Von Eiern und Trägern
Habe mich vom Sommer bestens erholt, danke der Nachfrage. Es darf nun wieder geschraubt werden, shall we?
Jüngst hat sich meine wilde Schweizerin über unsere Kaffeemaschine beschwert. Ist mir absolut unverständlich, denn ich mag dieses billige und willige Kolben-Espresso-Teil. Der Kaffee ist gut und knallt ordentlich rein, den von meiner Süssen als zu hoch bemängelten Reinigungsaufwand nehme ich ohne sichtbare Regung in Kauf.
Was mir aber definitiv gegen den Strich ging, war die Alternative, die meine Wildkatze vorgeschlagen hat: Nespresso.
Ja, Nespresso-Kaffee ist gut, ja, der Reinigungsaufwand für diese Kapselscheisser ist easy und natürlich ist der Schorsch ein sympathischer Werbeträger. Was mir aber an dem Vorschlag dermassen auf den Senkel geht, ist Nestlé selbst.
Ich kann diese Firma nicht ausstehen und meide sie, wo es nur geht. Die paar Guttern Nestea, die ich übers Jahr konsumiere, betrachte ich als unvermeidlichen Kollateralschaden, weil es manchmal einfach keine Alternative gibt. Und wenn ich Eistee will, dann will ich das eben und nix anderes. So.
Was mir aber im Bezug auf Nestlé bei der mittäglichen Lektüre des Bundes die Essensklumpen definitiv im Hals hat stecken lassen, war dieses unsägliche Interview, dass dem Inquisitor persönlich, Peter Brabeck, in selbiger Zeitung heute gewährt wurde.
Ich kann diese grosskotzerte Haltung von gewissen Wirtschaftsbossen nicht ertragen. Am besten fand ich ja sein Statement, dass er (=Nestlé) sich auf einer Linie mit Helvetas sieht. Gut, Helvetas ist halt der NGO-Joggeli der Schweizer Wirtschaft, aber Nestlé mit einer wohltätigen Organisation zu vergleichen, ist blanker Hohn. Und, ganz nebenbei, auch ziemlich merkbefreit.
Das sagt sehr viel über das Selbstverständnis dieses selbstherrlichen Menschen, der (oftmals über Tochterfirmen) schon viel Leid über diese, unsere Welt gebracht hat. Stichworte gefällig? Zum Beispiel die Ursupierung von Wasserquellen und die nachfolgende, bewaffnete (!) Behinderung von Einheimischen, sich an den eben annektierten Wasserquellen zu versorgen, wie es diese Einheimischen seit hunderten von Jahren getan haben. Oder Milchpulver in China. Oder oder oder. Es nimmt kein Ende.
Solche Sachen machen mich rasend, da könnte ich vor Wut kotzen. Dass Nestlé jetzt Brasilien beim wirtschaftlichen Aufstieg “hilft”, macht die Sache zwar nicht besser, aber zum Glück ist Brasilien weit weg von hier. Ist zwar ein schwacher Trost, aber immerhin.
Die Lektüre dieses Interviews sei jeder und jedem empfohlen, nur vielleicht nicht gerade beim Essen. Aber auch nicht auf nüchternen Magen, das wäre wohl ein bisschen zu derb.
Nun gut, Herr Brabeck ist nicht der einzige Träger von Testikeln, der offenkundig an der eigenen Macht und Selbstherrlichkeit krankt.
Tony Blair, seines Zeichens selbst deklarierter Beseitiger von Aids und Irakischen Massenvernichtungswaffen, hat seine Memoiren veröffentlicht. Und er hat nicht mit Hohn gespart, dieser bleichgesichtige, Porridge fressende, Insel bewohnende Schleimscheisser. Natürlich sind auch immer dann, wenn etwas versaut wurde, die anderen Schuld, egal ob es um Terrorismus (Al Quaida), den Britischen Staatshaushalt (Tories) oder die EU (Frankreich, Deutschland, Griechenland etc.) geht.
Für so viel Eigenlob und fehlende Einsicht gibt’s von uns nicht mal Daumenschrauben, sonder nur ein schnoddriges, mit viel Spucke versehenes fuck you!
Welch gutes Stichwort, denn unser liebster Dorftrottel, George Dabbeljuh Bush, steht ja offenbar kurz vor der Vollendung seiner Memoiren. Er verspricht intime Einsichten zu Themen wie Entscheidungen treffen, die Zeit als Alki, die Genesung und der darauf folgende Glauben und noch viel mehr. Das wird sicher spannend, denn jemand, der von sich sagt “i think i’m being misunderestimated” oder solche Blüten wie “i’m the decider“ von sich gibt, kann nur einen enormen Unterhaltungswert versprechen. Wir freuen uns darauf.
Derweil vertörlen wir uns die Zeit bis dahin mit dem brillianten Robin Williams, der 2008 bei “We are most amused” eine affengeile Performance abgeliefert und mir dabei die vorigen Statements vom Schorsch Dabbeljuh vorgelegt hat:
Last but not least noch eine kleine Empfehlung kulinarischer Natur: beim Sushi House Wasabi gibt’s das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei Sushi in Bern. Und ihr Wasabi knallt rein wie sonst was, Himmel, was mag ich das Zeugs. Ach ja, die nette, junge Verkäuferin, die heute charmant am Tresen stand, ist noch um einiges ansprechender als die gesamte Auslage dieses tollen Ladens. Dies aber nur nebenbei.
Mahlzeit!



