Archiv für die Kategorie ‘Klapsmühle’

Mann oh Mann!

Keine Angst, heute gibts nichts zum Thema Gaddafi/Merz. Ist ja echt dröge langsam, immer auf demselben Thema herumzuhacken. Mittlerweile beschäftigt sich sogar der Nationalrat mit dem Thema, was in der Regel darauf hindeutet, dass sich keine Sau mehr dafür interessiert. Also weg damit.

Stattdessen möchte ich der werten LeserInnenschaft in Erinnerung rufen, dass am 9.9.09 erstmals (?) der Tag des Mannes gefeiert wurde. Hurra, Heissa, Trallala! Es war ein total wilder Tag, an dem mein Y-Chromosom von oben bis unten beschenkt, gewürdigt und gefeiert wurde.

Naja, in meinen Träumen vielleicht.

Den Kommentar von Hase, was sie mir denn Gutes antun werde am Feiertag der Männlichkeit, kann ich hier leider nicht ganz adäquat abbilden. Es war sehr laut, schrill und enthielt ganz viele Silben wie “muhahahaaaahahaaahaaaaaaa!!!”. Entsprechend konsterniert startete ich in den Tag, der keineswegs besser wurde, je länger er dauerte.

Die finale Ausbeute des Manntages: ein mudriges Plastiksäckli von l’Oreal, zu einem Sechstel “gefüllt” mit drittklassigen Pflegeprodukten “für den Mann”, dazu noch einen Industrie-Espresso im Plastikbecher. War jetzt voll der Bringer, habe mich selten so männlich gefühlt.

Aber schon interessant: während man (!) am Tag der Frau über Themen wie Gleichberechtigung diskutiert, liegt der Fokus beim Tag des Mannes darauf, uns optisch einigermassen passabel und wach zu machen. Das sollte schon zu denken geben.

Da fällt mir ein, dass es neu “Kino speziell für Männer” gibt. Find ich ja gut, im Prinzip. Jeder Randgruppe ihr eigenes Kino, von mir aus können sie auch Kino speziell für maso-pädophile Tourette-Tetraplegiker mit einer Sackhaarphobie machen, wurscht. Aber es wundert mich ja schon, dass sich ein Haufen (mutmasslich heterosexueller) Männer dafür einsetzt, für ein paar Stunden ausschliesslich mit Geschlechtsgenossen in einem dunklen ZImmer hocken zu dürfen, während dazu ein Film läuft. Ich bin ja nicht in der Szene, aber soweit ich weiss, hätten sie das schon vor Jahren an jeder x-beliebigen Gay-Party haben können.

Oh Mann… jetzt, wo ich bei schwul und Tourette bin, kommt mir grad der Gaddafi wieder in den Sinn, aber ich habe ihn ja nicht mehr erwähnen wollen.

Voll die Zwickmühle.




Von Memmen, Mönchen und Mongolen

Ich kurvte also mit meinem klimafreundlichen Wohnwagen durch das Mittelland und versuchte, der sesshaften Bevölkerung meinen Tand zu überrissenen Preisen anzudrehen, auf einmal steht da so ein pubertierender Mittelstandsknilch vor mir und meint: “Ey, Dschango, was is eigentlich mit deinem Blog los?”

Verdammte Scheisse. Der Blog!

Kann ja schon mal passieren, bei der Hitze, dass man etwas aus dem Tritt gerät. Und bei mir geht ab 30° genau überhaupt nix mehr; bin dann schon genug damit beschäftigt, nicht an allen möglichen Flächen kleben zu bleiben.

Letzthin habe ich übrigens Cutthroat Capitalism: The Game gespielt. Das Game geht ziemlich bald auf den Sack, aber die Kommentare sind der Hit. Schon witzig, wie ein simples Game, bei dem man verschiedenfarbige Punkte auf einer stilisierten Landkarte herumschiebt, der Anlass zu einer leidenschaftlich geführten Diskussion darüber sein kann, ob der Kapitalismus nun ein Segen oder ein Fluch für die Menschheit ist. Und ob das, was wir unter “Kapitalismus” verstehen, nun tatsächlich der “Wahre Kapitalismus” (TM) sei.

Ja, und apropos verschobene Weltsicht: Campino, Sänger der Toten Hosen und eigentlich ein ganz sympathischer Zeitgenosse, liess neulich verlauten, seine Band verweigere den Auftritt am Jonschwil Festival, weil dessen Organisator MItglied der SVP sei. Verstehe ich ja schon irgendwie, weil SVP und Punkopas, das will einfach nicht so recht zusammenpassen. Schon eigenartig aber, wie verengt der politische Blick sein kann: hier wird gegen eine rechtsbürgerliche Partei Flagge gezeigt, dort hing das Wahlposter von Jimi Hofer, mittlerweile Mitglied der stadträtlichen SVP-Fraktion, lange Zeit im Backstage-Bereich der Hosen. Ist halt nicht so einfach, das Schweizer Politsystem, da ist man ganz froh um eindeutige Labels (SVP=bös, alles andere=lieb). Mittlerweile hat man sich bei den Hosen auch eines anderen besonnen und sie haben dann trotzdem in Jonschwil gespielt, SVP hin oder her. Sicher bloss, um die armen Fans nicht zu enttäuschen.

Das ist ja so wie beim Dalai Lama. Da zahlen ganz viele Leute ganz viel Geld, um einen Mönch anschauen zu gehen. Sogar die erzkatholische Nationalratspräsidentin eilt hin, um dem Lama den Hintern zu küssen. Natürlich nur symbolisch. Ein paar Leute sind dann sogar beim Mönch zum Tee eingeladen, wo er ganz lange, ganz viele Sachen sagt, die aber nur zu höchstens 80% verständlich beziehungsweise als eigentliche Sprache zu verstehen sind. Das hat dann den Vorteil, dass man sich die Zwischenräume frei füllen (bzw sie ausblenden) kann. Da spielt es dann auch gar keine Rolle mehr, dass der olle Lama eine im Grunde genommen höchst patriarchalische, frauenfeindliche und erzreaktionäre Weltsicht vertritt – wer dauernd so süss bekifft rumgrinst, kann doch gar kein schlechter Mensch sein. Ausserdem wird er als “Seine Heiligkeit” angesprochen, also muss er weise sein.

Ja, übrigens, da kam auch mal was am TV, ein Bericht über einen Bauern, der seine Rüebli nach vedischen Grundsätzen anbaut. Stört nicht, macht keinen Lärm und Kinder werden auch nicht misshandelt dabei, also von mir aus. Bemerkenswert fand ich aber seine Antwort auf die Feststellung, dass seine Methode bei einigen Leuten als Scharlatanerie gelte, worauf er überzeugend wie folgt argumentierte (aus dem Gedächtnis zitiert):

Also, ‘vedisch’ kommt ja von den Veden. Und ‘Veden’, das heisst ja ‘Weisheit’. Die Veden sind also eine Sammlung uralter Weisheit – das kann also gar keine Scharlatanerie sein.

Ja eben, die Bibel ist das Wort Gottes, weil, das steht ja schon so in der Bibel, ne?

Wo wir bei Dummbatz sprechenden Glatzköpfen angelangt sind: der Herr Kuhn, da der Stöckelschuh-Fetischist, Ästhetik-Experte, Russland/DomRep-Honorarkonsul im Geiste und gewesene SVP-Politiker, zeigt sich pikiert darüber, dass er mit “Fäkalien verschmierte Briefe” als Reaktion auf seine persönliche Abrechnung mit Frauen, die ihn ignorieren, erhalten habe. Schon nicht nett, sehe ich ein. Prall gefüllte Kotztüten hätten von wesentlich mehr Stil und auch von mehr politischem Feingefühl gezeugt.

Und letzte Woche, da sass ich im Zug von Zureich nach Bern, da war die Hölle los. Eine Horde mongolischer Barbaren stürmte hoch zu Ross durch den Waggon, plünderte und brandschatzte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Nein, es waren nicht italienische Reisegruppen, sondern die zwei Kinder einer vor lauter Verständnis am Rande des Zusammenbruch stehenden Mutter. Nunja, statt dass die Mutter (immerhin eine Mittdreissigerin, das “zu jung”-Argument griff hier also nicht wirklich) zumindest den Versuch unternahm, ihre Teufelsbrut einigermassen in den Griff zu bekommen, schlurfte sie mit Büssermiene durch den ganzen Waggon, blieb vor jedem Abteil stehen und entschuldigte sich bei allen Reisenden persönlich für ihre “viel zu lauten” Kinder. Ich hab ihr dann gesagt, wenn sie zu sehr nervten, würde ich sie sonst aus dem Zug schmeissen und über ihre Reaktion habe ich mich gewundert: zwar hat sie offensichtlich gemeint, das wäre bloss ein Witz von mir gewesen, trotzdem spürte ich in ihrem Lachen eine Spur von “oh wenn es doch nur so wäre…”.

Sie tat mir schon ein bisschen leid.




Am Kragen gepackt

Uiuiui, Herr Vasella, die letzten Wochen müssen die Hölle gewesen sein. Ich mag eigentlich niemandem gönnen, was Sie erlebt haben, die Attacken waren teils wirklich niederträchtig.

Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille. Zum Beispiel stehen Leute wie Sie auch für einen sehr pervertierten Aspekt unserer Medizin, vielleicht sogar der ganzen Wirtschaft.

Die Gesundheitsindustrie soll gefälligst den Menschen dienen und die Rechte der Tiere endlich wahrnehmen, bedingungslos und damit basta! Es gibt keine Alternative, keinen Zwischenweg, keine differenzierte Lösung. Das Gesundheitswesen gehört nicht in die Hände von irgendwelchen reichen Piraten, die als erstes an ihren Profit denken und die Grundrechte von Menschen und Tieren missachten.

Sie, Herr Vasella, stehen für einen Stereotyp, der irgendwann ausgedient hat. Sie sind sozusagen ein Auslaufmodell. Diese reichen Säcke, die unnahbar hinter dicken Mauern an Zentralschweizer Seen hausen, habe ich spätestens seit der Finanzkrise wirklich reichlich satt. Kein Gramm Unrechtsbewusstsein, quasi keine Lernkurve und dann den traurigen Hundeblick machen, weil das Ferienhaus angezündet wurde. Da bekomme ich echt Schübe.

Ich habe das untrügliche Gefühl, Herr Vasella, dass Sie und ihresgleichen sich warm anziehen sollten…




My house is MY fucking house

Die USA haben wieder mal einen Rassismus/Polizeiwillkür/Vorurteils-Zwischenfall zu beklagen. Zwar wurde dem afro-amerikanischen Harvard-Professor H.L. Gates Jr. ausnahmsweise mal nicht das Fressbett mit dem Polizeiknüppel poliert, aber eine Festnahme mit Handschellen musste es schon sein. Schliesslich hat der kleine, schwarze Mann dem grossen, weissen Polizisten die Meinung gesagt, und das mögen amerikanische Polizisten nicht, besonders wenn sie gross und weiss sind. God bless America, fuck yeah!

Toll fand ich, dass der berühmte Herr Obama darauf die Polizeiaktion als dumm bezeichnete, auch wenn er im Nachhinein seine Wortwahl etwas entschärft hat. Entschuldigt hat er sich nicht, obwohl verschiedene US-Polizeiverbände dies forderten, und das ist auch gut so.

Persönlich habe ich viel Verständnis für den Unmut, den Herrn Gates angesichts des dummen Polizisten befallen hat. Wer lässt sich schon gerne im eigenen Haus dissen, nachdem man den Nachweis des Besitzes erbracht hat. Klar, es braucht immer zwei, damit es knallt. Aber wenn ich in meinem eigenen Haus bin, dann lasse ich mir auch nicht gerne auf den Füssen rumtreten, schon gar nicht von der Bullizei, Rechtsstaat hin oder her.

Die Daumenschraube für Vorverurteilung und Merkbefreitheit aber geht an die liebe, alte, weisse Nachbarin von Herrn Gates, die zwei dunkle Gentlemen an der Türe seines Hauses rumfummeln sah und darauf die Cops anrief. Schade nur, dass es sich eben um den Herrn Gates mitsamt Kollegen handelte. Vielleicht würde hier ein wenig Socialising unter Nachbarn helfen, damit man die Leute auch spätabends wieder erkennt. Man könnte auch nachfragen, aber dafür hatte die alte Dame wohl zu viel Schiss vor dunklen Menschen nach Sonnenuntergang.

Anfang Juni, als ich in L.A. war, hatte ich Kontakt mit einer netten jungen Dame aus der Gegend der grossen Seen (Illinois). Die erklärte mir, dass gerate ältere Generationen in den USA oftmals ein quasi genetisches Rassismusproblem hätten. In diesem Fall haben wir hier vermutlich einen Treffer voll ins Schwarze, regelrecht wortwörtlich.




Silo8: leider doch nur ein Deppen-Apostroph

Kollega Hymnos ist schier begeistert, Tausende pilgern vier Nächte pro Woche ins Nebelloch der Schweiz, wahrscheinlich dem ganzen verdammten Land gefällt es, bloss der Dschango, die olle Unke, der findet es mal wieder nur soso-lala: das Jubiläumsprogramm von Karl’s Kühne Gassenschau, genannt ‘Silo8‘.

Zuerst mal das Freundliche vorweg, dann haben wir das hinter uns. Höchst positiv aufgefallen sind mir (in eher typo-ästhetischer Reihenfolge):

  • die Explosionen am Schluss
  • die DarstellerInnen
  • das Bühnenbild
  • die Band

Die Leute haben Vollgas gegeben und ihre Rollen mit Verve gespielt. Das grotesk-absurde Element wurde konsequent und vollendet durchgezogen, die Gesangseinlage von Frau Ida war schier berauschend. Beeindruckt haben mich auch die technische Infrastruktur, die hinter so einer Produktion stehen muss, sowie die Techies, die all das Zeug bedienen. Gott helfe uns und ihnen, damit das folgende, von einer endblonden Teenie-Frau hinter mir, am Ende des Stücks (sehr) laut gedachte Szenario nie eintrete:

Iiiiihhh… we die mau uf die fauschi Siite kippä…!!

Nein, ich spoile nicht. Geht hin und seht es euch an, wenn ihr mitlachen wollt.

Item.

Ich denke, mein Hauptproblem war eine falsche Vorstellung davon, was mich erwarten sollte. Ich habe mir Trash vorgestellt, Underground, BlutScheisseTränenFeuerAkrobatik, sowas in der Art. Der Deppen-Apostroph war für mich Signal für Anarchie und Wahnsinn, für Chaos und Burlesk! Und stattdessen?

Der grosse Ablöscher begann für mich ja schon ganz am Anfang, als ich aufs Areal trat. Das bin jetzt sicher auch nur wieder ich, aber wenn es etwas gibt, was mir sowas von auf den Sack geht, sind es die ganzen verfluchten Event-Zonen. Da diese Frissmich-Trinkmich-Kaufmich-SchenkmirdeineAufmerksamkeit-Meilen, die ihre Ursprünge wohl auf irgendeinem versifften Open Air im letzten Jahrtausend haben. Anmerken muss ich ja, dass die ganzen 1200 (man korrigiere mich, wenn ich hier falsch liege) Personen absolut smooth und schmerzlos abgefüttert wurden: unseren – durchaus leckereren – Abendhappen hatten wir, trotz langer Warteschlange, innert weniger Minuten.

Hat sich niemand über die Zahl da oben gewundert? Ja, ist schon ein Haufen Leute. So richtig bewusst wurde mir das, als ich ins Vorstellungs-Areal eintrat und in die Runde blickte. Ebenfalls bewusst wurde mir in diesem Moment, dass es schlicht nicht möglich ist, tatsächlich Underground zu bleiben, wenn man an rund 80 (?) Abenden 1200 Leute ins Theater holen will.

Und das ist wohl das Problem: das Stück gibt sich zwar laut und dreckig und total schrill, in Tat und Wahrheit ist es aber nichts mehr als Trash Light, gerade so viel, dass das Grosi noch ein bisschen rot wird, aber ja nicht so viel, dass es wirklich jemandem umsgottswill weh tun könnte. Der obligate, zehnmillisekündige Schnäbiblitzer wäre da ein Beispiel. Die Gags sind selten unvorhersehbar, nie wirklich originell, orientieren sich an klassischem Slapstick, nur halt mit viel, viel mehr Gadgets.

Am besten waren die Kärle dann, wenn sie die Sau rauslassen konnten. Umso quälender waren dann die “poetischen” Momente. Im Grunde genommen weiss ich ja schon, dass es mir jetzt dann gleich die Fussnägel hochrollen wird, wenn ich das Wort “poetisch” höre/lese/denke: was danach kommt, dient in aller Regel dazu, Emotionen im Fast Food-Verfahren an die Leute zu bringen. Möglichst auffällig verpackt, mit möglichst wenig Nähr- oder Ballaststoffen, viel Zucker und Zuckeraustauschstoffe, schnell produziert, schnell geliefert, schnell verzehrt, schnell verdaut. Und so lief es dann auch jeweils ab. Die vorne wussten, auf welche Dur- oder Moll-Knöpfe sie in welcher Reihenfolge drücken mussten, das Publikum dankte es durch braves Abspulen der eigenen Emotionsrolle. Bin sicher auch nur wieder ich, aber ich kann mit der zuckersüssen Samstagabend-Romantik halt nichts anfangen. Klebt mir das Hirn von.

To-tal was anderes, aber artverwandt: was ist das eigentlich für eine komplett verblödete Unsitte da mit der Klatscherei? Früher, da gab es sowas, das nannten wir damals ‘Applaus’: ein komplett unkoordiniertes Durcheinander von Klatschgeräuschen, ausgelöst von dem in reinster Form autonomen Zusammenschlagen von vielen, immer aber ausschliesslich individuell koordinierten Handpaaren. Das konnte schon mal einen ganz schönen Lärm machen! Ausserdem gab es Nuancen: es gab den verhaltenen Applaus, den Verlegenheits-Applaus, den frenetischen Applaus, den brausenden… und heute? Alle synchron: *KLATSCH!!-KLATSCH!!-KLATSCH!!-KLATSCH!!*, wie damals, als der Führer noch gelebt hat. Oder als ob die alle auf Valium und per Elektroschocks ferngesteuert wären. Kann es für einen Schauspieler etwas Frustrierenderes geben, als wenn du völlig ausgekotzt da vorne stehst und dir gegenüber sitzen 1200 Applaus-Faschisten, die den Mussolini klatschen? OK, 1200 minus ich und den paar Rhythmospasten im Publikum… was die Sache auch nicht besser machte.

Und am Schluss merkten wir, dass wir von 1200 ZuschauerInnen mit einem Grüppchen von vielleicht… 30? 50? weiteren Nasen die einzigen waren, die mit dem ÖV da hoch kamen. Und das bei Gratis-Shuttle, optimalen Zugs-Anbindungen und allem Pipapo. Eine endlose Schlange von Autos jeglicher Bauart, die bunte Wahrzeichen aller möglichen Kantone trugen, fuhr im Schritttempo durch Olten, heimwärts. Und dieses Spiel jeden Abend, an dem Silo8 spielt. Das war dann der Zeitpunkt, wo ich mich im Jahre 1990 wähnte, weit weg von Finanz-, Klima- und Energiekrisen. In Happy Olten scheinen diese auf jeden Fall noch nicht angekommen zu sein.

Gut, für ihr bescheuertes Publikum können die Kärle nun wirklich nichts.




I got the blues

Ferien sind etwas Schönes. Leider sind die meinen demnächst vorüber, weshalb ich den Blues habe:

Irrer Typ, dieser Beardyman…




Denunziärän Sie jätzt!

Ach du meine Güte. Die Stadtberner SVP läuft wieder mal Amok.

Erich J. Hess aka. “Där Föhrär” hat sich mit seiner rechtswinkligen Spielgruppe wieder mal dem Dossier Sozialhilfe angenommen und eine Hotline für Verdachtsmeldungen zu Sozialhilfemissbrauch eingerichtet. So weit, so schlecht.

Manchmal ist ja das Ansinnen von jemandem rechtens, auch wenn es bei der Umsetzung dann etwas holpert und klemmt. Aber bei Erich und seinen Rattenkindern kann ich nicht mal ansatzweise so etwas wie ein berechtigtes Ansinnen erkennen, aus dieser Ecke kommt einfach nur gequirlte Scheisse.

Ganz übel wird es, wenn man ein wenig historisches Gspüri walten lässt. Hotlines für Denunzierungen haben einen ganz üblen Nebengeschmack. Kommt noch dazu, dass nicht mal eine Lücke gefüllt wird. Der Stadtverwaltung kann man ja bereits Unstimmigkeiten melden, und das erst noch bei der zuständigen Behörde selbst, so quasi ohne Umweg über irgendwelche dubiosen Stellen ohne städtisches Qualitätsmanagement.

Manchen Politikern ist wirklich jeder Scheiss recht, um mal wieder in der Zeitung zu stehen. Echt jetzt.




Liberal im Jahre 2009

Es gibt heute ja bekanntlich viele, viele bunte Blätter, die dem und der Gläubigen ihren Überschuss an Phantasie satt befriedigen: “reformiert” (formerly known as “saemann”), das katholische Pfarrblatt und noch viele weitere, selten wirklich auflagenstarke und/oder relevante Blättchen tummeln sich im Pfuhl der medialen Verkündigung. Das ist auch gut so: erstens hat selbst der Dümmste im Lande ein Recht darauf, in seiner Ignoranz bestätigt zu werden, zweitens müssen all die Absolventen der Ringier-Journalistenschule zu Zeiten des medialen Kollapses ja irgendwohin.

Was ich aber partout nicht verstehen will: warum entwickelt sich der Bund, frisch “gerettet” (die paar Entlassungen sind ja sowas von nicht relevant) zum neuen Berner Pfarrblatt?

Wer auch nur mit minimal offenen Augen durch diese Zeitung blättert, staunt, denn mehr und mehr dominieren religiöse Themen. Selbstverständlich wird möglichst “tolerant” berichtet (lies: verniedlichend), möglichst “neutral” (lies: anbiedernd) und möglichst “objektiv” (lies: kompatibel mit den eigenen Glaubensvorstellungen).

Beispiel gefällig? Nun denn. Nehmen wir doch mal die Ausgabe vom 1. Juli diesen Jahres. Unter dem Titel “Betende Banker” werden solchige portraitiert – auf etwa 2/3 Seite. Völlig widerspruchsfrei dürfen da Erzfundamentalisten ihre frohe Botschaft verkünden, inklusive intelligenten Behauptungen wie “Gebet verbessert Betriebsklima” (das tut regelmässiges Lüften auch) oder “die UBS gehört Gott Vater” (dann soll er den Mist gefälligst auch selbst finanzieren).

Dann, auf Seite 19, darf auch noch EVP-Mann Ruedi Löffel salbadern. Zugegeben: hier sehe ich eine gewisse Relevanz, da Löffel als Vater des Antirauch-Gesetzes gilt, das hier seit 1. Juli in Kraft ist. Natürlich bekommt auch Löffel eine 2/3 Seite, inklusive Foto mit Agentur C-Bild im Hintergrund (“Seid still und erkennet, dass ich euer Gott bin” – wenn die Argumente ausgehen, hilft halt nur noch “STFU!”). Natürlich fühlt sich hier ein Bund-Schurni bemüssigt, einen Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und Löffels religiösem Background zu konstruieren. Was dieser im Übrigen recht gekonnt umschifft.

Weiter, diesmal mit einer 4/5 Seite, wird noch ein Seelsorger-Ehepaar portraitiert – ironischerweise unter der Rubrik “Arbeit”.

So geht das im Bund schon eine ganze Weile. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einmal an prominenter Stelle irgendwelche Spinner von Gottes Gnaden zu Wort kommen. Dass sich der Bund übrigens während vielen Jahren dem Wunsch konfessionsfreier LeserInnen entzogen hat, bei den Todesanzeigen nicht nur immer Bibelsprüche, sondern vielleicht zumindest ab und zu mal einen neutraler Text abzudrucken, passt hier ja bestens hin. Soweit ich weiss war der 13. Juni insofern eine Premiere, als dass man hier tatsächlich zum ersten Mal eine Bund-Todesanzeigenseite anschauen konnte, ohne der Bibelpropaganda ausgesetzt zu sein. Und auch die Tatsache, dass in der Regel erst 20Minuten, dann eventuell die BZ, und erst dann – eventuell – der Bund über Aktionen der Freidenker, der Brights oder anderer säkularer Bewegungen berichtet, passt in dieses Konzept.

Die Frage ist nun: ist diese neue Richtung eine Art vorausschreitender Gehorsam, um die Zwinglianer aus Zürich gnädig zu stimmen? Oder ist sie vielmehr Ausdruck einer neuen Stossrichtung als Nischenprodukt?

Wahrscheinlich ist “gläubig” halt einfach das neue “liberal”. Von dem her hat die FDP durchaus das Recht und die Verpflichtung, in der neuen Landesregierung vertreten zu sein.

Nein, ich meine jetzt nicht den Bundesrat, sondern den Vatikan.

Santo subito!




DDR mit Hamilton-Optik

Weichzeichnerei im Rahmen von Geschichtsschreibung ist etwas ganz Beschissenes. Und doch scheinen Massen von Ostdeutschen genau das zu betreiben. Offenbar tun sie dies, um ihre historische Identität und das damit verbundene Gefühl zu schützen.

Ich kenne den Effekt. Unser tolles Gehirn hat ja das eingebaute Feature, dass mit der Zeit die negativen Erinnerungen aus einem Erlebniskomplex verschwinden, je effizienter desto mehr Zeit vergeht. Klar, sonst würde ja der Besuch jedes Schulraumes den leidgeprüften Ex-Schülern ihre schmerzlichen Erinnerungen aus der Steinzeit des Bildungswesens wieder in den Stirnlappen drücken, und wir würden alle bei der Erwachsenenbildung gepflegt durchdrehen. So oder ähnlich dürfte sich das dann abspielen.

Darum haben wir einen Erinnerungs-Weichzeichner im Gehirn. Ich persönlich schätze dieses Feature ausserordentlich, erlaubt es mir doch beispielsweise alten Arbeitskollegen freundlich und entspannt zu begegnen. Wenn ich mich noch an jedes Detail meiner Empfindungen aus der damaligen Zeit erinnern könnte, würde ich dem einen oder anderen glatt das Fressbett polieren wollen. Aber mit Weichzeichner im Gehirn wird man zum freundlichen Lamm.

Oder zum DDR-Zombie, um mal beim Thema zu bleiben. Der verlinkte SPON-Artikel hat auch ein kleines Forum mit mittlerweile über tausend Einträgen, welch ein Kabinett des Schreckens. Die Stimmen, die die Verklärer der DDR ins Pfefferland respektive in die Psychiatrie wünschen, sind selten, die meisten glänzen mit Ignoranz, Trotz, Merkbefreitheit und seltsamem Erinnerungs-Patriotismus.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe nicht das Gefühl, in einer marktwirtschaftlichen Sozial-Utopie zu leben. Ich sehe genug Änderungsbedarf in unserer Gesellschaft und an der Art und Weise, wie wir auf diesem wunderbaren Planeten leben. Und ja, wir haben gewissermassen eine Art Diktatur des Kapitals, wie auch immer die geartet sein mag. Wir können aber mal einen Auszug dessen machen, was wir nicht haben, denn die negative Auswahl hilft oftmals auch weiter:

  • Grenzmauer.
  • Ausreisebeschränkungen.
  • Selbstschussanlagen an der Grenze.
  • Geheimgefängnisse.
  • Bespitzelung durch die eigenen Reihen auf breiter Basis (wird jetzt freiwillig und butalstmöglich auf Facebook gemacht, wer braucht da noch Geheimdienste…).
  • Ein Volk – eine Partei.
  • Mangelwirtschaft.
  • Leere Regale im Supermarkt.
  • Qualitativ schlechte Lebensprodukte des Alltags.

Die Liste könnte auch noch länger sein, das macht hier aber keinen Sinn. Was lernen wir aus dieser Diskussion? Dass die Geschichte und deren Aufarbeitung nie neutral sein kann, aber sehr wohl professionell sein muss. Da können wir hierzulande immer noch vom hervorragenden Bergier-Bericht zehren, die Ostdeutsche Geschichte bräuchte etwas ähnlich geballtes. Aber da fehlt unserem nördlichen Nachbar wohl die Kohle. Eigentlich Schade…




Der King hat ausgepoppt

Schon saublöd.

Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben, da stirbt der Jackson Michel (das ist der, der den Begriff ‘Gesichtsverlust’ auf ein völlig neues Level gehoben hat) weg und ich hab eine Überschrift, die einfach zu gut ist, als dass man sie ignorieren kann.

Henusode.

Nicht, dass es mich jetzt gross (oder auch nur am Rande) in meiner Lebensqualität beeinträchtigen würde, wenn der weisseste Schwarze aller Zeiten nicht mehr unter uns weilt – er hat mich auch nicht gross beschäftigt, als er noch lebte, schliesslich habe ich keine Kinder. Irgendwie hab ich den Zugang zu der Figur verloren, ungefähr zu demselben Zeitpunkt, als MTV Scheisse wurde. An ‘Beat it’ kann ich mich noch erinnern, und an die ‘Dirty Diana’, und natürlich an ‘Thriller’. Aber sonst? ‘Black or White’? Ja, entscheide dich mal… ‘Heal the world’? Pffffft… heil dich doch selber…

Weil ich ein alter Masochist bin, habe ich mir aber einen Blick ins Michael Jackson Forum nicht verklemmen können, und siehe da, Perlen warten darauf, ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden!

Schon ziemlich geil beginnt es ja im Foren-Header, wo die Betreiber versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben:

Für alle die alleine sind oder mit einem unbeteiligten sprechen möchten, empfehlen wir die TelefonSeelsorge. 24 Stunden täglich – anonym, vertraulich, gebührenfrei.

So meint beispielsweise sana24:

mich trift es schwer den ein mänsch den wir lieben ist von uns gegangen

Nimm es easy, liebe sana24, weil, ob MJ überhaupt noch unter die Kategorie ‘mänsch’ gefallen ist, das würde ich als zweifelhaft ansehen. War ja eher ein Cyborg, mit all dem Plastikzeug drin. Und der positive Aspekt: jetzt hast du endlich wieder den Kopf frei, um im Deutschunterricht mitzumachen und musst nicht mehr die ganzen Hefte mit “I love U Michael!”-Einträgen füllen. Hat eben alles zwei Seiten im Leben.

Andere Leute sind schockiert, wie die Welt mit ihrem Idol posthum umgeht, so zB MJJmyLOVE:

Die Leute sind schrecklich, sogar jetzt noch sagen die: “man muss sagen, dass seine Beziehung zu kleinen Jungs krank war” wie unfassbar!!!

Ja, es ist total schlimm. Weil, spätestens dann, wenn sie tot sind, sollte man Pädophile nicht mehr schmähen, sondern ihnen ein Denkmal setzen – oder ein Kirchenfenster, siehe nebenstehendes Bild.

Als etwas unsensibel empfinde ich die Signatur von CptChaos:

MICHAEL!!! GO 4 LONDON!!!

Vielleicht ist der gute Cpt aber auch nur überoptimistisch.

(Unter uns: ich glaube ja immer noch, dass das ganze Gesterbe nur a) ein Marketing-Trick ist oder b) ein easy Weg, um die bereits ausverkauften Konzerte im Januar möglichst kostenneutral abzusagen.)

Dafür macht cyplone auf Fatalismus:

HEUTE NACHT IS DIE MUSIK GESTORBEN!!!!!!

Hauptsache, die Grossbuchstaben überleben.

Etwas unorthodox dann die Frage von sunshine1974:

Weiß jemand wo ich vielleicht mit gleichgesinnten Michael Jackson Fans Trauern kann? Ein Gottesdienst oder so etwas ähnliches.

Ich verwette meine linke Arschbacke darauf, dass irgend ein schlauer Pfaffe in den nächsten Tagen genau dies anbieten wird. Denen ist ja mittlerweile nichts mehr zu blöd, um ihre Hütten vollzukriegen. An sunshine1974s Stelle würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und eine Initiative starten, damit die ganze Welt kollektive Global-Trauer verhängt. Und einen globalen (ja was red ich da, einen UNIVERSALEN!) MJ-Gedenktag brauchen wir auch. Dringend!

Sowieso: theologisch sind MJ-Fans offenbar recht gebildet. So auch Littlesister:

Möge Gott ihn beschützen und ihn oben im Himmel einen Popstern schenken.

Einen Popp-Stern? So wie den hier?

Und auch Blacky09 ist Hobby-Theologin:

Doch, ich glaube, es gibt einen Gott. Er hat Michael zu sich geholt, um ihn nicht noch mehr zu quälen. Er meinte es sicher gut und will, dass Michael nun ein besseres und schöneres und ruhigeres Leben hat.

Komm Blacky, sprich Klartext: MJ ist Gottes eingeborener Sohn, der zu uns geschickt wurde, die Sünden der Welt von uns zu nehmen. Er ist nun wieder vereint mit seinem Vater im Himmel und betreut im Moment gerade die Vorhölle, wo er sich den ungetauften Kindern annimmt. Halleluja! Amen!

(BTW: ziemlich geil ist die Tatsache, dass wegen MJs Tod jetzt in diesem Forum eine Diskussion über die Existenz Gottes entbrannt ist, im Sinn von “wie kann ein Gott existieren, der MJ von uns nimmt?!?”…)

Darüber, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, ist man heutzutage ja informiert. Trotzdem ist es immer wieder wichtig, dass man da drauf hinweist, so wie MJJusic:

Als ich heute morgen ganz gemütlich duschen gehen wollte, das Radio angeschalten hab und diese Nachricht gehört habe, brach ich förmlich zusammen.

Merke: nie gleichzeitig gemütlich duschen und Radio hören! Das kann nämlich zu Zusammenbrüchen führen. Man spricht in dem Zusammenhang bereits von Killer-Radios und Koma-Duschen.

Etwas orientierungslos kommt Zagros in seinem selbst verfassten Gedicht rüber:

Ein kurzes Gedicht von mir an Michael:

Wenn ich Gott anflehen würde, könnest du dann kommen?
Wenn ich ein Teil meines Lebens dir gebe, würdest du dann zurück kommen?
Der Tod steht Michal Jackson nicht, ich habe nicht genug von dir. Wo willst du hin Michael wohin?

Ich rate mal: Six feet under. Zur Wurm-Party. Radieschen von unten ansehen. Perma-AFK. Und das Gedicht ist so toll, dass Blacky09 meint:

Ein sehr schönes Gedicht! Wie schön wäre es, wenn es wahr werden könnte. Ich würde sofort einen Teil von mir geben, wenn er nur wieder da wäre!

Mit dem Teil von dir meinst du wohl dein Gehirn, aber das wird nicht klappen, weil Gott Gehirne nicht so toll findet. Das sind Zombies, die da drauf abfahren, als MJ-Fan solltest du das eigentlich wissen.

So, dann mal ab in die Grusel-Ecke. Lischen83 mag ja eine ganz flotte sein. Total nett und so, ey. Aber stellt euch jetzt plastisch vor, wer hinter so einer Aussage stehen könnte:

Er hat mich sowohl künstlerisch geprägt als auch meinen Beruf als Sozialarbeiterin…

Also wie jetzt? ‘Künstlerisch’ im Sinn von ‘künstlichem Gesicht’? Und Sozialarbeit im Sinn von… hoffentlich nicht mit kleinen Jungs, oder?

Wirklich gruslig ist aber das hier, aus dem Foren-Header:

Seine Kunst ist unsterblich.

Uuuuuuuhhh… jetzt hab ich aber wirklich Angst…




Romand mon oeil!

Es ist kompliziert. Eigentlich bin ich ja der alte Schwede, ich könnte aber auch ein alter Romand sein. Oder ein Franzose, oder ein Norweger, oder ein Schweizer mit etwa fünf verschiedenen europäischen Nationen in seinem Blut vereint, wer weiss das schon ganz genau?

Tatsache ist, dass gestern im Club auf SF1 um die Frage “Was ist ein echter Romand?” (im Zusammenhang mit der anstehenden Wahl eines Nachfolgers vom alten Kuschbrot) diskutiert wurde. Ich habe mir in etwa die ersten 15-20 Minuten der Sendung angetan, danach wusste ich (zumindest gefühlt) bescheid.

Besonders negativ aufgefallen ist mir Claude Ruey, der wirklich alles erdenkliche dafür tat, als romand-rassisches Arschloch mit ganz komischen Anwandlungen bezüglich seines Romand-Daseins aufzufallen. Positiv aufgefallen ist mir der scharfzüngige Jean-Martin Büttner, der Claude Ruey und besonders die historische Konnotation seines “Romands” ziemlich angriff. Gut so.

Wer aber waren die wirklichen Sieger des Abends? Natürlich die Bastarde! Diejenigen, die zwischen den Welten gehen, die beides kennen, die sich in beide Seiten einfühlen können. Also wir.

Ein Weltengänger würde sich nie um solch eine relativ stupide Frage kreisen. Warum kann man nicht einfach die Person nehmen, die am meisten nach vorne schaut, die die besten Ideen hat, die diesem Land effektiv dienen will?

Genau das war meiner bescheidenen Meinung nach die Quintessenz der gestrigen Sendung, auch wenn ich sie, zugegebenermassen, nicht fertig gesehen habe. Ich bekomme immer noch Vögel, Pickel, Würmer, wasauchimmer, wenn irgendwelche Leute mit einer bestimmten “Herkunft” die selbige glorifizieren und allgemeingültige Werte daraus heraufbeschwören. Der Begriff des Romands und die Entstehung dessen ist mit einer Geschichte des Rassismus (siehe die 30er und 40er Jahre im Welschland) und der Ausgrenzung verbunden.

In diesem Kontext kann die Frage nicht wirklich lauten: brauchen wir einen Romand im Bundesrat?, sondern sie muss lauten: Bekommen wir bitte einen fähigen Schweizerbürger zum Bundesrat, der ein gutes Gespür für die Westschweiz und Lebenserfahrung in derselbigen hat? Solche Leute hat es in diesem Land glücklicherweise genug, und sie müssen halt auch nicht zwangsläufig aus der Romandie stammen, so viel ist klar.

Merci, circulez, il y a rien à voir.




Lustige Logik

Jaja, auch den Dschango hat der Brief des BernMobil-Direktors René Schmid erreicht. Logisch, der Dschango ist ja seit gefühlten 100 Jahren BäreAbi-Besitzer (bzw ‘Libero’, wie die Jungen heute sagen) und somit in Herrn Schmids Adresskartei. Aber auch wenn der Dschango nur per Rauchzeichen erreichbar wäre: Herr Schmid wollte auf Nummer Sicher gehen und hat den Brief, nicht, dass dann der Dschango rumsürmelt, er habe von nichts gewusst, auch noch in der einen oder anderen Gratiszeitung abdrucken lassen (was wohl kaum gratis war, auch wenn der Ausdruck ‘Gratiszeitung’ solches suggerieren könnte). Ganzseitig, versteht sich, weil der Herr Schmid hat ja auch einiges zu sagen in seinem Brief.

Was denn? Irrelevant, eigentlich. Er jammert irgendwas davon, dass er am Morgen im 3-Tram den Abfall zusammenräumt und sich dabei offenbar auffällig verhält – fragt mich nicht. Kann ja nicht mein Problem sein, wenn sein Pflichtenheft auch noch den Punkt “allgemeine Sauberkeit in den Fahrzeugen gewährleisten” enthält. Hätte er mal besser beim Einstellungsgespräch auf den Tisch gehauen. Oder wäre Direktor der UBS geworden, die haben nämlich überhaupt keine Trams.

Aber ein Satz ist mir dann doch noch aufgefallen, im Brief von Herrn Schmid:

Legen Sie zum Beispiel Ihre Gratiszeitung in Ihren Zeitungssammler daheim beziehungsweise im
Büro.

Nebst der Tatsache, dass dieser Satz grammatikalsch und stilistisch unter aller Granate ist, hat bei mir beim Lesen desselben doch prompt mein guter, alter Bullshit-Detektor mal wieder angegeben (ich darf solche Sätze machen! Die Welt erwartet das von mir!). Herr Schmid skizziert mit seinem Brief eine Welt, die ungefähr folgendermassen aussieht:

  1. 1) Die Welt dreht sich einzig und allein um Dschango.
  2. 2) Wegen 1) kauft BernMobil jeden Tag einen Haufen Zeitungen, damit der Dschango gut unterhalten in den Tag startet.
  3. 3) Wegen 2) gibt es ein Abfallproblem im Tram.
  4. 4) BernMobil ist eine Non Profit-Organisation, die sich hauptsächlich der Rettung des Weltklimas widmet.
  5. 5) Auch die Angehörigen fremder Kulturen, die als ‘Team Sauber’ durch die Trams streifen, sind unbezahlte Fronarbeiter, die ihren Job eigentlich nur machen, weil sie BernMobil so total groovy finden.
  6. 6) Wegen 3), 4) und 5) fände es BernMobil total easy, wenn der Dschango die Gratiszeitungen im Büro oder zuhause entsorgen würde.

Soweit, so gut. Dummerweise sieht die Realität aber so aus:

  1. BernMobil kassiert von den Gratiszeitungen einen ganz ordentlichen Batzen Geld, damit deren Mist in den Trams aufliegt.
  2. Dank der Tatsache, dass Dschango (und noch zwei oder drei andere) den Mist überhaupt in die Hand nimmt, zahlen die Gratiszeitungen überhaupt was an BernMobil.
  3. Gratiszeitungen sind am einfachsten und angenehmsten zu entsorgen, wie mir ein Mitarbeiter des Team Saubers persönlich gesagt hat.
  4. Dschango war schon verdammt froh, wenn er spätabends noch einen zerknüllten BlAbend gefunden hat, der ihn bis zur Zielhaltestelle in genügendem Masse sediert hat.

Man kann also auch sagen:

  1. Nicht Dschango verursacht die Papierflut, sondern die Gratiszeitungen.
  2. Nicht Dschango profitiert in erster Linie, sondern BernMobil.

Verursacherprinzip? Oh ja! Ich bin weder Drucker, noch Reporter, noch Verleger, noch Austräger, noch nicht mal Tramchauffeur und schon gar nicht BernMobil-Direktor. Weitere Fragen, wer folglich für die Entsorgung der Papierflut zuständig ist? Kein Fragen? Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Ausserdem: Kann ja sein, dass zwei Drittel von Schmids Brief-EmpfängerInnen eine “neue, ungelesene Zeitung” bevorzugen. Aber hallo, gerade aus dem Gedanken des Minderheitenschutzes heraus werde ich jetzt grad extra meine Zeitung immer liegenlassen. Ich meine, möglicherweise kommt da plötzlich der dritte Dritel vorbei, findet keine gelesene, alte Zeitung und fährt, total enttäuscht von sich und der Welt, wieder mit dem Auto zur Arbeit. Und dann ist Scheisse mit der Klimarettung, soll dann ja kein Schmid jammern kommen.

Und noch etwas ist interessant:

Übernehmen Sie ein kleines bisschen Verantwortung für «Ihr» Verkehrsmittel. Ich gebe zu: Am Anfang hat mich diese Umstellung auch ein wenig Überwindung gekostet. Aber ich versichere Ihnen: Ich wurde deswegen noch nie ausgelacht oder beschimpft. Und ich fühle mich dabei wohler als vorher.

Ja, man könnte “ihr Verkehrsmittel” mit “Jesus” austauschen und der Satz bliebe erhalten, das ist aber gar nicht der Punkt (und man wird ausgelacht, wenn man für Jesus Verantwortung übernimmt, zumindest von mir). Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sich Herr Schmid, als BernMobil-Direktor wohlverstanden, dazu überwinden musste, für sein Verkehrsmittel ein “kleines bisschen Verantwortung” zu übernehmen.

Schon bedenklich, die Einstellung dieser Manager heutzutage.




Fear And Loathing In Los Angeles

Eigentlich wollte ich ganz elegant und gekonnt von meinem halbgeschaeftlichen Trip nach L.A. berichten. Da gibt es aber zwei kleine Probleme. Zum einen habe ich das Netzteil meines Notebooks zu Hause vergessen und habe noch fuer ca. 30 Minuten Batteriestrom. Den brauche ich fuer das Halbgeschaeftliche. Darum schreibe ich hier auf einer Ami-Tastatur die bekanntlich keine Umlaute hat. Halb so schlimm, sieht halt etwas haesslich aus. Henusode.

Das zweite Problem: diese Stadt suckt, und zwar gewaltig. Es gibt hier aber auch rein gar nichts, was mich schon nur ansatzweise begeistern wuerde. Gute Burger wie die im Eisenbahnwaggon-Beizli am Sunset Boulevard kann ich auch zu Hause machen, die schmecken etwa gleich gut. Kommt noch dazu, dass meine heimischen Burger mit wesentlich mehr Liebe gemacht sind.

Weitere Beispiele gefaellig? Flaschenwasser fuer 1.50$ pro halbem Liter schmeckt genau wie das Leitungswasser uebelst nach Chlor. Der bezahlbare Frass ist groesstenteils nicht zu ertragen. Die Frauen sind entweder uniform aufgetakelt und scheinen alle das gleiche Parfum zu benutzen, oder aber sie sind einfach nur fett und haesslich. Oberflaechlich sind sie eh alle. Es gibt fast nirgends guten Kaffee. Die Bullen sind so etwas von stressig drauf. Es scheint wirklich kein Ende zu nehmen. Gluecklicherwise ist das Hotel ganz nett…

Fazit: L.A. ist mit Abstand die beschissenste Stadt, die ich bisher gesehen habe. Habe mich selten so fest darauf gefreut, nach Hause zu kommen. Echt jetzt…




Eine Familienfeier

Sonntag Morgen um Zehn in der Kirche, alle sind auf ihren Plätzen, der Tubel vorne im schwarzen Mantel startet den Gottesdienst. Eine enge Verwandte hat mich zu ihrer Konfirmation eingeladen… Da ich diese Verwandte sehr gut mag, habe ich mir die anderthalb Stunden geistige Vergewaltigung von Jugendlichen angetan.

Gottlob (sic!) war meine Schwester dabei. So trug es sich zu, dass wir bereits nach drei Minuten von dem Gelaber des Pfaffen die Nase voll hatten und uns gegenseitig anfingen zu piesaken. Hier ein Kniff, da ein kleiner Tritt, wir hatten unseren leicht subversiven Spass. Unser Vater stöhnte noch, dass wir auch als Erwachsene noch kein Gramm weiter seien als zu besten Kindheitszeiten. Ich erklärte ihm dann, dass vieles mit Langeweile und diesen unsäglichen Kirchenprozessen zu tun hätte.

Abgerundet wurde das ganze durch Kommentare einer weiteren Verwandten (13 Jahre alt), die mir von hinten rechts wichtige Infos zu den jeweiligen Konfirmanden ins Ohr flüsterte. Mein persönliches Highlight war der Kommentar zu der jungen Konfirmandin, die mit Abstand das tiefste Dekolletee von allen hatte: “Das ist die Dorfmatratze.”. Solche Momente finde ich episch.

Aufgrund der eher kurzen Nacht und der unsäglichen Hitze war ich dann froh, den Nachmittag mit viel schwarzem Kaffee und einem Bad im Familienpool bestreiten zu können. Es war schön.




Itauiänisch for Beginners

Wir waren neulich ja wieder mal in Italien unterwegs, zwischen Milano und Como, zwecks Verwandtenbesuch. Nein, nicht die Dschango-Verwandtschaft wurde besucht – diese ist eh immer schon da, wo man gerade hin will und geht dort auch meist nicht freiwillig weg; der Wortteil ’suchen’ wäre in dem Zusammenhang also völlig fehl am Platz – sondern diejenige des Hasen.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mein Italienisch noch immer unter aller Sau ist, obwohl ich nun schon eine halbe Ewigkeit mit dem südländischen Hasen zusammen bin. Entsprechend unidirektional gestaltete sich die Kommunikation mit all den Nonnas, Mammas, Zios und Zias für mich; also beschränkte ich mich im Wesentlichen auf die internationale Sprache des Magens, um mich verständlich zu machen. Und mit dieser kommt man, zumindest in Italien, sehr weit.

Aber eins nach dem anderen. Grundsätzlich kann man ja sagen, dass Italiener kein Gramm normal sind. Dies nicht nur, weil sie regelmässig einen ihrer grössten Verbrecher zum Staatsoberhaupt wählen und auch nicht nur, weil sie ihre Küchen, Wohn- und Schlafzimmer sowie Bäder und WCs mit Heiligen, Päpsten und Märtyrern vollhängen (schon mal abgeseilt, während dir Padre Pio mit Leidensmiene zulächelt? Muss man erlebt haben), sondern vor allem wegen ihrem komplett durchgeknallten Verhältnis zur Tätigkeit des Essens.

Ich meine, mir kann es ja egal sein, dass man mich zum Quasi-Volkshelden erklärt, nur weil ich konsequent jeden Teller, den man mir vorsetzt und der mit leckeren Sachen gefüllt ist, leer esse. Man sagt ja, italienische Frauen seien schwer zu erobern, aber man lobe bloss den Sugo einer italienischen Hausfrau über den grünen Klee (was selten viel Überwindung kostet) und schon hat man ihr Herz für immer und ewig gewonnen. So gesehen war Dschango in Italien ein Herzensbrecher und Womanizer allererster Güte: keine Frau mit Herd konnte meinem Charme (bzw demjenigen des schwarzen Loches, das sich ‘Dschangos Magen’ nennt) widerstehen.

Man trifft in Italien noch die vom Aussterben bedrohte Art der ‘Domina casa dominatus vulgae’ an, die ihren Lebens- und Daseinszweck primär im Anschaffen unsäglicher Mengen von Fressalien sieht. Und diese Aufgabe, das muss man sagen, erfüllt sie, ja überfüllt sie zu jeder Tages- und Nachtzeit. Gerüchtehalber gibt es in Italien Frauen, die ihr ganzes Leben noch nie ausserhalb der Küche gesehen worden sind. Wir haben Exemplare gesehen, die offenbar mit ihrer Küche geradezu verwachsen sind, weil es unmöglich ist, auf eine andere Art solche Mengen an Essen zuzubereiten, aufzutischen und wieder abzuräumen. Letzteres im Übrigen, damit sofort mehr Platz für neue Kalorienbomben geschaffen wird.

Auf einen Italiener muss ein leerer Esstisch ungefähr so deprimierend wirken wie der Gesichtsausdruck eines Herrn Ospel auf einen Schweizer. Nur so lässt sich die Besessenheit dieser Leute in Bezug aufs Essen erklären. Wohlverstanden: sie finden es selbst nicht normal und lachen über die Italiener, die den ganzen Tag am Fressen seien – während sie sich gerade eine Ladung Pasta ins Gesicht schieben.

Was irritierte: nicht die Tatsache, dass wir Hasen beide explizite AtheistInnen sind, hat zu Aufschreien geführt. Auch nicht die Tatsache, dass wir nicht verheiratet sind. Beides wird wohl etwas anders sein, wenn wir dann im Herbst mehr Richtung Süden gehen, aber egal. Dass wir kinderlos sind wurde lediglich als „schade“ angesehen und unser Vegetariertum einfach mit fünffachen Portionen Gemüse ausgeglichen. Komplettes Unverständnis schlug uns aber entgegen, als man uns nach unserem Auto zuhause fragte:

„Che tipo di macchina avete?“
„Non abbiamo una macchina.“
„NESSUNA MACCHINA?!? MA PERCHE?!?“

Hase hat dann in einem mehrstündigen Vortrag versucht, das Konzept ‘Mobility’ zu erklären – Stirnrunzeln und Misstrauen waren die Folge. Dann, eher unabsichtlich, rutschte ihr das Wort ‘Car Sharing’ raus – und plötzlich ging ein kollektives „Aaaah, Carre Sharinge!“ um den Tisch. Warum auch kompliziert, wenn es einfach geht.

Noch etwas: absolut unabdingbar für die Kommunikation mit italienischen Mitmenschen ist eine Geste, die ich den ‘Scheinangriff des Geiers’ nenne. Diese Geste ist äusserst universell einsetzbar und wird immer verstanden, ich erlaube mir deshalb, dieses fantastische Kommunikationsmittel etwas näher zu erläutern. Der Scheinangriff des Geiers geht so:

Man hebt das Kinn um ungefähr 7 Grad an und schiebt anschliessend das angehobene Kinn in gerader Linie 5-10 Zentimeter nach vorne. Man kann den Scheinangriff des Geiers einmal oder, durch Verkettung mehrerer Vorschieb-Phasen, mehrmals ausführen, wobei man dann irgendwann aufpassen muss, dass einem der Kopf noch auf dem Hals bleibt. Diese Geste, beliebig unterstütz- und akzentuierbar durch leichtes Schulternhochziehen, Hände verwerfen und allenfalls offenem Mund kann, je nach Kontext, „kapiere ich nicht“, „ist ja klar“ oder „wenn du meine Freundin weiter so anschaust kriegst du paar an die Fresse“ heissen – die Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig.

Wenig ist aber so verständlich, wie wenn einem Zia Lucia den Teller nochmal füllt, einen in die Wange kneift und „mangia, mangia!“ sagt. Ich gehorche ja äusserst ungern und selten Befehlen, aber einer Zia Lucia widerspricht halt nicht mal Dschango.




Unter das Volk gemischt

Ein weiteres seltsames Kapitel aus der Reihe “Reichtum schützt vor Dummheit nicht”:

Da wollte Carl Hirschmann medienwirksam “den Puls der Gesellschaft spüren in dieser wichtigen Zeit” und mischte sich mal so ganz spontan und neugierig unter die 1. Mai Demonstranten um zu sehen, wie das Proletariat so feiert. Diese soziale und noble Geste wurde dann auch prompt an der unbewilligten Nachdemo mit einer Ladung Gummischrot belohnt (ich kann mir an dieser Stelle ein klitzekleines Lächeln echt nicht verkneifen). Carl Hirschmanns erstaunliche Erkenntnis: “Wrong place, wrong time”. Wo er Recht hat, wer konnte denn auch ahnen, dass  ausgerechnet am 1. Mai in Zürich die Demo ausarten wird….wirklich dumm gelaufen.

Ist irgendwie erbärmlich, nach der ersten Demoerfahrung gleich weinend zum nächsten Journi zu rennen und seine Leidensgeschichte zu publizieren. Zumal das Ziel, “den Puls der Gesellschaft zu spüren“, ja ziemlich offensichtlich erreicht wurde. Deshalb mein Tipp: Das nächste Mal wieder gemütlich beim Sechseläuten mit den Zünftlern mitmarschieren und das Demonstrieren den Leuten überlassen, die wirklich etwas zu sagen haben.




Ein Idiot und zwei Räder

Spaziergänge im Wald mit Schatzi und Hund sind ein wahrer Segen. Probleme gibt es selten, sogar mit Reitern und Velofahrern klappt es eigentlich immer, vorausgesetzt, alle Beteiligten tragen ihren Teil dazu bei.

Leider konnte ich letzten Sonntag nicht auf den Spaziergang mitgehen, also war mein wildes Schatzi mit dem Sauzahn alleine unterwegs. Im Forst ob Matzenried, um genau zu sein. Gut, alleine war sie ja nicht wirklich, da noch ein Velo-Wald-Trial (oder wie auch immer das heisst) mit gefühlten 300 Bikern stattfand. Und alle haben sich anständig benommen.

Alle? Nicht ganz, denn ein zäher Kern von bescheuerten Vollidioten stellt nach wie vor das eigene Leistungsziel vor angepasstes Verhalten in entsprechender Umgebung. Es kam also wie es kommen musste:

Mit vollem Caracho kommt einer dieser Offroad-Rabauken um die unübersichtliche Ecke geschossen, ruft kurz Achtung! und erwartet offensichtlich, dass meine Mätresse den Hund in 30 Millisekunden gesichert hat. Das ging natürlich nicht, also lief unser hübscher Blonder vors Velo, der Fahrer strauchelt, fällt und begräbt unser geliebtes Viech unter dem Drahtesel.

Der Hund ist natürlich traumatisiert und verwirrt und weiss nicht wohin, der Fahrer steigt ohne ein Wort zu verlieren wieder auf und fährt im gleichen Tempo davon. Schade nur dass unser Hund in seiner Angst leider immer noch nicht gesichert werden konnte und jetzt vor dem Velofahrer seine Runden zog und sich von diesem gejagt fühlte. Mein Schatzi hat sich schier heiser geschrien und wohl auch seit Monaten nicht mehr in so kurzer Zeit so viel geflucht.

Am Ende war unser Hundi zum Glück wieder bei den Leuten und der Velofahrer ward nicht mehr gesehen. Alle beteiligten haben ihr Trauma bewältigen können und sind immerhin ohne Schaden davon gekommen.

Als mir mein Schatzi die Geschichte erzählte, da erkannte ich das seltene Glück, dass diesen unsäglichen Mountainbiker an diesem Tag ereilt hat: Wäre ich dabei gewesen hätte es für den Biker Nasenbluten gegeben und er wäre mit einem ziemlichen Achti in den Speichen nach Hause geeiert.

Falls der betroffene Biker per Zufall diese Zeilen liest: wenn das jemals passieren sollte wenn ich dabei bin, dann mach dich darauf gefasst, dass ich dich nötigenfalls vom Bike reisse und dir deine dumme Fresse polieren werde. Ich habe kein Verständnis für solch Rücksichtsloses Verhalten.

Ich nehme im Übrigen auch eine Anzeige wegen Körperverletzung in Kauf. Da würde ich bei der Gesichtsmassage sogar ein kleines Supplement geben, damit sich die Anzeige wenigstens lohnt…




Brückensprenger

Eigentlich dachte ich, dass ich mich nicht mehr mit Herrn Steinbrück befassen muss, da er irgendwann von der gehobenen Diplomatie ausgebremst wird. Dem ist ganz offensichtlich nicht so.

Jetzt haben sogar die sonst so entspannten Luxemburger die Schnauze voll von dem Nordisch-by-Nature-Gefasel, das will was heissen. Ich kann dem nur beipflichten. Ein pöbelndes Bübchen ist eine Zeit lang sicherlich unterhaltsam, doch auch beim weitgehend schmerzbefreiten Zuschauer stellt sich irgendwann eine Sättigung ein.

Darum: Husch husch, Peer, ab ins diplomatische Steinkörbchen.




Das parfümierte Rektum

Durch eine unglückliche Verkettung von für sich genommen eigentlich ganz harmlosen Zufällen gelangte neulich eine Rolle parfümiertes Luxus-Klopapier an den häsischen Toilettenpapierhalter. Erst wusste ich gar nicht, woher dieser penetrante Gestank nach chemischen Blümchen herkam, als ich dann aber den quietschbunten, zwölflagigen Ausbund an Anal-Dekadenz sah, schwante mir einiges.

Vielleicht sollte ich hier erläutern, wie die Hasen (und somit auch der Dschango) mit diesem Thema sonst umgehen. Also, im Grunde genommen scannen wir das Angebot unseres lokalen Detaillisten nach dem Term ‘Recycling’ und packen davon jeweils die grösste Einheit mit dem niedrigsten Preis in unseren Einkaufswagen. Eine Seite so rauh wie eine Metallfeile, die andere noch viel schlimmer, weitestgehend geruchs- und farbneutral, generell eher unscheinbar, genau so mögen wir unser WC-Papier seit Anbeginn aller Zeiten.

Und nun war da plötzlich dieser gelbe Wahnsinn auf Rolle, der mit seinem Frühlingsgestank penetrante Fröhlichkeit an einem Ort zu verbreiten suchte, an dem ich sonst nur Erleichterung und Kontemplation zu finden erhoffe. Das brachte mich dann aber immerhin auf eine Idee für einen Blog-Artikel.

Und zwar, so fragte ich mich, nähme es mich wahnsinnig wunder, worin denn der Sinn eines parfümierten Klopapiers besteht. Ich meine, es kann ja nicht daran liegen, dass man den Ratten im Abwasserkanal ein hübsches Geschenk machen und auch nicht daran, dass man den Gestank der eigenen Fäkalität kompensieren möchte – in beiden Fällen müsste man dann ja jeden Gagu einzeln mit Klopapier umwickeln.

(Im Übrigen stellt sich mir die Frage nach dem Sinn noch bei so einigen parfümierten Produkten: Kerzen, Raumspray, Slipeinlagen – ein weites Feld. Aber einewä, eins nach dem anderen, ich kann mich ja nicht um alles kümmern, heieiei!)

Wie man es dreht und wendet, es macht keinen Sinn, ausser demjenigen, dass man seinem After eine gewisse Parfümierung angedeihen möchte. Falls dem so ist (und ich habe daran absolut keinen Zweifel), hätte ich auch mehrere Ideen, wie man den eigentlichen Zweck dieses Produkts endlich einmal klar und deutlich herausstellen könnte. Die Idee, die noch am jugendfreiesten und am wenigsten brechreizerregend ist, möchte ich hier kurz vorstellen. Also, hier ein TV-Spot, der wie folgt läuft:

Kamera blendet ein, man sieht das Gesicht einer schlummernden, wunderhübschen Frau. Die Kamera zoomt langsam weg, man sieht, dass die Frau in einem Bett liegt. Beim Zoomen streift die Kamera auch noch die vielen Diplome und Urkunden an der Wand: man will uns suggerieren, dass diese Frau nicht nur schön, sondern auch noch wahnsinnig klug ist. Die Morgensonne scheint durchs Fenster, Vöglein zwitschern, alles ist gut.

Dann hört man auf einmal eine WC-Spülung, danach tapsende Fusstritte, wenig später legt sich ein Mann, der ein bisschen aussieht wie Stefan Weiler in unschwul und ohne Agglo-Aura, zu der Frau, kuschelt sich an sie und es kommt, wie es kommen muss: konsensualer, gegenseitiger Oralverkehr (vulgo: 69ern).

In dem Moment, wo die wunderhübsche Frau dem unschwulen Mann das Rektum auslutscht, hält sie plötzlich inne und sagt: „Oh, dein After riecht heute aber frisch!“ Er: „Kein Wunder, ich habe ihn auch mit Flauschi Frühlingsfrisch gewischt!“ Beide mit Blick in die Kamera: „Flauschi Frühlingsfrisch – für natürlich frischen After!“ Beide lachen glücklich und saugen danach weiter, als ob es kein Morgen gäbe. Erkennungsmelodie, ausblenden.

Zugegebenermassen: im Vorabendprogramm von SF1 würde ich den Spot nicht zeigen. Zwitschernde Vöglein sind einfach zu abgedroschen.




Schwein gehabt

arme sau

arme sau

Man nehme

- ein armes Schwein
- einen viralen Infekt
- eine grosse Portion Angstmacherei
- eine Prise Spekulation
- ein paar schreibwillige Journalisten

Einmal gut umrühren und fertig ist das mediale Süppchen. Ein dankbares Thema, nachdem die Wirtschaftskrise nicht mehr allzu viel Stoff hergibt. Bon appétit…