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Bern hat gewählt: die Gala-Preisverleihung 2008

So, endlich ist der Zauber vorbei. Gewählt ist in Bern, die Ergebnisse kann man hier, hier und hier einsehen. Während ihr euch alle wochenlang herumgequält habt, ob und wo ihr jetzt euer Kreuzlein macht, tagte ein internationales Expertenteam im Daumenschraube-Hauptquartier, um die begehrten Wahl-Daumenschrauben 2008 zu vergeben. Nun sind die Würfel gefallen!

Ich schlüpfe deshalb jetzt in meinen Frack, schmeisse Britney von der Bühne und stelle euch die Gewinnerinnen und Gewinner der diesjährigen Wahl-Daumenschrauben-Preise vor:

Das Beste vorweg: Den Preis für sympathischen Realitätsverlust gewinnt die Bürgerliche Wende, die bis vor kurzem noch die Stadt bedroht, sich Sonntag Nacht aber spontan in Luft aufgelöst hat. Nebst diesem Preis gibt es von meiner Seite noch ein total lieb und konstruktiv gemeintes “fuck you” für euch. Lasst ihr es in vier Jahren endlich bleiben oder wollt ihr wieder eine kalte Dusche?

Vom Himmel hoch...

Vom Himmel hoch...

Es folgt der nächste Höhepunkt, nämlich der Preis für die grösste Geschmacklosigkeit. Diesen gewinnt die Grüne Partei Bern. Was denn, nicht die SVP? Erstaunlicherweise nicht, nein. Zwar hat die Dreckschleuder-Sturmspitze der guten alten Grüsel-Partei, bestehend aus Hess und Glauser, im Stadtrat bereits weit vorgespurt, wurde aber im Finish vom Ängeli-Jenni, der im Wahlprospekt der GPB aus dem Wolkenmeer zu uns herabschauend abgedruckt wurde, deutlich deklassiert. Dass man mit Toten Wahlkampf macht hat die GPB zwar nicht erfunden – siehe Gretli Wafa, die ihren Fokus jetzt wieder vermehrt auf den Besuch von Eishockeymatches legen kann. Trotzdem bemerkenswert, dass neu offenbar auch im links-grünen Lager Emotionen vor Inhalt und Populismen vor Programm salonfähig werden.

Bärenstark!

Bärenstark!

Den Integrationspreis “Politiker trotz allem” gewinnt Stephan Hügli mit seiner grandiosen Kampagne “mein unsichtbarer Freund, der Bär”. Erinnert sich noch jemand an ‘My friend Harvey’? Das Theaterstück um den Mann, der als einziger einen riesigen, weissen, sprechenden Hasen sehen und hören kann? Genau so kam Hügli jeweils rüber, wenn er sich mit einem plüschigen Bären im Hintergrund ablichten liess. Dazu der immer leicht gequälte Blick, nicht nur die Fotos, sondern der ganze Wahlkampf von einer geradezu erratischen Statik geprägt… fantastisch. Wirkte ziemlich psycho und war somit ein klares Statement dafür, dass man auch dann Exekutiv-Politiker sein kann (oder zumindest will), wenn man sich die meisten Freunde bloss einbildet.

Den Gothic-Preis ‘Vlad Tepes’ gewinnt, absolut verdient, RGM mit der Plakat-Kampagne “weniger unters Solarium, dem Klima zuliebe”. Noch nie haben zur Wahl stehende PolitikerInnen auf Plakaten so käsig ausgesehen, geradezu wie frisch aus der Gruft. Oder war es eine indirekte Werbung für “Spende Blut – rette der SP das Leben”? Es kann natürlich auch sein, dass der Grafiker einfach nur mit dem Aufheller ins Kraut geschossen hat. Trotzdem ein schöner Beitrag, mein Vampir-Herz jubelt (düster).

Links und n@t?

Links und n@t?

An die SP geht der Preis für “Schau mal, die tollen Zeichen, die es auf meiner Tastatur hat!”. Leute, nur weil ein Zeichen vage an ein ‘a’ gemahnt, ist es noch lange keins. Oder kann mir mal jemand erklären, was Secondäts sind? Euer Alex hat ja vorgemacht, wie es richtig sein sollte. H@tet (!) ihr ihm das Plakat gezeigt, bevor ihr es gedruckt habt, dann wäre das sicher gut gekommen. Was cool und trendy gedacht war wirkt so im besten Fall seltsam.

Nanu?

Nanu?

Den Voher-Nachher-Preis ‘Beauty and Beast in Personalunion’ gewinnt deutlich Barbara Hayoz (FDP). Man vergleiche ein Inserat, das sie zur Wahl als Stadtpräsidentin empfiehlt (wuahahahaaa!) mit dem Foto, das ein Bund-Schurni paar Wochen vor den Wahlen aufgenommen hat – wohlverstanden nach dem Coiffeur-Besuch. Ich frage mich (und die Welt): ist dies überhaupt dieselbe Person? Böse Zungen behaupten, dass hier der SP-Grafiker (siehe oben) eingesetzt wurde und dass selbiger halt nicht nur gerade einen Aufheller-, sondern auch noch einen Runzel-Krähenfuss-Schlupflid-und-Tränensack-wegmach-Werkzeug-Kurs besucht hat und sich beim Babsi voll austoben konnte/wollte. Von Vorspiegelung falscher Tatsachen zu reden hiesse selbstredend Bären vom Graben an die Aare zu tragen, schliesslich ist Hayoz ja auch als Frau zu den Wahlen angetreten.

Der Preis für zirkuläre Antilogik mit Ansage geht an Jimy Hofer. Nicht nur deshalb, weil seine Statements zum Klimawandel das Bildungsniveau jedes Fünfjährigen beleidigen, sondern vor allem wegen seinem Wahlspruch (“Wählt keine Politiker”). Nunja, zum Stapi hat es nicht gereicht, dafür wird er bald den Stadtrat mit seiner Anwesenheit beglücken (nebenbei: passt der überhaupt in die Sessel…?). Das Problem ist nur: sobald er im Stadtrat hockt, wird Jimy zum Politiker, ghoue oder gstoche. Hofer bricht also sein wichtigstes Wahlversprechen im Moment des Amtsantrittes. Tritt er deshalb konsequenterweise noch während der ersten Stadtrats-Sitzung zurück? Fände ich schön, glaube ich eher nicht, deshalb der Preis.

Ebenfalls an Jimy verleihe ich den Preis Abschreckendes Beispiel im Bereich Alphabetisierung. Ein knapp A5-Format erreichendes “Wahlprogramm”, das vor Rechtschreibfehlern strotzt, zeigt einerseits die Grenzen und Probleme unseres Schulsystems deutlich auf. Dass sich ein funktionaler Analphabet aber zutraut, Stadtpräsident der Schweizer Hauptstadt zu werden, spricht andererseits wieder für das grosse Einfühlvermögen und den ausgezeichneten Fachverstand unserer SozialpädagogInnen. Vielleicht mal einmal weniger z’Vieri näh, dafür ab der Vierten wiederholen, wie wäre das, Jimy?

Für die GFL haben wir uns extra einen Anerkennungspreis ausgedacht, einfach weil sie uns die letzten vier Jahre hindurch so toll unterhalten hat. Weil diese Partei aber politisch partout nicht eingrenzbar ist (sind es jetzt velofahrende FDPler oder fdplende Velofahrer?), bekommt sie den Wetterfahnen-Preis zum sturmen Huhn.

Wir erlauben uns auch, den GFL-Präsidenten Manuel C. Widmer persönlich mit dem Sonderpreis ‘Tausendmal probiert, tausendmal ist nichts passiert’ zu würdigen. Und wir wetten darauf, dass er auch bei der nächsten Wahl wieder versuchen wird, in den Stadtrat zu kommen. Und bei der übernächsten. Und der über-übernächsten. Aber Mänu, nimm es easy: wenn du so weitermachst, wirst du immerhin nie der Amtszeitbeschränkung zum Opfer fallen. Immerhin.

(Wie eine böse, aber durchaus verlässliche Zunge Dschango ins Ohr geraunt hat, ist die Strategie des Nicht-Gewählt-Werdens bei Widmer übrigens durchaus Programm. So scheiterte er bereits im Semer mehrfach beim Versuch, als SchülerInnenvertreter gewählt zu werden. Sein wichtigstes politisches Amt war bisher das des Klassenchefs, und, so munkelt man, auch dieses habe er nur bekommen, weil einfach sonst niemand scharf aufs Klassenbuch war.)

Rrrrrrhrrhrrrr...!

Sexy beast

Der Preis für die abgefahrenste Frisur war Gegenstand heftigster Diskurse unter den Experten. Man einigte sich schliesslich auf Philippe Müller von der FDP, der mit seiner Eigenkreation ‘Schnittlauch im Töpfli, dressiert’ angetreten ist. Sein Mut, fortschreitenden Haarausfall nicht etwa zu kaschieren sondern im Gegenteil zu betonen, gehört belohnt. Und das Schübeli, das wie eine Mutantenspinne in die hoh(l)e Stirn hängt, wertet sein Gesicht unglaublich auf, gerade weil es von selbigem ablenkt. Bravo!

Keine Angst, er will bloss spielen!

Keine Angst, er will bloss spielen!

Das Zeitungsinserat, das Müller als frei flottierenden Rosenkavalier zeigt, hat übrigens den Männeranteil in Berns Strassen die letzten Wochen auf fast 100% ansteigen lassen – die Aussicht, dass ihnen in der Stadt ein Schnittlauch-Müller entgegenkommt und ein Röseli anhängen will, hat die meisten Frauen veranlasst, sich bis nach den Wahlen zu Hause zu verstecken.

Dann hätten wir noch den Preis für die meisten Kandidierenden im Verhältnis zu den tatsächlich erkämpften Sitzen und auch absolut, der dieses Jahr an die EVP geht. Ihr Plan, die Stadt zu übernehmen und zusammen mit der EDU einen Gottesstaat zu errichten, ist leider gescheitert. Eure Charme-Offensive war zwar beeindruckend, der Prospekt wahnsinnig bunt und mit lauter glücklichen Menschen drauf, von dem her habt ihr alles richtig gemacht. Bei euch merkt man aber einfach schon recht schnell, dass das selige Leuchten in euren Augen nur deshalb so hell scheint, weil das Sonnenlicht ungehindert durch den Hinterkopf zur Hornhaut gelangen kann. Nächstes Mal tretet ihr vielleicht besser nur mit den wirklich fähigen Kandid… ok, sorry, das war jetzt gemein, ich will ja keineswegs zu eurer Auflösung aufrufen.

Apropos EVP: der Preis für das jämmerlichste Hobby geht an Gabriel Nathanaël Jordi von der EVP. Kann ja an mir liegen, aber, werte Frauen, würdet ihr einem Mann länger als drei Sekunden zuhören, der von sich selbst sagt, er sei “Coach einer Kinderband”? Eben. Und gäbe es einen Preis für ‘Dank Eltern, die bei der Vornamenswahl total kreativ waren, fürs Leben stigmatisiert’, Jordi hätte ihn auf sicher.

(Nein, die EDU bekommt dieses Jahr keinen Preis. Die Jesus-Soldaten Gubser und Räber sind schon Witzfiguren genug, da muss man sie nicht auch noch im Internet fertig machen, finde ich. Naja, wenigstens heute nicht.)

Dann haben wir noch den Sisyphos-Preis für viel Aufwand, wenig Wirkung, der dieses jahr an Sylvia Lafranchi-Haas (FDP) geht. Man hat sie ja stunden- und tagelang in der Stadt herumlungern sehen, Passanten ihr Wahlkärtli in die Hand drückend. Inserate wurden geschaltet mit ihrem Konterfei, eine tolle Homepage wurde gebastelt, auch Dschangos Briefkasten mit ihrem Konterfei zugemüllt und es wurde überhaupt ein rechter Aufwand getrieben, die Frau und ihren Offroader via Medien in des Volkes Herz zu torpedieren. Sogar eine Liason mit Lastwagen-Proll und Beinahe-Bundesrat Erich J. Hess wurde medienwirksam inszeniert. Muss ordentlich Schotter (und einen Haufen Überwindung) gekostet haben und ging ja sowas von komplett in die Hose. Aber es hat immerhin für einen dritten Ersatzplatz gereicht – wir hoffen, das hat sich somit für die Kandidatin gelohnt!

Da wir sowieso schon in der Rechtskurve angelangt sind, jetzt doch noch zur SVP. Diese gewinnt den Preis “wenn es ein Secondo kann, dann wir sowieso”. Oder ist es nur Zufall, dass die Berner SVP mit demselben Schlagwort wie Barack Obama (allerdings mit noch weniger Inhalt) Wahlwerbung machte? Wie auch immer: aus den Wahlunterlagen der SVP spricht deutlich, dass man überhaupt keinen Plan hat, was ein Programm überhaupt ist. Der Messias der SVP wohnt ja in Herrliberg, den kann man in Bern gar nicht wählen, auch wenn dieser nicht will. Folgerichtig setzt man einzig auf einen Slogan, der alles und gleichzeitig überhaupt nichts sagt. Und den man benutzen kann, egal welche Politik man momentan gerade betreibt. Dafür gibt es noch einen zweiten Preis, denjenigen für demaskierende Ehrlichkeit nämlich. Ein Wort (Ehrlichkeit), das man eher selten in Zusammenhang mit dieser Partei liest, zugegebenermassen, trotzdem ist der Preis mehr als verdient.

Dann liegt hier noch ein Preis für die absolute Bedeutungslosigkeit rum, den wir an Arbeitnehmer- und Rentnerpartei (ARP) vergeben. Nehmt es locker, wirklich relevant wart ihr ja noch nie. Und lange werdet ihr auf dem Ehemaligen-Bänkli nicht bleiben: nächstes Mal folgen euch die Schweizer Demokraten, übernächstes Mal auch noch die FDP nach.

Und Jimy Hofer dankt ja schon in der ersten Stadtratssitzung ab.




Jimy erklärt die Welt

Eigentlich wollte ich ja Jimy Hofer, seines Zeichens Gemeinderatskandidat unbeleckt von Stil und Bildung, hier totschweigen. Schon nur aus ästhetischen Gründen. Im ‘Bund’ von heute (danke, du liebe unabhängige, liberale Tageszeitung übrigens, dass du auch und besonders wenig belichteten Zeitgenossen ein ganzseitiges Portrait angedeihen lässt) liess er aber einen Satz raus, der sogar für seine Verhältnisse an Unterbelichtung kaum zu toppen ist. Angesprochen auf den Klimawandel (sic!) meint unser stolzer Nichtleser:

Die Mittelstreifen der Autobahn sind doch noch immer grün. Darum habe ich nie begriffen, warum Abgase giftig sein sollen.

Jimy, du bist mein neuer Held. Endlich spricht jemand das aus, was ich schon seit Jahren insgeheim denke. Alles bloss eine Erfindung dieser links-grün-Wischiwaschi-68er-Sozitanten-Kommunisten-Emanzenbande. Das Problem ist nur: ausser uns beiden glaubt das fast keiner mehr. Da du ein Mann der Tat und kein Politiker bist, schlage ich dir das folgende Experiment zur Untermauerung deiner fundierten und von Sachkenntnis nur so triefenden Aussage vor:

Als erstes stellen wir dich, deine Listenkollegen und ein paar deiner Broncolinos in die Broncos-Bar in der Matte, zusammen mit etwa fünf vollgetankten Harleys. Dann dichten wir die Bar hermetisch ab. Nein, nicht nur gegen Jugos und alles, was aus mehr als sieben Buchstaben besteht, sondern wirklich luftdicht. Danach startet ihr eure Feuerrösser und gebt mal voll Gummi – freier Leerlauf für freie Bürger! Nach ungefähr drei Stunden werde ich höchstpersönlich die Siegel an der Türe entfernen (ich habe erwähnt, dass ich mich zur Überwachung des Experiments ausserhalb der Bar aufhalten werde, oder…?) und mich persönlich davon überzeugen, dass Abgase komplett ungiftig sind.

Jimy, Bern kann mit dieser Demonstration nur gewinnen! Weil entweder lebt ihr da drinnen dann alle noch (über Gehirnschädigungen kann ein echter Bronco ja nur lachen, oder?) und wir können endlich das ganze grüne Gesocks mit Heugabeln und Teerfackeln (grad extra klimaschädigend, hähähää!) aus der Stadt jagen, am besten Richtung Ittigen. Oder aber es wird in der Matte bald ein Lokal frei, die Zeitungen müssen mich nicht mehr frühmorgens mit deinem Bild Richtung Kloschüssel treiben und das Konkursamt kann zumindest mal einen Fall definitiv abschliessen. Also ich bin Bern zuliebe dabei, Gaffa-Tape zum Abdichten habe ich schon gekauft, musst mir nur sagen, wann ich vorbeikommen soll.

Übrigens: weiss eigentlich jemand, was genau ein ‘Bronco’ ist? Ich meine jetzt mal abgesehen von stark riechenden Provinz-Easyridern? Wikipedia meint, ein Bronco sei ursprünglich ein wildes Pferd gewesen, eines, dass sich ungern in einen Sattel fügt und bockt, sobald es einen Reiter auf sich spürt. War wohl der Grund, warum die Harley-Prolls sich diesen Namen für ihr Männerbündchen ausgesucht haben; klingt drum so schön nach Freiheit und Abenteuer. Hätten die Jungs auch noch weitergelesen, hätten sie aber gemerkt, dass heute auch der Bronco eine Zuchtrasse ist, die vor allem für Rodeos gezüchtet wird. Also: der Bronco wird künstlich bockig gemacht, damit er im Zirkus zum Gaudi des Publikums möglichst wild tut und kriegt den Gnadenschuss, sobald er zu zahm wird. Passt hier ja bestens, oder?

Nun ja. Gegen Schluss des Interviews meint Jimy dann, er sei halt nicht einer, der “die Faust im Sack mache”. Jimy, so unter uns, quasi von Mann zu Tönnchen: die Aussage ist sehr gewagt, weil, keine Ahnung, ob du ihn mit der Faust noch erreichst, aber zumindest optisch hast du den Kontakt zu deinem Sack schon vor Jahrzehnten verloren…




Lasst den armen Kurt doch endlich tot sein

Da war diese Schlagzeile in der BZ, “Die Wasserfallens kommen”. Erst hab ich gemeint, das Leben des Kurt werde verfilmt oder so (“Volksfront von Bernäa!” – “Bernäische Volksfront!”), jedenfalls kam mir die Schlagzeile mindestens vor wie der Teaser zu einem Simpsons-Film. Dann erst habe ich kapiert, dass es darum geht, dass die gesamte hinterbliebene Familie WaFa in die Politik einsteigen (bzw im Fall vom Chrigu, durchstarten) will, inklusive dem blonden Anhang vom Herrn Jungnationalrat. In der Zeitung haben sie das noch mit einem totaaaal witzigen Föteli visualisiert, wo die ganze WaFa-Sippe zum Sturm aufs Rathaus bläst.

Ich gebe zu: Dschango hat dies für einen schlechten Witz gehalten. Vor allem ob der Aussage vom Gretli WaFa, dass es seit Kurts Tod halt sehr “einsam sei zuhause” und dass sie gerne in die Politik einsteigen würde, um der Einsamkeit zu entrinnen, lachte ich mir schier einen Krampf. Wo andere sich in Psychotherapien flüchten, setzt Frau WaFa auf die stadtbernische Politik, das nenne ich mal kreativ. Weniger Staat für alle anderen, so viel Staatstheater wie möglich für Mama Gretlis Seelenheil! Ob die FDP das zum Programm macht und in Zukunft für jeden Psychopathen, jede Witwe und jeden Lebensversager einen Stadtratssitz verlangt? Die bestehende FDP-Riege im Rathaus lässt zumindest vermuten, dass schon mal in diese Richtung vorgespurt wird.

Habe diesen Artikel ja schon fast verdrängt, da kommt doch letzthin im Schweiz Aktuell dieselbe Story, diesmal hübsch mit Küdes Schwarzweiss-Portraits angereichert. Hätte nur noch “Time to say Goodbye” oder “Candle in the Wind” im Hintergrund gefehlt. (Tot wirkt der Typ übrigens direkt sympathisch. Egal.) Noch ein bisschen mehr Tränendrüsen, noch ein bisschen mehr heile Familie, Margret gibt sich in Bümpliz bürgernah und hat für jeden Passanten einen glatten Spruch parat. Und das politische Programm? “Da, wo mein Mann aufhören musste”, zum Beispiel. Oder: “genau wie mein Mann”. Oder auch “die Lücke füllen, die mein Mann hinterlassen hat.”

Gut, nebst der Parklücke, die das Fehlen des Wasserfallenschen Autos im Stadtberner Parkplatzsystem hinterlassen hat, konnte ich seit Küdes Tod bisher noch keine wirkliche Lücke finden. Aber ich betreibe ja auch nicht Leichenfledderei im Namen des Volkswohls.

Wozu auch ein politisches Programm, wenn man einen bekannten Namen hat? Die Stadtberner FDP und SVP haben ja Erfahrung damit, Pappkameraden zu staatstragendem Format aufzublasen. Hauptsache, Maggie spült genug Stimmvieh ins Boot und drückt bei Abstimmungen den richtigen Knopf, da ist es doch völlig egal, ob sie wirklich Plan von der Sache hat. Spasskandidaturen sind ja gross in Mode und die Medien geifern nach jedem Grenzdebilen, der sich selbst und den letzten Rest Vernunft in der Politik ad Absurdum führt.

Margret, im Stadtrat wirst du es nicht nur einfach haben. Viele da sind zwar tatsächlich mit hausgemachten Guttelis bestechlich, viel mehr als erweiterte Redezeit wirst dir damit aber nicht erkaufen können. Vor allem wirst du dich daran gewöhnen müssen, dass du, im Gegensatz zum Familientisch, im Stadtrat nicht mehr autonom die absolute Mehrheit stellst.

Fazit: Wahlkampf lässt sich auch mit toten Politikern betreiben. Eigentlich sogar noch besser, als mit lebenden.