Man kann sich wirklich nicht darüber beklagen, dass auf der Strasse ein Mangel an optischen Reizen besteht. Wo man hinschaut: Plakate, Aushänge, Schlagzeilen. Da ich immer auf der Suche nach Blog-Food bin, kommt mir die Überpflasterung des öffentlichen Raumes eher entgegen. Und seit mein Handy eine halbwegs schlaue Fotokamera drin hat, habe ich auch das lästige Problem der nachhaltigen Dokumentation gelöst.
Womit wir beim Thema wären: heute offeriere ich unserer geschätzten Leserschaft eine kleine Tour d’Horizon durch ausgewählte Trouvaillen, die mir unterwegs begegnet sind.

Gelb und doof, und das seit Jahren!
Unser erstes Fundstück kommt von einem tüchtigen Lieferanten von abstrusen Schlagzeilen; der grössten Schweizer Tageszeitung. Auch wenn ich dieses Blatt nur in ganz verzweifelten Momenten in die Hände nehme, so begleiten mich dessen Schlagzeilen auf den markanten Aushängen bereits seit langen Jahren. Es würde den Rahmen sprengen, jede Dummheit in Schwarz-Gelb zu kommentieren, aber diese hier hat sich gewaschen. Schierer Platzmangel ist der Schlagzeile zum üblen Fallstrick geworden. Gratulation nach Zürich hierfür, so eine bescheuerte Schlagzeile habe ich seit gefühlten Jahrzehnten nicht mehr gesehen.

Ausfluss der übleren Sorte.
Nummer Zwei wird uns grosszügigerweise von Vineyard Bern zur Verfügung gestellt. Hier hat jemand eine Korrektur angefügt (das Weggekratzte, nicht der Filzstift), die treffsicherer nicht hätte sein können. Und es sieht auch so aus, als würde hier nicht die zweite Backe hingehalten, denn die Korrektur der Korrektur folgte offenbar auf dem Tritt. Finde ich schon ein wenig unchristlich, das Ganze.
Das Bild ist von letztem Jahr, könnte zwischenzeitlich also schon korrigiert worden sein. Egal, denn das Netz vergisst nicht, und ins Schwarze getroffen wurde hier sowieso.

Adrett bis zum Würgen...
Dieses Plakat finde ich super gelungen. Man darf kulturell nicht zu abgebrüht sein, um hier ein Überraschungspotential zu erkennen. Ich meine, was bitte soll denn an so einem Abend überraschend sein? Vermutlich haben sie auf eine Einladung von Marilyn Manson verzichtet (DAS hätte geknallt!) und die Pussycat Dolls werden wohl auch nicht kommen. Und die Musik selbst bietet da auch keine Optionen, irgendwie überraschend zu wirken. Wenn sich mal tatsächlich volkstümliche Musik in mein Ohr verirrt, dann ist das so, als ob ich alle Abläufe und Tricks im Arrangement schon gefühlte Millionen mal gehört habe. Das heisst de Facto, dass ich sämtliche Lieder der Volksmusik schon fast auswendig kenne, bevor ich überhaupt etwas davon gehört habe. Das ist wahrlich kein Leistungsausweis für eine ganze Stilrichtung und hat soviel Überraschungspotential wie die letzte Bundesratswahl.

Uäh: Flöten und Bärte.
Nummer vier kommt ein bisschen schwülstig daher, wie ich finde. Zumindest ist es so, dass leicht homophobe Menschen wie ich ein wenig unwohl werden beim Gedanken, dass ein bärtiger Brummbär seine magische Flöte auspackt und damit zaubert. Glücklicherweise weckt das bei mir keine Erinnerungen an irgendwelche bösen Onkels oder dergleichen, aber ich finde das Plakat doch etwas geschmacklos. Und unglücklich formuliert. In Zeiten des Internets muss man halt schon einen Tick vorsichtiger und vor allem umsichtiger sein als diese Eventagentur, die wohl dicht dran sein wollte. Tja, dafür sind sie jetzt bei der Daumenschraube gelandet. Ein Achtungserfolg, sozusagen, wenn auch fast zwei Jahre zu spät. So lange hat das Bild nämlich in meinem Telefonspeicher gelegen.

Hier wird nix eingeworfen...
Ganz zum Schluss gibts noch etwas aus der Abteilung Allgemeinbildung. Das sind die Zuckerstücke, die am Wegesrand lauern, bereit, jederzeit aufgelesen zu werden. Sie erzählen auch eine Geschichte zu der Umgebung, in der sie gefunden werden. Hier war es ein altes, kleines Holzhaus im alten Teil eines Berner Quartieres, offenbar bewohnt und papiergeplagt. Es ist selten, dass jemand die ganze Bandbreite an Papier-Spam ablehnt, die so in unsere Briefkästen flattert. Hier ist das Verdikt klar, unmissverständlich und trotz Schreibfehler erfrischend imperativ. Ein klares Plädoyer für Inhalte vor Form.
Soviel zu den News von der Strasse. Wir bleiben dran.