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Gamers Paradise

Videospiele sind meines Erachtens ein absolut korrekter und extrem spassiger Zeitvertreib. Und ein offizieller Teil unserer Kultur dazu, Ende der Fahnenstange. Der grosse Markt in der westlichen Hemisphäre ist relativ übersichtlich und – bis auf ein paar Geheimtipps ohne grössere Relevanz – in eine Handvoll Plattformen und Technologien unterteilt. Da wären PCs aktuellster Generation, Xbox 360, die diversen Playstations von Sony und die lustige Welt von Nintendo (DS, Wii etc.). Und ich habe alles extensiv ausprobiert – Pflicht für einen Liebhaber von Videospielen.

Kinder, ich kann euch sagen, dass wir diesbezüglich in goldenen Zeiten leben. Und es wird noch dicker kommen: Hologramme, virtuelle Realität und Ganzkörpercontroller für die Massen. Aber zurück auf den Boden der Realität. All das High-End-Gedöns von wegen Next-Gen-Spielkonsolen und Monster-Hardware kann man getrost mal beiseite schieben, wenn man sich mit einem Spielautomaten der Naomi-Klasse vergnügen darf. Genauer mit einem Ultra G aus dem Jahre 2000.

Etwa so hoch wie Nasse

An sich ist so ein Spielautomat ja nicht sehr spektakulär, vor allem wenn nur ein einzelnes Spielmodul installiert ist. Bei konventionellen Automaten in Spielsalons ist das normalerweise der Fall. Interessant wird es aber, wenn man kein proprietäres Spielmodul installiert, sondern einen zeitgenössischen PC mit Spezialsoftware und Schnittstelle für Spielautomaten anschliesst. So kann man sich Unmengen von Games herunterladen, die alle gratis und unbeschränkt spielbar sind. Nur zum präzisieren: wir reden nicht von ein paar oder -zig Spielen, nein, wir reden von tausenden von Titeln quer über verschiedenste Plattformen aus den letzten 25 Jahren. Tausende!!! Als Game-Afficionado muss man das erst mal verkraften können. Klotzen, nicht kleckern ist hier die Devise.

Hat auch Platz für Getränke und Aschenbecher

Hat auch Platz für Getränke und Aschenbecher

Auf jeden Fall hatte ich neulich an einem Wochenende das Vergnügen, einen guten Freund bei der Installation seines frisch erworbenen Ultra G Cabinets zu unterstützen. Und es war in der Tat ein grosses Vergnügen, schon nur die Vorarbeiten und Konfigurationen haben eine leichte Euphorie ausgelöst. Es gab einiges zu tun, zum Beispiel den Analogmonitor am offenen Gehäuse und und unter Strom an Drehreglern einstellen (Adrenalin!), die Verkabelung der Steuerknöpfe anpassen, die Software auf dem PC einstellen und so weiter. Kurz vor Mitternacht war es dann so weit, wir konnten die ersten Spiele starten und ausprobieren. Dies war dann auch für ein langes Momentchen das letzte Mal, dass ich eine Uhr wahrgenommen habe. Beim nächsten Zeitcheck war es dann plötzlich halb fünf am Morgen.

Der darauf folgende Selbstcheck fiel entsprechend aus: Die Augen gerötet und geschlaucht von den wuchtigen 22 Zoll Analog-Mattscheibe, der Nacken leicht steif, der rechte Zeigefinger komplett wundgeklickt und im Körper eine seltsame Mischung aus Adrenalin, Melatonin und Glückshormonen. Meine Güte, was waren wir verschachert und verballert. Ich hatte seit Jahren nicht mehr so viel Spass beim Zocken.

Fazit: Zocker-Nirvana und kein Gramm weniger. Echt jetzt. Zehn von fünf Sternen.

Der folgende Teil des Artikels richtet sich an die technisch interessierten, die gerne mehr darüber wissen möchten.

Software auf dem PC

Windows XP als Systembasis, GameEx als Hauptprogramm, Mame und diverse andere Emulatoren von Plattformen wie Nintendo, Sega, Atari, Amiga, C64, Playstation 1 und 2, Daphne und noch viele mehr. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme waren bereits mehr als 5000 Titel in der angelegten Sammlung verfügbar.

Ultra G

Der Kasten ist ca. 2m hoch, 90cm tief und 80cm breit. Analoger Röhrenbildschirm mit 22″ Diagonale, Format 4:3. Gewicht ca. 70 Kilogramm. “Jamma”-Schnittstelle für die Verbindung zwischen Controllern und Spielmodul respektive PC. Zwei eingebaute Lautsprecher unter dem Monitor mit sattem Sound. Der integrierte Lüfter im unteren Teil des Kastens wurde entfernt, da kein Spielmodul eingebaut ist. Das Gerät ist damit quasi Geräuschlos.

Anforderungen und GameEx als Launchprogramm

Es ist bereits mit älteren PCs (zB. Pentium 4 oder AMD Athlon) möglich, eine ausreichend leistungsfähige und absolut zufriedenstellende Recheneinheit aufzustellen. Die wenigsten Gameplattformen hatten vergleichbare Leistungen. Die Grafik kann auch von einer mittelmässigen Grafikkarte mit passiver Kühlung ohne den geringsten Stress bewältigt werden. GameEx und gewisse Emulatoren setzen aber DirectX-Kompatibilität voraus.

GameEx kostet nur ein paar Pfund und bietet grosse Möglichkeiten, auf PCs eine Umgebung mit den meisten gängigen Emulatoren komfortabel einzurichten. Man kann effizient nach Games suchen, Favoriten anlegen, Hintergrundmusik (Mp3 und Internetradio) und Screensaver mit Gamedemos abspielen, die Möglichkeiten sind enorm. Mit GameEx kann man sein Cabinet schlicht auch als Jukebox mit Bildschirm verwenden.

Empfehlenswert als Lösung für Arcade-Gaming-Einsteiger (und vor allem Günstiger als ein ganzes Cabinet) ist ein X-Arcade Board Controller, der auf der Website des Herstellers und auf gängigen Handelsplattformen im Netz erhältlich ist.