Päng
Das muss ich mir mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.
Der hiesige Herbst wird jedenfalls spannend.
Das muss ich mir mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.
Der hiesige Herbst wird jedenfalls spannend.
War ja klar, dass sich ein verklemmt-konservativer Schreiberling nicht entblöden würde, zu den aktuellen Glaubenskrisen von gestandenen Verfechtern konservativen Gedankenguts (hier und hier) seinen Mist dazu zu karren.
Well, allow me to retort.
Wir haben das Argument “Die verstehen nichts von Wirtschaftspolitik” schon in anderem Zusammenhang geniessen dürfen (wenn der bei den anstehenden Wahlen mal nicht in deinem Füdli explodiert, Blochers Chrigel…), doch leider zündet dieses Argument ungefähr so gut wie ein frisch gebadeter Frauenfurz.
Muss ich den Unterschied zwischen Put und Call denn kennen, um dieses System der Wetten in der Hochfinanz völlig hirnbefreit zu finden? Muss ich im Detail wissen, wie die grossen Buben um Rohstoffpreise zocken, um das komplett bireweich zu finden?
Also bitte.
Es würde wohl keinem halbwegs gescheiten Linken einfallen, den Sinn von Handel, Kapital und Co. ernsthaft zu bezweifeln, und der real praktizierte Kommunismus ist auch schon ein Weilchen tot. Das hat sich in sozialdemokratischen Kreisen im Fall schon rumgesprochen.
Von konservativer Seite hingegen sind immer noch Lobeshymnen auf Frau Thatcher zu hören, die zwar die gröbsten Probleme in UK damals behoben hat, aber auch die Türen für hardcore-Kapitalismus der niederen Art geöffnet hat. Die Tories unter John Major haben dann den Rest erledigt.
Back to zero, rinse and repeat.
Oder vielleicht doch lieber ein Zitat aus weiter oben erwähntem Artikel gefällig?
“Genau besehen ist die Geschichte des Kapitalismus eine einzige Abfolge von Boom und Crash”
Toll, und das macht jetzt jede Kapitalismuskritik überfällig, oder wie? Ist das der Grund, warum man vielleicht nicht ein klitzekleines bisschen an dem System schrauben sollte, damit nicht jeder Depp seine Pensionskasse an der Börse verjubeln kann?
Ich erinnere hier nur am Rande an Andreas Thiel, der sich ebenfalls nicht entblödete, sein pseudoliberales Gedankengut rauszuposaunen, währenddessen Pensionskassen-Guthaben im Tempo von Taschentüchern abbrannten. Keine Spur von Selbstkritik, während des eigenen Geistes Kinde in der Wirtschaft amok läuft.
Bleibt noch das Argument “selbst Schuld, wenn man sein PK-Guthaben ins Wirtschaftscasino trägt”.
Wer hat den Leuten denn diese Empfehlungen gegeben? Wer zum Teufel will denn keinen Reibach machen?
Ich gehe schliesslich auch zum Arzt, wenn Hausmittel nicht mehr helfen. Mein Hausarzt hat mir jedenfalls bis dato noch kein lebensbedrohliches Gift verschrieben.
Nein, was mich unglaublich fest im Arsch schmerzt, sind diese völlig übertriebenen und komplett sinnbefreiten Systeme, wo man auf den Preis von lebensnotwendigen Rohstoffen wettet, wo Leute dazu verführt werden, mit ihrer Rente Roulette zu spielen, wo man auch als halbintelligenter Mitbürger einfach keinen Plan mehr hat, was wo durchläuft und wer wieviel kassiert.
So was geht einfach gar nicht.
Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, dass alle zockwilligen und deregulierungsgeilen Hardliner in einen (örtlich wie von der Restwirtschaft) isolierten Ort abschiebt, wo sie tun und lassen können, was sie wollen. So eine Art Casino für Kapitalismus-Irre, am besten mit integrierter Self-Service-Euthanasie-Station für die ganz gross Gescheiterten.
Aber bitte, for fuckin’ fucks sake, lasst die Restwelt mit dem Scheiss in Ruhe.
Bin bekennendermassen kein Fan der Linken, obwohl ich denen eindeutig mehr zustimme als dem rechten Rand im grossen Drama der Politik. Und Aufzeichnungen von Reden im Deutschen Bundestag schauen ist auch kein Hobby von mir, da fällt mir nur schon beim Gedanken daran das Gesicht ab.
Aber es gibt sie, diese Momente, wo die real herrschenden Verhältnisse für einen Deppen wie mich absolut verständlich und nachvollziehbar erklärt werden.
Einen solchen Scoop hat der werte Gregor Gysi gelandet, auf Umwegen bin ich auf eine Rede von ihm gestossen. Irgendwie kann ich das nicht für mich behalten, also bitteschön:
Mahlzeit.
Kulturpessimismus ist eigentlich nicht so meins.
Doch jüngst hatte ich wohl so etwas wie eine kleine Krise in meinem Optimismus-System. Jedenfalls war mein Flow irgendwie komisch an dem Tag.
Erst war der Blätterwald voll mit Sperminators freakiger (ex-)Haushälterin, irgendwo posierten Floncine Jordast total verliebt bis verblödet, der Toni Rominger schaute eine Spalte daneben ohne Hund traurig ins Nirgendwo und mitteilungsbedürftige Nobodies gaben ihren Senf ab zur Frage, bis zu welchem Oberschenkeldurchmesser man Leggings tragen darf.
Schlagartig wurde mir klar: Fukushima ist auf einem anderen Planeten, der Klimawandel ist ein Lüge und Rihanna ist die Göttin des zeitgenössischen Entertainments.
Gut, vielleicht sollte ich meinen Prinzipien besser treu bleiben und es sein lassen, den Blick zu lesen. Was ich eigentlich fast immer tue. Oder eben sein lasse, je nach Blickwinkel.
Item, auf jeden Fall fand ich es in besagter Situation eine gute Idee, doch lieber zu SPON zu wechseln und mir den Feuilleton zu gönnen. Ein bisschen Kultur und so.
Mein Flow baute sich wieder auf zu seiner üblichen Geschmeidigkeit, dann stolperte ich über Frau Berg, genauer über eine ihrer Kolumnen. Nämlich diese da.
Danach war er wieder kaputt, mein schöner Flow.
Also tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue. Ich wandte mich den bildenden Künsten zu.
Mein jüngster Erwerb in Form einer Silikatscheibe mit organisierten Klängen darauf nennt sich Insides und stammt aus der Feder von Jon Hopkins.
Was für ein grandioses Album. Die sorgfältig arrangierten und gefrickelten Sounds kitzeln das Ohr, streicheln den Bauch und lassen die Seele durch subtile, klickende und vor Strom bruzzelnde Landschaften schweben.
Etwas vom Besten, was ich seit langem gehört habe. Unbedingte Kaufempfehlung.
Wenn sich also der Weltuntergang ankündigt und alle hysterisch um ihr Leben rennen, werde ich mein mobiles Musikabspielgerät einschalten, die Kopfhörer überstülpen und mit einem epischen Soundtrack im Ohr still und andächtig verdampfen.
Soll mal einer sagen, ich wäre nicht vorbereitet.
Ha!
Ging also doch schneller als erwartet, die Sache mit dem Familienbusiness, da oben in Schweden. Kalt war’s auch, nur so nebenbei.
Dank dem lieben Punaise, der seinem Ruf als verpeilter Kulturfuzzi wieder mal völlig gerecht wurde und jede Deadline erfolgreich zu überschreiten wusste, war die Dreifaltigkeit auf dem Schräubchen gewährt.
Merci anyway, mon cher, wenn du schon mal einen Account hast, dann kannse auch gleich hier bleiben, ne!? Dann wird die Dreifaltigkeit halt eben zu einer Quadrille. Ihr hört also noch von JB, aber fragt bloss nicht wann.
Ja, und wenn man sich mal hier umsieht…
Die lieben Gründer-Kollegen von der Redaktion scheinen ja alle beide momentan einen regelrechten Höhenflug zu geniessen, da komme ich gerade recht, um das allgemeine Niveau wieder ein bisschen an die Realität anzunähern. Kann ja nicht ewig so weitergehen, wer braucht schon einen Pulitzer-Preis?
Eben.
Genau das oder ähnlich habe ich gedacht, als ich diesen Quatsch bekommen habe. Mannmannmann.
Wenn man lieber Schulbuben verklagt als anständige Sicherheitssysteme zu bauen, dann passiert so ein Mist eben. Auch toll, dass man erst nach langem Zaudern und Zögern an die Kunden herangegangen ist, danke bestens.
Mein Pech, dass ich jetzt Freunde dazu auffordern durfte, ihre Kreditkartenabrechnungen die nächsten Monate bitte etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nicht gerade heimelig.
Da habe ich übrigens gestaunt. Meine lieben Nachbarn, die Dänen, drehen schon fast ein bisschen durch, jedenfalls Teile von denen. Anders kann man sich solche Sachen nicht erklären.
Oh mein Gott, die Finnen waren ja auch noch. Man fragt sich auch hier: War es zu viel Lapin Kulta oder sind da ein paar Leute zu lange in der Sauna geblieben?
Echt abgefahren, was da politisch in Europa im Moment vorgelegt wird, man weiss gar nicht, wo man hinschauen soll.
Auch wenn die hysterische Fliege Longchamp im Bezug auf die herbstlichen Wahlen hierzulande bereits ihre Runden dreht, so sind die Helvetischen Hunde grösstenteils doch noch am schlafen, zumindest an der Leine.
Mal sehen, wie es tönt, wenn die Scharfmacher warm gelaufen sind.
Chères et chers, me voilà. Bitte um Verzeihung, es hat ein wenig länger gedauert als geplant.
Es war nicht etwa eine falsche Einschätzung meines werten Kollegen Magnussen, der sich ja jetzt in Schweden einen abfriert, nein, ich wurde schlicht und einfach von meinem noch nicht ganz ausgereiften Zeitmanagement und ein paar kleinen Sachzwängen abgelenkt.
Und was ganz blöd ist: Meine Themen, die ich abzuhandeln plante, sind zum einen leider in nuklearem Rauch aufgegangen und werden zum anderen in diesem Augenblick von der zerstrittenen Nato abgeklatscht.
Realität essen Text auf.
Ich wage es aber nicht, hier einfach so mit leeren Händen aufzukreuzen.
Darum werfen wir einen Blick auf ein Thema, das eigentlich auf immer und ewig brandaktuell ist, aber momentan im allgemeinen Bomben- und Nuklearhagel leicht untergeht.
Donc: In Deutschen Landen, wo ich übrigens die eine Hälfte meiner doppelt gemoppelten Staatsangehörigkeit her habe, wurde in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl abgehalten.
Eigentlich ist es ja beruhigend zu berichten, dass es die NPD nicht in den Sächsischen Landtag geschafft hat. 4,6 Prozent Wählerstimmen reichen nun mal nicht. Mais attention, mesdames et messieurs, denn Sachsen-Anhalt hat knapp 2,4 Millionen Einwohner. Das heisst also, dass mindestens zig-tausende Wähler diesen Connards und ihren verblödeten Kameradschaften ihre Stimme gegeben haben.
Das ist nach wie vor beachtlich und für mich weiterhin ein solider Grund, eine persönliche Sperrzone um den Deutschen Osten, zumindest Teile davon, zu legen.
Schauen wir nun ein paar Steinwürfe westwärts, in meine zweite Heimat Fronkräisch.
Etwas gar gemischte Gefühle habe ich bei Marine Le Pen, Anwältin, stramme Französin und Tochter des alten Fröntler-Haudegens Jean-Marie Le Pen, die anfangs Jahr zur Chefin des Front National gewählt wurde.
Im Vergleich zum polternden Papa ist die Dame geradezu dezent und aerodynamisch, man könnte schon fast sagen angenehm. Jedenfalls scheinbar, denn der Inhalt ist natürlich immer noch übelst rechtsnationalistisch und rassistisch, die Verpackung aber ist einiges dezenter.
Ein Drachen im Schafspelz, sozusagen.
Während Jean-Marie Le Pen, der ja eigentlich unwählbar ist, es sogar bis in die Stichwahl gegen Chirac schaffte, kann man sich sein Töchterchen auch ohne viel Fantasie problemlos als Präsidentin vorstellen, spätestens seit speedy Sarkozy sind die Türen weit offen für solche Szenarien.
Im heutigen politischen Klima ist so eine Person für viele Leute wählbar, gerade weil sie sich von dem ganzen Fröntler-Kram distanziert und Fragen stellt wie “ist es denn falsch, für die Interessen Frankreichs und seine Identität einzustehen?”.
So etwas sagen in Frankreich auch Sozialisten.
Gerade dieser Ton, diese Musik, gibt freiheitsliebenden Demokratie-Fans wie mir unheimlich zu denken.
Es wäre nicht das erste mal, dass der Front National nach einer freundlichen Einleitung das Schafskostüm ablegt und sein wahres Naturell zeigt.
Wir haben ja in der Schweiz auch unser Akte-X-Format, es nennt sich Abstimmungssontag. Und auch dort ist die Wahrheit irgendwo da draussen.
Anders kann man nicht erklären, warum Alf vorerst die meisten Stimmen geholt hat, der alten Klapperkiste Mühleberg und den unverbesserlichen Atomköpfen von der BKW (wenn auch umstritten) das Vertrauen ausgesprochen wird und man doch lieber hundertausende Knarren in Haushalten hat als nicht.
Aber die Auswirkungen sind auch lokal nicht zu unterschätzen.
Somit dürfen wir uns im Kanton Bern für die nächsten zehn Jahre von jeglichem Fortschritt jedweder Couleur verabschieden. Mit Alf im Ständerat (muss zwar erst noch passieren, aber viel steht da nicht mehr im Weg) würden die feuchten Träume der Aufrechten ein kleines bisschen wahrer, und mit dem Volksvorschlag zur Fahrzeugbesteuerung gehen wir ökologisch zurück in die roaring eighties.
Zudem haben wir es jetzt amtlich: Es gibt Leute, die immer noch nicht begriffen haben, wie man abstimmt. Da staunt der Laie und wundert sich der Fachmann.
Apropos, grosses Kompliment an die Limmat zur Waffeninitiative. Liebe Stadtzürcher, ihr habt den ganzen Kanton gerettet. Wir fühlen mit euch, wir wissen was es heisst, in einem grossen Kanton von Hillbillies umzingelt zu sein. Nicht schön.
Aber darum geht es ja gar nicht, obwohl ich von dem ganzen Volkswillen(TM) vorerst mal die Schnauze gestrichen voll habe.
Meinereiner muss zurück in die kalte Heimat, es gibt dort akut Familienbusiness zu erledigen. Könnte ein wenig dauern, daher sage ich vorläufig mal leise Tschüss.
Ich habe aber für Stellvertretung gesorgt, unser neuer Kollege wird sich diese Tage vorstellen und meine Lücke ohne Probleme füllen.
Ich wünsche euch derweil viel Spass mit den Ewiggestrigen und ihren liebsten Spielzeugen namens Offroader, Brennstab und Sturmgewehr.
Neulich, da waren Hase und ich in einer Gaststätte in der Altstadt, sie hiess “Ali Baba”. Und wie es sich für so einen Namen gehört, waren da nur total trendy Leute drin. Und wir Hasen, natürlich. Die Gaststube ist derart trendy, dass auch die Bedienung grossen Wert darauf legt, möglichst immer ihre Schokoseite zur Fensterfront gut sichtbar erstrahlen zu lassen; der Akt des Bedienens an sich wird da schnell mal zur Nebensache.
Das ist soweit ja auch ihr gutes Recht. Wenn sie gewusst hätte, dass es schon gopfertami viel braucht, damit mir Blondinen den Kopf verdrehen, dann hätte sie auch vielleicht von Anfang an gedacht, dass es nicht viel bringt, mich zu begrinsen. Trinkgeld gibts beim Dschango für gute Dienstleistung, nicht für jämmerliche Flirt-Versuche von Beinahe-Minderjährigen.
Vielleicht bin ich da ja altmodisch, aber es gehört von mir aus gesehen zur Basis-Kompetenz einer Bedienung in der Gastro-Branche, dass a) die Bestellung beim Kunden in einer für alle Beteiligten befriedigenden Weise aufgenommen wird sowie dem Kunden b) diese Bestellung in ihrer Vollständigkeit überbracht wird. Wenn einer dieser Punkte nicht erfüllt wird, ja dann ist das vergleichbar mit einem Metzger, der die Sau zur Wurst verarbeitet, ohne sie vorher zu töten. Klar ist es nicht weltbewegend, wenn der Metzger das so handhabt, blöd ist es aber alleweil, und sei es nur für die Sau.
Der erste Fail kam schon bei der Bestellung. Und zwar gelüstete mich nach einer Apfelschorle. Da ich dies nicht auf der Karte fand und einen grossen Durst zu verspüren meinte, bestellte ich, wörtlich zitiert, einen halben Liter halb-Apfelsaft-halb-Mineralwasser. Und stürzte damit die Bedienung in heillose Verwirrung. Nicht, dass sie hier nicht versucht hätte, Lösungen zu finden: sie schlug mir “einen Liter Schorle”, “je einen Liter Mineralwasser und Apfelsaft”, “zwei Gläser, jeweils halbvoll Mineralwasser, und noch ein Glas, bis oben hin gefüllt mit frischen Äpfeln”, sowie noch weitere spassige Variationen vor, die sie zu bringen bereit gewesen wäre. Wir kamen dann schliesslich überein, dass sie mir “0,25 Deziliter Mineralwasser und 0,25 Deziliter Apfelsaft in einem Halbliterglas” bringen würde – dieser Vorschlag kam von ihr und hätte ich von Anfang an gewusst, dass ich so hätte bestellen müssen, ich hätte es getan. Ehrlich. Schon nur dem Frieden zuliebe.
Nun gut. Nach einer grosszügigen Wartezeit, in der ich meinen Halbliter bereits leergetrunken hatte und mich nicht getraute, Nachschlag zu bestellen, da es noch andere Gäste im Restaurant hatte und ich nicht wollte, dass die Gehirnkapazität der Bedienung ausschliesslich durch mich belegt wurde, kam dann mein (im Übrigen höchst leckeres) Hauptgericht, allerdings vermisste ich die ebenfalls bestellte Vorspeise. Ich fragte deshalb die potentielle Soziologie-Studentin, auf deren CV dann irgendwann mal der Einsatz im Ali Baba als “hat Einblick in die harte Arbeitswelt gewonnen” auftaucht, ob meine Vorspeise vergessen gegangen sei. Als Antwort erhielt ich eine längere Denkpause, gefolgt von einem klaren und endgültigen “Ja”. Kein “sorry”, kein “das tut mir leid”, kein gar nix. Einfach nur ein ultimatives “ja”. Das war genau der Moment, an dem ihr Trinkgeld, den letzten gräulichen Schneehäufchen draussen gleich, dahinschmolz und nichts als kalten, harten Asphalt zurückliess.
Jetzt erstaunt das bei einer Gaststätten-Bedienung nicht wahnsinnig, wenn die etwas Mühe hat, das Hirn zu bemühen, man möge mir diesen kleinen Elitismus verzeihen, auch und besonders in Hinblick auf das potentielle Soz-Studium. Anders sieht es bei Chefredaktoren von Zeitungen aus, die sich gerne mal in Leitartikeln äussern. Leitartikel, das muss man der jüngeren Generation vielleicht erklären, das sind sowas ähnliches wie Blogs aus der Steinzeit, mit dem Unterschied aber, dass man fürs Lesen von Leitartikeln bezahlen muss und fürs Schreiben derselben bezahlt wird. Und ich befürchte, dass Artur K. Vogel pro Zeilen bezahlt wird. Nur so oder indem ich mir einen hemmungslos bekifften Vogel vorstelle kann ich mir erklären, wie er zum Bund-Leitartikel vom 31.12.2010 gekommen ist.
Anfangen tut der Artikel ja gar nicht mal so schlecht. Vogel prangert Karrieresucht, Geldgier, grenzenlosen Steuerwettbewerb, Raffgier und kurzfristiges Renditestreben an und beschwört das Schweizerische Arbeitsethos, das durch die sich rasant öffnende Armutsschere (gut, Vogel spricht hier von einer “Reichtumsschere”, was ja auch irgendwie aussagekräftig ist) beschädigt wird. Dann muss aber der Moment eingetreten sein, wo ihm die klaren Gedanken ausgegangen sind, aber noch ein paar Zeilen fehlten, damit das Auskommen stimmt, weil dann kommt dieser Abschnitt:
Zwar mag es zum Wesensmerkmal einer direkten Demokratie gehören, dass an der Urne gelegentlich seltsame Verdikte gesprochen werden. Wenn sich diese aber häufen, wie momentan mit Minaretten, Abschiebung und Verwahrung, wenn «das Volk», das meist als mässigender Faktor auf die Politik einwirkt, seinen Unmut gleich mehrmals äussert, müsste das ein Fingerzeig für die herrschende sozialdemokratischlinksliberalgrüne Konsens-Nomenklatura sein, über die Bücher zu gehen und sich ein paar Gedanken zu machen.
Und diesen Abschnitt las ich gleich noch dreimal durch, weil ich sicher war, etwas übersehen zu haben. Es kommt dann auch kein Satz, wo der Abschnitt als Ironie entlarvt wird, nein, ich befürchte, Vogel meint das wirklich ernst. Man müsste ihm vielleicht erklären, dass die Schweiz seit Gründung des Bundesstaates bürgerlich regiert und parlamentiert wird. Nirgends sind auf Bundesebene “Sozialdemokratischlinksliberalgrüne” in der Mehrheit, Herr Vogel scheint da Verschwörungstheorien auf den Leim gegangen zu sein. Hoffen wir mal, dass er kein Sturmgewehr zuhause rumliegen hat.
Apropos Realitätsverlust, letzthin, da sprach mich eine mittelalte Frau auf der Strasse an, ob ich denn Jesus im Herzen habe. Ich muss dazu sagen, dass ich noch öfters von mittelalten Frauen auf der Strasse bezüglich Jesus angesprochen werde, ich weiss auch nicht, warum das so ist. Jedenfalls verneinte ich diese Frage klar und meinte noch, dass, wenn ich Jesus im Herzen hätte, dies wohl ein Fall für den Kardiologen sei. Das fand die Frau nicht lustig.
Einer anderen mittelalten Frau, die mir mal auf der Strasse erklärte, Jesus sei ihre geistige Stütze, versuchte ich mal diesen Gedankengang nahezulegen: Stützen sind doch eigentlich nichts als Krücken. Krücken sind aber primär für Behinderte gedacht. Sind dann alsp Leute, die geistige Krücken benötigen, nicht logischerweise auch geistig Behinderte? Auch diese Frau hatte grosse Mühe, meinen Gedankengängen zu folgen.
Ganz was anderes: Vor einer Weile flatterte unsere Stromrechnung ins Haus und wir waren not very amused. Aber was wosch. Grosse Freude kam dann hingegen auf, als wir letzthin wieder Post von den Bernischen Kraftwerken BKW bekamen: gross, bunt und mehrseitig wurde uns erklärt, warum wir Atomkraftwerke – pardon: Kernkraftwerke – gut finden sollen und warum das alles voll easy ist mit der Spalterei. Es wurde auch erwähnt, dass die Stadt Bern sich letzthin für KKWs ausgesprochen habe, da sie ja die Energiewende-Initiative abgelehnt habe. Natürlich war die Tatsache, dass stattdessen der Gegenvorschlag angenommen wurde, bei dem im Prinzip das spätere Datum der Einführung der einzige Unterschied darstellt, kein Wort wert. Und rückblickend finde ich es unglaublich befriedigend, eine Organisation unterstützen zu dürfen, die sich nicht nur nicht in politische Abstimmungen einmischt, sondern sich diese Nicht-Einmischung auch von sämtlichen Strombezügern des Kantons zu finanzieren weiss.
Und irgendwie schaffe ich es jetzt nicht, den lustigen Versprecher meiner Nichte übergangslos vom AKW herzuleiten, also wird das halt jetzt ein bisschen holprig, weil der Versprecher ist einfach zu gut, um ihn euch zu unterschlagen: meine dreijährige Nichte wollte letzthin ums Verrecken “telefonanieren”. Das passt aber wenigstens gut zum Versprecher, den Hase im Büro letzthin aufgeschnappt hatte, als jemand lauthals nach “Anus-Chräbeli” verlangte.
Ahso, stimmt ja: ein gutes neues Jahr wünsch ich euch allen – die Hoffnung stirbt schliesslich zuletzt.
Frisch und erholt melden wir uns aus dem Winterurlaub zurück, mehr denn je bereit, den Finger in die Wunde zu drücken. Und nötigenfalls noch draufzulegen.
Doch der Reihe nach.
Für einen grossen Teil der Menschen in unseren Kreisen, uns selbst eingeschlossen, waren die letzten Jahre politisch gesehen schwierig bis beschissen, je nach gesellschaftlicher Positionierung und Wohnort. Natürlich nicht nur, aber die Tendenz ist klar erkennbar. Das Jahr 2010 hat da nicht unbedingt dazu beigetragen, die Stimmung zu heben.
Vieles ist wirklich schwierig zu verstehen. Es gibt aber Geschichten aus der Mitte unseres Lebens, die diese Stimmung sehr gut illustrieren.
Da wäre zum Beispiel dieser gut gebildete Sohn eines insgesamt eher linken Anwalts, der freimütig bekennt, dass er SVP wählen würde, wenn er denn schon dürfte. Wir reden hier von einem jungen Mann, der in knapp sechs Monaten seine Wahlzettel einwerfen gehen wird. Hört man sich die Begründungen an, die keineswegs dumm oder unüberlegt sind, kann man sich ein Bild machen, wohin die Karawane im Moment so etwa zieht. Rebellion sieht anders aus.
Dann wären da die entfernten Bekannten, die vor ein paar Jahren noch liberal-sozial-bürgerlich eingestellt waren, alles im praktikablen und akzeptablen Bereich. Mittlerweile fahren sie ziemlich stramm auf Blocher-Linie und tun dies bei mehr oder weniger vollem Bewusstsein. Das ganze Programm, ultra-strenge Justiz, Kultur an der kurzen Leine, Behandlung von Ausländern jenseits der Genfer Konventionen, you name it. Alles dabei. Ist ja auch ein extremes Beispiel.
Es gibt noch ganz viel dazwischen, ein erstaunlich populärer Ansatz ist beispielsweise die Überwachung durch den Staat auf der ganzen Linie. Wenn man sich ein wenig mit politischen Systemen und Datenschutz beschäftigt, kann einem schon ein bisschen mulmig werden, um mal auf dem Teppich zu bleiben. Und wir sind noch nicht in der Nähe des Stammtisches, dies nur nebenbei.
Die rechte Brei ist bereits ein Weilchen trendy, und es reisst nicht ab. Ich bin ziemlich froh, dass wir keine ausgewachsene Wirtschaftskrise oder Rezession haben, jedenfalls nichts im Format vergangener Tage. Denn das ist eine Mischung, die wir nicht brauchen.
So ein Experiment ging in Europa, nicht weit von hier und nicht allzu lange her, schon mal gehörig in die Hose.
Es ist wahrlich kein Spass, den ganzen Tag lang Radio Energy Bern zu hören.
Doch zum Glück gibt es mutige Menschen wie den Ane H. vom kleinen Bund, der es trotzdem gemacht hat.
Unbedingte Leseempfehlung!
Es gibt Momente, da sitze ich einfach nur da und frage mich, ob das Projekt Menschheit denn überhaupt gut kommen kann.
Wir haben es ja seit der Aufklärung einerseits relativ weit gebracht, andererseits krankt das System Mensch immer wieder an den gleichen Schnittstellen. Man darf sich mit Recht fragen, ob die Menschheit jemals aus ihrer Geschichte lernen wird. Momentan bezweifle ich das gerade.
Das kann passieren, wenn man sich die Resultate der Friedrich-Ebert-Stiftung, die in Deutschland zu rechtsextremen Themen rumgefragt hat, reinzieht und wirken lässt.
Da kräuseln sich mir die Zehennägel, denn Deutschland ist nicht weit von hier. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn in der Deutschen Schweiz dieselbe Befragung ganz ähnliche Resultate hervorbringen würde.
Als vorläufiges Fazit kann man festhalten, dass die Leute grundsätzlich mal kein Problem mit Überwachung und staatlich repressivem Verhalten haben, so lange die christlich-jüdisch-abendländische Leitkultur gewahrt ist, bei einem vergleichsweise liberalen und kulturell durchmischten Gesellschaftsmodell kriegen aber alle das grosse Muffensausen.
Da soll mal einer drauskommen.
Wer weiss, vielleicht hilft uns da die Neuro-Forschung weiter, indem sie mal ein Deppen-Neuron oder so etwas ähnliches findet. Es muss ja letztendlich einen biologischen Grund geben, warum die einen völligen Schwachsinn denken und reden, andere hingegen vernünftig und besonnen durchs Leben gehen.
Da kommen sicher noch interessante Erkenntnisse auf uns zu. Ich freue mich schon jetzt auf die Pille, die rassistische und menschenfeindliche Ansichten ausmerzt und aus jedem dissozialen Möchtegern-Nazi einen flotten, sozialen, demokratischen und engagierten Menschen machen. Da werden die Leute staunen.
Bis dahin vertörlen wir uns die Zeit mit den kleinen, täglichen Goodies, die uns die hiesige Kulturszene beschert. Da lese ich doch heute in meinem liebsten Käseblatt (auf der letzten Seite neben Frau Glogger), dass der bärtige Rap-Gangster Greis seine visuelle Duftmarke (aka. Tag) auf den Zeitungskästen derselben Firma hinterlassen hat. Nur war der Herr Greis leider so doof, dies vor Zivis und und mit seiner offenbar bekannten Duftmarke zu tun.
Schon blöd. Ich könnte so etwas besser. Erstens würde ich das Erkennungszeichen eines ungeliebten Kollegen verwenden anstatt des eigenen, zudem würde ich Zivilbullizisten sowieso auf 100 Kilometer gegen den Wind riechen.
Nun ja, jetzt muss der Herr Greis halt ganz gängstermässig die Kästen putzen gehen, damit er sich die Busse sparen kann. Das dürfte für einen Helvetischen Musikanten schon eine Rolle spielen, da man es hierzulande nicht vermag, im Bentley und mit billigen Bitches rumzukurven, obwohl man ein dekorierter Künstler ist.
Vielleicht müsste man dem jungen Mann mal erklären, wie so ein Leben als Musik-Gangster auszusehen hat. Und vor allem, wo man so etwas durchziehen kann, denn in hiesigen Gefilden sind die Voraussetzungen eher schlecht.
Aber mich fragt ja keiner.
Aus aktuellem Anlass, heute mal ein kleiner Exkurs in eine den meisten völlig unbekannte Welt. Eine Welt, in der der einzig wahre Sozialschmarotzer im Dorf als moralische Instanz gilt und die Gesetze vor allem dazu da sind, Gott vor allerlei Bösem zu beschützen. Zum Beispiel vor einem Lehrer, der es wagt, seine Grundrechte und diejenigen der ihm anvertrauten Kinder einzufordern.
Was ist passiert? In Stalden im Kanton Wallis, sowieso ja nicht gerade als der Kanton bekannt, der bezüglich Grundrechten eine Vorreiterrolle einnimmt, ist ein Oberstufenlehrer am letzten Schultag vor den Ferien fristlos entlassen worden. Und dies nicht etwa, weil er sich an seinen Schülern vergriffen hätte, sondern nur deshalb, weil er sich weigert, in seinem Schulzimmer ein Folterwerkzeug aufzuhängen.
Seitens Schulleitung beruft man sich aufs Walliser Schulgesetz, das die Schule dazu verpflichtet, den Schüler “auf seine Aufgabe als Mensch und Christ” vorbereiten. Klar widerspricht dies der Bundesverfassung krass, welche ihrerseits die Schulen dazu anweist, konfessionell neutral zu sein, aber das interessiert im Wallis natürlich keine Sau. Es spielt auch keine Rolle, ob es im Wallis Kinder mit muslimischem Glauben gibt. Da das Christentum Leitkultur ist, werden einfach alle zu Christen erzogen, egal ob Kathole, Musel oder Atheist. Gott wird die seinen dann am Schluss schon aussortieren.
(An dieser Stelle ein Aufruf: Wenn ihr noch immer einen Facebook-Account habt, tretet doch bitte der Gruppe “Solidarität mit Valentin Abgottspon” bei – Merci!)
Und nun ist die Kacke am Dampfen. Die Presse berichtet beinahe täglich (sucht einfach nach “Valentin Abgottspon” und ihr werdet fündig) und auch Schweiz Aktuell hat sich zu einem – ausnahmsweise sogar recht objektiven – Bericht hinreissen lassen. Plötzlich ist das schwarzkatholische Herz am Rand der Schweiz im Fokus, plötzlich merken wir, dass eine Stunde Zugfahrt weit weg eine kleine, aber umso aktivere Taliban-Gemeinde ihren persönlichen Scharia-Flavour etabliert. Dies, wohlverstanden, stillschweigend vom föderalistischen Prinzip gedeckt und hauptsächlich vom un- oder falschgläubigen Rest der Schweiz finanziert.
Man verstehe mich richtig: es geht hier nicht um evangelikale Endzeit-Spinner. Es geht nicht um Sektenanhänger im landläufigen Sinne, die eine etwas derbe Interpretation des im Grunde genommen Ach so toleranten Christentums praktizieren. Nein, wir sprechen hier von identitätsstiftenden, über alle moralische Zweifel erhabenen Landeskirche-Katholiken, die sich darauf berufen, dass das Wallis katholisch sei und bleibe, und wer anderer Meinung sei, dürfe das, solle aber gefälligst die Klappe halten oder sich zum Teufel scheren. Wer mal schauen will, wie diese Leute ticken, dem seien die Kommentare auf der Freidenker-Seite rund um dieses Thema empfohlen. Eine echte Lektion in erzkatholischem Rechts- und Toleranzverständnis.
Man fürchtet im Wallis also nicht nur den Wolf (was zu braven Schafen an sich ja gut gepasst hätte), sondern auch Laizität, freies Denken und generell ein modernes (sprich: post-1600) Staatsverständnis. Die Kirche bleibt im Wallis nicht nur mitten im Dorf, sondern sie bleibt auch zentrale Richtschnur bezüglich dem, was gedacht werden darf bzw was nicht.
Vielleicht wäre es mal Zeit, den Fehler von 1815 zu korrigieren und das Wallis dem Vatikan als Exklave zu spendieren. Als Italiener (bzw italienische Vatikaniten) wären die Walliser doch sowieso wöhler: bezüglich Vetternwirtschaft, Korruption und theokratisch geprägter Politik sprechen wir auf jeden Fall von verwandten Mentalitäten.
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UPDATE:
Uns wurde aus absolut vertrauenswürdiger Quelle berichtet, dass die identitätsstiftenden und integrativen Kräfte bereits dazu übergegangen sind, ihre moralische und argumentatorische Überlegenheit mit Sachbeschädigungen zu unterstreichen. Zwar (noch) nicht im Wallis, aber in einem anderen, ebenso schwarzen (und ebenso auf finanziellen Zuspruch aus der Restschweiz angewiesenen) Gebiet. Dies ist tatsächlich eine neue Qualität im Diskurs – Beschimpfungen, anonyme Anrufe/Briefe und ähnliches kennt man ja sogar hier, im säkulareren Teil der Schweiz, wenn man sich bezüglich Konfessionsfreiheit auch nur ein bisschen aus dem Fenster lehnt.
Quizfrage:
Was ist der Unterschied zwischen Ueli “Shlomo” Maurer und Micheline “Fatima” Calmy-Rey?
Nix, nada, niente. Beide haben sich lokalen Kleidungsbräuchen angepasst, beide jeweils aus guten Gründen.
Wo aber bleibt der Protest? Micheline musste damals medial ziemlich unten durch wegen ihrem weissen Nichts auf dem Kopf, beim Ueli hingegen hält sich die rechte Journaille offenbar ziemlich im Zaum. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Die Frau Roten vom Magazin ist auch ein bisschen streitbar, ich zum Beispiel finde ihr Geschreibsel recht gut. Die Meinungen in meinem Umfeld sind aber recht geteilt, ich stehe weitgehend alleine da mit meiner beinahe bedingungslosen Vorliebe für die Michèle.
Ihre Kolumne im aktuellen Magazin (das zum Teufel noch mal nicht mehr gratis im Web steht. Was hat die Leute bloss geritten?) hat mir wirklich aus dem Herzen gesprochen, sie schreibt da über den rechten Meinungs-Pöbel und seine Auswüchse.
Ihre Argumentation ist schlüssig und nebenbei – auch ohne expliziten Bezug von Frau Roten selbst – ein flammendes Plädoyer wider die Diktatur des Pöbels.
Unbedingte Leseempfehlung!
Ich bin ja selbst deklarierter Fussball-Nixchecker. Umso schlimmer für die Footer-Fan-Kollegen im Büro, als ich eine Einladung für ein Spiel der Champions League bekam. So mit alles drum und dran, inklusive Eintritt in die Champions Lounge und Lizenz zum Futtern und Löten.
Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, den zwei Fussballbegeisterten mein Ticket unter die Nase zu halten und ihre Reaktion zu geniessen. Hie und da muss ich meinen leichten sadistischen Neigungen einfach etwas Auslauf gönnen, das aber nur nebenbei.
Da habe ich also mit der werten Kollegin im Voraus freudig fantasiert, wie wir bequem auf einer Ledercouch rumpflözen und uns mit feinstem Schampus vollaufen lassen würden. Das Spiel würde so zur Nebensache verkommen und wir hätten mit ein paar netten Leuten einen lustigen Abend verbracht.
Die erste Enttäuschung liess nicht lange auf sich warten. Nachdem wir uns durch tausende von eigenartig eingekleideten Leuten durchgewühlt hatten, kamen wir etwas erschöpft, aber eben voller Vorfreude in der Champions Lounge an.
Dann dies: Es gab keinen Schampus. Die Tische waren durchaus reichlich gedeckt, aber an Blubberwein hatte offensichtlich niemand gedacht.
Und dies: Weit und breit keine Ledercouch. Es gab zwar die eine oder andere Möglichkeit, sich bequem zu setzen, aber die grosse Anzahl Menschen in dieser Lounge stand in keinem Verhältnis zu den wenigen Sitzmöglichkeiten. Zudem musste das Spiel optimalerweise auf den Rängen in harten Schalensitzen aus Plastik genossen werden. Zum Glück hatten wir ein Dach über dem Kopf.
Das brachte mein welkes Oberstübchen dazu, ein paar Erkenntnisse zu formulieren.
Erstens: Ein Ticket in die Champions Lounge ist kein Freibillet für dekadenten Schampus-Spass mit Leder unter dem Füdli. Wenn man sich einen Abend lang wie ein Halbgott fühlen will, geht man also besser nach Egerkingen ins Römerbad, das kostet etwa gleich viel, aber man kommt wesentlich entspannter aus dem Laden wieder raus.
Zweitens: Menschen, die für ein Ticket in der Champions Lounge bezahlen, haben eigentlich nur Gratisessen, Gratisbooze und einen leicht besseren Blick auf das Spielgeschehen, mehr nicht. Der Andrang ist etwa gleich gross und penetrant wie beim Fussvolk und es gibt auch bei den vermeintlich Mehrbesseren Leute, die sich nach dem Gang aufs Klo die Hände nicht waschen.
Ich habe echt kurz überlegt, ob ich in res publica auf den Mann zeigen und laut schreien sollte “Die Sau hat sich nach dem Pinkeln die Hände nicht gewaschen!”. Ich tat es dann doch nicht, weil die Einladung von einem Kunden und Sponsoren kam und ich niemanden unnötig blamieren wollte. Henusode.
Ach ja, das Spiel. Glücklicherweise vergingen die zwei mal fünfundvierzig Minuten inklusive Pause wie im Fluge, es war streckenweise sogar richtig spannend. Natürlich hat der Favorit letztendlich gewonnen und die Lokalmatadore gingen geknickt, aber unter tosendem Applaus zurück in ihre Kabinen.
Immerhin hatte der Anlass trotz allem ein wenig People-Flair, habe ich doch zwischen all den Wichtigtuern noch ein paar Dekoschlampen Spielerfrauen und sogar das Christineli Surer gesehen. Aber die Ärmste sollte wirklich mal richtig Essen, bei so einem Klappergestell muss ich immer gleich an den Mittermeier denken: “Die will man nicht ficken, die will man füttern.”
Sei’s drum, es war eine interessante Erfahrung, die ich in etwa mit dem gleichen Fazit wie beim Oktoberfest abschliessen kann:
Es ist in Ordnung, wenn man es mal gesehen hat, aber einmal reicht im Leben.
Mit diesem Artikel beginne ich ein neues Kapitel auf der Daumenschraube – erstmals wird ein Thema mit einer gewissen Seriosität angegangen. Naja, zumindest weitgehend.
Also, zuerst ein wenig Hintergrundinfo.
Euer Dschango ist bereits seit viiiielen, vielen Jahren als Hobby-Musiker unterwegs. Also, ‘Musiker’ ist ja eigentlich komplett falsch, ich würde mich viel mehr als “Musikant” bezeichnen – aus ethnischen und könnenstechnischen Gründen eher der Tradition der Drehorgelspieler verpflichet als der eines Mozarts.
Nun ja. Der Dschango bastelt sich also in seiner Freizeit hin und wieder etwas elektronische Tanzmusik zusammen. Es war übrigens der olle Nasse, der mich da draufgelüpft hat, und weil wir beide damals noch unsere Brötchen ganz, ganz klein backen mussten, hatten wir zwar kein Geld, dafür aber umso mehr Ättitjud. Schon nur deshalb lag es auf der Hand, fast ausschliesslich raubkopierte Software zur Befrönung unseres Hobbys einzusetzen.
Angefangen hat die Freude mit Reason, bald kam Cubase/Nuendo als erste “wirkliche” DAW hinzu. Und da der Dschango selten mit dem zufrieden ist, das er bereits hat, hat er sich bald schon auf die Suche nach seiner perfekten DAW gemacht – Ableton, Sonar und REAPER waren da die Kandidaten. Daneben (bzw parallel dazu) kamen noch Zillionen von Softsynths, VST-Effekten und was auch immer downloadbar/crackbar ist, hinzu.
Aber man wird ja älter und lernt dazu. Also, zumindest älter wird man zwangsläufig. Und irgendwann (konkret: vor zwei Jahren, als ich REAPER zum ersten Mal heruntergeladen habe) kam ich dann auf die Idee, mittelfristig full-legit zu fahren, also für alle unfreie Software, die ich einsetze, auch tatsächlich zu bezahlen. Und heute habe ich das ultimative Wohlfühl-Gewissen beim Hochfahren meines Studio-PCs, weil ich weiss, dass ich keinem armen, halb verhungerten Programmierer den Job wegnehme, wenn ich tastenspaste. Das heisst, Wohlfühl-Gewissen bis auf ein, zwei preislich eher am oberen Ende meines Budgets angesiedelten Ausnahmen, die im Verlaufe dieses Jahres aber auch noch legalisiert werden.
Konkret heisst dies, dass ich in den letzten zwei Jahren so im Schnitt SFr. 100.- bis 200.-/Monat für Software ausgegeben habe. Und da ich mich mittlerweile als quasi-geläuterter Software-Pirat sehe, erlaube ich mir, der Welt mal ein paar Erfahrungen aus beiden Welten zukommen zu lassen.
Der heutige Vortrag ist also Einstimmung in die Reihe: 5 Thesen, warum heute Software-Piraterie zwingend nötig ist, um als Anfänger im Bereich “computergestützte Musik” auf einen grünen Zweig zu kommen.
Teil eins:
Früher, als ich noch ein böser Raubkopierer war, lief die Installation eines neuen Stücks Software wie folgt ab:
Die grösste Herausforderung war es jeweils, die gefühlten 499938 Db, mit denen die Hintergrundmusik des Installers durch die Monitore jagten, vorgängig zu muten. Andererseits war diese Hintergrundmusik auch wieder häufiger Grund für Lachattacken – Insider erinnern sich an “It’s in the AAAAAIR!!”.
In kurz: der Installationsprozess gestaltete sich einfach, kundenfreundlich und schnell.
Falls man auf die Idee kommt, legit zu fahren, kann ein Installationsprozess heute so aussehen:
Das Beispiel ist realitätsnah, weil es präzise der Vorgang war, den ich letzthin mit IK Multimedia-Produkten durchexerziert habe. Im Rahmen eines Group-Buys habe ich die ganze Rompler-Linie zu einem sagenhaft günstigen Preis erwerben können. Was mir zwar grosse Freude bereitet hat, mich konkret aber auch während zwei Tagen mit allem anderen als Musik hat beschäftigen lassen – den obigen Vorgang (ok, ohne meine User-Probleme) durfte ich für sechs Produkte durchführen.
Wenn man jetzt die beiden Listen miteinander vergleicht, merkt man wahrscheinlich, worauf ich hinaus will: Die Schwelle, ein zahlender Kunde zu werden, ist einfach viel zu hoch. Wenn man jetzt auch noch so ein paranoider Old Fart wie ich ist, der findet, dass Flash-Dreck auf einem Studio-PC nix zu suchen hat und deshalb sowohl AdBlock wie auch NoScript im Firefox installiert hat, schafft man es bei IK Multimedia kaum über die Startseite.
(BTW: Flash-Werbung, die der Startseite eines Web-Auftritts vorgeschaltet ist, müsste eigentlich mit Kastration des Webmasters bestraft werden. Oder noch strenger.)
Und wohlverstanden: IK Multimedia sind da bei Weitem nicht die Schlimmsten. Immerhin habe ich hier die Möglichkeit, die Software auf fünf Computern zu installieren, immerhin benötige ich keinen Hardware-Dongle, um mit der Software arbeiten zu können. Und immerhin ist der Support sowohl smart als auch nice. Alles schon anders erlebt.
Was ich hingegen bei IK Multimedia nicht verstehe: einmal gekauft, kann man die Software genau dreissig Tage lang herunterladen. Danach ist Ende Gelände, wobei nicht ganz: durch Zahlung einer klitzekleinen “Bearbeitungsgebühr” erscheint der Download-Link wieder. Ein Schelm, der dabei denken würde, es gehe hier bloss darum, für dasselbe Produkt zweimal abzukassieren und Notfälle beim User (zB das Abschmieren der Festplatte, auf der man das Zeug ursprünglich gebunkert hat) ökonomisch auszuschlachten. Weil, wenn man bedenkt, wieviel so ein Link kostet…
Auch so eine Seuche ist die Geschichte mit dem Weiterverkaufen. Nehmen wir an, ich hätte ein Stück Software erworben. Nehmen wir weiter an, nach einer Weile stelle ich fest, dass ich diese Software nicht wirklich benötige. Nehmen wir zusätzlich an, dass ich auf die Idee käme, die Software deshalb meinem Kollegen zu verkaufen: in den meisten Fällen wird dann eine “License Transfer Fee” fällig, zu entrichten an den Hersteller, für – ja, für was genau? Ich weiss, ich jaule ja selbst immer auf, wenn Software mit Hardware verglichen wird, aber trotzdem: stellt euch vor, ihr wolltet euer altes Auto verticken, ihr fändet auch einen interessierten Käufer, aber am Schluss kommt noch der Autohersteller und hält die Hand auf, weil sie gerne eine “Car Transfer Fee” von euch hätten. Völlig unvorstellbar, oder? Nun, wenn das Auto Software ist, ist dies normal.
Nasse wird jetzt natürlich wieder “Fanboi, Fanboi!!” kreischen, aber es ist halt so: eine der wenigen löblichen Ausnahmen ist hier Cockos (sowie REAPER-affine Entwickler wie Stillwell Audio oder Melda Production). Am Anfang einer langfristigen Geschäftsbeziehung sollte eben nicht das Business stehen, sondern vor allem mal das Vertrauen. Cockos nehmen mich als Kunde und Musiker ernst und vertrauen mir auf eine Art, die mir bei 99.999% aller kommerziellen Software-Klitschen abgeht. Man geht seitens Cockos vorgängig davon aus, dass ich sie nicht bescheisse (in dubio pro Kunde). Man will nicht einen Offenbarungseid von mir, bis ich endlich als würdig angesehen werde, ihr Produkt zu erwerben. Und man jagt mich nicht durch zig Registrierungen, Bestätigungen und Logins, bis ich ihr Produkt endlich auf meinem PC verwenden kann. Download und Installation gestalten sich logisch, effizient und schnell. Und schliesslich gesteht man mir die Reife zu, selbst entscheiden zu können, auf wievielen PCs ich mit dem von mir erworbenen Produkt Musik machen möchte.
Vor allem stellt sich mir die Frage, wozu der ganze Aufwand, wenn man das Zeug sowieso auf den einschlägigen Trackern bekommt, mit einer Installations-Prozedur, die schnell, einfach und kundenfreundlich ist. Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass man die Software nicht vor Raubkopierern schützen will, sondern vor Deppen wir mir, die so blöd sind, für das Zeug tatsächlich zu bezahlen.
To be continued.
Diese Tage wurde schrecklich viel über Thilo Sarrazin geschrieben und er hat auch viel gesagt. Sehr viel sogar. Wir haben für unsere werte Leserschaft die ganze Geschichte handlich zusammengefasst, frei nach Dieter Nuhr:
Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.
Adiömerci.
Habe mich vom Sommer bestens erholt, danke der Nachfrage. Es darf nun wieder geschraubt werden, shall we?
Jüngst hat sich meine wilde Schweizerin über unsere Kaffeemaschine beschwert. Ist mir absolut unverständlich, denn ich mag dieses billige und willige Kolben-Espresso-Teil. Der Kaffee ist gut und knallt ordentlich rein, den von meiner Süssen als zu hoch bemängelten Reinigungsaufwand nehme ich ohne sichtbare Regung in Kauf.
Was mir aber definitiv gegen den Strich ging, war die Alternative, die meine Wildkatze vorgeschlagen hat: Nespresso.
Ja, Nespresso-Kaffee ist gut, ja, der Reinigungsaufwand für diese Kapselscheisser ist easy und natürlich ist der Schorsch ein sympathischer Werbeträger. Was mir aber an dem Vorschlag dermassen auf den Senkel geht, ist Nestlé selbst.
Ich kann diese Firma nicht ausstehen und meide sie, wo es nur geht. Die paar Guttern Nestea, die ich übers Jahr konsumiere, betrachte ich als unvermeidlichen Kollateralschaden, weil es manchmal einfach keine Alternative gibt. Und wenn ich Eistee will, dann will ich das eben und nix anderes. So.
Was mir aber im Bezug auf Nestlé bei der mittäglichen Lektüre des Bundes die Essensklumpen definitiv im Hals hat stecken lassen, war dieses unsägliche Interview, dass dem Inquisitor persönlich, Peter Brabeck, in selbiger Zeitung heute gewährt wurde.
Ich kann diese grosskotzerte Haltung von gewissen Wirtschaftsbossen nicht ertragen. Am besten fand ich ja sein Statement, dass er (=Nestlé) sich auf einer Linie mit Helvetas sieht. Gut, Helvetas ist halt der NGO-Joggeli der Schweizer Wirtschaft, aber Nestlé mit einer wohltätigen Organisation zu vergleichen, ist blanker Hohn. Und, ganz nebenbei, auch ziemlich merkbefreit.
Das sagt sehr viel über das Selbstverständnis dieses selbstherrlichen Menschen, der (oftmals über Tochterfirmen) schon viel Leid über diese, unsere Welt gebracht hat. Stichworte gefällig? Zum Beispiel die Ursupierung von Wasserquellen und die nachfolgende, bewaffnete (!) Behinderung von Einheimischen, sich an den eben annektierten Wasserquellen zu versorgen, wie es diese Einheimischen seit hunderten von Jahren getan haben. Oder Milchpulver in China. Oder oder oder. Es nimmt kein Ende.
Solche Sachen machen mich rasend, da könnte ich vor Wut kotzen. Dass Nestlé jetzt Brasilien beim wirtschaftlichen Aufstieg “hilft”, macht die Sache zwar nicht besser, aber zum Glück ist Brasilien weit weg von hier. Ist zwar ein schwacher Trost, aber immerhin.
Die Lektüre dieses Interviews sei jeder und jedem empfohlen, nur vielleicht nicht gerade beim Essen. Aber auch nicht auf nüchternen Magen, das wäre wohl ein bisschen zu derb.
Nun gut, Herr Brabeck ist nicht der einzige Träger von Testikeln, der offenkundig an der eigenen Macht und Selbstherrlichkeit krankt.
Tony Blair, seines Zeichens selbst deklarierter Beseitiger von Aids und Irakischen Massenvernichtungswaffen, hat seine Memoiren veröffentlicht. Und er hat nicht mit Hohn gespart, dieser bleichgesichtige, Porridge fressende, Insel bewohnende Schleimscheisser. Natürlich sind auch immer dann, wenn etwas versaut wurde, die anderen Schuld, egal ob es um Terrorismus (Al Quaida), den Britischen Staatshaushalt (Tories) oder die EU (Frankreich, Deutschland, Griechenland etc.) geht.
Für so viel Eigenlob und fehlende Einsicht gibt’s von uns nicht mal Daumenschrauben, sonder nur ein schnoddriges, mit viel Spucke versehenes fuck you!
Welch gutes Stichwort, denn unser liebster Dorftrottel, George Dabbeljuh Bush, steht ja offenbar kurz vor der Vollendung seiner Memoiren. Er verspricht intime Einsichten zu Themen wie Entscheidungen treffen, die Zeit als Alki, die Genesung und der darauf folgende Glauben und noch viel mehr. Das wird sicher spannend, denn jemand, der von sich sagt “i think i’m being misunderestimated” oder solche Blüten wie “i’m the decider“ von sich gibt, kann nur einen enormen Unterhaltungswert versprechen. Wir freuen uns darauf.
Derweil vertörlen wir uns die Zeit bis dahin mit dem brillianten Robin Williams, der 2008 bei “We are most amused” eine affengeile Performance abgeliefert und mir dabei die vorigen Statements vom Schorsch Dabbeljuh vorgelegt hat:
Last but not least noch eine kleine Empfehlung kulinarischer Natur: beim Sushi House Wasabi gibt’s das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei Sushi in Bern. Und ihr Wasabi knallt rein wie sonst was, Himmel, was mag ich das Zeugs. Ach ja, die nette, junge Verkäuferin, die heute charmant am Tresen stand, ist noch um einiges ansprechender als die gesamte Auslage dieses tollen Ladens. Dies aber nur nebenbei.
Mahlzeit!
Wir waren da ja in Schweden, auf Urlaub. Hat ein bisschen länger gedauert, sorry.
Zurück in der Heimat merke ich, dass sich dieses eher träge, langweilige Land in der Zwischenzeit zu einer freudigen, dynamischen Irrenanstalt entwickelt hat. So musste ich feststellen, dass der Bundesrat, vor einem halben Jahr noch eine uneinige, streitlustige, inkompetente und handlungsunfähige Selbsthilfegruppe, mittlerweile seine zwei grössten Probleme angepackt hat und auf dem Weg ist, in absehbarer Zeit eine Lösung zu finden. Das ist ja schonmal gut. Es foutiert mich auch nicht wirklich, wenn ich in Zukunft von einer Frauenmehrheit regiert werde. Konkret ist dies für mich seit bald zwei Jahrzehnten der Normalzustand und ich kann der Grinsekatz vom Leman hier versichern, dass dieser Zustand auch für Männer durchaus Vorteile hat. Was mich aber stutzig gemacht hat, ist die Aussage diverser Medien, einer Frau, die sich in den Bundesrat wählen lassen wolle, käme wohl “das Geschlecht in die Quere”. Hier muss ich doch die anatomischen Kenntnisse einzelner Schurnalisten in Frage stellen und auf eine entsprechende Weiterbildung pochen. Alternativ könnte man natürlich auch von intimem Insiderwissen einzelner Schurnis ausgehen und sich die Frage stellen, ob… nein, sorry, aber ich möchte heute noch etwas essen, herzlichen Dank.
Anderes Beispiel: Man hat es ja im ganzen In- und Ausland gelesen: die Schweiz führt die Todesstrafe ein! Nein, tut sie natürlich nicht. Für unsere ausländischen Freunde, hier als kleine Guideline, wie politische Meinungsäusserungen in der Schweiz zu gewichten sind:
Die lustige Idee mit der Todesstrafe ist ja nun knapp über Stufe 1 zur Furzidee verkommen, von dem her kann man sich trefflich darüber bespassen. Aber wichtig ist die Aktion der Initianten schon, weil sie die Debatte neu lanciert hat. Nicht diejenige über die Todesstrafe (ey, hallo?!?), aber doch darüber, ob man das Initiativrecht an eine Zurechnungsfähigkeitsprüfung der Initianten koppeln solle. Die Debatte sei hiermit eröffnet!
Ihre Meinung bereits gut überlegt und kundgetan im 20Min vom 25.8. hat Christine Burgassi-Spears (19) aus Hombrechtikon ZH:
Ich finde sie [die Todesstrafe] gut. Heute kommen viele Mörder bloss ein paar Jahre ins Gefängnis und lernen daraus nichts.
Nein, ich möchte nicht Christine sein. Aber noch viel weniger möchte ich ihr Freund sein, der dieses Statement morgens auf dem Weg zur Arbeit liest und spontan eine Kosten-Nutzen-Rechnung zwischen originellem Sex und “nicht wegen meiner Freundin ausgelacht werden” aufstellt. An seiner Stelle würde ich mal einen sexy Namen für meine rechte Hand brainstormen. Aber es ist ja seine Entscheidung.
Und apropos Statement: ich las diese Woche, dass Claudia Schiffer 40 geworden ist – ich gratuliere herzlich, du alte Sau! Ich darf der Claudia übrigens mit Fug und Recht “alte Sau” sagen, weil nächstes Jahr werde ich ja selbst eine. Aber eben, Statement: da wurde in irgend so einer Journaille (ich finde den Mist ums Verrecken nicht im Netz, sorry) gefragt, was sie, die Frau Schiffer, denn für die Umwelt tue. Und zur Antwort gab die Schifferin, dass sie gerne weniger Wäsche kochen würde. Frau Schiffer zeigt hier also, nebst einer schon beinahe übermenschlichen Sorge um unsere Umwelt, dass sie durchaus auch eine intellektuell-philosophische Seite hat, indem sie die Regel, aus dem Sein dürfe man kein Sollen ableiten, in eine neue Dimension erweitert. Chapeau!
Viele Entscheidungen standen auch bei der selbsternannten “Partei des Mittelstands” an. Die Halleluja-Brüste dürfen jetzt ja leider nicht Bundesratten werden, der kleine Fuchs darf nicht mehr im Stadtrat sein (das glauben wir hingegen erst dann, wenn wir es sehen) und im nachhinein hat man gemerkt, dass die Hauptzielgruppe des bunten Fragebogens von selbigem weit überfordert wurde. Echt jetzt, liebe SVP-Schefstrategen, meint ihr wirklich, eure Wähler könnten mehr als zehn Wörter pro Seite lesen?
Apropos kleiner Fuchs: der ist jetzt sogar Titelheld eines schönen Liedes. Und not very amused. Was wiederum erstaunt, da er doch sonst jede Gelegenheit, Medienthema zu werden, freudig nutzt, unter anderem eben auch das Patronat der einen Halleluja-Brust, ihrerseits der Spasspolitik in keinster Weise abgeneigt. Und wer jetzt “Fake!” und “inszeniert!” schreit, soll ruhig sein, weil als einem der kleine Fuchs vom grossen an Bauernzmorgen als Bettgenosse vorgestellt wurde, da war der kleine Fuchs ja bloss der kleine Hess, den man noch nirgends kannte. Und ipso ergo facto irrelevant.
Zum Erich Dschei und seinen aufrechten Patrioten passt ja auch noch eine Entdeckung, die Hase letzthin gemacht hat, und zwar auf der Schachtel ihrer Slipeinlagen. Da steht nämlich, dass diese ein Verfalldatum haben. Ich muss jetzt ein bisschen ausholen und anmerken, dass Hase das Erreichen des Verfalldatums eines Produkts nicht als “ablaufen” bezeichnet”, sondern als “nicht mehr gültig sein”: das Joghurt mit der lustigen grünen Pelzmütze ist also “nicht mehr gültig”, genauso wie das Libero-Abi vom fähndrigen Jahr. Aber item. Der Punkt ist, dass Hase entdeckt hat, dass auch ihre Slipeinlagen ein Ablaufdatum haben, also irgendwann den Zustand erreichen, wo sie “nicht mehr gültig” sind. Man stelle sich das mal vor. Was, so fragten wir uns, passiert, wenn man das weibliche Genital in Kontakt mit ungültigen Slipeinlagen bringt? Explodiert, wie von Hase (!) angeregt, gleich die ganze Frau oder bekommt man bloss unangenehmen Besuch von der Slipolizei? Man weiss es nicht.
Und wie wir schon beim weiblichen Genital sind: das Wort “Vuvuzela” hat es ja scheints in den Oxford Dictionary geschafft, was saublöd ist, weil ich nach wie vor drauf bestehe, dass das Ding “Vuzulela” heisst, weil es so einfach phonetisch und vom Duktus her besser klingt. Das Wort meine ich jetzt; die Tröte klingt genau gleich, völlig gleichgültig, wie man sie nennt.
Ah, und übrigens: Müslüm, ich will ein Kind von dir!
Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unserer fiebrig-heissen Kolumnen, die aktuell überall kleben bleiben. Sommer, halt. Also, wo um Himmels Willen soll ich bloss anfangen?
Beim Oskar. Freysinger. Der alte Knallkobb aus dem hüere schönen Wallis mit dem gewissen Flair für Mystik und lustiger Politik. Er ist stinkig auf seine glatten Zürcher Parteikollegen und will jetzt eine Art Fraktion innerhalb der SVP gründen, die bei ihren einmal gefällten Entscheiden bleibt, so aus demokratischen Überlegungen heraus. Damit die Politik vor den einfachen Leuten glaubwürdig bleibt.
Ich verstehe zwar jetzt nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat, aber ich habe ja auch nicht mit dem Oski darüber gesprochen, was er sich da ausgedünkt hat. Zudem war ja er derjenige, der im Wallis so quasi die Zürcher Methoden eingeführt hat. Oder bin ich da wieder völlig falsch gewickelt? Die Wahrheit ist irgendwo da draussen.
Die E3 ist wieder mal über die Bühne gegangen. Ein irres Spektakel, dessen Rahmenprogramm heuer offenbar besonders opulent ausgefallen ist. Nun ja, unsereins hat natürlich die Sache ein bisschen verfolgt und wir sind ein klitzekleines bisschen enttäuscht. Noch selten sind so viele FPS angekündigt worden, und man scheint sich gegenseitig mit Blut und Tränen überbieten zu wollen.
Nicht, dass ich plötzlich mit Pixelgewalt ein Problem hätte. Nicht, dass ich plötzlich einen Mechanismus entdeckt habe, der irgendwie neu oder bisher nicht wahrnehmbar gewesen ist.
Vielmehr ist mir aufgefallen, dass die kommenden Spiele, die sich nicht zu gefühlten 95 Prozent mit gegenseitiger Meuchelei und dergleichen beschäftigen, heuer recht selten sind. Es gibt nur wenige Highlights abseits der doch schon recht ausgetretenen Ballerpfade.
Zudem sollen wir uns jetzt alle vor unseren Konsolen bewegen, mit Move und Kinetic. Sorry, liebe Sony und MS, aber Nintendo war zuerst, und das vor laaaanger Zeit. Und hat es bis jetzt am besten gemacht, denn ohne etwas in der Hand finde ich gamen saudoof (MS), und mit einem Objekt, das aussieht wie ein Mikro mit integrierter Fisting-Funktion (Sony), möchte ich nicht gesehen werden.
Nun denn, vielleicht werde ich nur alt und bin schon ein bisschen eingetrocknet, was bei dem Wetter auch kein Wunder ist.
So sei es. Gehet hin und habt warm.
Ja, wir leben noch. Auch wenn der Rhythmus unseres Geschreibsels zuletzt etwas zu wünschen übrig gelassen hat.
Egal, denn im Prioritäten setzen waren wir schon immer gut.
Apropos Prioritäten setzen, nachdem die in Schweizer Besitz befindliche Ölplattform Deepwater Horizon abgegluckert ist und den mexikanischen Golf inklusive Küsten schön einölt, könnte jetzt eine Schweizer Firma Abhilfe schaffen. Man ist da scheinbar zuversichtlich.
Komisch, irgendwie fühlen wir uns ein bisschen an die übliche CH-Kriegsgewinnlerei(TM) erinnert. Ein Schlingel, wer böses dabei denkt…
Denken ist ein gutes Stichwort. Wir sind immer wieder mal überrascht, wie die Jesus-betrunkenen Polit-Kreuzritter gelegentlich von den Kollegen der SVP in Sachen Hirnakrobatik rechts überholt werden.
Unsichtbare Freunde hin oder her, das hier stellt doch einiges in den Schatten, obwohl es in der Schweizer Politik an Dummheiten zuletzt kaum gefehlt hat. Respekt, solch gequirlte Scheisse muss man im Denkstübchen erst mal hinkriegen.
Diskussionen über Fussbälle oder Plastiktröten sparen wir uns an dieser Stelle, da faktisch kein Interesse vorhanden. Ich finde Vuvuzelas aus Metall eh besser, die kann man wenigstens als Rauchinstrument benutzen.
Olé.