Archiv für die Kategorie ‘Aufgeschnappt’

Türkisch-griechische Freundschaft – mit Alles!

Alle kennen die Frage, die einem beim Kebab- bzw Falafelverkäufer unweigerlich gestellt wird, kurz bevor selbiger den heiss ersehnten Imbiss mit Brot umhüllt:

„Mit Scharf, mit Alles?“

Vom grammatikalischen und stilistischen Standpunkt her total falsch, ja. Trotzdem sympathisch, wenn nicht sogar heimelig. Von dieser sympathischen Heimeligkeiit möchte wohl auch die Migros profitieren, wenn sie ihre (im Übrigen total leckeren) Hot Sandwiches anschreibt.

Vielleicht liegt hier die lang ersehnte Versöhnung zwischen Griechen und Türken, quasi zum Reinbeissen parat. Die Zyprioten freuen sich bereits, so munkelt man.




Glaubensfreiheit für Moses!

Es gibt Tage, an denen sich Dschango frühmorgens einen Kaffee aus der Maschine zieht, nicht wissend, dass dieser Kaffee bald wieder aus seiner Nase sprühen und sich als feiner Nebel in der Küche verteilen wird. So geschehen gestern, als ich in BZ und Bund einen Artikel über den Hund Moses las (der im Bund aus Persönlichkeitsschutzgründen zu ‘Abraham’ anonymisiert wurde). Heute morgen kam die Story auch im 20Min.

Kurz gesagt geht es darum, dass sich die Besitzer von Moses weigern, ihrem Hund einen (seit vorletztem Jahr gesetzlich vorgeschriebenen) Mikrochip einsetzen zu lassen. Und dies begründen sie nicht etwa mit einer Chipallergie des Hundes, sondern mit ihrer in der Bronzezeit erfundenen Religion. Im Märchenbuch der Niederbipper Landwirte-Familie steht nämlich geschrieben, dass “Gottes Strafe jene trifft, die mit einem solchen Mal gekennzeichnet sind”.

Das Verwaltungsgericht hat ihnen schon den juristischen Finger gezeigt (Bussgeld Fr. 1′500.-, ich als braver Steuerzahler danke hiermit den Niederbipper Fundies für ihren tollen Beitrag zur Sanierung der dämonischen Staatskasse); entsprechend wollen sie nun Moses’ Recht auf Glaubens- und Chipfreiheit vor Bundesgericht erstreiten.

Echt Leute… dies ist eine derjenigen Steilvorlagen, bei denen ich kaum weiss, wo ich mit Reintreten anfangen soll…

Mal ganz abgesehen davon, dass es mir kalt den Rücken herunterläuft, wenn aktuell lebende Mitbürger meines Landes denken, dass es über dem Bundesgericht immer noch Gott als letzte Instanz gibt, schreit dieser Vorfall nach einer irgendwie gearteten Beschränkung von Klagen ans Bundesgericht. Es kann schlicht nicht angehen, dass eine höchste juristische Instanz mit derartiger Idiotie beschäftigt wird. Dies aber nur nebenbei.

Stattdessen möchte ich hier Möglichkeiten aufzeigen, wie dem Dilemma von Moses pragmatisch zu begegnen wäre:

1. Moses konvertiert zum Islam

Eine verblüffend einfache Lösung. Für Muslime gelten die Judenmärchen nicht und vom Satanschip wissen die auch nix. Moses müsste sich dann zwar umbenamsen lassen (Dschango wäre für ‘Mohammed Ali’, das rockt!), das wäre aber wohl nicht so ein Problem. Da wir davon ausgehen, dass Moses bereits kastriert ist, wird ihn auch die Beschneidung nicht wirklich stören. Einziger Nachteil: Moses würde sich selbst als perma-unrein ansehen. Das könnte aber wohl mit der einen oder anderen Hadsch ausgeglichen werden. Fragen Sie hierzu den Imam Ihres Vertrauens.

2. Moses muss Farbe bekennen

Die BZ schreibt zwischen den Zeilen, dass Moses offenbar jede Bitch anspringe, die an ihm vorbeiläufigt. Es wurde mir auch zugetragen, dass man Moses dabei beobachtet habe, wie er das Weihwasserbecken der Niederbipper Kirche leergeschlabbert und an eine Wand derselben gepisst habe. Ein wahrer Christ würde das nie tun; es stellt sich also die Frage, wie bibelfest Moses tatsächlich ist.

Ist Moses schon getauft? Wurde der Hund überhaupt schon nach seiner Konfession gefragt? Dschango vermutet, dass die Jesus-Bauern schlicht keinen konfessionsfreien Hund in ihrer Mitte dulden. Ein klarer Fall von Diskriminierung also! Die Freidenker-Vereinigung wurde informiert; man überlegt sich nun, Moses atheistisches Asyl zu gewähren.

(Dass Moses einen ‘Zentralrat der Ex-christlichen Köter’ gründen will, ist hingegen ein reines Gerücht ohne jegliche Faktengrundlage.)

3. Radikal, aber fair

Sicherlich die beste Lösung für alle Beteiligten: nicht nur der Hund wird gechippt, sondern die ganze Familie noch dazu. Die Chippflicht wurde ja eingeführt, um die gefährlichen Kampfhunde in Schach zu halten (fragt jetzt bitte nicht den Dschango, wie das funktionieren soll). Das müsste sich eigentlich auch auf die noch viel gefährlicheren Kampffundis ausweiten lassen. Bei ausgewachsenen Familienmitgliedern würde ich auch einen Maulkorb sowie eine Kastration befürworten; die Welpen sollte man fremdplatzieren.

Wie nun weiter?

Wird Moses den Kampf gegen die satanischen Behörden gewinnen? Rufen Islamisten eine Fatwa gegen das Bundesamt für Veterinärwesen aus? Werden die obligatorischen Hundeführerkurse neu auch eine Lektion Bibelkunde enthalten? Wird das Agnus Dei in einen Canus Dei umbenannt? Wird die Bevölkerung von Niederbipp kollektiv entwurmt? Steht ein Care-Team bereit? Und was meint der Papst zu diesem Skandal? Man weiss es nicht.

Daumenschraube.ch hält euch auf dem Laufenden!




Fair enough

Dem Herrn Balsiger vom Wahlkampfblog bin ich ja schon übel übers Maul gefahren – meiner Meinung nach durchaus berechtigt. Nun hat er aber einen Artikel zur SP in der Krise eingestellt, nach dessen Lektüre ich geneigt bin, dem Herrn Balsiger vollumfänglich zuzustimmen.

Wahrscheinlich werde ich alt.




Nebenbei notiert

Hier musste ich lachen, besonders bei Icordo, einfach herrlich.

Da habe ich zur Kenntnis genommen, wie verständlich man sich in der Politik mitunter auch ausdrücken kann. Es geht also doch…

Diese hier finde ich recht witzig, manchmal entwaffnend. Es hat für alle etwas dabei. Ausnahmslos.

Etwas erstaunt war ich darüber, dass das Phantom effektiv ein Geist war. Nämlich der Geist des Wattestäbchens. Irre. Hat mich zeitweilig echt beschäftigt, die Sache, CSI sei dank. Ich habe mir ja die wildeste weibliche Kriminalkarriere aller Zeiten zusammengereimt. Tja, ausser Spesen nix gewesen.

Weiter möchte ich auf diesen Artikel von Kollege Beinhart respektive die Kommentare darunter hinweisen, denn: bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe.

Last, but not least schon wieder so ein talentierter Bursche, der ausschliesslich mit seinem Gefräss ansprechende Musik macht.

Manchmal braucht man wenig, um glücklich zu sein.




Fräulein Stamm

hübsches ding

hübsches ding

Welch erfrischende, wenn zugegebenermassen auch nicht fundiert recherchierte Meldung in Zeiten, in welchen Schweizer mit Indianern und deutsche Finanzminister mit Nationalsozialisten verglichen werden:

…Ulrich Schlüer von der Schweizer Volkspartei SVP sagte, er würde Steinbrück eher “einer Lümmelfraktion zuteilen als einer Regierung”. Seine Parteifreundin Luzi Stamm rief: “Shame on you, Bundesfinanzminister Steinbrück!

Fortsetzung folgt bestimmt…




Voll normal

Es gibt Momente, wo ich mich trotz erfreulich guter geistiger Gesundheit ein wenig beschränkt fühle. Ganz besonders gegenüber Menschen wie Daniel Tammet. Der Typ ist eine Wucht, aber seht selbst:

http://video.google.com/videoplay?docid=4913196365903075662&hl=de




Supergreen!

Ja, auch die Daumenschraube macht sich Sorgen um die Umwelt. Zum Glück kann mit Geld auch ein gutes Gewissen kaufen – ignoranz.ch hat mich auf die Idee gebracht. co2stats bietet an, den CO2-Verbrauch, den eine Website produziert, mit alternativen Energieformen zu kompensieren. Wie das genau funktionieren soll kann ich euch leider nicht sagen, aber für ein kuschlig-warmes Gutmenschengefühl reicht es allemal.

Nun ja, wir wollen uns in 50 Jahren nicht vorwerfen lassen, dass wir schuld sind, weil die Eisbären alle kollektiven Selbstmord begangen haben und die Eskimos so wie wir nur noch zwei Worte für Schnee kennen: ‘Schnee’ und ‘Drecksschnee’. Aus diesem Grund haben wir alle tief ins Portemonnaie gelangt und unterstützen den Ablasshandel des 21. Jahrhunderts eine gute Sache.




Furu Siftware chropmatsch

Wer den Dschango ab und zu IRL trifft, weiss, dass das Chrischtchindli ihm nachträglich noch ein MPD32 gebracht hat. Ein ganz primafeines Gerät, es zischt auch vorzüglich mit REAPER, Dschango ist total glücklich.

Er wäre aber nicht Dschango, wenn er nicht mindestens ein Haar finden würde, und siehe, in der deutschen Preset-Dokumentation wurde er fündig. Wohlverstanden, ich mache mich hier nicht über einen Fremdsprachler lustig, der Google-übersetzte Dokumente generiert. Vielmehr scheint, dass der Autor die eine oder andere Substanz konsumiert hat oder aber einem sprachlichen Kreativ-Schub erlegen ist.

Ganz besonders schlimm hat es den GURU-Teil getroffen, aber man siehe selbst:

Ist lustig, ja – aber bei den Stichworten ‘Siftware’ und ‘chropmatsch’ komme ich schon ins Grübeln. Woher, so frage ich mich, woher wissen Akai um meine Musik-Skills? Woher wissen sie um den Qualitätslevel meiner eingesetzten Programme?

Das erklärt wohl den Zusatz ‘Pro’ im Firmennamen.




Aber, aber…

Ja, liebe/r BZ Redaktor/in, da muss wohl das Orthographie Semester nochmals wiederholt werden. Ist aber auch ein schampar langer Artikel…




Die perfekte Woche

Ja, der Titel dieses Artikels…  ich habe lange mit ihm gerungen, schliesslich hat er mir das Kreuz auf die Matte gedrückt und ich hab nur noch abklopfen können. Vielleicht ist es nicht die perfekte Woche gewesen, aber heieiei, verdammt nahe dran war sie auf jeden Fall.

So könnte ich diese Woche beispielsweise über die Katholen und deren obersten Schef schnöden. Ginge total easy, vor lauter Steilvorlagen weiss man ja nicht, wo man als erstes abdrücken soll. Aber erstens hat Kollege Magnussen bereits in äusserst befriedigener Weise abgedrückt und zweitens läuft es in der katholischen Kirche momentan absolut optimal, jedenfalls für meine persönliche Agenda diese Organisation betreffend. Also lassen wir das mal.

Ich könnte auch darüber schreiben, wie sich diesen Montag eine Theologieprofessorin ohne Plan und von der traurigen Gestalt selbst demontiert hat. Das war am Mäntigsapéro, das Ron Orp wohl im kompletten Drogenrausch recherchiert hat (merci, Berner Gazette!) und bei dem es eigentlich auch den Beda Stadler (da übrigens ungewohnt nett und die Theologin Schroer schon fast liebevoll provozierend) nicht wirklich gebraucht hätte. So viel Schwurbel hat selbst der Dschango noch selten gehört und am Schluss machte die gute Frau den Eindruck, als ob sie den Blödsinn, den sie da rausgelassen hat, selbst nicht mehr glauben könnte. Schade war nur, dass die eigentlich wichtigste Frage des Abends nicht gestellt werden konnte, nämlich wie viel Neues wir in den letzten 200 (oder 500, oder 1000, oder 2000) Jahren dank der Theologie über die “Natur Gottes” gelernt haben. War ja toll, wie Frau Schroer erzählt hat, was sie alles machen in ihrer Fakultät (Kurzfassung: nichts, was in anderen Fakultäten nicht mindestens so professionell, aber ohne Dogma als Ausgangspunkt aller Forschung gemacht würde). Andererseits hatte ich gegen Schluss den Eindruck, dass die Frau Professorin jetzt dann eh bald heulend zum Saal rausrennt und liess es mit der Fragerei bleiben.

Ja, und selbst wenn all dies nicht passiert wäre, könnte ich euch von einer Amazon-Suche erzählen, bei der ich zufällig auf das Buch “Gott: eine kleine Geschichte des Grössten” gestossen bin. Nicht, dass man das Buch jetzt lesen müsste (laut Amazon-Kritik macht der Autor so tolle, voll richtige und total noch nie gehörte Aussagen wie “wer Atheist ist, ist Nihilist, ist Massenmörder oder zumindest ein Unterstützer solcher”, hier der Lesbarkeit zuliebe gekürzt wiedergegeben). Aber man schaue sich mal dies an:

Ein Schelm, aber sowas von ein Schelm, wer da Böses denkt, vor allem, wenn er kurz vorher die doch leicht sinnfeindlich und lusttötend dreinblickende Frau Schroer live gesehen hat.

Und zum Schluss melden die mir doch noch, dass schwanz-und-hirnlos-Rapper Bushido zur dreizehnthässlichsten Frau Deutschlands gekürt wurde. Noch vor Angie Merkel (Platz 14) und Bill Kaulitz (Platz 30).

Sorry, aber… kann eine Woche überhaupt noch besser laufen?




Immer feste druff!

Momentan scheint es ja schampar trendy zu sein, der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP) Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Der Wahlkampfblog weiss beispielsweise ganz genau, was diese Partei falsch macht. Kritik wird oft von extern mitgeteilt, mit ganz besonderer Verve auch vom politischen Gegner, oder, im Beispiel vom Wahlkampfblog, von Leuten, die gerne bedeutende Polit-Anlässe organisieren würden, aber von der SP regelmässig einen Korb bekommen.

Fakt ist: sozial ist nicht mehr sexy. Wer für andere schaut, wird belächelt. Wer für eine gerechtere Gesellschaft kämpft, wird ausgelacht. Und wer gar kritisiert, auf welche Art wir wieviel verdienen, manövriert sich selbst aufs Abstellgleis.

Interessant ist: an allem ist die SP schuld. Immer. Schon mal aufgefallen? Für alles, was in diesem Land schief läuft, ist die SP verantwortlich. Erstaunlich ist bloss, dass dieses Land seit Gründung des Bundesstaates durchgehend eine bürgerliche Mehrheit in Parlament und Regierung hat. Aber so sind sie eben, die Linken: Geheimplan hier, Verschwörung da, und schon wissen die armen Bürgerlichen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht und sie drücken aufs sozialistische Knöpfchen.

Eine höchst beliebte Knallkopf-Kritik ist ja, dass die SP das Demo-Debakel vom 6. Oktober 2007 zu verantworten habe. Oder alternativ: die SP habe aus dem Demo-Debakel am 6. Oktober 2007 nichts gelernt.

Ein komplett bescheuerter Vorwurf. Am 6. Oktober 2007 war ein (damals noch) FDP-Politiker Polizeidirektor, die Einsatzleitung oblag dem Kanton (mit einem FDP-Polizeidirektor) und die prügelnden Scheisse-statt-Hirn-Kinder waren garantiert alles andere als SP-WählerInnen. Der einzige Vorwurf, den sich die SP hier machen muss, ist, dass sie konsequent gegen eine Einschneidung von Bürgerrechten (hier: Versammlungsfreiheit) eintritt. Was meiner Meinung nach zu keinem Vorwurf, sondern einem “Merci” führen müsste.

Das SP-Sicherheitspapier, das vom Wahlkampfblog im Original als “stark” eingestuft und “in der parteiinternen Diskussion verwässert” wurde, war einfach nur ein weiteres Law and Order-Pamphlet ohne irgendwelchen Realitätsanspruch. Klar, es hätte allen wunderbar gepasst, wenn die SP sich nun auch zu Repression als Allheilmittel bekannt hätte. Wäre wahnsinnig praktisch gewesen, wenn auch diese Partei endlich das populistische “wir wissen auch nicht weiter, aber das wenigstens lauter als alle anderen”-Mantra angestimmt hätte.

Und übrigens: die Damen Wyss und Allemann als “Lichtgestalten” zu bezeichnen ist ja nun doch etwas gar seltsam. Sie mögen ja beide gute Politikerinnen sein, aber “Lichtgestalten”? Mal bisschen von den Drogen runter, Herr Balsiger, dann klappt es auch wieder mit der Einordnung von visuellen Reizen.

In der Tat gibt es bei der SP auf nationaler Ebene Figuren, die den Eindruck dieser Partei prägen. Nur sind dies momentan kaum Leute, die tatsächlich etwas auf die Reihe bringen (Allemann, die in der Bevölkerung als “Babi” und Wyss, die der Masse als “arrogant und mühsam” ankommen, zähle ich hier explizit dazu), sondern Pseudolinke, die ihre krude Weltsicht und ihre persönliche, von Zwängen geprägte Lebenssicht auf ihre Umwelt loslassen wollen: Jositsch, Galladé und Maurer (Esthi, nicht Ueli) wären da Beispiele. Solche Figuren prägen momentan leider das Image der SP als sinnfeindliche Verbotspartei. Solche Figuren, vom politischen Gegner gerne als “pragmatisch” und “undogmatisch” dargestellt, sind aber für mich kaum unterscheidbar von bürgerlichen Repressionsfanatikern und verwischen für mich die Grenzen zwischen den Parteien noch mehr.

Man verstehe mich nicht falsch: wenn es nach mir ginge, gäbe es überhaupt keine Parteien mehr. Die Idee der Parteiendemokratie mag die letzten 200 Jahre ein tolles Modell gewesen sein; aber ob es heute noch funktioniert, ist zumindest diskutierwürdig (keine Angst, nicht in diesem Artikel). Klar ist aber, dass Parteiendemokratie nur dann funktionieren kann, wenn die beteiligten Parteien auch tatsächlich unterschiedliche Positionen einnehmen. Den momentanen Trend, alle Positionen (zumindest auf dem Papier) in die Mitte zu verschieben (sprich: Rückgratlosigkeit zum Programm zu machen), muss man daher als Angriff auf unsere Demokratie verstehen.

Noch ein Wort zu den neuen Parteien, die letzten Herbst in den Berner Stadtrat eingezogen sind. Klar ist, dass die SP Wählerstimmen an glp, GFL und BDP verloren hat. Klar ist aber auch, dass diese Parteien soziale Anliegen gerne links (!) liegen lassen: in der Stadtratsdebatte zur Konjunkturanschiebung von vorletztem Donnerstag wurden sämtliche grünen Anliegen durchgewunken, sämtliche sozialen Anliegen aber deutlich abgelehnt. Vor allem die GFL hat sich damit wieder mal klar als das entpuppt, was sie schon seit eh und je ist: die Partei der velofahrenden FDPler, die im Sommer schon mal kurzärmlige Hemden tragen (aber auch nur dann, wenn das alle anderen auch tun).

Wahlkampf-Balsiger schreibt übrigens von “Leaderfiguren aus BDP, GFL, GB und glp”. Nähme mich mal wunder, wo er diese gesehen hat, im Stadtrat können sie unmöglich sein.

Er schreibt auch davon, dass die SP “eine gut gebildete Bevölkerungsschicht, die mit der verstaubten Rhetorik der SP wenig anfangen kann, ökologisch denkt und handelt, gleichzeitig den Markt nicht verteufelt und pragmatische Lösungen anstrebt”, nicht mehr abholen kann. Was Balsiger unterschlägt ist der Nebensatz “solange es sie selbst nicht einschränkt”. Und genau das ist der Punkt an der Sache. Was all die neuen Parteien versuchen, ist die Quadratur des Kreises: grün angehauchte Pfläschterli auf die schwärende Wunde, um den wirtschaftlichen Status Quo erhalten. “Biodiesel” ist so eine klassisch grünliberale Idee, die im Voraus zum Scheitern verurteilt ist, an der aber garantiert ein paar schlaue g- oder l-WählerInnen gut verdienen werden.

Wie ich ganz am Anfang schon schrieb: Kritik wird an der SP vor allem von aussen geübt. Als nicht-SP-Mitglied reihe ich mich deshalb gerne hier ein, greife diesen tollen Trend auf und möchte der SP ein paar Tipps mit auf den Weg geben:

Etwas, das man in SP-Kreisen oft und gerne ignoriert: die stetig wachsende Zahl der konfessionsfreien Wählerinnen und Wähler vergrault ihr mit eurer Anbiederung gegenüber religiösen Führern und Institutionen regelmässig. Kein Lama, kein Papst, keine Kirche und kein Bischof, dem SP-VertreterInnen nicht allzu gern in den gebenedeiten Arsch kriechen. Ich kann zwar ein Stück weit nachvollziehen, wie ihr den südamerikanischen Befreiungstheologen auf den Leim gekrochen seid. Aber wie ihr ja selbst wisst, muss man nicht unbedingt Marx gelesen haben, um zu wissen, dass Religion Opium fürs Volk ist. In der heutigen Zeit übrigens eher Crack: billiger in der Produktion, verheerender in der Wirkung.

In dem Zusammenhang: nur weil jemand zufälligerweise eine dunkle Haut hat, aus einem fremden Land kommt, verfolgt wurde oder eine Frau ist, heisst das noch lange nicht, dass dieser Jemand auch ein guter Mensch ist oder a priori sein Gehirn regelmässig zum Denken einschaltet. Umso mehr, wenn selbiger auch noch bekennender Freikirchler ist. Es mag auf den Wahllisten gut aussehen, wenn man bunte Köpfe hat. Es wäre aber vielleicht noch schlau, vorgängig abzuklären, welche Positionen diese Leute dann effektiv einzunehmen gedenken.

Klar ist, dass euch eure Gegner gerne zur MItte-Partei kastrieren möchten. Es wäre all diesen “Pragmatismus!”-Schreiern natürlich allzu wohl, wenn ihr euch auf dasselbe undefinierbare Niveau begeben würdet, auf dem sie sich bereits befinden. Es wäre natürlich schön, wenn ihr ebenfalls auf Abgrenzung verzichten würdet, damit die Wähler noch viel weniger wissen, was die Parteien genau unterscheidet. Es wäre für alle anderen faktisch der Hammer, wenn die SP überhaupt nicht mehr gewählt würde, ganz einfach weil sie eh denselben neo-kon-liberalen Marsch bläst wie alle anderen.

Ich sage euch aber: eure Zeit kommt wieder. Spätestens dann, wenn die Weltwirtschaftskrise nicht mehr nur die Wahl “VW oder Ferrari” betrifft und die Arbeitslosenquote wieder diejenige der Analphabeten in diesem Land übersteigt, spätestens dann wird man sich wieder an euch erinnern. Oder habt ihr etwa das Gefühl, all das neue, bunte grünliberale und liberalgrüne Suppenkraut gäbe es in vier, in acht Jahren noch?

Deshalb hier mein Aufruf, werte Genossinnen und Genossen: seid nicht das blassrosa Fähnchen im grünen Sturmwind. Was die letzten Monate in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen gedruckt stand, sollte euch eigentlich zeigen, dass ihr mit eurer Kapitalismuskritik so komplett daneben nicht sein könnt. Es ist wichtig, dass ihr für die Schwachen dieser Gesellschaft einsteht, weil es sonst niemand mehr macht. Es ist wichtig, dass ihr euch für unsere Bürgerrechte einsetzt, auch wenn ihr dafür vom Gegner als “mühsam” und “stur” angesehen werdet. Es ist manchmal gut, stur zu sein! Es könnte sogar sein, dass euch eure jetzige Sturheit in ein paar Jahren als “ehrlich” und “konsequent” ausgelegt wird. Grenzt euch deshalb jetzt ab von all diesen grünen Wendehälsen, die uns das alte unterdrückerische Wirtschaftssystem in Jute-Säcken verkaufen wollen.

Steht zu euren Überzeugungen. Es braucht sie heute mehr denn je.




Aushang des Wahnsinns

Man kann sich wirklich nicht darüber beklagen, dass auf der Strasse ein Mangel an optischen Reizen besteht. Wo man hinschaut: Plakate, Aushänge, Schlagzeilen. Da ich immer auf der Suche nach Blog-Food bin, kommt mir die Überpflasterung des öffentlichen Raumes eher entgegen. Und seit mein Handy eine halbwegs schlaue Fotokamera drin hat, habe ich auch das lästige Problem der nachhaltigen Dokumentation gelöst.

Womit wir beim Thema wären: heute offeriere ich unserer geschätzten Leserschaft eine kleine Tour d’Horizon durch ausgewählte Trouvaillen, die mir unterwegs begegnet sind.

Gelb und doof, und das seit Jahren!

Gelb und doof, und das seit Jahren!

Unser erstes Fundstück kommt von einem tüchtigen Lieferanten von abstrusen Schlagzeilen; der grössten Schweizer Tageszeitung. Auch wenn ich dieses Blatt nur in ganz verzweifelten Momenten in die Hände nehme, so begleiten mich dessen Schlagzeilen auf den markanten Aushängen bereits seit langen Jahren. Es würde den Rahmen sprengen, jede Dummheit in Schwarz-Gelb zu kommentieren, aber diese hier hat sich gewaschen. Schierer Platzmangel ist der Schlagzeile zum üblen Fallstrick geworden. Gratulation nach Zürich hierfür, so eine bescheuerte Schlagzeile habe ich seit gefühlten Jahrzehnten nicht mehr gesehen.

Ausfluss der übleren Sorte.

Ausfluss der übleren Sorte.

Nummer Zwei wird uns grosszügigerweise von Vineyard Bern zur Verfügung gestellt. Hier hat jemand eine Korrektur angefügt (das Weggekratzte, nicht der Filzstift),  die treffsicherer nicht hätte sein können. Und es sieht auch so aus, als würde hier nicht die zweite Backe hingehalten, denn die Korrektur der Korrektur folgte offenbar auf dem Tritt. Finde ich schon ein wenig unchristlich, das Ganze.

Das Bild ist von letztem Jahr, könnte zwischenzeitlich also schon korrigiert worden sein. Egal, denn das Netz vergisst nicht, und ins Schwarze getroffen wurde hier sowieso.

Adrett bis zum Würgen...

Adrett bis zum Würgen...

Dieses Plakat finde ich super gelungen. Man darf kulturell nicht zu abgebrüht sein, um hier ein Überraschungspotential zu erkennen. Ich meine, was bitte soll denn an so einem Abend überraschend sein? Vermutlich haben sie auf eine Einladung von Marilyn Manson verzichtet (DAS hätte geknallt!) und die Pussycat Dolls werden wohl auch nicht kommen. Und die Musik selbst bietet da auch keine Optionen, irgendwie überraschend zu wirken. Wenn sich mal tatsächlich volkstümliche Musik in mein Ohr verirrt, dann ist das so, als ob ich alle Abläufe und Tricks im Arrangement schon gefühlte Millionen mal gehört habe. Das heisst de Facto, dass ich sämtliche Lieder der Volksmusik schon fast auswendig kenne, bevor ich überhaupt etwas davon gehört habe. Das ist wahrlich kein Leistungsausweis für eine ganze Stilrichtung und hat soviel Überraschungspotential wie die letzte Bundesratswahl.

Flöten und Bärte.

Uäh: Flöten und Bärte.

Nummer vier kommt ein bisschen schwülstig daher, wie ich finde. Zumindest ist es so, dass leicht homophobe Menschen wie ich ein wenig unwohl werden beim Gedanken, dass ein bärtiger Brummbär seine magische Flöte auspackt und damit zaubert. Glücklicherweise weckt das bei mir keine Erinnerungen an irgendwelche bösen Onkels oder dergleichen, aber ich finde das Plakat doch etwas geschmacklos. Und unglücklich formuliert. In Zeiten des Internets muss man halt schon einen Tick vorsichtiger und vor allem umsichtiger sein als diese Eventagentur, die wohl dicht dran sein wollte. Tja, dafür sind sie jetzt bei der Daumenschraube gelandet. Ein Achtungserfolg, sozusagen, wenn auch fast zwei Jahre zu spät. So lange hat das Bild nämlich in meinem Telefonspeicher gelegen.

Hier wird nix eingeworfen...

Hier wird nix eingeworfen...

Ganz zum Schluss gibts noch etwas aus der Abteilung Allgemeinbildung. Das sind die Zuckerstücke, die am Wegesrand lauern, bereit, jederzeit aufgelesen zu werden. Sie erzählen auch eine Geschichte zu der Umgebung, in der sie gefunden werden. Hier war es ein altes, kleines Holzhaus im alten Teil eines Berner Quartieres, offenbar bewohnt und papiergeplagt. Es ist selten, dass jemand die ganze Bandbreite an Papier-Spam ablehnt, die so in unsere Briefkästen flattert. Hier ist das Verdikt klar, unmissverständlich und trotz Schreibfehler erfrischend imperativ. Ein klares Plädoyer für Inhalte vor Form.

Soviel zu den News von der Strasse. Wir bleiben dran.




Kacke mit Kakás Kapelle

Schlimm: in São Paolo ist das Kirchendach der Jesus-Fundianer Wiedergeburt in Christus eingestürzt – siehe zB hier. Prominentestes Mitglied der Sekte ist Fussballer Kaká, der dort auch seine Herzdame geehelicht hat.

Warum das jetzt einen Artikel wert ist? Eigentlich gar nicht, stimmt. Es kommt jetzt auch kein Sermon im Stil von “warum ein Blitzableiter auf einer Kirche ein klares Misstrauensvotum gegenüber Gott ist”, keine Angst.

Aber den Titel, den konnte ich mir einfach nicht verkneifen.
:D




Abgetrocknet

Oder: fürs Leben lernen. Jimmy Carr, Engländer und Berufskomiker, hat einen etwas eigenwilligen Stil, der rege Interaktion mit dem Publikum und grenzwertiges Ausloten von Tabuthemen beinhaltet. Very dark, very British. Es gibt Unmengen von brilliantem Material auf Youtube, also nur zu.

Ich wollte lediglich auf nachfolgende Session hinweisen, wo der äusserst schlagfertige Mister Carr einem mutigen Kerl im Publikum seine Grenzen aufzeigt. Mahlzeit und Film ab!




Die noch einmal ganz andere Presseschau

Es wird ja immer wieder gejammert über den Qualitätsverlust, der die Presselandschaft mehr und mehr prägt. Auch wir von der Daumenschraube sind immer an vorderster Front dabei, wenn es darum geht, der sogenannten dritten Macht (nicht zu verwechseln mit dem dritten Reich, total etwas anderes) auf die Pfoten zu hauen, weil sie mal wieder einen Bock geschossen hat.

Und ich hab fast mein Höslli genässt vor Lachen

Man muss aber so ehrlich sein, auch Lobenswertes zu erwähnen. So geschehen diese Woche im BlaAbend, mit der besten Schlagzeile aller Zeiten. Da kann sich sogar “Wir sind Papst!” dahinter verstecken, finde ich.

Sowieso, der Blabend, gäbe es diesen nicht, wie viel würde uns fehlen. Dank diesem tollen Blatt entgeht uns nichts, beispielsweise auch nicht, dass Ramona und Nico gerne von der Presse in Ruhe gelassen würden. Und die Grossmutter von Nico auch. Und Juri, der Vater von Nico, sowieso. Und Ramona, Nico, Juri und Grosi hätten ohne den Blabend kein Podium, um dieses Bedürfnis der Welt auch mitzuteilen, weil, die Schweizer Illustrierte liest ja eh kaum ein Schwein. Blabend, mach weiter so, die Teenie-Mütter dieses Landes brauchen dich!

OHGOTTOHGOTTOHGOTT!!

OHGOTTOHGOTTOHGOTT!!

Ich finde es auch schön, wenn die Presse ihre national-psychohygienischen Aufgaben wahrnimmt. Da war beispielsweise die ganze Zeit von einer Weltwirtschaftskrise die Rede, die uns alle total sturm im Gring gemacht hat. Auch bei Beinharts hat sich die Weltwirtschaftskrise im Kopf breit gemacht: wir kaufen jetzt nur noch das billige Séléction-Zeug aus der Migros, anstatt den traditionellen Wocheneinkauf im Globus zu machen.

Item. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, dass die Presse den Menschen den Kopf wieder geraderückt und ihnen sagt: Leute, so schlimm ist das alles nicht! Freut euch des Lebens und sagt JA! Und dieser Woche ist es der Berner Zeitung gelungen, mal wieder deutlich zu machen, dass wir in einer absoluten Null-Problem-Zone leben. Oder wie sonst kann man es sich erklären, dass die Tatsache, dass eine Schönheitskönigin von einem Büsi gekratzt wurde, eine Meldung mit Foto wert ist? Danke an die BZ, die uns mal wieder klar gemacht hat, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben!

PS: Schönheitskönigin und Büsi wurden umgehend von einem Care-Team betreut; beiden geht es den Umständen entsprechend wieder gut.




Shake it…

Shake it

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Da gestaltet sich selbst der einfache Versuch, ein entspannendes Bad zu nehmen zu einem grammatikalischen Hürdenlauf. Aus “schütteln” und “umschütten” wird kurzerhand “umzuschütteln” – grossartig. Ja-ha, auch die Pharmaindustrie muss sparen!

Egal, einmal grosszügig in die heisse Wanne verteilt – und weg ist der Schüttelfrust Schüttelfrost…




Lasst mich Arzt, ich bin durch.

Ich mag Geschichten aus dem Bereich der Medizin. Meistens sind sie blutig, hässlich oder kratzen sonstwie an einem gesellschaftlichen Tabu, also alles gute Gründe, sich solches zu Gemüte zu führen.

Spiegel Online hat eine kleine Sammlung von skurrilen Arztzitaten veröffentlicht, die es in sich hat. Hier bitte und viel Spass damit. Ich muss jetzt erst mal meine Lachtränen trocknen…




Vom Wissen über das Wissen des Wissens Wissen

So oder ähnlich fühle ich mich, nachdem ich – zu natürlich rein investigativen Zwecken – einen Online-Persönlichkeitstest bei Scientology gemacht habe. Schade, dass ich nur bis Frage Nr. 80 durchgehalten habe. Mal ganz unter uns, länger hält man das als halbwegs intakter Mensch auch gar nicht aus. Immerhin war ich schon ganz durchgekaut vom gekläffe meines Bullshit-o-Meters, das seit dem Betreten der Scientology-Website ununterbrochen Alarm geschlagen hatte.

Nun gut. Wieviele gelesene Seiten Dianetik braucht es denn, bis man ein wenig durchblick, wie dieser Laden eigentlich tickt? Eigentlich reicht es, hier auf Youtube ein wenig rumzustöbern. Da kann man sich schon ganz gut seine Meinung bilden. Kurz zusammengefasst könnte man sagen: Scientology ging und/oder geht massiv und auf mehreren Ebenen auf South Park los, weil erstere (inkl. ein gewisser Tom C.) in letzterer ziemlich durch den Kakao gezogen wird. Himmel, da hat sich Scientology aber einen zähen Gegner ausgewählt, welch Challenge, wow… War übrigens eine absolut grandiose Folge von South Park, alleine bei Tom Cruise im Schrank habe ich mich fast genässt vor Lachen. Das ist ganz grosses Animationskino.

Dies nebenbei, denn im Grunde wiederholt sich hier ein altbekanntes Muster: eine sich selbst als Kirche bezeichnende Organisation geht auf völlig harmlose Medienmacher los, die mal eben ein wenig auf den Putz hauen. Hatten wir doch schon, oder?

Um es mit den Worten von Shirley Bassey zu sagen: It’s just a bit of history repeating…




PraktikantInnentag auf der Tagi-Redaktion

Naja, ‘Tag’ ist relativ.

Seit einigen Wochen
hat man eher den
Eindruck, dass da eine übermotivierte Kleinklasse die Redaktion komplett übernommen hat. Oder wie sonst erklärt man sich kreative Wortschöpfungen wie “verzweifelt schmunzeln“? Schon mal probiert, verzweifelt zu schmunzeln? Geht das überhaupt? Wenn ja – Fotobeweise bitte an dschango@daumenschraube.ch, werden umgehend hier veröffentlicht.

Die Online-Objektedatenbank des Museums in der Runden Ecke in Berlin ist hingegen durchaus einen Klick wert.

In diesem Zusammenhang (bzw fernab von jenem) hier noch eine heitere Szene aus der Welt der Lehrlingsbetreuung, neulich passiert in diesem Land und eurem Dschango zugetragen:

Schef: Schreib mal das Couvert an… hier hast du einen Zettel mit der Adresse, musst sie nur abschreiben.
Stift: OK…
(Stunden später)
Schef: Couvert angeschrieben?
Stift: Joa!
Schef: (liest) Moment… auf dem Zettel steht ‘Treuhand Tschanz’. Warum hast du ‘Tschanz Treuhand’ aufs Couvert geschrieben?
Stift: Ja, weil, ich wusste nicht, welches der Vor- und welches der Nachname ist…

Ich prophezeie diesem Auszubildenden eine steile Karriere als Tagi-Journalist.




Jeez!

Ojemine. Christliche Hardliner haben ja die Tendenz, sich gegenüber islamischen Hardlinern als moralisch überlegen darzustellen. Allen Ernstes, versteht sich. Was die Verbreitung von verfassungs- und demokratiefeindlichen Einstellungen angeht, sind beide Gruppen meiner Meinung nach recht identisch, auch wenn man nicht alles über einen Kamm scheren kann.

Auf jeden Fall gabs in Deutschland jüngst wieder einen Fall, wo eine (unter anderem staatlich geförderte) Schülerzeitung einen kritischen Artikel über das Frömmelfestival “Christival” verfasst hat. Das ist nicht überall gut angekommen.

Ich mag jetzt gar nicht weiter auf den Inhalt des zitierten Artikels eingehen, das geneigte Lesewesen kann sich sein Urteil in einer nützlichen Frist selber machen. Kommen wir direkt zum Meinungsteil.

Nasse findet, dass die Geschmacksrichtung einer Religion im Prinzip mal herzlich egal ist. Was nicht angeht, ist, dass religiöse Inhalte und Werte via staatliche Institutionen verbreitet werten. Kritische Anleitungen zum Umgang mit Religionen und dergleichen gehören für mich hingegen zur Grundbildung eines jeden aufgeklärten Bürgers. Wie gesagt, mir ist es herzlich egal, ob jemand an einen Gott oder den Mann im Mond glaubt. Wer aber ernsthaft religiöse Werte über das Fördern von kritischem und freiem Denken setzt, der untergräbt in nicht hinzunehmender Weise die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Es gibt in der Geschichte der Menschheit genügend Beispiele dafür, dass die Einschränkung oder Abwesenheit des Einflusses von Religion auf den Staat gesellschaftlich äusserst positive Auswirkungen gehabt hat. Die grössten Entwicklungen fanden immer dann statt, wenn das Denken frei oder zumindest unbelastet von dogmatischen und religiösen Werten war.

Es sollte uns also zu denken geben, wenn lieb dreinschauende Jesusfreunde gegen kritische Berichterstattung auf journalistisch derart harmlosem Niveau so rabiat vorgehen wie im weiter oben zitierten Fall. Es ist immer das Gleiche, wenn man persönliche Überzeugungen entgegen jeglicher Ratio in ein System einbringen will:

Es wird so oder so verheerende Folgen haben und das erste Opfer ist immer die geistig-kulturelle Freiheit.