Archiv für die Kategorie ‘Aufgeschnappt’

Der Mörder in uns

Es ist immer wieder mal interessant, sich mit dem Gewaltpotenzial im Menschen auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zu einigen Leuten aus dem soziokreativen Gutmenschen-Bereich bin ich ja bedingungslos bereit, Gewalt als unumgänglichen Teil unseres Daseins zu begreifen.

Wenn wir jetzt noch ein wenig Medien und Konsum in diesen Cocktail mischen, landen wir bei der altbekannten Diskussion Medien und Gewalt. Wir hatten ja schon andernorts das zweifelhafte Vergnügen, mit Exponenten der Stoppt!-Killerspiele!-Fraktion und ihrer Unfähigkeit, Ursache und Wirkung richtig einzuordnen, konfrontiert zu werden.

Nun bin ich jüngst über den einen oder anderen guten Artikel gestolpert, der die oftmals erschreckend abwesende Medienkompetenz von gewissen Menschen, die teilweise in relevanten Positionen im Bildungsbereich usw sitzen, wieder mal geschmeidig illustriert.

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Anekdote loswerden: Jüngst haben ein paar Videospiel-affine Freunde und meine Wenigkeit über die mögliche Wirkung von Videospielen mit Gewaltinhalten diskutiert, gerade im Bezug auf das Handling von Waffen und dergleichen. Es stellte sich heraus, dass ich durch Counterstrike – wen wunderts? – genau nichts über Waffen gelernt habe. Hingegen hat die Tatsache, dass ich dieses Spiel über Monate zusammen mit einem ausgebildeten Militär gespielt habe, wesentlich mehr zu meinem Wissen über Waffen und Strategie beigetragen.

Konkret hat mir also ein fachkundiger Panzerfahrer mein militärisch-strategisches Wissen beigebracht, nicht das Spielen selbst. Dass dies im Spiel durchaus eine positive Wirkung auf meine Leistung hatte, braucht nicht zu erstaunen. Genausowenig erstaunt es, dass ich ohne Weitergabe dieses Wissens im Prinzip genauso Ahnungslos geblieben wäre wie vor dem ersten Kontakt mit diesem Spiel.

Was also fehlt diesen Leuten, die immer wieder in die gleiche Falle tappen, wenn es zu dieser Diskussion kommt? Kontext, Baby. Und Medienkompetenz.

Was nützen Altersempfehlungen auf den Spielepackungen, wenn sich die Oldies nicht für die Inhalte ihrer Brut interessieren? Was nützt Aufklärung, wenn sich die immergleichen, oftmals bildungsfernen Schichten getrost darum foutieren? Was nützt Parental Control auf den Spielekonsolen, wenn sie nicht konsequent aktiviert wird?

Wir leben in Zeiten, wo es einfach nicht mehr reicht, wenn die Pornos im elterlichen Schrank eingeschlossen werden. Die allzeitige Verfügbarkeit von gratis Inhalten in Kombination mit Breitband Internet verlangt nach anderen Strategien, als man der unaufgeklärten Öffentlichkeit weismachen will.

Wir müssen uns auch von der Vorstellung lösen, dass Eltern beispielsweise die teils sehr komplexen Geräte ihrer Kinder überwachen können, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir können aber kritische Fragen stellen. Brauchen Kinder bis 13 Jahre schon einen eigenen Computer oder gar eine eigene Spielkonsole? Muss es ein Schlag-mich-tot-Internet-fähiges Handy mit allen Schikanen und entsprechendem Abo sein? Brauchen wir nicht eine enttabuisierte, gnadenlose Aufklärung an Schulen, losgelöst vom kulturellen Hintergrund der Schüler? Brauchen wir nicht auch den Mut, von fehlgeleiteten Eltern und ihren Kindern die Bereitschaft einzufordern, sich ihren Taten zu stellen und korrigierende Massnahmen zu treffen und kontrollieren zu lassen?

Das, liebe Politiker und Sachverständige, sind allesamt Fragen, die es zu diskutieren gilt. Denn es führt kein Weg daran vorbei…




Die bunte Welt des Dschango B.

Jetzt müsst ihr euch alle an den Stühlen festhalten, weil jetzt kommt der Hammer: der Dschango ist seit dieser Woche eidgenössisch attestierter Berufsbilder. Huiiiuiui, jetzt sehe ich förmlich eine “WTF?!?”-Welle hierher schwappen. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie das denn passieren kann, und ob jetzt dann eigentlich jeder dahergelaufene Zigeuner Jugendliche ausbilden darf.

Im Grunde genommen kann man die letzte Frage mit einem klaren  “Ja!” beantworten. Viel mehr als die Fähigkeit, während 40 Lektionen nicht extrem negativ aufzufallen, braucht man nämlich nicht, um im Kanton Bern Berufsbilder zu werden. Das schweizerische Berufsbildungssystem ist in seiner Niederschwelligkeit bezüglich den Ausbildern so sympathisch wie irritierend und ich muss zugeben, ich hätte nie gedacht, dass das System tatsächlich so funktioniert. Aber es tut es offenbar seit ungefähr viertausend Jahren.

Überhaupt nicht funktionieren tut momentan aber irgendwas auf Haiti – keine Angst, wir rufen jetzt nicht auch noch zu Spenden auf, gebt das Geld besser für ein Blümli für den Hasen oder für irgendein Sexspielzeug aus. Da haben die Haitianer nämlich genausowenig von. Aber mir ist aufgefallen, dass da eine Frau nach zig Tagen ausgegraben wurde. Also nicht das ist mir aufgefallen, weil, das steht ja momentan fast jeden Tag in irgendeiner Zeitung, dass auf Haiti eine Frau ausgegraben wurde oder gerade ausgegraben wird, nein, aber der Name der Frau ist mir aufgefallen und ich habe mir geschworen: falls mir irgendwann eine Tochter geboren werden sollte, sie müsste den Namen “Hotteline” tragen, ob sie wollte oder nicht, ob mir das Jugendamt im Nacken hängen würde oder nicht, schniezpupsegal.

Ja, mir ist auch klar, dass man den Namen wahrscheinlich als  “Ottlin” aussprechen täte, so mit französisch-stummem Asch. Würde ich aber nicht. Ich würde jeden Mittag “HOTTELIIIIIIIIINEEEEEEE!!” quer durchs Quartier schreien, mit extra stark betontem H, und ich würde mir einen Schranz in den Ranzen lachen, weil alle Nachbarn den Hals verdrehen würden, um zu sehen, welches arme Kind denn einen derart abgefahrenen Namen hat. Und Hotteline Beinhart würde zur Berühmtheit werden, nicht bloss, weil sie mit einem Natel in der Hand in einem Erdhaufen gefunden wurde, nein, sondern weil es die mit dem komplett verblödeten Vater ist, der seine Kinder nach haitischen Erdbebenopfern benamst. Und der bildet auch noch Lehrlinge aus, im Fall!

Es gäbe immerhin mehr zu reden als wenn ein Bundesrat mal wieder Gesicht und Eier verliert und vor der versammelten Presse den Hampelmann gibt. Aber halt, von der Béglé-Affäre wollte ich hier eigentlich wirklich nichts schreiben, weil auch wir bei der Daumenschraube haben gewisse Grenzen, was wir an Anti-Ästhetik unseren LeserInnen zumuten wollen. Oder eben nicht.

Da mache ich doch viel lieber ein bisschen auf Diashow und zeige euch, was mir die letzten Wochen so an lustigen Biudaleh vor die Linse gehuscht ist. Als erstes präsentiere ich euch, was die Bernischen Kornhausbibliotheken so ausgetüftelt haben, das meines Wissens einmalig in der ganzen Welt ist: in der Kornhausbibliothek kann man nämlich Bücher verlängern!

Das mag funktionale Analphabeten jetzt total kalt lassen, für mich aber ist es der Stein der Weisen. Stellt euch vor, ihr seid an einem guten Buch, die letzten zwei Seiten vor euch, und spontan denkt ihr, ha, eigentlich könnte die Story gerne noch für ein paar hundert Seiten so weitergehen. Und ihr schnappt euch den Fernsprecher oder eine Internet-Röhre und verlängert das Buch ganz einfach um ein Kapitel oder zwei, schnell und unkompliziert!

Gut, man müsste jetzt auch noch Bücher verkürzen können, weil einige Bücher schlicht zu lang sind. Ich vermute nämlich, dass beispielsweise die Bibel von ein paar über-enthusiastischen Literaturfreaks einfach ein paarmal zu oft verlängert wurde. Die Verkürzungs- komplementär zur Verlängerungsmöglichkeit wäre also durchaus angebracht, ich hoffe, dass sich die Kornhausbibliotheken da etwas überlegen.

Es wäre nämlich auch sonst noch praktisch, wenn man Bücher verkürzen könnte. So wäre beispielsweise das neueste Buch von Hans Küng in der verbesserten, weil verkürzten Version nur noch dies:

Ich habe mein Leben mit dem Glauben an unsichtbare Freunde verschwendet und muss nun rechtfertigen, warum ich keinen nützlichen Beruf gelernt habe (zB beim Herrn Beinhart).

Lobet den Herrn!

Es wäre alles viel, viel einfacher, ehrlich.

Ich kam in den letzten Wochen übrigens ab und zu in Spiez vorbei, das ist da diese flotte Party-Metropole am Thunersee. Es ist ein spassiges Käffchen, wirklich. Nicht nur, dass man dort den Jesus-Fisch sogar am Schaufenster des Frisörs findet (habe mich leider nicht getraut, den zu fötelen, weil die haben schon so apokalyptisch raus- und den Dschango angeschaut, gruslig) oder dass man auf der Website der Gemeinde Werbung für Fundi-Events macht. Nein, man zeigt sich auch gerne kreativ, wenn es um die Benennung von Firmen geht:

Gut, wenn man jetzt eine Swingerbörse aufmachen würde, da wäre “Popnet” sicher der perfekte Name für. Tun sie aber nicht, die Popnetten, die tun nämlich nur Computer vertschutten und so. Von allen guten Geistern verlassen muss aber sein, wer für seine softwareentwicklungstechnischen Bedürfnisse eine Firma engagiert, die sich “kaformatik” nennt, das “ka” auch noch fein grafisch hervorgehoben. Für Nicht-Nerds: “KA” steht für “keine Ahnung”. Also im IT-Slang, ob das bei der Firma auch extra so gewählt wurde, weiss ich natürlich nicht.

Ja, und zum Schluss möchte ich euch noch etwas mit auf den Weg geben, sozusagen mein Lebensmotte für 2010, gefunden am Bahnhof Stöckacker:

In diesem Sinne noch ein erfreuliches Wochenende – und immer schön nett bleiben, gell?




Wise words from Schorsch

Zeit für ein bisschen Unterhaltung, denn wenn schon Religion, dann bitte so:

Schade, dass George Carlin diesen Planeten nicht mehr bewohnt.




Ich widerrufe

Verdammt!

Verdammt, verdammt, verdammt!

Da habe ich mich jetzt aber sowas von zum Affen gemacht. Habe jahre-, jahrzehntelang dafür geweibelt, und jetzt das. Mein ganzes Weltbild ist am Arsch, wo bekomme ich jetzt ein neues?

Also, strikte Trennung von Staat und Kirche ist das Thema. Ja, ich weiss: ich habe euch auch hier auf diesem Blog mehrmals die Ohren vollgejammert, wie sehr das zwingend nötig ist. Wie unabdingbar dies für einen Staat sei, der sich als modern bezeichnen will. Und, vor allem, dass diese Trennung möglichst vollständig sein soll, möglichst alle Bereiche umfassend. Ich gebe zu: ich war ein Gläubiger, ein Anhänger des Säkularismus, ein Prophet des allein seligmachenden Laizismus-Mantras. Wenn es nach mir ginge, wäre nie ein Kruzifix an einer Schulzimmerwand gehangen, nie wäre eine verburkaterte Frau in einer Verwaltung bedient worden, nie, nie, nie!

Ich war sehr glücklich in meiner Ignoranz. Und dann passierte dies:

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Jetzt ja nicht falsch verstehen, ich rufe hier keineswegs zu Gewalt gegen den italienischen Premier auf. Will ja nicht, dass der italienische Staatsschutz dieses Blog überwacht (furchtbar beängstigende Vorstellung, ehrlich). Und normalerweise, das möchte ich gesagt haben, normalerweise bin ich ein recht empathischer Mensch. Wenn jemand auf die Fresse bekommt, dann tut der mir in der Regel leid. Also eigentlich immer. Warum nur ist mir hier, als ich das Föteli in der Zeitung gesehen habe, nichts derartiges widerfahren?

Es muss daran liegen, dass ich von der Wahrheit des Moments erschlagen wurde und deshalb mein epathisches Zentrum kurzzeitig (ok, bezüglich obigem Bild nachhaltig) ausgeschaltet wurde. Weil plötzlich fiel es mir wie ein Haarimplantat vom Kopf: das ist jetzt wohl das erste Mal, wo es tatsächlich von Vorteil ist, dass sich Staat (in Form eines notgeilen Premiermafioso) und Kirche (vertreten durch ein Modell des Mailänder Domes) angenähert haben. Was sage ich da, angenähert, sie sind beinahe miteinander verschmolzen!

Endlich wurde eine wirklich sinnvolle Verwendungsmethode für Kirchen entdeckt: sie sind die perfekten Wurfgeschosse. Und zur politischen Meinungsäusserung mehr als geeignet. Ich bin sofort in die Stadt gefahren und habe mir eine ordentliche Charge an Münster-Modellen gekauft, von denen ich immer eines mit mir mittrage. Man weiss ja nie, wann man einem Knalltüten-Politiker begegnet – ich bin dann auf jeden Fall vorbereitet. Und “geistig verwirrt” bin ich ja eh: die Ermittlungsbehörden sollen sich sonst einfach mal meine Daumenschraube-Artikel der letzten 12 Monate reinziehen.

Nunja, mittlerweile ist der Herr B. ja bei uns im schönen Tessin, wo er sich die Fresse wieder richten lässt. Und bald dürfen wir uns auch wieder über den Berlusconi freuen, wie er die Welt mit seiner Awesomeness beglückt:

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Zähne hatte er da auf alle Fälle noch alle, dafür machte damals seine Frisur wohl gerade kurzzeitig Urlaub. Und der kleine Silvio auch. Ob der wohl auch grad im Tessin mitbehandelt wird? Man weiss es nicht, nötig hätte er es alleweil.

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Santo subito!

Eines lässt mich aber einfach nicht los: die Medien haben ja unisono berichtet, dass der Attentäter ein geistig verwirrter Mann war. Das hat er ja mit dem Finn-Behinderten gemein, es gibt meines Wissens aber kein Computerspiel von Berlusconi. Also keines, wo man sich vor Berlusconi retten muss. Aber egal, “WTF?!?”, so habe ich die Zeitung angeabkürztschreit, da es mir partout nicht in den Grind wollte, warum jetzt der Domschmeisser geistig verwirrt sein soll. Weil, so muss ich sagen, von hier aus gesehen scheint mir, als ob der Attentäter der letzte Italiener ist, der sein Gehirn tatsächlich korrekt verdrahtet hat.

Aber wer fragt schon mich.




Kurz notiert

Auf dem heutigen Schraubenmenu nach Art des Hauses steht eine kleine Tour d’Horizon durch ausgewählte Themen.

Hier gibt Sascha Lobo eine Replik auf die kulturpessimistische Rede von Frank Schirrmacher.

Da gibts ein Interview zum Islam in Europa, das mir nicht in allen Punkten schmeckt, aber doch ein paar nette Anregungen drin hat.

Last but not least offenbart sich die ganze Abgründigkeit des neoliberalen Wirtschaftsmodells in Kombination mit dem WWW in wenigen Worten.

Mahlzeit!




Endlich! Wir sind wieder wer!

Der Titel bezieht sich auf das gewesene Abstimmungs-Wochenende. Dazu aber später. Viel später.

Auch komplett ausgehängt hat es ja bei der Daumenschraube. Wie ihr sicher alle gemerkt habt, war unsere kleine Bastion der Dummheit mit Niveau während einer Weile weg vom Fenster. Kommt halt davon, wenn man im Heimatland des kastrierten Datenschutzes hostet, so könnte man meinen. Entsprechend waren auch die Mails und Telefone, die wir in der letzten Zeit erhalten haben: Verschwörungstheorien for teh win, ich sags euch. Finde ich ja grundsätzlich gut, diese Verschwörungstheorien, aber leider muss ich hier wie folgt rapportieren:

  • Es waren keine christlichen oder sonstwie gearteten Fundies, die uns gehackt haben
  • Es war auch nicht die SVP oder ihr nahestehende Kreise
  • Es waren keine juristischen Schritte, die gegen uns eingeleitet wurden

Irgendwie schade, ich weiss, hätte jetzt viel lieber eine “Alle sind gegen uns!”-Geschichte erzählt, aber der Hoster hat die Kiste bloss vom Netz genommen, weil diese scheints per phpMyAdmin-Exploit ein bisschen in der Gegend rumgescannt habe. Und das hat den Hoster gar nicht happy gemacht, sagt er. Und warum das so lange gedauert hat? Naja, Admin per Interpol zur Fahndung ausschreiben lassen, Admin von den Bahamas… ähm… “abholen” lassen, Admin im Serverraum einsperren, etc pp, das gibt halt schon zu tun. Aber jetzt sind wir ja beim besten Hoster der Welt und alles wird gut.

Behinderter Bär

Nunja. Auch ein Hack fand ja bekanntlich vorletztes Wochenende in Bern statt, wo sich ein (geistig behinderter) Mann als Rüebli sah und folglich in den Bären einbauen lassen wollte. Das hätte auch fast geklappt, wenn die unsensiblen Polizisten statt auf den Bären aufs menschliche Rüebli geschossen hätten. Man prüft jetzt, ob man das Sicherheits-Dispositiv im Bärenpark anpassen wolle/müsse/solle, damit es auch unbeaufsichtigten Marschflugkörpern mit Profilneurose und Hirnklemme genügt. Ziel muss sein, dass man sich das Gehirn bis auf den Hirnstamm rausoperieren und trotzdem noch sicher im Bärenpark aufhalten kann. Warum füllen wir den Bärenpark nicht einfach bis zum Rand mit Drücki-Plastikfolie und stopfen diese mühsamen Bären aus? So echt mit Weichgummizähnen und so, damit man auch endlich wieder gefahrlos mit seinem psychotischen Kampfhamster einen netten Sonntagsausflug in den Bärenpark machen kann.

Scheints haben sich ja deutsche Medien darüber echauffiert, dass man in der Schweiz mehr Mitleid mit einem angeschossenen Bären als mit einem angefressenen Behinderten habe. Ja, liebe Teutonen, das ist so in der Schweiz. Es lässt sich aber rein historisch begründen: im Gegensatz zu euch haben wir halt noch keine schlechte Erfahrungen mit kleinen Braunen aus dem Osten gemacht, die Cheiben haben deshalb bei uns denselben Sympathiebonus wie bei euch Anno 32 oder so. Ich weiss, wir lernen einfach nichts aus der deutschen Geschichte und an selbigem Wesen wollen wir ums Verrecken nicht genesen. Sorry.

Aber nicht nur ennet dem Rhein machen sie auf Berufs-Zeigefingerheber: Das Thema scheint ja auch gut genug zu sein, dass sich ein Blabend-Chefredaktor (eventuell ein eingewanderter Deutscher? Man weiss es nicht) dazu ersaublödet, den freischaffenden Bedenkenträger zu geben. Macht sicher Laune; ich wette, die lachen sich heute noch krumm auf der Blabend-Redaktion. Aber es ist halt auch ein Graus, weil zwar alle am Schicksal eines angeschossenen Bären Anteil nehmen, ein paar weniger an dem eines zerfetzten Behinderten, es würde jetzt aber sicher keine Sau interessieren, wenn ein Blabend-Chefredaktor in den Bärenpark springen würde. Auch die Polizei käme da wohl in arge Bedrängnis, weil: wen erschiessen? Den Bären oder den Aufbinder desselben? Man weiss es nicht.

Traurige Clowns

Letzthin habe ich übrigens mal wieder TV gekuckt und dabei festgestellt, dass es der schweizerischen Kulturlandschaft offenbar dringend an Einkommen fehlt. Erst sah ich den Schlatter, wie er für die Schweinegrippe bzw deren Vermeidung Werbung macht. OK, dachte ich mir, den Schlatter sehe ich sowieso eher als sumpfiges Randbiotop helvetischer Kunst, da macht es irgendwie ja noch Sinn. Tut auch niemandem weh, mal wieder die Hände zu waschen. Und an Glaubwürdigkeit hatte der Schlatter ja eh nicht viel zu verlieren, da werden auch Werbespots für eine Grippe, die so nicht stattgefunden hat, nicht viel dran ändern.

Anders sieht es bei Massimo Rocchi aus, der bei mir auf eine gewisse Glaubwürdigkeit zählen konnte. Ja, der Dschango hat per dato sogar noch ein Ticket für eine Rocchi’sche Vorstellung, das er im Verlaufe der nächsten Wochen einzulösen gedenkt. Und ich bin froh, sagen zu dürfen, dass dies dann wohl das letzte Mal war. Nicht, weil mir der Massimo als Künstler degoutieren täte, sondern einfach deshalb, weil ich aus der Hoffnung heraus denke, dass er beim erwiesenermassen unsensibelsten Unternehmen der Schweiz wesentlich mehr für seine Werbeauftritte bekommt, als er in Jahren mühseliger Bühnenarbeit zusammenkratzen könnte. Ich wünsche Herrn Rocchi hiermit bereits schon mal alles Gute für seine weitere Zukunft, war schön mit Ihnen, schade ist es schon zu Ende.

Übrigens: Die Gerüchteküche kocht ja über, warum sich gerade Rocchi für Cablecom-Werbung hingibt. Die momentan plausibelste Vermutung ist, dass ihn die Scheidung von seiner momentan letzten Ehefrau finanziell ruiniert habe. Was lernen wir daraus? Genau: wenn schon heiraten, dann bitte arm bleiben, sonst hampelt man am Schluss für Cablecom und alle Welt schüttelt mitleidig den Kopf über den Clown, statt über ihn zu lachen.

Ich will auch besseren Sex!

Da gibt es bei uns in Bern übrigens eine Jungpolitikerin, die sich zwecks Verzierung ihres Revers eigene Buttons gebaut hat, auf denen „Feministinnen haben besseren Sex!“ steht. Die Politikerin heisst Tanja Walliser und ich möchte ihr immer Maria sagen, daran sieht man mal wieder, dass ich ein Kind des finsteren Mittelalters 2.0 (vulgo: 80er) bin. Ich weiss nicht, ob die Politikerin Skifahren kann oder ob Maria auch Buttons stanzt, ganz sicher ist aber, dass der Herr Kuhn, der ja auch schon auf der Schraube zu Gast war, an diesem Button gar keine Freude haben dürfte. Schon nur deshalb, weil ein Wort, das mit „innen“ endet und nicht mit „Sexarbeiter“ beginnt, eher quer in seinem Wortschatz stehen dürfte. Ja item. Frau Walliser scheint einen Haufen Hass-Mails bekommen zu haben, worin sich die Stimme des Volkes höchst ungebührlich äussert. Gerüchte besagen ja, dass die meisten Mails aus der Parteizentrale (sagt man da eigentlich noch „Wolfsschanze“ oder ist das auch schon wieder veraltet?) der SVP kommen. Und dass 90% der Mails denselben Absender tragen und jedesmal mit „Anonym!“ unterschrieben sind. Aber einewä, mindestens ein ganz liebes Mail hat die Frau Walliser dann doch noch bekommen, vom Dschango nämlich, denn da schrieb er, die Frau Walliser möge doch bitte eine Dschango-Edition basteln, mit dem Text: „Feministen haben besseren Sex!“. Ich würde diesen Button im Fall subito an meine Textilien heften und ihn mit grossem Stolz tragen. Falls sich in dieser Geschichte etwas tut, werden wir euch rechtzeitig informieren.

Gnarzelgnom ist das neue Adonis

Ja und übrigens, der René Kuhn, seines Zeichens Ex-Politiker, Noch-Russinnenmöger und zukünftiger Shooting Star der Schweizer Jungautoren-Szene. Er hat jetzt eben ein Buch geschrieben, der Herr Kuhn. Nicht so ein dickes, aber immerhin. Und darin erklärt uns der Herr Kuhn die Welt, insbesondere bezüglich Frauen und warum selbige doch gefälligst wieder unten zu liegen haben. Oder zumindest die Position nur auf ausdrückliche Anweisung des Mannes wechseln. Um die universale Gültigkeit seiner Weltsicht zu unterstreichen, lässt sich Herr Kuhn mit den Worten zitieren, dass „sogar ein bekannter TV-Moderator“ ihn, Herrn Kuhn, in seiner Meinung bestätigt habe. Wenn das nun mal nicht als Beweis für eine universale Wahrheit reicht, dann weiss ich echt auch nicht.

Ja, und eben: endlich!

Dann kommen wir mal zum Titelthema. Dazu nur dies: Danke, liebe Stimmberechtigte. Danke, danke, danke!

Vorbei ist es mit den Zeiten, wo man im Ausland belächelt wird. Schluss damit, dass uns alle immer bloss „niedlich“ finden und über unseren Dialekt lachen. Niemand wagt es jetzt noch, uns als “langsam” zu bezeichnen. Endlich sieht man in den Augen der ausländischen Gesprächspartner wieder das blanke Entsetzen, wenn man seinen rotweissen Pass zückt. Das gabs ja seit der Schlacht bei Sempach nicht mehr. Und endlich assoziiert niemand mehr nur Berge und Schoggi mit uns, sondern eben echt schweizerische Werte, die Grundfesten des helvetischen Selbstbewusstseins, die Eigenschaften, die uns schon seit unserer Staatsgründung zu wackeren Eidgenossen machen: blinde Wirtschaftsgläubigkeit, Xenophobie und Kriegsgewinnlerei.

Danke, danke, danke!




Rettet die braunen Arschlöcher!

So, da bin ich wieder.

Das Gegrippe ist einigermassen gut überstanden, an dieser Stelle nochmals danke für die netten Genesungswünsche und selbige zurück. Mittlerweile krochelt der Hase rum, agiert schon recht genervt, weil sie im Haus bleiben muss, und hat eine Stimme wie Marlene Dietrich nach jahrzehntelangem Zwangsnikotin- und Whisky-Konsum. Finde ich ja noch so rRRRrRRRrrrrRRRRrrrr, findet Hase aber gar nicht gut, vor allem deshalb nicht, weil ich jedesmal lüstern grinse, wenn sie was krächzt. Und damit man versteht, wie ich jetzt von der sexy Stimme meiner Freundin zum übernächsten Absatz und dem eigentlichen Thema dieses Artikels komme, dafür lade ich die werte Leserschaft nun auf eine kleine Assoziationsreise in die Dschango-Welt ein.

Festhalten, meine Damen und Herren, der Assoziations-Express fährt los! Erste Station: tiefe Hasenstimme, Hauptbahnhof. Ohne weiteren Halt geht es da zur Marlene Dietrich, bzw wieder zurück zu dieser. Umsteigen. Nach der Marlene kommt ein Zwischenhalt im Zweiten Weltkrieg. Vom Zweiten Weltkrieg kommen wir nach Algerien. Von Algerien geht es nach Tunesien. Von da zum Thema “lustige Demokratien”, dort nehmen wir dann den Bummler nach Libyen, treffen unterwegs im reservierten Abteil (wo wir während der Fahrt primitive Karikaturen von Mohammed und Hannibal im Darkroom malen) unsere Geiseln/Geschäftsmänner/Gepäckverlierer/Terroristen/whatever  und steuern von da auf direktem Weg zum Bundesmerz im Appenzöllischen. Wenn wir im Appenzöll sind drängt sich der Zölibat und folglich der Katholizismus auf, also besuchen wir rasch den Papst, ziehen aber gleich weiter Richtung Emmental. Nach kurzweiliger Wanderung sehen wir die Freikirchen links und rechts des Wegs aufragen und den Minaretten die Sonne nehmen, folglich biegen wir dort scharf rechts ab und stehen schliesslich vor dem Haus vom Wabers Chrigu von der EDU. Womit wir am Ende unserer Reise wären und der Übergang zum nächsten Thema quasi kanten- und schmerzfrei ist.

Also, ‘Anal Bleaching’ ist das Thema. Irgendwie ist mir dieser Begriff mal ins Hirn gefallen, ich habe ihn fein säuberlich unter “Diverse LOLies” eingeordnet und dann sein lassen. Das war eigentlich eine gute Entscheidung, weil er sich in meinem Alltag nur sehr sperrig auf regelmässiger Basis anwenden lässt. Vielleicht wäre das anders, wenn ich Porno-Darsteller wäre, aber so als IT-Knilch und Teilzeit-Zigeuner kommt man eher selten mit diesem Ausdruck in Kontakt.

Vielleicht etwas einleitende Information für alle diejenigen unter uns, die noch echte Probleme haben: Mit ‘Anal Bleaching’ wird die Hautaufhellung im Bereich des Anus bezeichnet (Wikipedia). Ja, ich weiss, “rund um den Anus” hätte hier auch gut gepasst. Anal Bleaching wird übrigens gerne mit ‘Anal Bleeding’ verwechselt, dabei ist das etwas komplett anderes.  Und es ist tatsächlich so, dass Leute hart in der Krise verdientes Geld dafür hinblättern, sich das eigene (!) Arschloch mit allerlei Chemie farblich pimpen zu lassen. Zwar primär dahingehend, den rektalen Farbton der Umgebung des Restarsches anzupassen, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass man sich in Zukunft die Rosette passend zum Handtäschli tönen lassen kann. Und will.

Und damit das schon mal klar ist: solange es nicht Pflicht wird und keine Menschen gegen ihren Willen involviert sind, ist mir das sowas von schniezepurzepipifaxegal. Färbt euch doch eure Rekta in allen möglichen Regenbogenfarben, meinetwegen auch kariert, schraffiert und mit Bitmap-Grafik unterlegt. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich keineswegs jemals alles begreifen werde, was die menschliche Natur so umtreibt, wenn sie genug Geld und Freizeit zur Verfügung hat, von dem her habe ich ja gar nicht den Anspruch, verstehen zu wollen, warum Mensch so etwas freiwillig tut. Ausserdem: auch Kosmetikerinnen müssen von etwas leben! Ob jetzt von der Hand in den Mund oder von selbiger am Anus, scheissegal. Und wenn es nun Leute gibt, die es erfüllend finden, anderen Menschen im Broterwerb das Fäkalloch einzufärben, so sei ihnen das unbenommen, meinen Segen habt ihr, ziehet hin und färbet euch bunt und scheckig!

Es geht aber nicht anders als dass ich ganz schüchtern die Frage in den Raum werfe: Wer in aller Welt braucht sowas? Und wozu? Gut, das waren jetzt zwei Fragen, aber trotzdem. Ich mag ja ein bisschen von gestern sein und vielleicht ist das heute anders als bei uns damals, aber mal so ganz ontrenuu: wer um Himmels Willen steht nackig mit dem Rücken zum Spiegel, bückt sich dann derart runter, dass er/sie seine/ihre Fussspitzen berühren kann, linst zwischen den Knien hoch zum Spiegelbild und denkt sich: “hmmm, sonst ist ja alles OK bei mir, mein Körper ist ein Geschenk an die Welt, aber verdammt… meine Rosette ist so… so… braun!”? Wer von euch (Handzeichen bitte!) hat schon mal die Situation erlebt, dass der Sexualpartner den Farbton im Genitalraum bemängelt hätte? Und warum habt ihr dann selbigem Sexualpartner nicht einfach ein mittelgrosses Küchenutensil in den Arsch gerammt und diesen mitsamt dem daranhängenden Ex-ualpartner per Fusstritt aus der Wohnung befördert?

Mal ganz abgesehen davon, dass ich dort, wo täglich die eine oder andere Kackwurst rausgedrückt wird, spontan jetzt keine anderen Farben als – allenfalls herbstlich angereicherte – Brauntöne erwartet hätte: was machen diese Leute eigentlich den ganzen Tag? Hat man ihnen noch nicht erklärt, dass Analbeschnüfflung zwar im Tierreich oft und gerne praktiziert wird, beim Menschen aber eher unüblich ist? Oder unterliegen diese Leute einer unwahrscheinlichen Selbstüberschätzung, indem sie meinen, die ganze Welt sei am Closeup-Anblick ihrer Gagidüse interessiert? Müssten wir auf der Daumenschraube die Kategorie “Nabelschau” in “Analschau” umbenamsen, mal wieder stehenden Fusses dem Zeitgeist voraushinkend? Ich sehe schon, heute gibt es wieder weit mehr Fragen als Antworten.

Man munkelt ja in Expertenkreisen, Rom sei deshalb untergegangen, weil die Dekadenz umgekehrt proportional zur Kultur gewachsen ist und diese Dekadenz die arme Kultur schliesslich abgehängt hat. Das mag sein. Aber man nehme sich die Zeit und stelle sich jetzt bildhaft einen Römer im untergehenden Rom vor, meinetwegen einen Senator oder sonst einen Bonzen, der den ganzen Tag nur faul auf einem Steinbett liegt und sich von blutjungen Sklavinnen Weintrauben in den Hals stecken lässt, also quasi den Archetypen der Dekadenz, was der für Augen machen würde, wenn man ihm ein Anal Bleaching vorschlagen würde. Nebst der Tatsache, dass er mit diesem Begriff nichts, aber auch gar nichts anzufangen wüsste, weil der Lateiner englischen Begriffen generell wenig Verständnis entgegenbringt, er würde wohl nur traurig das archetypisch-dekadente Haupt schütteln, selbst wenn man ihm präzise erklären würde, was Anal Bleaching genau ist. Also sogar für den dekadenten Senator wäre dies ein deutliches Zuviel an Dekadenz, man stelle sich das jetzt mal plastisch und in 3D vor!

Und apropos Senator: man ist es sich ja von der Politik her schon gewohnt, dass die grössten Arschlöcher traditionell braun sind. Ich fände es deshalb schon nur aus soziopolitischen Gründen nicht akzeptabel, wenn diese schöne Tradition aufgeweicht würde. Deshalb: Freiheit für braune Arschlöcher! Gegen die Arisierung von braunen Fäkalrohren! Denn auch deine Rosette hat ein Recht auf ihren Schokohof.

Bin froh, dass wir das jetzt endlich einmal besprochen haben.




Anglizismen reloaded und Götter auf Brettern

Mein aktueller Favorit bei den üblen Anglizismen (sinngemäss, im Radio gehört im Zusammenhang mit Robbie Williams):

“Mis Mami findet dä hotter than July!”

Klar, und ich finde den Spruch colder than January. Was für ein Bullshit.

Und nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, ein Glanzstück aus den Neunzigern, das mir auch heute noch genickschädigendes Headbangen entlockt. Bühne frei für die mittlerweile aufgelösten Guano Apes mit der rattenscharfen Sandra Nasic am Drücker:

Meine Fresse ist der Song geil. Ich habe jetzt das Bedürfnis, sehr laut zu schreien.




Deppensteuer subito!

Schon lustig, wie Freunde unsichtbarer Freunde reagieren, wenn Leute, die es wagen, die Existenz von Elfen und Feen nicht nur anzuzweifeln, sondern dies auch noch laut kund zu tun, gleiche Rechte wie die Anhänger von bronzezeitlichen Kulten sowie die Aufhebung derer ungerechtfertigten Privilegien fordern…

Wie wir auf 20min lesen, schlägt die Junge CVP die Einführung einer “Atheistensteuer” vor – wer aus der Landeskirche (die in der Lesart der CVP wohl sowas ähnliches wie die AHV darstellt) ausgetreten ist, soll künftig eine gemeinnützige Organisation oder Glaubensgemeinschaft (!) mit einem finanziellen Beitrag unterstützen müssen, der der gesparten Kirchensteuer entspricht. Die Junge CVP bekommt dabei Schützenhilfe vom Präsi der ‘grossen’ CVP, Christophe Darbellay.

Ganz abgesehen davon, dass hier mal wieder die Begriffe “Steuer” und “vom Staat eingetriebener Mitgliederbeitrag im Auftrag retardierender Nabelschau-Klubs” verwechselt werden, keineswegs alle aus der Kirche ausgetretenen auch Atheisten sind, wohl kaum jemand (nur) aus Steueroptimierungsgründen aus der Kirche austritt (man tut das in erster Linie darum, weil man an diesen spezifischen Mist nicht mehr glaubt) und der JCVP-Präsi ein bisschen wie der verschollene Zwillingsbruder vom Berner JSVP-Präsi und Polit-Clown Erich J. Hess aussieht, finde ich den Vorschlag durchaus überlegenswert.

Man müsste ihn nur konsequent zu Ende denken (ich weiss, damit hapert es bei euch C-Knüllen bekanntlich, übernehme ich aber gerne für euch!) und generell sogenannte Nicht-Steuern einführen – Steuern auf Tätigkeiten, Vorgänge oder Leistungen, die nicht stattfinden oder in Anspruch genommen werden.

So müssten beispielsweise alle, die kein Auto haben, eine Autobahn-Nichtbenützungssteuer bezahlen. Das wäre nur solidarisch, weil die armen Autofahrer können ja nichts dafür, wenn diese langhaarigen Hippies kein Stutz fürs Benzin haben. Sowieso: auf unverbleites Benzin müsste man eigentlich auch eine Steuer bezahlen, eine Bleifreisteuer nämlich, weil wer Blei diskriminiert irgendwie kein guter Mensch sein kann. Dann noch eine Minderwertsteuer im Gegensatz zur Mehrwertsteuer, die dann fällig wird, wenn man etwas im Secondhand-Laden oder von M-Budget kauft. Auch eine Armutssteuer müsste man sich überlegen – schliesslich drückt, wer unter der Armutsgrenze lebt, das Bruttosozialprodukt, konsumiert zuwenig und macht uns so all den schönen Wohlstand kaputt. Und ganz wichtig: eine Deppensteuer! Ist es denn nicht so, dass uns all die Viertel-, Halb- und Vollidioten im Land unglaublich viel Geld kosten? Ist das nicht total unsolidarisch gegenüber den Klugen? Von einer “Alter, du siehst so komplett Scheisse aus, dass ich zum Augenarzt rennen muss, wenn ich dich länger als drei Sekunden anschaue”-Steuer ganz zu schweigen.

Dazu noch eine Unschwerverkehrsabgabe (bei Sexualakten zwischen Leuten unter einem Gesamtgewicht von zusammen 120 kg), eine Alkoholfreisteuer (wer sich nicht an die Regeln der Gesellschaft halten und vom Bier nicht besoffen werden will, soll gefälligst zahlen!) und eine Kein-Hundesteuer (oder scheisst du etwa das ganze Trottoir zu, wenn es keine Hunde mehr gibt? Eben!) – ein weites Feld an Mehreinnahmen für Gemeinden, Kantone und Bund, in Zeiten wie diesen durchaus willkommen.

Klar: es ist völlig offen, wer auf der von der JCVP halluzinierten Liste der zu begünstigenden Organisationen stehen soll. Können da alle drauf, die sich irgendwie noch so als nützlich für die Allgemeinheit sehen? Oder soll es davon abhängen, wieviel ihres Gesamtumsatzes eine Organisation für gemeinnützige Zwecke ausgibt? Greenpeace würde dann gut aussehen, der Beinhart-Haushalt ebenso, die Landeskirchen (gemäss meinen Recherchen maximal 15%. wenn sehr wohlwollend geschätzt) hätten dann aber wohl ein Problem.

Man könnte ja auch noch einen Schritt weitergehen. Würde es denn nicht Sinn machen, wenn man beim Bezahlen der Steuern aus einer Liste auswählen könnte, an welches Amt und/oder Departement der Obulus gehen soll? Oder noch viel besser: eine Liste derjenigen Länder, die man finanziell unterstützen möchte, weil, vielleicht gibt es ja auch Steuerzahler, die gar nicht praktizierende Schweizer sind! Man könnte dann zB sagen, ja ok, die nette Frau Leuthard mit dem Schockblick, die soll jetzt bitte 20% meiner Steuern bekommen, der niedliche Herr Merz nochmals 20% (Appenzeller! Minderheitenschutz!), den Rest bitte gleichmässig zwischen Terre des Hommes, Grönland und der Kebab-Bude ums Eck aufteilen. Transparenz pur und niemand hätte mehr was zu jammern.

Frei nach Darbellay: der Vorschlag respektiert die Denkbefreitheit hundertprozentig.




Aufgeschnappt I + II

Neulich im Hauptbahnhof Bern, zwei Hausfrauen, pardon, Familienfrauen mittleren Alters unterhalten sich offenbar über eine Kollegin. Sagt die eine zur anderen: “Weni sie wär gsy, de hätti ihm aber d’platte ygheizt!”.

Ausserdem in der Pariser Métro gefunden:

Gratis Origami for the Masses




Bollywood und Dummgeschwätz

Bollywood im HB Züri:

Und ein kleines, aber gut angezogenes Daumenschräubchen geht an den Super-Fashionista-Plattenleger Christopher S. (steht das “S.” eigentlich für Shithole?), der mit seinem merkbefreiten Kommentar im gestrigen Blick am Abend wieder mal klar Position bezogen hat:

“Als SVP-Mitglied hätte ich Christian Lüscher bevorzugt. Ich war den ganzen Morgen mit dem Auto unterwegs und habe die Wahl im Radio verfolgt. Sehr spannend war das nicht. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass das Volk die Bundesräte direkt wählen sollte.”

Und wir meinen, dass der trendy Chrigeli sich besser um seine Fummel und House-Platten kümmern sollte, denn davon scheint er eindeutig mehr zu verstehen.




Mann oh Mann!

Keine Angst, heute gibts nichts zum Thema Gaddafi/Merz. Ist ja echt dröge langsam, immer auf demselben Thema herumzuhacken. Mittlerweile beschäftigt sich sogar der Nationalrat mit dem Thema, was in der Regel darauf hindeutet, dass sich keine Sau mehr dafür interessiert. Also weg damit.

Stattdessen möchte ich der werten LeserInnenschaft in Erinnerung rufen, dass am 9.9.09 erstmals (?) der Tag des Mannes gefeiert wurde. Hurra, Heissa, Trallala! Es war ein total wilder Tag, an dem mein Y-Chromosom von oben bis unten beschenkt, gewürdigt und gefeiert wurde.

Naja, in meinen Träumen vielleicht.

Den Kommentar von Hase, was sie mir denn Gutes antun werde am Feiertag der Männlichkeit, kann ich hier leider nicht ganz adäquat abbilden. Es war sehr laut, schrill und enthielt ganz viele Silben wie “muhahahaaaahahaaahaaaaaaa!!!”. Entsprechend konsterniert startete ich in den Tag, der keineswegs besser wurde, je länger er dauerte.

Die finale Ausbeute des Manntages: ein mudriges Plastiksäckli von l’Oreal, zu einem Sechstel “gefüllt” mit drittklassigen Pflegeprodukten “für den Mann”, dazu noch einen Industrie-Espresso im Plastikbecher. War jetzt voll der Bringer, habe mich selten so männlich gefühlt.

Aber schon interessant: während man (!) am Tag der Frau über Themen wie Gleichberechtigung diskutiert, liegt der Fokus beim Tag des Mannes darauf, uns optisch einigermassen passabel und wach zu machen. Das sollte schon zu denken geben.

Da fällt mir ein, dass es neu “Kino speziell für Männer” gibt. Find ich ja gut, im Prinzip. Jeder Randgruppe ihr eigenes Kino, von mir aus können sie auch Kino speziell für maso-pädophile Tourette-Tetraplegiker mit einer Sackhaarphobie machen, wurscht. Aber es wundert mich ja schon, dass sich ein Haufen (mutmasslich heterosexueller) Männer dafür einsetzt, für ein paar Stunden ausschliesslich mit Geschlechtsgenossen in einem dunklen ZImmer hocken zu dürfen, während dazu ein Film läuft. Ich bin ja nicht in der Szene, aber soweit ich weiss, hätten sie das schon vor Jahren an jeder x-beliebigen Gay-Party haben können.

Oh Mann… jetzt, wo ich bei schwul und Tourette bin, kommt mir grad der Gaddafi wieder in den Sinn, aber ich habe ihn ja nicht mehr erwähnen wollen.

Voll die Zwickmühle.




Kontext, Kontext, Kontext!

Aufmerksamen LeserInnen wird es nicht entgangen sein: Dschango hat ein Lieblingswort. Gut, ok, nicht nur eines, aber eines ganz besonders: sch’gengdas. Für unsere lieben Teutonen: das ist eine (bern-)schweizerdeutsche Version von “immerhin”. Wollt ich nur gesagt haben.

Nun gut. Dieser Ausdruck traf mich zum ersten Mal vor vielen Jahren, als ich ihn von Hase hörte, als Ausdruck eines gewissen Zweckoptimismus mit zynischem Unterton.

Ein Beispiel. Der Bundespräsident lässt sich von einem Öldiktator so richtig ordentlich den Arsch versohlen, die ganze Welt lacht über den “Bundesrat Nötzli” (O-Ton BlAbend von gestern), sowohl Gewaltentrennung als auch Föderalismus wurden verletzt, eine alternative Rechtsordnung, massgeschneidert für alle Lybier in der Schweiz, wurde geschaffen, aber immerhin, die Geiseln werden frei kommen. Oder sollen dies zumindest ganz bald. Sehr wahrscheinlich. Wenn wir jetzt alle ganz fest die Arschbacken zusammenkneifen und ja nichts Zweideutiges oder gar Eindeutiges Richtung Lybien schicken. Von einem Berner Beobachter (bzw einer Berner Beobachterin, war ja immerhin Hase, von der ich den Ausdruck habe) würde man jetzt furztrocken hören:

Sch’gengdas, het s’Müüsli gseit.

Soweit so gut. Aber, das fragte ich Hase sofort, aber was zur Hölle hat das Mäuschen damit zu tun? Inwiefern ist Mäuschen dazu qualifiziert, eine Aussage über den Bundespräsidenten zu machen? Leider erntete ich von Hase auch nur ratloses Kopfschütteln, das Rätsel musste ungelöst bleiben. Offenkundig fehlte hier der Kontext, der eventuell Mäuschen die Legitimation lieferte, sich zur Thematik zu äussern (und ich sage euch, Mäuschen hält nie und nimmer mit seiner Meinung hinter dem Berg). Die Causa Müüsli musste vorläufig offen bleiben, so unbefriedigend die Situation auch war. Viel, viel länger übrigens, als die Geiseln in Lybien festgehalten wurden, und der Bundespräsident hat sich in all den Jahren einen Scheissdreck drum gekümmert.

Schnellvorlauf, etwa zehn Jahre. Ich beginne einen neuen Job, finde tolle neue Arbeitskollegen und bin im Übrigen eigentlich ganz wohl in meiner Haut. Die Müüsli-Geschichte habe ich zwar nicht vergessen, wohl aber in einen Teil meines Fühlens und Denkens verbannt, der im allgemeinen Rauschen untergeht. Ich diskutiere also eines schönen Tages mit meinen neuen Kumpels irgendwas Geschäftskritisches und auf einmal sagt der eine Kolleg:

Sch’gengdas…

Ich steige da natürlich voll mit ein:

…het s’Müüsli gseit

Und – jetzt kommt es! – da gibt der wie aus der Pistole geschossen zurück:

… wo’s is Meer bislet het.

Und plötzlich tat sich mir eine Welt auf. Plötzlich konnte ich nachfühlen, was Leute meinen, wenn sie sagen, sie hätten Erleuchtung gefunden. Auf einmal sah ich klar und deutlich, was Müüsli für eine Rolle in der Weltgeschichte spielte, wusste mit absoluter Sicherheit, ja, Müüsli hat etwas zu sagen. Müüsli ist teh shizzle!

Wir lernen also: Kontext ist Trumpf. Ohne Kontext hängt auch – sogar! – Müüsli nur lustlos im Raum herum und weiss sich nicht recht zu helfen. Also: mehr Kontext braucht das Land!

Ich hoffe sehr, dass auch Roger Köppel diesen Artikel liest. Gestern haben wir nämlich aus irgendeinem Grund eine Weltwoche im Briefkasten gehabt – fragt mich nicht, es geschah ohne jegliches aktives Zutun von unserer Seite. Nachdem ich den Briefkasten desinfiziert (übrigens, das passt gerade schön zur Schweinegrippe: es heisst nicht ‘desinfiszieren’, auch wenn man das immer wieder in Film, Funk und Fernsehen hört, das Substantiv schreibt sich ja auch nicht ‘Desinfekstion’, ihr Knüllen) und mir Gummihandschuhe übergezogen habe, entschloss ich mich dann, dieses Blatt mal wieder anzuschauen und las das Editorial vom Schefredaktör aufmerksam durch. Herr Köppel referiert da über den Zweiten Weltkrieg und nachdem ich die ganze Seite noch ein zweites Mal gelesen habe, merkte ich, was der Herr Köppel vergessen hatte: den Kontext, der den Text nicht nur lesbar gemacht hätte, sondern ihn auch mit einem gewissen Informationsgehalt hätte aufwerten können. Ich weiss nämlich immer noch nicht, was mir der Herr Köppel eigentlich genau sagen wollte mit seinem Editorial.

Herr Köppel wäre gut beraten, sich am Müüsli ein Beispiel zu nehmen.




Von Memmen, Mönchen und Mongolen

Ich kurvte also mit meinem klimafreundlichen Wohnwagen durch das Mittelland und versuchte, der sesshaften Bevölkerung meinen Tand zu überrissenen Preisen anzudrehen, auf einmal steht da so ein pubertierender Mittelstandsknilch vor mir und meint: “Ey, Dschango, was is eigentlich mit deinem Blog los?”

Verdammte Scheisse. Der Blog!

Kann ja schon mal passieren, bei der Hitze, dass man etwas aus dem Tritt gerät. Und bei mir geht ab 30° genau überhaupt nix mehr; bin dann schon genug damit beschäftigt, nicht an allen möglichen Flächen kleben zu bleiben.

Letzthin habe ich übrigens Cutthroat Capitalism: The Game gespielt. Das Game geht ziemlich bald auf den Sack, aber die Kommentare sind der Hit. Schon witzig, wie ein simples Game, bei dem man verschiedenfarbige Punkte auf einer stilisierten Landkarte herumschiebt, der Anlass zu einer leidenschaftlich geführten Diskussion darüber sein kann, ob der Kapitalismus nun ein Segen oder ein Fluch für die Menschheit ist. Und ob das, was wir unter “Kapitalismus” verstehen, nun tatsächlich der “Wahre Kapitalismus” (TM) sei.

Ja, und apropos verschobene Weltsicht: Campino, Sänger der Toten Hosen und eigentlich ein ganz sympathischer Zeitgenosse, liess neulich verlauten, seine Band verweigere den Auftritt am Jonschwil Festival, weil dessen Organisator MItglied der SVP sei. Verstehe ich ja schon irgendwie, weil SVP und Punkopas, das will einfach nicht so recht zusammenpassen. Schon eigenartig aber, wie verengt der politische Blick sein kann: hier wird gegen eine rechtsbürgerliche Partei Flagge gezeigt, dort hing das Wahlposter von Jimi Hofer, mittlerweile Mitglied der stadträtlichen SVP-Fraktion, lange Zeit im Backstage-Bereich der Hosen. Ist halt nicht so einfach, das Schweizer Politsystem, da ist man ganz froh um eindeutige Labels (SVP=bös, alles andere=lieb). Mittlerweile hat man sich bei den Hosen auch eines anderen besonnen und sie haben dann trotzdem in Jonschwil gespielt, SVP hin oder her. Sicher bloss, um die armen Fans nicht zu enttäuschen.

Das ist ja so wie beim Dalai Lama. Da zahlen ganz viele Leute ganz viel Geld, um einen Mönch anschauen zu gehen. Sogar die erzkatholische Nationalratspräsidentin eilt hin, um dem Lama den Hintern zu küssen. Natürlich nur symbolisch. Ein paar Leute sind dann sogar beim Mönch zum Tee eingeladen, wo er ganz lange, ganz viele Sachen sagt, die aber nur zu höchstens 80% verständlich beziehungsweise als eigentliche Sprache zu verstehen sind. Das hat dann den Vorteil, dass man sich die Zwischenräume frei füllen (bzw sie ausblenden) kann. Da spielt es dann auch gar keine Rolle mehr, dass der olle Lama eine im Grunde genommen höchst patriarchalische, frauenfeindliche und erzreaktionäre Weltsicht vertritt – wer dauernd so süss bekifft rumgrinst, kann doch gar kein schlechter Mensch sein. Ausserdem wird er als “Seine Heiligkeit” angesprochen, also muss er weise sein.

Ja, übrigens, da kam auch mal was am TV, ein Bericht über einen Bauern, der seine Rüebli nach vedischen Grundsätzen anbaut. Stört nicht, macht keinen Lärm und Kinder werden auch nicht misshandelt dabei, also von mir aus. Bemerkenswert fand ich aber seine Antwort auf die Feststellung, dass seine Methode bei einigen Leuten als Scharlatanerie gelte, worauf er überzeugend wie folgt argumentierte (aus dem Gedächtnis zitiert):

Also, ‘vedisch’ kommt ja von den Veden. Und ‘Veden’, das heisst ja ‘Weisheit’. Die Veden sind also eine Sammlung uralter Weisheit – das kann also gar keine Scharlatanerie sein.

Ja eben, die Bibel ist das Wort Gottes, weil, das steht ja schon so in der Bibel, ne?

Wo wir bei Dummbatz sprechenden Glatzköpfen angelangt sind: der Herr Kuhn, da der Stöckelschuh-Fetischist, Ästhetik-Experte, Russland/DomRep-Honorarkonsul im Geiste und gewesene SVP-Politiker, zeigt sich pikiert darüber, dass er mit “Fäkalien verschmierte Briefe” als Reaktion auf seine persönliche Abrechnung mit Frauen, die ihn ignorieren, erhalten habe. Schon nicht nett, sehe ich ein. Prall gefüllte Kotztüten hätten von wesentlich mehr Stil und auch von mehr politischem Feingefühl gezeugt.

Und letzte Woche, da sass ich im Zug von Zureich nach Bern, da war die Hölle los. Eine Horde mongolischer Barbaren stürmte hoch zu Ross durch den Waggon, plünderte und brandschatzte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Nein, es waren nicht italienische Reisegruppen, sondern die zwei Kinder einer vor lauter Verständnis am Rande des Zusammenbruch stehenden Mutter. Nunja, statt dass die Mutter (immerhin eine Mittdreissigerin, das “zu jung”-Argument griff hier also nicht wirklich) zumindest den Versuch unternahm, ihre Teufelsbrut einigermassen in den Griff zu bekommen, schlurfte sie mit Büssermiene durch den ganzen Waggon, blieb vor jedem Abteil stehen und entschuldigte sich bei allen Reisenden persönlich für ihre “viel zu lauten” Kinder. Ich hab ihr dann gesagt, wenn sie zu sehr nervten, würde ich sie sonst aus dem Zug schmeissen und über ihre Reaktion habe ich mich gewundert: zwar hat sie offensichtlich gemeint, das wäre bloss ein Witz von mir gewesen, trotzdem spürte ich in ihrem Lachen eine Spur von “oh wenn es doch nur so wäre…”.

Sie tat mir schon ein bisschen leid.




Lecker ist anders

Heieiei… da leiere ich mir einen ab, wie sehr in die Gesellschaft integriert wir Gitanen doch heutzutage seien, und da stolpere ich in meiner nächsten Nachbarschaft über dieses Schild.

Schrecklich. Dass man uns jagt, erlegt und zu Steaks verarbeitet, ist ja schon schlimm genug. Aber das verdammte stundenlange Einlegen in Marinade vorher… einfach nur grauenhaft.

Damit dieser Freitag nicht ganz trostlos endet, empfehle ich euch noch, un-be-dingt bei der Allee der Spackonauten vorbezuschauen. Herr banana hat da eine Abhandlung zur Verteidigung von Analog-Käse und Gel-Schinken hingehauen, dass mir die Schwarte gekracht hat vor Lachen.

Übrigens, von wegen Analog-Käse… ist ja ein supigeiles Wort, aber welcher Scheiss-Nerd von Lebensmitteltechniker kommt auf die Idee, was zu Essen auf den Markt zu bringen, das den Wortteil ‘Anal’ im Produktnamen enthält?

Der Käse ist voll fürn Arsch, ey.




DDR mit Hamilton-Optik

Weichzeichnerei im Rahmen von Geschichtsschreibung ist etwas ganz Beschissenes. Und doch scheinen Massen von Ostdeutschen genau das zu betreiben. Offenbar tun sie dies, um ihre historische Identität und das damit verbundene Gefühl zu schützen.

Ich kenne den Effekt. Unser tolles Gehirn hat ja das eingebaute Feature, dass mit der Zeit die negativen Erinnerungen aus einem Erlebniskomplex verschwinden, je effizienter desto mehr Zeit vergeht. Klar, sonst würde ja der Besuch jedes Schulraumes den leidgeprüften Ex-Schülern ihre schmerzlichen Erinnerungen aus der Steinzeit des Bildungswesens wieder in den Stirnlappen drücken, und wir würden alle bei der Erwachsenenbildung gepflegt durchdrehen. So oder ähnlich dürfte sich das dann abspielen.

Darum haben wir einen Erinnerungs-Weichzeichner im Gehirn. Ich persönlich schätze dieses Feature ausserordentlich, erlaubt es mir doch beispielsweise alten Arbeitskollegen freundlich und entspannt zu begegnen. Wenn ich mich noch an jedes Detail meiner Empfindungen aus der damaligen Zeit erinnern könnte, würde ich dem einen oder anderen glatt das Fressbett polieren wollen. Aber mit Weichzeichner im Gehirn wird man zum freundlichen Lamm.

Oder zum DDR-Zombie, um mal beim Thema zu bleiben. Der verlinkte SPON-Artikel hat auch ein kleines Forum mit mittlerweile über tausend Einträgen, welch ein Kabinett des Schreckens. Die Stimmen, die die Verklärer der DDR ins Pfefferland respektive in die Psychiatrie wünschen, sind selten, die meisten glänzen mit Ignoranz, Trotz, Merkbefreitheit und seltsamem Erinnerungs-Patriotismus.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe nicht das Gefühl, in einer marktwirtschaftlichen Sozial-Utopie zu leben. Ich sehe genug Änderungsbedarf in unserer Gesellschaft und an der Art und Weise, wie wir auf diesem wunderbaren Planeten leben. Und ja, wir haben gewissermassen eine Art Diktatur des Kapitals, wie auch immer die geartet sein mag. Wir können aber mal einen Auszug dessen machen, was wir nicht haben, denn die negative Auswahl hilft oftmals auch weiter:

  • Grenzmauer.
  • Ausreisebeschränkungen.
  • Selbstschussanlagen an der Grenze.
  • Geheimgefängnisse.
  • Bespitzelung durch die eigenen Reihen auf breiter Basis (wird jetzt freiwillig und butalstmöglich auf Facebook gemacht, wer braucht da noch Geheimdienste…).
  • Ein Volk – eine Partei.
  • Mangelwirtschaft.
  • Leere Regale im Supermarkt.
  • Qualitativ schlechte Lebensprodukte des Alltags.

Die Liste könnte auch noch länger sein, das macht hier aber keinen Sinn. Was lernen wir aus dieser Diskussion? Dass die Geschichte und deren Aufarbeitung nie neutral sein kann, aber sehr wohl professionell sein muss. Da können wir hierzulande immer noch vom hervorragenden Bergier-Bericht zehren, die Ostdeutsche Geschichte bräuchte etwas ähnlich geballtes. Aber da fehlt unserem nördlichen Nachbar wohl die Kohle. Eigentlich Schade…




Der King hat ausgepoppt

Schon saublöd.

Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben, da stirbt der Jackson Michel (das ist der, der den Begriff ‘Gesichtsverlust’ auf ein völlig neues Level gehoben hat) weg und ich hab eine Überschrift, die einfach zu gut ist, als dass man sie ignorieren kann.

Henusode.

Nicht, dass es mich jetzt gross (oder auch nur am Rande) in meiner Lebensqualität beeinträchtigen würde, wenn der weisseste Schwarze aller Zeiten nicht mehr unter uns weilt – er hat mich auch nicht gross beschäftigt, als er noch lebte, schliesslich habe ich keine Kinder. Irgendwie hab ich den Zugang zu der Figur verloren, ungefähr zu demselben Zeitpunkt, als MTV Scheisse wurde. An ‘Beat it’ kann ich mich noch erinnern, und an die ‘Dirty Diana’, und natürlich an ‘Thriller’. Aber sonst? ‘Black or White’? Ja, entscheide dich mal… ‘Heal the world’? Pffffft… heil dich doch selber…

Weil ich ein alter Masochist bin, habe ich mir aber einen Blick ins Michael Jackson Forum nicht verklemmen können, und siehe da, Perlen warten darauf, ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden!

Schon ziemlich geil beginnt es ja im Foren-Header, wo die Betreiber versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben:

Für alle die alleine sind oder mit einem unbeteiligten sprechen möchten, empfehlen wir die TelefonSeelsorge. 24 Stunden täglich – anonym, vertraulich, gebührenfrei.

So meint beispielsweise sana24:

mich trift es schwer den ein mänsch den wir lieben ist von uns gegangen

Nimm es easy, liebe sana24, weil, ob MJ überhaupt noch unter die Kategorie ‘mänsch’ gefallen ist, das würde ich als zweifelhaft ansehen. War ja eher ein Cyborg, mit all dem Plastikzeug drin. Und der positive Aspekt: jetzt hast du endlich wieder den Kopf frei, um im Deutschunterricht mitzumachen und musst nicht mehr die ganzen Hefte mit “I love U Michael!”-Einträgen füllen. Hat eben alles zwei Seiten im Leben.

Andere Leute sind schockiert, wie die Welt mit ihrem Idol posthum umgeht, so zB MJJmyLOVE:

Die Leute sind schrecklich, sogar jetzt noch sagen die: “man muss sagen, dass seine Beziehung zu kleinen Jungs krank war” wie unfassbar!!!

Ja, es ist total schlimm. Weil, spätestens dann, wenn sie tot sind, sollte man Pädophile nicht mehr schmähen, sondern ihnen ein Denkmal setzen – oder ein Kirchenfenster, siehe nebenstehendes Bild.

Als etwas unsensibel empfinde ich die Signatur von CptChaos:

MICHAEL!!! GO 4 LONDON!!!

Vielleicht ist der gute Cpt aber auch nur überoptimistisch.

(Unter uns: ich glaube ja immer noch, dass das ganze Gesterbe nur a) ein Marketing-Trick ist oder b) ein easy Weg, um die bereits ausverkauften Konzerte im Januar möglichst kostenneutral abzusagen.)

Dafür macht cyplone auf Fatalismus:

HEUTE NACHT IS DIE MUSIK GESTORBEN!!!!!!

Hauptsache, die Grossbuchstaben überleben.

Etwas unorthodox dann die Frage von sunshine1974:

Weiß jemand wo ich vielleicht mit gleichgesinnten Michael Jackson Fans Trauern kann? Ein Gottesdienst oder so etwas ähnliches.

Ich verwette meine linke Arschbacke darauf, dass irgend ein schlauer Pfaffe in den nächsten Tagen genau dies anbieten wird. Denen ist ja mittlerweile nichts mehr zu blöd, um ihre Hütten vollzukriegen. An sunshine1974s Stelle würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und eine Initiative starten, damit die ganze Welt kollektive Global-Trauer verhängt. Und einen globalen (ja was red ich da, einen UNIVERSALEN!) MJ-Gedenktag brauchen wir auch. Dringend!

Sowieso: theologisch sind MJ-Fans offenbar recht gebildet. So auch Littlesister:

Möge Gott ihn beschützen und ihn oben im Himmel einen Popstern schenken.

Einen Popp-Stern? So wie den hier?

Und auch Blacky09 ist Hobby-Theologin:

Doch, ich glaube, es gibt einen Gott. Er hat Michael zu sich geholt, um ihn nicht noch mehr zu quälen. Er meinte es sicher gut und will, dass Michael nun ein besseres und schöneres und ruhigeres Leben hat.

Komm Blacky, sprich Klartext: MJ ist Gottes eingeborener Sohn, der zu uns geschickt wurde, die Sünden der Welt von uns zu nehmen. Er ist nun wieder vereint mit seinem Vater im Himmel und betreut im Moment gerade die Vorhölle, wo er sich den ungetauften Kindern annimmt. Halleluja! Amen!

(BTW: ziemlich geil ist die Tatsache, dass wegen MJs Tod jetzt in diesem Forum eine Diskussion über die Existenz Gottes entbrannt ist, im Sinn von “wie kann ein Gott existieren, der MJ von uns nimmt?!?”…)

Darüber, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, ist man heutzutage ja informiert. Trotzdem ist es immer wieder wichtig, dass man da drauf hinweist, so wie MJJusic:

Als ich heute morgen ganz gemütlich duschen gehen wollte, das Radio angeschalten hab und diese Nachricht gehört habe, brach ich förmlich zusammen.

Merke: nie gleichzeitig gemütlich duschen und Radio hören! Das kann nämlich zu Zusammenbrüchen führen. Man spricht in dem Zusammenhang bereits von Killer-Radios und Koma-Duschen.

Etwas orientierungslos kommt Zagros in seinem selbst verfassten Gedicht rüber:

Ein kurzes Gedicht von mir an Michael:

Wenn ich Gott anflehen würde, könnest du dann kommen?
Wenn ich ein Teil meines Lebens dir gebe, würdest du dann zurück kommen?
Der Tod steht Michal Jackson nicht, ich habe nicht genug von dir. Wo willst du hin Michael wohin?

Ich rate mal: Six feet under. Zur Wurm-Party. Radieschen von unten ansehen. Perma-AFK. Und das Gedicht ist so toll, dass Blacky09 meint:

Ein sehr schönes Gedicht! Wie schön wäre es, wenn es wahr werden könnte. Ich würde sofort einen Teil von mir geben, wenn er nur wieder da wäre!

Mit dem Teil von dir meinst du wohl dein Gehirn, aber das wird nicht klappen, weil Gott Gehirne nicht so toll findet. Das sind Zombies, die da drauf abfahren, als MJ-Fan solltest du das eigentlich wissen.

So, dann mal ab in die Grusel-Ecke. Lischen83 mag ja eine ganz flotte sein. Total nett und so, ey. Aber stellt euch jetzt plastisch vor, wer hinter so einer Aussage stehen könnte:

Er hat mich sowohl künstlerisch geprägt als auch meinen Beruf als Sozialarbeiterin…

Also wie jetzt? ‘Künstlerisch’ im Sinn von ‘künstlichem Gesicht’? Und Sozialarbeit im Sinn von… hoffentlich nicht mit kleinen Jungs, oder?

Wirklich gruslig ist aber das hier, aus dem Foren-Header:

Seine Kunst ist unsterblich.

Uuuuuuuhhh… jetzt hab ich aber wirklich Angst…




10 things you didn’t know about orgasm

Es gibt immer etwas zu lernen. Bitteschön:




Deutsche Demokratsche Rebübligg

Ein interessantes Interview im Angesicht der Deutsch-Deutschen Auseinandersetzung gibts hier auf SPON zu lesen. Mahlzeit!




Zuggeschichten

Aus der Reihe:

Agamobil


Diese Woche im Zug von Neuenburg nach Bern. Mir gegenüber sitzen zwei ältere Damen – nennen wir sie der Einfachheit halber klischiert Rösi und Klärli – , das AHV GA schon fest in den knorrigen Händen, damit dieses sofort dem Kondukteur unter die Nase gehalten werden kann.

Rösi: Du, der Housi sieht ja ganz schlecht aus. Ganz schlecht.
Klärli: Uhh ja, der war gar nicht zufrieden mit dem Essen im Spital. Und mit den Schwestern konnte er es auch nicht. Nur das schwarze Meitli war eine liebe. Hat er gesagt. Hat sich gut gekümmert um den Housi.
Rösi: Jäja, die müssen halt auch sparen im Spital, gell. Ich habe ja auch immer noch Probleme mit meinem offenen Bein…
Klärli: Dem Dr. Meier hat mein Husten auch nicht gefallen. Aber das kommt halt mit dem Alter, gell. Immerhin können wir noch solche Reisli unternehmen. Da muss man zufrieden sein.
Rösi: Jäja….hmhm…schau mal wie schön die Blumen blühen!
Klärli: Uhhh ja…schön…
Rösi (zu mir): Frölein, gellen Sie, das ist schon der Zug nach Bern?
Ich: Kopfnick, jäja!
Rösi: Jetzt dachte ich schon…wir sind drum aus dem Zürcher Oberland und da kennt man sich im bernischen halt nicht so aus, gell Klärli!
Klärli: Jäja…schau mal das wunderschöne Bauernhaus mit den Geranien, das sieht ganz ordentlich aus!
Rösi: Da merkt man halt schon, dass man in der Schweiz ist. Alles so schön aufgeräumt.
Klärli: Hä ja, das wurde uns ja auch gelehrt, gell! Ich muss dem Spitex Frölein auch immer zeigen, wie man den Boden richtig aufnimmt. Die jungen Meitli heute können das ja nicht mehr. Die können ja auch nicht mehr richtig kochen. Da erstaunt es mich nicht, dass heutzutage so viele wieder scheiden. (Zu mir) Gellen Sie Frölein. Sind sie denn auch verheiratet?
Ich: Kopfschüttel, nenei…Aber ich kann kochen…
Rösi: Henusode, der Frühling ist wunderschön. Nicht so heiss wie im Sommer. Hmhm…
Klärli: Jäja…


Bisher in Agamobil erschienen:
  1. Junge, Junge…
  2. Erziehung mal anders
  3. Zuggeschichten