Archiv für die Kategorie ‘Gottheit des Monats’

Anbetungswürdig: Chernobog

Ui, fast hätte ich es vergessen, die Gottheit des Monats ist ja überfällig!

Chernobog

Chernobog (künstlerische Interpretation)

Chernobog (künstlerische Interpretation)

Heute stelle ich euch einen Gott vor, der es nicht leicht hat. Schon nur sein Name: dieser gemahnt einerseits an eine Atomreaktor-Katastrophe, andererseits an ‘Blog’. Beides ist nicht mehr wirklich hot & trendy. Folgerichtig ist Chernobog (auch Crnobog, Czernobóg, Černobog oder Zernebog genannt) auch der Schwarze Gott der Dunkelheit, der in ewigem Zwist mit dem Weissen Gott der Güte, Byelobog, liegt. Wobei hier zu sagen ist, dass vermutet wird, beide Götter seien nur die verschiedenen Ausprägungen ein und desselben Gottes. Klingt schizo, ist es wohl auch, aber das ist eben so, wenn man ein Gott ist.

Er hat es auch nicht so einfach im Moment, weil er ein slawischer Gott ist. Was aus dieser Ecke kommt hat ja generell mit Vorurteilen zu kämpfen. Wir können an dieser Stelle aber beruhigen: Chernobog ist weder Raser noch Sozialschmarotzer. Nicht mal exotische Dämpfe kommen aus seiner Küche. Chernobog ist somit als Beispiel für eine gelungene Integration anzusehen.

Nebst unter seinem Namen, der nebenbei gesagt für eine Black Metal Band vorzüglich ist, leidet er auch darunter, dass es ausser christlichen keine Quellen über ihn gibt. Logischerweise ist alles, was über ihn geschrieben ist, tendenziell negativ-propagandistisch besetzt.

In einer dieser Propaganda-Schriften steht beispielsweise geschrieben, Chernobog werde eigentlich gar nicht wirklich angebetet. Stattdessen wird bei Festen ein Kelch herumgereicht und alle anderen Götter werden in Chernobogs Namen verflucht. Egal ob Propaganda oder nicht – I dig your style, Cherny!

Chernobog ist ein gerne gesehener Gaststar in diversen Medien. So hatte er schon Auftritte in verschiedenen Videogames, Filmen und Büchern. Erstere machen öfters einen Levelboss aus ihm, was alleine schon zeigt, dass er uhuere rüdig kann, wenn er denn nur will.

Vorteile

  • Es gibt kaum Quellen über Chernobog, man kann sich also seinen ganz persönlichen Gott basteln.
  • Gottesdienst besteht primär aus dem Verfluchen anderer Götter. Einfacher gehts nun wirklich nicht.
  • Slawische Götter sind momentan gross im Kommen. Wer Wert auf Trend legt, liegt bei Chernobog absolut richtig.
  • Als Gamer hat man öfters das Vergnügen, seinem Idol in Videospielen zu begegnen. Wieviele Christen oder Muslime können das schon von sich behaupten?

Nachteile

  • Kann sein, dass man ganz, ganz böse sein will, ergo den Chernobog anbetet und plötzlich merkt, dass man bloss der bösen Seite vom lieben Byleobog angehangen ist. Schön dumm gelaufen.
  • Chernobogger haben damit zu kämpfen, mit ukrainischen Strahlenopfern verwechselt zu werden, die im Internet ihre Schädigungen beklagen.
  • Kann sein, dass man bloss christlicher Propaganda auf den Leim geht und es Chernobog gar nicht gibt. Haben ja Erfahrung mit nicht-existierenden Göttern, diese cheiben chogen Christen.
  • Kenntnisse mindestens einer slawischen Sprache werden für den Anbetenden empfohlen.

Weiterführende Links




Anbetungswürdig

Mit diesem Artikel möchten wir eine kleine Serie ins Leben rufen, die “Gottheit des Monats”. Worum geht es?

Oft kommt es vor, dass unsere Gebete nicht erhört werden. Oder dass sie falsch erhört werden – man erinnere sich zB an den Mist, den das Christkindli mit den von uns in mühevoller Kleinarbeit geschriebenen Wunschzetteln angerichtet hat. Oft ist es auch so, dass man auf einer Hostie herumkaut und irgendwie den ollen Jesus-Flavour nicht mehr so wirklich diggt. Eine neue Gottheit muss her, aber welche? Es gibt tausende von Gottheiten, die nur darauf warten, angebetet zu werden! Welche ist nun die richtige für mich?

Mit dieser Rubrik bieten wir unserer werten LeserInnenschaft die Möglichkeit, eine neue Gottheit zu erwählen, falls die alte nicht mehr funktioniert oder einfach nicht mehr so gut riecht. Wir verstehen diesen Service als  echte Lebenshilfe und versuchen so, wieder vermehrt traditionelle Werte in den Mittelpunkt zu rücken.

Da in diesem Blog eine gewisse Affinität zur nordischen Kultur erkennbar, der Winter schon spürbar näher gerückt und sein Name so derart geil ist, wählen wir zur Gottheit des Monats Oktober:

Hod

Hodur (links), mit Loki als Blindenhund

Hodur (vorne), mit Loki als Blindenhund

Der nordische Gott der Dunkelheit und des Winters, auch als “Hodur” bekannt, freut sich immer über neue AnhängerInnen und Anhänger. Er hat zwar eine schlechte Reputation, da er seinen Zwillingsbruder Baldur umgebracht hat, konnte sich vor Gericht aber damit herausreden, dass er von Loki zu dieser Tat angestiftet wurde.

Hod sorgt während dreier Monate für das Gedeihen der Heizölbranche und ist zuständig für die weisse Kacke vom Himmel, die innert Sekunden zu braunem Matsch wird. Seit Brudermorde aus der Mode gekommen sind, vertieft sich Hod In seiner Freizeit gerne in Hörbücher. Hod mag Bernerplatte und Gurkensalat, sowie lange Strandspaziergänge. Die warme Jahreszeit verbringt er meist in einem kalifornischen Blindenheim.

Vorteile:

  • Muss nur während drei Monaten pro Jahr angebetet werden.
  • Ist blind; Aufbrezeln vor dem Gottesdienst entfällt also.

Nachteile:

  • Sich selbst als “Hodist” zu bezeichnen löst in Gesellschaft zuverlässig Lachkrämpfe aus.
  • Keine offiziellen Feiertage.