Archiv für die Kategorie ‘Apropos...’

Schwein hat die Sau!

*SCHNORCHZ!*

OK, den Dschango hat es böse erwischt. Keine Ahnung, ob es was Schweinisches ist oder nur eine normale Grippe, aber verdammt, bin ja noch wirrer im Hirn als sonst. So wird das nix mit Bloggen.

*SCHNAUB!*

Aber damit dieser Post nicht völlig in der Sinnlosigkeit endet, habe ich noch was für euch. Also, wer sich mal wieder so richtig aufregen will, dass ihm oder ihr die Galle schier überschäumt, der oder die klickt hier bzw da.

*KROCHELHUST!*

Und wer sich mal wieder verblüffen lassen will, klickt am besten hierdrauf. Vielleicht die ersten 90 Sekunden überspringen, wenn man in Eile ist.

*SCHNEEEEEEEEEUZ!*

So. Das wars für diese Woche. Dschango geht jetzt mal sterben. Euch auch noch n’schönes Leben.

*HUSTWÜRGLUFTSCHNAPPNIESVIRENSPEI!!!*




Muss auch mal erwähnt werden

Gut, OK, es geschehen vielleicht doch Zeichen und Wunder.

Man erinnert sich eventuell noch an meine kleine Polemik bezüglich dem “Bund” und religionskritischen Themen. Bevor sich jetzt die Ergeuschterer wieder ergeuschtern: Nein, ich nehme kein Wort zurück, hat zu der Zeit alles gestimmt, voll und ganz. Aber in den letzten Wochen habe ich bei dieser Zeitung doch einen gewissen, hmmmm, ich weiss jetzt nicht, ob ich das schon “Richtungswechsel” nennen soll, sicherlich aber eine Art Meinungsumschwung festgestellt.

Neu werden nämlich auch die Meinungen und Aussagen der nicht mit einem “der Grosse Bruder liebt dich, ob du willst oder nicht”-Mem Ausgerüsteten berücksichtigt, besonders in Artikeln, in denen es um just diese geht. Neu schafft man es, auf der Todesanzeigenseite auch Sprüche abzudrucken, die für Nicht-Gläubige nicht verletzend oder beängstigend wirken. Neu wird über Ungerechtigkeiten wider den säkularen Staat tatsächlich berichtet. Und die Krönung war der tatsächlich intelligente, tatsächlich recherchierte und tatsächlich die Fakten berücksichtigende Frontseiten-Kommentar zum Verbot der Freidenker-Plakate in Zug (an der Stelle mal wieder: http://geniess-das-leben.ch).

Woran das liegt? Vielleicht am neuen Zürcher Kurs? Vielleicht an der verkleinerten Redaktion? Vielleicht daran, dass man gemerkt hat, dass sich unter den Bund-LeserInnen auch ein ganz ansehlicher Haufen Konfessionsfreier findet? Man frage Klügere.

Fakt ist: Ich verzeihe euch die Einstampfung des Kleinen Bundes zwar immer noch nicht, aber ihr habt in den letzten Wochen doch eure Chancen erhöht, dass mein Abo demnächst (vielleicht! Ihr seid jetzt wieder im Provisorium!) wieder verlängert wird.

Dschango nimmt den Kurswechsel wohlwollend zur Kenntnis und rapportiert hier entsprechend. Fair muss fair bleiben.




Deppensteuer subito!

Schon lustig, wie Freunde unsichtbarer Freunde reagieren, wenn Leute, die es wagen, die Existenz von Elfen und Feen nicht nur anzuzweifeln, sondern dies auch noch laut kund zu tun, gleiche Rechte wie die Anhänger von bronzezeitlichen Kulten sowie die Aufhebung derer ungerechtfertigten Privilegien fordern…

Wie wir auf 20min lesen, schlägt die Junge CVP die Einführung einer “Atheistensteuer” vor – wer aus der Landeskirche (die in der Lesart der CVP wohl sowas ähnliches wie die AHV darstellt) ausgetreten ist, soll künftig eine gemeinnützige Organisation oder Glaubensgemeinschaft (!) mit einem finanziellen Beitrag unterstützen müssen, der der gesparten Kirchensteuer entspricht. Die Junge CVP bekommt dabei Schützenhilfe vom Präsi der ‘grossen’ CVP, Christophe Darbellay.

Ganz abgesehen davon, dass hier mal wieder die Begriffe “Steuer” und “vom Staat eingetriebener Mitgliederbeitrag im Auftrag retardierender Nabelschau-Klubs” verwechselt werden, keineswegs alle aus der Kirche ausgetretenen auch Atheisten sind, wohl kaum jemand (nur) aus Steueroptimierungsgründen aus der Kirche austritt (man tut das in erster Linie darum, weil man an diesen spezifischen Mist nicht mehr glaubt) und der JCVP-Präsi ein bisschen wie der verschollene Zwillingsbruder vom Berner JSVP-Präsi und Polit-Clown Erich J. Hess aussieht, finde ich den Vorschlag durchaus überlegenswert.

Man müsste ihn nur konsequent zu Ende denken (ich weiss, damit hapert es bei euch C-Knüllen bekanntlich, übernehme ich aber gerne für euch!) und generell sogenannte Nicht-Steuern einführen – Steuern auf Tätigkeiten, Vorgänge oder Leistungen, die nicht stattfinden oder in Anspruch genommen werden.

So müssten beispielsweise alle, die kein Auto haben, eine Autobahn-Nichtbenützungssteuer bezahlen. Das wäre nur solidarisch, weil die armen Autofahrer können ja nichts dafür, wenn diese langhaarigen Hippies kein Stutz fürs Benzin haben. Sowieso: auf unverbleites Benzin müsste man eigentlich auch eine Steuer bezahlen, eine Bleifreisteuer nämlich, weil wer Blei diskriminiert irgendwie kein guter Mensch sein kann. Dann noch eine Minderwertsteuer im Gegensatz zur Mehrwertsteuer, die dann fällig wird, wenn man etwas im Secondhand-Laden oder von M-Budget kauft. Auch eine Armutssteuer müsste man sich überlegen – schliesslich drückt, wer unter der Armutsgrenze lebt, das Bruttosozialprodukt, konsumiert zuwenig und macht uns so all den schönen Wohlstand kaputt. Und ganz wichtig: eine Deppensteuer! Ist es denn nicht so, dass uns all die Viertel-, Halb- und Vollidioten im Land unglaublich viel Geld kosten? Ist das nicht total unsolidarisch gegenüber den Klugen? Von einer “Alter, du siehst so komplett Scheisse aus, dass ich zum Augenarzt rennen muss, wenn ich dich länger als drei Sekunden anschaue”-Steuer ganz zu schweigen.

Dazu noch eine Unschwerverkehrsabgabe (bei Sexualakten zwischen Leuten unter einem Gesamtgewicht von zusammen 120 kg), eine Alkoholfreisteuer (wer sich nicht an die Regeln der Gesellschaft halten und vom Bier nicht besoffen werden will, soll gefälligst zahlen!) und eine Kein-Hundesteuer (oder scheisst du etwa das ganze Trottoir zu, wenn es keine Hunde mehr gibt? Eben!) – ein weites Feld an Mehreinnahmen für Gemeinden, Kantone und Bund, in Zeiten wie diesen durchaus willkommen.

Klar: es ist völlig offen, wer auf der von der JCVP halluzinierten Liste der zu begünstigenden Organisationen stehen soll. Können da alle drauf, die sich irgendwie noch so als nützlich für die Allgemeinheit sehen? Oder soll es davon abhängen, wieviel ihres Gesamtumsatzes eine Organisation für gemeinnützige Zwecke ausgibt? Greenpeace würde dann gut aussehen, der Beinhart-Haushalt ebenso, die Landeskirchen (gemäss meinen Recherchen maximal 15%. wenn sehr wohlwollend geschätzt) hätten dann aber wohl ein Problem.

Man könnte ja auch noch einen Schritt weitergehen. Würde es denn nicht Sinn machen, wenn man beim Bezahlen der Steuern aus einer Liste auswählen könnte, an welches Amt und/oder Departement der Obulus gehen soll? Oder noch viel besser: eine Liste derjenigen Länder, die man finanziell unterstützen möchte, weil, vielleicht gibt es ja auch Steuerzahler, die gar nicht praktizierende Schweizer sind! Man könnte dann zB sagen, ja ok, die nette Frau Leuthard mit dem Schockblick, die soll jetzt bitte 20% meiner Steuern bekommen, der niedliche Herr Merz nochmals 20% (Appenzeller! Minderheitenschutz!), den Rest bitte gleichmässig zwischen Terre des Hommes, Grönland und der Kebab-Bude ums Eck aufteilen. Transparenz pur und niemand hätte mehr was zu jammern.

Frei nach Darbellay: der Vorschlag respektiert die Denkbefreitheit hundertprozentig.




Itauiänisch reloaded

Wir waren ja mal wieder in Italien, Hases Genpool besuchen gehen. Diesmal gaaaanz tief runter: “finibus terrae” hat die Ecke mal geheissen, und tatsächlich, danach kommt nur noch Afrika und Griechenland. Und um dasjenige, das eh alle am meisten interessiert, gleich vorwegzunehmen: 4,3 Kilo in sieben Tagen. So. Man munkelt, dass sich die Insassen einer hier ungenannt wollenden Berner Trainingslokalität bereits schelmisch darauf freuen, nächste Woche einem fetten, alten Zigeuner den faulen Arsch grün und blau zu schlagen. Und ich habs ja verdient, soviel restzwinglianischer Masochismus muss mir erlaubt sein.

Labern, fressen, labern, fressen, schlafen. Repeat.

Habe ich schon mal erwähnt, dass sowohl der Italiener als auch die Italienerin an sich kein Gramm normal sind? Sogar, wenn ich dies schon getan hätte – es ist dermassen wahr, dass es kaum oft genug gesagt werden kann.

Zwei Hauptpunkte: die Fresserei und die Schwaflerei. Beides sind die Hauptsäulen, auf denen die italienische Kultur steht. Und beides wird bis zum Exzess betrieben.

Gut, OK, es waren ja Verwandte, da ist klar, dass mit der grossen Kelle angerichtet wird. Aber einmal haben wir fünfzehn Gänge über den ganzen Tag verteilt gezählt, da war noch nicht mal ein Frühstück drin. Kann das noch gesund sein?! Und man verstehe mich jetzt richtig: nicht so Chrüter-Oski-Nouvelle-Wobischdu-Portionen, sondern solche, die dazu geeignet sind, Holzfäller oder Kampfhunde nach härtestem Einsatz zu sättigen. Ich kann wirklich fressen wie gestört, aber nach drei Tagen habe auch ich aufgegeben: es war, wie wenn meine Verdauung einfach nicht mehr nachkäme, all das Zeug, das oben reingestopft wird, zu verarbeiten, bevor schon wieder Nachschub kam. Gefühlsmässig habe ich deshalb noch eine Woche nach der Rückkehr in die Schweiz italienische Nahrungsmittel defätiert.

Und dann haben sie uns dauernd versichert, dass es an “normalen” Tagen bei ihnen nicht so wäre, dass sie nur für uns ein Festessen veranstalten. Und im nächsten Satz erzählen sie, wie man vor drei Tagen (ohne, dass Schweizer oder sonst ein erkennbarer Grund zur Völlerei vorhanden gewesen wäre) wie deppert geschaufelt habe, einfach so. Und wie zwischen erstem Advent und Stefanstag der Tisch in der Regel gar nie abgeräumt, sondern einfach nur immer das Leergegessene wieder aufgefüllt werde. Und dass Weihnachten im Vergleich zu Ostern geradezu harmlos sei.

Aber eben: erzählt wird viel an italienischen Tischen. Verdammt, elend, unglaublich viel sogar. Wir lernten einmal eine gebildete junge Frau kennen, die sogar ausländisch parlieren konnte (Französisch, Englisch, sogar bissi Deutsch), was in Italien wirklich eine Ausnahme darstellt. Ihre Sprechleistung von ungefähr zweitausend Silben Italienisch pro Sekunde sprengte die Kapazität meines Gehirns bei weitem, weshalb ich vorschlug, in eine mir etwas näher stehende Sprache zu wechseln. Nachdem ich ihr etwa drei Minuten beim Französischsprechen zugehört habe, sagte ich ihr, sie könne auch genauso gut wieder Italienisch sprechen – die Sprache hatte zwar gewechselt, sowohl Betonung als auch Tempo blieben aber unverändert.

Meine Theorie ist ja, dass alle, die nördlich des Gotthards geboren sind, eine Verengung in ihrem Gehörgang angeboren haben. Dank (oder Fluch, je nachdem) derer ist man nicht in der Lage, mehr als eine gewisse Anzahl Worte aktiv zu hören, geschweige denn, sinnvoll zu verarbeiten. Entsprechend sind auch unsere Sprechwerkzeuge aufgebaut: darauf optimiert, die diffizile Architektur eines nördlichen Gehörgangs zu berücksichtigen, ihn ja nicht mit zu viel Sprachleistung zum Bufferüberlauf zu treiben. (Dass dies mit einer erhöhten Leistung beim Bedenken des zu Sagenden einhergeht, ist zwar naheliegend, die Erfahrung zeigt aber, dass es eine Fehlannahme ist.)

Das südländische Ohr hingegen ist ein bodenloser Krater, der völlig ungerührt auch die unglaublichste Menge an Worten aufnehmen und verarbeiten kann. Entsprechend sind auch südländische Zungen gefertigt: als linguistische Maschinengewehre, wartungsfrei und nur dann wirklich glücklich, wenn sie auf höchsten Touren feuern können.

Es ist mir bisher erst einmal gelungen, einen Tisch mit immerhin fünfzehn italienischen Dransitzenden für ein paar Sekunden zum Schweigen zu bringen, und das ging so: man wollte mich zum Verzehr irgendeiner Widerlichkeit nötigen, ich glaube, es war Fischgehirn. Normalerweise bin ich solchem Mist ja nicht ganz abgeneigt – mein Top-Team aus Gaumen und Magen erträgt zumindest rein theoretisch eigentlich alles, was kreucht und fleucht. Bockig werde ich aber dann, wenn ich etwas “muss” – wenn ich etwas probieren muss, etwas machen muss, etwas erledigen muss. Dann stellen sich bei mir die Nackenhaare auf, die Augenbrauen ziehen sich zusammen und bevor es denkt, sagt es schon “sicher nicht”. Muss was genetisches sein.

Item, man sagte mir also, ich müsse dieses Fischgehirn jetzt unbedingt probieren, weil, nebst seiner kulinarischen Qualitäten habe es auch noch… andere. Aha, so fragte ich, welcher Art diese Qualitäten denn seien, und bekam zur Antwort, diese Qualitäten seien besonders, wenn nicht gar explizit, für Männer geeignet. Gut, gab ich zurück, dann macht es uns also so intelligent wie Frauen? Kopfschütteln über den Barbaren aus dem Norden war die Folge, neiein, das hätte ich falsch verstanden, es wirke mehr… unten. Achso!, ich wieder, dann sei ja gut, und fragte mit grösster Unschuldsmiene, weil, ich hätte da unten keineswegs Performance-Probleme – ob das bei den anderen Herren hier am Tisch etwa der Fall sei?

Tatsächlich schwiegen jetzt alle – Männer und Frauen – während etwa dreissig Sekunden, in einer Stille, die andere als beklemmend empfunden hätten, ich aber genoss, da ich endlich mal in Ruhe und ohne Störung einen oder zwei Bissen kauen konnte.

Echte Männer

Sowieso, es ist ja eine Freude, Italien als Mann zu bereisen, der tradierten Insignien der Männlichkeit im besten Fall mild belächelnd, im weniger guten Fall offensiv bekämpfend begegnet. Konkret: ich hasse Autofahren, ich scheisse auf rote Sportwagen, ich schlafe bei Fussball ein, ich glaube jeder Studie, die behauptet, dass mehr als 30 Minuten Velofahren im Tag impotent macht, ich koche gerne, ich putze mehr als die Frau, ich verdiene weniger als ebendiese, ich definiere mich nicht über meinen Job und wenn mir ein Geschlechtsgenosse über seine böse Alte vorjammert, bin ich reflexartig auf deren Seite. Männersolidarität finde ich selten mehr als bemitleidenswert und ja, verdammt, ich tausche halt lieber mit der Hausfrau Rezepte aus, als virtuelle Schwanzlängenvergleiche mit den klötentragenden Jammerlappen im Wohnzimmer auszutragen.

Der Italiener ist ja überzeugt davon, dass es nördlich von Milano eigentlich keine Männer mehr gibt. Der globale Brennpunkt des Testosterons ist irgendwo zwischen Lecce und Rom anzusiedeln, alles andere sind ja nur verweichlichte Memmen. So meint der Italiener.

Dazu passt, dass der Italiener eine Art von Homophobie entwickelt hat, die geradezu Jööööh-Charakter hat. Und zwar wird ganz einfach die Existenz von Homosexualität negiert. Das heisst, man weiss zwar, dass es schwule Italiener gibt, diese leben aber ganz einfach alle in Milano. Irgendwie muss es da einen Botty-Magneten haben, der einfach alle Homos früher oder später da hochzieht. Und weil eben alle Schwulen in Milano leben, kann es an Orten wie zB Lecce gar keine mehr geben. Ist ja logisch, oder?

Entsprechend kann man sich in Süditalien so tuntig aufführen, wie man will, es wird sich niemand daran stören. Solange man nicht mit dem Pimmel im Hintern eines anderen Mannes erwischt wird, ist alles in Ordnung und man wird glauben, dass derjenige eben “die Richtige” noch nicht gefunden hat. Und sogar wenn man auf einer öffentlichen Toilette in eindeutiger Pose erwischt wird: eher ist man bereit, an einen schrägen Unfall zu glauben, an einen Ausrutscher auf glitschigem Boden, wobei man, Gesicht voran und “Goooooooooooooal!” schreiend, zufällig auf dem – unerklärlicherweise voll erigierten – Genital eines Priesters gelandet ist, als dass den Betroffenen homosexuelle Absichten unterstellt werden.

Erklärungsnotstand herrscht nur, wenn der Priester zufälligerweise aus Milano stammt.

Sprachliches

Moskitos fisten!

Fistare gli zanzare!

Wir kennen eine aus Apulien stammende Frau, die seit über zwanzig Jahren in der Deutschschweiz lebt (und zeitweise arbeitete) und nach all dieser Zeit noch nicht ein einziges Wort Deutsch oder Schweizerdeutsch versteht, geschweige denn spricht. Sie hat es geschafft, zwei Kinder grosszuziehen und sich selbst während dieser ganzen Zeit in einem selbstgewählten italienischen Ghetto zu halten. Der nächste SVP-Wasserträger, der mir irgendwas vorjammert, weil der Jugo von nebenan nach drei Jahren in Bern noch immer kein Goethe-fähiges Hochdeutsch spricht und keine Schiller-Sonette freihändig vortragen kann, dem muss ich glaub echt mal die Kutteln so richtig durchputzen.

Ich bin ja, was romanische Sprachen angeht, wirklich kein Genie – Legionen von Franz-LehrerInnen aller möglichen Niveaus, Stufen, Ebenen und Lehrkörper können das bestätigen. Aber nach einer Woche nur Zuhören war ich soweit, dass ich zumindest kapiert habe, um was es in einer umgangssprachlichen Unterhaltung ungefähr geht. Ist ja auch selten Quantentheorie, über die da diskutiert wird. Aber die Ignoranz, die in Italien Fremdsprachen gegenüber geübt wird, ist wirklich sensationell. Es scheint, als ob italienische Gehirne einfach abblocken, sobald was ausländisches an ihre akkustischen Sensoren gerät.

Entsprechend gibt es an italienischen Unis auch so gut wie keine Veranstaltungen, die nicht in Italienisch abgehalten werden. Englisch als Lingua Franca zumindest der Natur- und Wirschaftswissenschaften ist dort auf jeden Fall noch nicht durchgedrungen. Was in einem Land mit einer traditionell rekordhohen Marke an arbeitslosen Uni-Abgängern doppelt idiotisch wäre, eigentlich.

Auf die eigene Sprache jedoch ist der Italiener stolz wie sonstwas. Völlig irrelevant, dass sie ausserhalb der eigenen vier Wände nur noch in der Schweiz (und da auch eher zum Erhalt des Lokalkolorits und um die Restschweiz zu nerven) gesprochen wird: wenn es um Italienisch geht, wird jeder Bauarbeiter zum linguistischen Experten und Ästheten. Völlig normal, dass man mit einem doppelten Doktor nur Italienisch sprechen kann. Ebenso völlig normal, dass man von der Kellnerin augenbrauenhebend korrigiert wird, wenn man ein falsches Geschlecht vors Wort setzt.

Die Sprache ist aber auch immer wieder zu Spässen aufgelegt. So heisst ja bekanntlich “es stinkt” auf Italienisch “puzza”. Daraus nun abzuleiten, dass “Trepuzzi” einfach “drei Stinker” seien, ist aber komplett falsch – es handelt sich hier um eine Stadt, deren Geruchsemissionen sich durchaus im italienischen und gesamteuropäischen Durchschnitt halten. Dass der Mano weiblich ist, ist da nur noch der Tüpfelchen auf das i und konsequent.

Aber auch bei den Namen findet sich allerlei Spassiges: ganz besonders zu erwähnen sicherlich der Name Sturzo für einen Katholenpolitiker.

Strandfreuden

Hase und ich haben eine Tätigkeit kultiviert, die wir “simulierten Strandurlaub” nennen. Man geht dazu an dem Ort, wo man sich gerade aufhält – das kann im Urlaub an einer x-beliebigen, nicht wirklich für ihre Traumstrände berühmte Destination sein oder zur Not auch im Marzili oder im Badezimmer in der Bümplizer Wohnung – dorthin, wo sich Touristen und Einheimische in der Regel zum Eintunken ihrer Glieder in Salz- oder Süsswasser treffen.

Warum wir das tun? Ganz einfach: als Dink-Vorzeigemodelle sind wir ja prädestiniert für Urlaub auf den Malediven, den Seychellen…. Hauptsache schön weit weg, schön Strandsonnepalmen und, vor allem, schön teuer. Nun wissen wir ja ganz genau, dass wir es in der Regel selten länger als zwei Stunden an einem Strand aushalten. Wo der Erholungsfaktor beim kollektiven Hautkrebs kultivieren, während links und rechts ein textil unterdotierter, ziemlich repräsentativer Querschnitt durch die ZuschauerInnen des RTL-Nachmittagsfernsehens liegt, krakeelt und… einfach ist, liegen soll, hat sich für uns noch nie so wirklich erschlossen. Aber trotzdem, man ist ja den ständigen, vierfarbigen Illusionen der Reiseindustrie machtlos ausgesetzt. Und so kommt es halt auch bei uns mal vor, dass wir, meist nach Wochen, in denen die Welt zwanzig mal eingerissen, neu aufgebaut und wieder in Stücke gehauen wurde, schmachtend vor Bildern von weissen Stränden stehen, die nur eines suggerieren: nichts tun.

Das Problem ist nur: wir können nicht nichts tun. Geht nicht, irgendwie. Absenz von Aktivität hat keinerlei Erholungswert für uns. Wenn wir nichts tun, dann möchten wir etwas tun. Sachen anschauen. Lesen. Das Hotelzimmer umräumen, egal. Und auf den Maledellen kann man nichts tun, ausser eben: nichts tun. Und bevor sich da wieder Besserwisser zu Wort melden: Schnorcheln und tauchen ist für uns genau dasselbe wie nichts tun, einfach noch mit bunten Fischlein drumherum.

Und genau aus diesem Grund, um uns von dieser uns innewohnenden Unmöglichkeit zur Untätigkeit immer mal wieder aufs Neue zu überzeugen, machen wir eben simulierten Strandurlaub. Was haben wir schon an Geld und Nerven gespart, indem wir eben nicht auf die Maledellen gefahren sind! Wenn mehr Leute simulierten Strandurlaub machen würden, das Klima wäre im Fall schon fast gerettet, alleine schon nur durch die nicht zurückgelegten Flugmeilen!

Item.

Apulien ist recht berühmt für seine Strände, die zur Hauptsaison vor allem von Italienern, Deutschen und Schweizern frequentiert werden. In dieser Zeit muss die Gegend die absolute Hölle auf Erden sein. Wir haben da wesentlich mehr Glück gehabt, im Wesentlichen waren die Strände nämlich leergefegt, und das trotz, so sagt zumindest Hase, durchaus angenehmen Wassertemperaturen. All die Gummienten-Schnorchel-Badehosen-Shops, die das Bild von solchen Orten sonst prägt, war gnädigerweise bereits grösstenteils weggeschlossen, übrig blieb die stellenweise tatsächlich atemberaubende Landschaft, klarstes Wasser und trotz Bewölkung mehr als genug Sonne für zwei Bleichhasen. Beste Voraussetzungen für simulierten Strandurlaub!

Wir gingen da also an den Strand und profitierten gleich vom “Liegestühle und Sonnenschirm zusammen für nur zehn Euro”-Sonderangebot, haben uns mit ausreichend, aber nicht allzu schwerer Lesekost in zu bratender Absicht in den Sand gelegt, das bereits millionenfach als malerisch besungene Meer in unverbaubarer Frontalsicht.

Es war schon todlangweilig, als wir noch standen. Aber im Liegen fühlte ich sofort, wie mein Gehirn im Sekundentakt “Mami, wie lang geits no? Mami wie lang geits no? Mami wie…” in Richtung meines Aufmerksamkeitshorizonts feuerte. Und so schön es auch war, links und rechts über mehrere hundert Meter keinen Grind ansehen zu müssen, irgendwie fehlte etwas. Ich meine, ja, Meer, schön. Aber irgendwann hat man sich doch sattgesehen an Wellen, nicht? Zumal nie zum Beispiel ein Wal angespült wird oder ein Geisterschiff oder ein Hai gesichtet wird oder so. Immer nur dieses dröge Rauschen, das mich ständig in einen lethargischen, passiv-aggressiven Zustand befördert und mich final auf einer mechanisch-tierischen Ebene spitz wie Nachbars Lumpi macht, dass es auch nicht mehr schön ist.

Aber eben, niemand um uns herum. Niemand, den man herzhaft auslachen könnte. Niemand, mit dem man einen Streit vom Zaun brechen könnte. Und das (höchstwahrscheinlich) endvierzige Schweizer Paar, das sich in gerade noch Sichtweite befand (Illustrationsvorschlag: Er Geo-Lehrer im Muristalden, Sie Katechetin und/oder Sozialarbeiterin), mittels Sandwürfen und dem demonstrativen Ziehen eines Burggrabens zu einer zünftigen Schlägerei zu provozieren, erschien mir dann doch als Zeitverschwendung.

Zum Glück begann es nach etwa 45 Minuten zu regnen, was einerseits eine von uns hochgeschätzte Betriebsamkeit am Strand auslöste, andererseits die Möglichkeit eröffnete, uns ohne grösseren Gesichtsverlust (Andrea: jetzt nicht übersäuern!) von unserem Sonderangebot zu trennen.

Und wieder zweimal SFr. 4′000.- für Maledellen-Urlaub gespart!

Mafia, Wirtschaft, Kirche, Politik

Der staatstragende, klassisch-italienische Vierklang, hier in absteigender Wichtigkeit geordnet.

Diese Woche hat der Cavaliere ja mal wieder aufs Maul bekommen, von einem ultralinken, die Gesetze politisch ausnutzenden Verfassungsgericht. Diese verfluchten Kommunisten in Roben wollen einfach nicht begreifen, dass zwar alle Tiere gleich sind, die grösste Sau unter ihnen aber gleicher als alle anderen sein muss, weil sonst der Staat zusammenbrechen zu droht. In Italien ist dies mehr oder weniger allen (zumindest 70% der ItalienerInnen stehen nach wie vor hinter B.) völlig klar.

Sowieso: man hat in diesem Land eine Form der Betriebsblindheit kultiviert, die von aussen betrachtet sprachlos macht. So sprachen wir beispielsweise die Leute auf die zig-tausenden von Bauruinen an, die jeden Ort, jede Gegend, jedes Feld und jeden Strand zu einer Häuserkampfkulisse machen: auf der Autoreise zwischen Lecce und Brindisi habe ich innert 15 Minuten einmal über dreissig Runien gezählt. Völliges Unverstehen schlug uns entgegen – wie bitte, Bauruinen? Wir erklärten dann, was wir meinten, zB da die drei Mauern, die offensichtlich seit Jahrzehnten einfach als Mauern mitten im Dorf stehen (“ach ja, da wollte einer mal eine Fabrik bauen, aber die Regierung hat dann gewechselt”), oder das Haus, das direkt an der Strandpromenade steht und offenbar nie aus der Rohbau-Phase kam (“ah. ja, dem ist der Gemeindepräsident mal mit dem Bulldozer übers Haus gefahren”), oder auch das Villenquartier für gehobene Ansprüche, das einen ganzen Berg für sich beansprucht, laut Baureklame seit 2002 fertig ist, bisher erst aus rohen Mauern besteht und, dem Überwucherungsgrad des Grundstücks nach zu urteilen, seit mindestens drei Jahren keine Baumaschine mehr gesehen hat (“achso, natürlich, dem ist halt das Geld ausgegangen”).

In Italien scheint es eine lustige Regelung zu geben: wenn man ein Haus ohne Baubewilligung baut, und man es schafft, bis zum Dachgiebel zu bauen, bevor ein Gericht den Bau untersagt, wird der Bau, nach Zahlung einer “Gebühr” selbstverständlich, legalisiert. Wenn ein Gericht einschreitet (lies: man zuwenig “Gebühren” gezahlt oder den falschen Empfänger eingesetzt hat), verfügt das Gericht den sofortigen Bauabbruch. Punkt. Keine Verpflichtung, den ganzen Scheiss wieder wegzuräumen. Und da man, genug Kapital vorausgesetzt, erstens sowieso gleich wieder mit der Bauerei von vorn beginnen kann, kauft man halt ein paar hundert Meter weiter ein Stück Land und versucht, möglichst schnell bis zum Giebel zu bauen. Rinse, repeat.

Eine schöne Parabel zur italienischen Politik ist die Strassenbeschilderung. Manchmal meint ein Pfeil, der nach links weist, eigentlich rechts, oder umgekehrt, oder aber, und das ist wohl der Normalfall, er bedeutet einfach geradeaus, einer vagen Mitte folgend, die sich mehr über die Bezeichnung der Strasse (“super”, “mega”, oder wie auch immer) definiert als über deren tatsächliche Richtung.

Es macht auch durchaus Sinn, dass, wenn man von der Stadt Trecase auf die Autobahn fährt und während einer Stunde dieser geradeaus folgt, nach besagter Stunde dann auf eine Ausfahrt namens “Trecase” stösst. Keine Angst, wir sind nicht in einem Wurmloch gelandet, dies ist bloss die… anders intelligente italienische Strassensignalisation.

Eng mit der Politik (und somit dem organisierten Verbrechen) ist in Italien die Kirche verwoben. Man hat sich da offenbar darauf geeinigt, den Kuchen fair aufzuteilen, getreu dem biblischen Wort, wonach das Weltliche dem Cavaliere und seinen Kumpels, der Rest der Kirche gehören soll. Oder so ähnlich.

Apropos Kirchen: Wir waren ja auch in ein paar solchen (nicht wirklich spannend, die meisten sind aufgehellte, radikal totrenovierte Bauten im apulischen Barok), unter anderem in einer, die auch der Pappa Ratzi mit seinem Besuch beehrt hat. Ich habe sogar einen Stuhl gesehen, auf dem der Ratzi höchstselbst seinen pontifikalen Arsch drauf gesetzt hat. Es mag auf den ersten Blick verwirren, dass dieser Stuhl, im Übrigen kein sonderlich erwähnenswertes Exemplar süditalienischer Schreinerkunst, deswegen nicht als Heiliger oder zumindest seliger Stuhl bezeichnet werden kann, sondern bloss als “der Stuhl, auf dem der olle Bene, seines Zeichens Heiligstuhlbesitzer im wahrsten Sinne, mal gehockt ist”.

Leider war es mir nicht vergönnt, mich auf das gebenedeite Sitzwerkzeug zu lagern. Ob es daran lag, dass man befürchtete, die Heiligkeit des Stuhls könnte eventuell auf meinen atheistischen Zigeunerarsch abfärben, konnte ich nicht abschliessend klären. Vielleicht lag es auch nur daran, dass der Wärter meinen Witz vom “Papa Nazi” nicht verstanden hat. Seis drum. Man hat es schliesslich auch nicht verstanden, als ich an jedem Padre Pio-Denkmal den Schalter zum versteckten Waffenlager gesucht habe.

Statistisch sind die Apulianerinnen übrigens die eifrigsten Kirchenbesucher Italiens: mehr als 43% besuchen mindestens 1x pro Woche (!) eine Messe. An Apulien kann man übrigens auch schön darstellen, wie Gläubigkeit einiglich mit materieller Armut einhergeht: wenn nur die Hälfte dessen, was in die Kirche und ihre Repräsentanten an Arbeit, Zeit und Kapital investiert wird, stattdessen in eine Volkswirtschaft geleitet würde, die diesen Namen auch verdient und tatsächlich die katastrophalen Infrastrukturprobleme anpacken würde, Apulien wäre wohl die Schweiz Italiens, halt einfach mit einem Meer statt Bergen.

Es passt übrigens auch wie die Faust aufs Auge, dass es in Italien eine Versicherungsgesellschaft namens “Cattolica” gibt.

Alles Scheisse?

War jetzt der ganze Urlaub eine Reise in die tiefste Hölle, ist Italien das Afghanistan Europas?

Nunja, manchmal war es schon hart an der Grenze zum Erträglichen. Vor allem das nicht-hinsehen-Wollen war zeitweise extrem schwierig für uns. Wie kann man mit Bergen von Müll vor dem Haus leben, ohne diesen Müll überhaupt noch wahrzunehmen? Wie kann man ein antidemokratisches Regime verteidigen, mit dem einzigen Argument, dass “die Kommunisten es auch nicht besser gemacht” haben? Wie kann man eine derartige Denkblockade haben, wenn es darum geht, die Verbrechen der Kirche ihrer guten Taten gegenüberzustellen? Ich weiss es heute noch nicht.

Aber eben, da gab es auch dies:

Der gesamten Mannschaft von Sud Sound System beim Wellenreiten am Strand zuschauen. Geile neue Rezepte bekommen, zB Orechiette an einer Sauce aus Cime di Rape. Ein schwuler, kommunistischer Katholik, der zum Präsidenten der Region gewählt wird. Mit Hase am sturmgepeitschten Meer entlanglatschen. Zum ersten Mal im Leben einen früchtetragenden Pfefferstrauch (-baum?) sehen. Die Erkenntnis, dass es auch in Italien eine erstarkende Grüne Bewegung gibt. Und Zia Teresas Sugo, der, mit einer Handvoll Vongole angereichert, für einen Atheisten die wohl grösstmögliche Annäherung ans Paradies darstellt.

Ich weiss, das alles macht einen Berlusconi nicht ungeschehen. Aber es macht ihn zu einer Nebenfigur, einem Störgeräusch, einer Randnotiz einer Fussnote einer Marginalie, in einem ansonsten wunderschönen Buch, das dringend einen anständigen Lektor und eine etwas anspruchsvollere Leserschaft bräuchte.

Viva Italia – trotz allem.




Bescheuert in Paris

Jüngst hat es mich für keine 24 Stunden nach Paris verschlagen, natürlich geschäftlich, sonst wäre das doch eher ein bisschen fragwürdig. Item, dort gabs etwas Feines zu Essen von einem sogenannt “edlen” Auslieferservice, doch beim Abfallkonzept dahinter ist mir beinahe das Gesicht abgefallen.

Es scheint aus einer Zeit zu stammen, als man das Wort Abfallkonzept noch nicht buchstabieren konnte. Man muss sich beim Betrachten der Bilder einfach bewusst sein, dass alles, wirklich alles à fond perdu ist.

(Für Grossansicht auf die Bilder klicken)

Mahlzeit!




Aufgeschnappt I + II

Neulich im Hauptbahnhof Bern, zwei Hausfrauen, pardon, Familienfrauen mittleren Alters unterhalten sich offenbar über eine Kollegin. Sagt die eine zur anderen: “Weni sie wär gsy, de hätti ihm aber d’platte ygheizt!”.

Ausserdem in der Pariser Métro gefunden:

Gratis Origami for the Masses




Prioritätenmanagement

Montag Morgen, 06.30 Uhr, der Kaffee dampft, die Frisur sitzt. Die Themen in Presse und Radio:

  • Was bedeutet die neue deutsche schwarz-gelb Regierung (YB-Koalition quasi) für die Schweiz? Wird der Herr Westerwelle, seines Zeichens Aussenminister in spe, aufgrund seiner sexuellen Präferenzen bei einem allfälligen Iranbesuch umgehend vom Achmeschlagmichtod verhaftet und gefoltert?
  • Ist die Verhaftung des Herrn Polanski gerechtfertigt oder bloss ein weiterer Versuch der Schweizer Regierung, das Ansehen im Ausland aufzupolieren? Ein Aufschrei geht durch die lokale Filmszene (ist ja auch unverschämt, einem flüchtigen Kinderschänder den Prozess zu machen, auso ehrlech!).
  • Ach ja, fast vergessen: Die neue Miss Matterhorn wurde ja auch noch gekürt. Blondiert und streng gläubig – eine verheerende Mischung aus dumm und weltfremd.

Zur Erinnerung: Am Wochenende haben wir über die eine oder andere wichtige Vorlage abgestimmt. Ich finde es irgendwie seltsam, dass dies in der Montagspresse und den Onlinemedien mehr oder weniger als Randnotiz zu finden war. Eine Prioritätenanpassung im Newsbereich wäre wünschenswert.




Reduktion aufs Wesentliche

Heute schon wichtig gefühlt? Gar unentbehrlich? Etwa relevant?

Hier ist die Kur:

Ein Grössenvergleich etwas anderer Natur, beginnend bei unseren “heimischen” Planeten aus dem Sonnensystem, endend bei VY Canis Majoris, dem grössten bisher entdeckten Himmelsobjekt.

Bild klicken für Grossansicht

Wer sich nach dieser Abreibung noch für eine grosse Nummer hält, der braucht dringend eine Therapie zwecks Behebung der Profilneurose.




Nastrovje!

Na, da war ja heute wieder mal was los in Bern: Scharfschützen auf den Dächern rund ums Bundeshaus, ein Balkon-Betret-Verbot für Anwohner, Personenkontrollen durch eine Hundertschaft von Polizisten (…i wott doch nume zum Kiosk!), Umleitungen, welche die Innenstadt in ein unübersichtliches Labyrinth verwandelten und Pendler, welche rundum zum lustigen Such-Deinen-Bus-Spiel animiert wurden.

Nein, es handelte sich dabei nicht um eine Grossoffensive der EU, die Schweiz mit Waffengewalt einzunehmen, Grund dafür war vielmehr eine Kurzvisite des russischen Präsidenten. Der Obama des Ostens sozusagen. Eine wahre Schmierenkomödie oder – um es einmal ganz salopp im Stammtischjargon auszudrücken: Da freut man sich als Steuerzahler über die judihui verprassten Millionen, welche hier wahnsinnig sinnvoll in die Sicherheitsvorkehrungen gesteckt wurden.

Fazit: Einem (oder in diesem Falle zwei) geschenkten Bärli schaut man wohl nicht ins Maul…




Bollywood und Dummgeschwätz

Bollywood im HB Züri:

Und ein kleines, aber gut angezogenes Daumenschräubchen geht an den Super-Fashionista-Plattenleger Christopher S. (steht das “S.” eigentlich für Shithole?), der mit seinem merkbefreiten Kommentar im gestrigen Blick am Abend wieder mal klar Position bezogen hat:

“Als SVP-Mitglied hätte ich Christian Lüscher bevorzugt. Ich war den ganzen Morgen mit dem Auto unterwegs und habe die Wahl im Radio verfolgt. Sehr spannend war das nicht. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass das Volk die Bundesräte direkt wählen sollte.”

Und wir meinen, dass der trendy Chrigeli sich besser um seine Fummel und House-Platten kümmern sollte, denn davon scheint er eindeutig mehr zu verstehen.




Henusode

Ob es ein Zufall ist, dass die Wahl des neuen Bundesrates gleichzeitig mit dem Todesurteil unseres Autos erfolgte? Man weiss es nicht so genau, irgendwie ist beides Schrott…




Mann oh Mann!

Keine Angst, heute gibts nichts zum Thema Gaddafi/Merz. Ist ja echt dröge langsam, immer auf demselben Thema herumzuhacken. Mittlerweile beschäftigt sich sogar der Nationalrat mit dem Thema, was in der Regel darauf hindeutet, dass sich keine Sau mehr dafür interessiert. Also weg damit.

Stattdessen möchte ich der werten LeserInnenschaft in Erinnerung rufen, dass am 9.9.09 erstmals (?) der Tag des Mannes gefeiert wurde. Hurra, Heissa, Trallala! Es war ein total wilder Tag, an dem mein Y-Chromosom von oben bis unten beschenkt, gewürdigt und gefeiert wurde.

Naja, in meinen Träumen vielleicht.

Den Kommentar von Hase, was sie mir denn Gutes antun werde am Feiertag der Männlichkeit, kann ich hier leider nicht ganz adäquat abbilden. Es war sehr laut, schrill und enthielt ganz viele Silben wie “muhahahaaaahahaaahaaaaaaa!!!”. Entsprechend konsterniert startete ich in den Tag, der keineswegs besser wurde, je länger er dauerte.

Die finale Ausbeute des Manntages: ein mudriges Plastiksäckli von l’Oreal, zu einem Sechstel “gefüllt” mit drittklassigen Pflegeprodukten “für den Mann”, dazu noch einen Industrie-Espresso im Plastikbecher. War jetzt voll der Bringer, habe mich selten so männlich gefühlt.

Aber schon interessant: während man (!) am Tag der Frau über Themen wie Gleichberechtigung diskutiert, liegt der Fokus beim Tag des Mannes darauf, uns optisch einigermassen passabel und wach zu machen. Das sollte schon zu denken geben.

Da fällt mir ein, dass es neu “Kino speziell für Männer” gibt. Find ich ja gut, im Prinzip. Jeder Randgruppe ihr eigenes Kino, von mir aus können sie auch Kino speziell für maso-pädophile Tourette-Tetraplegiker mit einer Sackhaarphobie machen, wurscht. Aber es wundert mich ja schon, dass sich ein Haufen (mutmasslich heterosexueller) Männer dafür einsetzt, für ein paar Stunden ausschliesslich mit Geschlechtsgenossen in einem dunklen ZImmer hocken zu dürfen, während dazu ein Film läuft. Ich bin ja nicht in der Szene, aber soweit ich weiss, hätten sie das schon vor Jahren an jeder x-beliebigen Gay-Party haben können.

Oh Mann… jetzt, wo ich bei schwul und Tourette bin, kommt mir grad der Gaddafi wieder in den Sinn, aber ich habe ihn ja nicht mehr erwähnen wollen.

Voll die Zwickmühle.




Cliché lass nach…

8 Jahre. 8 verdammte Jahre haben meine wilde Süsse und meine Wenigkeit gebraucht, um so etwas wie anständige Ferien zu planen und letztendlich auch umzusetzen. Entweder fehlte das Geld oder die Zeit oder beides. Wir hatten es effektiv nicht hinbekommen, mehr als ein verlängertes Wochenende im Inland oder im angrenzenden Ausland zu verbringen. Und das ist beileibe kein Scherz, sondern bitterer Ernst, also bitteschön.

Doch das spielt jetzt keine Rolle mehr. Heute morgen haben wir unsere Kutsche vollgetankt, bis unter die Dachkante beladen, den Hund eingepackt und sind gen Süden losgefahren. In der Tasche hatten wir eine Buchungsbestätigung und den Wegbeschrieb zu einem klitzekleinen Steinhäuschen irgendwo in der Provence.

Eine Bolognaise (aus lokalen Zutaten) und ein paar Gläser Rosé später sieht die Welt schon ganz anders aus. Sogar die Zigaretten schmecken nicht gleich wie zu Hause.

Die Tomaten sind regelrecht von der Sonne getränkt worden, die Zwiebeln schmecken schon fast süss und der Knoblauch riecht einfach nur episch. Auch der Rosé, der vom Hof der Vermieter stammt, ist eine Klasse für sich.

Das geneigte Lesewesen mag sich jetzt fragen, ob der alte Nasse dermassen ferienreif ist, dass sogar der Billigst-Espresso von der Autobahntanke irgendwie nach Milano schmeckt.

Nein, meine Lieben, im Französischen Süden gibt es diese Amélie-Welt zum Teil noch, wo der Bauer jeden Morgen seine Kühe mit dem Namen anspricht, bevor er zart die Milch aus den Eutern seiner Mädels massiert. Wo der Metzger am Samstag Abend, eine halbe Stunde vor Ladenschluss, die Kunden immer noch mit dem selben Charme bedient wie am frühen Morgen in aller Frische. Wo der Schinken noch nach Landleben duftet, weil die glücklichen Säue provenzalischen Mais und hochwertige Küchenabfälle gefüttert bekamen.

Klar, es ist nicht alles Gold, was im Süden glänzt. Aber die Qualität der Lebensmittel ist hier einfach anders, besser, man spürt die Liebe der Leute zu ihren Produkten. Mit jedem Bissen und mit jedem Schluck wird man daran erinnert, dass es eine Welt abseits von Food Engineering, McDingsbums und Light-Produkten gibt.

Diese Welt ist jetzt für eine Woche unser Zuhause. Oder, um es mit Yello zu sagen:

Oh yeah!




Und wer denkt an Graubünden?

Der Herr Gaddafi, der ist ja ein Lausbub.

Zuerst liess er den Bundesmerz ein lustiges Tänzchen aufführen und lachte sich wohl den revolutionären Arsch wackelig, als er das Schweizer Medienecho darauf vorgelesen bekam. Und dann steht in der Zeitung, dass er der UNO-Vollversammlung (der Libyen nächstes Jahr übrigens vorsitzt) vorschlagen will, die Schweiz, den alten terroristischen Schurkenstaat, zu zerschlagen und auf die Nachbarländer aufzuteilen: die Deutschschweiz den Deutschen, die Frankophonen an Frankreich, das Tessin an Italien.

Gut, der Vorschlag wurde bereits zurückgezogen, weil er die die Satzung der UNO verletzt. Aber ist das nicht gar kleinlich? Weil, man muss ja zugeben: dies würde einige Probleme lösen. Das ganze strukturschwache Zeug ginge an Frankreich (die bekämen dann ja schliesslich auch Genf zum Ausgleich), die Tessiner sind eh wöhler in Italien und mit dem neuen Steuerabkommen sind wir ja sowieso irgendwie schon fast ein bisschen Deutschland. Herr Gaddafi ist hier also durchaus visionär, wenn nicht gar revolutionär. Aber das ist er ja sowieso schon, der Herr Revolutionsführer.

(Da fällt mir ein: Gaddafi sieht ein bisschen aus wie meine verstorbene Oma. Also, als sie noch gelebt hat, meine ich jetzt. Können wohl beide nix für, ausser dass sie beide ein Faible für Sonnenbrillen aus den 70ern haben. Bzw gehabt haben. Und übrigens hätte die ganze Libyen-Affäre gar nie stattgefunden, wenn wir den Bundesmerz vor seinem Besuch in Tripolis mit ein bisschen Lametta und einem lustigen Generalissimo-Hut eingekleidet hätten, weil do in Rome like the Romans do. Das aber nur ganz nebenbei.)

Blöderweise, bei allem VisioRevolutionismus, hapert es mit der Allgemeinbildung beim Herrn Führer. Weil, bei seiner klugen Raumaufteilung hat er die Bündner total vergessen. Scheisse auch. Die Daumenschraube hat sich mal so unverbindlich erkundigt, ob allenfalls Liechtenstein (noch so ein Streitpunkt) die Bündner übernehmen würden. Leider kam da schon eine Absage, man habe schon jetzt kaum genug Briefkästen für alle EinwohnerInnen und man studiere ebenfalls an einem Anschluss ans Reich herum, sie haben deshalb kein Interese am Graubünden. Auch Österreich will nicht: man habe bereits genug starrsinnige Bergler und Steinböcke finde man per se schiach, also naa und schleichts eu, seavus.

Schade eigentlich.

Eine Möglichkeit wäre natürlich, Graubünden zu einer libyschen Exklave zu machen. Mit dem vom Bundesmerz verbockten ausgehandelten Vertrag wäre das kein Problem; wir haben ja neu schon libysches Recht hier. Ausserdem, wenn man einen Bündner mit einem Bettlaken und einer Porno-Sonnenbrille ausstaffiert, dann sieht der voll aus wie ein libyscher Revolutionsführer, merkt jetzt keiner den Unterschied. Reden tun beide in unverständlichem Idiom, also bitte. Jetzt müsste man den Laden nur noch in “Grübien” umbenennen und fertig wäre der Kuchen.

Ist halt alles eine Frage der Definition. So wie bei den Geiseln: die sind neu Geschäftsleute auf Libyenbesuch, die zufälligerweise Visa-Probleme haben. Auch der Bundesmerz-Besuch ist als Erfolg zu werten, schliesslich haben wir unsere Geiseln bereits nach zwei Tagen aus dem Gefängnis gehabt, während andere Länder ihre Krankenschwestern jahrelang in Kerkern schmoren lassen – sch’gengdas.

Und so ist wohl auch Merz’ Ankündigung, er werde sein Gesicht verlieren, wenn die Geiseln (pardon: Geschäftsleute) bis am 1. September nicht zurück sind, zu verstehen: nicht als konkrete Zusage, sondern als Wunschvorstellung.




Kontext, Kontext, Kontext!

Aufmerksamen LeserInnen wird es nicht entgangen sein: Dschango hat ein Lieblingswort. Gut, ok, nicht nur eines, aber eines ganz besonders: sch’gengdas. Für unsere lieben Teutonen: das ist eine (bern-)schweizerdeutsche Version von “immerhin”. Wollt ich nur gesagt haben.

Nun gut. Dieser Ausdruck traf mich zum ersten Mal vor vielen Jahren, als ich ihn von Hase hörte, als Ausdruck eines gewissen Zweckoptimismus mit zynischem Unterton.

Ein Beispiel. Der Bundespräsident lässt sich von einem Öldiktator so richtig ordentlich den Arsch versohlen, die ganze Welt lacht über den “Bundesrat Nötzli” (O-Ton BlAbend von gestern), sowohl Gewaltentrennung als auch Föderalismus wurden verletzt, eine alternative Rechtsordnung, massgeschneidert für alle Lybier in der Schweiz, wurde geschaffen, aber immerhin, die Geiseln werden frei kommen. Oder sollen dies zumindest ganz bald. Sehr wahrscheinlich. Wenn wir jetzt alle ganz fest die Arschbacken zusammenkneifen und ja nichts Zweideutiges oder gar Eindeutiges Richtung Lybien schicken. Von einem Berner Beobachter (bzw einer Berner Beobachterin, war ja immerhin Hase, von der ich den Ausdruck habe) würde man jetzt furztrocken hören:

Sch’gengdas, het s’Müüsli gseit.

Soweit so gut. Aber, das fragte ich Hase sofort, aber was zur Hölle hat das Mäuschen damit zu tun? Inwiefern ist Mäuschen dazu qualifiziert, eine Aussage über den Bundespräsidenten zu machen? Leider erntete ich von Hase auch nur ratloses Kopfschütteln, das Rätsel musste ungelöst bleiben. Offenkundig fehlte hier der Kontext, der eventuell Mäuschen die Legitimation lieferte, sich zur Thematik zu äussern (und ich sage euch, Mäuschen hält nie und nimmer mit seiner Meinung hinter dem Berg). Die Causa Müüsli musste vorläufig offen bleiben, so unbefriedigend die Situation auch war. Viel, viel länger übrigens, als die Geiseln in Lybien festgehalten wurden, und der Bundespräsident hat sich in all den Jahren einen Scheissdreck drum gekümmert.

Schnellvorlauf, etwa zehn Jahre. Ich beginne einen neuen Job, finde tolle neue Arbeitskollegen und bin im Übrigen eigentlich ganz wohl in meiner Haut. Die Müüsli-Geschichte habe ich zwar nicht vergessen, wohl aber in einen Teil meines Fühlens und Denkens verbannt, der im allgemeinen Rauschen untergeht. Ich diskutiere also eines schönen Tages mit meinen neuen Kumpels irgendwas Geschäftskritisches und auf einmal sagt der eine Kolleg:

Sch’gengdas…

Ich steige da natürlich voll mit ein:

…het s’Müüsli gseit

Und – jetzt kommt es! – da gibt der wie aus der Pistole geschossen zurück:

… wo’s is Meer bislet het.

Und plötzlich tat sich mir eine Welt auf. Plötzlich konnte ich nachfühlen, was Leute meinen, wenn sie sagen, sie hätten Erleuchtung gefunden. Auf einmal sah ich klar und deutlich, was Müüsli für eine Rolle in der Weltgeschichte spielte, wusste mit absoluter Sicherheit, ja, Müüsli hat etwas zu sagen. Müüsli ist teh shizzle!

Wir lernen also: Kontext ist Trumpf. Ohne Kontext hängt auch – sogar! – Müüsli nur lustlos im Raum herum und weiss sich nicht recht zu helfen. Also: mehr Kontext braucht das Land!

Ich hoffe sehr, dass auch Roger Köppel diesen Artikel liest. Gestern haben wir nämlich aus irgendeinem Grund eine Weltwoche im Briefkasten gehabt – fragt mich nicht, es geschah ohne jegliches aktives Zutun von unserer Seite. Nachdem ich den Briefkasten desinfiziert (übrigens, das passt gerade schön zur Schweinegrippe: es heisst nicht ‘desinfiszieren’, auch wenn man das immer wieder in Film, Funk und Fernsehen hört, das Substantiv schreibt sich ja auch nicht ‘Desinfekstion’, ihr Knüllen) und mir Gummihandschuhe übergezogen habe, entschloss ich mich dann, dieses Blatt mal wieder anzuschauen und las das Editorial vom Schefredaktör aufmerksam durch. Herr Köppel referiert da über den Zweiten Weltkrieg und nachdem ich die ganze Seite noch ein zweites Mal gelesen habe, merkte ich, was der Herr Köppel vergessen hatte: den Kontext, der den Text nicht nur lesbar gemacht hätte, sondern ihn auch mit einem gewissen Informationsgehalt hätte aufwerten können. Ich weiss nämlich immer noch nicht, was mir der Herr Köppel eigentlich genau sagen wollte mit seinem Editorial.

Herr Köppel wäre gut beraten, sich am Müüsli ein Beispiel zu nehmen.




Von Memmen, Mönchen und Mongolen

Ich kurvte also mit meinem klimafreundlichen Wohnwagen durch das Mittelland und versuchte, der sesshaften Bevölkerung meinen Tand zu überrissenen Preisen anzudrehen, auf einmal steht da so ein pubertierender Mittelstandsknilch vor mir und meint: “Ey, Dschango, was is eigentlich mit deinem Blog los?”

Verdammte Scheisse. Der Blog!

Kann ja schon mal passieren, bei der Hitze, dass man etwas aus dem Tritt gerät. Und bei mir geht ab 30° genau überhaupt nix mehr; bin dann schon genug damit beschäftigt, nicht an allen möglichen Flächen kleben zu bleiben.

Letzthin habe ich übrigens Cutthroat Capitalism: The Game gespielt. Das Game geht ziemlich bald auf den Sack, aber die Kommentare sind der Hit. Schon witzig, wie ein simples Game, bei dem man verschiedenfarbige Punkte auf einer stilisierten Landkarte herumschiebt, der Anlass zu einer leidenschaftlich geführten Diskussion darüber sein kann, ob der Kapitalismus nun ein Segen oder ein Fluch für die Menschheit ist. Und ob das, was wir unter “Kapitalismus” verstehen, nun tatsächlich der “Wahre Kapitalismus” (TM) sei.

Ja, und apropos verschobene Weltsicht: Campino, Sänger der Toten Hosen und eigentlich ein ganz sympathischer Zeitgenosse, liess neulich verlauten, seine Band verweigere den Auftritt am Jonschwil Festival, weil dessen Organisator MItglied der SVP sei. Verstehe ich ja schon irgendwie, weil SVP und Punkopas, das will einfach nicht so recht zusammenpassen. Schon eigenartig aber, wie verengt der politische Blick sein kann: hier wird gegen eine rechtsbürgerliche Partei Flagge gezeigt, dort hing das Wahlposter von Jimi Hofer, mittlerweile Mitglied der stadträtlichen SVP-Fraktion, lange Zeit im Backstage-Bereich der Hosen. Ist halt nicht so einfach, das Schweizer Politsystem, da ist man ganz froh um eindeutige Labels (SVP=bös, alles andere=lieb). Mittlerweile hat man sich bei den Hosen auch eines anderen besonnen und sie haben dann trotzdem in Jonschwil gespielt, SVP hin oder her. Sicher bloss, um die armen Fans nicht zu enttäuschen.

Das ist ja so wie beim Dalai Lama. Da zahlen ganz viele Leute ganz viel Geld, um einen Mönch anschauen zu gehen. Sogar die erzkatholische Nationalratspräsidentin eilt hin, um dem Lama den Hintern zu küssen. Natürlich nur symbolisch. Ein paar Leute sind dann sogar beim Mönch zum Tee eingeladen, wo er ganz lange, ganz viele Sachen sagt, die aber nur zu höchstens 80% verständlich beziehungsweise als eigentliche Sprache zu verstehen sind. Das hat dann den Vorteil, dass man sich die Zwischenräume frei füllen (bzw sie ausblenden) kann. Da spielt es dann auch gar keine Rolle mehr, dass der olle Lama eine im Grunde genommen höchst patriarchalische, frauenfeindliche und erzreaktionäre Weltsicht vertritt – wer dauernd so süss bekifft rumgrinst, kann doch gar kein schlechter Mensch sein. Ausserdem wird er als “Seine Heiligkeit” angesprochen, also muss er weise sein.

Ja, übrigens, da kam auch mal was am TV, ein Bericht über einen Bauern, der seine Rüebli nach vedischen Grundsätzen anbaut. Stört nicht, macht keinen Lärm und Kinder werden auch nicht misshandelt dabei, also von mir aus. Bemerkenswert fand ich aber seine Antwort auf die Feststellung, dass seine Methode bei einigen Leuten als Scharlatanerie gelte, worauf er überzeugend wie folgt argumentierte (aus dem Gedächtnis zitiert):

Also, ‘vedisch’ kommt ja von den Veden. Und ‘Veden’, das heisst ja ‘Weisheit’. Die Veden sind also eine Sammlung uralter Weisheit – das kann also gar keine Scharlatanerie sein.

Ja eben, die Bibel ist das Wort Gottes, weil, das steht ja schon so in der Bibel, ne?

Wo wir bei Dummbatz sprechenden Glatzköpfen angelangt sind: der Herr Kuhn, da der Stöckelschuh-Fetischist, Ästhetik-Experte, Russland/DomRep-Honorarkonsul im Geiste und gewesene SVP-Politiker, zeigt sich pikiert darüber, dass er mit “Fäkalien verschmierte Briefe” als Reaktion auf seine persönliche Abrechnung mit Frauen, die ihn ignorieren, erhalten habe. Schon nicht nett, sehe ich ein. Prall gefüllte Kotztüten hätten von wesentlich mehr Stil und auch von mehr politischem Feingefühl gezeugt.

Und letzte Woche, da sass ich im Zug von Zureich nach Bern, da war die Hölle los. Eine Horde mongolischer Barbaren stürmte hoch zu Ross durch den Waggon, plünderte und brandschatzte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Nein, es waren nicht italienische Reisegruppen, sondern die zwei Kinder einer vor lauter Verständnis am Rande des Zusammenbruch stehenden Mutter. Nunja, statt dass die Mutter (immerhin eine Mittdreissigerin, das “zu jung”-Argument griff hier also nicht wirklich) zumindest den Versuch unternahm, ihre Teufelsbrut einigermassen in den Griff zu bekommen, schlurfte sie mit Büssermiene durch den ganzen Waggon, blieb vor jedem Abteil stehen und entschuldigte sich bei allen Reisenden persönlich für ihre “viel zu lauten” Kinder. Ich hab ihr dann gesagt, wenn sie zu sehr nervten, würde ich sie sonst aus dem Zug schmeissen und über ihre Reaktion habe ich mich gewundert: zwar hat sie offensichtlich gemeint, das wäre bloss ein Witz von mir gewesen, trotzdem spürte ich in ihrem Lachen eine Spur von “oh wenn es doch nur so wäre…”.

Sie tat mir schon ein bisschen leid.




Mission Aga

Nachdem sich mein lieber Freund Nasse das eine oder andere Mal doch eher kritisch über das Land ennet dem grossen Teich geäussert hat (siehe hier, hier und auch da), habe ich mich entschlossen, die vorgebrachten Kritikpunkte vor Ort einer näheren Inspektion zu unterziehen. Da kann ja jeder erzählen…

Deshalb: Flug gebucht, Reiselaune aktiviert und ab mit der Aga auf grosse USA Reise.

In diesem Sinne Orövuar…oder so!




Silo8: leider doch nur ein Deppen-Apostroph

Kollega Hymnos ist schier begeistert, Tausende pilgern vier Nächte pro Woche ins Nebelloch der Schweiz, wahrscheinlich dem ganzen verdammten Land gefällt es, bloss der Dschango, die olle Unke, der findet es mal wieder nur soso-lala: das Jubiläumsprogramm von Karl’s Kühne Gassenschau, genannt ‘Silo8‘.

Zuerst mal das Freundliche vorweg, dann haben wir das hinter uns. Höchst positiv aufgefallen sind mir (in eher typo-ästhetischer Reihenfolge):

  • die Explosionen am Schluss
  • die DarstellerInnen
  • das Bühnenbild
  • die Band

Die Leute haben Vollgas gegeben und ihre Rollen mit Verve gespielt. Das grotesk-absurde Element wurde konsequent und vollendet durchgezogen, die Gesangseinlage von Frau Ida war schier berauschend. Beeindruckt haben mich auch die technische Infrastruktur, die hinter so einer Produktion stehen muss, sowie die Techies, die all das Zeug bedienen. Gott helfe uns und ihnen, damit das folgende, von einer endblonden Teenie-Frau hinter mir, am Ende des Stücks (sehr) laut gedachte Szenario nie eintrete:

Iiiiihhh… we die mau uf die fauschi Siite kippä…!!

Nein, ich spoile nicht. Geht hin und seht es euch an, wenn ihr mitlachen wollt.

Item.

Ich denke, mein Hauptproblem war eine falsche Vorstellung davon, was mich erwarten sollte. Ich habe mir Trash vorgestellt, Underground, BlutScheisseTränenFeuerAkrobatik, sowas in der Art. Der Deppen-Apostroph war für mich Signal für Anarchie und Wahnsinn, für Chaos und Burlesk! Und stattdessen?

Der grosse Ablöscher begann für mich ja schon ganz am Anfang, als ich aufs Areal trat. Das bin jetzt sicher auch nur wieder ich, aber wenn es etwas gibt, was mir sowas von auf den Sack geht, sind es die ganzen verfluchten Event-Zonen. Da diese Frissmich-Trinkmich-Kaufmich-SchenkmirdeineAufmerksamkeit-Meilen, die ihre Ursprünge wohl auf irgendeinem versifften Open Air im letzten Jahrtausend haben. Anmerken muss ich ja, dass die ganzen 1200 (man korrigiere mich, wenn ich hier falsch liege) Personen absolut smooth und schmerzlos abgefüttert wurden: unseren – durchaus leckereren – Abendhappen hatten wir, trotz langer Warteschlange, innert weniger Minuten.

Hat sich niemand über die Zahl da oben gewundert? Ja, ist schon ein Haufen Leute. So richtig bewusst wurde mir das, als ich ins Vorstellungs-Areal eintrat und in die Runde blickte. Ebenfalls bewusst wurde mir in diesem Moment, dass es schlicht nicht möglich ist, tatsächlich Underground zu bleiben, wenn man an rund 80 (?) Abenden 1200 Leute ins Theater holen will.

Und das ist wohl das Problem: das Stück gibt sich zwar laut und dreckig und total schrill, in Tat und Wahrheit ist es aber nichts mehr als Trash Light, gerade so viel, dass das Grosi noch ein bisschen rot wird, aber ja nicht so viel, dass es wirklich jemandem umsgottswill weh tun könnte. Der obligate, zehnmillisekündige Schnäbiblitzer wäre da ein Beispiel. Die Gags sind selten unvorhersehbar, nie wirklich originell, orientieren sich an klassischem Slapstick, nur halt mit viel, viel mehr Gadgets.

Am besten waren die Kärle dann, wenn sie die Sau rauslassen konnten. Umso quälender waren dann die “poetischen” Momente. Im Grunde genommen weiss ich ja schon, dass es mir jetzt dann gleich die Fussnägel hochrollen wird, wenn ich das Wort “poetisch” höre/lese/denke: was danach kommt, dient in aller Regel dazu, Emotionen im Fast Food-Verfahren an die Leute zu bringen. Möglichst auffällig verpackt, mit möglichst wenig Nähr- oder Ballaststoffen, viel Zucker und Zuckeraustauschstoffe, schnell produziert, schnell geliefert, schnell verzehrt, schnell verdaut. Und so lief es dann auch jeweils ab. Die vorne wussten, auf welche Dur- oder Moll-Knöpfe sie in welcher Reihenfolge drücken mussten, das Publikum dankte es durch braves Abspulen der eigenen Emotionsrolle. Bin sicher auch nur wieder ich, aber ich kann mit der zuckersüssen Samstagabend-Romantik halt nichts anfangen. Klebt mir das Hirn von.

To-tal was anderes, aber artverwandt: was ist das eigentlich für eine komplett verblödete Unsitte da mit der Klatscherei? Früher, da gab es sowas, das nannten wir damals ‘Applaus’: ein komplett unkoordiniertes Durcheinander von Klatschgeräuschen, ausgelöst von dem in reinster Form autonomen Zusammenschlagen von vielen, immer aber ausschliesslich individuell koordinierten Handpaaren. Das konnte schon mal einen ganz schönen Lärm machen! Ausserdem gab es Nuancen: es gab den verhaltenen Applaus, den Verlegenheits-Applaus, den frenetischen Applaus, den brausenden… und heute? Alle synchron: *KLATSCH!!-KLATSCH!!-KLATSCH!!-KLATSCH!!*, wie damals, als der Führer noch gelebt hat. Oder als ob die alle auf Valium und per Elektroschocks ferngesteuert wären. Kann es für einen Schauspieler etwas Frustrierenderes geben, als wenn du völlig ausgekotzt da vorne stehst und dir gegenüber sitzen 1200 Applaus-Faschisten, die den Mussolini klatschen? OK, 1200 minus ich und den paar Rhythmospasten im Publikum… was die Sache auch nicht besser machte.

Und am Schluss merkten wir, dass wir von 1200 ZuschauerInnen mit einem Grüppchen von vielleicht… 30? 50? weiteren Nasen die einzigen waren, die mit dem ÖV da hoch kamen. Und das bei Gratis-Shuttle, optimalen Zugs-Anbindungen und allem Pipapo. Eine endlose Schlange von Autos jeglicher Bauart, die bunte Wahrzeichen aller möglichen Kantone trugen, fuhr im Schritttempo durch Olten, heimwärts. Und dieses Spiel jeden Abend, an dem Silo8 spielt. Das war dann der Zeitpunkt, wo ich mich im Jahre 1990 wähnte, weit weg von Finanz-, Klima- und Energiekrisen. In Happy Olten scheinen diese auf jeden Fall noch nicht angekommen zu sein.

Gut, für ihr bescheuertes Publikum können die Kärle nun wirklich nichts.




Lecker ist anders

Heieiei… da leiere ich mir einen ab, wie sehr in die Gesellschaft integriert wir Gitanen doch heutzutage seien, und da stolpere ich in meiner nächsten Nachbarschaft über dieses Schild.

Schrecklich. Dass man uns jagt, erlegt und zu Steaks verarbeitet, ist ja schon schlimm genug. Aber das verdammte stundenlange Einlegen in Marinade vorher… einfach nur grauenhaft.

Damit dieser Freitag nicht ganz trostlos endet, empfehle ich euch noch, un-be-dingt bei der Allee der Spackonauten vorbezuschauen. Herr banana hat da eine Abhandlung zur Verteidigung von Analog-Käse und Gel-Schinken hingehauen, dass mir die Schwarte gekracht hat vor Lachen.

Übrigens, von wegen Analog-Käse… ist ja ein supigeiles Wort, aber welcher Scheiss-Nerd von Lebensmitteltechniker kommt auf die Idee, was zu Essen auf den Markt zu bringen, das den Wortteil ‘Anal’ im Produktnamen enthält?

Der Käse ist voll fürn Arsch, ey.




Wer hat Angst vor den bösen Piraten?

Ich weiss ja nicht, wie das bei euch so ausschaut, aber jedesmal, wenn ich das Wort ‘Raubkopierer’ höre, streckt sich mein Rückgrat durch, meine Brust bläht sich auf und ich bin mindestens zehn Zentimeter grösser. Der Grund dafür ist die Silbe ‘Raub’ im Wort:

  • Raubfisch
  • Raubtier
  • Raubkatze
  • Raubvogel
  • Raubwanze

Gibt definitiv schlimmere Nachbarschaften für einen popeligen Zigeuner in den Enddreissigern. Gut, da gibt es auch noch:

  • Raubtierkapitalismus (ok, können die armen Viecher jetzt nichts für)
  • Raubbau
  • Rauber (eine Ex-Arbeitskollegin bzw Ex-Arbeits- und Ex-Kollegin von mir, die meinetwegen gern geraubt, höchst ungern aber kopiert werden darf)

Apropos Enddreissiger. Letzthin mal wieder mit Kollega Magnussen geplaudert, kamen auf das Thema Midlife-Crisis (ja Nasse, ich weiss, du wirst so eine nie kriegen; die Diskussion darf dort bleiben, wo wir sie abgebrochen haben). Auf jeden Fall merkte ich, dass ich über kurz oder lang vor einem riesigen Dilemma stehen werde. Weil, was macht jemand, der irgendwie findet, er sei jetzt dann langsam alt genug für eine Midlife-Crisis, der aber mit seinem Hasen total glücklich ist, sich nicht für Autos interessiert und extremste Höhenangst hat? Es wird eine schwierige Zeit auf mich zukommen, soviel ist schon mal sicher.

Aber zurück zu den Raubkopierern. Schauen wir doch mal, wie die gute alte Wikipedia den Raub definiert:

Raub ist nach deutschem Strafrecht die Wegnahme (Besitzübergang) einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben mit der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.

Wer ein Gehirn besitzt, dessen Kapazität nur wenig mehr als die Ansteuerung von Photosynthese erlaubt, wird unschwer erkennen, dass alleine schon das Wort ‘Raubkopieren’ ein Widerspruch in sich ist – das Anfertigen einer Kopie ist nun mal kein Besitzübergang. Und, das darf ich wohl sagen, noch nie hätte ich gegen jemanden Gewalt ausgeübt, nur damit er mich seine mp3-Sammlung kopieren lässt, isch schworen.

Der Begriff ‘Raubkopierer’, so falsch er auch ist, griffig kommt er allemal daher. Unter diesem Begriff lassen sich auch gut sämtliche Strohmänner einordnen, die PolitikerInnen mit wenig Ideen und noch viel weniger Plan gerne in ihre eloquenten Reden streuen. Pädosexuelle? Lösen wir en passant mit dem Raubkopierer-Problem. Rassismus? Ist obsolet, sobald alle Raubkopierer kastriert sind. Klimawandel? Mal ein paar Raubkopierer verbrennen, die sind CO2-neutral.

Ich meine, ist ja ganz witzig, mal wieder zu einer anderen sozialen Gruppe zu gehören, die von der Mehrheit als Paria angesehen wird. Macht Laune, weil schliesslich die ganzen Gitanen schon längst vollständig in diese Gesellschaft integriert sind und der Dschango sonst nichts mehr zu Jammern hätte.

Trotzdem wurde letzten Sonntag in Zürich die Piratenpartei Schweiz gegründet und Dschango findet das gut. Womit wir endlich am Kern dieses Artikels angekommen wären.

“Nanu!”, so interjektiert nun die besorgte LeserInnenschaft. “Schon wieder so eine Ein-Themen-Partei? Was wollen diese Piraten denn? Anarchie im Tarngewand einer politischen Partei? Hemmungsloser Konsum für alle, gar die Geilheit des Geizes als Parteiprogramm?”

Nun ja, ganz so schlimm ist es auch nicht.

Im Kern geht es der Piratenpartei um eines: die Re-Demokratisierung unseres Kulturguts. Dazu gehört sowohl die Einschränkung des Urheberrechts (das sich mehr und mehr vom Konsumenten und vom Urheber entfernt, um immer näher beim Rechteverwerter zu stehen), ein Verbot von Kopierschutz-Technologien, Abschaffung von Patenten, bedingungsloses Grundeinkommen für alle, etc.

Klingt utopisch, ja, weil die Forderungen der Piratenpartei die Grundfesten dessen, was wir als unseren Reichtum und als Basis unserer Gesellschaft ansehen, angreifen. Und so meint auch die NZZ, schon lange bekannt als grosse Verfechterin von Konsumentenrechten und Bewahrerin der individuellen Freiheit:

[Die Piraten] stören sich daran, dass jemand ein Buch schreibt oder eine Musik komponiert und daraus das Recht auf Entschädigung durch die Nutzniesser ableitet.

(…)

Die Freiheit, von der die Piraten reden, meint die freie Selbstbedienung im Internet und bedeutet nicht weniger als die Enteignung der Künstler. Das Urheberrecht mag ein Auslaufmodell aus dem Geist des aufgeklärten 18. Jahrhunderts sein und wird vielleicht nicht lange dem Ansturm der digitalen Verwerter standhalten. Aber wir brauchen es nicht gleich im Namen vermeintlicher Bürgerrechte zu Grabe zu tragen.

Man kann knapp danebenliegen, oder auch komplett. Die NZZ hat hier aber eindeutig eine neue Rekordmarke in der Disziplin ‘Merkbefreitheit’ aufgestellt. Nicht nur, dass sie Urheber- und Verwertungsrechte verwechselt. Offenbar war bei der NZZ zum Zeitpunkt des Artikelschreibens das Internet kaputt, so dass der Schurni nicht mal die Website der Piraten besuchen konnte. Nur so lässt sich erklären, warum eine Zeitung wie die NZZ die Faktenlage komplett ignoriert und sich stattdessen auf ein Pamphlet im bewährten neoliberalen Stil beschränkt.

Gut, es gäbe noch die Möglichkeit, dass die NZZ ein gewisses Eigeninteresse daran hat, den Status Quo zu erhalten. So etwas über ein derart seriöses und objektives Blatt zu behaupten wäre allerdings wahnsinnig unschicklich. Lieber dumm als bös, das haben schon die Christen gemerkt, und die NZZ preist in der Folge auch im Jahre 2009 noch ihren Gott ‘freier Markt’ als Lösung aller Probleme. Also, das heisst natürlich, ‘frei’ innerhalb der Freiheit, in der Monopolisten wie genanntes Blättchen ihr angegrautes Geschäftsmodell rentabel halten können. Ist ja nur logisch.

Wer jetzt immer noch nicht weiss, warum die Piratenpartei durchaus diskussionswürdige Ansätze vertritt, kann sich gerne mal von der deutschen WirtschaftsWoche (WiWo) aufklären lassen.

Ob ich der Partei beitreten werde? Mal schauen. Die einzige Partei, bei der ich bisher Mitglied war, hat sich knapp ein halbes Jahr nach meinem Eintritt aufgelöst. Von dem her weiss ich nicht, ob es wirklich als Unterstützung anzusehen wäre, würde ich der Piratenpartei beitreten.

Ob ich sie wählen werde? Mal schauen. Am Schluss entscheiden halt schon Personen und nicht Parteien, bei wem ich mein Kreuzchen mache. Mein Vertrauen in parteilich organisierte Interessenvertretungen hat sich bei mir in den letzten Jahren merklich abgekühlt. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis auch die Piraten vom parlamentarischen Irrsinn auf ein ‘konstruktives, lösungsorientiertes, aus der Mitte heraus politisierendes’ Format geschrumpft werden.

Und ob die Piratenpartei eine wirkliche Zukunft hat? Dreimal könnt ihr raten… genau: Mal schauen! Auch die Grünen haben vor gefühlten 100 Jahren als Spinner und Wirtschaftsfeinde angefangen. Heute nennen sie sich ‘grünliberal’, können rechnen, gelten als sexy und spinnen immer noch – neu aber mit einer gewissen politischen Relevanz.

So, jetzt brauche ich noch einen knackigen Schlusssatz. Oh, da ist ja einer, garantiert 100% raubkopiert:

KLAR MACHEN ZUM ÄNDERN!