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Wie jetzt? Schon wieder Frühling?

Letzthin hat der Schweizer Souverän (sowie seine Souveräne) ja den Tierschutzanwalt wuchtig verworfen. Es ist halt so, dass des Eidgenossen liebstes Tier das Kotelett ist und selbiges am artgerechtesten in der Pfanne gehalten wird. Simple Fakten des Lebens. Letzthin im Büro hatte ich aber mit dem neuen Coder-Gspändli eine Diskussion über Guinness. Nämlich, dass dieses schöne Getränk, von dem sich in Irland ganze Familien schon seit Generationen mehrheitlich ernähren,  hierzulande gleich vierfach vergewaltigt wird:

  • Es ist hier nur in der Memmen-Version “Draught” erhältlich
  • Es wird gerne in Büchsen kredenzt, mit so einer grausligen Gummikugel drin (soll wohl das Überschäumen verhindern)
  • Es wird hier ungern bei mehr als molligen 4° Celsius ausgeschenkt
  • Um das Büchsen-Feeling zu verschwammen, setzt man in hiesigen Gaststätten das aus der Hülse ins Glas gestürzte Bier auf einen Mini-Vibrator, welcher dann dem Guinness aus der Dose zur arttypischen, schaumigen Krone verhilft.

Man kann das oben zusammenfassen mit: schmeckt voll Scheisse.

Und daraus entwickelte sich dann die Idee: wir lancieren einen Bierschutzanwalt! Der dann von Pub zu Pub geht, mit einem Thermometer in der Hand, und überprüft, ob alle Biere auch artgerecht gehalten werden. Dieser Anwalt müsste gleichzeitig natürlich auch Kläger, Richter und Henker sein können – wir dulden keine Toleranz gegenüber Bierquälern!

Das Traurige an der Sache ist: käme so ein Seich an die Urne, das Verhältnis Ja/Nein wäre wohl gerade umgekehrt wie beim Viecheranwalt.

Die ollen Katholen

Jaja, die Mutter aller Kirchen ist mal wieder am Pranger. War ja alles in den Medien, Kindsmissbrauch hier und da, grosses Drama, die Obrigkeit hält sich mit systeminterner Kritik nobel zurück, unterstützt die Täter und fordert von den Opfern Initiative, die verklemmte Haltung zur Sexualität ist sicher nicht der Grund, neineneineinen, also alles wie gehabt. Wäre da nicht ein gewisser Bischof Mixa, der meint, diese Vorfälle wären auch Ergebnis der “sogenannten sexuellen Revolution“.

Seltsam, wie eine gesellschaftliche Entwicklung just in der Institution, die sich dieser Entwicklung seit jeher am vehementesten entgegenstemmt hat, ihre reichste Blütenpracht entfalten kann.

Confessions of a Stupid Old Man

Apropos traurig: da war ja neulich im TagiMagi ein Artikel über den Peter Bichsel, der nur noch als Karikatur seiner selbst auftritt (die Parodie von Mike Müller wirkt mittlerweile echter als das Original). Ganz besonders witzig ist der Bichselsche Gottesbeweis, den ich hier in verkürzter Form wiedergebe:

  • Prämisse 1: In Solothurn lebt ein vom Leben und sich selbst enttäuschter alter Mann, der früher mal ganz OK geschreibt hat.
  • Prämisse 2: Dieser alte Mann bringt es nicht auf die Reihe, aus eigenem Antrieb Lebenssinn zu entwickeln, sondern meint, dass dieser Sinn ihn gefälligst in einer Beiz anspringen solle.
  • Prämisse 3: Der alte Mann weiss zwar nicht, ob er an Gott glaubt, braucht ihn aber, um Sinn zu schaffen und damit sich der Bichsel noch auf etwas freuen kann.
  • Logische Schlussfolgerung: Gott existiert!

Lieber Peter, such dir doch ein Fumoir und bleib da drin, bis die Asche, die du produzierst, von dir selbst nicht mehr zu unterscheiden ist. Die Tour de France findet ihren Weg über den TV auch ins Flora – da musst du nicht unbedingt einen Dokumentarfilmer bis in ein Pariser Hotelzimmer mitschleppen.

Evi löst das Problem der Jugendgewalt

Mittlerweile weiss man ja, wo das Hauptproblem der Jugend zu verorten ist. Es ist nicht die Unwilligkeit der Politik, massiv in Bildung zu investieren. Es ist auch nicht die krude Auffassung von Integration, die hierzulande gepflegt wird (“lasst sie einfach alle kommen, es wird ihnen derart gefallen hier, dass sie sich von selbst integrieren”). Und natürlich ist auch nicht der Leistungsdruck schuld, nicht der alltägliche Medienwahn, nicht die fehlenden Zukunftsperspektiven. Es liegt nicht daran, dass wir als Gesamtgesellschaft kein Bild davon haben, wohin wir uns entwickeln sollen und auch nicht daran, dass die einzigen Führerfiguren, die wir haben, wirklich das sind: führende Figuren.

Nein, Schuld an allem sind Killerspiele.

Schon nur das Wort: ich kenne Kartenspiele, da spielt man mit Karten. Ich kenne Brettspiele, die spielt man mit Brettern. Gesellschaftsspiele werden in Gesellschaft gespielt, Geschicklichkeitsspiele benötigen Geschicklichkeit. Und Killerspiele? Benötigt man da Killer dazu? Spielt man diese mit anderen Killern? Oder dient der Killer gar als Spielfeld? Man weiss es nicht.

Obwohl also eine gewisse Unschärfe bezüglich dieses Begriffs besteht, ist man sich darüber einig, dass solches verboten gehört. Wegen den Kindern. Und ja, nicht nur für Kinder verboten, sondern für alle. Weil es ja bekanntlich allen Kindern schadet, wenn ein Erwachsener zum Zwecke des Zeitvertreibs auf animierte Pixel schiesst. Das Statement von Rolf Schweiger in 10vor10, das betreffe ja sowieso nur ein paar tausend Leute, die Einschränkung der Freiheit sei hier also zumutbar, finde ich schon noch bemerkenswert, vor allem von einem FDPler. Wieviele Millionäre gibt es in der Schweiz? Nur ein paar tausend? Warum beschlagnahmen wir denen nicht ihr Prvatvermögen und senken dafür die Steuern für alle anderen? Sind ja nur ein paar tausend, die Einschränkung deren persönlicher Freiheit ist hier also, da der Gesamtgesellschaft förderlich, durchaus zumutbar. Und denkt endlich mal jemand an die Kinder?!?

Dschango denkt natürlich an die Kinder. Und er weiss, dass heutige Kinder ihren Erziehungsberechtigen in technologischer Hinsicht weit voraus sind. Die Tatsache, dass sich ein in der Agglomeration amtierender und vom Zufall in die Politik gespülten Lehrer von einem Verkaufsverbot davon abhalten lässt, ein “Killerspiel” zu spielen, beweist nur, dass der Lehrer eine vorgestrige Nulpe ist. Es gibt kein Spiel, keinen Film und kein Buch, das heute nicht innert Minutenfrist auf die heimische Festplatte gesaugt werden kann. Minimales technisches Verständnis vorausgesetzt, das bei der Zielgruppe (Kinder) vorhanden ist, bei den Bedenkenträgern aber komplett fehlt.

Und da ja das Kinder-Argument immer verfängt: wieviele Kinder sterben jedes Jahr durch den Strassenverkehr? Wieviele Kinder und Jugendliche werden jedes Wochenende in den Entnüchterungszellen eingeliefert? Muss die Konsequenz nicht sein, dass man Autofahren und Alkohol verbietet, um die armen, armen Kinder zu schützen? Und wenn wir Gewaltverherrlichendes und Intolerantes konsequent verbieten wollen: wo ist der Bann für die Bibel? Für den Koran? Das SVP-Parteiprogramm?

Ja, noch wegen SVP… obwohl ich mir jetzt wohl einen Monat lang die Hände zwangswaschen muss: der Führerlehrling Erich J. Hess setzt sich in einem überparteilichen Kommitee dafür ein, dass dieses Verbot nicht durchkommt. Und vorgestern im 10vor10 hat er fast intelligent gewirkt, wie er da seinen auswendig gelernten Satz aufgesagt hat. Ist ein bisschen wie beim Matthias Stürmer, der einerseits als von mir hochgeschätzter Kämpfer für Open Source Software agitiert, andererseits aber auch ein Jesus-Fundi mit gesellschaftlichen Ansichten aus der Bronzezeit ist.

Hat eben alles zwei Seiten. Mindestens.

Die grössten Kritiker der Elche…

… waren früher selbst mal welche, so sagt bekanntlich der Volksmund, der ja immer recht hat. Sagt ihrerseits zumindest wieder die SVP, die aber im Moment ein grosses Problem hat: wie macht man dem unfehlbaren Volk klar, dass man zwar einen Haufen Abzocker in den eigenen Reihen hat, deshalb eigentlich gegen jegliche regulative Eingriffe in die Wirtschaft ist, sich aber gleichzeitig gegen die Linke positionieren muss, die blöderweise ein recht populäres Anliegen bereits seit gefühlten zwei Milliarden Jahren predigt, das von der SVP, andererseits, wiederum seit gefühlten vier Milliarden Jahren, verlacht und verhetzt wird, wie also macht man diesem Volk weis, dass man doch auch irgendwie gegen Abzockerei in der Wirtschaft ist? Ganz einfach: man nimmt denjenigen Herrn, der in den 90ern das Mantra des “mehr, mehr, mehr!” erfolgreich in der Schweiz eingeführt hat, schliesse diesen mit dem nicht wirklich mit Intelligenz und politischem Gespür gesegneten Initianten der Abzocker-Initiative eine Woche lang in einen fensterlosen Raum, und voilà, schon haben wir:

  • eine eigentlich sinnvolle Initiative, die ständig davor bedroht ist, zurückgezogen zu werden
  • einen Gegenvorschlag, der in den Erweiterungen interessant, im Kern aber jämmerlich ist
  • einen gescheiterten Alt-Bundesrat, der endlich mal wieder Auftritte im TV bekommt und sich als (millionenschwerer, aber egal) Paulus und volksnahen Kümmerer aufspielen kann.

Es kann einfach nur Gewinner geben. Genau wie bei der Sicherheits-Initiative, die von Philippe “was tut der eigentlich genau?” Müller erfolgreich aufgegleist wurde und an der Urne jämmerlich gescheitert ist. Am Montag nach der Abstimmung fühlte sich der Dschango dann im komplett falschen Film, weil sowohl Müller als auch die Medien die Ablehnung der Initiative als Sieg für Müller werteten.

Und in neun Tagen sind Grossratswahlen im Kanton Bern. Am liebsten würde ich mich schon heute ins Koma saufen.




Wir lieben Suchmaschinen

Eine Suche nach Leuthard ohne L kann bei der Suche auf 20min.ch unerwartete Resultate hervorbringen:

Danke an 20min.ch für diese kleine Erheiterung…




Gott und Teufel

Der Teufel lebt scheints im Vatikan. Ich habe immer gemeint, der sei im Detail. Henusode…

Und Gott ist ein Chatter namens dustball. Oder auch nicht. Gefunden auf ibash.de:

<dustball> ich BIN gott.
<dustball> so und nu versuch ma meine macht zu wiederlegen
<Toxic Soul> widerlegen
<dustball> touché




Comme il faut not

So gehts nicht:




Der Mörder in uns

Es ist immer wieder mal interessant, sich mit dem Gewaltpotenzial im Menschen auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zu einigen Leuten aus dem soziokreativen Gutmenschen-Bereich bin ich ja bedingungslos bereit, Gewalt als unumgänglichen Teil unseres Daseins zu begreifen.

Wenn wir jetzt noch ein wenig Medien und Konsum in diesen Cocktail mischen, landen wir bei der altbekannten Diskussion Medien und Gewalt. Wir hatten ja schon andernorts das zweifelhafte Vergnügen, mit Exponenten der Stoppt!-Killerspiele!-Fraktion und ihrer Unfähigkeit, Ursache und Wirkung richtig einzuordnen, konfrontiert zu werden.

Nun bin ich jüngst über den einen oder anderen guten Artikel gestolpert, der die oftmals erschreckend abwesende Medienkompetenz von gewissen Menschen, die teilweise in relevanten Positionen im Bildungsbereich usw sitzen, wieder mal geschmeidig illustriert.

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Anekdote loswerden: Jüngst haben ein paar Videospiel-affine Freunde und meine Wenigkeit über die mögliche Wirkung von Videospielen mit Gewaltinhalten diskutiert, gerade im Bezug auf das Handling von Waffen und dergleichen. Es stellte sich heraus, dass ich durch Counterstrike – wen wunderts? – genau nichts über Waffen gelernt habe. Hingegen hat die Tatsache, dass ich dieses Spiel über Monate zusammen mit einem ausgebildeten Militär gespielt habe, wesentlich mehr zu meinem Wissen über Waffen und Strategie beigetragen.

Konkret hat mir also ein fachkundiger Panzerfahrer mein militärisch-strategisches Wissen beigebracht, nicht das Spielen selbst. Dass dies im Spiel durchaus eine positive Wirkung auf meine Leistung hatte, braucht nicht zu erstaunen. Genausowenig erstaunt es, dass ich ohne Weitergabe dieses Wissens im Prinzip genauso Ahnungslos geblieben wäre wie vor dem ersten Kontakt mit diesem Spiel.

Was also fehlt diesen Leuten, die immer wieder in die gleiche Falle tappen, wenn es zu dieser Diskussion kommt? Kontext, Baby. Und Medienkompetenz.

Was nützen Altersempfehlungen auf den Spielepackungen, wenn sich die Oldies nicht für die Inhalte ihrer Brut interessieren? Was nützt Aufklärung, wenn sich die immergleichen, oftmals bildungsfernen Schichten getrost darum foutieren? Was nützt Parental Control auf den Spielekonsolen, wenn sie nicht konsequent aktiviert wird?

Wir leben in Zeiten, wo es einfach nicht mehr reicht, wenn die Pornos im elterlichen Schrank eingeschlossen werden. Die allzeitige Verfügbarkeit von gratis Inhalten in Kombination mit Breitband Internet verlangt nach anderen Strategien, als man der unaufgeklärten Öffentlichkeit weismachen will.

Wir müssen uns auch von der Vorstellung lösen, dass Eltern beispielsweise die teils sehr komplexen Geräte ihrer Kinder überwachen können, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir können aber kritische Fragen stellen. Brauchen Kinder bis 13 Jahre schon einen eigenen Computer oder gar eine eigene Spielkonsole? Muss es ein Schlag-mich-tot-Internet-fähiges Handy mit allen Schikanen und entsprechendem Abo sein? Brauchen wir nicht eine enttabuisierte, gnadenlose Aufklärung an Schulen, losgelöst vom kulturellen Hintergrund der Schüler? Brauchen wir nicht auch den Mut, von fehlgeleiteten Eltern und ihren Kindern die Bereitschaft einzufordern, sich ihren Taten zu stellen und korrigierende Massnahmen zu treffen und kontrollieren zu lassen?

Das, liebe Politiker und Sachverständige, sind allesamt Fragen, die es zu diskutieren gilt. Denn es führt kein Weg daran vorbei…




Die bunte Welt des Dschango B.

Jetzt müsst ihr euch alle an den Stühlen festhalten, weil jetzt kommt der Hammer: der Dschango ist seit dieser Woche eidgenössisch attestierter Berufsbilder. Huiiiuiui, jetzt sehe ich förmlich eine “WTF?!?”-Welle hierher schwappen. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie das denn passieren kann, und ob jetzt dann eigentlich jeder dahergelaufene Zigeuner Jugendliche ausbilden darf.

Im Grunde genommen kann man die letzte Frage mit einem klaren  “Ja!” beantworten. Viel mehr als die Fähigkeit, während 40 Lektionen nicht extrem negativ aufzufallen, braucht man nämlich nicht, um im Kanton Bern Berufsbilder zu werden. Das schweizerische Berufsbildungssystem ist in seiner Niederschwelligkeit bezüglich den Ausbildern so sympathisch wie irritierend und ich muss zugeben, ich hätte nie gedacht, dass das System tatsächlich so funktioniert. Aber es tut es offenbar seit ungefähr viertausend Jahren.

Überhaupt nicht funktionieren tut momentan aber irgendwas auf Haiti – keine Angst, wir rufen jetzt nicht auch noch zu Spenden auf, gebt das Geld besser für ein Blümli für den Hasen oder für irgendein Sexspielzeug aus. Da haben die Haitianer nämlich genausowenig von. Aber mir ist aufgefallen, dass da eine Frau nach zig Tagen ausgegraben wurde. Also nicht das ist mir aufgefallen, weil, das steht ja momentan fast jeden Tag in irgendeiner Zeitung, dass auf Haiti eine Frau ausgegraben wurde oder gerade ausgegraben wird, nein, aber der Name der Frau ist mir aufgefallen und ich habe mir geschworen: falls mir irgendwann eine Tochter geboren werden sollte, sie müsste den Namen “Hotteline” tragen, ob sie wollte oder nicht, ob mir das Jugendamt im Nacken hängen würde oder nicht, schniezpupsegal.

Ja, mir ist auch klar, dass man den Namen wahrscheinlich als  “Ottlin” aussprechen täte, so mit französisch-stummem Asch. Würde ich aber nicht. Ich würde jeden Mittag “HOTTELIIIIIIIIINEEEEEEE!!” quer durchs Quartier schreien, mit extra stark betontem H, und ich würde mir einen Schranz in den Ranzen lachen, weil alle Nachbarn den Hals verdrehen würden, um zu sehen, welches arme Kind denn einen derart abgefahrenen Namen hat. Und Hotteline Beinhart würde zur Berühmtheit werden, nicht bloss, weil sie mit einem Natel in der Hand in einem Erdhaufen gefunden wurde, nein, sondern weil es die mit dem komplett verblödeten Vater ist, der seine Kinder nach haitischen Erdbebenopfern benamst. Und der bildet auch noch Lehrlinge aus, im Fall!

Es gäbe immerhin mehr zu reden als wenn ein Bundesrat mal wieder Gesicht und Eier verliert und vor der versammelten Presse den Hampelmann gibt. Aber halt, von der Béglé-Affäre wollte ich hier eigentlich wirklich nichts schreiben, weil auch wir bei der Daumenschraube haben gewisse Grenzen, was wir an Anti-Ästhetik unseren LeserInnen zumuten wollen. Oder eben nicht.

Da mache ich doch viel lieber ein bisschen auf Diashow und zeige euch, was mir die letzten Wochen so an lustigen Biudaleh vor die Linse gehuscht ist. Als erstes präsentiere ich euch, was die Bernischen Kornhausbibliotheken so ausgetüftelt haben, das meines Wissens einmalig in der ganzen Welt ist: in der Kornhausbibliothek kann man nämlich Bücher verlängern!

Das mag funktionale Analphabeten jetzt total kalt lassen, für mich aber ist es der Stein der Weisen. Stellt euch vor, ihr seid an einem guten Buch, die letzten zwei Seiten vor euch, und spontan denkt ihr, ha, eigentlich könnte die Story gerne noch für ein paar hundert Seiten so weitergehen. Und ihr schnappt euch den Fernsprecher oder eine Internet-Röhre und verlängert das Buch ganz einfach um ein Kapitel oder zwei, schnell und unkompliziert!

Gut, man müsste jetzt auch noch Bücher verkürzen können, weil einige Bücher schlicht zu lang sind. Ich vermute nämlich, dass beispielsweise die Bibel von ein paar über-enthusiastischen Literaturfreaks einfach ein paarmal zu oft verlängert wurde. Die Verkürzungs- komplementär zur Verlängerungsmöglichkeit wäre also durchaus angebracht, ich hoffe, dass sich die Kornhausbibliotheken da etwas überlegen.

Es wäre nämlich auch sonst noch praktisch, wenn man Bücher verkürzen könnte. So wäre beispielsweise das neueste Buch von Hans Küng in der verbesserten, weil verkürzten Version nur noch dies:

Ich habe mein Leben mit dem Glauben an unsichtbare Freunde verschwendet und muss nun rechtfertigen, warum ich keinen nützlichen Beruf gelernt habe (zB beim Herrn Beinhart).

Lobet den Herrn!

Es wäre alles viel, viel einfacher, ehrlich.

Ich kam in den letzten Wochen übrigens ab und zu in Spiez vorbei, das ist da diese flotte Party-Metropole am Thunersee. Es ist ein spassiges Käffchen, wirklich. Nicht nur, dass man dort den Jesus-Fisch sogar am Schaufenster des Frisörs findet (habe mich leider nicht getraut, den zu fötelen, weil die haben schon so apokalyptisch raus- und den Dschango angeschaut, gruslig) oder dass man auf der Website der Gemeinde Werbung für Fundi-Events macht. Nein, man zeigt sich auch gerne kreativ, wenn es um die Benennung von Firmen geht:

Gut, wenn man jetzt eine Swingerbörse aufmachen würde, da wäre “Popnet” sicher der perfekte Name für. Tun sie aber nicht, die Popnetten, die tun nämlich nur Computer vertschutten und so. Von allen guten Geistern verlassen muss aber sein, wer für seine softwareentwicklungstechnischen Bedürfnisse eine Firma engagiert, die sich “kaformatik” nennt, das “ka” auch noch fein grafisch hervorgehoben. Für Nicht-Nerds: “KA” steht für “keine Ahnung”. Also im IT-Slang, ob das bei der Firma auch extra so gewählt wurde, weiss ich natürlich nicht.

Ja, und zum Schluss möchte ich euch noch etwas mit auf den Weg geben, sozusagen mein Lebensmotte für 2010, gefunden am Bahnhof Stöckacker:

In diesem Sinne noch ein erfreuliches Wochenende – und immer schön nett bleiben, gell?




Grüne Eier, unschwule Filme, nuttige Models und ein drittplatzierter alter Sack

Himmel, Arsch und Zwirn, wie ging es ab bei mir die letzten Wochen… meine Schräubchen-Aktivität hat darob arg gelitten, deshalb: mea culpa. Als klitzekleine Entschädigung wird dieser Artikel mal wieder epische Länge aufweisen. Genauso wie die Liste der Tags zu diesem Artikel. Soll ja niemand sagen, ich schaue nicht zu meinen LeserInnen.

Also: Jahreswechsel war bekanntlich, bzw sogar Jahrzehntewechsel; hoffe, die werte Leserschaft ist gut geflutscht. Bei Beinharts gings wie immer im entspannten Rahmen über die Bühne, unaufgeregt und inmitten vieler lieber Leute. Und ich darf beruhigen: die neue Scheisse scheint zum Glück noch 1:1 der alten Scheisse  zu entsprechen, kein Grund also, sich auch nur annähernd neu zu orientieren. Der Bundesrat ist noch genauso ratlos wie letztes Jahr, Merz hat sein Gesicht noch immer nicht gefunden, Leuthard ihr rechtes Auge noch immer nicht schliessen können und generell darf gesagt werden, dass Denkbefreitheit nach wie vor Breitensport ist.

Soweit so gut.

Eier trotz grün

Aber trotzdem gibt es ein paar Dinge, die neu sind. Da war beispielsweise ein gewisser Diego Hättenschwiler (mir bis dato völlig unbekannt, aber offenbar Delegierter der Berner Grünen), der meiner bescheidenen Meinung nach der bisher erste Grüne ist, bei dem zwischen den Beinen etwas anderes als handgerollte Filzkügelchen aus Bio-Wolle baumelt. Und genau dorthin (zwischen die Beine, aber am anderen Ende als an dem, wo idR die Kronjuwelen hängen) zielt auch die Diskussion, die Hättenschwiler anstossen will: die Beschneidung von Knaben ohne entsprechende medizinische (!) Indikation, bei Mädchen ein Straftatsbestand, müsse endlich diskutiert und verboten bzw bestraft werden. Man kann sich vorstellen, dass unsere beschnittenen Mitbürger exotischer Religionszugehörigkeiten am Toben sind.

Dschango aber sagt: Recht so! Meinen Segen habt ihr, liebe Grüne! Endlich wird an einem Tabu gerührt, das mir schon seit Jahren auf den Sack geht und anderen an die infantile Vorhaut. Ich meine: es kann ja nicht sein, dass wenn ich volljährigen, mündigen Leuten auf ihren Wunsch hin ein Piercing verpassen möchte, von Gesundheitsamt und Gewerbepolizei kontrolliert werde, es aber kein Problem darstellt, wenn tatterige Hobby-Chirurgen mit unsichtbaren Freunden auf dem Copiloten-Sitz an Geschlechtsteilen von Säuglingen herumschnippeln. Es ist mir völlig schnuppe, wenn dies zwischen Erwachsenen im Konsens geschieht. Ihr könnt euch dann gegenseitig alle möglichen Körperteile absäbeln, ob von Gott angeordnet oder nicht, ob alte oder neue Tradition, es geht mir komplett am Arsch vorbei. Aber die Lizenz zur Misshandlung von Säuglingen, nur weil man einer bronzezeitlichen Endzeit-Sekte angehört? Hallo?!?

Spassig ist die Reaktion des Schweizerischen Israelischen Gemeindebundes: erstens sei die jüdische Beschneidung eine alte Tradition (das allein rechtfertigt ja schon sämtliche Verstümmelungen), zweitens sei die Beschneidung von Juden durch die Religionsfreiheit geschützt (logo, wir stellen in der Schweiz die Religionsfreiheit grundsätzlich über alle anderen Grundrechte, vor allem über diejenigen von Dritten, und ganz besonders dann, wenn die Dritten minderjährig sind) und schliesslich habe die Beschneidung von Knaben handfeste Vorteile, denn sie vermindere das Risiko von Harnwegsinfekten und Peniskrebs. Letzteres stimmt tatsächlich, theoretisch zumindest, man kann denselben Effekt aber auch erzielen, indem man seine Nille hin und wieder “guet mit Söifi und Wassr” wischt. Das BAG hat scheints schon einen entsprechenden TV-Werbespot mit Ali Kebap in der Hauptrolle geplant – man will ja auch die muslimischen MitbürgerInnen erreichen.

Und übrigens: wenn die Theorie des SIG tatsächlich hinhauen würde, wäre Pimmelkrebs in Israel, den USA und fast allen arabischen Ländern komplett ausgerottet. Ist er das? Eben.

Abschliessend kann ich Herrn Hättenschwiler zu seinen haarigen Klöten nur eine unglaublich dicke Haut wünschen. Er wird sie, im traditionell religiösen Absurditäten Sympathie entgegenbringenden Grünen-Umfeld, bitter benötigen.

Ghey secks for teh win!

So apropos “bestens unterhalten”: wir (Hase, Dschango, der Franzose) waren neulich mal wieder im 3D-Kino, “Avatar” ansehen. Wir waren begeistert! Selten, dass ich nach Filmende das dringende Bedürfnis hatte, den Film gleich nochmal zu schauen (machen wir dann auch noch, Mitte-Mitte ist das Stichwort). Die Story ist zwar in maximal drei Hauptsätzen erzählt (ganz witzig: in der Pause haben wir drei überlegt, wie der Film weitergeht, und wir haben im Detail jeden einzelnen Strang genau so fertiggesponnen, wie er dann auf der Leinwand tatsächlich kam), das hat uns aber nicht wirklich gestört – vor lauter Gucken kommt man eh kaum zum Denken.

Weniger Freude an dem Film hatten einzelne Transgender/Schwulen/Lesben/WTF-Verbände, die auch zum Boykott gegen den Film aufriefen. Wieso das denn, könnte man sich fragen. Ganz einfach: im ganzen Film kommt kein einziger Schwuler vor, keine einzige Lesbe (OK, Frau Weaver spielt mit, immerhin), nicht ein Transgendator, keine Transen, null Sex (letzteres würde ich als valides Argument noch so halb unterstützen). Und das geht so natürlich nicht.

Ich träume schon von einer Welt, in der man keinen Film mehr machen darf, ohne nicht eine Liste von Quoten-Minderheiten rollentechnisch zu berücksichtigen. Das heisst, egal ob Krimi, Science Fiction, HdR, Kostümschinken oder Disney-Weihnachtsfilm, neu müssen folgende Sprechrollen zwingend enthalten sein (die Liste ist als ‘work in progress’ zu verstehen und muss noch durch das BunDesamt zum Schutz von Minderheiten [BDSM] freigegeben werden):

  • 3 Juden (1 orthodox,  1 liberal, 1 de facto-Atheist)
  • 1 Uigure (einfach bloss, um China anzupissen)
  • 2 Muslime
  • 5 Fetisch-Liebhaber, Ausrichtung je nach Wunsch und/oder Präferenz des Regisseurs besetzt
  • 1 Zeuge Jehowas
  • 1 Atheist
  • 2 Personen mit Schuhgrösse >= 45
  • 1 Agnostiker
  • 3 Schwule (davon mind. 1 Ledertrine, kann nicht anstelle eines Fetisch-Liebhabers [s.o.] besetzt werden!)
  • 2 Lesben
  • 8 Informatiker
  • 1 abgehalfteter Ex-Bundesrat mit Profilneurose, Messias-Komplex und Verfolgungswahn (guckt nicht so: endlich ein Job, für den der Mann wirklich die beste Wahl ist!)
  • 6 Hundehasser
  • 1 Outdoor-Fanatiker
  • 2 Bisexuelle
  • 2 Vegetarier
  • 24 Zigeuner (kann man immer, in jedem Film brauchen!)
  • 1 Asexueller
  • 3 Versicherungsvertreter
  • 1 Kleinwüchsiger
  • 3 Schwarze, die Afroamerikaner genannt werden möchten
  • 2 Afroamerikaner, die Schwarze genannt werden möchten
  • 2 Inder
  • 8 Detailhandelsangestellte (paritätisch zwischen Coop und Migros aufgeteilt)
  • 1 Analphabet
  • 5 Fettleibige (BMI nicht unter 52 pP)
  • 3 Magersüchtige (BMI nicht über 7 pP)
  • 4 Allergiker

Man müsste auch noch bestimmen, ob man als Regisseur kumulieren darf, also zB mit einer schwarzen, lesbischen, magersüchtigen, muslimischen Inderin gleich fünf Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Ich wüsste da ein paar Leute, die so den Sprung in die Selbständigkeit wagen und sich ein recht schickes, regelmässiges Einkommen sichern könnten.

Ach übrigens, mein altes Vorurteil, dass man einfach kein schlechter Mensch sein kann, wenn man einen derart appetitlichen Arsch wie die Frau Rodriguez hat, dieses Vorurteil hat sich dann im zweiten Teil des Films vollumfänglich bestätigt. Das Vorurteil wird folglich per sofort zum Dogma erhoben.

Der Zahn der Zeit

Bevor jetzt die Gerüchte wieder überkochen: Dschango ist trotz seines hohen Alters noch ein extrem Agiler, Wendiger, ja, gar ein sich stromlinienförmig durch die Welt Bewegender. Physisch wie geistig, wie ich anmerken darf. Trotzdem lässt sich nicht leugnen: wir bauen langsam aber sicher ab.

Da war beispielsweise der Vorfall bei einem Kunden. Es ging darum, ihm ein Outlook 2007 zu installieren (nicht hinterfragen, manchmal muss ein Mann einfach tun, was ein Mann tun muss). Alles lief recht smooth ab, ich startete dieses doofe Outlook, “wollen Sie Konto einrichten”, neeee, wie immer halt, mach einfach weiter du Depp… *tschägäng-tschabbawahnsinn*… Oh-lala, wie bunt sieht das denn aus? Gut. Ich versuche, ein eMail zu verfassen, um zu schauen, wie sich das Teil so anfühlt. Neue Nachricht, Adresse eingeben, Subject, Text. Und abschicken. Hmmm… wo zum Henker ist der ‘Send’-Button…?

Suchen, suchen, suchen… Zillionen von Optionen, Myriaden von Ribbons, Knöpfe agogo, aber keiner, der ein Mail zu versenden verspricht. Panik macht sich breit. Erstmal den Kollegen rufen (knapp 20 Jahre jünger), er soll den Send-Button finden. Grosses Gelächter, “na Dschango, jetzt gibst aber wirklich ab, ne?”, er setzt sich hin… und sucht… und sucht… und sucht… irgendwann dann “Gopfertami!”, aber immer noch kein Send-Button.

Also mal Google anwerfen, und siehe da: ungefähr 600′000 Einträge, alle mit demselben Problem. Und die Lösung? Outlook 2007 kann zwar Mails schreiben, wenn noch kein Konto definiert ist, logischerweise aber keine verschicken. Ein ‘dummer’ Mailclient würde jetzt einfach eine Fehlermeldung ausgeben. Und Fehlermeldungen sind gut! Mit Fehlermeldungen kann ich umgehen! Fehlermeldungen verdanke ich seit 20 Jahren einen Grossteil meines Einkommens! Weil aber der Dreck aus Redmond gerne mal für den User denkt, zeigt er in der Folge ganz einfach keinen Send-Button an, so im Stil von: “Hach, du hast in dem Moment, als ich wollte, nicht das gemacht, was ich für dich vorgesehen habe. Weisste was? Du kannst dir deinen Send-Button sonstwohin stecken. Bevor du den zu sehen bekommst, darfst du mich jetzt erstmal eine halbe Stunde lang bewundern… bin ich nicht schön geworden? Hast du gesehen? Neuer Lidschatten! In Farben, von denen du gar nicht wusstest, dass sie existieren! Oder streichle mal meine Ribbons, wie sie hübsch aufribbeln…Wie…? Ah jetzt lass mal den blöden Send-Button, schau doch mal, die Schuhe…!!

Es ist ein bisschen so, als ob man Paris Hilton  zu seinem Mailclient machen würde. Und das verstehe ich nicht, warum man das tun möchten sollte. Aber gut, das kann man noch damit erklären, dass ich einfach ungern Micromist benütze. Oder dass 600′000 Google-Hits tatsächlich von einem nicht durchdachten System zeugen. Aber letzthin stand der Dschango an der Tramhaltestelle und sah vis-à-vis ein Plakat hängen. Bisher ist das noch überhaupt nicht erwähnenswert, ihr könnt eure Münder also erstmal wieder zumachen. Aber was Dschango da las, war erstaunlich: “Peniskassen” stand da nämlich, in riesigen Lettern auf dreifaches Weltformat gedruckt, appliziert auf einer hundskommunen APG-Plakatwand. Nein, der Zusammenhang mit der BAG-Kampagne wider den Schwanzkrebs muss hier nicht hergestellt werden, weil der zweite (dritte?) Blick enthüllte, dass das Wort eigentlich “Pensionskassen” hiess.

Zehn Minuten später, Dschango wirft einen Blick auf den BlAbend, und was steht da: “Nuttig! Martina wird Model”, darunter ein Foto von einer etwas seltsam posierenden Frau Hingis. Dschango war erstaunt, weil, auch wenn er die Frau Hingis eine eher unattraktive findet und sich immer panisch die Ohren zuhält, wenn er sie sprechen hört: sie als “nuttig” zu bezeichnen erschien ihm dann doch etwas gar derb. Erfreut bemerkte er, nachdem er sein Haupt mehrmals irritiert geschüttelt hatte, dass das Wort eigentlich “mutig” hiess. Und Dschango überlegte, ob es nicht langsam doch Zeit für eine Brille wird.

Auf der anderen Seite ist da noch ein anderes als das vorgängig erwähnte Büro-Gspandli, das, mit Blick auf den BlAbend auf meinem Pult, meinte:

“Hey, weisch was hani zersch gläse?!”

“Nuttig?”

“Genau!!”

Und dieses Gspändli ist doch ein paar Jährchen jünger als ich. Und hat bereits eine Brille. Kann also noch nicht so schlimm sein mit dem alten Dschango.

Und was war sonst noch?

Bei unserem alljährlichen XMas/New Year-Pokerturnier (Schrauben-Red, Schrauben-Red-Hasen, Friends) wurde der Dschango dieses Jahr Dritter. Immerhin. Bisher war er noch immer im Heads Up, das wollte diesmal irgendwie nicht klappen. Im Gegensatz zu meinen werten Blog-KollegInnen (beide relativ sang- und klanglos ausgesemmelt, HA!!) bin ich aber sehr zufrieden, vor allem, weil meine beste Hand des ganzen Abends ein 10er-Trilling war, der von einem Full House verdient geschlagen wurde. Die Bilanz des Abends gestaltete sich trotzdem erfreulich: ausschliesslich mit Bluffs SFr. 11.- verdient und noch die nächsten zwei Tage an den (selbstinduzierten) Folgen des Poker-Events gelitten.

Sch’äbe geng das.




Wise words from Schorsch

Zeit für ein bisschen Unterhaltung, denn wenn schon Religion, dann bitte so:

Schade, dass George Carlin diesen Planeten nicht mehr bewohnt.




Ironie des Schicksals

Ja, auch einem Minarett jagt es von Zeit zu Zeit den Nuggi use, wenn es wochenlang öffentlich diffamiert wird. Da kann man schon verstehen, wenn die Nerven blank liegen. Aber ob eine solche Racheaktion dem Zweck dient?

Irgendwie witzig, diese Minarette…




Ich widerrufe

Verdammt!

Verdammt, verdammt, verdammt!

Da habe ich mich jetzt aber sowas von zum Affen gemacht. Habe jahre-, jahrzehntelang dafür geweibelt, und jetzt das. Mein ganzes Weltbild ist am Arsch, wo bekomme ich jetzt ein neues?

Also, strikte Trennung von Staat und Kirche ist das Thema. Ja, ich weiss: ich habe euch auch hier auf diesem Blog mehrmals die Ohren vollgejammert, wie sehr das zwingend nötig ist. Wie unabdingbar dies für einen Staat sei, der sich als modern bezeichnen will. Und, vor allem, dass diese Trennung möglichst vollständig sein soll, möglichst alle Bereiche umfassend. Ich gebe zu: ich war ein Gläubiger, ein Anhänger des Säkularismus, ein Prophet des allein seligmachenden Laizismus-Mantras. Wenn es nach mir ginge, wäre nie ein Kruzifix an einer Schulzimmerwand gehangen, nie wäre eine verburkaterte Frau in einer Verwaltung bedient worden, nie, nie, nie!

Ich war sehr glücklich in meiner Ignoranz. Und dann passierte dies:

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Jetzt ja nicht falsch verstehen, ich rufe hier keineswegs zu Gewalt gegen den italienischen Premier auf. Will ja nicht, dass der italienische Staatsschutz dieses Blog überwacht (furchtbar beängstigende Vorstellung, ehrlich). Und normalerweise, das möchte ich gesagt haben, normalerweise bin ich ein recht empathischer Mensch. Wenn jemand auf die Fresse bekommt, dann tut der mir in der Regel leid. Also eigentlich immer. Warum nur ist mir hier, als ich das Föteli in der Zeitung gesehen habe, nichts derartiges widerfahren?

Es muss daran liegen, dass ich von der Wahrheit des Moments erschlagen wurde und deshalb mein epathisches Zentrum kurzzeitig (ok, bezüglich obigem Bild nachhaltig) ausgeschaltet wurde. Weil plötzlich fiel es mir wie ein Haarimplantat vom Kopf: das ist jetzt wohl das erste Mal, wo es tatsächlich von Vorteil ist, dass sich Staat (in Form eines notgeilen Premiermafioso) und Kirche (vertreten durch ein Modell des Mailänder Domes) angenähert haben. Was sage ich da, angenähert, sie sind beinahe miteinander verschmolzen!

Endlich wurde eine wirklich sinnvolle Verwendungsmethode für Kirchen entdeckt: sie sind die perfekten Wurfgeschosse. Und zur politischen Meinungsäusserung mehr als geeignet. Ich bin sofort in die Stadt gefahren und habe mir eine ordentliche Charge an Münster-Modellen gekauft, von denen ich immer eines mit mir mittrage. Man weiss ja nie, wann man einem Knalltüten-Politiker begegnet – ich bin dann auf jeden Fall vorbereitet. Und “geistig verwirrt” bin ich ja eh: die Ermittlungsbehörden sollen sich sonst einfach mal meine Daumenschraube-Artikel der letzten 12 Monate reinziehen.

Nunja, mittlerweile ist der Herr B. ja bei uns im schönen Tessin, wo er sich die Fresse wieder richten lässt. Und bald dürfen wir uns auch wieder über den Berlusconi freuen, wie er die Welt mit seiner Awesomeness beglückt:

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Zähne hatte er da auf alle Fälle noch alle, dafür machte damals seine Frisur wohl gerade kurzzeitig Urlaub. Und der kleine Silvio auch. Ob der wohl auch grad im Tessin mitbehandelt wird? Man weiss es nicht, nötig hätte er es alleweil.

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Santo subito!

Eines lässt mich aber einfach nicht los: die Medien haben ja unisono berichtet, dass der Attentäter ein geistig verwirrter Mann war. Das hat er ja mit dem Finn-Behinderten gemein, es gibt meines Wissens aber kein Computerspiel von Berlusconi. Also keines, wo man sich vor Berlusconi retten muss. Aber egal, “WTF?!?”, so habe ich die Zeitung angeabkürztschreit, da es mir partout nicht in den Grind wollte, warum jetzt der Domschmeisser geistig verwirrt sein soll. Weil, so muss ich sagen, von hier aus gesehen scheint mir, als ob der Attentäter der letzte Italiener ist, der sein Gehirn tatsächlich korrekt verdrahtet hat.

Aber wer fragt schon mich.




Wir sind umgezogen

Ich habe mal im TV so eine Doku gesehen, von einer alten Frau, die an der Berliner Mauer (Seite Ost) gelebt hat. Keine Ahnung mehr, worum das genau ging, aber irgendwann hat die Frau mal gemeint, ja, sie habe noch nie woanders gewohnt als in dem Haus, in dem sie auch geboren wurde. Eigentlich ist sie auch noch nie aus Berlin herausgekommen. Trotzdem hatte sie in den letzten 70 Jahren sechs verschiedene Wohnadressen und mindestens drei verschiedene Staatsbürgerschaften, einmal war sie auch ein staatenloser Flüchtling.

Das klingt ja aus der Distanz ganz putzig. “Jaja, die guten alten Zeiten, wo man abends nicht mehr wusste, in welchem Land man morgen aufwacht, haha!” Blöd nur, wenn einem das selbst passiert. Wenn man irgendwann erwacht, aus dem Fenster sieht, alles schaut normal aus, und dann nimmst du die Zeitung in die Hand und merkst, hoppla, muss gestern wohl ziemlich abgegangen sein. Du hast keine Erinnerung mehr an den letzten Abend, aber irgendwas muss da vorgefallen sein, was in einen (höchstens halblegalen) Grenzübertritt in ein fernes, unbekanntes Land mündete. Zumindest ist es nicht möglich, heute, nach einem Blick in besagte Zeitung, noch einen Zusammenhang herzustellen mit dem Ort, an dem man gestern einzuschlafen glaubte.

Und so geht es momentan mir. Das Land, das ich noch vor fünf Jahren in Diskussionen mit Verve verteidigt habe, dieses Land gibt es nicht mehr. Ich habe keine Ahnung, wo es hin ist, aber was sich da vor meinem Fenster breit macht, hat damit nichts mehr gemein.

Man hat ja übel Angst vor der Wirtschaftskrise gehabt, dass die dann den schönen Schweizer Reichtum wegspülen würde wie sonstwas, und dass man deswegen zB die UBS mit vielen, vielen Steuermilliarden, die beim chronisch kassenknappen Bund witzigerweise innert 24 Stunden zur Verfügung standen, sanieren musste. Oder auch beim Waffenexportverbot: dieselben SchweizerInnen, die sich solidarisch mit den Produzenten von Tötungsmaschinen zeigten und darauf pochten, dass eine Annahme die unglaubliche Zahl von (national, auf 10 Jahre) fast 1000 Arbeitsplätzen unrückbringbar zerstören würde, haben null Probleme damit, wenn 300 Druckereiangestellte zum Teufel gejagt werden. Oder wenn eine Sulzer ganze Werkhallen schliesst, dabei 54jährige Familienväter auf die Strasse stellt. Oder andere Firmen Kurzarbeit dazu nutzen, mühsame (sprich: gewerkschaftlich organisierte) Mitarbeitende sanft zu entsorgen.Weil, im Gegensatz zur Waffenindustrie, die sowas wie Artenschutz geniesst (analog der Schweizer Tabakproduzenten), müssen alle anderen halt wirtschaftlich denken. Vor allem im Bereich Human Resources. OK: eigentlich nur da.

Dazu passt ja ausgezeichnet, dass das Parlament nun diejenigen zur Kasse beten will, die auch tatsächlich für die Wirtschaftkrise verantwortlich sind: unter 30jährige Arbeitslose. Weil, das weiss man ja: Arbeit gibt es genug hier, man muss die Leute nur dazu zwingen. Weg vom Staat, der für alle sorgt, hin zur nach marktwirtschaftlichen Kriterien geführten Staats-AG mit jährlicher Dividendenausschüttung, hin zum Gelobten Land des neoliberalen Sozialdarwinismus, weil ja schliesslich alle können, wenn sie nur wollen. Interessant ist vielleicht, dass halt oft diejenigen bestimmen, die bereits seit Generationen haben und dementsprechend gar nicht mehr wissen, wie es ist, zu müssen, geschweige denn zu können. Aber das ist wohl zu sozialromantisch gedacht.

Das einzige, was ich von der Wirtschaftskrise tatsächlich spüre, ist eine massive populistisch-politische Radikalisierung der Bevölkerung, zusammen mit einer unglaublichen Entsolidarisierung derselben. Klar, die Politik macht es vor: alle müssen ihren Wert gegenüber der Gesellschaft erarbeiten, kennen und kommunizieren. Wenn wir uns zB Behinderte halten, dann wollen wir auch einen Mehrwert dafür, selbiges gilt für Bären, und wir goutieren es uhuere nicht, wenn die sich gegenseitig amüsieren und uns aussen vor lassen. Wir haben nichts gegen Arbeitslose, auf keinen Fall, auch nicht gegen Muslime. Aber wenn erstere anfangen, trotz Arbeitslosigkeit zufrieden zu sein, oder letztere anders und trotzdem sichtbar, dann gibt es Probleme hier. Weil so mögen wir unsere Arbeitslosen und Muslime: mit gesenktem oder gehetztem Blick und möglichst unsichtbar. Und wenn sichtbar, dann gefälligst dankbar dafür, dass wir sie “tolerieren” und nicht zum Abschuss freigeben.

Ja eben, wir sind umgezogen. Man nehme diesen Artikel als vorgezogene Adressänderungsmitteilung. Die neue Wohnadresse teile ich euch mit, sobald ich herausgefunden habe, in welches Land es mich verschlagen hat – die Schweiz kann es auf keinen Fall sein.




Kurz notiert

Auf dem heutigen Schraubenmenu nach Art des Hauses steht eine kleine Tour d’Horizon durch ausgewählte Themen.

Hier gibt Sascha Lobo eine Replik auf die kulturpessimistische Rede von Frank Schirrmacher.

Da gibts ein Interview zum Islam in Europa, das mir nicht in allen Punkten schmeckt, aber doch ein paar nette Anregungen drin hat.

Last but not least offenbart sich die ganze Abgründigkeit des neoliberalen Wirtschaftsmodells in Kombination mit dem WWW in wenigen Worten.

Mahlzeit!




Endlich! Wir sind wieder wer!

Der Titel bezieht sich auf das gewesene Abstimmungs-Wochenende. Dazu aber später. Viel später.

Auch komplett ausgehängt hat es ja bei der Daumenschraube. Wie ihr sicher alle gemerkt habt, war unsere kleine Bastion der Dummheit mit Niveau während einer Weile weg vom Fenster. Kommt halt davon, wenn man im Heimatland des kastrierten Datenschutzes hostet, so könnte man meinen. Entsprechend waren auch die Mails und Telefone, die wir in der letzten Zeit erhalten haben: Verschwörungstheorien for teh win, ich sags euch. Finde ich ja grundsätzlich gut, diese Verschwörungstheorien, aber leider muss ich hier wie folgt rapportieren:

  • Es waren keine christlichen oder sonstwie gearteten Fundies, die uns gehackt haben
  • Es war auch nicht die SVP oder ihr nahestehende Kreise
  • Es waren keine juristischen Schritte, die gegen uns eingeleitet wurden

Irgendwie schade, ich weiss, hätte jetzt viel lieber eine “Alle sind gegen uns!”-Geschichte erzählt, aber der Hoster hat die Kiste bloss vom Netz genommen, weil diese scheints per phpMyAdmin-Exploit ein bisschen in der Gegend rumgescannt habe. Und das hat den Hoster gar nicht happy gemacht, sagt er. Und warum das so lange gedauert hat? Naja, Admin per Interpol zur Fahndung ausschreiben lassen, Admin von den Bahamas… ähm… “abholen” lassen, Admin im Serverraum einsperren, etc pp, das gibt halt schon zu tun. Aber jetzt sind wir ja beim besten Hoster der Welt und alles wird gut.

Behinderter Bär

Nunja. Auch ein Hack fand ja bekanntlich vorletztes Wochenende in Bern statt, wo sich ein (geistig behinderter) Mann als Rüebli sah und folglich in den Bären einbauen lassen wollte. Das hätte auch fast geklappt, wenn die unsensiblen Polizisten statt auf den Bären aufs menschliche Rüebli geschossen hätten. Man prüft jetzt, ob man das Sicherheits-Dispositiv im Bärenpark anpassen wolle/müsse/solle, damit es auch unbeaufsichtigten Marschflugkörpern mit Profilneurose und Hirnklemme genügt. Ziel muss sein, dass man sich das Gehirn bis auf den Hirnstamm rausoperieren und trotzdem noch sicher im Bärenpark aufhalten kann. Warum füllen wir den Bärenpark nicht einfach bis zum Rand mit Drücki-Plastikfolie und stopfen diese mühsamen Bären aus? So echt mit Weichgummizähnen und so, damit man auch endlich wieder gefahrlos mit seinem psychotischen Kampfhamster einen netten Sonntagsausflug in den Bärenpark machen kann.

Scheints haben sich ja deutsche Medien darüber echauffiert, dass man in der Schweiz mehr Mitleid mit einem angeschossenen Bären als mit einem angefressenen Behinderten habe. Ja, liebe Teutonen, das ist so in der Schweiz. Es lässt sich aber rein historisch begründen: im Gegensatz zu euch haben wir halt noch keine schlechte Erfahrungen mit kleinen Braunen aus dem Osten gemacht, die Cheiben haben deshalb bei uns denselben Sympathiebonus wie bei euch Anno 32 oder so. Ich weiss, wir lernen einfach nichts aus der deutschen Geschichte und an selbigem Wesen wollen wir ums Verrecken nicht genesen. Sorry.

Aber nicht nur ennet dem Rhein machen sie auf Berufs-Zeigefingerheber: Das Thema scheint ja auch gut genug zu sein, dass sich ein Blabend-Chefredaktor (eventuell ein eingewanderter Deutscher? Man weiss es nicht) dazu ersaublödet, den freischaffenden Bedenkenträger zu geben. Macht sicher Laune; ich wette, die lachen sich heute noch krumm auf der Blabend-Redaktion. Aber es ist halt auch ein Graus, weil zwar alle am Schicksal eines angeschossenen Bären Anteil nehmen, ein paar weniger an dem eines zerfetzten Behinderten, es würde jetzt aber sicher keine Sau interessieren, wenn ein Blabend-Chefredaktor in den Bärenpark springen würde. Auch die Polizei käme da wohl in arge Bedrängnis, weil: wen erschiessen? Den Bären oder den Aufbinder desselben? Man weiss es nicht.

Traurige Clowns

Letzthin habe ich übrigens mal wieder TV gekuckt und dabei festgestellt, dass es der schweizerischen Kulturlandschaft offenbar dringend an Einkommen fehlt. Erst sah ich den Schlatter, wie er für die Schweinegrippe bzw deren Vermeidung Werbung macht. OK, dachte ich mir, den Schlatter sehe ich sowieso eher als sumpfiges Randbiotop helvetischer Kunst, da macht es irgendwie ja noch Sinn. Tut auch niemandem weh, mal wieder die Hände zu waschen. Und an Glaubwürdigkeit hatte der Schlatter ja eh nicht viel zu verlieren, da werden auch Werbespots für eine Grippe, die so nicht stattgefunden hat, nicht viel dran ändern.

Anders sieht es bei Massimo Rocchi aus, der bei mir auf eine gewisse Glaubwürdigkeit zählen konnte. Ja, der Dschango hat per dato sogar noch ein Ticket für eine Rocchi’sche Vorstellung, das er im Verlaufe der nächsten Wochen einzulösen gedenkt. Und ich bin froh, sagen zu dürfen, dass dies dann wohl das letzte Mal war. Nicht, weil mir der Massimo als Künstler degoutieren täte, sondern einfach deshalb, weil ich aus der Hoffnung heraus denke, dass er beim erwiesenermassen unsensibelsten Unternehmen der Schweiz wesentlich mehr für seine Werbeauftritte bekommt, als er in Jahren mühseliger Bühnenarbeit zusammenkratzen könnte. Ich wünsche Herrn Rocchi hiermit bereits schon mal alles Gute für seine weitere Zukunft, war schön mit Ihnen, schade ist es schon zu Ende.

Übrigens: Die Gerüchteküche kocht ja über, warum sich gerade Rocchi für Cablecom-Werbung hingibt. Die momentan plausibelste Vermutung ist, dass ihn die Scheidung von seiner momentan letzten Ehefrau finanziell ruiniert habe. Was lernen wir daraus? Genau: wenn schon heiraten, dann bitte arm bleiben, sonst hampelt man am Schluss für Cablecom und alle Welt schüttelt mitleidig den Kopf über den Clown, statt über ihn zu lachen.

Ich will auch besseren Sex!

Da gibt es bei uns in Bern übrigens eine Jungpolitikerin, die sich zwecks Verzierung ihres Revers eigene Buttons gebaut hat, auf denen „Feministinnen haben besseren Sex!“ steht. Die Politikerin heisst Tanja Walliser und ich möchte ihr immer Maria sagen, daran sieht man mal wieder, dass ich ein Kind des finsteren Mittelalters 2.0 (vulgo: 80er) bin. Ich weiss nicht, ob die Politikerin Skifahren kann oder ob Maria auch Buttons stanzt, ganz sicher ist aber, dass der Herr Kuhn, der ja auch schon auf der Schraube zu Gast war, an diesem Button gar keine Freude haben dürfte. Schon nur deshalb, weil ein Wort, das mit „innen“ endet und nicht mit „Sexarbeiter“ beginnt, eher quer in seinem Wortschatz stehen dürfte. Ja item. Frau Walliser scheint einen Haufen Hass-Mails bekommen zu haben, worin sich die Stimme des Volkes höchst ungebührlich äussert. Gerüchte besagen ja, dass die meisten Mails aus der Parteizentrale (sagt man da eigentlich noch „Wolfsschanze“ oder ist das auch schon wieder veraltet?) der SVP kommen. Und dass 90% der Mails denselben Absender tragen und jedesmal mit „Anonym!“ unterschrieben sind. Aber einewä, mindestens ein ganz liebes Mail hat die Frau Walliser dann doch noch bekommen, vom Dschango nämlich, denn da schrieb er, die Frau Walliser möge doch bitte eine Dschango-Edition basteln, mit dem Text: „Feministen haben besseren Sex!“. Ich würde diesen Button im Fall subito an meine Textilien heften und ihn mit grossem Stolz tragen. Falls sich in dieser Geschichte etwas tut, werden wir euch rechtzeitig informieren.

Gnarzelgnom ist das neue Adonis

Ja und übrigens, der René Kuhn, seines Zeichens Ex-Politiker, Noch-Russinnenmöger und zukünftiger Shooting Star der Schweizer Jungautoren-Szene. Er hat jetzt eben ein Buch geschrieben, der Herr Kuhn. Nicht so ein dickes, aber immerhin. Und darin erklärt uns der Herr Kuhn die Welt, insbesondere bezüglich Frauen und warum selbige doch gefälligst wieder unten zu liegen haben. Oder zumindest die Position nur auf ausdrückliche Anweisung des Mannes wechseln. Um die universale Gültigkeit seiner Weltsicht zu unterstreichen, lässt sich Herr Kuhn mit den Worten zitieren, dass „sogar ein bekannter TV-Moderator“ ihn, Herrn Kuhn, in seiner Meinung bestätigt habe. Wenn das nun mal nicht als Beweis für eine universale Wahrheit reicht, dann weiss ich echt auch nicht.

Ja, und eben: endlich!

Dann kommen wir mal zum Titelthema. Dazu nur dies: Danke, liebe Stimmberechtigte. Danke, danke, danke!

Vorbei ist es mit den Zeiten, wo man im Ausland belächelt wird. Schluss damit, dass uns alle immer bloss „niedlich“ finden und über unseren Dialekt lachen. Niemand wagt es jetzt noch, uns als “langsam” zu bezeichnen. Endlich sieht man in den Augen der ausländischen Gesprächspartner wieder das blanke Entsetzen, wenn man seinen rotweissen Pass zückt. Das gabs ja seit der Schlacht bei Sempach nicht mehr. Und endlich assoziiert niemand mehr nur Berge und Schoggi mit uns, sondern eben echt schweizerische Werte, die Grundfesten des helvetischen Selbstbewusstseins, die Eigenschaften, die uns schon seit unserer Staatsgründung zu wackeren Eidgenossen machen: blinde Wirtschaftsgläubigkeit, Xenophobie und Kriegsgewinnlerei.

Danke, danke, danke!




Rettet die braunen Arschlöcher!

So, da bin ich wieder.

Das Gegrippe ist einigermassen gut überstanden, an dieser Stelle nochmals danke für die netten Genesungswünsche und selbige zurück. Mittlerweile krochelt der Hase rum, agiert schon recht genervt, weil sie im Haus bleiben muss, und hat eine Stimme wie Marlene Dietrich nach jahrzehntelangem Zwangsnikotin- und Whisky-Konsum. Finde ich ja noch so rRRRrRRRrrrrRRRRrrrr, findet Hase aber gar nicht gut, vor allem deshalb nicht, weil ich jedesmal lüstern grinse, wenn sie was krächzt. Und damit man versteht, wie ich jetzt von der sexy Stimme meiner Freundin zum übernächsten Absatz und dem eigentlichen Thema dieses Artikels komme, dafür lade ich die werte Leserschaft nun auf eine kleine Assoziationsreise in die Dschango-Welt ein.

Festhalten, meine Damen und Herren, der Assoziations-Express fährt los! Erste Station: tiefe Hasenstimme, Hauptbahnhof. Ohne weiteren Halt geht es da zur Marlene Dietrich, bzw wieder zurück zu dieser. Umsteigen. Nach der Marlene kommt ein Zwischenhalt im Zweiten Weltkrieg. Vom Zweiten Weltkrieg kommen wir nach Algerien. Von Algerien geht es nach Tunesien. Von da zum Thema “lustige Demokratien”, dort nehmen wir dann den Bummler nach Libyen, treffen unterwegs im reservierten Abteil (wo wir während der Fahrt primitive Karikaturen von Mohammed und Hannibal im Darkroom malen) unsere Geiseln/Geschäftsmänner/Gepäckverlierer/Terroristen/whatever  und steuern von da auf direktem Weg zum Bundesmerz im Appenzöllischen. Wenn wir im Appenzöll sind drängt sich der Zölibat und folglich der Katholizismus auf, also besuchen wir rasch den Papst, ziehen aber gleich weiter Richtung Emmental. Nach kurzweiliger Wanderung sehen wir die Freikirchen links und rechts des Wegs aufragen und den Minaretten die Sonne nehmen, folglich biegen wir dort scharf rechts ab und stehen schliesslich vor dem Haus vom Wabers Chrigu von der EDU. Womit wir am Ende unserer Reise wären und der Übergang zum nächsten Thema quasi kanten- und schmerzfrei ist.

Also, ‘Anal Bleaching’ ist das Thema. Irgendwie ist mir dieser Begriff mal ins Hirn gefallen, ich habe ihn fein säuberlich unter “Diverse LOLies” eingeordnet und dann sein lassen. Das war eigentlich eine gute Entscheidung, weil er sich in meinem Alltag nur sehr sperrig auf regelmässiger Basis anwenden lässt. Vielleicht wäre das anders, wenn ich Porno-Darsteller wäre, aber so als IT-Knilch und Teilzeit-Zigeuner kommt man eher selten mit diesem Ausdruck in Kontakt.

Vielleicht etwas einleitende Information für alle diejenigen unter uns, die noch echte Probleme haben: Mit ‘Anal Bleaching’ wird die Hautaufhellung im Bereich des Anus bezeichnet (Wikipedia). Ja, ich weiss, “rund um den Anus” hätte hier auch gut gepasst. Anal Bleaching wird übrigens gerne mit ‘Anal Bleeding’ verwechselt, dabei ist das etwas komplett anderes.  Und es ist tatsächlich so, dass Leute hart in der Krise verdientes Geld dafür hinblättern, sich das eigene (!) Arschloch mit allerlei Chemie farblich pimpen zu lassen. Zwar primär dahingehend, den rektalen Farbton der Umgebung des Restarsches anzupassen, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass man sich in Zukunft die Rosette passend zum Handtäschli tönen lassen kann. Und will.

Und damit das schon mal klar ist: solange es nicht Pflicht wird und keine Menschen gegen ihren Willen involviert sind, ist mir das sowas von schniezepurzepipifaxegal. Färbt euch doch eure Rekta in allen möglichen Regenbogenfarben, meinetwegen auch kariert, schraffiert und mit Bitmap-Grafik unterlegt. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich keineswegs jemals alles begreifen werde, was die menschliche Natur so umtreibt, wenn sie genug Geld und Freizeit zur Verfügung hat, von dem her habe ich ja gar nicht den Anspruch, verstehen zu wollen, warum Mensch so etwas freiwillig tut. Ausserdem: auch Kosmetikerinnen müssen von etwas leben! Ob jetzt von der Hand in den Mund oder von selbiger am Anus, scheissegal. Und wenn es nun Leute gibt, die es erfüllend finden, anderen Menschen im Broterwerb das Fäkalloch einzufärben, so sei ihnen das unbenommen, meinen Segen habt ihr, ziehet hin und färbet euch bunt und scheckig!

Es geht aber nicht anders als dass ich ganz schüchtern die Frage in den Raum werfe: Wer in aller Welt braucht sowas? Und wozu? Gut, das waren jetzt zwei Fragen, aber trotzdem. Ich mag ja ein bisschen von gestern sein und vielleicht ist das heute anders als bei uns damals, aber mal so ganz ontrenuu: wer um Himmels Willen steht nackig mit dem Rücken zum Spiegel, bückt sich dann derart runter, dass er/sie seine/ihre Fussspitzen berühren kann, linst zwischen den Knien hoch zum Spiegelbild und denkt sich: “hmmm, sonst ist ja alles OK bei mir, mein Körper ist ein Geschenk an die Welt, aber verdammt… meine Rosette ist so… so… braun!”? Wer von euch (Handzeichen bitte!) hat schon mal die Situation erlebt, dass der Sexualpartner den Farbton im Genitalraum bemängelt hätte? Und warum habt ihr dann selbigem Sexualpartner nicht einfach ein mittelgrosses Küchenutensil in den Arsch gerammt und diesen mitsamt dem daranhängenden Ex-ualpartner per Fusstritt aus der Wohnung befördert?

Mal ganz abgesehen davon, dass ich dort, wo täglich die eine oder andere Kackwurst rausgedrückt wird, spontan jetzt keine anderen Farben als – allenfalls herbstlich angereicherte – Brauntöne erwartet hätte: was machen diese Leute eigentlich den ganzen Tag? Hat man ihnen noch nicht erklärt, dass Analbeschnüfflung zwar im Tierreich oft und gerne praktiziert wird, beim Menschen aber eher unüblich ist? Oder unterliegen diese Leute einer unwahrscheinlichen Selbstüberschätzung, indem sie meinen, die ganze Welt sei am Closeup-Anblick ihrer Gagidüse interessiert? Müssten wir auf der Daumenschraube die Kategorie “Nabelschau” in “Analschau” umbenamsen, mal wieder stehenden Fusses dem Zeitgeist voraushinkend? Ich sehe schon, heute gibt es wieder weit mehr Fragen als Antworten.

Man munkelt ja in Expertenkreisen, Rom sei deshalb untergegangen, weil die Dekadenz umgekehrt proportional zur Kultur gewachsen ist und diese Dekadenz die arme Kultur schliesslich abgehängt hat. Das mag sein. Aber man nehme sich die Zeit und stelle sich jetzt bildhaft einen Römer im untergehenden Rom vor, meinetwegen einen Senator oder sonst einen Bonzen, der den ganzen Tag nur faul auf einem Steinbett liegt und sich von blutjungen Sklavinnen Weintrauben in den Hals stecken lässt, also quasi den Archetypen der Dekadenz, was der für Augen machen würde, wenn man ihm ein Anal Bleaching vorschlagen würde. Nebst der Tatsache, dass er mit diesem Begriff nichts, aber auch gar nichts anzufangen wüsste, weil der Lateiner englischen Begriffen generell wenig Verständnis entgegenbringt, er würde wohl nur traurig das archetypisch-dekadente Haupt schütteln, selbst wenn man ihm präzise erklären würde, was Anal Bleaching genau ist. Also sogar für den dekadenten Senator wäre dies ein deutliches Zuviel an Dekadenz, man stelle sich das jetzt mal plastisch und in 3D vor!

Und apropos Senator: man ist es sich ja von der Politik her schon gewohnt, dass die grössten Arschlöcher traditionell braun sind. Ich fände es deshalb schon nur aus soziopolitischen Gründen nicht akzeptabel, wenn diese schöne Tradition aufgeweicht würde. Deshalb: Freiheit für braune Arschlöcher! Gegen die Arisierung von braunen Fäkalrohren! Denn auch deine Rosette hat ein Recht auf ihren Schokohof.

Bin froh, dass wir das jetzt endlich einmal besprochen haben.




Anglizismen reloaded und Götter auf Brettern

Mein aktueller Favorit bei den üblen Anglizismen (sinngemäss, im Radio gehört im Zusammenhang mit Robbie Williams):

“Mis Mami findet dä hotter than July!”

Klar, und ich finde den Spruch colder than January. Was für ein Bullshit.

Und nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, ein Glanzstück aus den Neunzigern, das mir auch heute noch genickschädigendes Headbangen entlockt. Bühne frei für die mittlerweile aufgelösten Guano Apes mit der rattenscharfen Sandra Nasic am Drücker:

Meine Fresse ist der Song geil. Ich habe jetzt das Bedürfnis, sehr laut zu schreien.




Schwein hat die Sau!

*SCHNORCHZ!*

OK, den Dschango hat es böse erwischt. Keine Ahnung, ob es was Schweinisches ist oder nur eine normale Grippe, aber verdammt, bin ja noch wirrer im Hirn als sonst. So wird das nix mit Bloggen.

*SCHNAUB!*

Aber damit dieser Post nicht völlig in der Sinnlosigkeit endet, habe ich noch was für euch. Also, wer sich mal wieder so richtig aufregen will, dass ihm oder ihr die Galle schier überschäumt, der oder die klickt hier bzw da.

*KROCHELHUST!*

Und wer sich mal wieder verblüffen lassen will, klickt am besten hierdrauf. Vielleicht die ersten 90 Sekunden überspringen, wenn man in Eile ist.

*SCHNEEEEEEEEEUZ!*

So. Das wars für diese Woche. Dschango geht jetzt mal sterben. Euch auch noch n’schönes Leben.

*HUSTWÜRGLUFTSCHNAPPNIESVIRENSPEI!!!*




Muss auch mal erwähnt werden

Gut, OK, es geschehen vielleicht doch Zeichen und Wunder.

Man erinnert sich eventuell noch an meine kleine Polemik bezüglich dem “Bund” und religionskritischen Themen. Bevor sich jetzt die Ergeuschterer wieder ergeuschtern: Nein, ich nehme kein Wort zurück, hat zu der Zeit alles gestimmt, voll und ganz. Aber in den letzten Wochen habe ich bei dieser Zeitung doch einen gewissen, hmmmm, ich weiss jetzt nicht, ob ich das schon “Richtungswechsel” nennen soll, sicherlich aber eine Art Meinungsumschwung festgestellt.

Neu werden nämlich auch die Meinungen und Aussagen der nicht mit einem “der Grosse Bruder liebt dich, ob du willst oder nicht”-Mem Ausgerüsteten berücksichtigt, besonders in Artikeln, in denen es um just diese geht. Neu schafft man es, auf der Todesanzeigenseite auch Sprüche abzudrucken, die für Nicht-Gläubige nicht verletzend oder beängstigend wirken. Neu wird über Ungerechtigkeiten wider den säkularen Staat tatsächlich berichtet. Und die Krönung war der tatsächlich intelligente, tatsächlich recherchierte und tatsächlich die Fakten berücksichtigende Frontseiten-Kommentar zum Verbot der Freidenker-Plakate in Zug (an der Stelle mal wieder: http://geniess-das-leben.ch).

Woran das liegt? Vielleicht am neuen Zürcher Kurs? Vielleicht an der verkleinerten Redaktion? Vielleicht daran, dass man gemerkt hat, dass sich unter den Bund-LeserInnen auch ein ganz ansehlicher Haufen Konfessionsfreier findet? Man frage Klügere.

Fakt ist: Ich verzeihe euch die Einstampfung des Kleinen Bundes zwar immer noch nicht, aber ihr habt in den letzten Wochen doch eure Chancen erhöht, dass mein Abo demnächst (vielleicht! Ihr seid jetzt wieder im Provisorium!) wieder verlängert wird.

Dschango nimmt den Kurswechsel wohlwollend zur Kenntnis und rapportiert hier entsprechend. Fair muss fair bleiben.




Deppensteuer subito!

Schon lustig, wie Freunde unsichtbarer Freunde reagieren, wenn Leute, die es wagen, die Existenz von Elfen und Feen nicht nur anzuzweifeln, sondern dies auch noch laut kund zu tun, gleiche Rechte wie die Anhänger von bronzezeitlichen Kulten sowie die Aufhebung derer ungerechtfertigten Privilegien fordern…

Wie wir auf 20min lesen, schlägt die Junge CVP die Einführung einer “Atheistensteuer” vor – wer aus der Landeskirche (die in der Lesart der CVP wohl sowas ähnliches wie die AHV darstellt) ausgetreten ist, soll künftig eine gemeinnützige Organisation oder Glaubensgemeinschaft (!) mit einem finanziellen Beitrag unterstützen müssen, der der gesparten Kirchensteuer entspricht. Die Junge CVP bekommt dabei Schützenhilfe vom Präsi der ‘grossen’ CVP, Christophe Darbellay.

Ganz abgesehen davon, dass hier mal wieder die Begriffe “Steuer” und “vom Staat eingetriebener Mitgliederbeitrag im Auftrag retardierender Nabelschau-Klubs” verwechselt werden, keineswegs alle aus der Kirche ausgetretenen auch Atheisten sind, wohl kaum jemand (nur) aus Steueroptimierungsgründen aus der Kirche austritt (man tut das in erster Linie darum, weil man an diesen spezifischen Mist nicht mehr glaubt) und der JCVP-Präsi ein bisschen wie der verschollene Zwillingsbruder vom Berner JSVP-Präsi und Polit-Clown Erich J. Hess aussieht, finde ich den Vorschlag durchaus überlegenswert.

Man müsste ihn nur konsequent zu Ende denken (ich weiss, damit hapert es bei euch C-Knüllen bekanntlich, übernehme ich aber gerne für euch!) und generell sogenannte Nicht-Steuern einführen – Steuern auf Tätigkeiten, Vorgänge oder Leistungen, die nicht stattfinden oder in Anspruch genommen werden.

So müssten beispielsweise alle, die kein Auto haben, eine Autobahn-Nichtbenützungssteuer bezahlen. Das wäre nur solidarisch, weil die armen Autofahrer können ja nichts dafür, wenn diese langhaarigen Hippies kein Stutz fürs Benzin haben. Sowieso: auf unverbleites Benzin müsste man eigentlich auch eine Steuer bezahlen, eine Bleifreisteuer nämlich, weil wer Blei diskriminiert irgendwie kein guter Mensch sein kann. Dann noch eine Minderwertsteuer im Gegensatz zur Mehrwertsteuer, die dann fällig wird, wenn man etwas im Secondhand-Laden oder von M-Budget kauft. Auch eine Armutssteuer müsste man sich überlegen – schliesslich drückt, wer unter der Armutsgrenze lebt, das Bruttosozialprodukt, konsumiert zuwenig und macht uns so all den schönen Wohlstand kaputt. Und ganz wichtig: eine Deppensteuer! Ist es denn nicht so, dass uns all die Viertel-, Halb- und Vollidioten im Land unglaublich viel Geld kosten? Ist das nicht total unsolidarisch gegenüber den Klugen? Von einer “Alter, du siehst so komplett Scheisse aus, dass ich zum Augenarzt rennen muss, wenn ich dich länger als drei Sekunden anschaue”-Steuer ganz zu schweigen.

Dazu noch eine Unschwerverkehrsabgabe (bei Sexualakten zwischen Leuten unter einem Gesamtgewicht von zusammen 120 kg), eine Alkoholfreisteuer (wer sich nicht an die Regeln der Gesellschaft halten und vom Bier nicht besoffen werden will, soll gefälligst zahlen!) und eine Kein-Hundesteuer (oder scheisst du etwa das ganze Trottoir zu, wenn es keine Hunde mehr gibt? Eben!) – ein weites Feld an Mehreinnahmen für Gemeinden, Kantone und Bund, in Zeiten wie diesen durchaus willkommen.

Klar: es ist völlig offen, wer auf der von der JCVP halluzinierten Liste der zu begünstigenden Organisationen stehen soll. Können da alle drauf, die sich irgendwie noch so als nützlich für die Allgemeinheit sehen? Oder soll es davon abhängen, wieviel ihres Gesamtumsatzes eine Organisation für gemeinnützige Zwecke ausgibt? Greenpeace würde dann gut aussehen, der Beinhart-Haushalt ebenso, die Landeskirchen (gemäss meinen Recherchen maximal 15%. wenn sehr wohlwollend geschätzt) hätten dann aber wohl ein Problem.

Man könnte ja auch noch einen Schritt weitergehen. Würde es denn nicht Sinn machen, wenn man beim Bezahlen der Steuern aus einer Liste auswählen könnte, an welches Amt und/oder Departement der Obulus gehen soll? Oder noch viel besser: eine Liste derjenigen Länder, die man finanziell unterstützen möchte, weil, vielleicht gibt es ja auch Steuerzahler, die gar nicht praktizierende Schweizer sind! Man könnte dann zB sagen, ja ok, die nette Frau Leuthard mit dem Schockblick, die soll jetzt bitte 20% meiner Steuern bekommen, der niedliche Herr Merz nochmals 20% (Appenzeller! Minderheitenschutz!), den Rest bitte gleichmässig zwischen Terre des Hommes, Grönland und der Kebab-Bude ums Eck aufteilen. Transparenz pur und niemand hätte mehr was zu jammern.

Frei nach Darbellay: der Vorschlag respektiert die Denkbefreitheit hundertprozentig.




Itauiänisch reloaded

Wir waren ja mal wieder in Italien, Hases Genpool besuchen gehen. Diesmal gaaaanz tief runter: “finibus terrae” hat die Ecke mal geheissen, und tatsächlich, danach kommt nur noch Afrika und Griechenland. Und um dasjenige, das eh alle am meisten interessiert, gleich vorwegzunehmen: 4,3 Kilo in sieben Tagen. So. Man munkelt, dass sich die Insassen einer hier ungenannt wollenden Berner Trainingslokalität bereits schelmisch darauf freuen, nächste Woche einem fetten, alten Zigeuner den faulen Arsch grün und blau zu schlagen. Und ich habs ja verdient, soviel restzwinglianischer Masochismus muss mir erlaubt sein.

Labern, fressen, labern, fressen, schlafen. Repeat.

Habe ich schon mal erwähnt, dass sowohl der Italiener als auch die Italienerin an sich kein Gramm normal sind? Sogar, wenn ich dies schon getan hätte – es ist dermassen wahr, dass es kaum oft genug gesagt werden kann.

Zwei Hauptpunkte: die Fresserei und die Schwaflerei. Beides sind die Hauptsäulen, auf denen die italienische Kultur steht. Und beides wird bis zum Exzess betrieben.

Gut, OK, es waren ja Verwandte, da ist klar, dass mit der grossen Kelle angerichtet wird. Aber einmal haben wir fünfzehn Gänge über den ganzen Tag verteilt gezählt, da war noch nicht mal ein Frühstück drin. Kann das noch gesund sein?! Und man verstehe mich jetzt richtig: nicht so Chrüter-Oski-Nouvelle-Wobischdu-Portionen, sondern solche, die dazu geeignet sind, Holzfäller oder Kampfhunde nach härtestem Einsatz zu sättigen. Ich kann wirklich fressen wie gestört, aber nach drei Tagen habe auch ich aufgegeben: es war, wie wenn meine Verdauung einfach nicht mehr nachkäme, all das Zeug, das oben reingestopft wird, zu verarbeiten, bevor schon wieder Nachschub kam. Gefühlsmässig habe ich deshalb noch eine Woche nach der Rückkehr in die Schweiz italienische Nahrungsmittel defätiert.

Und dann haben sie uns dauernd versichert, dass es an “normalen” Tagen bei ihnen nicht so wäre, dass sie nur für uns ein Festessen veranstalten. Und im nächsten Satz erzählen sie, wie man vor drei Tagen (ohne, dass Schweizer oder sonst ein erkennbarer Grund zur Völlerei vorhanden gewesen wäre) wie deppert geschaufelt habe, einfach so. Und wie zwischen erstem Advent und Stefanstag der Tisch in der Regel gar nie abgeräumt, sondern einfach nur immer das Leergegessene wieder aufgefüllt werde. Und dass Weihnachten im Vergleich zu Ostern geradezu harmlos sei.

Aber eben: erzählt wird viel an italienischen Tischen. Verdammt, elend, unglaublich viel sogar. Wir lernten einmal eine gebildete junge Frau kennen, die sogar ausländisch parlieren konnte (Französisch, Englisch, sogar bissi Deutsch), was in Italien wirklich eine Ausnahme darstellt. Ihre Sprechleistung von ungefähr zweitausend Silben Italienisch pro Sekunde sprengte die Kapazität meines Gehirns bei weitem, weshalb ich vorschlug, in eine mir etwas näher stehende Sprache zu wechseln. Nachdem ich ihr etwa drei Minuten beim Französischsprechen zugehört habe, sagte ich ihr, sie könne auch genauso gut wieder Italienisch sprechen – die Sprache hatte zwar gewechselt, sowohl Betonung als auch Tempo blieben aber unverändert.

Meine Theorie ist ja, dass alle, die nördlich des Gotthards geboren sind, eine Verengung in ihrem Gehörgang angeboren haben. Dank (oder Fluch, je nachdem) derer ist man nicht in der Lage, mehr als eine gewisse Anzahl Worte aktiv zu hören, geschweige denn, sinnvoll zu verarbeiten. Entsprechend sind auch unsere Sprechwerkzeuge aufgebaut: darauf optimiert, die diffizile Architektur eines nördlichen Gehörgangs zu berücksichtigen, ihn ja nicht mit zu viel Sprachleistung zum Bufferüberlauf zu treiben. (Dass dies mit einer erhöhten Leistung beim Bedenken des zu Sagenden einhergeht, ist zwar naheliegend, die Erfahrung zeigt aber, dass es eine Fehlannahme ist.)

Das südländische Ohr hingegen ist ein bodenloser Krater, der völlig ungerührt auch die unglaublichste Menge an Worten aufnehmen und verarbeiten kann. Entsprechend sind auch südländische Zungen gefertigt: als linguistische Maschinengewehre, wartungsfrei und nur dann wirklich glücklich, wenn sie auf höchsten Touren feuern können.

Es ist mir bisher erst einmal gelungen, einen Tisch mit immerhin fünfzehn italienischen Dransitzenden für ein paar Sekunden zum Schweigen zu bringen, und das ging so: man wollte mich zum Verzehr irgendeiner Widerlichkeit nötigen, ich glaube, es war Fischgehirn. Normalerweise bin ich solchem Mist ja nicht ganz abgeneigt – mein Top-Team aus Gaumen und Magen erträgt zumindest rein theoretisch eigentlich alles, was kreucht und fleucht. Bockig werde ich aber dann, wenn ich etwas “muss” – wenn ich etwas probieren muss, etwas machen muss, etwas erledigen muss. Dann stellen sich bei mir die Nackenhaare auf, die Augenbrauen ziehen sich zusammen und bevor es denkt, sagt es schon “sicher nicht”. Muss was genetisches sein.

Item, man sagte mir also, ich müsse dieses Fischgehirn jetzt unbedingt probieren, weil, nebst seiner kulinarischen Qualitäten habe es auch noch… andere. Aha, so fragte ich, welcher Art diese Qualitäten denn seien, und bekam zur Antwort, diese Qualitäten seien besonders, wenn nicht gar explizit, für Männer geeignet. Gut, gab ich zurück, dann macht es uns also so intelligent wie Frauen? Kopfschütteln über den Barbaren aus dem Norden war die Folge, neiein, das hätte ich falsch verstanden, es wirke mehr… unten. Achso!, ich wieder, dann sei ja gut, und fragte mit grösster Unschuldsmiene, weil, ich hätte da unten keineswegs Performance-Probleme – ob das bei den anderen Herren hier am Tisch etwa der Fall sei?

Tatsächlich schwiegen jetzt alle – Männer und Frauen – während etwa dreissig Sekunden, in einer Stille, die andere als beklemmend empfunden hätten, ich aber genoss, da ich endlich mal in Ruhe und ohne Störung einen oder zwei Bissen kauen konnte.

Echte Männer

Sowieso, es ist ja eine Freude, Italien als Mann zu bereisen, der tradierten Insignien der Männlichkeit im besten Fall mild belächelnd, im weniger guten Fall offensiv bekämpfend begegnet. Konkret: ich hasse Autofahren, ich scheisse auf rote Sportwagen, ich schlafe bei Fussball ein, ich glaube jeder Studie, die behauptet, dass mehr als 30 Minuten Velofahren im Tag impotent macht, ich koche gerne, ich putze mehr als die Frau, ich verdiene weniger als ebendiese, ich definiere mich nicht über meinen Job und wenn mir ein Geschlechtsgenosse über seine böse Alte vorjammert, bin ich reflexartig auf deren Seite. Männersolidarität finde ich selten mehr als bemitleidenswert und ja, verdammt, ich tausche halt lieber mit der Hausfrau Rezepte aus, als virtuelle Schwanzlängenvergleiche mit den klötentragenden Jammerlappen im Wohnzimmer auszutragen.

Der Italiener ist ja überzeugt davon, dass es nördlich von Milano eigentlich keine Männer mehr gibt. Der globale Brennpunkt des Testosterons ist irgendwo zwischen Lecce und Rom anzusiedeln, alles andere sind ja nur verweichlichte Memmen. So meint der Italiener.

Dazu passt, dass der Italiener eine Art von Homophobie entwickelt hat, die geradezu Jööööh-Charakter hat. Und zwar wird ganz einfach die Existenz von Homosexualität negiert. Das heisst, man weiss zwar, dass es schwule Italiener gibt, diese leben aber ganz einfach alle in Milano. Irgendwie muss es da einen Botty-Magneten haben, der einfach alle Homos früher oder später da hochzieht. Und weil eben alle Schwulen in Milano leben, kann es an Orten wie zB Lecce gar keine mehr geben. Ist ja logisch, oder?

Entsprechend kann man sich in Süditalien so tuntig aufführen, wie man will, es wird sich niemand daran stören. Solange man nicht mit dem Pimmel im Hintern eines anderen Mannes erwischt wird, ist alles in Ordnung und man wird glauben, dass derjenige eben “die Richtige” noch nicht gefunden hat. Und sogar wenn man auf einer öffentlichen Toilette in eindeutiger Pose erwischt wird: eher ist man bereit, an einen schrägen Unfall zu glauben, an einen Ausrutscher auf glitschigem Boden, wobei man, Gesicht voran und “Goooooooooooooal!” schreiend, zufällig auf dem – unerklärlicherweise voll erigierten – Genital eines Priesters gelandet ist, als dass den Betroffenen homosexuelle Absichten unterstellt werden.

Erklärungsnotstand herrscht nur, wenn der Priester zufälligerweise aus Milano stammt.

Sprachliches

Moskitos fisten!

Fistare gli zanzare!

Wir kennen eine aus Apulien stammende Frau, die seit über zwanzig Jahren in der Deutschschweiz lebt (und zeitweise arbeitete) und nach all dieser Zeit noch nicht ein einziges Wort Deutsch oder Schweizerdeutsch versteht, geschweige denn spricht. Sie hat es geschafft, zwei Kinder grosszuziehen und sich selbst während dieser ganzen Zeit in einem selbstgewählten italienischen Ghetto zu halten. Der nächste SVP-Wasserträger, der mir irgendwas vorjammert, weil der Jugo von nebenan nach drei Jahren in Bern noch immer kein Goethe-fähiges Hochdeutsch spricht und keine Schiller-Sonette freihändig vortragen kann, dem muss ich glaub echt mal die Kutteln so richtig durchputzen.

Ich bin ja, was romanische Sprachen angeht, wirklich kein Genie – Legionen von Franz-LehrerInnen aller möglichen Niveaus, Stufen, Ebenen und Lehrkörper können das bestätigen. Aber nach einer Woche nur Zuhören war ich soweit, dass ich zumindest kapiert habe, um was es in einer umgangssprachlichen Unterhaltung ungefähr geht. Ist ja auch selten Quantentheorie, über die da diskutiert wird. Aber die Ignoranz, die in Italien Fremdsprachen gegenüber geübt wird, ist wirklich sensationell. Es scheint, als ob italienische Gehirne einfach abblocken, sobald was ausländisches an ihre akkustischen Sensoren gerät.

Entsprechend gibt es an italienischen Unis auch so gut wie keine Veranstaltungen, die nicht in Italienisch abgehalten werden. Englisch als Lingua Franca zumindest der Natur- und Wirschaftswissenschaften ist dort auf jeden Fall noch nicht durchgedrungen. Was in einem Land mit einer traditionell rekordhohen Marke an arbeitslosen Uni-Abgängern doppelt idiotisch wäre, eigentlich.

Auf die eigene Sprache jedoch ist der Italiener stolz wie sonstwas. Völlig irrelevant, dass sie ausserhalb der eigenen vier Wände nur noch in der Schweiz (und da auch eher zum Erhalt des Lokalkolorits und um die Restschweiz zu nerven) gesprochen wird: wenn es um Italienisch geht, wird jeder Bauarbeiter zum linguistischen Experten und Ästheten. Völlig normal, dass man mit einem doppelten Doktor nur Italienisch sprechen kann. Ebenso völlig normal, dass man von der Kellnerin augenbrauenhebend korrigiert wird, wenn man ein falsches Geschlecht vors Wort setzt.

Die Sprache ist aber auch immer wieder zu Spässen aufgelegt. So heisst ja bekanntlich “es stinkt” auf Italienisch “puzza”. Daraus nun abzuleiten, dass “Trepuzzi” einfach “drei Stinker” seien, ist aber komplett falsch – es handelt sich hier um eine Stadt, deren Geruchsemissionen sich durchaus im italienischen und gesamteuropäischen Durchschnitt halten. Dass der Mano weiblich ist, ist da nur noch der Tüpfelchen auf das i und konsequent.

Aber auch bei den Namen findet sich allerlei Spassiges: ganz besonders zu erwähnen sicherlich der Name Sturzo für einen Katholenpolitiker.

Strandfreuden

Hase und ich haben eine Tätigkeit kultiviert, die wir “simulierten Strandurlaub” nennen. Man geht dazu an dem Ort, wo man sich gerade aufhält – das kann im Urlaub an einer x-beliebigen, nicht wirklich für ihre Traumstrände berühmte Destination sein oder zur Not auch im Marzili oder im Badezimmer in der Bümplizer Wohnung – dorthin, wo sich Touristen und Einheimische in der Regel zum Eintunken ihrer Glieder in Salz- oder Süsswasser treffen.

Warum wir das tun? Ganz einfach: als Dink-Vorzeigemodelle sind wir ja prädestiniert für Urlaub auf den Malediven, den Seychellen…. Hauptsache schön weit weg, schön Strandsonnepalmen und, vor allem, schön teuer. Nun wissen wir ja ganz genau, dass wir es in der Regel selten länger als zwei Stunden an einem Strand aushalten. Wo der Erholungsfaktor beim kollektiven Hautkrebs kultivieren, während links und rechts ein textil unterdotierter, ziemlich repräsentativer Querschnitt durch die ZuschauerInnen des RTL-Nachmittagsfernsehens liegt, krakeelt und… einfach ist, liegen soll, hat sich für uns noch nie so wirklich erschlossen. Aber trotzdem, man ist ja den ständigen, vierfarbigen Illusionen der Reiseindustrie machtlos ausgesetzt. Und so kommt es halt auch bei uns mal vor, dass wir, meist nach Wochen, in denen die Welt zwanzig mal eingerissen, neu aufgebaut und wieder in Stücke gehauen wurde, schmachtend vor Bildern von weissen Stränden stehen, die nur eines suggerieren: nichts tun.

Das Problem ist nur: wir können nicht nichts tun. Geht nicht, irgendwie. Absenz von Aktivität hat keinerlei Erholungswert für uns. Wenn wir nichts tun, dann möchten wir etwas tun. Sachen anschauen. Lesen. Das Hotelzimmer umräumen, egal. Und auf den Maledellen kann man nichts tun, ausser eben: nichts tun. Und bevor sich da wieder Besserwisser zu Wort melden: Schnorcheln und tauchen ist für uns genau dasselbe wie nichts tun, einfach noch mit bunten Fischlein drumherum.

Und genau aus diesem Grund, um uns von dieser uns innewohnenden Unmöglichkeit zur Untätigkeit immer mal wieder aufs Neue zu überzeugen, machen wir eben simulierten Strandurlaub. Was haben wir schon an Geld und Nerven gespart, indem wir eben nicht auf die Maledellen gefahren sind! Wenn mehr Leute simulierten Strandurlaub machen würden, das Klima wäre im Fall schon fast gerettet, alleine schon nur durch die nicht zurückgelegten Flugmeilen!

Item.

Apulien ist recht berühmt für seine Strände, die zur Hauptsaison vor allem von Italienern, Deutschen und Schweizern frequentiert werden. In dieser Zeit muss die Gegend die absolute Hölle auf Erden sein. Wir haben da wesentlich mehr Glück gehabt, im Wesentlichen waren die Strände nämlich leergefegt, und das trotz, so sagt zumindest Hase, durchaus angenehmen Wassertemperaturen. All die Gummienten-Schnorchel-Badehosen-Shops, die das Bild von solchen Orten sonst prägt, war gnädigerweise bereits grösstenteils weggeschlossen, übrig blieb die stellenweise tatsächlich atemberaubende Landschaft, klarstes Wasser und trotz Bewölkung mehr als genug Sonne für zwei Bleichhasen. Beste Voraussetzungen für simulierten Strandurlaub!

Wir gingen da also an den Strand und profitierten gleich vom “Liegestühle und Sonnenschirm zusammen für nur zehn Euro”-Sonderangebot, haben uns mit ausreichend, aber nicht allzu schwerer Lesekost in zu bratender Absicht in den Sand gelegt, das bereits millionenfach als malerisch besungene Meer in unverbaubarer Frontalsicht.

Es war schon todlangweilig, als wir noch standen. Aber im Liegen fühlte ich sofort, wie mein Gehirn im Sekundentakt “Mami, wie lang geits no? Mami wie lang geits no? Mami wie…” in Richtung meines Aufmerksamkeitshorizonts feuerte. Und so schön es auch war, links und rechts über mehrere hundert Meter keinen Grind ansehen zu müssen, irgendwie fehlte etwas. Ich meine, ja, Meer, schön. Aber irgendwann hat man sich doch sattgesehen an Wellen, nicht? Zumal nie zum Beispiel ein Wal angespült wird oder ein Geisterschiff oder ein Hai gesichtet wird oder so. Immer nur dieses dröge Rauschen, das mich ständig in einen lethargischen, passiv-aggressiven Zustand befördert und mich final auf einer mechanisch-tierischen Ebene spitz wie Nachbars Lumpi macht, dass es auch nicht mehr schön ist.

Aber eben, niemand um uns herum. Niemand, den man herzhaft auslachen könnte. Niemand, mit dem man einen Streit vom Zaun brechen könnte. Und das (höchstwahrscheinlich) endvierzige Schweizer Paar, das sich in gerade noch Sichtweite befand (Illustrationsvorschlag: Er Geo-Lehrer im Muristalden, Sie Katechetin und/oder Sozialarbeiterin), mittels Sandwürfen und dem demonstrativen Ziehen eines Burggrabens zu einer zünftigen Schlägerei zu provozieren, erschien mir dann doch als Zeitverschwendung.

Zum Glück begann es nach etwa 45 Minuten zu regnen, was einerseits eine von uns hochgeschätzte Betriebsamkeit am Strand auslöste, andererseits die Möglichkeit eröffnete, uns ohne grösseren Gesichtsverlust (Andrea: jetzt nicht übersäuern!) von unserem Sonderangebot zu trennen.

Und wieder zweimal SFr. 4′000.- für Maledellen-Urlaub gespart!

Mafia, Wirtschaft, Kirche, Politik

Der staatstragende, klassisch-italienische Vierklang, hier in absteigender Wichtigkeit geordnet.

Diese Woche hat der Cavaliere ja mal wieder aufs Maul bekommen, von einem ultralinken, die Gesetze politisch ausnutzenden Verfassungsgericht. Diese verfluchten Kommunisten in Roben wollen einfach nicht begreifen, dass zwar alle Tiere gleich sind, die grösste Sau unter ihnen aber gleicher als alle anderen sein muss, weil sonst der Staat zusammenbrechen zu droht. In Italien ist dies mehr oder weniger allen (zumindest 70% der ItalienerInnen stehen nach wie vor hinter B.) völlig klar.

Sowieso: man hat in diesem Land eine Form der Betriebsblindheit kultiviert, die von aussen betrachtet sprachlos macht. So sprachen wir beispielsweise die Leute auf die zig-tausenden von Bauruinen an, die jeden Ort, jede Gegend, jedes Feld und jeden Strand zu einer Häuserkampfkulisse machen: auf der Autoreise zwischen Lecce und Brindisi habe ich innert 15 Minuten einmal über dreissig Runien gezählt. Völliges Unverstehen schlug uns entgegen – wie bitte, Bauruinen? Wir erklärten dann, was wir meinten, zB da die drei Mauern, die offensichtlich seit Jahrzehnten einfach als Mauern mitten im Dorf stehen (“ach ja, da wollte einer mal eine Fabrik bauen, aber die Regierung hat dann gewechselt”), oder das Haus, das direkt an der Strandpromenade steht und offenbar nie aus der Rohbau-Phase kam (“ah. ja, dem ist der Gemeindepräsident mal mit dem Bulldozer übers Haus gefahren”), oder auch das Villenquartier für gehobene Ansprüche, das einen ganzen Berg für sich beansprucht, laut Baureklame seit 2002 fertig ist, bisher erst aus rohen Mauern besteht und, dem Überwucherungsgrad des Grundstücks nach zu urteilen, seit mindestens drei Jahren keine Baumaschine mehr gesehen hat (“achso, natürlich, dem ist halt das Geld ausgegangen”).

In Italien scheint es eine lustige Regelung zu geben: wenn man ein Haus ohne Baubewilligung baut, und man es schafft, bis zum Dachgiebel zu bauen, bevor ein Gericht den Bau untersagt, wird der Bau, nach Zahlung einer “Gebühr” selbstverständlich, legalisiert. Wenn ein Gericht einschreitet (lies: man zuwenig “Gebühren” gezahlt oder den falschen Empfänger eingesetzt hat), verfügt das Gericht den sofortigen Bauabbruch. Punkt. Keine Verpflichtung, den ganzen Scheiss wieder wegzuräumen. Und da man, genug Kapital vorausgesetzt, erstens sowieso gleich wieder mit der Bauerei von vorn beginnen kann, kauft man halt ein paar hundert Meter weiter ein Stück Land und versucht, möglichst schnell bis zum Giebel zu bauen. Rinse, repeat.

Eine schöne Parabel zur italienischen Politik ist die Strassenbeschilderung. Manchmal meint ein Pfeil, der nach links weist, eigentlich rechts, oder umgekehrt, oder aber, und das ist wohl der Normalfall, er bedeutet einfach geradeaus, einer vagen Mitte folgend, die sich mehr über die Bezeichnung der Strasse (“super”, “mega”, oder wie auch immer) definiert als über deren tatsächliche Richtung.

Es macht auch durchaus Sinn, dass, wenn man von der Stadt Trecase auf die Autobahn fährt und während einer Stunde dieser geradeaus folgt, nach besagter Stunde dann auf eine Ausfahrt namens “Trecase” stösst. Keine Angst, wir sind nicht in einem Wurmloch gelandet, dies ist bloss die… anders intelligente italienische Strassensignalisation.

Eng mit der Politik (und somit dem organisierten Verbrechen) ist in Italien die Kirche verwoben. Man hat sich da offenbar darauf geeinigt, den Kuchen fair aufzuteilen, getreu dem biblischen Wort, wonach das Weltliche dem Cavaliere und seinen Kumpels, der Rest der Kirche gehören soll. Oder so ähnlich.

Apropos Kirchen: Wir waren ja auch in ein paar solchen (nicht wirklich spannend, die meisten sind aufgehellte, radikal totrenovierte Bauten im apulischen Barok), unter anderem in einer, die auch der Pappa Ratzi mit seinem Besuch beehrt hat. Ich habe sogar einen Stuhl gesehen, auf dem der Ratzi höchstselbst seinen pontifikalen Arsch drauf gesetzt hat. Es mag auf den ersten Blick verwirren, dass dieser Stuhl, im Übrigen kein sonderlich erwähnenswertes Exemplar süditalienischer Schreinerkunst, deswegen nicht als Heiliger oder zumindest seliger Stuhl bezeichnet werden kann, sondern bloss als “der Stuhl, auf dem der olle Bene, seines Zeichens Heiligstuhlbesitzer im wahrsten Sinne, mal gehockt ist”.

Leider war es mir nicht vergönnt, mich auf das gebenedeite Sitzwerkzeug zu lagern. Ob es daran lag, dass man befürchtete, die Heiligkeit des Stuhls könnte eventuell auf meinen atheistischen Zigeunerarsch abfärben, konnte ich nicht abschliessend klären. Vielleicht lag es auch nur daran, dass der Wärter meinen Witz vom “Papa Nazi” nicht verstanden hat. Seis drum. Man hat es schliesslich auch nicht verstanden, als ich an jedem Padre Pio-Denkmal den Schalter zum versteckten Waffenlager gesucht habe.

Statistisch sind die Apulianerinnen übrigens die eifrigsten Kirchenbesucher Italiens: mehr als 43% besuchen mindestens 1x pro Woche (!) eine Messe. An Apulien kann man übrigens auch schön darstellen, wie Gläubigkeit einiglich mit materieller Armut einhergeht: wenn nur die Hälfte dessen, was in die Kirche und ihre Repräsentanten an Arbeit, Zeit und Kapital investiert wird, stattdessen in eine Volkswirtschaft geleitet würde, die diesen Namen auch verdient und tatsächlich die katastrophalen Infrastrukturprobleme anpacken würde, Apulien wäre wohl die Schweiz Italiens, halt einfach mit einem Meer statt Bergen.

Es passt übrigens auch wie die Faust aufs Auge, dass es in Italien eine Versicherungsgesellschaft namens “Cattolica” gibt.

Alles Scheisse?

War jetzt der ganze Urlaub eine Reise in die tiefste Hölle, ist Italien das Afghanistan Europas?

Nunja, manchmal war es schon hart an der Grenze zum Erträglichen. Vor allem das nicht-hinsehen-Wollen war zeitweise extrem schwierig für uns. Wie kann man mit Bergen von Müll vor dem Haus leben, ohne diesen Müll überhaupt noch wahrzunehmen? Wie kann man ein antidemokratisches Regime verteidigen, mit dem einzigen Argument, dass “die Kommunisten es auch nicht besser gemacht” haben? Wie kann man eine derartige Denkblockade haben, wenn es darum geht, die Verbrechen der Kirche ihrer guten Taten gegenüberzustellen? Ich weiss es heute noch nicht.

Aber eben, da gab es auch dies:

Der gesamten Mannschaft von Sud Sound System beim Wellenreiten am Strand zuschauen. Geile neue Rezepte bekommen, zB Orechiette an einer Sauce aus Cime di Rape. Ein schwuler, kommunistischer Katholik, der zum Präsidenten der Region gewählt wird. Mit Hase am sturmgepeitschten Meer entlanglatschen. Zum ersten Mal im Leben einen früchtetragenden Pfefferstrauch (-baum?) sehen. Die Erkenntnis, dass es auch in Italien eine erstarkende Grüne Bewegung gibt. Und Zia Teresas Sugo, der, mit einer Handvoll Vongole angereichert, für einen Atheisten die wohl grösstmögliche Annäherung ans Paradies darstellt.

Ich weiss, das alles macht einen Berlusconi nicht ungeschehen. Aber es macht ihn zu einer Nebenfigur, einem Störgeräusch, einer Randnotiz einer Fussnote einer Marginalie, in einem ansonsten wunderschönen Buch, das dringend einen anständigen Lektor und eine etwas anspruchsvollere Leserschaft bräuchte.

Viva Italia – trotz allem.




Bescheuert in Paris

Jüngst hat es mich für keine 24 Stunden nach Paris verschlagen, natürlich geschäftlich, sonst wäre das doch eher ein bisschen fragwürdig. Item, dort gabs etwas Feines zu Essen von einem sogenannt “edlen” Auslieferservice, doch beim Abfallkonzept dahinter ist mir beinahe das Gesicht abgefallen.

Es scheint aus einer Zeit zu stammen, als man das Wort Abfallkonzept noch nicht buchstabieren konnte. Man muss sich beim Betrachten der Bilder einfach bewusst sein, dass alles, wirklich alles à fond perdu ist.

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Mahlzeit!