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Knallcharge reloaded

Heute könnte es ein wenig länger gehen. Doch fangen wir von vorne an.

Unser nördlicher Nachbar verliert gleich zwei streitbare Figuren, die in den letzten Jahren die Deutsche Politik massgeblich geprägt haben.

Einerseits hätten wir den angekündigten Abgang der konservativen Krawallbraut Gabriele Pauli, die den Stoiber Edi mit einem gut gesetzten Tritt vors Schienbein zum straucheln, dann letztendlich zu Fall gebracht hat. Das war allerdings zum grossen Teil alles, was die Dame an politisch relevantem für das Land hervorgebracht hat. Immerhin. Wir sagen tschüss, prost und wünschen viel Spass bei den zukünftig wohl vermehrten Ausritten mit ihrer Ducati Monster.

Andererseits hat Roland Koch angekündigt, seinen Bettel hinzuschmeissen. So wie es aussieht wurde er von der strategisch wieder mal griffigen Angie langfristig ins (bundespolitische) Abseits befördert, was diesen reaktionären und verbal gelegentlich haarscharf am Faschismus vorbeischrammenden Hardliner unter anderem wohl zum Rücktritt bewegt hat.

Natürlich will er seine Hackfresse auch zukünftig nicht im Zaum halten, das freut die konservative Klientel in Hessen und womöglich auch darüber hinaus. Nun gut, man muss halt auch wissen, dass man im schönen Hessen ja in Lokalzeitungen auch noch auf  Schwule eindreschen darf, ohne seinen Job als Provinzredaktor zu verlieren. Ist halt nicht alles Frankfurt, was den Löwen im Wappen hat.

Etwas ganz anderes hat Mark Gasson gemacht. Kurz zusammengefasst hat sich der Froscher einen Virus auf einem bei ihm implantierten RFID Chip (wir erinnern uns: Tiere und Produkte werden gerne mit diesem passiven System versehen) gepackt und ziemlich beeindruckend demonstriert, was bei dieser Technologie alles schief gehen kann.

Bei der nächsten Diskussion über Chip Implantate beim oder rund um den Menschen dürfte dieser Artikel einige gute Argumente für Gegner dieser Technologie bereit halten. Ich habe jedenfalls aufmerksam gelesen, denn die breite Diskussion um RFID hat erst begonnen.

Und dann dies: Eigentlich habe ich mir geschworen, dieses Thema sein zu lassen. Ich kann keine neuen Erkenntnisse bieten, geschweige denn einen konstruktiven Beitrag dazu liefern. Aber es muss raus.

Seit Jahren schon nerve ich mich immer wieder über Mitmenschen, die es nicht fertig bringen, sich im urbanen Raum anständig zu bewegen. Sei es beim Rangieren in öffentlichen Verkehrsmitteln, sei es beim Anstehen, halt dann, wenn grössere Menschenaufläufe abgefertigt werden müssen.

Heute war wieder einer dieser Tage, wo ich mich heimlich nach einem eigenen Auto sehne und in geistigen Bildern schwelge, in denen ich mich mit feiner Musik und geschlossenen Fenstern im Stau in meiner kleinen autistischen Autoblase entspanne. Natürlich mit einem automatischen Getriebe, da sind auch Krämpfe im Kupplungsbein Vergangenheit.

Ich liste die Knackpunkte in zeitlicher Reihenfolge auf:

  • Beim Umladen am Bahnhof stehen die wartenden Bus-Passagiere so rum, dass man als Aus- bzw Umsteiger über Bänke steigen muss, wenn man nicht über einen gefühlten Kilometer Umweg zur eigentlich nahe liegenden Destination machen will.
  • An der Wartestelle für den Bus ins heimische Gefilde ist es einer breiten Mehrheit offenbar nicht möglich so zu stehen, dass Passanten wenigstens halbwegs noch das Trottoir, das ja bekanntlich für den Fussgänger-Transfer bestimmt ist, artgerecht benutzen können.
  • Beim umladen des zweiten Busses dann das gleiche Spiel wie beim ersten Punkt. Zu dritt waren wir offenbar die einzigen, die das Drama erkannten und uns wenigstens Mühe gaben, den Aussteigern nicht im Weg zu stehen.
  • Im Bus selbst sass ich (beinahe 190cm, lange Arme und Beine, nur knapp genug Platz) wieder mal neben einem Dickerchen, das offenbar nicht in der Lage war, seine Beine auch nur annähernd so zusammen zu halten, dass sich unsere Oberschenkel nicht aneinander reiben. Da ich mein möglichstes bereits tat, bat ich um Nachsicht beim Sitznachbar. Ein abschätziger Blick war alles, was ich von dem Kohlenstoff-Bomber bekam.

An solchen Tagen macht man es mir sehr, sehr schwer, an das eigentlich dufte Konzept von öffentlich Verkehrsmitteln zu glauben. Es ist ja wie immer: Nicht das System ist das eigentliche Problem, sondern seine Teilnehmer, was dann leider auch auf das System abfärbt, zumindest in der Wahrnehmung.

Hiermit fordere ich den Führerschein für urbane Bewegung, wer den nicht schafft (Kranke, Behinderte, Alte und Kids mal ausgenommen) , darf das Stadtgebiet zur Rush Hour nicht mehr betreten. Oder man darf straffrei auf diese Idioten eindreschen. Echt jetzt.




Eine Frage der Moleküle

Ich finde, Frauen riechen von Natur aus gut. Keine Ahnung, wie die das machen, aber sie tun es. Quasi defaultmässig aufs Optimum voreingestellt – Hacks erübrigen sich.

Wenn mich eine Frau anmachen will, riecht sie nach Frau und nicht nach dem Chemiekasten eines Parfumeurs. Auch nicht nach Heublümchen, nicht nach Opium und schon gar nicht nach Steffi Graf, sondern einfach nach Frau. Ich bin da auch tolerant, was Schweiss angeht; dieser wirkt auf mich im Zweifelsfall zumindest weniger aufdringlich als eine tonnenschwere Parfumwolke, die den latent zugrundeliegenden Schweissgeruch sowieso mehr unterstreicht denn kaschiert.

Bei Männern ist es dasselbe. Ja, Männer riechen manchmal streng, so dass es Richtung Gestank geht. Aber trotzdem: lieber weiss ich via meiner Nase, dass mein Nachbar im Bus kürzlich dem ältesten aller Hobbies gefrönt und schon vor ein paar Tagen sein Ungerhösli zu wechseln vergessen hat, als dass ich diese Informationen plus einer Dosis Axe von gestern, plus einer Prise Rasierwasser von heute Morgen, plus einem Häuchlein vom Wunderbaum aus Muttis Golf empfange.

Ja, der Dschango hat eine ausgezeichnete Nase. Er riecht es sowieso, liebe Frauen, wenn ihr untenrum zyklusbedingt grad nicht dicht seid. Easy, vollstes Verständnis von meiner Seite her. Aber erspart mir doch bitte, dass die Gerüche eurer Ausflüsse von denjenigen der synthetischen Kamille überlagert werden, mit der eure Slipeinlagen präpariert wurden. Mit den Ausflüssen kann ich nämlich umgehen, mit Ausflüssen gemischt mit Syntho-Kamille eher nicht.

Ganz übel: wenn Frau seit Jahrzehnten dasselbe Parfum benutzt, in täglich steigenden Dosen, um die eigene Unempflindlichkeit gegenüber dem Duft zu kompensieren. Arme Junkies der Geruchsindustrie, zum sozialen Abstieg verdammt. Solche Frauen riecht man, lange bevor man sie sieht. Und beides ist nicht schön.

In meiner perfekten kleinen Welt würde olfaktorischer Exhibitionismus sowieso mindestens so streng bestraft wie Rasen mit dem Auto: die Dunkelziffer, wieviele Unfälle jedes Jahr geschehen, weil Piloten aufgrund der Ange-ou-Démon-Granate einer Flight Attendant während Sekunden ins Koma fallen, wird von Experten als “wahrscheinlich verdammt uhuere hoch” eingeschätzt.

Auch so eine Sache: Düfte, die auf einer von mehreren Personen benützten Toilette nun mal vorkommen. Niemand konnte mir bisher erklären, warum der Gestank von verbranntem Schwefel in einer Toilette angenehmer sein soll als derjenige von einem gesunden Schiss, der immerhin dorthin gehört, im Gegensatz zu Schwefel, der in Toiletten nur extrem selten natürlich vorkommt.

In diesem Zusammenhang möchte ich mal denjenigen Menschen, die unter latenter oder voll ausgebrochener Bakterien-Paranoia leiden, ein für alle Mal den Rest geben. Darauf freue ich mich schon lange, also passt gut auf, hier gibts was zu lernen!

Wie wir ja alle wissen, sind Düfte nichts anderes als Mokeküle. Was wir als Duft erleben, ist der Reiz, den ein Duftmolekül beim Andocken an einen entsprechenden Rezeptor in unserer Nase auslöst (Details hier). So weit, so gut. Was viele Leute (erfolgreich) verdrängen: ein Duft ist nicht etwas ätherisch-feinstoffliches, sondern etwas ganz und gar Handfestes, eine chemische Verbindung nämlich. Bevor sie nun auf unseren Riechkolben trifft, reist diese Verbindung fröhlich durch die Luft und hat ihren Ursprung – Achtung! – in dem Objekt, von dem sie abgesondert wurde.

(Denkpause)

Na, hat es eingeschlagen? Oder bist du dir der Tragweite dieser Einsicht immer noch nicht bewusst? OK, ich helfe dir auf die Sprünge: wenn es nach Kothaufen riecht, hast du tatsächlich ein Stück Scheisse in der Nase. Riecht es nach Schweiss? Dann ist der Schweiss so präsent in dir, wie er es nie wäre, würde der Schwitzende dir mit der nassen Hand bloss über den Rücken fahren. Riecht es nach Sonntagsbraten? Dann, lieber Vegi, hast du dir selbigen soeben einverleibt, ob du willst oder nicht. Und wenn es tötelet, weil eine dahingegangene Maus unter dem Sofa verrottet – ja, dann hast du soeben tatsächlich ein Stück langsam vor sich hinfaulender toter Maus in deiner Nase gehabt. Oder kurz: was du riechst ist in dir.

Witzige Vorstellung, nicht? Vor allem, wenn man bedenkt, wie nahe die Nase dem Mund ist und wie nicht existent die hermetische Schranke zwischen den beiden.

Den LeserInnen, die noch nicht aufgehört haben zu atmen, muss spätestens jetzt völlig klar sein, warum künstliche Düfte bei mir pfui sind, egal ob für die Wohnung, den Hund, das Auto oder die Slipeinlage: Ich rieche gern, was ist. Wir können es sowieso nicht umgehen, mit der Welt um uns in Berührung zu kommen, schon gar nicht, was unser Riechorgan betrifft. Folglich vermeide ich tunlichst, die Welt durch das olfaktorische Äquivalent zu einer rosaroten Brille zu betrachten.

Meine Nase ist mein Auge ist mein Ohr.