Fellinis Inspiration
Ist gar nicht so einfach, ein Thema für einen gebührenden Einstiegsbeitrag zu kreieren. Wieso verlässt einen Kreativität und Inspiration immer just in dem Moment, wo sie gebraucht werden? Die leere Seite auf dem Computer starrt mich kaltschnäuzig an. Füll mich, scheint sie hämisch zu grinsen. Zum wiederholten Male stehe ich auf, studiere meinen Ipod und bin sehr beeindruckt von meinem vielfältigen Musikgeschmack und den vielen liebevoll erstellen Wiedergabelisten. Noch eine Zigarette und einen Espresso denk ich mir, dann kommt bestimmt die ganz grosse Idee, der Knüller sozusagen.
Ich stehe auf dem Balkon, Themen schwirren mir durch den Kopf. Mal kann ich sie fassen, mal sind sie ungreifbar. Wie eine Sternschnuppe, die erst klar vom Himmel fällt um dann im Nichts zu verschwinden. Zurück ans Notebook, voller Elan und Wille. Wieso merke ich eigentlich erst jetzt, dass ich Hunger habe? Schnell zum Kühlschrank, mal sehen, was sich aus einem abgelaufenen Salat, einem Käse, dem die Bezeichnung Schimmelkäse mehr als gerecht wird und einer Tiefkühlpackung Erbsen machen lässt. Irgendwie vergeht mir der Appetit und ich entscheide mich stattdessen für ein Glas Wein. Soll ja inspirieren und lustig machen. Mal sehen.
Also, ein weiterer Anlauf. Mein Lappi hat sich mittlerweile in den Ruhemodus versetzt. Hat sich wohl meinem Zustand angepasst. Die ersten Zeilen entstehen, zögerlich und unbeholfen. Wie haben Schreiberlinge eigentlich früher gearbeitet als es noch keine Computer gab? Wo sind die Unmengen an verschwendetem Papier gelandet, wenn die Ideen sich jeweils als doch nicht so erquickend erwiesen und haufenweise irgendwo zerknüllt in der Ecke landeten? War Umweltschutz damals auch schon ein Thema? Gab es die Grünen zu dieser Zeit eigentlich auch schon? Und wenn ja, haben sie damals anstatt gegen Offroader gegen Schriftsteller Unterschriften gesammelt? Fragen über Fragen.
Nun gut, der Wein ist alle, die Müdigkeit macht sich breit. Das wird heute wohl nichts mehr. Aber ich geb die Hoffnung nicht auf, dass mich heute Nacht der Geist eines grandiosen italienischen Regisseurs in meinen Träumen heimsucht und mir ganz viel Inspiration schenkt. Solls ja bekanntlich geben. Hat doch der alte Fellini jüngst unserem Mundartbarden Büne Huber im Schlaf den neuen Albumtitel eingeflüstert: “The Rimini Flashdown” – wenn das mal nicht kreativ ist.

