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Jetzt gehts aufwärts…

Charmebolzen

Charmebolzen

…oder wer wäre wohl besser geeignet, den UBS-Karren aus dem Dreck zu ziehen als der Herr Grüsel Grübel?  Dieses sympathische Zwänzg-ab-Achti Mäulchen, dünkt mich, lässt doch die Fehlinvestitionen und Milliardenverluste subito vergessen und optimistisch in die Zukunft schauen. Da kommt wieder Vertrauen auf und man möchte diesem Mann das Batzeli am liebsten persönlich in die Hand drücken. 

Also auf, liebe Leute, es ist an der Zeit eure Geldsäcke unter dem Kissen zu befreien und husch, husch zur nächsten UBS-Filiale zu bringen.

Oder können diese Augen lügen?




Auch ein Herr Kurer hat seine Probleme

Es ist verdammt schwierig, heutzutage noch eindeutige Feindbilder zu haben. Früher, ich meine, früher, als wir noch Billigzigarettenrauch durch Arafat-Tücher geblasen haben, da war das noch viel einfacher: die in den Banken, das waren die bösen Kapitalisten, und die davor, das waren die lieben Antikapitalisten. Die Bösen waren dafür, dass der Staat sich wie ein alter, zahnloser, impotenter Tattergreis aufführt und sie gefälligst in Ruhe lässt. Und so Spinner wie ich reckten die Faust in die Luft, weil wir wollten, dass der Staat mehr wie ein hübsches, liebes Mami wird, das uns umsorgt und uns die Windeln nicht nur bezahlt sondern auch noch höchstpersönlich anlegt und uns den Arsch dreimal täglich pudert.

Diese Zeiten, liebe Leute, sind jetzt vorbei. Nehmen wir beispielsweise den armen Herrn Kurer von der UBS. Früher hätte ich gesagt: “Scheisskapitalist! Verdient Millionen auf dem Buckel von Millionen! Hängt ihn am höchsten Laternenpfahl auf!”. Und heute merkt man, dass auch dieser Mann seine Probleme hat, gegen die die unseren doch eher jämmerlich anmuten. Ich meine, wenn ich jetzt sofort auf die Hälfte meines Lohns verzichten müsste, was wären das? Paar tausend Kröten? Völlig irrelevant, davon kann man sich ja noch nicht mal ein ordentliches Auto kaufen. Herr Kurer hingegen verliert auf einen Schlag MILLIONEN! Das sind mal Probleme!

Natürlich bleiben ihm noch genau so viele Millionen übrig, aber das ist ja nicht das Thema. Weil, der Kurer und seine Getreuen haben eben Verantwortung zu tragen. Genau wie der Herr Ospel oder der Herr Wuffli damals. Und Verantwortung, das muss mal gesagt sein, gibts nicht einfach nur so für ein paar Fränkli, da muss man schon tief in die Tasche langen, um so viel Verantwortung auch bezahlen zu können. Denn, wie war das noch mal, vor der Ewigkeit von… zwei Monaten, wenn so Sozialromantiker wie ich anmerkten, das gegenwärtige System des All-you-can-eat bei den Managerlöhnen und -boni sei jenseits allen Anstands? Da wurde man belächelt, verbal getätschelt und es wurde einem von einem brummenden Patriarchen-Bass erklärt, dass eben nur dann die besten Leute kommen täten, wenn man diese auch super entlöhne. Dass man nur dann Top-Manager finde, wenn diese für die unglaubliche Verantwortung, die sie tragen würden, auch unglaublich gut entschädigt würden.

Habt ihr das denen damals echt geglaubt? Ich meine… wirklich geglaubt?

Heute ist das ja total anders, weil da nimmt der Herr Kurer in der Tagesschau auch gerne mal Worte wie ‘Ethik’ oder ‘Moral’ in den Mund, ohne in Würgekrämpfe oder hysterisches Gelächter auszubrechen. Mittlerweile lässt sich die grösste Schweizer Bank vom Bund mit einem zarten Tüchli die Fäkalien entfernen, pudern, eincrèmen, wickeln; “Jä-tu-tuuu!” und einen Muntsch aufs Fudi gibts auch noch, ohne dass die Führungsriege damit ein Problem hätte. Was bei jeder x-beliebigen Branche einem ‘Rückfall in den Kommunismus’ gleichgekommen wäre, ist hier absolut kein staatlicher Eingriff und marktwirtschaftlich sinnvoll. Wir lernen: ethisch ist es dann, wenn es den Banken nützt.

Zum Glück meinen die Schweizerinnen und Schweizer ja immer noch, ‘UBS’ stehe für ‘unsere Bank der Schweizer’, wie dies gestern auch die Tante Egerszegi bei Giaccobo & Müller gequakt hat. Die UBS bekommt somit eine Art gefühlten Nationalbankstatus, was insofern beachtenswert ist, weil der gleiche Typ, der schon das eine ‘nationale Symbol’ in Luft auflösen liess (welch Wortspiel in diesem Zusammenhang!), jetzt am anderen Symbol herumkriselt. Herrn Kurer kann man somit guten Willens als ‘Symbol-Demontierer der Nation’ bezeichnen; ein Ehrentitel, den ich jetzt zugegebenermassen frei erfunden habe, der mich aber diebisch freuen würde, wenn er mir denn einmal verliehen würde. Da kann ich aber noch lange drauf warten!

Dschangos Prognose: die UBS wird in spätestens einem halben Jahr der Deutschen Bank verkauft. Die Nationalbank gibt es bis dahin nicht mehr; als Währungsreserve der Schweiz dient dann der Geldspeicher des Führers vom Herrliberg. Bald gibt es auch einen Film zum Grounding der UBS, mit Viktor Giaccobo als Peter Kurer und Whitney Toyloy als Bundesrätin Leuthard, Louis de Funès wird mit Hilfe modernster Computeranimation auferstehen und Bundesrat Merz spielen (in einer Nebenrolle: Matthias Hüppi als Thierry Carrel). Der Film wird ein riesiger Erfolg, vor allem im Multiplex-Kino des Westsides, wo die Leute anstehen werden bis zu den Nudelsuppen. In Langenthal und Burgdorf floppt der Film aber total. Gerne stellt sich Dschango fürs Drehbuchschreiben zur Verfügung, Angebote bitte an dschango@daumenschraube.ch, dankeschön.

Nochmal, damit es auch der/die Letzte kapiert: wir (du, ich, alle in den Arbeits- und Steuerprozess eingegliederten) bezahlen den Managern der UBS stattliche Boni dafür, weil sie so verdammt gut gwärchet haben. Als Detail spannend: Auch die Ex-Swissair-Angestellten bezahlen jetzt die Zeche für die Party, die diejenigen Banker, die ihnen den Job weggenommen haben, gefeiert haben.

Hmmm…

Man kann vom Kapitalismus denken was man will, aber vom Aspekt der Selbsterhaltung her ist das System unschlagbar.