immer wieder mal überrascht, wie die Jesus-betrunkenen Polit-Kreuzritter gelegentlich von den Kollegen der SVP in Sachen Hirnakrobatik rechts überholt werden.

Unsichtbare Freunde hin oder her, das hier stellt doch einiges in den Schatten, obwohl es in der Schweizer Politik an Dummheiten zuletzt kaum gefehlt hat. Respekt, solch gequirlte Scheisse muss man im Denkstübchen erst mal hinkriegen.

Diskussionen über Fussbälle oder Plastiktröten sparen wir uns an dieser Stelle, da faktisch kein Interesse vorhanden. Ich finde Vuvuzelas aus Metall eh besser, die kann man wenigstens als Rauchinstrument benutzen.

Olé.




Knallcharge reloaded

Heute könnte es ein wenig länger gehen. Doch fangen wir von vorne an.

Unser nördlicher Nachbar verliert gleich zwei streitbare Figuren, die in den letzten Jahren die Deutsche Politik massgeblich geprägt haben.

Einerseits hätten wir den angekündigten Abgang der konservativen Krawallbraut Gabriele Pauli, die den Stoiber Edi mit einem gut gesetzten Tritt vors Schienbein zum straucheln, dann letztendlich zu Fall gebracht hat. Das war allerdings zum grossen Teil alles, was die Dame an politisch relevantem für das Land hervorgebracht hat. Immerhin. Wir sagen tschüss, prost und wünschen viel Spass bei den zukünftig wohl vermehrten Ausritten mit ihrer Ducati Monster.

Andererseits hat Roland Koch angekündigt, seinen Bettel hinzuschmeissen. So wie es aussieht wurde er von der strategisch wieder mal griffigen Angie langfristig ins (bundespolitische) Abseits befördert, was diesen reaktionären und verbal gelegentlich haarscharf am Faschismus vorbeischrammenden Hardliner unter anderem wohl zum Rücktritt bewegt hat.

Natürlich will er seine Hackfresse auch zukünftig nicht im Zaum halten, das freut die konservative Klientel in Hessen und womöglich auch darüber hinaus. Nun gut, man muss halt auch wissen, dass man im schönen Hessen ja in Lokalzeitungen auch noch auf  Schwule eindreschen darf, ohne seinen Job als Provinzredaktor zu verlieren. Ist halt nicht alles Frankfurt, was den Löwen im Wappen hat.

Etwas ganz anderes hat Mark Gasson gemacht. Kurz zusammengefasst hat sich der Froscher einen Virus auf einem bei ihm implantierten RFID Chip (wir erinnern uns: Tiere und Produkte werden gerne mit diesem passiven System versehen) gepackt und ziemlich beeindruckend demonstriert, was bei dieser Technologie alles schief gehen kann.

Bei der nächsten Diskussion über Chip Implantate beim oder rund um den Menschen dürfte dieser Artikel einige gute Argumente für Gegner dieser Technologie bereit halten. Ich habe jedenfalls aufmerksam gelesen, denn die breite Diskussion um RFID hat erst begonnen.

Und dann dies: Eigentlich habe ich mir geschworen, dieses Thema sein zu lassen. Ich kann keine neuen Erkenntnisse bieten, geschweige denn einen konstruktiven Beitrag dazu liefern. Aber es muss raus.

Seit Jahren schon nerve ich mich immer wieder über Mitmenschen, die es nicht fertig bringen, sich im urbanen Raum anständig zu bewegen. Sei es beim Rangieren in öffentlichen Verkehrsmitteln, sei es beim Anstehen, halt dann, wenn grössere Menschenaufläufe abgefertigt werden müssen.

Heute war wieder einer dieser Tage, wo ich mich heimlich nach einem eigenen Auto sehne und in geistigen Bildern schwelge, in denen ich mich mit feiner Musik und geschlossenen Fenstern im Stau in meiner kleinen autistischen Autoblase entspanne. Natürlich mit einem automatischen Getriebe, da sind auch Krämpfe im Kupplungsbein Vergangenheit.

Ich liste die Knackpunkte in zeitlicher Reihenfolge auf:

  • Beim Umladen am Bahnhof stehen die wartenden Bus-Passagiere so rum, dass man als Aus- bzw Umsteiger über Bänke steigen muss, wenn man nicht über einen gefühlten Kilometer Umweg zur eigentlich nahe liegenden Destination machen will.
  • An der Wartestelle für den Bus ins heimische Gefilde ist es einer breiten Mehrheit offenbar nicht möglich so zu stehen, dass Passanten wenigstens halbwegs noch das Trottoir, das ja bekanntlich für den Fussgänger-Transfer bestimmt ist, artgerecht benutzen können.
  • Beim umladen des zweiten Busses dann das gleiche Spiel wie beim ersten Punkt. Zu dritt waren wir offenbar die einzigen, die das Drama erkannten und uns wenigstens Mühe gaben, den Aussteigern nicht im Weg zu stehen.
  • Im Bus selbst sass ich (beinahe 190cm, lange Arme und Beine, nur knapp genug Platz) wieder mal neben einem Dickerchen, das offenbar nicht in der Lage war, seine Beine auch nur annähernd so zusammen zu halten, dass sich unsere Oberschenkel nicht aneinander reiben. Da ich mein möglichstes bereits tat, bat ich um Nachsicht beim Sitznachbar. Ein abschätziger Blick war alles, was ich von dem Kohlenstoff-Bomber bekam.

An solchen Tagen macht man es mir sehr, sehr schwer, an das eigentlich dufte Konzept von öffentlich Verkehrsmitteln zu glauben. Es ist ja wie immer: Nicht das System ist das eigentliche Problem, sondern seine Teilnehmer, was dann leider auch auf das System abfärbt, zumindest in der Wahrnehmung.

Hiermit fordere ich den Führerschein für urbane Bewegung, wer den nicht schafft (Kranke, Behinderte, Alte und Kids mal ausgenommen) , darf das Stadtgebiet zur Rush Hour nicht mehr betreten. Oder man darf straffrei auf diese Idioten eindreschen. Echt jetzt.




Läckmer mit Handicap

Neulich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mit dem gesamten Körpergewicht auf eine Hand zu fallen. Ohne fremdes Zutun notabene, und natürlich ging dabei auch etwas Knochensubstanz kaputt.

Immerhin ist es beruhigend zu wissen, dass ich mir für grosse Missgeschicke nach wie vor selbst genug bin. Andere Leute brechen sich ja beim Kampfsport oder bei näherem Kontakt mit Migrantenkindern irgendwelche Knochen.

Somit war ich die letzten zwei Wochen gut ausgelastet damit, meiner lieben Lebensabschnittsbegleiterin deutlichen Mehraufwand im Haushalt zu bescheren und meine gesamte Umwelt wissen zu lassen, wie behindert ich mich mit einem geschienten und eingebundenden Arm fühle.

Das erklärt auch einigermassen, warum ich so lange nichts geschrieben habe. Einhändig macht es einfach nicht so viel Spass. Wobei man ja froh sein kann, im Zeitalter der leichtgängigen Tastaturen zu leben. Man stelle sich mal vor, ich würde auf einer alten Olympia mit der schwachen Hand und dem Geier-Sturzflug-System meine Beiträge verfassen. Ein erbärmliches  Bild.

Apropos erbärmlich, ich bin immer wieder beeindruckt vom Mass an Selbstüberschätzung, dass Filippo Leutenegger an den Tag legt. Da gehört schon ein gehöriges Mass an Merkbefreitheit dazu, wenn ein solcher Vollpfosten für das Amt des SRG-Generaldirektors kandidiert.

Immerhin hat mich die Wahl von Roger de Weck etwas milde gestimmt, damit kann die Nulpe Walpen endlich mit gutem Gewissen weggetreten werden. Sogar der Roscheee hat seine Freude an der Wahl, und das will etwas heissen.

Wir sind jedenfalls gespannt darauf, wie sich die SRG ab dem nächsten Jahr entwickeln wird.




Zur Mitte, zur Titte, zum Sack – zack, zack!

Es ist, und da spricht jetzt der alte Sack mal wieder aus mir, schon nicht mehr so wie früher. Ich meine, wenn man ein derart hochintellektuelles Produkt wie die Daumenschraube betreut, das sich (vielleicht nicht nur, aber eben doch) der gepflegten Satire verschrieben hat, dann hat man es momentan nicht leicht.

Warum denn dies? Nun, das Stichwort ist “Realsatire”. Ich meine, ist es denn heute überhaupt noch möglich, reale Zustände überspitzt zu formulieren? Kann man überhaupt noch  Personen, Situationen oder Geschehnisse überzeichnen? Schlägt die Realität nicht schon lange jegliche Phantasie um Längen? Ich meine, ich weiss ja schon gar nicht, wo ich mit Beispielen anfangen soll. Also, vielleicht beim Herrn Doerig, der als Präsident der Credit Suisse fungiert. Weil, der Herr Doerig, der lässt sich im TagiBund mit den Worten zitieren: “Sie wissen ja nicht, was ich persönlich mit dem Geld mache”. Schon klar, man könnte Geld verheizen (wurde gerade in letzter Zeit öfters gemacht), man kann es (entgegen gewissen Indianerweisheiten) zu einer schmackhaften Mahlzeit verarbeiten, man kann es als Dämmmaterial verbauen oder man kann es, zu Blöcken geschichtet, als Ziegelsteinersatz verwenden. Von dem her bleibt ja schon eine gewisse Unklarheit in Bezug auf Doerigs Umgang mit Geld. Ich würde aber mal vermuten, dass er es, wie alle anderen Leute, früher oder später einfach ausgeben wird. Gut, im Fall von Herrn Doerig eher später (wenn überhaupt noch), aber egal.

Der Herr Doerig hat heute übrigens GV, was in seinem Alter meist nicht mehr Geschlechtsverkehr meint, sondern Generalversammlung. Das heisst, dass alle Leute, die Aktien von seiner sympathischen Familienklitsche gekauft haben, sich gemütlich im Hallenstadion besammeln und dann reihum den Helden auf der Bühne die Schultern klopfen. Also, eigentlich machen das die im Saal nicht, weil die sind im Grunde genommen in der Minderheit und in der Tendenz angepisst. Diejenigen, die mehrheitlich schulterklopfen, sind andererseits im Saal in der Minderheit (wenn überhaupt anwesend), real aber die absolute, unumstössliche Mehrheit. Da soll noch jemand durchblicken! Man kann zusammenfassen mit: ich möchte Herrn Doerigs Job nicht. Sex statt Millionensalär ist meine Devise, meinen Schef wirds freuen.

Auch so einen Job, den ich ums Verrecken nicht möchte, ist der vom Herrn Provopoulos, angestellt als Geissbock bei der Bank of Greece und bei der Europäischen Zentralbank. Bock zum Gärtner zum Bock, sag ich da nur, ohne das Populus jetzt allzu sehr provozieren zu wollen (Tusch!). Und wenn wir schon bei lustigen Namen bei der Zentralbank sind: wer zur Hölle, der noch alle Sinne beeinander hat, würde jemanden zum Präsidenten der Zetralbank machen, dessen Name verdammt nach “bschiisse” klingt? Die Europäer machen es uns mit Jean-Claude Trichet vor und uns erstaunt nichts mehr.

Ui, lustige Namen, letzthin habe ich in unserem Badezimmer übrigens ein Produkt entdeckt, das durch Hase seinen Weg zu uns gefunden hat. Es heisst “Frizz Ease” und ist gemäss der aufgedruckten Beschreibung dazu geeignet, aus Locken einen haarigen Wahnsinn zu machen. Es müssen tausende von Nobelpreisträgern bei der Entwicklung des Produkts beteiligt gewesen sein, wenigstens liest sich die Inhaltsangabe wie das Who Is Who des Chemiebaukastens. Und übrigens: man muss schon von Natur aus Locken mitbringen, Wellen reichen nicht aus für den Locken-Wahnsinn. Das hat auch Hase gesagt, nachdem ich mir eine halbe Flasche von dem Scheiss eingerieben habe, in der Erwartung, mir wachse jetzt dann gleich ein Afro. Und ja, sie hat dazu DAS GESICHT gemacht. Aber darum geht es gar nicht. Ich habe mir nämlich stattdessen überlegt, dass es noch recht heikel ist, ein Shampoo auf den Markt zu werfen, das mit der heute üblichen Lese- und Verständnisschwäche ganz gut als “Friss es!” gelesen werden könnte. Ich wette, es hat mal wieder niemand an die Kinder gedacht.

Ganz im Gegensatz übrigens zur katholischen Kirche, wo traditionell ganz, ganz viel an Kinder gedacht wird. Der Bischof Mixa beispielsweise, der hat früher mal wahnsinnig viel an Kinder gedacht, dann plötzlich hat er sie vergessen, und auf einmal sind ihm dann die Kinder wieder eingefallen. Beziehungsweise, der Mixa ist den Kindern eingefallen, die heute keine Kinder mehr sind. Und dann haben sie sich mal wieder getroffen, so auf ein Bier und eine Brezn, und hatten es ganz lustig miteinander. So lustig, dass der Mixa gefunden hat, es lange jetzt dann mal mit dem Bischofsein und er gebe jetzt den Hirtenstab mal wieder dem Ratzi, soll der doch einen noch Dümmeren finden.

Was macht eigentlich ein Bischof, wenn er in Rente geht? Ich meine, alte Buchhalter oder Cobol-Programmierer finden immer wieder eine Beschäftigung, auch greise Metzger und senile Ex-Bundesräte bringen wir unter, aber Ex-Bischöfe? Die sind ja schon zur aktiven Zeit zu kaum was nütze, ausser, dass sie dafür sorgen, dass die schönen Kleidchen regelmässig ausgelüftet werden. Und dass der stetige Strom von Austrittswilligen mittlerweile die Ausmasse einer Flutkatastrophe hat. Aber sonst? Kleriker wird man ja nicht, wie in anderen Berufen, weil man etwas besonders gut kann, sondern weil man eben genau gar nichts kann. Da sollte sich Frau Leuthard mal drum kümmern, nicht immer da um diese doofen Jugendlichen, die sowieso schon von der katholischen Kirche reichlich Zucker (o.ä.) in den Arsch geblasen kriegen.

Ja, die Frau Leuthard… die Arme stand ja recht belämmert da am Trottoir in Berlin, als das Merkel sie im (metaphorischen) Regen stehen liess. Auch so ein Job, den ich nicht wollte, Bundesrat. Erst lassen sie dich da stehen, dann schleckt dich die Merkel ab. Und dann muss man eine halbe Ewigkeit rumlaufen, während man vom Militär von einer Seite her mit unglaublich lauter Marschmusik beschallt wird. Und dann sagen die am Schluss auch noch, man sei ja voll die Freunde. Hallo?? Meine Freunde hole ich vom Zug ab, ich drücke ihnen nicht die Arme zusammen, während ich sie küsse und ich versuche auch, sie nicht mit akkustischer Kriegsführung mürbe zu kriegen. Nein, Bundesrat ist kein schöner Job. Oder so wie beim Merz: man wird einfach nicht verstanden. Die Welt ist einfach zu klein für einen Appenzeller Intellektuellen. Übrigens, wäre ich Appenzeller Tourismusdirektor, ich würde sofort den Slogan “Appenzell – intellektuell!” lancieren. Nicht, weil er zur Zielgruppe passen oder auch nur ansatzweise stimmen würde, aber ich finde, den Reim wäre es wert.

Aber wir waren ja beim Merz, weil die Welt ihn eben partout nicht verstehen will. So will es der Welt, dieser doofen Kuh, auch nicht in den sturen Grind, dass eine Biografie sich eben nicht zu stark auf die portraitierte Person fokussieren soll. Und, das muss ich sagen, hier verstehe ich den Hans-Rudolf mal. Es gibt schliesslich nicht Öderes, als wenn man, sagen wir mal, eine Biografie vom Napoleon liest, und auf vielleicht 1000 Seiten kommt dauernd nur Napoleon hier, Napoleon da, Napoleon blah-blah-blah. Vielleicht mal der erste, mal der zweite oder so, aber im Grossen und Ganzen voll der Gähn. Nach spätestens 20 Seiten denken doch eh alle, “uaaaaah, nicht schon wieder Napoleon, ich kann es nicht mehr lesen!” und legen frustriert das Buch zur Seite. Gut, eingefleischte Napoleon-Fans halten vielleicht bis Seite 100 oder so durch, aber da ist Herr Merz eben ganz Realist und kann es sich nicht vorstellen, dass es eingefleischte Merz-Fans gibt. Ich stimme ihm zu, dass es viel spannender ist, wenn jetzt, auch eher exemplarisch zu verstehen, in einer Ghandi-Biografie urplötzlich Richard Löwenherz auftritt. Oder Aliens! Eine Biografie ohne Aliens ist einfach kaum das Papier wert, auf das sie gedruckt wurde. Nackte Weiber müssen auch sein, und, um dem Ganzen noch so einen aufklärerisch-pädagogischen Touch zu geben, eine kurze Abhandlung über das bäuerische Bodenrecht in der Schweiz. Ein Sudoku wär auch fesch. Das wär mal eine Biografie, die sich gewaschen hat!

Achso, ja, stimmt ja, es waren ja auch noch Wahlen im Kanton Bern. Falls ihr da grad aufm Klo wart oder so, hier die Zusammenfassung. Postitives gab es wie folgt:

  • Die Jesus-Freaks (EVP, EDU) wurden abgeklatscht. Bringt offenbar doch was, wenn man diese Leute an die Öffentlichkeit zerrt und sie dazu bringt, ihre “christlichen Werte”, die sie sanft-säuselnd und um verständnisvolles Kopfnicken heischend als ihre Basis deklarieren, mal konrekt auszuformulieren.
  • Auch die FDP, wie obige Parteien mehr als politischen Einfluss suchende Sekte denn als Partei zu verstehen, hat links und rechts paar ans Gesicht gekriegt.
  • Rötlich-grünlich hält sich in der Regierung stabil

An Negativem gäbe es zu vermelden:

  • alles andere.

Ihr seht: nichts los in Satire-Land. Realität fressen Witz auf. Und dieser doofe Eierfallen-Vulkan hat zwar den weltweiten Flugverkehr lahmgelegen können, der Thiel, der nur wenige Kilometer weiter wohnt, lebt aber immer noch.

Was für ein Gott lässt sowas zu?!?




Ich will die Scheidung. Oder?

Bravo. Gratuliere, das habt ihr gut hingekriegt. Danke Evi, danke Roland und danke allen anderen Vor- und Mitreitern aus den Reihen meiner GenossInnen und ausserhalb. Man hat im Zweifel gegen den Angeklagten geurteilt, auch wenn der Nachweis nicht mal Ansatzweise erbracht ist.

Das Ganze mit tatkräftiger Unterstützung aus den Reihen der eigenen Partei, die seit ein paar Jahren einen klitzekleinen Prozentsatz meines Lohnes bekommt, damit sie ihre – zugegeben – oftmals hehren Motive ein klitzekleines bisschen mehr an die Leute bringen kann.

Jetzt denke ich halt eben über die Scheidung nach. Nicht, dass ich das wirklich rational begründen könnte. Die üblichen Verdächtigen in der SP haben schon bei viel grösserem Mist mitgemacht, als das aktuell der Fall ist, und die JuSo finde ich zu guten Teilen ja eigentlich ganz dufte.

Aber dieses eine Mal hat dem Fass den Gipfel geknickt. Manchmal ist das einfach so und man kann nichts dagegen tun. Ist halt so ‘ne Gefühls-Kiste.

Irgendwie weiss man instinktiv, wann etwas kaputt ist. Andererseits bin nicht der Typ, der vor so einer Krise davonläuft. Ganz wie die Angie aus Teutonia. Sitzen wir die Sache mal aus und schauen, was sonst noch passiert.




Die Zehn Gebote 2.0

Leute, ich fühle mich momentan ja sowas von entspannt, relaxt und ausgeglichen. Ich gehe durchs Leben wie eine Hindu-Kuh auf Valium. Der Grund dafür ist ein Winterwander-Kurzurlaub, der sich dann, infolge katastrophalen Witterungsverhältnissen, in ein Wellness-Monsterprogramm verwandelt hat. Euer alter Zigeuner ist nun gepeelt, gewalkt, gewaschen, gesprudelt und bis in die letzte Hautfalte rebalanct. Hammer.

Hase und ich haben uns bisher ja auf Vals eingeschossen, jetzt waren wir das erste Mal in Leukerbad (witzigerweise just an dem Wochenende, an dem Pleitier Otto G. Loretan aus dem Knast entlassen wurde). Und was soll ich sagen: architektonisch überzeugt Vals nach wie vor um Welten, dafür ist das Publikum in Leukerbad wesentlich angenehmer. Die wenigen anwesenden Russen haben sich zivilisiert benommen, trendy Züri-Gigle fehlen dank nicht vorhandenem Highlife vollkommen und generell ist der Groove eher heimelig-familiär denn mondän-elitär. Me likes a lot.

Unsere Tipps:

Vor allem erwähnenswert ist die Tatsache, dass ich mich in einem Schweizer Kurort zum ersten Mal nicht als Fremdkörper mit Kreditkarte, sondern als gern gesehener Gast fühlte: durchs Band weg freundlichstes, nicht arschkriechendes Personal, das flexibel und kundenorientiert Wünsche zu erfüllen sucht.

Liebe Leukerbaderinnen, liebe Leukerbader: jederzeit wieder!

Fusskalender

Letzthin, da haben Hase und ich übrigens noch was herausgefunden: anhand meiner Füsse kann man nämlich sofort erkennen, welche Jahreszeit ist! Und das geht so:

  • Wenn sie himmelschreiend stinken, aber optisch blitzblank sauber sind: Winter
  • Wenn sie einigermassen sauber sind und nur wenig stinken: Frühling
  • Wenn sie dauernd vor Dreck strotzen und nur leicht müffeln: Sommer
  • Wenn sie total verdreckt sind und stinken wie Sau: Herbst

Ich kann gar nicht genug betonen, wie praktisch so ein Talent  ist.

Sie wollen alle nur deine Deppenenergie!

Letzthin, es war schon etwas spät, da lief auf dem Bildschirm neben mir der Film «Monsters Inc.». LeserInnen, die sich hin und wieder auch für Populärkultur interessieren und sich nicht ausschliesslich auf intellektuellen Profitcentern wie der Daumenschraube aufhalten, werden den Film kennen. Für alle anderen hier die Zusammenfassung:

Monster bauen Atomkraftwerk, aber mit Kindern statt Brennstäben. Saugen die Energie ab, die von erschreckten Kindern ausströmt. Revolution, Umsturz, Randall ist eine schleimige Ratte! Sully und Mike finden heraus, dass Kinder noch viel mehr Energie produzieren, wenn sie lachen. Sully und Mike werden die Helden der Monsterwelt – the Happy End.

Mal ganz abgesehen davon, dass der Film mit glühenden Nadeln in einem uralten Trauma von mir herumpult (ich bin immer noch beleidigt, weil ich als Kind niemals eine nächtliche Monster-Vorstellung in meinem Zimmer hatte, weder in der Schocker-, noch in der Lacher-Version, dabei wäre ich mit beiden total glücklich gewesen), hat er mich auch zum Nachdenken angeregt.

Und zwar, so dachte es mir, wenn es denn möglich wäre, dass man Lachen und Weinen zu Energie umwandeln kann, wäre es dann nicht auch möglich, Dummheit zu Energie umzuwandeln? Könnte man nicht einfach Leute unglaublich viel Dummbatz erzählen lassen, die Deppen-Energie, die dabei entsteht, abziehen und in Strom aus der Steckdose transformieren? Könnte man nicht Deppenkraftwerke (DKW) bauen?

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr kam ich zur Überzeugung, dass das eigentlich gehen müsste. Flauschemonster lügen schliesslich nicht. Und auf einmal fiel es mir wie die verdammten Schneeflocken, die jetzt dann endlich für eine Weile aus meinem Gesichtsfeld verschwinden, aus dem Hirn: es ist noch viel, viel schlimmer.

Meine Erklärung: es sind die Ausserirdischen. Eine furchterregende Verschwörung

Ich meine, schaut euch doch nur mal an, wie Tempel, Minarette und Kirchtürme sowie andere Horte der Dummheit gebaut sind. Immer hoch zum Himmel ragend, immer hat es oben irgendwas, das an eine Antenne erinnert. Immer wird zum Bau von solchen Gebäuden Metall verwendet, gerne sogar Gold – bekanntlich ein ausgezeichneter Energieleiter! Und gerne verweisen die Erbauer solcher Dinger darauf, dass der Ort ihres Bauwerks ein bekannter «Kraftort» (sic!) sei. Durchschaubarer geht ja wohl kaum mehr!

Klar, vor allem die göttliche Fraktion will uns beruhigen, will uns einreden, ja, der Energiefluss, der finde tatsächlich statt (sie leugnen es ja nicht mal!), allerdings in umgekehrter Richtung: von Gott zu den Gläubigen. Aber sicher doch. Wenn dem so wäre, müsste man Kirchen ja nicht aufwändig mit höchst irdischer Energie beheizen und beleuchten. Verarschen kann ich mich selber.

Nein, wer offenen Auges durch die Welt geht erkennt: hier sind finstere Mächte am Werk. Die Deppenenergie von Tausenden von ahnungslosen Gottesdienstbesuchern wird jeden Sonntag schonungslos abgesaugt, katalysiert und zu den Sternen hochgeschickt. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass intergalaktische Energietransferabkommen bestehen, mit einem klingonischen Leuenberger in der Kommission, der auf Klingonisch “ääääääääääh….!” sagt. (Momentan kommt aus den katholischen DKWs etwas weniger Stoff, das wird aber durch den komprimierten Dummbatz, der in der Zentrale in Rom produziert wird, locker wieder ausgeglichen.)

Man kann den Leuten nur empfehlen, sich vor jedem Kirchbesuch Alufolien-Hüte aufzusetzen. Oder einfach aus der Kirche auszutreten. Müssen ja nicht unbedingt jedesmal Kinder gequält werden, damit bei den Schäfchen Denkprozesse ausgelöst werden.

Finde ich jetzt persönlich.

Ja, eben…

Also, endlich zum Thema – die zehn Gebote. Warum, so fragt ihr euch jetzt sicher, warum braucht es diese? Sind die alten nicht schon völlig ausreichend? Sind wir nicht schon sowieso total überreguliert, zB bezüglich dem Pissen im Stehen, wie der Londoner Stapi meint?

Das mag schon so sein, erwidere ich solchen Fragern in der Regel. Aber man kann doch die zehn Gebote mehr oder weniger  zusammenfassen unter: die Verfasser haben sich wirklich Mühe gegeben und das Ergebnis sieht jetzt auf den ersten Blick so ganz OK aus, es ist aber einfach weder innovativ noch wirklich brauchbar. Da haben die judochristilimischen zehn Gebote also eine gewisse Ähnlichkeit mit dem iPad.

Und zur Überregulierung sage ich nur soviel: ich habe jahrelang unter einem Spanier gewohnt. Das taugt jetzt als Argument noch überhaupt nichts, auch nicht die Tatsache, dass ich ihn in fünf oder sechs Jahren genau einmal mit eigenen Augen gesehen habe. Aber dass er jeden Morgen, pünktlich um drei Uhr dreissig, geschätzte fünf Hektolikter Urin aus – ebenfalls geschätzten – zwanzig Metern Höhe in die Kloschüssel prasseln liess, das taugt insofern als Argument, als dass ich zu dieser Zeit, wegen diesem Spanier, mit fliegenden Fahnen für so ein Verbot, wie es der Londoner Stapi in der Schweiz zu geben meint, gekämpft hätte.

Obwohl ich ja sonst gegen Spanier als solche gar nichts habe.

Wir sehen an diesen beiden Punkten: was die Menschen wollen und dringlichst benötigen ist ein Regelwerk, das sie einfach durchs Leben geleitet. Das ihnen Anweisung und Leitplanke bietet, sie sicher durch die stürmischen Wogen des Alltags schifft und zielgenau in den Hafen der Glückseligkeit führt. Die Menschen brauchen etwas, an dem sie sich festhalten können – gerade in harten Zeiten wie diesen. Da wäre auch sicher der Spanier dankbar gewesen für. Oder der Popel in Rom.

So, genug der vielen Worte, hier sind sie also, exklusiv auf Daumenschraube.ch, für alle Spanier und Nicht-Spanier sowie Spanier im Herzen und Nachfolger der Spanischen Inquisition, die zehn Gebote des Dschango Beinhart!

Die Zehn Gebote des Dschango Beinhart

  1. Versuche doch bitte, wenn immer möglich, dir und deiner Umgebung gegenüber kein allzu grosses Arschloch zu sein.
  2. Siehe 1
  3. Siehe 1
  4. Siehe 1
  5. Siehe 1
  6. Siehe 1
  7. Siehe 1
  8. Siehe 1
  9. Siehe 1
  10. Siehe 1

Ualah. Und nun gehet hin und seid gute Menschen.

Amen.




Wie jetzt? Schon wieder Frühling?

Letzthin hat der Schweizer Souverän (sowie seine Souveräne) ja den Tierschutzanwalt wuchtig verworfen. Es ist halt so, dass des Eidgenossen liebstes Tier das Kotelett ist und selbiges am artgerechtesten in der Pfanne gehalten wird. Simple Fakten des Lebens. Letzthin im Büro hatte ich aber mit dem neuen Coder-Gspändli eine Diskussion über Guinness. Nämlich, dass dieses schöne Getränk, von dem sich in Irland ganze Familien schon seit Generationen mehrheitlich ernähren,  hierzulande gleich vierfach vergewaltigt wird:

  • Es ist hier nur in der Memmen-Version “Draught” erhältlich
  • Es wird gerne in Büchsen kredenzt, mit so einer grausligen Gummikugel drin (soll wohl das Überschäumen verhindern)
  • Es wird hier ungern bei mehr als molligen 4° Celsius ausgeschenkt
  • Um das Büchsen-Feeling zu verschwammen, setzt man in hiesigen Gaststätten das aus der Hülse ins Glas gestürzte Bier auf einen Mini-Vibrator, welcher dann dem Guinness aus der Dose zur arttypischen, schaumigen Krone verhilft.

Man kann das oben zusammenfassen mit: schmeckt voll Scheisse.

Und daraus entwickelte sich dann die Idee: wir lancieren einen Bierschutzanwalt! Der dann von Pub zu Pub geht, mit einem Thermometer in der Hand, und überprüft, ob alle Biere auch artgerecht gehalten werden. Dieser Anwalt müsste gleichzeitig natürlich auch Kläger, Richter und Henker sein können – wir dulden keine Toleranz gegenüber Bierquälern!

Das Traurige an der Sache ist: käme so ein Seich an die Urne, das Verhältnis Ja/Nein wäre wohl gerade umgekehrt wie beim Viecheranwalt.

Die ollen Katholen

Jaja, die Mutter aller Kirchen ist mal wieder am Pranger. War ja alles in den Medien, Kindsmissbrauch hier und da, grosses Drama, die Obrigkeit hält sich mit systeminterner Kritik nobel zurück, unterstützt die Täter und fordert von den Opfern Initiative, die verklemmte Haltung zur Sexualität ist sicher nicht der Grund, neineneineinen, also alles wie gehabt. Wäre da nicht ein gewisser Bischof Mixa, der meint, diese Vorfälle wären auch Ergebnis der “sogenannten sexuellen Revolution“.

Seltsam, wie eine gesellschaftliche Entwicklung just in der Institution, die sich dieser Entwicklung seit jeher am vehementesten entgegenstemmt hat, ihre reichste Blütenpracht entfalten kann.

Confessions of a Stupid Old Man

Apropos traurig: da war ja neulich im TagiMagi ein Artikel über den Peter Bichsel, der nur noch als Karikatur seiner selbst auftritt (die Parodie von Mike Müller wirkt mittlerweile echter als das Original). Ganz besonders witzig ist der Bichselsche Gottesbeweis, den ich hier in verkürzter Form wiedergebe:

  • Prämisse 1: In Solothurn lebt ein vom Leben und sich selbst enttäuschter alter Mann, der früher mal ganz OK geschreibt hat.
  • Prämisse 2: Dieser alte Mann bringt es nicht auf die Reihe, aus eigenem Antrieb Lebenssinn zu entwickeln, sondern meint, dass dieser Sinn ihn gefälligst in einer Beiz anspringen solle.
  • Prämisse 3: Der alte Mann weiss zwar nicht, ob er an Gott glaubt, braucht ihn aber, um Sinn zu schaffen und damit sich der Bichsel noch auf etwas freuen kann.
  • Logische Schlussfolgerung: Gott existiert!

Lieber Peter, such dir doch ein Fumoir und bleib da drin, bis die Asche, die du produzierst, von dir selbst nicht mehr zu unterscheiden ist. Die Tour de France findet ihren Weg über den TV auch ins Flora – da musst du nicht unbedingt einen Dokumentarfilmer bis in ein Pariser Hotelzimmer mitschleppen.

Evi löst das Problem der Jugendgewalt

Mittlerweile weiss man ja, wo das Hauptproblem der Jugend zu verorten ist. Es ist nicht die Unwilligkeit der Politik, massiv in Bildung zu investieren. Es ist auch nicht die krude Auffassung von Integration, die hierzulande gepflegt wird (“lasst sie einfach alle kommen, es wird ihnen derart gefallen hier, dass sie sich von selbst integrieren”). Und natürlich ist auch nicht der Leistungsdruck schuld, nicht der alltägliche Medienwahn, nicht die fehlenden Zukunftsperspektiven. Es liegt nicht daran, dass wir als Gesamtgesellschaft kein Bild davon haben, wohin wir uns entwickeln sollen und auch nicht daran, dass die einzigen Führerfiguren, die wir haben, wirklich das sind: führende Figuren.

Nein, Schuld an allem sind Killerspiele.

Schon nur das Wort: ich kenne Kartenspiele, da spielt man mit Karten. Ich kenne Brettspiele, die spielt man mit Brettern. Gesellschaftsspiele werden in Gesellschaft gespielt, Geschicklichkeitsspiele benötigen Geschicklichkeit. Und Killerspiele? Benötigt man da Killer dazu? Spielt man diese mit anderen Killern? Oder dient der Killer gar als Spielfeld? Man weiss es nicht.

Obwohl also eine gewisse Unschärfe bezüglich dieses Begriffs besteht, ist man sich darüber einig, dass solches verboten gehört. Wegen den Kindern. Und ja, nicht nur für Kinder verboten, sondern für alle. Weil es ja bekanntlich allen Kindern schadet, wenn ein Erwachsener zum Zwecke des Zeitvertreibs auf animierte Pixel schiesst. Das Statement von Rolf Schweiger in 10vor10, das betreffe ja sowieso nur ein paar tausend Leute, die Einschränkung der Freiheit sei hier also zumutbar, finde ich schon noch bemerkenswert, vor allem von einem FDPler. Wieviele Millionäre gibt es in der Schweiz? Nur ein paar tausend? Warum beschlagnahmen wir denen nicht ihr Prvatvermögen und senken dafür die Steuern für alle anderen? Sind ja nur ein paar tausend, die Einschränkung deren persönlicher Freiheit ist hier also, da der Gesamtgesellschaft förderlich, durchaus zumutbar. Und denkt endlich mal jemand an die Kinder?!?

Dschango denkt natürlich an die Kinder. Und er weiss, dass heutige Kinder ihren Erziehungsberechtigen in technologischer Hinsicht weit voraus sind. Die Tatsache, dass sich ein in der Agglomeration amtierender und vom Zufall in die Politik gespülten Lehrer von einem Verkaufsverbot davon abhalten lässt, ein “Killerspiel” zu spielen, beweist nur, dass der Lehrer eine vorgestrige Nulpe ist. Es gibt kein Spiel, keinen Film und kein Buch, das heute nicht innert Minutenfrist auf die heimische Festplatte gesaugt werden kann. Minimales technisches Verständnis vorausgesetzt, das bei der Zielgruppe (Kinder) vorhanden ist, bei den Bedenkenträgern aber komplett fehlt.

Und da ja das Kinder-Argument immer verfängt: wieviele Kinder sterben jedes Jahr durch den Strassenverkehr? Wieviele Kinder und Jugendliche werden jedes Wochenende in den Entnüchterungszellen eingeliefert? Muss die Konsequenz nicht sein, dass man Autofahren und Alkohol verbietet, um die armen, armen Kinder zu schützen? Und wenn wir Gewaltverherrlichendes und Intolerantes konsequent verbieten wollen: wo ist der Bann für die Bibel? Für den Koran? Das SVP-Parteiprogramm?

Ja, noch wegen SVP… obwohl ich mir jetzt wohl einen Monat lang die Hände zwangswaschen muss: der Führerlehrling Erich J. Hess setzt sich in einem überparteilichen Kommitee dafür ein, dass dieses Verbot nicht durchkommt. Und vorgestern im 10vor10 hat er fast intelligent gewirkt, wie er da seinen auswendig gelernten Satz aufgesagt hat. Ist ein bisschen wie beim Matthias Stürmer, der einerseits als von mir hochgeschätzter Kämpfer für Open Source Software agitiert, andererseits aber auch ein Jesus-Fundi mit gesellschaftlichen Ansichten aus der Bronzezeit ist.

Hat eben alles zwei Seiten. Mindestens.

Die grössten Kritiker der Elche…

… waren früher selbst mal welche, so sagt bekanntlich der Volksmund, der ja immer recht hat. Sagt ihrerseits zumindest wieder die SVP, die aber im Moment ein grosses Problem hat: wie macht man dem unfehlbaren Volk klar, dass man zwar einen Haufen Abzocker in den eigenen Reihen hat, deshalb eigentlich gegen jegliche regulative Eingriffe in die Wirtschaft ist, sich aber gleichzeitig gegen die Linke positionieren muss, die blöderweise ein recht populäres Anliegen bereits seit gefühlten zwei Milliarden Jahren predigt, das von der SVP, andererseits, wiederum seit gefühlten vier Milliarden Jahren, verlacht und verhetzt wird, wie also macht man diesem Volk weis, dass man doch auch irgendwie gegen Abzockerei in der Wirtschaft ist? Ganz einfach: man nimmt denjenigen Herrn, der in den 90ern das Mantra des “mehr, mehr, mehr!” erfolgreich in der Schweiz eingeführt hat, schliesse diesen mit dem nicht wirklich mit Intelligenz und politischem Gespür gesegneten Initianten der Abzocker-Initiative eine Woche lang in einen fensterlosen Raum, und voilà, schon haben wir:

  • eine eigentlich sinnvolle Initiative, die ständig davor bedroht ist, zurückgezogen zu werden
  • einen Gegenvorschlag, der in den Erweiterungen interessant, im Kern aber jämmerlich ist
  • einen gescheiterten Alt-Bundesrat, der endlich mal wieder Auftritte im TV bekommt und sich als (millionenschwerer, aber egal) Paulus und volksnahen Kümmerer aufspielen kann.

Es kann einfach nur Gewinner geben. Genau wie bei der Sicherheits-Initiative, die von Philippe “was tut der eigentlich genau?” Müller erfolgreich aufgegleist wurde und an der Urne jämmerlich gescheitert ist. Am Montag nach der Abstimmung fühlte sich der Dschango dann im komplett falschen Film, weil sowohl Müller als auch die Medien die Ablehnung der Initiative als Sieg für Müller werteten.

Und in neun Tagen sind Grossratswahlen im Kanton Bern. Am liebsten würde ich mich schon heute ins Koma saufen.




Eintopf mit Genudel

Es ist beinahe schon Realsatire: Zwei Drittel der Redaktion befinden sich momentan im Überlebenskampf mit einem Arbeits-Tsunami, während das dritte Drittel den Kopf im Arsch des Winters stecken hat und kaum wieder raus bringt. Daumenschrauben wo man hinschaut, ob Wirtschaft oder Wetter.

Egal, denn die Welt dreht sich weiter.

Zum Beispiel wurde letztes Wochenende abgestimmt. Keine Überraschungen so weit, aber das Resultat beim Tieranwalt hat mich dann doch ein wenig geknickt. Offenbar ist die “aufgeklärte” Menschheit noch nicht reif dafür, sich vom Menschen-zentrierten Weltbild zu lösen und auf Augenhöhe mit Tieren zu leben. Schade, wieder eine verpasste Chance mehr, denn die Tiere hätten es wahrlich nötig und sind es allemal wert.

Ein Skandälchen könnte sich bei den scheints extensiven Ermittlungen der Bundesanwaltschaft bei den Hells Angels abzeichnen. Man findet offenbar nix von Relevanz, jedenfalls nicht im Vergleich mit den Deutschen Gesinnungsbrüdern. Finde ich aber gar nicht so schlimm. Und deppert sind solche uniformierten und durchorganisierten Töffbubenclans sowieso. Oder, um es mit Janis Joplin zu sagen: Freedom’s just another word for nothing left to loose.

Zitat des Tages: “So schön kann Gewalt sein!”. Und so witzig und geistreich kann Videogame-Journalismus sein. Es geht immer nur um Kontext, Baby.

Last but not least meine Empfehlung des Tages für das elektronischen Klängen zugeneigte Ohr. Gepflegten Drum’n'Bass aus aller Welt gibt es bei bassdrive.com, meinem Lieblingssender der Stunde. Ob beim Schreiben oder Zocken, die DJs wissen mich immer wieder zu verzaubern.

E guete.




Brechreiz

Immer und immer wieder die katholische Kirche. Das ist kein Zufall. Bei der Durchlese dieses Interviews habe ich kurz mal das kalte Kotzen bekommen.

Diese Institution ist wirklich mit bemerkenswerter Konsequenz dabei, sich selbst zu demontieren. Jetzt bitte bloss nicht aufhören, dann erlebe ich vielleicht auch noch das Ende der Katholen und überhaupt der Religionen als evolutionsbiologisch völlig, komplett, so was von obsoletes Element aus der Vergangenheit.

Ich ertrage es nicht, wenn sich Arroganz (der Anspruch auf Gottgleichheit fällt der Einfachheit halber auch in diese Kategorie), Unwissen, Unfähigkeit und Deckung bis in die höchsten politischen Kreise auf so hässliche Art und Weise vereinen.

Daumenschrauben auf Kosten des Hauses für alle Erwähnten, ultra tight und mit dem extra Dreh. Echt jetzt.




Vom Problem der Problembefreitheit

Ich habe ein Problem. Zugegeben, es ist ein zutiefst philosophisch anmutendes Problem. Oder anders gesagt: Die Abwesenheit von grösseren Problemen in meinem Leben führt zu einem neuen Problem. Denn die Wahrnehmung von Glück definiert sich ja bekanntermassen nicht durch die Abwesenheit von Problemen oder Herausforderungen, sondern viel eher durch die Bewältigung von Herausforderungen oder dem Erreichen von Zielen. So weit die Theorie und der aktuelle Stand der Glücksforschung.

Was tun, wenn man durch einen zusammenhängenden Fluss von mehr oder weniger gelungenen Unternehmungen eben quasi problembefreit dasteht? Man sieht sich um. Sucht das Haar in der Suppe. Regt sich über Nichtigkeiten auf, denn zu viel Harmonie schlägt aufs Gemüt. Und ganz wichtig: Man muss konsequent das bescheiden vorhandene Konfliktpotenzial aufs maximalste ausreizen.

Das tat ich und es kam genau nichts dabei heraus. Sogar das bescheidene Konfliktpotenzial in meinem Leben reicht nicht für eine schöne, ausgewachsene Kontroverse in meiner sonst so wechselhaften Gefühlswelt. Nicht einmal das jährlich wiederkehrende Un-Thema WEF kann mich aus den Socken hauen, geschweige denn das neue iPad von Apple. Beides sehr schlimm, aber nicht schlimm genug, um mich aus meinem wogenden Meer von Beziehungsharmonie und beruflichem Gelingen rauszuziehen. Next, please.

Hat jemand Haiti gesagt? Sorry, viel zu weit weg. Ausserdem kümmern sich da schon unsere Kollegen aus Hollywood und von der Glückskette darum. Das Klima? Wird dauernd mit dem Wetter verwechselt und ist auch sonst irgendwie ungeeignet für eine grössere Verstimmung. Die xenophobe Schweiz? Man gewöhnt sich irgendwie an alles, zumindest so lange man selbst bleichgesichtig durch dieses Land latscht. Religion und der Islam im besonderen? So lange kein Filmemacher oder Zeichner von einem durchgeknallten Muslim abgeschlachtet wird, wohl kaum.

Es hilft aber auch rein gar nichts, da muss ich wohl durch. Merde.




Die bunte Welt des Dschango B.

Jetzt müsst ihr euch alle an den Stühlen festhalten, weil jetzt kommt der Hammer: der Dschango ist seit dieser Woche eidgenössisch attestierter Berufsbilder. Huiiiuiui, jetzt sehe ich förmlich eine “WTF?!?”-Welle hierher schwappen. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie das denn passieren kann, und ob jetzt dann eigentlich jeder dahergelaufene Zigeuner Jugendliche ausbilden darf.

Im Grunde genommen kann man die letzte Frage mit einem klaren  “Ja!” beantworten. Viel mehr als die Fähigkeit, während 40 Lektionen nicht extrem negativ aufzufallen, braucht man nämlich nicht, um im Kanton Bern Berufsbilder zu werden. Das schweizerische Berufsbildungssystem ist in seiner Niederschwelligkeit bezüglich den Ausbildern so sympathisch wie irritierend und ich muss zugeben, ich hätte nie gedacht, dass das System tatsächlich so funktioniert. Aber es tut es offenbar seit ungefähr viertausend Jahren.

Überhaupt nicht funktionieren tut momentan aber irgendwas auf Haiti – keine Angst, wir rufen jetzt nicht auch noch zu Spenden auf, gebt das Geld besser für ein Blümli für den Hasen oder für irgendein Sexspielzeug aus. Da haben die Haitianer nämlich genausowenig von. Aber mir ist aufgefallen, dass da eine Frau nach zig Tagen ausgegraben wurde. Also nicht das ist mir aufgefallen, weil, das steht ja momentan fast jeden Tag in irgendeiner Zeitung, dass auf Haiti eine Frau ausgegraben wurde oder gerade ausgegraben wird, nein, aber der Name der Frau ist mir aufgefallen und ich habe mir geschworen: falls mir irgendwann eine Tochter geboren werden sollte, sie müsste den Namen “Hotteline” tragen, ob sie wollte oder nicht, ob mir das Jugendamt im Nacken hängen würde oder nicht, schniezpupsegal.

Ja, mir ist auch klar, dass man den Namen wahrscheinlich als  “Ottlin” aussprechen täte, so mit französisch-stummem Asch. Würde ich aber nicht. Ich würde jeden Mittag “HOTTELIIIIIIIIINEEEEEEE!!” quer durchs Quartier schreien, mit extra stark betontem H, und ich würde mir einen Schranz in den Ranzen lachen, weil alle Nachbarn den Hals verdrehen würden, um zu sehen, welches arme Kind denn einen derart abgefahrenen Namen hat. Und Hotteline Beinhart würde zur Berühmtheit werden, nicht bloss, weil sie mit einem Natel in der Hand in einem Erdhaufen gefunden wurde, nein, sondern weil es die mit dem komplett verblödeten Vater ist, der seine Kinder nach haitischen Erdbebenopfern benamst. Und der bildet auch noch Lehrlinge aus, im Fall!

Es gäbe immerhin mehr zu reden als wenn ein Bundesrat mal wieder Gesicht und Eier verliert und vor der versammelten Presse den Hampelmann gibt. Aber halt, von der Béglé-Affäre wollte ich hier eigentlich wirklich nichts schreiben, weil auch wir bei der Daumenschraube haben gewisse Grenzen, was wir an Anti-Ästhetik unseren LeserInnen zumuten wollen. Oder eben nicht.

Da mache ich doch viel lieber ein bisschen auf Diashow und zeige euch, was mir die letzten Wochen so an lustigen Biudaleh vor die Linse gehuscht ist. Als erstes präsentiere ich euch, was die Bernischen Kornhausbibliotheken so ausgetüftelt haben, das meines Wissens einmalig in der ganzen Welt ist: in der Kornhausbibliothek kann man nämlich Bücher verlängern!

Das mag funktionale Analphabeten jetzt total kalt lassen, für mich aber ist es der Stein der Weisen. Stellt euch vor, ihr seid an einem guten Buch, die letzten zwei Seiten vor euch, und spontan denkt ihr, ha, eigentlich könnte die Story gerne noch für ein paar hundert Seiten so weitergehen. Und ihr schnappt euch den Fernsprecher oder eine Internet-Röhre und verlängert das Buch ganz einfach um ein Kapitel oder zwei, schnell und unkompliziert!

Gut, man müsste jetzt auch noch Bücher verkürzen können, weil einige Bücher schlicht zu lang sind. Ich vermute nämlich, dass beispielsweise die Bibel von ein paar über-enthusiastischen Literaturfreaks einfach ein paarmal zu oft verlängert wurde. Die Verkürzungs- komplementär zur Verlängerungsmöglichkeit wäre also durchaus angebracht, ich hoffe, dass sich die Kornhausbibliotheken da etwas überlegen.

Es wäre nämlich auch sonst noch praktisch, wenn man Bücher verkürzen könnte. So wäre beispielsweise das neueste Buch von Hans Küng in der verbesserten, weil verkürzten Version nur noch dies:

Ich habe mein Leben mit dem Glauben an unsichtbare Freunde verschwendet und muss nun rechtfertigen, warum ich keinen nützlichen Beruf gelernt habe (zB beim Herrn Beinhart).

Lobet den Herrn!

Es wäre alles viel, viel einfacher, ehrlich.

Ich kam in den letzten Wochen übrigens ab und zu in Spiez vorbei, das ist da diese flotte Party-Metropole am Thunersee. Es ist ein spassiges Käffchen, wirklich. Nicht nur, dass man dort den Jesus-Fisch sogar am Schaufenster des Frisörs findet (habe mich leider nicht getraut, den zu fötelen, weil die haben schon so apokalyptisch raus- und den Dschango angeschaut, gruslig) oder dass man auf der Website der Gemeinde Werbung für Fundi-Events macht. Nein, man zeigt sich auch gerne kreativ, wenn es um die Benennung von Firmen geht:

Gut, wenn man jetzt eine Swingerbörse aufmachen würde, da wäre “Popnet” sicher der perfekte Name für. Tun sie aber nicht, die Popnetten, die tun nämlich nur Computer vertschutten und so. Von allen guten Geistern verlassen muss aber sein, wer für seine softwareentwicklungstechnischen Bedürfnisse eine Firma engagiert, die sich “kaformatik” nennt, das “ka” auch noch fein grafisch hervorgehoben. Für Nicht-Nerds: “KA” steht für “keine Ahnung”. Also im IT-Slang, ob das bei der Firma auch extra so gewählt wurde, weiss ich natürlich nicht.

Ja, und zum Schluss möchte ich euch noch etwas mit auf den Weg geben, sozusagen mein Lebensmotte für 2010, gefunden am Bahnhof Stöckacker:

In diesem Sinne noch ein erfreuliches Wochenende – und immer schön nett bleiben, gell?




Wir sind umgezogen

Ich habe mal im TV so eine Doku gesehen, von einer alten Frau, die an der Berliner Mauer (Seite Ost) gelebt hat. Keine Ahnung mehr, worum das genau ging, aber irgendwann hat die Frau mal gemeint, ja, sie habe noch nie woanders gewohnt als in dem Haus, in dem sie auch geboren wurde. Eigentlich ist sie auch noch nie aus Berlin herausgekommen. Trotzdem hatte sie in den letzten 70 Jahren sechs verschiedene Wohnadressen und mindestens drei verschiedene Staatsbürgerschaften, einmal war sie auch ein staatenloser Flüchtling.

Das klingt ja aus der Distanz ganz putzig. “Jaja, die guten alten Zeiten, wo man abends nicht mehr wusste, in welchem Land man morgen aufwacht, haha!” Blöd nur, wenn einem das selbst passiert. Wenn man irgendwann erwacht, aus dem Fenster sieht, alles schaut normal aus, und dann nimmst du die Zeitung in die Hand und merkst, hoppla, muss gestern wohl ziemlich abgegangen sein. Du hast keine Erinnerung mehr an den letzten Abend, aber irgendwas muss da vorgefallen sein, was in einen (höchstens halblegalen) Grenzübertritt in ein fernes, unbekanntes Land mündete. Zumindest ist es nicht möglich, heute, nach einem Blick in besagte Zeitung, noch einen Zusammenhang herzustellen mit dem Ort, an dem man gestern einzuschlafen glaubte.

Und so geht es momentan mir. Das Land, das ich noch vor fünf Jahren in Diskussionen mit Verve verteidigt habe, dieses Land gibt es nicht mehr. Ich habe keine Ahnung, wo es hin ist, aber was sich da vor meinem Fenster breit macht, hat damit nichts mehr gemein.

Man hat ja übel Angst vor der Wirtschaftskrise gehabt, dass die dann den schönen Schweizer Reichtum wegspülen würde wie sonstwas, und dass man deswegen zB die UBS mit vielen, vielen Steuermilliarden, die beim chronisch kassenknappen Bund witzigerweise innert 24 Stunden zur Verfügung standen, sanieren musste. Oder auch beim Waffenexportverbot: dieselben SchweizerInnen, die sich solidarisch mit den Produzenten von Tötungsmaschinen zeigten und darauf pochten, dass eine Annahme die unglaubliche Zahl von (national, auf 10 Jahre) fast 1000 Arbeitsplätzen unrückbringbar zerstören würde, haben null Probleme damit, wenn 300 Druckereiangestellte zum Teufel gejagt werden. Oder wenn eine Sulzer ganze Werkhallen schliesst, dabei 54jährige Familienväter auf die Strasse stellt. Oder andere Firmen Kurzarbeit dazu nutzen, mühsame (sprich: gewerkschaftlich organisierte) Mitarbeitende sanft zu entsorgen.Weil, im Gegensatz zur Waffenindustrie, die sowas wie Artenschutz geniesst (analog der Schweizer Tabakproduzenten), müssen alle anderen halt wirtschaftlich denken. Vor allem im Bereich Human Resources. OK: eigentlich nur da.

Dazu passt ja ausgezeichnet, dass das Parlament nun diejenigen zur Kasse beten will, die auch tatsächlich für die Wirtschaftkrise verantwortlich sind: unter 30jährige Arbeitslose. Weil, das weiss man ja: Arbeit gibt es genug hier, man muss die Leute nur dazu zwingen. Weg vom Staat, der für alle sorgt, hin zur nach marktwirtschaftlichen Kriterien geführten Staats-AG mit jährlicher Dividendenausschüttung, hin zum Gelobten Land des neoliberalen Sozialdarwinismus, weil ja schliesslich alle können, wenn sie nur wollen. Interessant ist vielleicht, dass halt oft diejenigen bestimmen, die bereits seit Generationen haben und dementsprechend gar nicht mehr wissen, wie es ist, zu müssen, geschweige denn zu können. Aber das ist wohl zu sozialromantisch gedacht.

Das einzige, was ich von der Wirtschaftskrise tatsächlich spüre, ist eine massive populistisch-politische Radikalisierung der Bevölkerung, zusammen mit einer unglaublichen Entsolidarisierung derselben. Klar, die Politik macht es vor: alle müssen ihren Wert gegenüber der Gesellschaft erarbeiten, kennen und kommunizieren. Wenn wir uns zB Behinderte halten, dann wollen wir auch einen Mehrwert dafür, selbiges gilt für Bären, und wir goutieren es uhuere nicht, wenn die sich gegenseitig amüsieren und uns aussen vor lassen. Wir haben nichts gegen Arbeitslose, auf keinen Fall, auch nicht gegen Muslime. Aber wenn erstere anfangen, trotz Arbeitslosigkeit zufrieden zu sein, oder letztere anders und trotzdem sichtbar, dann gibt es Probleme hier. Weil so mögen wir unsere Arbeitslosen und Muslime: mit gesenktem oder gehetztem Blick und möglichst unsichtbar. Und wenn sichtbar, dann gefälligst dankbar dafür, dass wir sie “tolerieren” und nicht zum Abschuss freigeben.

Ja eben, wir sind umgezogen. Man nehme diesen Artikel als vorgezogene Adressänderungsmitteilung. Die neue Wohnadresse teile ich euch mit, sobald ich herausgefunden habe, in welches Land es mich verschlagen hat – die Schweiz kann es auf keinen Fall sein.




Unsere neuen Freunde

Die Welt gratuliert der Schweiz. Das ist ja an sich ganz schön, nur gibt es da ein kleines Problem: Die Gratulanten heissen Geert Wilders, Front National, Lega Nord und so weiter, und sie gratulieren zur angenommenen Minarett-Initiative. Das ist weniger schön. Solche Fans will man nicht, falls man denn noch einen Restposten Grips im Gebälk hat.

Ausserdem haben wir es jetzt offiziell: Es gibt neuerdings eine Xenophobie-Karte der Schweiz. Die sieht so aus:

Xenosuisse

(c) 2009 Xenosuisse

Supergreen! Man muss es positiv sehen: Als Zuwanderer aus dem arabischen Kulturraum kann man die grüne Zone getrost ignorieren, die roten Flecken sind the place to be. Das macht die Informationslage doch recht übersichtlich.

Nicht zuletzt möchten wir hier offiziell die Gründung eines Bernischen Stadtkantons anregen bzw. fördern. Die geneigte Leserschaft fragt sich bestimmt warum. Keine Sorge, Aufklärung naht: die Stimmbürger der Stadt Bern haben als einzige Gemeinde im Kanton Bern gegen die Minarett-Initiative gestimmt. Wir meinen: Irgendwann reichts, soll doch der restliche Kanton selber schauen, wo er bleibt.

So, und hier haben wir noch die musikalische Berieselung zu Kollege Beinharts beinharter Analyse zur politischen Stimmungslage der Nation:




Kurz notiert

Dank unserem flotten Admin Charlie steht unser kleiner Elfenbeinturm wieder in seiner ganzen Pracht im Netz der Netze. Besten Dank hierfür. Und auch für die Geduld, verehrte Leserschaft.

And now for something completely different:

Orange und sunrise heiraten bekanntlich demnächst, die Verlobung wurde heute gross verkündet. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich nur skeptisch oder gar angepisst sein soll, habe ich doch eines dieser günstigen Abos, für die sunrise berühmt und berüchtigt ist. Ich bin aber auch Swisscom Kunde, ich diversifiziere gerne ein wenig, um meine Risiken als Kunde zu verkleinern oder zumindest zu verteilen. Meine Erfahrung ist bisher, dass der Schweizer Telekom-Markt eine einzige Fehlkonstruktion ist, und das wird sich auf absehbare Zeit kaum ändern, bei diesen News erst recht nicht…

Die Simpsons müssen am Teevau neu angewarnt werden. Ja mei, die armen Kinder. So eine leicht subversive Zeichentrickserie kann schon Kinderseelen vergiften, das muss man klar sehen. Ja ja, humorfrei und Spass dabei. Wie war das schon wieder mit diesen Anime für Erwachsene, die in Fronkräisch in leicht geschnittener Fassung im Nachmittagsfernsehen für Kinder(!!!) liefen? Hab’ ich da was verpasst?

Last but not least kommen wir zum unvermeidlichen Schmankerl aus den News: der angeschossene Bär und sein Revier-Intruder. Die Diskussion hierzu ist in weiten Teilen einfach nur bescheuert. Wenn mich an der ganzen Sache etwas aufregt, dann ist es die Passivität der Leute. Dieser junge Mann hat scheinbar Minuten lang auf der Mauer gekauert, bevor er runter ging. Da müssen etliche Leute an ihm vorbei gegangen sein, ohne auch nur einen müden Finger zu rühren. Für mich ist da der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung gegeben, es ist einfach immer das Gleiche. Ach übrigens, den beiden geschlagenen Herren wünschen wir gute Besserung.

Echt jetzt.




Rettet die braunen Arschlöcher!

So, da bin ich wieder.

Das Gegrippe ist einigermassen gut überstanden, an dieser Stelle nochmals danke für die netten Genesungswünsche und selbige zurück. Mittlerweile krochelt der Hase rum, agiert schon recht genervt, weil sie im Haus bleiben muss, und hat eine Stimme wie Marlene Dietrich nach jahrzehntelangem Zwangsnikotin- und Whisky-Konsum. Finde ich ja noch so rRRRrRRRrrrrRRRRrrrr, findet Hase aber gar nicht gut, vor allem deshalb nicht, weil ich jedesmal lüstern grinse, wenn sie was krächzt. Und damit man versteht, wie ich jetzt von der sexy Stimme meiner Freundin zum übernächsten Absatz und dem eigentlichen Thema dieses Artikels komme, dafür lade ich die werte Leserschaft nun auf eine kleine Assoziationsreise in die Dschango-Welt ein.

Festhalten, meine Damen und Herren, der Assoziations-Express fährt los! Erste Station: tiefe Hasenstimme, Hauptbahnhof. Ohne weiteren Halt geht es da zur Marlene Dietrich, bzw wieder zurück zu dieser. Umsteigen. Nach der Marlene kommt ein Zwischenhalt im Zweiten Weltkrieg. Vom Zweiten Weltkrieg kommen wir nach Algerien. Von Algerien geht es nach Tunesien. Von da zum Thema “lustige Demokratien”, dort nehmen wir dann den Bummler nach Libyen, treffen unterwegs im reservierten Abteil (wo wir während der Fahrt primitive Karikaturen von Mohammed und Hannibal im Darkroom malen) unsere Geiseln/Geschäftsmänner/Gepäckverlierer/Terroristen/whatever  und steuern von da auf direktem Weg zum Bundesmerz im Appenzöllischen. Wenn wir im Appenzöll sind drängt sich der Zölibat und folglich der Katholizismus auf, also besuchen wir rasch den Papst, ziehen aber gleich weiter Richtung Emmental. Nach kurzweiliger Wanderung sehen wir die Freikirchen links und rechts des Wegs aufragen und den Minaretten die Sonne nehmen, folglich biegen wir dort scharf rechts ab und stehen schliesslich vor dem Haus vom Wabers Chrigu von der EDU. Womit wir am Ende unserer Reise wären und der Übergang zum nächsten Thema quasi kanten- und schmerzfrei ist.

Also, ‘Anal Bleaching’ ist das Thema. Irgendwie ist mir dieser Begriff mal ins Hirn gefallen, ich habe ihn fein säuberlich unter “Diverse LOLies” eingeordnet und dann sein lassen. Das war eigentlich eine gute Entscheidung, weil er sich in meinem Alltag nur sehr sperrig auf regelmässiger Basis anwenden lässt. Vielleicht wäre das anders, wenn ich Porno-Darsteller wäre, aber so als IT-Knilch und Teilzeit-Zigeuner kommt man eher selten mit diesem Ausdruck in Kontakt.

Vielleicht etwas einleitende Information für alle diejenigen unter uns, die noch echte Probleme haben: Mit ‘Anal Bleaching’ wird die Hautaufhellung im Bereich des Anus bezeichnet (Wikipedia). Ja, ich weiss, “rund um den Anus” hätte hier auch gut gepasst. Anal Bleaching wird übrigens gerne mit ‘Anal Bleeding’ verwechselt, dabei ist das etwas komplett anderes.  Und es ist tatsächlich so, dass Leute hart in der Krise verdientes Geld dafür hinblättern, sich das eigene (!) Arschloch mit allerlei Chemie farblich pimpen zu lassen. Zwar primär dahingehend, den rektalen Farbton der Umgebung des Restarsches anzupassen, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass man sich in Zukunft die Rosette passend zum Handtäschli tönen lassen kann. Und will.

Und damit das schon mal klar ist: solange es nicht Pflicht wird und keine Menschen gegen ihren Willen involviert sind, ist mir das sowas von schniezepurzepipifaxegal. Färbt euch doch eure Rekta in allen möglichen Regenbogenfarben, meinetwegen auch kariert, schraffiert und mit Bitmap-Grafik unterlegt. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich keineswegs jemals alles begreifen werde, was die menschliche Natur so umtreibt, wenn sie genug Geld und Freizeit zur Verfügung hat, von dem her habe ich ja gar nicht den Anspruch, verstehen zu wollen, warum Mensch so etwas freiwillig tut. Ausserdem: auch Kosmetikerinnen müssen von etwas leben! Ob jetzt von der Hand in den Mund oder von selbiger am Anus, scheissegal. Und wenn es nun Leute gibt, die es erfüllend finden, anderen Menschen im Broterwerb das Fäkalloch einzufärben, so sei ihnen das unbenommen, meinen Segen habt ihr, ziehet hin und färbet euch bunt und scheckig!

Es geht aber nicht anders als dass ich ganz schüchtern die Frage in den Raum werfe: Wer in aller Welt braucht sowas? Und wozu? Gut, das waren jetzt zwei Fragen, aber trotzdem. Ich mag ja ein bisschen von gestern sein und vielleicht ist das heute anders als bei uns damals, aber mal so ganz ontrenuu: wer um Himmels Willen steht nackig mit dem Rücken zum Spiegel, bückt sich dann derart runter, dass er/sie seine/ihre Fussspitzen berühren kann, linst zwischen den Knien hoch zum Spiegelbild und denkt sich: “hmmm, sonst ist ja alles OK bei mir, mein Körper ist ein Geschenk an die Welt, aber verdammt… meine Rosette ist so… so… braun!”? Wer von euch (Handzeichen bitte!) hat schon mal die Situation erlebt, dass der Sexualpartner den Farbton im Genitalraum bemängelt hätte? Und warum habt ihr dann selbigem Sexualpartner nicht einfach ein mittelgrosses Küchenutensil in den Arsch gerammt und diesen mitsamt dem daranhängenden Ex-ualpartner per Fusstritt aus der Wohnung befördert?

Mal ganz abgesehen davon, dass ich dort, wo täglich die eine oder andere Kackwurst rausgedrückt wird, spontan jetzt keine anderen Farben als – allenfalls herbstlich angereicherte – Brauntöne erwartet hätte: was machen diese Leute eigentlich den ganzen Tag? Hat man ihnen noch nicht erklärt, dass Analbeschnüfflung zwar im Tierreich oft und gerne praktiziert wird, beim Menschen aber eher unüblich ist? Oder unterliegen diese Leute einer unwahrscheinlichen Selbstüberschätzung, indem sie meinen, die ganze Welt sei am Closeup-Anblick ihrer Gagidüse interessiert? Müssten wir auf der Daumenschraube die Kategorie “Nabelschau” in “Analschau” umbenamsen, mal wieder stehenden Fusses dem Zeitgeist voraushinkend? Ich sehe schon, heute gibt es wieder weit mehr Fragen als Antworten.

Man munkelt ja in Expertenkreisen, Rom sei deshalb untergegangen, weil die Dekadenz umgekehrt proportional zur Kultur gewachsen ist und diese Dekadenz die arme Kultur schliesslich abgehängt hat. Das mag sein. Aber man nehme sich die Zeit und stelle sich jetzt bildhaft einen Römer im untergehenden Rom vor, meinetwegen einen Senator oder sonst einen Bonzen, der den ganzen Tag nur faul auf einem Steinbett liegt und sich von blutjungen Sklavinnen Weintrauben in den Hals stecken lässt, also quasi den Archetypen der Dekadenz, was der für Augen machen würde, wenn man ihm ein Anal Bleaching vorschlagen würde. Nebst der Tatsache, dass er mit diesem Begriff nichts, aber auch gar nichts anzufangen wüsste, weil der Lateiner englischen Begriffen generell wenig Verständnis entgegenbringt, er würde wohl nur traurig das archetypisch-dekadente Haupt schütteln, selbst wenn man ihm präzise erklären würde, was Anal Bleaching genau ist. Also sogar für den dekadenten Senator wäre dies ein deutliches Zuviel an Dekadenz, man stelle sich das jetzt mal plastisch und in 3D vor!

Und apropos Senator: man ist es sich ja von der Politik her schon gewohnt, dass die grössten Arschlöcher traditionell braun sind. Ich fände es deshalb schon nur aus soziopolitischen Gründen nicht akzeptabel, wenn diese schöne Tradition aufgeweicht würde. Deshalb: Freiheit für braune Arschlöcher! Gegen die Arisierung von braunen Fäkalrohren! Denn auch deine Rosette hat ein Recht auf ihren Schokohof.

Bin froh, dass wir das jetzt endlich einmal besprochen haben.




Anglizismen reloaded und Götter auf Brettern

Mein aktueller Favorit bei den üblen Anglizismen (sinngemäss, im Radio gehört im Zusammenhang mit Robbie Williams):

“Mis Mami findet dä hotter than July!”

Klar, und ich finde den Spruch colder than January. Was für ein Bullshit.

Und nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, ein Glanzstück aus den Neunzigern, das mir auch heute noch genickschädigendes Headbangen entlockt. Bühne frei für die mittlerweile aufgelösten Guano Apes mit der rattenscharfen Sandra Nasic am Drücker:

Meine Fresse ist der Song geil. Ich habe jetzt das Bedürfnis, sehr laut zu schreien.




Schwein hat die Sau!

*SCHNORCHZ!*

OK, den Dschango hat es böse erwischt. Keine Ahnung, ob es was Schweinisches ist oder nur eine normale Grippe, aber verdammt, bin ja noch wirrer im Hirn als sonst. So wird das nix mit Bloggen.

*SCHNAUB!*

Aber damit dieser Post nicht völlig in der Sinnlosigkeit endet, habe ich noch was für euch. Also, wer sich mal wieder so richtig aufregen will, dass ihm oder ihr die Galle schier überschäumt, der oder die klickt hier bzw da.

*KROCHELHUST!*

Und wer sich mal wieder verblüffen lassen will, klickt am besten hierdrauf. Vielleicht die ersten 90 Sekunden überspringen, wenn man in Eile ist.

*SCHNEEEEEEEEEUZ!*

So. Das wars für diese Woche. Dschango geht jetzt mal sterben. Euch auch noch n’schönes Leben.

*HUSTWÜRGLUFTSCHNAPPNIESVIRENSPEI!!!*




Deppensteuer subito!

Schon lustig, wie Freunde unsichtbarer Freunde reagieren, wenn Leute, die es wagen, die Existenz von Elfen und Feen nicht nur anzuzweifeln, sondern dies auch noch laut kund zu tun, gleiche Rechte wie die Anhänger von bronzezeitlichen Kulten sowie die Aufhebung derer ungerechtfertigten Privilegien fordern…

Wie wir auf 20min lesen, schlägt die Junge CVP die Einführung einer “Atheistensteuer” vor – wer aus der Landeskirche (die in der Lesart der CVP wohl sowas ähnliches wie die AHV darstellt) ausgetreten ist, soll künftig eine gemeinnützige Organisation oder Glaubensgemeinschaft (!) mit einem finanziellen Beitrag unterstützen müssen, der der gesparten Kirchensteuer entspricht. Die Junge CVP bekommt dabei Schützenhilfe vom Präsi der ‘grossen’ CVP, Christophe Darbellay.

Ganz abgesehen davon, dass hier mal wieder die Begriffe “Steuer” und “vom Staat eingetriebener Mitgliederbeitrag im Auftrag retardierender Nabelschau-Klubs” verwechselt werden, keineswegs alle aus der Kirche ausgetretenen auch Atheisten sind, wohl kaum jemand (nur) aus Steueroptimierungsgründen aus der Kirche austritt (man tut das in erster Linie darum, weil man an diesen spezifischen Mist nicht mehr glaubt) und der JCVP-Präsi ein bisschen wie der verschollene Zwillingsbruder vom Berner JSVP-Präsi und Polit-Clown Erich J. Hess aussieht, finde ich den Vorschlag durchaus überlegenswert.

Man müsste ihn nur konsequent zu Ende denken (ich weiss, damit hapert es bei euch C-Knüllen bekanntlich, übernehme ich aber gerne für euch!) und generell sogenannte Nicht-Steuern einführen – Steuern auf Tätigkeiten, Vorgänge oder Leistungen, die nicht stattfinden oder in Anspruch genommen werden.

So müssten beispielsweise alle, die kein Auto haben, eine Autobahn-Nichtbenützungssteuer bezahlen. Das wäre nur solidarisch, weil die armen Autofahrer können ja nichts dafür, wenn diese langhaarigen Hippies kein Stutz fürs Benzin haben. Sowieso: auf unverbleites Benzin müsste man eigentlich auch eine Steuer bezahlen, eine Bleifreisteuer nämlich, weil wer Blei diskriminiert irgendwie kein guter Mensch sein kann. Dann noch eine Minderwertsteuer im Gegensatz zur Mehrwertsteuer, die dann fällig wird, wenn man etwas im Secondhand-Laden oder von M-Budget kauft. Auch eine Armutssteuer müsste man sich überlegen – schliesslich drückt, wer unter der Armutsgrenze lebt, das Bruttosozialprodukt, konsumiert zuwenig und macht uns so all den schönen Wohlstand kaputt. Und ganz wichtig: eine Deppensteuer! Ist es denn nicht so, dass uns all die Viertel-, Halb- und Vollidioten im Land unglaublich viel Geld kosten? Ist das nicht total unsolidarisch gegenüber den Klugen? Von einer “Alter, du siehst so komplett Scheisse aus, dass ich zum Augenarzt rennen muss, wenn ich dich länger als drei Sekunden anschaue”-Steuer ganz zu schweigen.

Dazu noch eine Unschwerverkehrsabgabe (bei Sexualakten zwischen Leuten unter einem Gesamtgewicht von zusammen 120 kg), eine Alkoholfreisteuer (wer sich nicht an die Regeln der Gesellschaft halten und vom Bier nicht besoffen werden will, soll gefälligst zahlen!) und eine Kein-Hundesteuer (oder scheisst du etwa das ganze Trottoir zu, wenn es keine Hunde mehr gibt? Eben!) – ein weites Feld an Mehreinnahmen für Gemeinden, Kantone und Bund, in Zeiten wie diesen durchaus willkommen.

Klar: es ist völlig offen, wer auf der von der JCVP halluzinierten Liste der zu begünstigenden Organisationen stehen soll. Können da alle drauf, die sich irgendwie noch so als nützlich für die Allgemeinheit sehen? Oder soll es davon abhängen, wieviel ihres Gesamtumsatzes eine Organisation für gemeinnützige Zwecke ausgibt? Greenpeace würde dann gut aussehen, der Beinhart-Haushalt ebenso, die Landeskirchen (gemäss meinen Recherchen maximal 15%. wenn sehr wohlwollend geschätzt) hätten dann aber wohl ein Problem.

Man könnte ja auch noch einen Schritt weitergehen. Würde es denn nicht Sinn machen, wenn man beim Bezahlen der Steuern aus einer Liste auswählen könnte, an welches Amt und/oder Departement der Obulus gehen soll? Oder noch viel besser: eine Liste derjenigen Länder, die man finanziell unterstützen möchte, weil, vielleicht gibt es ja auch Steuerzahler, die gar nicht praktizierende Schweizer sind! Man könnte dann zB sagen, ja ok, die nette Frau Leuthard mit dem Schockblick, die soll jetzt bitte 20% meiner Steuern bekommen, der niedliche Herr Merz nochmals 20% (Appenzeller! Minderheitenschutz!), den Rest bitte gleichmässig zwischen Terre des Hommes, Grönland und der Kebab-Bude ums Eck aufteilen. Transparenz pur und niemand hätte mehr was zu jammern.

Frei nach Darbellay: der Vorschlag respektiert die Denkbefreitheit hundertprozentig.