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Peer Steinbrück, Finanzminister.

Werter Genosse Steinbrück

Ich verfolge die deutsche Politik mit grossem Interesse, lebe ich doch in dem kleinen Schurkenstaat am Südrand der Bundesrepublik. Sie haben ja jüngst für ein wenig Unruhe gesorgt, als Sie die Schweiz leicht undifferenziert angegriffen haben. Ich bin zwar längstens nicht einig mit Ihnen, habe jedoch eine gewisse Sympathie für Menschen, die deutliche Aussagen machen. Bei dem schon fast pathologischen Harmoniebedürfnis in der öffentlich-politischen Schweiz sind deutliche Aussagen generell erfrischend und wünschenswert.

Aber da gibt es das eine oder andere klitzekleine Problemchen. Es ist bespielsweise ein wenig dümmlich so zu argumentieren, als ob das schweizer Bankgeheimnis noch Wasserdicht und für die deutsche Finanzmisere mitverantwortlich wäre – da wurden Sie wohl falsch informiert oder Sie haben schlicht zu wenig sorgfältig nachgelesen. Dann wären da die Gewerkschaften, die in Deutschland deutlich über ihre eigentliche Existenzberechtigung hinaus Einfluss nehmen auf eine Art und Weise, die man getrost als wirtschaftsschädlich bezeichnen kann. Dann wäre da das selbst von gewieften Experten als unsäglich kompliziert titulierte deutsche Steuerrecht, dass offenbar von niemandem so richtig verstanden wird und teilweise sehr unfair zu sein scheint. Dann wären, last but not least, noch die EU-Gesetze zu erwähnen, an denen Deutschland eifrig mitgearbeitet hat, die einen 5-Nasen-Betrieb dazu zwingen eine Person alleine für den ganzen Bürokratiescheiss abzustellen. Effizient ist anders.

Dies, werter Genosse, sind allesamt sehr triftige Gründe, warum in Deutschland die Kacke dermassen am dampfen ist. Einen direkten Zusammenhang mit der Schweiz kann ich da noch nicht erkennen. So gesehen haben Sie mit ihren Angriffen ein bisschen in der eigenen Küche rumgeballert.

Natürlich sind Schweizerlinge auch keine Engel, man hat hierzulande viel zu lange nicht genau genug hingesehen, wenn die berühmten Geldkoffer nach Zürich, Genf oder Bern gebracht wurden. Andererseits gibt es hier mittlerweile und bereits seit Jahren eines der strengsten Geldwäschereigesetze auf der Welt, was man vielleicht auch in Betracht ziehen sollte. Und, um endlich auf des Pudels Kern zu kommen: Wenn Ihnen, werter Genosse, die guten Steuerzahler dermassen abhanden kommen, dann kann es nur daran liegen, dass anderswo steuerlich bessere und – vor allem – gerechtere Bedingungen herschen. Wenn Sie aber in einem Anfall von fehlender Selbstreflektion die Schweiz in einen Topf mit Despoten und Schurkenstaaten werfen, dann haftet ihnen sofort der Makel des undifferenzierten Lautsprechers an. Das ist ein Stereotyp, der seit dem zweiten Weltkrieg hierzulande tief verborgene Ängste, Ressentiments und Ablehnung hervorruft. Das sollten Sie bedenken, bevor Sie das nächste mal ihre Giftspritzen gen Süden richten.

Alles Gute und nicht zu fest ins Fettnäpfchen treten,

Ihr bestens unterhaltener Nasse Magnussen