Archiv für die Kategorie ‘Investigativ’

Gott und Teufel

Der Teufel lebt scheints im Vatikan. Ich habe immer gemeint, der sei im Detail. Henusode…

Und Gott ist ein Chatter namens dustball. Oder auch nicht. Gefunden auf ibash.de:

<dustball> ich BIN gott.
<dustball> so und nu versuch ma meine macht zu wiederlegen
<Toxic Soul> widerlegen
<dustball> touché




Eintopf mit Genudel

Es ist beinahe schon Realsatire: Zwei Drittel der Redaktion befinden sich momentan im Überlebenskampf mit einem Arbeits-Tsunami, während das dritte Drittel den Kopf im Arsch des Winters stecken hat und kaum wieder raus bringt. Daumenschrauben wo man hinschaut, ob Wirtschaft oder Wetter.

Egal, denn die Welt dreht sich weiter.

Zum Beispiel wurde letztes Wochenende abgestimmt. Keine Überraschungen so weit, aber das Resultat beim Tieranwalt hat mich dann doch ein wenig geknickt. Offenbar ist die “aufgeklärte” Menschheit noch nicht reif dafür, sich vom Menschen-zentrierten Weltbild zu lösen und auf Augenhöhe mit Tieren zu leben. Schade, wieder eine verpasste Chance mehr, denn die Tiere hätten es wahrlich nötig und sind es allemal wert.

Ein Skandälchen könnte sich bei den scheints extensiven Ermittlungen der Bundesanwaltschaft bei den Hells Angels abzeichnen. Man findet offenbar nix von Relevanz, jedenfalls nicht im Vergleich mit den Deutschen Gesinnungsbrüdern. Finde ich aber gar nicht so schlimm. Und deppert sind solche uniformierten und durchorganisierten Töffbubenclans sowieso. Oder, um es mit Janis Joplin zu sagen: Freedom’s just another word for nothing left to loose.

Zitat des Tages: “So schön kann Gewalt sein!”. Und so witzig und geistreich kann Videogame-Journalismus sein. Es geht immer nur um Kontext, Baby.

Last but not least meine Empfehlung des Tages für das elektronischen Klängen zugeneigte Ohr. Gepflegten Drum’n'Bass aus aller Welt gibt es bei bassdrive.com, meinem Lieblingssender der Stunde. Ob beim Schreiben oder Zocken, die DJs wissen mich immer wieder zu verzaubern.

E guete.




Sechs, setzen.

Unser Parlament respektive eine seiner Arbeitsgruppen dreht durch.

Geht gar nicht, hatte ja hier schon deswegen rumgemeckert.

Hier kannse unnerschreibn, echt jetzt bitte.

Da ist kompetenter Lesestoff, falls noch Fragen offen sind.

Es ist doch immer das gleiche Theater, wenn geistig Benachteiligte solch komplexe Themen in Angriff nehmen. Ich hasse es.

Update: Es gibt auch bei Facebook eine Gruppe zum Thema.




Comme il faut

Die Engländianer wissen, wie’s gemacht wird:

Mal ‘ne Scheibe davon abschneiden, wa!?




Leistungsindex schmerzbefreit

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Neulich in der Garderobe, kurz vor dem Training.

Nasse: “Du, Housi, bin ich eigentlich auch im Plan für die Gelbgurtprüfung im Frühling?”
Housi: “Nööp, du bist noch zu schlecht dafür.” (breites Grinsen)
Nasse: “Mir würden im Fall deine markigen Statements fehlen, wenns die mal nicht mehr gäbe…”
Housi: “Ich mags halt direkt. Dann weisst du wenigstens, woran du bist.”
Nasse: “Ach Housi, wenn ich mal gross und stark bin, dann lege ich dich auch auf die Matte.”
Housi: “Du bist schon gross und stark. Jetzt musst du halt noch lernen, deine Masse anständig zu bewegen. Technik ist das Stichwort. Und dreissig Jahre Erfahrung.”
Nasse: *seufz*

Wenigstens kann ich jetzt den Obi Knoten.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit




Brechreiz

Immer und immer wieder die katholische Kirche. Das ist kein Zufall. Bei der Durchlese dieses Interviews habe ich kurz mal das kalte Kotzen bekommen.

Diese Institution ist wirklich mit bemerkenswerter Konsequenz dabei, sich selbst zu demontieren. Jetzt bitte bloss nicht aufhören, dann erlebe ich vielleicht auch noch das Ende der Katholen und überhaupt der Religionen als evolutionsbiologisch völlig, komplett, so was von obsoletes Element aus der Vergangenheit.

Ich ertrage es nicht, wenn sich Arroganz (der Anspruch auf Gottgleichheit fällt der Einfachheit halber auch in diese Kategorie), Unwissen, Unfähigkeit und Deckung bis in die höchsten politischen Kreise auf so hässliche Art und Weise vereinen.

Daumenschrauben auf Kosten des Hauses für alle Erwähnten, ultra tight und mit dem extra Dreh. Echt jetzt.




Ze Dschörman Gründlichkeit

Da haben wir den Salat. Jahrelang ist es gut gegangen, nun knallt es das eine ums andere mal. Alle wollen sie uns ans Ersparte.

Ich bin der Sache gegenüber, gelinde gesagt, etwas ambivalent. Da ist einerseits diese unmögliche Schweizer Tugend, dass wir jahrelang von jedem Dahergelaufenen dankbar jede Kohle angenommen haben. Und ja, wir haben gewusst, mit was für dubiosen Gestalten wir da geschäften. Und nein, wir haben nicht hingeschaut, woher die Knete kommt.

Andererseits gibts diesen klammen Riesenstaat nördlich von uns, dem die letzte territoriale Akquisition finanziel nicht so bekommen ist. Schon klar, vierzig Jahre Sozialismus kann man nicht eben schnell mal in ein paar Jahren weg sanieren.

Und dann gibt es noch so etwas wie staatspolitischen Realismus, der jegliche moralische Diskussion überflüssig macht. Es sind nur Ideologen (sprich: Idioten), die an dem ganzen Vorgang, geklaute Daten zu kaufen und staatlich zu verwerten, moralische Kritik üben. Es gab auch schon vor 9/11 politische Vorgänge, die kaum zu ertragen sind, und doch nötig scheinen.

Wo bitte bleibt die realistische, ideologiebefreite Diskussion, wie wir mit ausgehungerten Staatsfinanzen und deren Auswüchsen umgehen sollten? Der Bundesrat (vor allem unser Appizöller Schatzchäschtlimeischter) macht die gleich dumme Fresse wie eh und jeh und übt sich in Duldungsstarre, während der Deutsche Michel das Bankenwesen von hinten pimpert. Die Presse ersäuft im populistischen Geschrei, und der einseitig informierte Schweizer Bürger hat die Hosen voll, dass uns die Deutschen nach den Jobs noch das Ersparte wegnehmen. Arme Schweiz…

Vorschlag zur Güte: Die Deutschen kriegen ihre gesammelten Vermögen zurück, zusammen mit einer Ladung Ausgewanderter, die uns ja eh nur die Jobs wegnehmen und für unsere sensiblen Öhrchen viel zu forsch tönen.

Damit hätten wir zwei Probleme auf einmal gelöst: keine Steuerprobleme mehr mit dem Land der Dichten und Lenker, und das fehlende Geld kompensieren wir mit den wegfallenden Lohnsummen unserer teutonischen, zukünftigen Ex-Kollegen.

Manchmal sind die einfachsten Lösungen am effizientesten. Ich glaube, da nehme ich zur Feier des Tages ein Gläschen darauf.




Der Mörder in uns

Es ist immer wieder mal interessant, sich mit dem Gewaltpotenzial im Menschen auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zu einigen Leuten aus dem soziokreativen Gutmenschen-Bereich bin ich ja bedingungslos bereit, Gewalt als unumgänglichen Teil unseres Daseins zu begreifen.

Wenn wir jetzt noch ein wenig Medien und Konsum in diesen Cocktail mischen, landen wir bei der altbekannten Diskussion Medien und Gewalt. Wir hatten ja schon andernorts das zweifelhafte Vergnügen, mit Exponenten der Stoppt!-Killerspiele!-Fraktion und ihrer Unfähigkeit, Ursache und Wirkung richtig einzuordnen, konfrontiert zu werden.

Nun bin ich jüngst über den einen oder anderen guten Artikel gestolpert, der die oftmals erschreckend abwesende Medienkompetenz von gewissen Menschen, die teilweise in relevanten Positionen im Bildungsbereich usw sitzen, wieder mal geschmeidig illustriert.

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Anekdote loswerden: Jüngst haben ein paar Videospiel-affine Freunde und meine Wenigkeit über die mögliche Wirkung von Videospielen mit Gewaltinhalten diskutiert, gerade im Bezug auf das Handling von Waffen und dergleichen. Es stellte sich heraus, dass ich durch Counterstrike – wen wunderts? – genau nichts über Waffen gelernt habe. Hingegen hat die Tatsache, dass ich dieses Spiel über Monate zusammen mit einem ausgebildeten Militär gespielt habe, wesentlich mehr zu meinem Wissen über Waffen und Strategie beigetragen.

Konkret hat mir also ein fachkundiger Panzerfahrer mein militärisch-strategisches Wissen beigebracht, nicht das Spielen selbst. Dass dies im Spiel durchaus eine positive Wirkung auf meine Leistung hatte, braucht nicht zu erstaunen. Genausowenig erstaunt es, dass ich ohne Weitergabe dieses Wissens im Prinzip genauso Ahnungslos geblieben wäre wie vor dem ersten Kontakt mit diesem Spiel.

Was also fehlt diesen Leuten, die immer wieder in die gleiche Falle tappen, wenn es zu dieser Diskussion kommt? Kontext, Baby. Und Medienkompetenz.

Was nützen Altersempfehlungen auf den Spielepackungen, wenn sich die Oldies nicht für die Inhalte ihrer Brut interessieren? Was nützt Aufklärung, wenn sich die immergleichen, oftmals bildungsfernen Schichten getrost darum foutieren? Was nützt Parental Control auf den Spielekonsolen, wenn sie nicht konsequent aktiviert wird?

Wir leben in Zeiten, wo es einfach nicht mehr reicht, wenn die Pornos im elterlichen Schrank eingeschlossen werden. Die allzeitige Verfügbarkeit von gratis Inhalten in Kombination mit Breitband Internet verlangt nach anderen Strategien, als man der unaufgeklärten Öffentlichkeit weismachen will.

Wir müssen uns auch von der Vorstellung lösen, dass Eltern beispielsweise die teils sehr komplexen Geräte ihrer Kinder überwachen können, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir können aber kritische Fragen stellen. Brauchen Kinder bis 13 Jahre schon einen eigenen Computer oder gar eine eigene Spielkonsole? Muss es ein Schlag-mich-tot-Internet-fähiges Handy mit allen Schikanen und entsprechendem Abo sein? Brauchen wir nicht eine enttabuisierte, gnadenlose Aufklärung an Schulen, losgelöst vom kulturellen Hintergrund der Schüler? Brauchen wir nicht auch den Mut, von fehlgeleiteten Eltern und ihren Kindern die Bereitschaft einzufordern, sich ihren Taten zu stellen und korrigierende Massnahmen zu treffen und kontrollieren zu lassen?

Das, liebe Politiker und Sachverständige, sind allesamt Fragen, die es zu diskutieren gilt. Denn es führt kein Weg daran vorbei…




Durcheinander

Ja, das bin ich. Getrost. Aber auf eine gute Art. Ich habe mich zwar jüngst gefragt, ob man im Leben wirklich genügend gefordert ist, wenn man Produktbezeichnungen wie Bonding Wärmezange Advanced einfach nur geil findet.

Aber ich habe die Frage schnell wieder verworfen und daraufhin ein wenig im letzten Magazin geblättert. Da hat es in der Tat ein paar nette Schreiben drin. Es tut immer wieder gut, solches Papier in die Hände zu bekommen. Man muss zwar realistisch genug bleiben und davon ausgehen, dass nicht jede Ausgabe nur glänzen kann, aber es gelingt diesen Leuten immer wieder, tolles Material abzuliefern. Gerne wieder für meinen Teil.

Ja und sonst…? Ich finds im Moment schwierig, aus der Flut von News und Unterhaltung die richtigen Perlen zu ziehen. Ich hatte diese Woche sicher gefühlte fünfzig Momente, wo ich ein ultimatives Blog-Thema gehabt hätte. Leider war ich zu blöd, auch nur ansatzweise so etwas wie Notizen zu machen. Ging halt immer irgendwo um mich herum die Post irgendwie ab, was mich letztendlich wieder und vollständig abgelenkt hat.

Ich schwebe irgendwo zwischen gedämpfter Ignoranz und Boderline auf Valium, so in etwa. Vielleicht noch eine kleine Prise ADS-mässiges Assoziieren, und schon haben wir unseren kleinen Brei im Oberstübchen beisammen. Und wenn gar nichts mehr geht, dann spielen wir ein bisschen Musik.




Lebe und lerne

Es gibt Tage, an denen geht es Schlag auf Schlag. Eine Einsicht jagt die Andere, man kommt kaum nach mit begreifen, das Licht der Erkenntnis fackelt sich regelrecht einen ab.

Aber beginnen wir von vorne:

Ich besitze eine stattliche Sammlung von Internet Radio Mitschnitten, die ich ausgewählt auf meinem iPod im iPhone gespeichert habe. Jedes Lied eine separate Datei, das ist sehr praktisch. Ich genoss bisher fast ausschliesslich diese ein- bis zweitausend Songs, bunt gemischt im Shuffle-Modus.

Aber irgendwas stimmte nicht. Ich hatte das subtile Gefühl, dass mir der iPod etwas vorenthalten würde, manchmal fühlte ich mich sogar irgendwie bevormundet. Aber es war eben subtil, deshalb versandete es im Alltagsrauschen.

Dann, nach Monaten, in einem Anfall von Entschlossenheit, diesen Gefühlen endlich nachzugeben, kam die unausweichliche Handlung: Shuffle deaktiviert – und es tat sich eine neue Welt auf. Ich habe seither immer wieder so eine Art akustischen Vollrausch.

Ich zehre seit ein paar Tagen davon, gewisse Songs nach Monaten wieder mal zu hören, obwohl es von Anfang an bis jetzt das gleiche “Album” war. Der Shuffle hat mir Lieder regelrecht vorenthalten, die mit der alphabetischen Playlist nun endlich wieder in mein Ohr finden. Ich verschmelze mit dem Sound im Zug, am Bahnhof, in der Migros, bei Minusgraden im Schneegestöber, einfach grandios.

Manchmal braucht es wenig.




Kurz notiert

Auf dem heutigen Schraubenmenu nach Art des Hauses steht eine kleine Tour d’Horizon durch ausgewählte Themen.

Hier gibt Sascha Lobo eine Replik auf die kulturpessimistische Rede von Frank Schirrmacher.

Da gibts ein Interview zum Islam in Europa, das mir nicht in allen Punkten schmeckt, aber doch ein paar nette Anregungen drin hat.

Last but not least offenbart sich die ganze Abgründigkeit des neoliberalen Wirtschaftsmodells in Kombination mit dem WWW in wenigen Worten.

Mahlzeit!




Ballistische Erfahrung

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Es geht vorwärts. Nach drei Wochen schnupfenbedingter Abwesenheit ging ich neulich wieder mal auf die Matten. Und wat war das geil, echt jetzt. Es hat mir tatsächlich enorm gefehlt.

Einer der Kollegen in Weiss (ich meine die Gurtfarbe) muss für seine Gelbgurt-Prüfung üben. Da ich nach meiner erwähnten Abwesenheit wieder ein bisschen warm werden musste, war das eine gute Gelegenheit, ganz im Geiste des Ehrenkodex der Kampfkünste, mich zur Verfügung zu stellen. Was dann darin gemündet hat, dass ich während etwas mehr als einer Stunde permanent als Wurfgeschoss eingesetzt wurde. Und es war gut so. Sehr gut sogar.

Es ist mir nach wie vor ein kleines bisschen unheimlich, wie man sich nach koordiniertem verkloppt werden so wohlig fühlen kann.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit




Kurz notiert

Dank unserem flotten Admin Charlie steht unser kleiner Elfenbeinturm wieder in seiner ganzen Pracht im Netz der Netze. Besten Dank hierfür. Und auch für die Geduld, verehrte Leserschaft.

And now for something completely different:

Orange und sunrise heiraten bekanntlich demnächst, die Verlobung wurde heute gross verkündet. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich nur skeptisch oder gar angepisst sein soll, habe ich doch eines dieser günstigen Abos, für die sunrise berühmt und berüchtigt ist. Ich bin aber auch Swisscom Kunde, ich diversifiziere gerne ein wenig, um meine Risiken als Kunde zu verkleinern oder zumindest zu verteilen. Meine Erfahrung ist bisher, dass der Schweizer Telekom-Markt eine einzige Fehlkonstruktion ist, und das wird sich auf absehbare Zeit kaum ändern, bei diesen News erst recht nicht…

Die Simpsons müssen am Teevau neu angewarnt werden. Ja mei, die armen Kinder. So eine leicht subversive Zeichentrickserie kann schon Kinderseelen vergiften, das muss man klar sehen. Ja ja, humorfrei und Spass dabei. Wie war das schon wieder mit diesen Anime für Erwachsene, die in Fronkräisch in leicht geschnittener Fassung im Nachmittagsfernsehen für Kinder(!!!) liefen? Hab’ ich da was verpasst?

Last but not least kommen wir zum unvermeidlichen Schmankerl aus den News: der angeschossene Bär und sein Revier-Intruder. Die Diskussion hierzu ist in weiten Teilen einfach nur bescheuert. Wenn mich an der ganzen Sache etwas aufregt, dann ist es die Passivität der Leute. Dieser junge Mann hat scheinbar Minuten lang auf der Mauer gekauert, bevor er runter ging. Da müssen etliche Leute an ihm vorbei gegangen sein, ohne auch nur einen müden Finger zu rühren. Für mich ist da der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung gegeben, es ist einfach immer das Gleiche. Ach übrigens, den beiden geschlagenen Herren wünschen wir gute Besserung.

Echt jetzt.




Im Knast, exponiert und gut nachgemacht.

Da der Kollege Beinhart bereits erfolgreich aufgespurt hat, bleiben wir noch kurz beim Thema Arschloch: Carl “Penisguided” Hirschmann, so schrei(b)t man beispielsweise bei 20Min.ch, wurde offenbar wegen sexueller Nötigung angezeigt und sitzt nun in Untersuchungshaft. Wie auch immer die Sache ausgeht, wir werden es garantiert mitbekommen.

Apropos Mitteilungsdrang, in den USA läuft wieder mal eine Geschichte mit Vorbildcharakter, was das Recht auf Attention-Whoring von Minderjährigen auf Social Networks angeht. Auf Spiegel Online gibt es einen guten Artikel dazu.

Ein Pflichtfach für Schauspieler ist meiner bescheidenen Meinung nach die Imitation von anderen Menschen. Kevin Spacey hat mich diesbezüglich sehr überrascht und unheimlich zum Lachen gebracht, aber seht selbst:




Gut gerollt

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Aus einem blutigen Anfänger ist nun ein bemühter Anfänger geworden. Das Abrollen geht schon in die meisten Richtungen und aus allen möglichen Positionen ganz gut, doch mit der Beinarbeit haperts noch. Ist auch nicht ganz einfach, mit so langen Stelzen wie ich sie habe.

Insgesamt aber kann ich bereits nach knapp zwei Monaten regelmässigen Trainings deutliche Veränderungen wahrnehmen, körperlich wie geistig. Meine Stressresistenz ist beispielsweise signifikant gestiegen, das Selbstbewusstsein verändert sich irgendwie auf eine sehr subtile Art, es scheint viel zu gehen in meinem System. Und es passiert eben auf eine sehr unterschwellige, aber scheinbar konsistente Art.

Man kann sich natürlich darüber streiten, was jetzt “wegen” Aikido passiert und was nicht. Grundsätzlich hilft es, wenn man offen und Arbeitswillig ist was die eigene Entwicklung angeht. Kampfkunst kann ein Katalysator sein, sie kann Entwicklungen unterstützen oder vielleicht sogar beschleunigen.

Man könnte es möglicherweise so zusammenfassen: Bei der Kampfkunst setzt man sich auf eine sehr intensive Art und Weise mit sich selbst und anderen auseinander, ausserdem lernst man sich physisch und psychisch zu beherrschen.

Witzigerweise bezahlt man dafür um hart zu trainieren, sich in eine erst mal fremde Gruppe einzufügen und wegstecken muss man auch noch einiges. Zum Glück bleibt da der Spass nicht auf der Strecke, sonst wäre es gar etwas masochistisch.

Zusammen mit dem gelegentlichen Waffentraining (vorerst mit dem Holzschwert, Bokken genannt) ergibt das praktizieren von Aikido ein rundes Paket für Körper und Geist, das ich mittlerweile nicht mehr missen möchte.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit




Muss auch mal erwähnt werden

Gut, OK, es geschehen vielleicht doch Zeichen und Wunder.

Man erinnert sich eventuell noch an meine kleine Polemik bezüglich dem “Bund” und religionskritischen Themen. Bevor sich jetzt die Ergeuschterer wieder ergeuschtern: Nein, ich nehme kein Wort zurück, hat zu der Zeit alles gestimmt, voll und ganz. Aber in den letzten Wochen habe ich bei dieser Zeitung doch einen gewissen, hmmmm, ich weiss jetzt nicht, ob ich das schon “Richtungswechsel” nennen soll, sicherlich aber eine Art Meinungsumschwung festgestellt.

Neu werden nämlich auch die Meinungen und Aussagen der nicht mit einem “der Grosse Bruder liebt dich, ob du willst oder nicht”-Mem Ausgerüsteten berücksichtigt, besonders in Artikeln, in denen es um just diese geht. Neu schafft man es, auf der Todesanzeigenseite auch Sprüche abzudrucken, die für Nicht-Gläubige nicht verletzend oder beängstigend wirken. Neu wird über Ungerechtigkeiten wider den säkularen Staat tatsächlich berichtet. Und die Krönung war der tatsächlich intelligente, tatsächlich recherchierte und tatsächlich die Fakten berücksichtigende Frontseiten-Kommentar zum Verbot der Freidenker-Plakate in Zug (an der Stelle mal wieder: http://geniess-das-leben.ch).

Woran das liegt? Vielleicht am neuen Zürcher Kurs? Vielleicht an der verkleinerten Redaktion? Vielleicht daran, dass man gemerkt hat, dass sich unter den Bund-LeserInnen auch ein ganz ansehlicher Haufen Konfessionsfreier findet? Man frage Klügere.

Fakt ist: Ich verzeihe euch die Einstampfung des Kleinen Bundes zwar immer noch nicht, aber ihr habt in den letzten Wochen doch eure Chancen erhöht, dass mein Abo demnächst (vielleicht! Ihr seid jetzt wieder im Provisorium!) wieder verlängert wird.

Dschango nimmt den Kurswechsel wohlwollend zur Kenntnis und rapportiert hier entsprechend. Fair muss fair bleiben.




Itauiänisch reloaded

Wir waren ja mal wieder in Italien, Hases Genpool besuchen gehen. Diesmal gaaaanz tief runter: “finibus terrae” hat die Ecke mal geheissen, und tatsächlich, danach kommt nur noch Afrika und Griechenland. Und um dasjenige, das eh alle am meisten interessiert, gleich vorwegzunehmen: 4,3 Kilo in sieben Tagen. So. Man munkelt, dass sich die Insassen einer hier ungenannt wollenden Berner Trainingslokalität bereits schelmisch darauf freuen, nächste Woche einem fetten, alten Zigeuner den faulen Arsch grün und blau zu schlagen. Und ich habs ja verdient, soviel restzwinglianischer Masochismus muss mir erlaubt sein.

Labern, fressen, labern, fressen, schlafen. Repeat.

Habe ich schon mal erwähnt, dass sowohl der Italiener als auch die Italienerin an sich kein Gramm normal sind? Sogar, wenn ich dies schon getan hätte – es ist dermassen wahr, dass es kaum oft genug gesagt werden kann.

Zwei Hauptpunkte: die Fresserei und die Schwaflerei. Beides sind die Hauptsäulen, auf denen die italienische Kultur steht. Und beides wird bis zum Exzess betrieben.

Gut, OK, es waren ja Verwandte, da ist klar, dass mit der grossen Kelle angerichtet wird. Aber einmal haben wir fünfzehn Gänge über den ganzen Tag verteilt gezählt, da war noch nicht mal ein Frühstück drin. Kann das noch gesund sein?! Und man verstehe mich jetzt richtig: nicht so Chrüter-Oski-Nouvelle-Wobischdu-Portionen, sondern solche, die dazu geeignet sind, Holzfäller oder Kampfhunde nach härtestem Einsatz zu sättigen. Ich kann wirklich fressen wie gestört, aber nach drei Tagen habe auch ich aufgegeben: es war, wie wenn meine Verdauung einfach nicht mehr nachkäme, all das Zeug, das oben reingestopft wird, zu verarbeiten, bevor schon wieder Nachschub kam. Gefühlsmässig habe ich deshalb noch eine Woche nach der Rückkehr in die Schweiz italienische Nahrungsmittel defätiert.

Und dann haben sie uns dauernd versichert, dass es an “normalen” Tagen bei ihnen nicht so wäre, dass sie nur für uns ein Festessen veranstalten. Und im nächsten Satz erzählen sie, wie man vor drei Tagen (ohne, dass Schweizer oder sonst ein erkennbarer Grund zur Völlerei vorhanden gewesen wäre) wie deppert geschaufelt habe, einfach so. Und wie zwischen erstem Advent und Stefanstag der Tisch in der Regel gar nie abgeräumt, sondern einfach nur immer das Leergegessene wieder aufgefüllt werde. Und dass Weihnachten im Vergleich zu Ostern geradezu harmlos sei.

Aber eben: erzählt wird viel an italienischen Tischen. Verdammt, elend, unglaublich viel sogar. Wir lernten einmal eine gebildete junge Frau kennen, die sogar ausländisch parlieren konnte (Französisch, Englisch, sogar bissi Deutsch), was in Italien wirklich eine Ausnahme darstellt. Ihre Sprechleistung von ungefähr zweitausend Silben Italienisch pro Sekunde sprengte die Kapazität meines Gehirns bei weitem, weshalb ich vorschlug, in eine mir etwas näher stehende Sprache zu wechseln. Nachdem ich ihr etwa drei Minuten beim Französischsprechen zugehört habe, sagte ich ihr, sie könne auch genauso gut wieder Italienisch sprechen – die Sprache hatte zwar gewechselt, sowohl Betonung als auch Tempo blieben aber unverändert.

Meine Theorie ist ja, dass alle, die nördlich des Gotthards geboren sind, eine Verengung in ihrem Gehörgang angeboren haben. Dank (oder Fluch, je nachdem) derer ist man nicht in der Lage, mehr als eine gewisse Anzahl Worte aktiv zu hören, geschweige denn, sinnvoll zu verarbeiten. Entsprechend sind auch unsere Sprechwerkzeuge aufgebaut: darauf optimiert, die diffizile Architektur eines nördlichen Gehörgangs zu berücksichtigen, ihn ja nicht mit zu viel Sprachleistung zum Bufferüberlauf zu treiben. (Dass dies mit einer erhöhten Leistung beim Bedenken des zu Sagenden einhergeht, ist zwar naheliegend, die Erfahrung zeigt aber, dass es eine Fehlannahme ist.)

Das südländische Ohr hingegen ist ein bodenloser Krater, der völlig ungerührt auch die unglaublichste Menge an Worten aufnehmen und verarbeiten kann. Entsprechend sind auch südländische Zungen gefertigt: als linguistische Maschinengewehre, wartungsfrei und nur dann wirklich glücklich, wenn sie auf höchsten Touren feuern können.

Es ist mir bisher erst einmal gelungen, einen Tisch mit immerhin fünfzehn italienischen Dransitzenden für ein paar Sekunden zum Schweigen zu bringen, und das ging so: man wollte mich zum Verzehr irgendeiner Widerlichkeit nötigen, ich glaube, es war Fischgehirn. Normalerweise bin ich solchem Mist ja nicht ganz abgeneigt – mein Top-Team aus Gaumen und Magen erträgt zumindest rein theoretisch eigentlich alles, was kreucht und fleucht. Bockig werde ich aber dann, wenn ich etwas “muss” – wenn ich etwas probieren muss, etwas machen muss, etwas erledigen muss. Dann stellen sich bei mir die Nackenhaare auf, die Augenbrauen ziehen sich zusammen und bevor es denkt, sagt es schon “sicher nicht”. Muss was genetisches sein.

Item, man sagte mir also, ich müsse dieses Fischgehirn jetzt unbedingt probieren, weil, nebst seiner kulinarischen Qualitäten habe es auch noch… andere. Aha, so fragte ich, welcher Art diese Qualitäten denn seien, und bekam zur Antwort, diese Qualitäten seien besonders, wenn nicht gar explizit, für Männer geeignet. Gut, gab ich zurück, dann macht es uns also so intelligent wie Frauen? Kopfschütteln über den Barbaren aus dem Norden war die Folge, neiein, das hätte ich falsch verstanden, es wirke mehr… unten. Achso!, ich wieder, dann sei ja gut, und fragte mit grösster Unschuldsmiene, weil, ich hätte da unten keineswegs Performance-Probleme – ob das bei den anderen Herren hier am Tisch etwa der Fall sei?

Tatsächlich schwiegen jetzt alle – Männer und Frauen – während etwa dreissig Sekunden, in einer Stille, die andere als beklemmend empfunden hätten, ich aber genoss, da ich endlich mal in Ruhe und ohne Störung einen oder zwei Bissen kauen konnte.

Echte Männer

Sowieso, es ist ja eine Freude, Italien als Mann zu bereisen, der tradierten Insignien der Männlichkeit im besten Fall mild belächelnd, im weniger guten Fall offensiv bekämpfend begegnet. Konkret: ich hasse Autofahren, ich scheisse auf rote Sportwagen, ich schlafe bei Fussball ein, ich glaube jeder Studie, die behauptet, dass mehr als 30 Minuten Velofahren im Tag impotent macht, ich koche gerne, ich putze mehr als die Frau, ich verdiene weniger als ebendiese, ich definiere mich nicht über meinen Job und wenn mir ein Geschlechtsgenosse über seine böse Alte vorjammert, bin ich reflexartig auf deren Seite. Männersolidarität finde ich selten mehr als bemitleidenswert und ja, verdammt, ich tausche halt lieber mit der Hausfrau Rezepte aus, als virtuelle Schwanzlängenvergleiche mit den klötentragenden Jammerlappen im Wohnzimmer auszutragen.

Der Italiener ist ja überzeugt davon, dass es nördlich von Milano eigentlich keine Männer mehr gibt. Der globale Brennpunkt des Testosterons ist irgendwo zwischen Lecce und Rom anzusiedeln, alles andere sind ja nur verweichlichte Memmen. So meint der Italiener.

Dazu passt, dass der Italiener eine Art von Homophobie entwickelt hat, die geradezu Jööööh-Charakter hat. Und zwar wird ganz einfach die Existenz von Homosexualität negiert. Das heisst, man weiss zwar, dass es schwule Italiener gibt, diese leben aber ganz einfach alle in Milano. Irgendwie muss es da einen Botty-Magneten haben, der einfach alle Homos früher oder später da hochzieht. Und weil eben alle Schwulen in Milano leben, kann es an Orten wie zB Lecce gar keine mehr geben. Ist ja logisch, oder?

Entsprechend kann man sich in Süditalien so tuntig aufführen, wie man will, es wird sich niemand daran stören. Solange man nicht mit dem Pimmel im Hintern eines anderen Mannes erwischt wird, ist alles in Ordnung und man wird glauben, dass derjenige eben “die Richtige” noch nicht gefunden hat. Und sogar wenn man auf einer öffentlichen Toilette in eindeutiger Pose erwischt wird: eher ist man bereit, an einen schrägen Unfall zu glauben, an einen Ausrutscher auf glitschigem Boden, wobei man, Gesicht voran und “Goooooooooooooal!” schreiend, zufällig auf dem – unerklärlicherweise voll erigierten – Genital eines Priesters gelandet ist, als dass den Betroffenen homosexuelle Absichten unterstellt werden.

Erklärungsnotstand herrscht nur, wenn der Priester zufälligerweise aus Milano stammt.

Sprachliches

Moskitos fisten!

Fistare gli zanzare!

Wir kennen eine aus Apulien stammende Frau, die seit über zwanzig Jahren in der Deutschschweiz lebt (und zeitweise arbeitete) und nach all dieser Zeit noch nicht ein einziges Wort Deutsch oder Schweizerdeutsch versteht, geschweige denn spricht. Sie hat es geschafft, zwei Kinder grosszuziehen und sich selbst während dieser ganzen Zeit in einem selbstgewählten italienischen Ghetto zu halten. Der nächste SVP-Wasserträger, der mir irgendwas vorjammert, weil der Jugo von nebenan nach drei Jahren in Bern noch immer kein Goethe-fähiges Hochdeutsch spricht und keine Schiller-Sonette freihändig vortragen kann, dem muss ich glaub echt mal die Kutteln so richtig durchputzen.

Ich bin ja, was romanische Sprachen angeht, wirklich kein Genie – Legionen von Franz-LehrerInnen aller möglichen Niveaus, Stufen, Ebenen und Lehrkörper können das bestätigen. Aber nach einer Woche nur Zuhören war ich soweit, dass ich zumindest kapiert habe, um was es in einer umgangssprachlichen Unterhaltung ungefähr geht. Ist ja auch selten Quantentheorie, über die da diskutiert wird. Aber die Ignoranz, die in Italien Fremdsprachen gegenüber geübt wird, ist wirklich sensationell. Es scheint, als ob italienische Gehirne einfach abblocken, sobald was ausländisches an ihre akkustischen Sensoren gerät.

Entsprechend gibt es an italienischen Unis auch so gut wie keine Veranstaltungen, die nicht in Italienisch abgehalten werden. Englisch als Lingua Franca zumindest der Natur- und Wirschaftswissenschaften ist dort auf jeden Fall noch nicht durchgedrungen. Was in einem Land mit einer traditionell rekordhohen Marke an arbeitslosen Uni-Abgängern doppelt idiotisch wäre, eigentlich.

Auf die eigene Sprache jedoch ist der Italiener stolz wie sonstwas. Völlig irrelevant, dass sie ausserhalb der eigenen vier Wände nur noch in der Schweiz (und da auch eher zum Erhalt des Lokalkolorits und um die Restschweiz zu nerven) gesprochen wird: wenn es um Italienisch geht, wird jeder Bauarbeiter zum linguistischen Experten und Ästheten. Völlig normal, dass man mit einem doppelten Doktor nur Italienisch sprechen kann. Ebenso völlig normal, dass man von der Kellnerin augenbrauenhebend korrigiert wird, wenn man ein falsches Geschlecht vors Wort setzt.

Die Sprache ist aber auch immer wieder zu Spässen aufgelegt. So heisst ja bekanntlich “es stinkt” auf Italienisch “puzza”. Daraus nun abzuleiten, dass “Trepuzzi” einfach “drei Stinker” seien, ist aber komplett falsch – es handelt sich hier um eine Stadt, deren Geruchsemissionen sich durchaus im italienischen und gesamteuropäischen Durchschnitt halten. Dass der Mano weiblich ist, ist da nur noch der Tüpfelchen auf das i und konsequent.

Aber auch bei den Namen findet sich allerlei Spassiges: ganz besonders zu erwähnen sicherlich der Name Sturzo für einen Katholenpolitiker.

Strandfreuden

Hase und ich haben eine Tätigkeit kultiviert, die wir “simulierten Strandurlaub” nennen. Man geht dazu an dem Ort, wo man sich gerade aufhält – das kann im Urlaub an einer x-beliebigen, nicht wirklich für ihre Traumstrände berühmte Destination sein oder zur Not auch im Marzili oder im Badezimmer in der Bümplizer Wohnung – dorthin, wo sich Touristen und Einheimische in der Regel zum Eintunken ihrer Glieder in Salz- oder Süsswasser treffen.

Warum wir das tun? Ganz einfach: als Dink-Vorzeigemodelle sind wir ja prädestiniert für Urlaub auf den Malediven, den Seychellen…. Hauptsache schön weit weg, schön Strandsonnepalmen und, vor allem, schön teuer. Nun wissen wir ja ganz genau, dass wir es in der Regel selten länger als zwei Stunden an einem Strand aushalten. Wo der Erholungsfaktor beim kollektiven Hautkrebs kultivieren, während links und rechts ein textil unterdotierter, ziemlich repräsentativer Querschnitt durch die ZuschauerInnen des RTL-Nachmittagsfernsehens liegt, krakeelt und… einfach ist, liegen soll, hat sich für uns noch nie so wirklich erschlossen. Aber trotzdem, man ist ja den ständigen, vierfarbigen Illusionen der Reiseindustrie machtlos ausgesetzt. Und so kommt es halt auch bei uns mal vor, dass wir, meist nach Wochen, in denen die Welt zwanzig mal eingerissen, neu aufgebaut und wieder in Stücke gehauen wurde, schmachtend vor Bildern von weissen Stränden stehen, die nur eines suggerieren: nichts tun.

Das Problem ist nur: wir können nicht nichts tun. Geht nicht, irgendwie. Absenz von Aktivität hat keinerlei Erholungswert für uns. Wenn wir nichts tun, dann möchten wir etwas tun. Sachen anschauen. Lesen. Das Hotelzimmer umräumen, egal. Und auf den Maledellen kann man nichts tun, ausser eben: nichts tun. Und bevor sich da wieder Besserwisser zu Wort melden: Schnorcheln und tauchen ist für uns genau dasselbe wie nichts tun, einfach noch mit bunten Fischlein drumherum.

Und genau aus diesem Grund, um uns von dieser uns innewohnenden Unmöglichkeit zur Untätigkeit immer mal wieder aufs Neue zu überzeugen, machen wir eben simulierten Strandurlaub. Was haben wir schon an Geld und Nerven gespart, indem wir eben nicht auf die Maledellen gefahren sind! Wenn mehr Leute simulierten Strandurlaub machen würden, das Klima wäre im Fall schon fast gerettet, alleine schon nur durch die nicht zurückgelegten Flugmeilen!

Item.

Apulien ist recht berühmt für seine Strände, die zur Hauptsaison vor allem von Italienern, Deutschen und Schweizern frequentiert werden. In dieser Zeit muss die Gegend die absolute Hölle auf Erden sein. Wir haben da wesentlich mehr Glück gehabt, im Wesentlichen waren die Strände nämlich leergefegt, und das trotz, so sagt zumindest Hase, durchaus angenehmen Wassertemperaturen. All die Gummienten-Schnorchel-Badehosen-Shops, die das Bild von solchen Orten sonst prägt, war gnädigerweise bereits grösstenteils weggeschlossen, übrig blieb die stellenweise tatsächlich atemberaubende Landschaft, klarstes Wasser und trotz Bewölkung mehr als genug Sonne für zwei Bleichhasen. Beste Voraussetzungen für simulierten Strandurlaub!

Wir gingen da also an den Strand und profitierten gleich vom “Liegestühle und Sonnenschirm zusammen für nur zehn Euro”-Sonderangebot, haben uns mit ausreichend, aber nicht allzu schwerer Lesekost in zu bratender Absicht in den Sand gelegt, das bereits millionenfach als malerisch besungene Meer in unverbaubarer Frontalsicht.

Es war schon todlangweilig, als wir noch standen. Aber im Liegen fühlte ich sofort, wie mein Gehirn im Sekundentakt “Mami, wie lang geits no? Mami wie lang geits no? Mami wie…” in Richtung meines Aufmerksamkeitshorizonts feuerte. Und so schön es auch war, links und rechts über mehrere hundert Meter keinen Grind ansehen zu müssen, irgendwie fehlte etwas. Ich meine, ja, Meer, schön. Aber irgendwann hat man sich doch sattgesehen an Wellen, nicht? Zumal nie zum Beispiel ein Wal angespült wird oder ein Geisterschiff oder ein Hai gesichtet wird oder so. Immer nur dieses dröge Rauschen, das mich ständig in einen lethargischen, passiv-aggressiven Zustand befördert und mich final auf einer mechanisch-tierischen Ebene spitz wie Nachbars Lumpi macht, dass es auch nicht mehr schön ist.

Aber eben, niemand um uns herum. Niemand, den man herzhaft auslachen könnte. Niemand, mit dem man einen Streit vom Zaun brechen könnte. Und das (höchstwahrscheinlich) endvierzige Schweizer Paar, das sich in gerade noch Sichtweite befand (Illustrationsvorschlag: Er Geo-Lehrer im Muristalden, Sie Katechetin und/oder Sozialarbeiterin), mittels Sandwürfen und dem demonstrativen Ziehen eines Burggrabens zu einer zünftigen Schlägerei zu provozieren, erschien mir dann doch als Zeitverschwendung.

Zum Glück begann es nach etwa 45 Minuten zu regnen, was einerseits eine von uns hochgeschätzte Betriebsamkeit am Strand auslöste, andererseits die Möglichkeit eröffnete, uns ohne grösseren Gesichtsverlust (Andrea: jetzt nicht übersäuern!) von unserem Sonderangebot zu trennen.

Und wieder zweimal SFr. 4′000.- für Maledellen-Urlaub gespart!

Mafia, Wirtschaft, Kirche, Politik

Der staatstragende, klassisch-italienische Vierklang, hier in absteigender Wichtigkeit geordnet.

Diese Woche hat der Cavaliere ja mal wieder aufs Maul bekommen, von einem ultralinken, die Gesetze politisch ausnutzenden Verfassungsgericht. Diese verfluchten Kommunisten in Roben wollen einfach nicht begreifen, dass zwar alle Tiere gleich sind, die grösste Sau unter ihnen aber gleicher als alle anderen sein muss, weil sonst der Staat zusammenbrechen zu droht. In Italien ist dies mehr oder weniger allen (zumindest 70% der ItalienerInnen stehen nach wie vor hinter B.) völlig klar.

Sowieso: man hat in diesem Land eine Form der Betriebsblindheit kultiviert, die von aussen betrachtet sprachlos macht. So sprachen wir beispielsweise die Leute auf die zig-tausenden von Bauruinen an, die jeden Ort, jede Gegend, jedes Feld und jeden Strand zu einer Häuserkampfkulisse machen: auf der Autoreise zwischen Lecce und Brindisi habe ich innert 15 Minuten einmal über dreissig Runien gezählt. Völliges Unverstehen schlug uns entgegen – wie bitte, Bauruinen? Wir erklärten dann, was wir meinten, zB da die drei Mauern, die offensichtlich seit Jahrzehnten einfach als Mauern mitten im Dorf stehen (“ach ja, da wollte einer mal eine Fabrik bauen, aber die Regierung hat dann gewechselt”), oder das Haus, das direkt an der Strandpromenade steht und offenbar nie aus der Rohbau-Phase kam (“ah. ja, dem ist der Gemeindepräsident mal mit dem Bulldozer übers Haus gefahren”), oder auch das Villenquartier für gehobene Ansprüche, das einen ganzen Berg für sich beansprucht, laut Baureklame seit 2002 fertig ist, bisher erst aus rohen Mauern besteht und, dem Überwucherungsgrad des Grundstücks nach zu urteilen, seit mindestens drei Jahren keine Baumaschine mehr gesehen hat (“achso, natürlich, dem ist halt das Geld ausgegangen”).

In Italien scheint es eine lustige Regelung zu geben: wenn man ein Haus ohne Baubewilligung baut, und man es schafft, bis zum Dachgiebel zu bauen, bevor ein Gericht den Bau untersagt, wird der Bau, nach Zahlung einer “Gebühr” selbstverständlich, legalisiert. Wenn ein Gericht einschreitet (lies: man zuwenig “Gebühren” gezahlt oder den falschen Empfänger eingesetzt hat), verfügt das Gericht den sofortigen Bauabbruch. Punkt. Keine Verpflichtung, den ganzen Scheiss wieder wegzuräumen. Und da man, genug Kapital vorausgesetzt, erstens sowieso gleich wieder mit der Bauerei von vorn beginnen kann, kauft man halt ein paar hundert Meter weiter ein Stück Land und versucht, möglichst schnell bis zum Giebel zu bauen. Rinse, repeat.

Eine schöne Parabel zur italienischen Politik ist die Strassenbeschilderung. Manchmal meint ein Pfeil, der nach links weist, eigentlich rechts, oder umgekehrt, oder aber, und das ist wohl der Normalfall, er bedeutet einfach geradeaus, einer vagen Mitte folgend, die sich mehr über die Bezeichnung der Strasse (“super”, “mega”, oder wie auch immer) definiert als über deren tatsächliche Richtung.

Es macht auch durchaus Sinn, dass, wenn man von der Stadt Trecase auf die Autobahn fährt und während einer Stunde dieser geradeaus folgt, nach besagter Stunde dann auf eine Ausfahrt namens “Trecase” stösst. Keine Angst, wir sind nicht in einem Wurmloch gelandet, dies ist bloss die… anders intelligente italienische Strassensignalisation.

Eng mit der Politik (und somit dem organisierten Verbrechen) ist in Italien die Kirche verwoben. Man hat sich da offenbar darauf geeinigt, den Kuchen fair aufzuteilen, getreu dem biblischen Wort, wonach das Weltliche dem Cavaliere und seinen Kumpels, der Rest der Kirche gehören soll. Oder so ähnlich.

Apropos Kirchen: Wir waren ja auch in ein paar solchen (nicht wirklich spannend, die meisten sind aufgehellte, radikal totrenovierte Bauten im apulischen Barok), unter anderem in einer, die auch der Pappa Ratzi mit seinem Besuch beehrt hat. Ich habe sogar einen Stuhl gesehen, auf dem der Ratzi höchstselbst seinen pontifikalen Arsch drauf gesetzt hat. Es mag auf den ersten Blick verwirren, dass dieser Stuhl, im Übrigen kein sonderlich erwähnenswertes Exemplar süditalienischer Schreinerkunst, deswegen nicht als Heiliger oder zumindest seliger Stuhl bezeichnet werden kann, sondern bloss als “der Stuhl, auf dem der olle Bene, seines Zeichens Heiligstuhlbesitzer im wahrsten Sinne, mal gehockt ist”.

Leider war es mir nicht vergönnt, mich auf das gebenedeite Sitzwerkzeug zu lagern. Ob es daran lag, dass man befürchtete, die Heiligkeit des Stuhls könnte eventuell auf meinen atheistischen Zigeunerarsch abfärben, konnte ich nicht abschliessend klären. Vielleicht lag es auch nur daran, dass der Wärter meinen Witz vom “Papa Nazi” nicht verstanden hat. Seis drum. Man hat es schliesslich auch nicht verstanden, als ich an jedem Padre Pio-Denkmal den Schalter zum versteckten Waffenlager gesucht habe.

Statistisch sind die Apulianerinnen übrigens die eifrigsten Kirchenbesucher Italiens: mehr als 43% besuchen mindestens 1x pro Woche (!) eine Messe. An Apulien kann man übrigens auch schön darstellen, wie Gläubigkeit einiglich mit materieller Armut einhergeht: wenn nur die Hälfte dessen, was in die Kirche und ihre Repräsentanten an Arbeit, Zeit und Kapital investiert wird, stattdessen in eine Volkswirtschaft geleitet würde, die diesen Namen auch verdient und tatsächlich die katastrophalen Infrastrukturprobleme anpacken würde, Apulien wäre wohl die Schweiz Italiens, halt einfach mit einem Meer statt Bergen.

Es passt übrigens auch wie die Faust aufs Auge, dass es in Italien eine Versicherungsgesellschaft namens “Cattolica” gibt.

Alles Scheisse?

War jetzt der ganze Urlaub eine Reise in die tiefste Hölle, ist Italien das Afghanistan Europas?

Nunja, manchmal war es schon hart an der Grenze zum Erträglichen. Vor allem das nicht-hinsehen-Wollen war zeitweise extrem schwierig für uns. Wie kann man mit Bergen von Müll vor dem Haus leben, ohne diesen Müll überhaupt noch wahrzunehmen? Wie kann man ein antidemokratisches Regime verteidigen, mit dem einzigen Argument, dass “die Kommunisten es auch nicht besser gemacht” haben? Wie kann man eine derartige Denkblockade haben, wenn es darum geht, die Verbrechen der Kirche ihrer guten Taten gegenüberzustellen? Ich weiss es heute noch nicht.

Aber eben, da gab es auch dies:

Der gesamten Mannschaft von Sud Sound System beim Wellenreiten am Strand zuschauen. Geile neue Rezepte bekommen, zB Orechiette an einer Sauce aus Cime di Rape. Ein schwuler, kommunistischer Katholik, der zum Präsidenten der Region gewählt wird. Mit Hase am sturmgepeitschten Meer entlanglatschen. Zum ersten Mal im Leben einen früchtetragenden Pfefferstrauch (-baum?) sehen. Die Erkenntnis, dass es auch in Italien eine erstarkende Grüne Bewegung gibt. Und Zia Teresas Sugo, der, mit einer Handvoll Vongole angereichert, für einen Atheisten die wohl grösstmögliche Annäherung ans Paradies darstellt.

Ich weiss, das alles macht einen Berlusconi nicht ungeschehen. Aber es macht ihn zu einer Nebenfigur, einem Störgeräusch, einer Randnotiz einer Fussnote einer Marginalie, in einem ansonsten wunderschönen Buch, das dringend einen anständigen Lektor und eine etwas anspruchsvollere Leserschaft bräuchte.

Viva Italia – trotz allem.




Bescheuert in Paris

Jüngst hat es mich für keine 24 Stunden nach Paris verschlagen, natürlich geschäftlich, sonst wäre das doch eher ein bisschen fragwürdig. Item, dort gabs etwas Feines zu Essen von einem sogenannt “edlen” Auslieferservice, doch beim Abfallkonzept dahinter ist mir beinahe das Gesicht abgefallen.

Es scheint aus einer Zeit zu stammen, als man das Wort Abfallkonzept noch nicht buchstabieren konnte. Man muss sich beim Betrachten der Bilder einfach bewusst sein, dass alles, wirklich alles à fond perdu ist.

(Für Grossansicht auf die Bilder klicken)

Mahlzeit!




Die Sache mit dem Apfel

Ei, ein Ei-Fon

Meine Tätigkeit als Handelsreisender bringt es mit sich, dass ich über ein schlag-mich-tot-Handy verfügen soll, auch Smartphone genannt. Nun wurden die Dinger von der Firma mit dem Apfel gerade dann günstig angeboten, als mein Scheff mich vor die Wahl stellte. Kurz drübergeschaut und bestellt wars.

Jetzt habe ich so ein Ei-Fon auf dem Tisch liegen und bin unterwegs immer wieder gerne am Geschäftsmails runterziehen, SBB-Fahrplan-Abfragen tätigen, Fotos machen, Mucke hören, yadda yadda yadda. Juh get se piktschä.

Bisher grösster Vorteil an der Geschichte: Es hat mich nix gekostet. Denn wäre dies der Fall gewesen, so hätte Apple nie und nimmer einen Fuss in meine Hütte bekommen. Dies aus einem absolut pragmatischem Grund: Das Zeugs aus dem Kalifornischen Cupertino ist mir schlicht und einfach zu Teuer.

Pro:

  • Angenehme Bedienung. Man gewöhnt sich tatsächlich daran, in meinem Fall zwar langsam, aber immerhin…
  • Schönes Design.
  • Google Maps in Kombination mit dem GPS-Modul.
  • iPod ist gleich dabei
  • Gewisse Teile der Software und Bedienung finde ich gut gelungen.
  • Buchse für kleinen Jack-Stecker ohne fummelige und proprietäre Audiokonverter vom Hersteller.
  • Das USB-Kabel für die Verbindung mit dem Computer funktioniert auch mit dem Ladegerät.

Contra:

  • Viel zu teuer (mit oder ohne Subventionierung vom Mobilfunkanbieter).
  • Zu gross.
  • Zu schwer.
  • Inbetriebnahme geht nicht ohne Installation der iTunes Software auf dem PC (Linux wird nicht unterstützt, wtf?)
  • Eher dürftige Qualität bei der Kameralinse.
  • Ungenügende Unterstützung bei Bluetooth.
  • Der Energiekonsum ist schier lächerlich hoch.

Auch wenn Smartphones allgemein mit ihrem Stromverbrauch kämpfen: Mit fortwährender Benutzung von iPod, WLAN und Internet per Mobilfunknetz liegt das Ding nach nur einem Tag ab. Die mögliche Gesprächszeit reduziert sich so drastisch. Viel- und Dauerbenutzer kommen nicht darum herum, das Ding konsequent jede Nacht zu laden, gelegentlich hängt es auch Tagsüber mal am Ladegerät oder PC.

An meinem Notebook mit Linux (Kubuntu 9.04) kann ich nur dank eines beflissenen Programmierers eine alternative Software nutzen, um wenigstens auf die Bilder und die Musikordner zugreifen zu können. iTunes wird nur über die Windows-Schnittstelle Wine unterstützt, was einen ziemlichen Schmerz im Füdli darstellt. Als Anfänger hat man kaum Zugang zu solchen Informationen, also ist die fehlende Unterstützung für Linux ein kapitaler Fehler im Konzept. Mir sind keine Pläne bei Apple bekannt, dies zu ändern.

Handling: ★★★☆☆
Design/Style: ★★★★☆
Laufzeit/Energieverbrauch: ☆☆☆☆☆
Einrichten/Inbetriebnahme: ★☆☆☆☆

Gesamtwertung: ★★☆☆☆

Fazit: Insgesamt würde ich das Gerät als verzichtbar bewerten, ohne dass es mich gross aufregt. Mein nächstes Smartphone wird jedenfalls weder Apple noch Microsoft drin haben, so viel ist klar.




Bollywood und Dummgeschwätz

Bollywood im HB Züri:

Und ein kleines, aber gut angezogenes Daumenschräubchen geht an den Super-Fashionista-Plattenleger Christopher S. (steht das “S.” eigentlich für Shithole?), der mit seinem merkbefreiten Kommentar im gestrigen Blick am Abend wieder mal klar Position bezogen hat:

“Als SVP-Mitglied hätte ich Christian Lüscher bevorzugt. Ich war den ganzen Morgen mit dem Auto unterwegs und habe die Wahl im Radio verfolgt. Sehr spannend war das nicht. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass das Volk die Bundesräte direkt wählen sollte.”

Und wir meinen, dass der trendy Chrigeli sich besser um seine Fummel und House-Platten kümmern sollte, denn davon scheint er eindeutig mehr zu verstehen.