Archiv für die Kategorie ‘Elfen&Co.’

Das wird ja mal wieder was

Verleser der Woche:

  • “Lady Gaga most influential artist in the world”

Ach so, nein, ich dachte hier bloss, das wäre ein Verleser gewesen. Beziehungsweise: es war wohl mein Wunschdenken, das mir gesagt hat, dass dies bloss ein Verleser war. Und mit dem Wunschdenken, das weiss man ja, ist das immer so ein zweischneidiges Schwert.

Das wird auch Nadine Masshard noch merken, ihres Zeichens im Herbst Kandidierende für den Nationalrat. Frau Masshard hat einen Haufen Kollegen zusammengetrommelt und einen tollen Werbefilm ins Internetz gestellt, bei dem man sich das Zürcher SP-Zebra wieder sehnlichst herbeiwünscht. Immerhin konnte das Zebra (wenn auch nur züri-)deutsch und immerhin wirkte das Zebra nicht ganz so hirn- und blutleer wie die DarstellerInnen des Masshard’schen Werbefilmchens.

Fragen, die sich beim Betrachten des Films spontan stellen:

  • Warum einen englischen Werbefilm für eine deutschschweizer Kandidatur?
  • Wenn schon Englisch – warum ein derart beschissenes?
  • Wie schafft es der asexuelle Symbolmann, dass er seinen Espresso vom körperlosen Barista zugeworfen bekommt, kaum hat er die Bar betreten?
  • Ist Nadine Masshard der Schweizer George Clooney?
  • Wenn ja – wo ist das Schweizer Gegenstück zu Elisabetta Canalis?
  • Wo ist John Malkovich?

Aber wir wollen den Film jetzt nicht weiter rezensieren, es gilt ja schliesslich nach Fukushima: Hauptsache “äckolotschikäl”.

Letzthin erzählte mir jemand von jemandem, dem vom Chefredakteur eines der einflussreichsten Print-Magazine der Schweiz “lebenslanges Schreibverbot in dieser Publikation” ausgesprochen wurde. Jetzt mal ernsthaft: wie verdammt endgeil ist das? Wenn ich wählen könnte, ob ich zB lieber in der “New York Times” publizieren oder von selbiger ein lebenslanges Publikationsverbot ausgesprochen bekommen wolle, ich würde keine Sekunde zögern, mir das Verbot schriftlich bestätigen lassen, es rahmen, mit mir herumtragen und es hegen und pflegen und stolz jedem zeigen, der mir auf der Strasse begegnet, unabhängig von dessen Wille oder Kooperation.

Stellt euch doch mal nur folgende Visitenkarte vor:

Dschango Beinhart
Autor

(Hat lebenslanges  Schreibverbot in der “Weltwoche”.)

Oder, noch besser:

Dschango Beinhart
Autor

“Welches VERDAMMTE ARSCHLOCH hat dem ÜBERHAUPT  eine Kolumne gegeben?!?”
(R. Köppel)

Sorry Leute, gebt mir Whirlpools voll Koks, schnelle Autos, vierzig Jungfrauen, ein Pferdegestüt und dazu noch Roger Federer als persönlichen Balljungen – ich würde alles zurückweisen, dürfte ich mich stattdessen mit so einer Visitenkarte schmücken.

Was damit nur sehr weit aussen am Rande etwas zu tun hat, ist, dass ich und mein Schurni-Kumpel neulich merkten, dass wir beide eine gleiche Beobachtung gemacht haben. Und zwar insofern, als dass immer mehr Leute, wenn sie doch eigentlich von sich selbst erzählen, in der dritten Person berichten: man ist frustriert, man war extrem schockiert, man musste sich am Riemen reissen, wenn es doch eigentlich das Ich ist, das da seine Seele ausbreitet.

Des Schurnis These war, dass das unpersönliche “man” als  emotionale Notbremse dient, um eine gewisse Distanz zwischen dem Erzählten und dem Erzähler zu bringen. Dies vor allem bei Geschichten, die für den Erzähler schwierig zu akzeptieren sind, tief in seinem Innersten wühlen und leichter aus der Distanz des Beobachters wiederzugeben sind. Gleichzeitig, so merkte er an, gleichzeitig dient das “man” auch als Berufung auf eine Authorität: wenn ich beim Fischen Regenwürmer gegenüber Mehlwürmern bevorzuge, ist das eine Meinung. Wenn man Regenwürmer nimmt, ist es allgemein anerkannter Fakt. Er ergänzte seine Beobachtung mit der Bemerkung, dass er dieses Verhalten vor allem von mittelständischen Agglomerations- und Talschaftsbewohnern her kennt.

Die Beobachtung des Phänomens an sich konnte ich bestätigen, jedoch fällt mir diese Tatsache vor allem im Umfeld von Doku-Soap-Prolo- und sonstigem Infotainment-TV-Müll auf. wo man halbstundenweise mit indirekter Rede belästigt wird, dabei geht es doch eigentlich um den Erzähler, vom Erzähler selbst erzählt. Subjekt ist das Stichwort hier, direkte Rede. Meine These war also, dass dies eine Art sprachliches Mem darstellt, das, einmal spontan aufgetreten, sich nun über die TV-Netze verbreitet und damit traurigerweise Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch findet.

Gut, ich verbringe jetzt, sagen wir mal, deutlich weniger Zeit in bäuerisch geprägten Agglomerationsgemeinden als mein Schurni-Kumpel. Konkret verbringt er ungefähr gleichviel Zeit in Hägerfultiwolfenosterkringen wie ich im Prolo-TV. Genauer: bei der Betrachtung desselben. Und nur so kann ich mir erklären, dass ich meinem Schurni natürlich Recht geben muss (so ein Studium lohnt sich hin und wieder eben schon!), weil mir der klassische Fehler unterlaufen ist, dass ich Ursache (wut ze Schurni sed) mit Wirkung (Prolo-TV) verwechselt habe.

Eieieieieiei. Da hat mir wohl der Kulturzyniker in mir einen Streich gespielt.

Dasselbe ist wohl auch der Knalltüte passiert, die – wie so viele Knalltüten vor und wohl noch unzählige nach ihr – den Weltuntergang vorhergesagt und ihn anschliessend wieder verschoben hat.

Wirkung: Weltuntergang.
Postulierte Ursache: Gott.
Tatsächliche Ursache: Wunschdenken.

Autsch, und schon steckt man in der argumentatorischen Zwickmühle. Besagte Knalltüte hat jetzt nochmal nachgerechnet und den Weltuntergang auf Oktober verschoben; letztes Wochenende hat einfach mal das Jüngste Gericht begonnen, wo Jesus die Schafe von den Böcken trennt. Und wenn man sich mal anschaut, wie lange so Prozessvorbereitungen schon nur auf Erden dauern können, wo es im Vergleich zum Richten über die gesamte Menschheit nur um Pipifax geht, kann man sich vorstellen, dass das schon ein paar Wochen in Anspruch nehmen kann, bis die da soweit sind und mal die paar ersten verdammen können. Also: Geduld ist angesagt.

Meine Theorie ist ja, das der Apokalypt einfach auf Zeit spielt. Getreu dem Motto: die Welt, das bist du. Und die Welt geht dann unter, wenn du untergehst. Hach, jetzt werden wir aber arg philosophisch hier, das hält auf Dauer ja keine Sau aus. Welche uns über Umwegen zu unseren vierbeinigen Freunden bringt.

Diese Annonce, gefunden in der Länggasse, bekommt den soeben geschaffenen  “Dschango lacht sich an der Busstation den Ranzen kaputt und kriegt sich nicht mehr ein”-Award, mit Zusatzpunkten in den Sparten Kreativität und Lolwut:

Das kommt eben davon, wenn man die Schöpfungslehre zum Pflichtfach macht...

Sieht asiatisch aus, ja, aber Vorsicht!

Würde dort tatsächlich eine Telefonnummer stehen, ich täte ja sowas von anrufen und wenn schon nicht die “Katze” abholen, so doch einen Kasten Bier spendieren.

Und wenn wir schon in der Tierwelt angelangt sind: letzthin musste ich mich über meinen Hasen ja sowas von ärgern. Beim Gang aufs WC stiess ich mir nämlich den Fuss am Altpapierständer, weil sich dieser auf der Wegstrecke zum WC befindet und meine Wenigkeit mit viel Elan und wenig Aufmerksamkeit um die Ecke geschossen kam. Keine Sorge, bis hierhin ist Hase noch komplett unschuldig und mein Ärger bezog sich da noch auf die Massenträgheit von Altpapierständern und fehlende Knautschzonen an Füssen. Beim Reiben meiner Extremitäten, hilflos am Boden liegend, fiel mein Auge aber auf den Altpapierständer, und was musste ich da, lieblos weggeworfen, entdecken? Den Jahresbericht 2010 der Zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern!

Manchen wird nun immer noch nicht klar sein, warum ich Hase in der Folge zürnte, deshalb helfe ich euch auf die Sprünge. In besagtem Jahresbericht nämlich, da steht einiges an Interessantem und Wissenswertem. Beispielsweise steht da, dass im 2010 an der Klinik für Zahnärtzliche Prothetik eine Dissertation abgeschlossen wurde, die den folgenden schönen Titel trägt:

Untersuchung zur Zementierung von Einzelzahnimplantatkronen unter Berücksichtigung des Abutmentdesigns: Haftkräfte von zehn Zementen bei Implantatrekonstruktionen nach 48-stündiger Lagerung in 0.9%iger NaCl-Lösung bei 37°C: eine In-vitro-Studie.

Hallo? Wie geil ist das denn? Davon muss die Welt doch wissen! Es kann doch nicht angehen, dass solche Informationen einfach mir nix, dir nix, im Altpapier verschwinden! Alleine das Wort “Abutmentdesign”: gäbe es das Wort nicht bereits, man müsste es dringend erfinden!

Nun steht aber das Wochenende vor der Tür (bzw, es ist bereits in der Wohnung und fläzt auf dem Sofa) und ich möchte, um oben beschriebenen Ärger zum Vorteil aller Betroffenen etwas zu mildern, noch ein pikantes Detail aus des Dschangos amourösem Nachrichtenverkehr erzählen. Neulich smste (so sagen die Jungen heute doch, oder?) ich Hase nämlich den folgenden Text:

bi hüt im studio, ha do so ne hookline, womer nüm usem gring goht…

Antwort von Hase:

was o immer e hookline isch, houptsach si het keni brüscht, de hesch mi säge…

Fragt sich noch irgendjemand, warum ich diese Frau liebe?




Nageln am Hasentag

Top-Verleser diese Woche:

  • “biblezone” statt “mobilezone”

Es muss daran liegen, dass die Christen mal wieder ihren Gott an die Latten genagelt haben, was am Freitag ja bekanntlich geschehen ist:

Und jetzt alle!

Da geht es mir schon bedeutend besser, weil mein Gott kam am Freitag persönlich nach Bern in den Dachstock und rockte das verdammte Haus. Jawoll, Beardyman war bei uns und ich hatte die Kaoss-Pads Gottes ungefähr 50 Zentimeter vor meiner Nase. Es war die Sensation, auch wenn man den Eindruck hatte, dass Beardy nicht wirklich topfit war – die Interaktion war auf ein Minimum beschränkt (“put your hands up in the air” und “make some noise” in der Endlossschleife), was daran gelegen haben mochte, dass das bescheuerte Berner Publikum auch nach der zweiten Erklärrunde nicht in der Lage war, des Künstlers Namen ordentlich zu schreien. Für alle deshalb nochmal zum Mitschreiben: er heisst weder “Birdyman” (*tschilp*) noch “Beerdyman” (*glugg*) – got it?

Aber mit diesen ausländischen Sprachen ist es halt ein weites Minenfeld. Das musste auch der Bund-Schurni erkennen, der auf die Veranstaltung hinzuweisen sich bemühte. Ist ein Ane Hebeisen, seines Zeichens immerhin ehemaliger Gesangsbrüller der damals noch kongenialen Swamp Terrorists und Pionier in Sachen Sampling, zu uninformiert, zu gestresst oder einfach zu blöd, um 2 Sekunden Recherche zu betreiben und herauszufinden, dass des bärtigen Mannes Instrumente eben nicht Chaos-Pats (Chaos-Tätschler? WTF?), sondern Kaoss-Pads heissen? Was zugegebenermassen der Welt scheissegal ist und höchstens die Korg-Marketingabteilung und Nerds wie mich zu mehr als 2 Sekunden Nachdenken bringt.

Apropos Nerd: so einer war ja auch die Vorgruppe namens NEMOY. Ein verfetteter auch noch, der wahrscheinlich im Keller vom Mami haust und dort den lieben langen Tag Instrumente quält. Und das tut er gut! Der Mann schaffte es, in einem Set, das die hundertachzig Tage von Sodom in gefühlter Echtzeit abbildete, ganzganz viele Instrumente ganzganzganz schlecht zu spielen, und damit extrem langweilige Songs zu produzieren. Überraschende Momente gab es immer dann, wenn wieder mal ein Timing danebenlag (öfter) oder ein Sample ins Kraut schoss (ständig). Fehlendes Können wurde virtuos mit übersteuerten Bässen kompensiert, es war also ein eher zweischneidiges Vergnügen. Konsequent erhielt der Künstler auch immer am Ende eines Songs wahnsinnig viel Applaus, das lag aber daran, dass die Leute jedesmal meinten, die Qual hätte nun ein Ende. Der fette Nerd (übrigens sexy im Synthetik-Rollkrägeler – wirklich ein Outfit, das optimal zu jedem Körper und jedem Mass an individueller Schweissabscheidung passt) hatte aber mehr Ausdauer, als alle meinten. Kurz, bevor er von der Bühne geholt wurde, hörte er dann aber doch noch auf, was reihum als provisorischer Höhepunkt des Abends interpretiert wurde.

Übrigens kam der obligate Dachstock-Besucher, der mir jedesmal ein Bier übers T-Shirt leert, am Freitag nicht. Wahrscheinlich hatte er etwas besseres zu tun, Götter nageln oder so. Ist ja jedem unbenommen. Aber zum Glück hatte er eine Urlaubsvertretung geschickt, nämlich den obligaten Dachstock-Besucher mit üblen Blähungen, der das ganze Konzert vor mir steht. Konstante Begasung, gepaart mit opto-akkustischer Folter durch NEMOY – ich sage euch, sowas halte ich nur und ausschliesslich nur für Beardyman durch.

Oder für Hasengötter, selbstredend. Dass das Frühlingsfest der Ostera von fundamentalistischen Christen zu einem alternierenden Jammer- und Jubelfest umfunktioniert wurde, darüber kann man als aufgeklärter Zeitgenosse ja noch schmunzelnd hinwegsehen. Es ist aber definitiv genug der eitlen Possen, wenn Kleriker dem Hasen-Evangelium die Gültigkeit versagen:

Wer Ostern auf den Hasen reduziert, verliert diese Hoffnung auf ein Leben, das auch im Tod Bestand hat.

Der hat ja keine Ahnung – wie sollte er auch? Als ordentlicher Katholen-Kasperl wird er ja wohl keinen Hasen haben, bzw nur einen unsichtbaren, oder einen, von dem niemand wissen darf, schon gar nicht dann, wenn der Hase männlich und/oder minderjährig sein sollte. Also, Herr Stadtdechant, bei dessen Titel ich mehr an “dekantieren” denn an predigen denken muss, was aber wohl im Sinne des Worterfinders sein möge, das nächste Mal muss das Motto lauten, sich erstmal gründlich über Hasen zu infomieren, bevor man gross die Klappe aufreisst und der Welt zeigt, dass man genau überhaupt nichts verstanden hat. Man könnte auch mal vorgängig jemanden fragen, der was davon versteht. Soweit klar? Gut!

(Nebenbei: versteht jemand das obige Zitat? Ein Leben, das im Tod Bestand hat? Are you fucking shitting me?)

Aber zurück zu Göttern, die an Kreuze genagelt werden. Hase hat mich vorhin gefragt, warum man denn am Karfreitag eigentlich Fisch essen müsse und ich wusste da keine vernünftige Antwort drauf. Klar, Freitag ist sowieso Fischtag, weil Fasten und Leiden und Ohjeohje und so, aber warum ausgerechnet Fische? Macht irgendwie keinen Sinn.

Ich musste also Hase recht geben: am Karfreitag wäre das rituelle Verspeisen von Holzwürmern wirklich angemessener.




Politik mit Bart: schlecht! Beatboxer mit selbigem: gut!

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich sowas mal sage bzw schreibe, aber im Moment ist die SVP von allen bürgerlichen Parteien wohl die einzige, die zumindest eine in homöopathischen Spuren erkennbare Form von Eiern zeigt.

Es ist ja schön und gut, dass jetzt alle plötzlich die grüne Spitzwende machen. Aber nimmt das irgendjemand überhaupt noch ernst? Während sich AKW-Betreiber auf den Standpunkt stellen, jetzt bezüglich Atom-Ausstieg ja nicht voreilige Schlüsse zu ziehen, sind die Meinungen bezüglich Nicht-Ausstieg und Sicherheit längst schon gemacht. Bundesrätin Leuthard tanzt im Viereck und präsentiert uns beinahe täglich eine neue Vision der zukünftigen Energiepolitik, die sich nur in dem einen Punkt überschneiden, dass man ja keiner Lobby weh tun möchte.

Dann schon lieber wie die SVP: wenn man merkt, dass man Scheisse erzählt hat, ist die beste Strategie, erstmal die Fresse zu halten und den Sturm an sich vorüberziehen lassen. Anstatt sich mit Me-Too-Appeasement dem gedrehten Meinungswind anzupassen, bleibt sich die SVP treu und macht das, was sie am besten kann: Angriffe auf die Demokratie, unter dem Deckmantel der (natürlich exklusiven) Wahrung der Volksrechte.

Klar ist, dass der Fukushima-Effekt spätestens mit dem nächsten Hitzesommer, dem nächsten Fleischskandal, dem nächsten nahöstlichen Diktatorsturz oder der nächsten provinzpolitischen Posse hinweggespült werden wird. Spätestens im Herbst, wenn Parlamentswahlen anstehen, wird sich der realpolitische Amnesieschleier wieder erfolgreich über die Bedenken und Sorgen der Bürger legen und man wird wieder diejenigen Lobbyisten wählen, die einem das altbewährte Evangelium vom “auch du könntest morgen Milliardär sein” herunterbeten. Mühleberg wird noch ein paar Stahlklammern mehr bekommen, statt Gadaffi wird ein neuer Diktator mit Waffen und Know-How versorgt und den Rest der Bevölkerung wird primär interessieren, ob die leckeren Sushi von der Strahlenbelastung her jetzt eigentlich noch bedenkenlos geniessbar sind.

Da passen ja die nächsten zwei Punkte wie die Faust aufs Auge!

Der eine nämlich ist ein reiner Veranstaltungshinweis, nämlich auf den 22. April 2011, wo Gott persönlich im Dachstock in Bern vorbeikommt. Aufmerksame LeserInnen dieser kleinen Netzpublikation wissen bereits von Beardyman und welchen Status er bei der Daumenschraube-Redaktion geniesst. Wer dies verpasst, ist wirklich selbst schuld. Keine Ausrede, kein gar nix. Also: Ticket kaufen und schon mal paar Suggestions für Spontan-Songs brainstormen! Und übrigens: wer auf die Idee kommt, Beardymans erstes Album “I done a album” per Filesharing herunterzuladen (baad!) oder gar zum Download anzubieten (baaaaaaaaaaad!), dem wünsche ich hiermit mittels altem Zigeunerfluch einen Fuchs an die Eichel. Alternativ ins Wohnzimmer, je nachdem, was als schlimmer empfunden wird. Hier verstehe ich dann genau überhaupt keinen Spass, im Fall!

Der zweite und letzte Punkt ist ein hoffnungsfroher Versuch, im bzw mit dem Internet Geld zu verdienen. Deshalb möchte ich meine werte LeserInnenschaft auf den Umstand hinweisen, dass ImageLine ihr Produkt “FL Studio” seit kurzem in der Version 10 veröffentlicht hat (für die Angelsachsen, damit sie den Scheiss Link auch finden: FL Studio 10 has been launched) und zu diesem Behufe einen Viral-Marketing-Wettbewerb ausgerufen hat, was ja schon an sich recht peinlich ist, fast so peinlich, wie der Versuch, auf diesen Zug aufzuspringen und die Knete abzugreifen. Klar ist, dass REAPER nach wie vor die bessere, günstigere und performantere DAW ist, aber wenn ich bedenke, dass ich für $1010 ca. 6 kommerzielle bzw 25 reduzierte REAPER-Lizenzen kaufen könnte, ist dies schon eine interessante Vorstellung.

Immerhin ist ja auch schon bald Herbst.




Führer ist nicht gleich Führer!

Da gibt es ja diesen SVP-Politiker, der sich in seiner Freizeit als serbischer Nationaldichter betätigt. Blöderweise hat er noch eine Frisur, die der meinen auf den ersten Blick sehr ähnlich ist, wobei man klar unterscheiden muss: Freysinger trägt die Nazi-Variante zu langhaarig (Seiten kurzrasiert) und nur weil er auch ein paar Strähnen hinten zusammenbindet, verbrüdert uns das noch lange nicht. Musste einfach mal gesagt werden.

Also dieser serbische Dichterfürst, der war kürzlich ganz fest traurig, weil er in einer Zeitung sein Bild neben dem des Führers abgebildet sah. Damit hat der Oschki normalerweise zwar überhaupt kein Problem, geärgert hat ihn bloss, dass es der falsche Führer ist. Nicht der in Herrliberg lebende Wirschaftsflüchtling aus Deutschland, neben dem er sich oft und gerne abbilden lässt, sondern der olle Adolf, wie Freysinger selbst ein aus seinem Heimatland ausgewanderter Österreicher und erfolgloser Künstler, der sich dann aus Frust der Politik zugewandt hat.

Man muss sich die Frage stellen: was hat Freysinger eigentlich gegen Österreicher? Ist das so eine Art übermotivierter Integrationswillen? Die Daumenschraube empfiehlt auch hier, Gelassenheit walten zu lassen. Man kann Österreicher erfolgreich integrieren, dazu braucht es nicht mal Minarette. Freysinger muss hier, ähnlich wie Lumengo, als statistischer Ausreisser verbucht werden, quasi als die Ausnahme, ohne die die Regel nur eine vage Abmachung ist.

Davon völlig abgesehen war letzthin in der SF-Tagesschau ein Wirtschaftsexperte am salbadern, und er sprach von “… Deutschland, China und anderen Schwellenländern”. Fand ich noch so beachtlich. Ein anderer Experte, er sprach davon, wie sich die Lage in Ägypten weiterentwickeln werde, meinte fachmännisch, dass “die Situation besser werden könnte, sie könnte aber auch genausogut schlechter werden”. Wie viele Jahre muss man wohl studieren, um derart tief Sinn schürfen zu können?

Im Übrigen nehme ich mit grossem Erstaunen zur Kenntnis, was momentan im Nahen Osten abgeht. Finde ich ja gut, dass die jetzt alle Demokratie wollen, auch wenn die keinen blassen Dunst haben, worauf sie sich einlassen. Bei einer Diktatur ist man als Volk immerhin nicht verantwortlich für die Vollidioten, von denen man regiert wird. Aber das müssen die ja selbst wissen, da im Nahen Osten unten, ich kann mich nun wirklich nicht um alles kümmern.

Aber Demokratie hin oder her, wirklich bedenklich stimmt mich die Tatsache, dass es jetzt Millionen von guten Witzen gibt, die sich während dreissig Jahren erfolgreich an der Spitze meiner persönlichen Witz-Hitparade halten konnten und denen nun bald der Schnauf ausgeht. Beispiel gefällig? Wuala:

Q: Was heisst “Kuhstall” auf Arabisch?

A: Muh-Barack!

Man stelle sich vor: während dreissig Jahren konnte man an jede Party all around se globe gehen und diesen Witz zum Besten geben. Es haben nicht immer alle gelacht, aber immerhin haben ihn alle, die mehr als einmal pro Jahr Zeitung lesen, verstanden. Und nun hockt die Witzfigur im Taucherparadies und popelt sich in der Nase, bis sowohl sein Name als auch der Witz aus der kollektiven Erinnerung der Menschheit gelöscht sind. Es wird bald die Zeit kommen, wo man diesen Witz erzählt und das Gegenüber schaut einen nur blöd und verständnislos an. So wie mein Stift, als ich ihm sagte, dass er mit seiner Zigi im Mundwinkel ein bisschen aussehe wie James Dean und der Stift mich fragte, wer denn James Dean sei. Das sind eben die Opfer, die auf dem Schlachtfeld der Geschichte liegen bleiben und verantwortungsvolle Bürger wie mich machen solche Dinge tief betroffen.

Oh, von wegen Betroffenheit: während wir uns auf der Bettmeralp die Sonne auf den Pelz scheinen liessen, war ja da der grosse Heim-Skandal mit dem pädophilen Pfleger. Ganz, ganz üble Sache dies, da fallen nicht mal mir mehr blöde Sprüche ein dazu. Jedenfalls keine, die ich nüchtern auch noch lustig finden würde. Also, wie es sich gehört, wurde flugs ein Ziischtigs-Club (ja, ich weiss, dass der schon seit ca. 1821 nicht mehr Ziischtigs-Club sondern nur noch “der Club” heisst, aber das geht mir jetzt wirklich am Arsch vorbei) organisiert und das Thema mit tieftraurigen Mienen dem Volk lang und breit dargeboten. Ich mag jetzt nicht mehr die ganze Sendung schauen, aber irgendwann sagte jemand mehr oder weniger wörtlich:

Ich bin zwar nicht direkt selbst betroffen, spüre aber eine tiefe Betroffenheit mit den Betroffenen und möchte ihnen an dieser Stelle meine Betroffenheit aussprechen.

Es muss wohl ein Experte gewesen sein.

Ich schwöre übrigens, dass der Gaddafi, je älter und wirrer er wird, mehr und mehr meiner verstorbenen Om ähnelt (das hab ich schon mal gesagt hier, oder? Egal, was wahr ist, darf auch wiederholt werden). Der Gesichtsausdruck, die Kleidung, der Bart – alles stimmt. Vor allem, wenn er rumkeift und mit seinen Gesichtszuckungen anfängt, würde ich am liebsten an den TV gehen und ihm sagen, so Oma, ist gut jetzt, hier ist dein Rollator, jetzt geh wieder an dein Strickzeug oder verprass deine AHV am Kirchgemeinde-Lotto. Und das ist vor allem auch deswegen erwähnenswert, weil es zu der Zeit, als meine Oma den Schirm zutat, noch gar keine Rollatoren gab. Vielleicht hat man den Rollatoren damals auch ganz anders gesagt und ich weiss das bloss nicht, es werden ja ständig neue Wörter erfunden. Aber von den Rollatoren mal abgesehen: Manchmal habe ich sogar das Gefühl, ich höre in Gadaffis Reden einen Glarner Dialekt raus. Und das ist dann echt gruselig.

Wie ist das eigentlich, wenn der Gadaffi abdankt – kriegt dann der Merz sein Gesicht zurück?

Und wenn wir schon beim Thema “Realitätsverweigerung” sind, zieht euch doch bei Gelegenheit mal dieses Video rein. Der Star der Sendung ist Shirley Phelps-Roper, ihrerseits eifrige Missionarin der Westboro Baptist Church und Tochter des Gründers derselben. Shirley bekommt vor laufender Kamera sowas ähnliches wie eine schallende Internet-Watsche und dieses Video wird ein Klassiker werden, der den Mubarak-Witz um mindestens hundert Jahre überleben wird, davon bin ich fest überzeugt.

Oh, und noch wegen dem serbischen Nationalpoeten: der hat doch mal ein Gedicht über den Bortoluzzi geschrieben. Aus aktuellem Anlass hätte ich ihm sonst noch einen Reim auf “Amstutz”, der in die gleiche Kategorie passen würde.

Einfach melden, ich helfe ja gern.




Wähl mich!

Jaja, es ist mal wieder diese gewisse Zeit. Die Zeitungsblätter haben Freude, weil ihnen Inserate auf einmal die Contentlücken wieder lukrativ zu füllen vermögen und ringsum werden wir vierfarbig angelogen, dass es eine Gaudi ist. Welche Zeit, fragt ihr? Ganz einfach: es ist Wahl- und Abstimmungszeit!

Anfangen tut es ja schon beim AKW Mühleberg, über das wir am 13. Februar, zwar nicht wirklich rechtskräftig, aber doch immerhin konsultativ abstimmen dürfen. Ich darf wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich in meinem nun schon mehrjahrzehntig wähnenden polititschen Leben vor einer Abstimmung noch selten derart brandschwarz angelogen wurde. Zumindest nicht mit Lügen, die ich selbst mitfinanziert habe.

So heisst es beispielsweise auf muehleberg-ja.ch (sowie in grossflächigen Inseraten in der Tagespresse):

Der Ersatz des Kernkraftwerks Mühleberg gewährleistet die Versorgungssicherheit, ist klimafreundlich und basiert auf einheimischer und preisgünstiger Produktion.

Das finde ich ja mal sehr interessant. Nicht nur, weil sogar der “Bund” von heute meint, dass, wenn man tatsächlich einigermassen sichere (wie auch immer man diese Sicherheit in Bezug auf Rohstoffe und Abfälle definieren will) Atomkraftwerke bauen will, diese gut das Doppelte kosten würden wie bisher geschätzt, und sich somit das Argument der Preisgünstigkeit schon mal zerschlägt. Nein, ganz besonders spannend finde ich den Hinweis auf die “einheimische” Produktion. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass das überparteiliche Komitee “Ja zu Mühleberg” von geheimen Uranminen im Jura oder im Wallis weiss, die es dann im Ernstfall anzuzapfen gedenkt. Ansonsten müsste man ja auch Ananas, die in der Schweiz eingedost werden, als “in der Schweiz produziert” angesehen werden, was irgendwie ja schon stimmt, aber eigentlich eben doch nicht. Oder ist das nun das Cassis-de-Dijon-Prinzip, auf Energieträger angewendet? Dieses Rätsel muss bis auf weiteres ungelöst bleiben.

Schon viel klarer wird es, wenn es um die Waffeninitiative geht. Ich meine, schauen wir uns die ganze Sache mal möglichst emotionsfrei an. Völlig unabhängig davon, was die BefürworterInnen sagen und was die Argumente für die Initiative sind: bisher hatte ich bei allen Leuten, egal ob Polit-Promi oder fernab dem Zirkus, egal ob Mann oder Frau, die mir erklären wollten, warum man gegen die Initiative sein muss, ein wahnsinnig schlechtes Gefühl. Bei allen fand ich irgendwie, dass die Initiative justament wegen diesen Leuten zustandekam und dass ich vielleicht ein bisschen besser schlafen könnte, wenn ich wüsste, dass wenigstens der oder die kein Sturmgewehr mehr neben dem Näscht stehen hat. Von dem her hätten die GegnerInnen der Initiative ihrem Anliegen den grössten Dienst darin erwiesen, indem sie das gemacht hätten, was öfters sinnvoll ist, heute aber zu einer selten vorhandenen Kompetenz geworden zu sein scheint, nämlich die, im richtigen Moment die Fresse zu halten.

der Wolf...

Nun gut. Aber wir haben ja nicht nur über Sachthemen zu entscheiden, sondern wir dürfen auch mal wieder VolksvertreterInnen wählen, judihui. Ich bin es müssig, auf Inhalte (haha) einzugehen, komme also gleich zur fröhlichen Schelte. Beziehungsweise eben nicht, da ich mit Christa Markwalder anfange. Diese, beziehungsweise ihr Beratungsstab, hat ja wohl so gut wie alles richtig gemacht. Die sonst eher den Sexappeal von einem lauwarmen Glas Mineralwasser versprühende Frau Markwalder, mit der ich ausser der Freude an illegalen Drogen wenig gemeinsam habe, wirkt auf diesen Plakaten wahrlich rrrrhrhrhrhrrrr, wie sie da wölfisch ihre Zähne fletscht und ihr leicht asymmetrisches Auge wirkt wie ein keckes Zuzwinkern – me likes a lot!

Der Markwaldersche Stab war also auf der Höhe der Zeit. Was man von ihrer Partei nicht wirklich behaupten kann. Mit grossem Erstaunen nehmen wir beispielsweise zur Kenntnis, dass nicht, wie eigentlich zu erwarten wäre, auf der Homepage der FDP Kanton Bern ein grossformatiges Biudaleh vom FDP-Zugpferd der Stunde prangt – man muss beinahe auf den Gedanken kommen, dass Herzjesu-Carrel ihr den Zugpferd-Status abgenommen hat und ihre Partei sie bereits vor den Wahlen aufgegeben hat. Aber noch viel erstaunlicher ist, dass das “Kantonale Kernthema Nummer 1” der FDP des Kantons Bern offenbar seit einiger Zeit schon Folgendes ist:

Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.

Kommt euch bekannt vor? Geht mir ähnlich. Ich meine, ja gut, wenn die FDP schon auf ihrem Informationsmedium Nummer 1 zugibt, dass ihr die Themen ausgegangen sind, dann wäre doch eine Parteiauflösung langsam angesagt, oder nicht?

... das Lamm...

Auf der anderen Seite kandidiert noch ein gut erhaltenes Grosi für einen Sitz ins Stöckli. Ah nein, sorry, ist ja Ursula Wyss. Wenn der Beratungsstab von Frau Markwalder alles richtig gemacht hat, würde ich demjenigen von Frau Wyss ein Komplettversagen attestieren. Oder der Frau Wyss eine Beratungsresistenz, die sich gewaschen hat; keine Ahnung, welche Variante jetzt der Realtität mehr entspricht.

Frau Wyss ist auf ihrem Wahlplakat mal wieder trefflich gelungen, genau das Image der SP zu visualisieren, mit dem die Partei seit Jahren verliert: bieder, bemüht, verklemmt, verkrampft, zahn- und harmlos. Die Frisur! Und ich sage nochmals: DIE FRISUR!!

Ursle macht wieder ihr über Jahre bewährtes Gesicht eines Schäfchens, das gerade unerwartet, wenn auch nicht unwillkommen, beglückt wird und hat fürs Foti die Kleiderkiste von Ruth Dreyfuss geplündert. Die Perlenkette hat sie von Barbara Hayoz ausgeliehen und man fragt sich, was sie mit ihren Händen da anstellt – betet sie? Knübelt sie an einem Ekzem rum? Oder versucht sie einfach, die Hände oben zu behalten, damit sie sich nicht dauernd am Arsch kratzt? Wieder ein ungelöstes Problem, das wohl auch nach dem 13. Februar einer Auflösung harrt.

... auf der grünen Wiese...

Nun gut.

Es gibt ja noch einen dritten Kandidaten, EVP-Mann Marc Jost, und ich muss neidlos zugeben: der Mann hat was. Ich spreche jetzt natürlich nicht von seiner Partei (dank ‘E’ schon an sich so unwählbar wie die Opposition in Weissrussland) oder Politik (häh?), sondern von seinem geradezu unverschämt guten Aussehen. Zumindest fotogen ist der Mann, wenn es ihm auch gefällt, zu unsichtbaren Freunden zu sprechen. Aber geistige Gesundheit war ja noch nie Voraussetzung dafür, in der Politik Erfolg zu haben.

Ich mag Herrn Josts ernsten, doch irgendwie schon kühnen Blick in die Zukunft, mit dem er mir suggeriert: “Dschango, es wird erstmal schlimmer, bevor es besser wird. Es wird sogar viel, viel schlimmer. Aber gemeinsam kriegen wir das schon hin, keine Sorge.” Ich würde Herrn Jost gerne wählen, wirklich. Wenn ich weiblich, über fünfzig, geschieden und hirnamputiert wäre, beispielsweise.

Man muss abschliessend sagen, dass, wenn in der Politik nicht Inhalte, sondern nur Äusserlichkeiten zählen würden, dann hätte Marc Jost wirklich eine gute Chance, in den Ständerat gewählt zu werden.

(Und allen, die mir den Einstieg in den letzten Satz geglaubt haben, euch allen hätte ich sonst das Berner Münster zu verkaufen – einmalig günstige Gelegenheit!).

Schliesslich und endlich gibt es in diesem fröhlichen Ringelreihen der Meinungen und Positionen auch noch eine vierte Kandidatur um den Sitz im Stöckli: das wandelnde Güllefass aus dem Oberland (aussen hart, innen hohl und wenn die Klappe aufgeht, kommt nur Scheisse raus) will es auch noch wissen.

... HURZ!!

Ich habe ja wirklich keine Ahnung, warum das so ist, aber immer, wenn ich Amstutz sehe, kommt mir “Alf” in den Sinn. Alle anderen finden, er ähnle Richard Gere, aber ich finde, er sieht dem Katzenfresser aus dem Weltall deutlich ähnlicher.

Muss man zu Amstutz noch was sagen? Eigentlich nicht, da man ja alles Relevante bereits täglich in zig Inseraten in der Tagespresse nachlesen kann. Beeindruckend an Amstutz ist vor allem die einem Füllhorn ähnelnde Wahlkampfkasse der SVP (zu deren Positionen sich im Übrigen unter http://www.wasdiesvpverheimlicht.ch eine hervorragend recherchierte Website finden lässt). Weshalb wir Herrn Amstutz an dieser Stelle in ähnlicher Weise ignorieren, wie er das in Bezug auf Intelligenz, Respekt und sachliche Argumente zu handhaben pflegt.

Und um noch einen abschliessenden Gag in diesem Feuerwerk an Humor und Launigkeit zu zünden: möge das Wohl des Landes, möge das Wohl von uns allen, mögen also diejenigen am 13. Februar gewinnen, die ohne Eigeninteressen und nur aus dem Wissen um ihre Verantwortung der Gesellschaft gegenüber Politik betreiben.

(OK, der war jetzt vielleicht sogar für meine Verhältnisse etwas sehr zynisch.)




Wo, bitteschön, geht es hier zum Hirn?

Neulich, da waren Hase und ich in einer Gaststätte in der Altstadt, sie hiess “Ali Baba”. Und wie es sich für so einen Namen gehört, waren da nur total trendy Leute drin. Und wir Hasen, natürlich. Die Gaststube ist derart trendy, dass auch die Bedienung grossen Wert darauf legt, möglichst immer ihre Schokoseite zur Fensterfront gut sichtbar erstrahlen zu lassen; der Akt des Bedienens an sich wird da schnell mal zur Nebensache.

Das ist soweit ja auch ihr gutes Recht. Wenn sie gewusst hätte, dass es schon gopfertami viel braucht, damit mir Blondinen den Kopf verdrehen, dann hätte sie auch vielleicht von Anfang an gedacht, dass es nicht viel bringt, mich zu begrinsen. Trinkgeld gibts beim Dschango für gute Dienstleistung, nicht für jämmerliche Flirt-Versuche von Beinahe-Minderjährigen.

Vielleicht bin ich da ja altmodisch, aber es gehört von mir aus gesehen zur Basis-Kompetenz einer Bedienung in der Gastro-Branche, dass a) die Bestellung beim Kunden in einer für alle Beteiligten befriedigenden Weise aufgenommen wird sowie dem Kunden b) diese Bestellung in ihrer Vollständigkeit überbracht wird. Wenn einer dieser Punkte nicht erfüllt wird, ja dann ist das vergleichbar mit einem Metzger, der die Sau zur Wurst verarbeitet, ohne sie vorher zu töten. Klar ist es nicht weltbewegend, wenn der Metzger das so handhabt, blöd ist es aber alleweil, und sei es nur für die Sau.

Der erste Fail kam schon bei der Bestellung. Und zwar gelüstete mich nach einer Apfelschorle. Da ich dies nicht auf der Karte fand und einen grossen Durst zu verspüren meinte, bestellte ich, wörtlich zitiert, einen halben Liter halb-Apfelsaft-halb-Mineralwasser. Und stürzte damit die Bedienung in heillose Verwirrung. Nicht, dass sie hier nicht versucht hätte, Lösungen zu finden: sie schlug mir “einen Liter Schorle”, “je einen Liter Mineralwasser und Apfelsaft”, “zwei Gläser, jeweils halbvoll Mineralwasser, und noch ein Glas, bis oben hin gefüllt mit frischen Äpfeln”, sowie noch weitere spassige Variationen vor, die sie zu bringen bereit gewesen wäre. Wir kamen dann schliesslich überein, dass sie mir “0,25 Deziliter Mineralwasser und 0,25 Deziliter Apfelsaft in einem Halbliterglas” bringen würde – dieser Vorschlag kam von ihr und hätte ich von Anfang an gewusst, dass ich so hätte bestellen müssen, ich hätte es getan. Ehrlich. Schon nur dem Frieden zuliebe.

Nun gut. Nach einer grosszügigen Wartezeit, in der ich meinen Halbliter bereits leergetrunken hatte und mich nicht getraute, Nachschlag zu bestellen, da es noch andere Gäste im Restaurant hatte und ich nicht wollte, dass die Gehirnkapazität der Bedienung ausschliesslich durch mich belegt wurde, kam dann mein (im Übrigen höchst leckeres) Hauptgericht, allerdings vermisste ich die ebenfalls bestellte Vorspeise. Ich fragte deshalb die potentielle Soziologie-Studentin, auf deren CV dann irgendwann mal der Einsatz im Ali Baba als “hat Einblick in die harte Arbeitswelt gewonnen” auftaucht, ob meine Vorspeise vergessen gegangen sei. Als Antwort erhielt ich eine längere Denkpause, gefolgt von einem klaren und endgültigen “Ja”. Kein “sorry”, kein “das tut mir leid”, kein gar nix. Einfach nur ein ultimatives “ja”. Das war genau der Moment, an dem ihr Trinkgeld, den letzten gräulichen Schneehäufchen draussen gleich, dahinschmolz und nichts als kalten, harten Asphalt zurückliess.

Jetzt erstaunt das bei einer Gaststätten-Bedienung nicht wahnsinnig, wenn die etwas Mühe hat, das Hirn zu bemühen, man möge mir diesen kleinen Elitismus verzeihen, auch und besonders in Hinblick auf das potentielle Soz-Studium. Anders sieht es bei Chefredaktoren von Zeitungen aus, die sich gerne mal in Leitartikeln äussern. Leitartikel, das muss man der jüngeren Generation vielleicht erklären, das sind sowas ähnliches wie Blogs aus der Steinzeit, mit dem Unterschied aber, dass man fürs Lesen von Leitartikeln bezahlen muss und fürs Schreiben derselben bezahlt wird. Und ich befürchte, dass Artur K. Vogel pro Zeilen bezahlt wird. Nur so oder indem ich mir einen hemmungslos bekifften Vogel vorstelle kann ich mir erklären, wie er zum Bund-Leitartikel vom 31.12.2010 gekommen ist.

Anfangen tut der Artikel ja gar nicht mal so schlecht. Vogel prangert Karrieresucht, Geldgier, grenzenlosen Steuerwettbewerb, Raffgier und kurzfristiges Renditestreben an und beschwört das Schweizerische Arbeitsethos, das durch die sich rasant öffnende Armutsschere (gut, Vogel spricht hier von einer “Reichtumsschere”, was ja auch irgendwie aussagekräftig ist) beschädigt wird. Dann muss aber der Moment eingetreten sein, wo ihm die klaren Gedanken ausgegangen sind, aber noch ein paar Zeilen fehlten, damit das Auskommen stimmt, weil dann kommt dieser Abschnitt:

Zwar mag es zum Wesensmerkmal einer direkten Demokratie gehören, dass an der Urne gelegentlich seltsame Verdikte gesprochen werden. Wenn sich diese aber häufen, wie momentan mit Minaretten, Abschiebung und Verwahrung, wenn «das Volk», das meist als mässigender Faktor auf die Politik einwirkt, seinen Unmut gleich mehrmals äussert, müsste das ein Fingerzeig für die herrschende sozialdemokratischlinksliberalgrüne Konsens-Nomenklatura sein, über die Bücher zu gehen und sich ein paar Gedanken zu machen.

Und diesen Abschnitt las ich gleich noch dreimal durch, weil ich sicher war, etwas übersehen zu haben. Es kommt dann auch kein Satz, wo der Abschnitt als Ironie entlarvt wird, nein, ich befürchte, Vogel meint das wirklich ernst. Man müsste ihm vielleicht erklären, dass die Schweiz seit Gründung des Bundesstaates bürgerlich regiert und parlamentiert wird. Nirgends sind auf Bundesebene “Sozialdemokratischlinksliberalgrüne” in der Mehrheit, Herr Vogel scheint da Verschwörungstheorien auf den Leim gegangen zu sein. Hoffen wir mal, dass er kein Sturmgewehr zuhause rumliegen hat.

Apropos Realitätsverlust, letzthin, da sprach mich eine mittelalte Frau auf der Strasse an, ob ich denn Jesus im Herzen habe. Ich muss dazu sagen, dass ich noch öfters von mittelalten Frauen auf der Strasse bezüglich Jesus angesprochen werde, ich weiss auch nicht, warum das so ist. Jedenfalls verneinte ich diese Frage klar und meinte noch, dass, wenn ich Jesus im Herzen hätte, dies wohl ein Fall für den Kardiologen sei. Das fand die Frau nicht lustig.

Einer anderen mittelalten Frau, die mir mal auf der Strasse erklärte, Jesus sei ihre geistige Stütze, versuchte ich mal diesen Gedankengang nahezulegen: Stützen sind doch eigentlich nichts als Krücken. Krücken sind aber primär für Behinderte gedacht. Sind dann alsp Leute, die geistige Krücken benötigen, nicht logischerweise auch geistig Behinderte? Auch diese Frau hatte grosse Mühe, meinen Gedankengängen zu folgen.

Ganz was anderes: Vor einer Weile flatterte unsere Stromrechnung ins Haus und wir waren not very amused. Aber was wosch. Grosse Freude kam dann hingegen auf, als wir letzthin wieder Post von den Bernischen Kraftwerken BKW bekamen: gross, bunt und mehrseitig wurde uns erklärt, warum wir Atomkraftwerke – pardon: Kernkraftwerke – gut finden sollen und warum das alles voll easy ist mit der Spalterei. Es wurde auch erwähnt, dass die Stadt Bern sich letzthin für KKWs ausgesprochen habe, da sie ja die Energiewende-Initiative abgelehnt habe. Natürlich war die Tatsache, dass stattdessen der Gegenvorschlag angenommen wurde, bei dem im Prinzip das spätere Datum der Einführung der einzige Unterschied darstellt, kein Wort wert. Und rückblickend finde ich es unglaublich befriedigend, eine Organisation unterstützen zu dürfen, die sich nicht nur nicht in politische Abstimmungen einmischt, sondern sich diese Nicht-Einmischung auch von sämtlichen Strombezügern des Kantons zu finanzieren weiss.

Und irgendwie schaffe ich es jetzt nicht, den lustigen Versprecher meiner Nichte übergangslos vom AKW herzuleiten, also wird das halt jetzt ein bisschen holprig, weil der Versprecher ist einfach zu gut, um ihn euch zu unterschlagen: meine dreijährige Nichte wollte letzthin ums Verrecken “telefonanieren”. Das passt aber wenigstens gut zum Versprecher, den Hase im Büro letzthin aufgeschnappt hatte, als jemand lauthals nach “Anus-Chräbeli” verlangte.

Ahso, stimmt ja: ein gutes neues Jahr wünsch ich euch allen – die Hoffnung stirbt schliesslich zuletzt.




Entscheidend ist, was hinten raus kommt

Neulich, auf der mittäglichen Pilgerreise zum Migros. Arscheskälte, dieser zufolge vereiste Wege und Schneehaufen überall. Mitten in dem ganzen Elend ein uraltes Manndli, an der Leine sein Pudel. Der Köter leidet mutmasslich unter Verstopfung und quält sich unter grossen Anstrengungen ein offenbar steinhartes, horziontal aus seinem Anus herausragendes, längliches Kötelchen ab, das sich nicht abschütteln lässt. Der Hund, sich wohl nicht in ausreichendem Masse erleichtert gefühlt habend, schaut nach hinten, sieht da was in seinem Popo stecken – und dreht komplett ab. Erst rennt er seinem eigenen Hintern nach, wobei er sein Herrchen, selbiges auf eisigem Untergrund höchst instabil, mit der Leine umwickelt. Dann beginnt der Hund, den Kötel in seinem Arsch anzubellen. Anzuknurren. Läuft vor ihm weg. Winselt. Dreht sich wieder im Kreis. Und im Zentrum das alte, magere Manndli in seinem grauen Kamelhaarmäntelchen und der Fellmütze, das die ganze Zeit “jetz hör doch uuf, hör jetz uuf! Was bisch du für ne Tschumpu! Hör jetz ändlech uuf!” schreit, sich mit der Leine in der Hand um die eigene Achse dreht und dabei nur mühsam das Gleichgewicht halten kann. Was auf der anderen Seite den Köter auch wieder zu Höchstleistungen anspornt. Es war so ungefähr das Maximum, das ich an Weihnachtswunder dieses Jahr erwarten darf, und es zauberte mir tatsächlich noch Tage danach ein Lächeln aufs Gesicht.

Als ich den Hund, der Angst vor seinem eigenen Arsch entwickelte, so anschaute, musste ich an die Politik denken. Und tatsächlich sah ich heute Morgen im Bund den alljährlichen Lobpreiset-die-Heilsarmee-denn-wir-wissen-ja-nicht-was-sie-tun-Artikel. Wir durften dort lesen, dass die Edith Olibet, ihres Zeichens Gemeinderätin der Stadt Bern, einerseits die diesjährige Stopfkollekte eröffnet, bei der Gelegenheit eine “stark zusammengefaltete” (!) Hunderternote in den Topf steckt und nicht müde wird zu betonen, wieviel Gutes die liebe, liebe Heilsarmee so macht.

Nunja. Warum der Faltgrad der Hunderternote dem Bund-Schurni derart viel Eindruck machte, muss wohl Redaktionsgeheimnis bleiben – wahrscheinlich haben einfach noch 23 Zeichen im Artikel gefehlt. Was aber sowohl Bund als auch Frau Olibet zu erwähnen vergessen, ist die Tatsache, dass sich die Heilsarmee den weitaus grössten Teil ihrer tollen Arbeit für die Bedürftigen von Staat, Kanton und Gemeinde zu marktüblichen Tarifen entlöhnen lässt. Und ihrerseits dann die tatsächliche Arbeit zum grössten Teil durch Freiwilligenarbeit erledigen lässt. DAS nenne ich mal ein Geschäftsmodell! Und dass die Heilsarmee selbst nicht den Einsatz für die Bedürftigen, sondern ganz klar die Missionierung als erste und oberste Priorität sieht, muss man ja auch nicht in den Zeitungen lesen, dafür gibt es ja die Schraube.

Und wenn wir schon bei Belästigung durch religiöse Spinner sind, wir haben seit letztem Sonntag ja ein Tram, das nach Bümpliz fährt, und weiter westwärts, sogar. Aufgefallen ist mir einerseits das schönste öffentliche Klo, das ich je gesehen habe (Bümpliz Endstation, war derart überwältigt, dass ich vergessen habe zu fotografieren), andererseits die extreme Präsenz, welche die verschiedenen Jesus- und sonstwie UnsichtbarerFreund-Vereine an diesem Eröffnungsfest hatten. Der Stand des Hauses der Religionen war beispielsweise lustig, weil sie so bunte Fetzen aufgehängt haben, die alle Hirnkrankheiten symbolisieren sollten, welche dann in dem noch zu bauenden Haus einziehen sollen. Entlarvend war, dass es zwar eine reformierte, eine katholische und eine christkatholische Kirche gibt, hingegen nur je einen Islam, Hinduismus und Buddhismus. Wahrscheinlich hätte das bei der Christenfraktion die Vielfalt in der Einfalt symbolisieren sollen, schliesslich stehen die auf so Symbol-Scheiss.

Aber damit nicht genug: an praktisch jeder Haltestelle der neuen Tramlinie waren temporäre Plakatwände aufgestellt, die irgendwie einen Bezug zum Tram und/oder Quartier versprachen, primär aber den Zweck hatten, einen Bibelspruch prominent in der Mitte zu platzieren. Und tatsächlich wurde diese tolle Aktion von den Landeskirchen der Schweiz gesponsert.

Wir fassen zusammen: mittlerweile macht BernMobil ja keine religiöse Werbung mehr in Tram und Bussen – die Plakate der Heilsarmee zählen nicht dazu, nenein, genausowenig die Plakate für die “Nacht der Religionen” natürlich auch nicht, eh klar, wo soll hier auch der religiöse Bezug erkennbar sein? – dafür lassen sie sich das Tram-Eröffnungsfest von den Kirchen sponsern und pflastertn zum Dank sämtliche Haltestellen mit Verkündigung voll. Wieder: ein tolles Geschäftsmodell! Würde darauf wetten, dass Olibets gemeinderätlich-kollegiale Grinsmaschine Rytz dahintersteckt.

Ich habe mir vorgenommen, das nächste Mal, wenn ein neues Tram gebaut wird, dann werde ich auch was anbieten. Und ich werde mich ans Beispiel der Methodistischen Kirche halten, die als Attraktion (sic!) einen “Raum der Stille” anbot. Ich meine, wie schäbig geht’s eigentlich noch? Im Luftschutzkeller ein Kerzli anzünden, fertig ist der Raum der Stille. Die Methodistischen Kirche verdient den “Prix Économique” dafür, mit nicht nennenswertem Aufwand sowas ähnliches wie einen Event geschaffen zu haben.

Am Schluss zählt, eben, was hinten rauskommt. Das wissen Pudel genau so gut wie Gemeinderätinnen. Und die Heilsarmee sowieso.




Need to believe, dr Steve isch schtiif!

Und was beschäftigt die Massen momentan am meisten? Korrekt: die Penisgrösse von Mick Jagger.

Ich meine, wenn jetzt ein Keith Richards, seines Zeichens international zertifiziertes Arschloch und seit Äonen wohl kaum mehr in der Lage, ohne chemische Hilfsmittel was Hartes in seiner Hose zu haben, mich als Arschloch und Kleinschwanz bezeichnen würden, nunja, es täte mich jetzt nicht wahnsinnig echauffieren. Ich würde ihm ein beherztes “tu quoque!” an den faltigen Grind schmeissen, wissend, dass er es eh nicht verstehen würde. Und ich täte mich wohlig in meiner elitären Überlegenheit suhlen, wie Piggy, das fröhliche Hausschwein, in der auf Zimmertemperatur vorgewärmten Jauchegrube.

Apropos, der Peter Wasserfallen, der ist jetzt ja nicht mehr in der SVP. Das freut selbige sicher, weil sie so wenigstens in absoluten Zahlen nicht mehr die Stadtrats-Fraktion mit der höchsten Arbeitslosenquote ist. Wie in der SVP üblich, wird der Konflikt per Massenmedien ausgetragen: Sturmbannführer Hess glänzt wie immer durch ausserordentliche Auffassungsgabe und rhetorische Brillianz, Wafa Junior wie bereits in den Stadtratsdebatten primär durch sein Polo-Shirt. Spontan, ich kann da wirklich nichts dafür!, kam mir die leicht modifizierte Textzeile von Mani Matter in den Sinn:

Zwee Mongos im Ring
gäh nang ufe Gring.

Ahso, ausgetreten ist der Wafa-Peter übrigens, weil ihm die SVP zu stark auf Obstruktion und zuwenig auf Konstruktion setzt. Das hat er vorher in seiner dreijährigen Parteimitgliedschaft leider nicht herausfinden können. Stellt euch das Entsetzen vor, wenn ihr Mitglied einer auf Konzilianz und Lösungsorientiertheit setzenden Partei seid, für diese in den Stadtrat gewählt werdet und urplötzlich herausfindet, dass diese Partei  auf einmal – schwuppdiwupp! – die Totengräberin der Demokratie spielt… es ist ganz, ganz schlimm.

Dr eint isch afang
chly schlächt binenang.

Ganz was anderes, vielleicht habt ihr es ja verpasst: der grösste Musiker, die goldenste Kehle auf zwei Beinen, die eine vor Grenzgenialität nur so schillernde Leaderfigur helvetischen Musikschaffens, hat ja neulich auf einer US-Autobahn gegen einen Truck nur den zweiten Platz gemacht. Der Steve ist nun also steif, wobei lieber steif als gott-hart, meiner bescheidenen Meinung nach.

Ehrlich gesagt: ich habe ganz fest gestaunt, als ich die Nachrufe auf den Herrn Lee las. Spontan hatte ich den Eindruck, dass da ein zweiter Mozart mit der Stimme einer männlichen Callas und dem Gemüt eines Ghandis von mir komplett unbemerkt dieselbe Luft geatmet hatte wie ich. Ignorant, wie ich nun mal bin, hatte ich Lee primär als Kreischeule einer drittklassigen Wohlfühl-Schrummel-Band in Erinnerung, die mit denselben Klischees Geld verdient, die ich so um 13 oder 14 herum langsam peinlich zu finden begann. Aber äbe, man lernt nie aus.

Derfür sprützt efang
chly Bluet umenang.

Wenigstens kann Herrn Lees Witwe schön öffentlich trauern, inklusive Live-Übertragung der Abdankung vom Gotthard (dem Hospiz, jetzt) und hanebüchenem Eso-Gelalle, dankbar von der idée suisse aufgenommen und noch in die letzte Stube im hintersten Schattental ausgestrahlt. Lag da nicht ein gewisser Geist von Kennedy über dem Land? In solchen Fällen wünsche ich mir dann jeweils wieder eine starke Armee, die dann, wenn derart niederschmetternde Ereignisse programmiert sind, mit Salutschüssen und Fahnen-Einwickeln-und-der-Frau-in-Schwarz-übergeben, dem Ganzen einen gewissen Rahmen geben kann. Die zwei Patres in Sackleinen waren auf jeden Fall doof und rein optisch eine Katastrophe.

Ist es übrigens nicht eine schöne Symbolik, dass der Gotthart-Sänger just in der Woche verstrichen wird, in der am Gotthard (dem Berg, jetzt) durchgestochen wird? Oder muss man gar von einer Verschwörung reden? Wäre Schtiifs Ort in den USA nicht eigentlich derjenige von Noch-Bundesrat Leuenberger gewesen? Man weiss es einfach nicht.

Da plötzlech machts Bong
u das isch dr Gong

Und in Triengen haben sie sich entschieden, statt einem Kruzifix ein Symbol aufzuhängen, das offenbar schon die Steinzeitmenschen rege benutzt haben. Womit man in Triengen auch von der Symbolik her wieder dort angelangt wäre, wo die gesellschaftliche und intellektuelle Entwicklung aufgehört hat. Offen bleibt, ob bei den Steinzeitmenschen Kreuze auch Schulzimmer verziert haben oder ob es mehr prähistorische Tags waren, so in der Art von “Uuuaaarggghl saugt an Gnaaaugraaahls Glonggg”. Wenn zweiteres, würde ich gerne wissen wollen, zu welcher Form des Saugens die Triengener ihre Kinder mit dem Höhlenmenschensymbol motivieren möchten.

Es passt übrigens wie der halbverhungerte Jammerlappen ans Holzkreuz, dass sich der Islamische Zentralrat hinter die Schulgemeinde Triengen stellt – Scheich und Scheich gesellt sich eben gern. Und im Übrigen hat sich das Problem nun für Triengen auf äusserst elegante Art und Weise von selbst gelöst: der böse Vater, der sich erdreistet hatte, seine verfassungsmässigen Rechte und diejenigen seiner Kinder einzufordern (hallo, gehts eigentlich noch?) und der zu allem Übel auch noch ein Deutscher ist (oh Schreck, oh Graus!), hat nach massivsten Drohungen gegen sich und seine Familie beschlossen, die Schweiz fluchtartig zu verlassen.

Cha nümm ufecho
und jitz isch K.O.

Ein klares 1:0 für die Katholiban, noch ist also nicht alles verloren in diesem Land.

Und wenn wir schon bei der grössten religiösen Minderheit in der Schweiz sind: wir sind jetzt dann ja bald zum vierten Mal Kardinal! Und damit nicht genug: endlich ist auch das Engelwerk, das beispielsweise die Existenz von Dämonen in Menschengestalt (zB in Gestalt von Zigeunern (sic!)) oder in Form von gefleckten Katzen, sowie die Behütung vor denselben qua Anbetung von 400 Engeln propagiert, wieder erfolgreich im behütenden Schoss der heiligen katholischen Kirche gelandet. Halleluja!

Man dürfte annehmen, dass das Engelwerk in den Gemeinden Triengen und Stalden einen Haufen tatsächlicher, zumindest aber ein beachtliches Reservoir an potentiellen Mitgliedern hat. Und dass das wahre Christentum nur vom Katholizismus repräsentiert wird, ist ja wohl allen klar. Schliesslich ist sogar Homer Simpson katholisch.

Bravo!




Der Wolf im Walliser Schafspelz

Aus aktuellem Anlass, heute mal ein kleiner Exkurs in eine den meisten völlig unbekannte Welt. Eine Welt, in der der einzig wahre Sozialschmarotzer im Dorf als moralische Instanz gilt und die Gesetze vor allem dazu da sind, Gott vor allerlei Bösem zu beschützen. Zum Beispiel vor einem Lehrer, der es wagt, seine Grundrechte und diejenigen der ihm anvertrauten Kinder einzufordern.

Was ist passiert? In Stalden im Kanton Wallis, sowieso ja nicht gerade als der Kanton  bekannt, der bezüglich Grundrechten eine Vorreiterrolle einnimmt, ist ein Oberstufenlehrer am letzten Schultag vor den Ferien fristlos entlassen worden. Und dies nicht etwa, weil er sich an seinen Schülern vergriffen hätte, sondern nur deshalb, weil er sich weigert, in seinem Schulzimmer ein Folterwerkzeug aufzuhängen.

Seitens Schulleitung beruft man sich aufs Walliser Schulgesetz, das die Schule dazu verpflichtet, den Schüler “auf seine Aufgabe als Mensch und Christ” vorbereiten. Klar widerspricht dies der Bundesverfassung krass, welche ihrerseits die Schulen dazu anweist, konfessionell neutral zu sein, aber das interessiert im Wallis natürlich keine Sau. Es spielt auch keine Rolle, ob es im Wallis Kinder mit muslimischem Glauben gibt. Da das Christentum Leitkultur ist, werden einfach alle zu Christen erzogen, egal ob Kathole, Musel oder Atheist. Gott wird die seinen dann am Schluss schon aussortieren.

(An dieser Stelle ein Aufruf: Wenn ihr noch immer einen Facebook-Account habt, tretet doch bitte der Gruppe “Solidarität mit Valentin Abgottspon” bei – Merci!)

Und nun ist die Kacke am Dampfen. Die Presse berichtet beinahe täglich (sucht einfach nach “Valentin Abgottspon” und ihr werdet fündig) und auch Schweiz Aktuell hat sich zu einem – ausnahmsweise sogar recht objektiven – Bericht hinreissen lassen. Plötzlich ist das schwarzkatholische Herz am Rand der Schweiz im Fokus, plötzlich merken wir, dass eine Stunde Zugfahrt weit weg eine kleine, aber umso aktivere Taliban-Gemeinde ihren persönlichen Scharia-Flavour etabliert. Dies, wohlverstanden, stillschweigend vom föderalistischen Prinzip gedeckt und hauptsächlich vom un- oder falschgläubigen Rest der Schweiz finanziert.

Man verstehe mich richtig: es geht hier nicht um evangelikale Endzeit-Spinner. Es geht nicht um Sektenanhänger im landläufigen Sinne, die eine etwas derbe Interpretation des im Grunde genommen Ach so toleranten Christentums praktizieren. Nein, wir sprechen hier von identitätsstiftenden, über alle moralische Zweifel erhabenen Landeskirche-Katholiken, die sich darauf berufen, dass das Wallis katholisch sei und bleibe, und wer anderer Meinung sei, dürfe das, solle aber gefälligst die Klappe halten oder sich zum Teufel scheren. Wer mal schauen will, wie diese Leute ticken, dem seien die Kommentare auf der Freidenker-Seite rund um dieses Thema empfohlen. Eine echte Lektion in erzkatholischem Rechts- und Toleranzverständnis.

Man fürchtet im Wallis also nicht nur den Wolf (was zu braven Schafen an sich ja gut gepasst hätte), sondern auch Laizität, freies Denken und generell ein modernes (sprich: post-1600) Staatsverständnis. Die Kirche bleibt im Wallis nicht nur mitten im Dorf, sondern sie bleibt auch zentrale Richtschnur bezüglich dem, was gedacht werden darf bzw was nicht.

Vielleicht wäre es mal Zeit, den Fehler von 1815 zu korrigieren und das Wallis dem Vatikan als Exklave zu spendieren. Als Italiener (bzw italienische Vatikaniten) wären die Walliser doch sowieso wöhler: bezüglich Vetternwirtschaft, Korruption und theokratisch geprägter Politik sprechen wir auf jeden Fall von verwandten Mentalitäten.

UPDATE:

Uns wurde aus absolut vertrauenswürdiger Quelle berichtet, dass die identitätsstiftenden und integrativen Kräfte bereits dazu übergegangen sind, ihre moralische und argumentatorische Überlegenheit mit Sachbeschädigungen zu unterstreichen. Zwar (noch) nicht im Wallis, aber in einem anderen, ebenso schwarzen (und ebenso auf finanziellen Zuspruch aus der Restschweiz angewiesenen) Gebiet. Dies ist tatsächlich eine neue Qualität im Diskurs – Beschimpfungen, anonyme Anrufe/Briefe und ähnliches kennt man ja sogar hier, im säkulareren Teil der Schweiz, wenn man sich bezüglich Konfessionsfreiheit auch nur ein bisschen aus dem Fenster lehnt.




Amokläuferinnen in den Bundesrat!

So, wir wären dann jetzt also unter einem Weiberregime.

Finde ich ja grundsätzlich gut, habe hie und da schon erwähnt, dass ich privat in den letzten Jahren damit nur beste Erfahrungen gemacht habe. Ich warte übrigens immer noch darauf, dass ich von Tanja Walliser meinen “Feministen haben besseren Sex”-Button zugeschickt bekomme. Man kann ja von ihrer Idee, Porno zum Schulfach zu machen, halten was man will. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es seinen Notenschnitt massiv verbessert hätte, hätte es schon zu des Dschangos Volksschulzeiten ein solches Fach gegeben.

(Ich würde sonst anstelle des Buttons auch ein T-Shirt nehmen, im Fall.)

Aber eben, Bundesratswahl: Irritiert hat mich höchstens, dass ich fünf oder sechs Minuten, nachdem Frau Sommaruga gewählt wurde, von ihr ein ellenlanges eMail an meine private Adresse erhielt, in dem sie mich als “gewählte Bundesrätin” persönlich begrüsst und mir ihre Positionen und künftigen politischen Schwerpunkte erklärt. Ich war sehr erstaunt, weil, so fragte ich mich, woher nimmt die Frau Sommaruga die Zeit, mir ein eMail zu schicken, während sie noch im Parlament ihre Antrittsrede hält? Es ist verblüffend. So verblüffend, dass ich nicht mal über die Tatsache verblüfft war, dass Frau Sommaruge offenbar in Besitz meiner privaten eMail-Adresse ist. Bzw, darüber war ich dann auch verblüfft, aber erst, nachdem der erste Verbluff verpufft war. Die darauf folgende Verblüffung war dann aber umso verblüffender.

Aber zurück zum faktischen Matriarchat: die im Ausland wundern sich ja mal wieder über die Schweiz. Einerseits wollen wir keine Minarette, andererseits lassen wir uns von Frauen regieren. Den Ausländern muss man jetzt halt geduldig erklären, dass Minarette nach wie vor gebaut werden und der Spass mit der Frauenmehrheit höchstens ein Jahr wähnt.

(Ist euch eigentlich aufgefallen, dass der Merz, als er diese Woche “Bü… hü… BÜNDNERFLEISCH!!” gesagt hat, zur Widmer-Schlumpf rübergeschaut hat? Aber egal.)

Nicht in den Bundesrat, aber in die baldige Versenkung gewählt wird das Léger-Käsli der Nation, aka Linda Fäh, aka Noch-Miss Schweiz. Die gute Linda, die mit so intelligenten Sätze wie “ich bin katholisch und glaube an Gott” zitiert wird (das erste macht ohne das zweite wenig Sinn, irgendwie), verdient(e) zwar nicht übel, hat aber offenbar ein grosses Problem: während ihrer gesamten Missen-Zeit hat sie kaum Liebesbriefe bekommen.

OH – MY – GOD!!

Gut, das Problem hat sich dann wenige Tage später erledigt und es ist ein Sürmel, wer jetzt meint, Frau Fäh habe nur am Schluss ihrer Karriere noch einmal in die Zeitung kommen wollen. Ein bisschen leid tut sie mir aber schon, die Linda. Jetzt nicht ganz so leid, als dass ich mich selbst zu amouröser Poesie zu Handen Frau Fäh verpflichtet gefühlt hätte, aber schon ein bisschen leid. Weil, wozu sonst lässt sich ein gläubiges Landei zur Miss wählen? Doch wohl nur, um einen feschen Kerl von der Schweizergarde abzukriegen! Und jetzt ist die Missen-Zeit schon fast durch und Linda immer noch unbefleckt, stopft sich mit kalorienreduzierten Produkten von der Migros voll und wird davon weder fett noch glücklich. Es ist eine Schande.

Apropos Migros und Frauen: Von letzteren standen diese Woche ein paar vor dem Quartier-ersterem, und sie hatten einen recht improvisiert aussehenden Stand aufgebaut. Von weitem sah es ein bisschen so aus, als ob Zaffaraya eine Filiale vor dem Zähringer-Migros eröffnet hätten. Nunja, an diesem Stand wurde jetzt zwar kein medizinischer Hanf feilgeboten, das fand ich schade, hingegen hing da aber ein Schild mit der Aufschrift:

Kuchenverkauf für Aids-Projekt

Ich habe keine Ahnung, um was für ein Projekt es sich handelte, aber der Kuchen sah… nicht lecker aus. Und irgendwie sprach mich das Aids-Projekt noch viel weniger an, als einen ein wild dahergekommenes Aids-Projekt jetzt in der Regel so anspricht, so im Zusammenspiel Zaffaraya-Stand und unlecker aussehendem Kuchen. Kein: “hallo, ich bin das Aids-Projekt Soundso und ich päpple Aids-Waisen auf” oder: “ey, Alter, ich bin das Aids-Projekt Wasweissich und quäle kleine Säugetiere, um an Aids erkrankten Banken-CEOs einen Weg zu finden, wie sie ihr Aids-Medikament einnehmen können, ohne dass es zu Nebenwirkungen mit Viagra kommt”. Nichts, aber auch rein gar nichts sprach mich an diesem Aids-Projekt direkt an. Ich meine, es ist doch alles eine Frage, wie man daherkommt. Das darf doch wohl auch für ein Aids-Projekt gelten, nicht?

Ich kauf doch keinen unlecker aussehenden Kuchen, nur um irgend so einem aidskranken CEO das Ficken zu ermöglichen.

Ah ja, Hase und ich waren am Mittwoch ja noch in der Dampfzentrale, Pix-Mix kucken. War extrem lustig, gehen wir gerne mal wieder hin. Speziell erwähnenswert: Sister’s Funky Tongue mit einer schlicht brillianten Premiere. Und wenn wir schon bei der Kultur sind, ich habe da noch einen Link zu einem (für mich neuen) Beardyman-Video für euch. Wenn ihr mal eine Stunde (!) Zeit mitbringt, schaut euch das Teil an. Beardyman ist für mich nicht nur ein Wahnsinns-Musiker und ein wandelndes Musiklexikon, sondern momentan schlicht und ergreifend der absolute Gott des Entertainments, und dieses Video unterstreicht meine Einschätzung voll und ganz – wer’s verpasst ist selbst schuld.

Und wo wir schon bei kreativer Freizeitgestaltung sind: Was ist das eigentlich für ein seltsamer Trend zum Amoklauf bzw Co-Suizid in letzter Zeit? In Lörrach hatten sie diese Woche auch wieder einen, ging übel aus, das. Da sag ich mir doch: lieber wählen wir die Frauen in den Bundesrat oder zur Miss Synthokäse, als dass wir sie wild rumschiessend in Krankenhäuser lassen.

Ich meine, wenn man das mal so richtig durchdenkt, kommt man zum Schluss, dass 99.999% aller Amokläuferinnen den Beruf der Rechtsanwältin ausüben. Ist nun die Juristerei das neue Killerspiel? Muss man vorsorglich allen Rechtsanwältinnen die Plastiksäcke wegnehmen? Muss ich besorgt sein, wenn meine Partnerin die Rechts-Hotline des Beobachters anruft? Wieviele Gesetzestexte darf eine Frau besitzen, damit das noch als unbedenklich durchgeht?

Fragen über Fragen.

UPDATE: Links zu Sister’s Funky Tongue und Beardyman korrigiert… danke Nasse!




Hilfe, die Dogen bilden wieder Szenen!

Auch davor schützt die Reithalle-Initiative!

Nun ist es ja so, dass auch ich nicht alles weiss, was es auf dieser Welt zu wissen gäbe. Mir war noch knapp geläufig, was “Dogen” sind – Oberhäupter der italienischen Republiken Venedig und Genua im Mittelalter nämlich – es war mir aber nicht bewusst, dass es mit diesen Dogen Probleme in der Jetztzeit geben könnte. Geschweige denn, dass sie in der Stadt Bern durch eine besonders ausgeprägte Szenenbildung auffallen würden.

Zum Glück wurde ich diese Woche eines Besseren belehrt, durch jene Postille nämlich, die – zum Glück! – vom durch den “keine Werbung”-Kleber auf unserem Briefkasten nicht abgeschreckten Verträger in selbigen gesteckt wurde.

Es geht hier natürlich um den Hochglanzprospekt zur fünften oder sechsten oder wasweissichwievielten Reithalle-Initiative, die am 26. September in Bern zur Abstimmung kommt und übrigens ein grandioses Beispiel dafür ist, wie sehr gewissen Politikern der Volkswille am Herzen liegt, vor allem dann, wenn das strunzdumme Volk ums Verrecken nicht begreifen will, was sein Wille zu sein habe. Vielleicht etwas Positives vorweg: der ganze Prospekt kommt mit genau zwei (2!) Ausrufezeichen aus. Das sind, notabene, genau gleich viele, wie ich zum Schreiben dieses Artikels bisher benützt habe.

Ich weiss nicht, ob meine werte LeserInnenschaft jetzt die Sensation wirklich begreift (ihr braucht ja schon mindestens fünf Anläufe, bis ihr endlich kapiert, was ihr eigentlich abstimmen wolltet, gopf): da ist ein Prospekt, der unter anderem das Konterfei von Brokeback-Erich enthält, ich würde jetzt den Textanteil auf rund 2000 Zeichen schätzen, und nur zwei davon sind Ausrufezeichen. Wenn man die textarme Titelseite wegrechnet, sogar nur noch eines! Viermal weniger als ich, unter wohlverstanden hochverantwortlicher Dosierung, bis jetzt hier verschreibt habe! Wahrlich, ich sage euch: der Tag, an dem die Hölle zufriert, ist nahe.

Und wenn wir schon beim Prophetentum sind: Meinen Glückwunsch an die muslimischen MitbürgerInnen, ihr dürft ab morgen ja wieder im Sonnenlicht fressen, saufen, rauchen und ficken, weil das euer nachtblinder Gott dann wieder zulässt. Das finde ich schon mal gut. Vor allem den Punkt mit dem Rauchen, weil das bekanntlich saudumme Verletzungen gibt, wenn man im Dunkeln rauchen will und dann zB die Zigi oder die Shisha falsch herum anzündet.  Das Ende des Ramadans entlastet somit auch die Krankenkassen, und wer kann sich ernsthaft dagegen wehren? Eben.

Apropos Ramadan: im Gegensatz zum Rest der muslimischen Welt hat Genf ja das ganze Jahr über einen, und dessen Ende ist nicht wirklich absehbar. Bei dem geht es auch keineswegs um Ficken, Fressen und andere das Leben beglückende Ereignisse, sondern um Steinigungen. Die jetzt vielleicht in einer Wüstenlandschaft noch Sinn machen, aber in einer agrarisch geprägten Landschaft wie der Schweiz eher schräg daherkommen. Ich meine, bevor man sich die Mühe macht, hier genügend Steine im aparten Format zu finden, könnte man sich allenfalls überlegen, die Sitte hierzulande mit Kuhfladen umzusetzen. “Kuhfladigung” wäre eh noch ein geiles Wort, irgendwie. Kuhfladigung in der Mubarak, hahaha. Ich werde das beim Herrn Ramadan vielleicht bei Gelegenheit mal anregen.

Noch jemand, der grossen Spass am Ende des Ramadans (nicht dem von Genf, jetzt!) hat, ist der Pastor Terry Jones, der sich vor Jahren mal in seiner damals noch in Deutschland angesiedelten Halluzinationsgruppe am Klingelbeutel gütlich getan hat, danach zurück ins gelobte Land gegangen ist und sich nun dem Koran-BBQ widmet. Oder widmen will, man weiss das nicht so genau. Auf jeden Fall hat ihm die Gemeinde Gainesville seine Aktion verboten, unter Hinweis auf feuerpolizeiliche Bestimmungen, was ich persönlich recht schlappschwanzig finde. Momentan ist noch nicht klar, ob morgen tatsächlich Koräne (-ane?) brennen werden oder nicht, mich persönlich regt aber schon nur die Idee an sich auf. Ich meine, in Zeiten von Rohstoffknappheit, welcher Idiot kommt auf die Idee, wertvolles Papier einfach zu verbrennen? Hat Pastor Jones nichts aus der “Deep Horizon”-Katastrophe gelernt? Man muss es fast annehmen, denn sonst würde er nicht nur den Koran, sondern sämtliche überflüssige Fantasy-Literatur (Koran, Bibel, Tora, egal) in grossen Containern sammeln und zu nützlichen Konsumgegenständen wie Bratwurst-Umwickelservietten oder Klopapier verarbeiten. Mister Jones, noch haben Sie Zeit,  zu bereuen und auf den rechten Pfad zurückzukehren!

Man könnte es zugegebenermassen falsch verstehen, dass ich von den Fundamentalisten direkt auf Roland Näf überleite, aber ich bin stolz darauf, meiner lieben LeserInnenschaft mitteilen zu dürfen, dass wir es jetzt amtlich haben: die Tatsache, dass ihr regelmässige Daumenschraube-LeserInnen seid, heisst nicht zwingend, dass deshalb nichts aus euch wird im Leben. Einer der Daumenschraube-Fans der ersten Stunde wurde nämlich letzthin zum Präsidenten der SP des Kantons Bern gewählt – wir gratulieren herzlich!

Nicht so viel Freude hatten wir, als wir hörten, dass der Grosse Rat des Kantons Bern einen Vorstoss Näfs, den Kindergärten mehr Stellenprozente zu gönnen, abgelehnt hatte. Da muss man sich schon an den Grind langen: hat der Näf doch endlich mal eine gute Idee und löst sich etwas von seiner Killerspiel-Fixierung, macht ihm der Grosse Rat diese Idee prompt kaputt. In dieses Bild passt übrigens, dass derselbe Grosse Rat auch das Kulturprogramm abgelehnt hatte. Selbstverständlich will man Integration, selbstredend will man Förderung, und ohne Zweifel ist Bildung, als unsere wertvollste Resource, hochprioritär zu behandeln, nur kosten darf der Scheiss natürlich nichts.

Übrigens, da wir uns nun in die Niederungen des Bildungswesens begeben haben: ich glaube, dies hier mal erwähnt zu haben, euer Dschango ist ja jüngst unter die Lehrmeister gegangen und bildet nun Spätpubertierende zu waschechten Informatikern aus. Macht Spass, macht Freude, und die Kleinen lernen erst noch was dabei statt nur herumzulungern. Keine Freude macht hingegen, was der Dschango da dauernd an Papier von der GIBB bzw von der OdA ICT Bern erhält. Nicht weil er grundsätzlich etwas gegen Papier hat – siehe meine Opposition gegenüber der Verbrennung desselben -  sondern weil diese der Erziehungsdirektion angehängten Läden offenbar des teutschen Sprake night so righik machtig sint. Anders kann ich mir nicht erklären, wie diese Institutionen Papier produzieren können, die vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzen. Ich will hier ja nicht ins Detail gehen, aber als mein Stift letzthin mit einem Brief dazu aufgefordert wurde, zu einem Lehrgang “nicht leidende Kleidung” zu tragen, da war sowohl der Stift als auch ich etwas überfordert. Wollte man sicherstellen, dass nur Fair Trade-Baumwolle getragen wurde? Oder, dass dem Stift sein Gwändli nicht in einem Sweatshop produziert wurde? Oder meinte man eher “nicht-leitend” und hat einfach das Legasthenen-AddOn aus der Textverarbeitung auszuschalten vergessen? Fragen über Fragen.

Aber zurück zum Reithalle-Prospekt und somit zum Titel dieses Artikels. Nebst der beinahe schon angsteinflössend geringen Anzahl von Ausrufezeichen und dem Bildnis von Richi-Dschei frappiert dieser nämlich auch noch mit folgender schockierenden Feststellung:

Es besteht eine Dogenszene, gegen welche die Polizei nicht durchgreifen kann.

Zum Glück gibt es noch aufrechte Politiker, die sich dagegen wehren, wenn italienische Herrscher aus dem Mittelalter unkontrolliert nach Bern immigieren und hier ihren Zirkus aufführen, eine rat- und tatlose Polizei vor sich. Und zum Glück gibt es auch noch ein Volk, das diesen Politikern hoffentlich auch beim fünften Mal den wohlverdienten Finger zeigt.




Zur Mitte, zur Titte, zum Sack – zack, zack!

Es ist, und da spricht jetzt der alte Sack mal wieder aus mir, schon nicht mehr so wie früher. Ich meine, wenn man ein derart hochintellektuelles Produkt wie die Daumenschraube betreut, das sich (vielleicht nicht nur, aber eben doch) der gepflegten Satire verschrieben hat, dann hat man es momentan nicht leicht.

Warum denn dies? Nun, das Stichwort ist “Realsatire”. Ich meine, ist es denn heute überhaupt noch möglich, reale Zustände überspitzt zu formulieren? Kann man überhaupt noch  Personen, Situationen oder Geschehnisse überzeichnen? Schlägt die Realität nicht schon lange jegliche Phantasie um Längen? Ich meine, ich weiss ja schon gar nicht, wo ich mit Beispielen anfangen soll. Also, vielleicht beim Herrn Doerig, der als Präsident der Credit Suisse fungiert. Weil, der Herr Doerig, der lässt sich im TagiBund mit den Worten zitieren: “Sie wissen ja nicht, was ich persönlich mit dem Geld mache”. Schon klar, man könnte Geld verheizen (wurde gerade in letzter Zeit öfters gemacht), man kann es (entgegen gewissen Indianerweisheiten) zu einer schmackhaften Mahlzeit verarbeiten, man kann es als Dämmmaterial verbauen oder man kann es, zu Blöcken geschichtet, als Ziegelsteinersatz verwenden. Von dem her bleibt ja schon eine gewisse Unklarheit in Bezug auf Doerigs Umgang mit Geld. Ich würde aber mal vermuten, dass er es, wie alle anderen Leute, früher oder später einfach ausgeben wird. Gut, im Fall von Herrn Doerig eher später (wenn überhaupt noch), aber egal.

Der Herr Doerig hat heute übrigens GV, was in seinem Alter meist nicht mehr Geschlechtsverkehr meint, sondern Generalversammlung. Das heisst, dass alle Leute, die Aktien von seiner sympathischen Familienklitsche gekauft haben, sich gemütlich im Hallenstadion besammeln und dann reihum den Helden auf der Bühne die Schultern klopfen. Also, eigentlich machen das die im Saal nicht, weil die sind im Grunde genommen in der Minderheit und in der Tendenz angepisst. Diejenigen, die mehrheitlich schulterklopfen, sind andererseits im Saal in der Minderheit (wenn überhaupt anwesend), real aber die absolute, unumstössliche Mehrheit. Da soll noch jemand durchblicken! Man kann zusammenfassen mit: ich möchte Herrn Doerigs Job nicht. Sex statt Millionensalär ist meine Devise, meinen Schef wirds freuen.

Auch so einen Job, den ich ums Verrecken nicht möchte, ist der vom Herrn Provopoulos, angestellt als Geissbock bei der Bank of Greece und bei der Europäischen Zentralbank. Bock zum Gärtner zum Bock, sag ich da nur, ohne das Populus jetzt allzu sehr provozieren zu wollen (Tusch!). Und wenn wir schon bei lustigen Namen bei der Zentralbank sind: wer zur Hölle, der noch alle Sinne beeinander hat, würde jemanden zum Präsidenten der Zetralbank machen, dessen Name verdammt nach “bschiisse” klingt? Die Europäer machen es uns mit Jean-Claude Trichet vor und uns erstaunt nichts mehr.

Ui, lustige Namen, letzthin habe ich in unserem Badezimmer übrigens ein Produkt entdeckt, das durch Hase seinen Weg zu uns gefunden hat. Es heisst “Frizz Ease” und ist gemäss der aufgedruckten Beschreibung dazu geeignet, aus Locken einen haarigen Wahnsinn zu machen. Es müssen tausende von Nobelpreisträgern bei der Entwicklung des Produkts beteiligt gewesen sein, wenigstens liest sich die Inhaltsangabe wie das Who Is Who des Chemiebaukastens. Und übrigens: man muss schon von Natur aus Locken mitbringen, Wellen reichen nicht aus für den Locken-Wahnsinn. Das hat auch Hase gesagt, nachdem ich mir eine halbe Flasche von dem Scheiss eingerieben habe, in der Erwartung, mir wachse jetzt dann gleich ein Afro. Und ja, sie hat dazu DAS GESICHT gemacht. Aber darum geht es gar nicht. Ich habe mir nämlich stattdessen überlegt, dass es noch recht heikel ist, ein Shampoo auf den Markt zu werfen, das mit der heute üblichen Lese- und Verständnisschwäche ganz gut als “Friss es!” gelesen werden könnte. Ich wette, es hat mal wieder niemand an die Kinder gedacht.

Ganz im Gegensatz übrigens zur katholischen Kirche, wo traditionell ganz, ganz viel an Kinder gedacht wird. Der Bischof Mixa beispielsweise, der hat früher mal wahnsinnig viel an Kinder gedacht, dann plötzlich hat er sie vergessen, und auf einmal sind ihm dann die Kinder wieder eingefallen. Beziehungsweise, der Mixa ist den Kindern eingefallen, die heute keine Kinder mehr sind. Und dann haben sie sich mal wieder getroffen, so auf ein Bier und eine Brezn, und hatten es ganz lustig miteinander. So lustig, dass der Mixa gefunden hat, es lange jetzt dann mal mit dem Bischofsein und er gebe jetzt den Hirtenstab mal wieder dem Ratzi, soll der doch einen noch Dümmeren finden.

Was macht eigentlich ein Bischof, wenn er in Rente geht? Ich meine, alte Buchhalter oder Cobol-Programmierer finden immer wieder eine Beschäftigung, auch greise Metzger und senile Ex-Bundesräte bringen wir unter, aber Ex-Bischöfe? Die sind ja schon zur aktiven Zeit zu kaum was nütze, ausser, dass sie dafür sorgen, dass die schönen Kleidchen regelmässig ausgelüftet werden. Und dass der stetige Strom von Austrittswilligen mittlerweile die Ausmasse einer Flutkatastrophe hat. Aber sonst? Kleriker wird man ja nicht, wie in anderen Berufen, weil man etwas besonders gut kann, sondern weil man eben genau gar nichts kann. Da sollte sich Frau Leuthard mal drum kümmern, nicht immer da um diese doofen Jugendlichen, die sowieso schon von der katholischen Kirche reichlich Zucker (o.ä.) in den Arsch geblasen kriegen.

Ja, die Frau Leuthard… die Arme stand ja recht belämmert da am Trottoir in Berlin, als das Merkel sie im (metaphorischen) Regen stehen liess. Auch so ein Job, den ich nicht wollte, Bundesrat. Erst lassen sie dich da stehen, dann schleckt dich die Merkel ab. Und dann muss man eine halbe Ewigkeit rumlaufen, während man vom Militär von einer Seite her mit unglaublich lauter Marschmusik beschallt wird. Und dann sagen die am Schluss auch noch, man sei ja voll die Freunde. Hallo?? Meine Freunde hole ich vom Zug ab, ich drücke ihnen nicht die Arme zusammen, während ich sie küsse und ich versuche auch, sie nicht mit akkustischer Kriegsführung mürbe zu kriegen. Nein, Bundesrat ist kein schöner Job. Oder so wie beim Merz: man wird einfach nicht verstanden. Die Welt ist einfach zu klein für einen Appenzeller Intellektuellen. Übrigens, wäre ich Appenzeller Tourismusdirektor, ich würde sofort den Slogan “Appenzell – intellektuell!” lancieren. Nicht, weil er zur Zielgruppe passen oder auch nur ansatzweise stimmen würde, aber ich finde, den Reim wäre es wert.

Aber wir waren ja beim Merz, weil die Welt ihn eben partout nicht verstehen will. So will es der Welt, dieser doofen Kuh, auch nicht in den sturen Grind, dass eine Biografie sich eben nicht zu stark auf die portraitierte Person fokussieren soll. Und, das muss ich sagen, hier verstehe ich den Hans-Rudolf mal. Es gibt schliesslich nicht Öderes, als wenn man, sagen wir mal, eine Biografie vom Napoleon liest, und auf vielleicht 1000 Seiten kommt dauernd nur Napoleon hier, Napoleon da, Napoleon blah-blah-blah. Vielleicht mal der erste, mal der zweite oder so, aber im Grossen und Ganzen voll der Gähn. Nach spätestens 20 Seiten denken doch eh alle, “uaaaaah, nicht schon wieder Napoleon, ich kann es nicht mehr lesen!” und legen frustriert das Buch zur Seite. Gut, eingefleischte Napoleon-Fans halten vielleicht bis Seite 100 oder so durch, aber da ist Herr Merz eben ganz Realist und kann es sich nicht vorstellen, dass es eingefleischte Merz-Fans gibt. Ich stimme ihm zu, dass es viel spannender ist, wenn jetzt, auch eher exemplarisch zu verstehen, in einer Ghandi-Biografie urplötzlich Richard Löwenherz auftritt. Oder Aliens! Eine Biografie ohne Aliens ist einfach kaum das Papier wert, auf das sie gedruckt wurde. Nackte Weiber müssen auch sein, und, um dem Ganzen noch so einen aufklärerisch-pädagogischen Touch zu geben, eine kurze Abhandlung über das bäuerische Bodenrecht in der Schweiz. Ein Sudoku wär auch fesch. Das wär mal eine Biografie, die sich gewaschen hat!

Achso, ja, stimmt ja, es waren ja auch noch Wahlen im Kanton Bern. Falls ihr da grad aufm Klo wart oder so, hier die Zusammenfassung. Postitives gab es wie folgt:

  • Die Jesus-Freaks (EVP, EDU) wurden abgeklatscht. Bringt offenbar doch was, wenn man diese Leute an die Öffentlichkeit zerrt und sie dazu bringt, ihre “christlichen Werte”, die sie sanft-säuselnd und um verständnisvolles Kopfnicken heischend als ihre Basis deklarieren, mal konrekt auszuformulieren.
  • Auch die FDP, wie obige Parteien mehr als politischen Einfluss suchende Sekte denn als Partei zu verstehen, hat links und rechts paar ans Gesicht gekriegt.
  • Rötlich-grünlich hält sich in der Regierung stabil

An Negativem gäbe es zu vermelden:

  • alles andere.

Ihr seht: nichts los in Satire-Land. Realität fressen Witz auf. Und dieser doofe Eierfallen-Vulkan hat zwar den weltweiten Flugverkehr lahmgelegen können, der Thiel, der nur wenige Kilometer weiter wohnt, lebt aber immer noch.

Was für ein Gott lässt sowas zu?!?




Katholen-Polonaise

Zwischendurch mal eine gute Nachricht aus dem Reich (sic!) der Katholen. Nachteil: Die nächste Tröte mit Dackelblick gen Himmel und Ministrant auf dem Schoss steht schon bereit.

Henusode.




Alles Asche

Kinder, was war das für eine irre Woche. Da muss unsereins erst mal tief Luft holen und sondieren, was jetzt abgefahrener ist: Die halbe Polnische Elite, die nach einem Flugzeugabsturz am nächsten Morgen am Frühstückstisch fehlt oder der Isländische Vulkan, der die Hälfte der Airlines an den Rand der Insolvenz und des Nervenzusammenbruchs bringt.

Doch eins nach dem anderen.

Die lieben Polen und ihre Lieblings-Zwillinge. Fast ein bisschen wie bei Schwarzenegger, vom Film in die Politik, nur viel bleicher und so was von staubtrocken, auf die Polnische Art halt. Nix mit Kalifornischem Sunneschii. Und dann die Reaktionen der Leute. Ich wähnte mich definitiv im falschen Film, als in den Nachrichten ein Pole mit stockender Stimme unter Tränen den Verlust des besten Präsidenten aller Zeiten beklagte. Dem hatte es wohl Vulkanasche ins Gehirn geschneit.

Nun gut, man muss auch das positive sehen. Es dürfte sich in Polen mit diesem Ereignis das eine oder andere politische Problem von alleine gelöst haben. Man denke nur an die Einführung des Euros, dessen grösster Widersacher, der Chef der Notenbank, ebenfalls im Flugzeug sass. Überhaupt, es ist wirklich krass, wie viele Entscheidungsträger in diesem einen Flieger waren. Da werden in Warschau wohl ein paar Regierungsarbeiter nachsitzen müssen.

Und dann dies: ein kleiner Berg mit Verdauungsproblemen in Island stellt die gefühlte Hälfte der weltweiten Fliegerei ins Reduit und verhindert en passant dazu noch die Teilnahme hochrangiger Regierungsmitglieder an der Abdankungsfeier der Polnischen Absturz-Opfer. Mal ehrlich, nicht mal die Coen Brüder hätten das besser hingebracht.

Item, es ist wirklich ein beeindruckendes Naturschauspiel mit enormer Tragweite, ganz grosses Kino. Sogar ich hatte zwei Abwesenheitsnachrichten in meiner Mailbox von irgendwelchen Leuten, die irgendwo gestrandet waren und ihren Urlaub zwangsverlängern mussten. Gelernt habe ich auch etwas, denn dank dem Language Log weiss ich nun, wie man Eyjafjallajökull korrekt ausspricht. So tönts halt, wenn man Wikinger während tausend Jahren auf einer kleinen Insel aussetzt und ihnen Vulkanasche in die Joints streut.

Angesichts solcher Nachrichten braucht unsereins gar nix in den Tabak gestreut, denn da sitzt man nicht nur in der ersten Reihe, das ist der Film-Film mit eingebauter 3D-Brille.




McJesus drive-through

Dumm gelaufen für den moralisierenden Christo-Fundi auf dem gelben Töffli.

Eigentlich wollten wir ja auf Daumenschrauben nach Art des Hauses für den jetzt (mindestens kurzfristig) arbeitslosen Deppen verzichten, aber wir können uns das nicht verkneifen. Et voilà.

Ja, es scheint, dass die halluzinierenden Mitmenschen aus der Jesus-Klapse gerade Ausgang haben, denn auch die Frau Hagen (die übrigens mal total gut war) fühlt sich bemüssigt, die zeitgenössische Pop-Ikone Lady Gaga nach ihrer Art zu bewerten.

Man mag ja von Frau Germanotta halten, was man will, aber so schamlos und deppert von (viel) früheren Glanzleistungen zu zehren, steht nicht mal der Nina H. aus B. zu. Darum: Maul halten, Frau Hagen, wenn man gerade mal wieder im Delirium verweilt.

Merci, circulez, y’a rien à voir.




Die Zehn Gebote 2.0

Leute, ich fühle mich momentan ja sowas von entspannt, relaxt und ausgeglichen. Ich gehe durchs Leben wie eine Hindu-Kuh auf Valium. Der Grund dafür ist ein Winterwander-Kurzurlaub, der sich dann, infolge katastrophalen Witterungsverhältnissen, in ein Wellness-Monsterprogramm verwandelt hat. Euer alter Zigeuner ist nun gepeelt, gewalkt, gewaschen, gesprudelt und bis in die letzte Hautfalte rebalanct. Hammer.

Hase und ich haben uns bisher ja auf Vals eingeschossen, jetzt waren wir das erste Mal in Leukerbad (witzigerweise just an dem Wochenende, an dem Pleitier Otto G. Loretan aus dem Knast entlassen wurde). Und was soll ich sagen: architektonisch überzeugt Vals nach wie vor um Welten, dafür ist das Publikum in Leukerbad wesentlich angenehmer. Die wenigen anwesenden Russen haben sich zivilisiert benommen, trendy Züri-Gigle fehlen dank nicht vorhandenem Highlife vollkommen und generell ist der Groove eher heimelig-familiär denn mondän-elitär. Me likes a lot.

Unsere Tipps:

Vor allem erwähnenswert ist die Tatsache, dass ich mich in einem Schweizer Kurort zum ersten Mal nicht als Fremdkörper mit Kreditkarte, sondern als gern gesehener Gast fühlte: durchs Band weg freundlichstes, nicht arschkriechendes Personal, das flexibel und kundenorientiert Wünsche zu erfüllen sucht.

Liebe Leukerbaderinnen, liebe Leukerbader: jederzeit wieder!

Fusskalender

Letzthin, da haben Hase und ich übrigens noch was herausgefunden: anhand meiner Füsse kann man nämlich sofort erkennen, welche Jahreszeit ist! Und das geht so:

  • Wenn sie himmelschreiend stinken, aber optisch blitzblank sauber sind: Winter
  • Wenn sie einigermassen sauber sind und nur wenig stinken: Frühling
  • Wenn sie dauernd vor Dreck strotzen und nur leicht müffeln: Sommer
  • Wenn sie total verdreckt sind und stinken wie Sau: Herbst

Ich kann gar nicht genug betonen, wie praktisch so ein Talent  ist.

Sie wollen alle nur deine Deppenenergie!

Letzthin, es war schon etwas spät, da lief auf dem Bildschirm neben mir der Film «Monsters Inc.». LeserInnen, die sich hin und wieder auch für Populärkultur interessieren und sich nicht ausschliesslich auf intellektuellen Profitcentern wie der Daumenschraube aufhalten, werden den Film kennen. Für alle anderen hier die Zusammenfassung:

Monster bauen Atomkraftwerk, aber mit Kindern statt Brennstäben. Saugen die Energie ab, die von erschreckten Kindern ausströmt. Revolution, Umsturz, Randall ist eine schleimige Ratte! Sully und Mike finden heraus, dass Kinder noch viel mehr Energie produzieren, wenn sie lachen. Sully und Mike werden die Helden der Monsterwelt – the Happy End.

Mal ganz abgesehen davon, dass der Film mit glühenden Nadeln in einem uralten Trauma von mir herumpult (ich bin immer noch beleidigt, weil ich als Kind niemals eine nächtliche Monster-Vorstellung in meinem Zimmer hatte, weder in der Schocker-, noch in der Lacher-Version, dabei wäre ich mit beiden total glücklich gewesen), hat er mich auch zum Nachdenken angeregt.

Und zwar, so dachte es mir, wenn es denn möglich wäre, dass man Lachen und Weinen zu Energie umwandeln kann, wäre es dann nicht auch möglich, Dummheit zu Energie umzuwandeln? Könnte man nicht einfach Leute unglaublich viel Dummbatz erzählen lassen, die Deppen-Energie, die dabei entsteht, abziehen und in Strom aus der Steckdose transformieren? Könnte man nicht Deppenkraftwerke (DKW) bauen?

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr kam ich zur Überzeugung, dass das eigentlich gehen müsste. Flauschemonster lügen schliesslich nicht. Und auf einmal fiel es mir wie die verdammten Schneeflocken, die jetzt dann endlich für eine Weile aus meinem Gesichtsfeld verschwinden, aus dem Hirn: es ist noch viel, viel schlimmer.

Meine Erklärung: es sind die Ausserirdischen. Eine furchterregende Verschwörung

Ich meine, schaut euch doch nur mal an, wie Tempel, Minarette und Kirchtürme sowie andere Horte der Dummheit gebaut sind. Immer hoch zum Himmel ragend, immer hat es oben irgendwas, das an eine Antenne erinnert. Immer wird zum Bau von solchen Gebäuden Metall verwendet, gerne sogar Gold – bekanntlich ein ausgezeichneter Energieleiter! Und gerne verweisen die Erbauer solcher Dinger darauf, dass der Ort ihres Bauwerks ein bekannter «Kraftort» (sic!) sei. Durchschaubarer geht ja wohl kaum mehr!

Klar, vor allem die göttliche Fraktion will uns beruhigen, will uns einreden, ja, der Energiefluss, der finde tatsächlich statt (sie leugnen es ja nicht mal!), allerdings in umgekehrter Richtung: von Gott zu den Gläubigen. Aber sicher doch. Wenn dem so wäre, müsste man Kirchen ja nicht aufwändig mit höchst irdischer Energie beheizen und beleuchten. Verarschen kann ich mich selber.

Nein, wer offenen Auges durch die Welt geht erkennt: hier sind finstere Mächte am Werk. Die Deppenenergie von Tausenden von ahnungslosen Gottesdienstbesuchern wird jeden Sonntag schonungslos abgesaugt, katalysiert und zu den Sternen hochgeschickt. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass intergalaktische Energietransferabkommen bestehen, mit einem klingonischen Leuenberger in der Kommission, der auf Klingonisch “ääääääääääh….!” sagt. (Momentan kommt aus den katholischen DKWs etwas weniger Stoff, das wird aber durch den komprimierten Dummbatz, der in der Zentrale in Rom produziert wird, locker wieder ausgeglichen.)

Man kann den Leuten nur empfehlen, sich vor jedem Kirchbesuch Alufolien-Hüte aufzusetzen. Oder einfach aus der Kirche auszutreten. Müssen ja nicht unbedingt jedesmal Kinder gequält werden, damit bei den Schäfchen Denkprozesse ausgelöst werden.

Finde ich jetzt persönlich.

Ja, eben…

Also, endlich zum Thema – die zehn Gebote. Warum, so fragt ihr euch jetzt sicher, warum braucht es diese? Sind die alten nicht schon völlig ausreichend? Sind wir nicht schon sowieso total überreguliert, zB bezüglich dem Pissen im Stehen, wie der Londoner Stapi meint?

Das mag schon so sein, erwidere ich solchen Fragern in der Regel. Aber man kann doch die zehn Gebote mehr oder weniger  zusammenfassen unter: die Verfasser haben sich wirklich Mühe gegeben und das Ergebnis sieht jetzt auf den ersten Blick so ganz OK aus, es ist aber einfach weder innovativ noch wirklich brauchbar. Da haben die judochristilimischen zehn Gebote also eine gewisse Ähnlichkeit mit dem iPad.

Und zur Überregulierung sage ich nur soviel: ich habe jahrelang unter einem Spanier gewohnt. Das taugt jetzt als Argument noch überhaupt nichts, auch nicht die Tatsache, dass ich ihn in fünf oder sechs Jahren genau einmal mit eigenen Augen gesehen habe. Aber dass er jeden Morgen, pünktlich um drei Uhr dreissig, geschätzte fünf Hektolikter Urin aus – ebenfalls geschätzten – zwanzig Metern Höhe in die Kloschüssel prasseln liess, das taugt insofern als Argument, als dass ich zu dieser Zeit, wegen diesem Spanier, mit fliegenden Fahnen für so ein Verbot, wie es der Londoner Stapi in der Schweiz zu geben meint, gekämpft hätte.

Obwohl ich ja sonst gegen Spanier als solche gar nichts habe.

Wir sehen an diesen beiden Punkten: was die Menschen wollen und dringlichst benötigen ist ein Regelwerk, das sie einfach durchs Leben geleitet. Das ihnen Anweisung und Leitplanke bietet, sie sicher durch die stürmischen Wogen des Alltags schifft und zielgenau in den Hafen der Glückseligkeit führt. Die Menschen brauchen etwas, an dem sie sich festhalten können – gerade in harten Zeiten wie diesen. Da wäre auch sicher der Spanier dankbar gewesen für. Oder der Popel in Rom.

So, genug der vielen Worte, hier sind sie also, exklusiv auf Daumenschraube.ch, für alle Spanier und Nicht-Spanier sowie Spanier im Herzen und Nachfolger der Spanischen Inquisition, die zehn Gebote des Dschango Beinhart!

Die Zehn Gebote des Dschango Beinhart

  1. Versuche doch bitte, wenn immer möglich, dir und deiner Umgebung gegenüber kein allzu grosses Arschloch zu sein.
  2. Siehe 1
  3. Siehe 1
  4. Siehe 1
  5. Siehe 1
  6. Siehe 1
  7. Siehe 1
  8. Siehe 1
  9. Siehe 1
  10. Siehe 1

Ualah. Und nun gehet hin und seid gute Menschen.

Amen.




Wie jetzt? Schon wieder Frühling?

Letzthin hat der Schweizer Souverän (sowie seine Souveräne) ja den Tierschutzanwalt wuchtig verworfen. Es ist halt so, dass des Eidgenossen liebstes Tier das Kotelett ist und selbiges am artgerechtesten in der Pfanne gehalten wird. Simple Fakten des Lebens. Letzthin im Büro hatte ich aber mit dem neuen Coder-Gspändli eine Diskussion über Guinness. Nämlich, dass dieses schöne Getränk, von dem sich in Irland ganze Familien schon seit Generationen mehrheitlich ernähren,  hierzulande gleich vierfach vergewaltigt wird:

  • Es ist hier nur in der Memmen-Version “Draught” erhältlich
  • Es wird gerne in Büchsen kredenzt, mit so einer grausligen Gummikugel drin (soll wohl das Überschäumen verhindern)
  • Es wird hier ungern bei mehr als molligen 4° Celsius ausgeschenkt
  • Um das Büchsen-Feeling zu verschwammen, setzt man in hiesigen Gaststätten das aus der Hülse ins Glas gestürzte Bier auf einen Mini-Vibrator, welcher dann dem Guinness aus der Dose zur arttypischen, schaumigen Krone verhilft.

Man kann das oben zusammenfassen mit: schmeckt voll Scheisse.

Und daraus entwickelte sich dann die Idee: wir lancieren einen Bierschutzanwalt! Der dann von Pub zu Pub geht, mit einem Thermometer in der Hand, und überprüft, ob alle Biere auch artgerecht gehalten werden. Dieser Anwalt müsste gleichzeitig natürlich auch Kläger, Richter und Henker sein können – wir dulden keine Toleranz gegenüber Bierquälern!

Das Traurige an der Sache ist: käme so ein Seich an die Urne, das Verhältnis Ja/Nein wäre wohl gerade umgekehrt wie beim Viecheranwalt.

Die ollen Katholen

Jaja, die Mutter aller Kirchen ist mal wieder am Pranger. War ja alles in den Medien, Kindsmissbrauch hier und da, grosses Drama, die Obrigkeit hält sich mit systeminterner Kritik nobel zurück, unterstützt die Täter und fordert von den Opfern Initiative, die verklemmte Haltung zur Sexualität ist sicher nicht der Grund, neineneineinen, also alles wie gehabt. Wäre da nicht ein gewisser Bischof Mixa, der meint, diese Vorfälle wären auch Ergebnis der “sogenannten sexuellen Revolution“.

Seltsam, wie eine gesellschaftliche Entwicklung just in der Institution, die sich dieser Entwicklung seit jeher am vehementesten entgegenstemmt hat, ihre reichste Blütenpracht entfalten kann.

Confessions of a Stupid Old Man

Apropos traurig: da war ja neulich im TagiMagi ein Artikel über den Peter Bichsel, der nur noch als Karikatur seiner selbst auftritt (die Parodie von Mike Müller wirkt mittlerweile echter als das Original). Ganz besonders witzig ist der Bichselsche Gottesbeweis, den ich hier in verkürzter Form wiedergebe:

  • Prämisse 1: In Solothurn lebt ein vom Leben und sich selbst enttäuschter alter Mann, der früher mal ganz OK geschreibt hat.
  • Prämisse 2: Dieser alte Mann bringt es nicht auf die Reihe, aus eigenem Antrieb Lebenssinn zu entwickeln, sondern meint, dass dieser Sinn ihn gefälligst in einer Beiz anspringen solle.
  • Prämisse 3: Der alte Mann weiss zwar nicht, ob er an Gott glaubt, braucht ihn aber, um Sinn zu schaffen und damit sich der Bichsel noch auf etwas freuen kann.
  • Logische Schlussfolgerung: Gott existiert!

Lieber Peter, such dir doch ein Fumoir und bleib da drin, bis die Asche, die du produzierst, von dir selbst nicht mehr zu unterscheiden ist. Die Tour de France findet ihren Weg über den TV auch ins Flora – da musst du nicht unbedingt einen Dokumentarfilmer bis in ein Pariser Hotelzimmer mitschleppen.

Evi löst das Problem der Jugendgewalt

Mittlerweile weiss man ja, wo das Hauptproblem der Jugend zu verorten ist. Es ist nicht die Unwilligkeit der Politik, massiv in Bildung zu investieren. Es ist auch nicht die krude Auffassung von Integration, die hierzulande gepflegt wird (“lasst sie einfach alle kommen, es wird ihnen derart gefallen hier, dass sie sich von selbst integrieren”). Und natürlich ist auch nicht der Leistungsdruck schuld, nicht der alltägliche Medienwahn, nicht die fehlenden Zukunftsperspektiven. Es liegt nicht daran, dass wir als Gesamtgesellschaft kein Bild davon haben, wohin wir uns entwickeln sollen und auch nicht daran, dass die einzigen Führerfiguren, die wir haben, wirklich das sind: führende Figuren.

Nein, Schuld an allem sind Killerspiele.

Schon nur das Wort: ich kenne Kartenspiele, da spielt man mit Karten. Ich kenne Brettspiele, die spielt man mit Brettern. Gesellschaftsspiele werden in Gesellschaft gespielt, Geschicklichkeitsspiele benötigen Geschicklichkeit. Und Killerspiele? Benötigt man da Killer dazu? Spielt man diese mit anderen Killern? Oder dient der Killer gar als Spielfeld? Man weiss es nicht.

Obwohl also eine gewisse Unschärfe bezüglich dieses Begriffs besteht, ist man sich darüber einig, dass solches verboten gehört. Wegen den Kindern. Und ja, nicht nur für Kinder verboten, sondern für alle. Weil es ja bekanntlich allen Kindern schadet, wenn ein Erwachsener zum Zwecke des Zeitvertreibs auf animierte Pixel schiesst. Das Statement von Rolf Schweiger in 10vor10, das betreffe ja sowieso nur ein paar tausend Leute, die Einschränkung der Freiheit sei hier also zumutbar, finde ich schon noch bemerkenswert, vor allem von einem FDPler. Wieviele Millionäre gibt es in der Schweiz? Nur ein paar tausend? Warum beschlagnahmen wir denen nicht ihr Prvatvermögen und senken dafür die Steuern für alle anderen? Sind ja nur ein paar tausend, die Einschränkung deren persönlicher Freiheit ist hier also, da der Gesamtgesellschaft förderlich, durchaus zumutbar. Und denkt endlich mal jemand an die Kinder?!?

Dschango denkt natürlich an die Kinder. Und er weiss, dass heutige Kinder ihren Erziehungsberechtigen in technologischer Hinsicht weit voraus sind. Die Tatsache, dass sich ein in der Agglomeration amtierender und vom Zufall in die Politik gespülten Lehrer von einem Verkaufsverbot davon abhalten lässt, ein “Killerspiel” zu spielen, beweist nur, dass der Lehrer eine vorgestrige Nulpe ist. Es gibt kein Spiel, keinen Film und kein Buch, das heute nicht innert Minutenfrist auf die heimische Festplatte gesaugt werden kann. Minimales technisches Verständnis vorausgesetzt, das bei der Zielgruppe (Kinder) vorhanden ist, bei den Bedenkenträgern aber komplett fehlt.

Und da ja das Kinder-Argument immer verfängt: wieviele Kinder sterben jedes Jahr durch den Strassenverkehr? Wieviele Kinder und Jugendliche werden jedes Wochenende in den Entnüchterungszellen eingeliefert? Muss die Konsequenz nicht sein, dass man Autofahren und Alkohol verbietet, um die armen, armen Kinder zu schützen? Und wenn wir Gewaltverherrlichendes und Intolerantes konsequent verbieten wollen: wo ist der Bann für die Bibel? Für den Koran? Das SVP-Parteiprogramm?

Ja, noch wegen SVP… obwohl ich mir jetzt wohl einen Monat lang die Hände zwangswaschen muss: der Führerlehrling Erich J. Hess setzt sich in einem überparteilichen Kommitee dafür ein, dass dieses Verbot nicht durchkommt. Und vorgestern im 10vor10 hat er fast intelligent gewirkt, wie er da seinen auswendig gelernten Satz aufgesagt hat. Ist ein bisschen wie beim Matthias Stürmer, der einerseits als von mir hochgeschätzter Kämpfer für Open Source Software agitiert, andererseits aber auch ein Jesus-Fundi mit gesellschaftlichen Ansichten aus der Bronzezeit ist.

Hat eben alles zwei Seiten. Mindestens.

Die grössten Kritiker der Elche…

… waren früher selbst mal welche, so sagt bekanntlich der Volksmund, der ja immer recht hat. Sagt ihrerseits zumindest wieder die SVP, die aber im Moment ein grosses Problem hat: wie macht man dem unfehlbaren Volk klar, dass man zwar einen Haufen Abzocker in den eigenen Reihen hat, deshalb eigentlich gegen jegliche regulative Eingriffe in die Wirtschaft ist, sich aber gleichzeitig gegen die Linke positionieren muss, die blöderweise ein recht populäres Anliegen bereits seit gefühlten zwei Milliarden Jahren predigt, das von der SVP, andererseits, wiederum seit gefühlten vier Milliarden Jahren, verlacht und verhetzt wird, wie also macht man diesem Volk weis, dass man doch auch irgendwie gegen Abzockerei in der Wirtschaft ist? Ganz einfach: man nimmt denjenigen Herrn, der in den 90ern das Mantra des “mehr, mehr, mehr!” erfolgreich in der Schweiz eingeführt hat, schliesse diesen mit dem nicht wirklich mit Intelligenz und politischem Gespür gesegneten Initianten der Abzocker-Initiative eine Woche lang in einen fensterlosen Raum, und voilà, schon haben wir:

  • eine eigentlich sinnvolle Initiative, die ständig davor bedroht ist, zurückgezogen zu werden
  • einen Gegenvorschlag, der in den Erweiterungen interessant, im Kern aber jämmerlich ist
  • einen gescheiterten Alt-Bundesrat, der endlich mal wieder Auftritte im TV bekommt und sich als (millionenschwerer, aber egal) Paulus und volksnahen Kümmerer aufspielen kann.

Es kann einfach nur Gewinner geben. Genau wie bei der Sicherheits-Initiative, die von Philippe “was tut der eigentlich genau?” Müller erfolgreich aufgegleist wurde und an der Urne jämmerlich gescheitert ist. Am Montag nach der Abstimmung fühlte sich der Dschango dann im komplett falschen Film, weil sowohl Müller als auch die Medien die Ablehnung der Initiative als Sieg für Müller werteten.

Und in neun Tagen sind Grossratswahlen im Kanton Bern. Am liebsten würde ich mich schon heute ins Koma saufen.




Gott und Teufel

Der Teufel lebt scheints im Vatikan. Ich habe immer gemeint, der sei im Detail. Henusode…

Und Gott ist ein Chatter namens dustball. Oder auch nicht. Gefunden auf ibash.de:

<dustball> ich BIN gott.
<dustball> so und nu versuch ma meine macht zu wiederlegen
<Toxic Soul> widerlegen
<dustball> touché




Brechreiz

Immer und immer wieder die katholische Kirche. Das ist kein Zufall. Bei der Durchlese dieses Interviews habe ich kurz mal das kalte Kotzen bekommen.

Diese Institution ist wirklich mit bemerkenswerter Konsequenz dabei, sich selbst zu demontieren. Jetzt bitte bloss nicht aufhören, dann erlebe ich vielleicht auch noch das Ende der Katholen und überhaupt der Religionen als evolutionsbiologisch völlig, komplett, so was von obsoletes Element aus der Vergangenheit.

Ich ertrage es nicht, wenn sich Arroganz (der Anspruch auf Gottgleichheit fällt der Einfachheit halber auch in diese Kategorie), Unwissen, Unfähigkeit und Deckung bis in die höchsten politischen Kreise auf so hässliche Art und Weise vereinen.

Daumenschrauben auf Kosten des Hauses für alle Erwähnten, ultra tight und mit dem extra Dreh. Echt jetzt.




Die bunte Welt des Dschango B.

Jetzt müsst ihr euch alle an den Stühlen festhalten, weil jetzt kommt der Hammer: der Dschango ist seit dieser Woche eidgenössisch attestierter Berufsbilder. Huiiiuiui, jetzt sehe ich förmlich eine “WTF?!?”-Welle hierher schwappen. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie das denn passieren kann, und ob jetzt dann eigentlich jeder dahergelaufene Zigeuner Jugendliche ausbilden darf.

Im Grunde genommen kann man die letzte Frage mit einem klaren  “Ja!” beantworten. Viel mehr als die Fähigkeit, während 40 Lektionen nicht extrem negativ aufzufallen, braucht man nämlich nicht, um im Kanton Bern Berufsbilder zu werden. Das schweizerische Berufsbildungssystem ist in seiner Niederschwelligkeit bezüglich den Ausbildern so sympathisch wie irritierend und ich muss zugeben, ich hätte nie gedacht, dass das System tatsächlich so funktioniert. Aber es tut es offenbar seit ungefähr viertausend Jahren.

Überhaupt nicht funktionieren tut momentan aber irgendwas auf Haiti – keine Angst, wir rufen jetzt nicht auch noch zu Spenden auf, gebt das Geld besser für ein Blümli für den Hasen oder für irgendein Sexspielzeug aus. Da haben die Haitianer nämlich genausowenig von. Aber mir ist aufgefallen, dass da eine Frau nach zig Tagen ausgegraben wurde. Also nicht das ist mir aufgefallen, weil, das steht ja momentan fast jeden Tag in irgendeiner Zeitung, dass auf Haiti eine Frau ausgegraben wurde oder gerade ausgegraben wird, nein, aber der Name der Frau ist mir aufgefallen und ich habe mir geschworen: falls mir irgendwann eine Tochter geboren werden sollte, sie müsste den Namen “Hotteline” tragen, ob sie wollte oder nicht, ob mir das Jugendamt im Nacken hängen würde oder nicht, schniezpupsegal.

Ja, mir ist auch klar, dass man den Namen wahrscheinlich als  “Ottlin” aussprechen täte, so mit französisch-stummem Asch. Würde ich aber nicht. Ich würde jeden Mittag “HOTTELIIIIIIIIINEEEEEEE!!” quer durchs Quartier schreien, mit extra stark betontem H, und ich würde mir einen Schranz in den Ranzen lachen, weil alle Nachbarn den Hals verdrehen würden, um zu sehen, welches arme Kind denn einen derart abgefahrenen Namen hat. Und Hotteline Beinhart würde zur Berühmtheit werden, nicht bloss, weil sie mit einem Natel in der Hand in einem Erdhaufen gefunden wurde, nein, sondern weil es die mit dem komplett verblödeten Vater ist, der seine Kinder nach haitischen Erdbebenopfern benamst. Und der bildet auch noch Lehrlinge aus, im Fall!

Es gäbe immerhin mehr zu reden als wenn ein Bundesrat mal wieder Gesicht und Eier verliert und vor der versammelten Presse den Hampelmann gibt. Aber halt, von der Béglé-Affäre wollte ich hier eigentlich wirklich nichts schreiben, weil auch wir bei der Daumenschraube haben gewisse Grenzen, was wir an Anti-Ästhetik unseren LeserInnen zumuten wollen. Oder eben nicht.

Da mache ich doch viel lieber ein bisschen auf Diashow und zeige euch, was mir die letzten Wochen so an lustigen Biudaleh vor die Linse gehuscht ist. Als erstes präsentiere ich euch, was die Bernischen Kornhausbibliotheken so ausgetüftelt haben, das meines Wissens einmalig in der ganzen Welt ist: in der Kornhausbibliothek kann man nämlich Bücher verlängern!

Das mag funktionale Analphabeten jetzt total kalt lassen, für mich aber ist es der Stein der Weisen. Stellt euch vor, ihr seid an einem guten Buch, die letzten zwei Seiten vor euch, und spontan denkt ihr, ha, eigentlich könnte die Story gerne noch für ein paar hundert Seiten so weitergehen. Und ihr schnappt euch den Fernsprecher oder eine Internet-Röhre und verlängert das Buch ganz einfach um ein Kapitel oder zwei, schnell und unkompliziert!

Gut, man müsste jetzt auch noch Bücher verkürzen können, weil einige Bücher schlicht zu lang sind. Ich vermute nämlich, dass beispielsweise die Bibel von ein paar über-enthusiastischen Literaturfreaks einfach ein paarmal zu oft verlängert wurde. Die Verkürzungs- komplementär zur Verlängerungsmöglichkeit wäre also durchaus angebracht, ich hoffe, dass sich die Kornhausbibliotheken da etwas überlegen.

Es wäre nämlich auch sonst noch praktisch, wenn man Bücher verkürzen könnte. So wäre beispielsweise das neueste Buch von Hans Küng in der verbesserten, weil verkürzten Version nur noch dies:

Ich habe mein Leben mit dem Glauben an unsichtbare Freunde verschwendet und muss nun rechtfertigen, warum ich keinen nützlichen Beruf gelernt habe (zB beim Herrn Beinhart).

Lobet den Herrn!

Es wäre alles viel, viel einfacher, ehrlich.

Ich kam in den letzten Wochen übrigens ab und zu in Spiez vorbei, das ist da diese flotte Party-Metropole am Thunersee. Es ist ein spassiges Käffchen, wirklich. Nicht nur, dass man dort den Jesus-Fisch sogar am Schaufenster des Frisörs findet (habe mich leider nicht getraut, den zu fötelen, weil die haben schon so apokalyptisch raus- und den Dschango angeschaut, gruslig) oder dass man auf der Website der Gemeinde Werbung für Fundi-Events macht. Nein, man zeigt sich auch gerne kreativ, wenn es um die Benennung von Firmen geht:

Gut, wenn man jetzt eine Swingerbörse aufmachen würde, da wäre “Popnet” sicher der perfekte Name für. Tun sie aber nicht, die Popnetten, die tun nämlich nur Computer vertschutten und so. Von allen guten Geistern verlassen muss aber sein, wer für seine softwareentwicklungstechnischen Bedürfnisse eine Firma engagiert, die sich “kaformatik” nennt, das “ka” auch noch fein grafisch hervorgehoben. Für Nicht-Nerds: “KA” steht für “keine Ahnung”. Also im IT-Slang, ob das bei der Firma auch extra so gewählt wurde, weiss ich natürlich nicht.

Ja, und zum Schluss möchte ich euch noch etwas mit auf den Weg geben, sozusagen mein Lebensmotte für 2010, gefunden am Bahnhof Stöckacker:

In diesem Sinne noch ein erfreuliches Wochenende – und immer schön nett bleiben, gell?