Eine Familienfeier
Sonntag Morgen um Zehn in der Kirche, alle sind auf ihren Plätzen, der Tubel vorne im schwarzen Mantel startet den Gottesdienst. Eine enge Verwandte hat mich zu ihrer Konfirmation eingeladen… Da ich diese Verwandte sehr gut mag, habe ich mir die anderthalb Stunden geistige Vergewaltigung von Jugendlichen angetan.
Gottlob (sic!) war meine Schwester dabei. So trug es sich zu, dass wir bereits nach drei Minuten von dem Gelaber des Pfaffen die Nase voll hatten und uns gegenseitig anfingen zu piesaken. Hier ein Kniff, da ein kleiner Tritt, wir hatten unseren leicht subversiven Spass. Unser Vater stöhnte noch, dass wir auch als Erwachsene noch kein Gramm weiter seien als zu besten Kindheitszeiten. Ich erklärte ihm dann, dass vieles mit Langeweile und diesen unsäglichen Kirchenprozessen zu tun hätte.
Abgerundet wurde das ganze durch Kommentare einer weiteren Verwandten (13 Jahre alt), die mir von hinten rechts wichtige Infos zu den jeweiligen Konfirmanden ins Ohr flüsterte. Mein persönliches Highlight war der Kommentar zu der jungen Konfirmandin, die mit Abstand das tiefste Dekolletee von allen hatte: “Das ist die Dorfmatratze.”. Solche Momente finde ich episch.
Aufgrund der eher kurzen Nacht und der unsäglichen Hitze war ich dann froh, den Nachmittag mit viel schwarzem Kaffee und einem Bad im Familienpool bestreiten zu können. Es war schön.

