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Grüne Eier, unschwule Filme, nuttige Models und ein drittplatzierter alter Sack

Himmel, Arsch und Zwirn, wie ging es ab bei mir die letzten Wochen… meine Schräubchen-Aktivität hat darob arg gelitten, deshalb: mea culpa. Als klitzekleine Entschädigung wird dieser Artikel mal wieder epische Länge aufweisen. Genauso wie die Liste der Tags zu diesem Artikel. Soll ja niemand sagen, ich schaue nicht zu meinen LeserInnen.

Also: Jahreswechsel war bekanntlich, bzw sogar Jahrzehntewechsel; hoffe, die werte Leserschaft ist gut geflutscht. Bei Beinharts gings wie immer im entspannten Rahmen über die Bühne, unaufgeregt und inmitten vieler lieber Leute. Und ich darf beruhigen: die neue Scheisse scheint zum Glück noch 1:1 der alten Scheisse  zu entsprechen, kein Grund also, sich auch nur annähernd neu zu orientieren. Der Bundesrat ist noch genauso ratlos wie letztes Jahr, Merz hat sein Gesicht noch immer nicht gefunden, Leuthard ihr rechtes Auge noch immer nicht schliessen können und generell darf gesagt werden, dass Denkbefreitheit nach wie vor Breitensport ist.

Soweit so gut.

Eier trotz grün

Aber trotzdem gibt es ein paar Dinge, die neu sind. Da war beispielsweise ein gewisser Diego Hättenschwiler (mir bis dato völlig unbekannt, aber offenbar Delegierter der Berner Grünen), der meiner bescheidenen Meinung nach der bisher erste Grüne ist, bei dem zwischen den Beinen etwas anderes als handgerollte Filzkügelchen aus Bio-Wolle baumelt. Und genau dorthin (zwischen die Beine, aber am anderen Ende als an dem, wo idR die Kronjuwelen hängen) zielt auch die Diskussion, die Hättenschwiler anstossen will: die Beschneidung von Knaben ohne entsprechende medizinische (!) Indikation, bei Mädchen ein Straftatsbestand, müsse endlich diskutiert und verboten bzw bestraft werden. Man kann sich vorstellen, dass unsere beschnittenen Mitbürger exotischer Religionszugehörigkeiten am Toben sind.

Dschango aber sagt: Recht so! Meinen Segen habt ihr, liebe Grüne! Endlich wird an einem Tabu gerührt, das mir schon seit Jahren auf den Sack geht und anderen an die infantile Vorhaut. Ich meine: es kann ja nicht sein, dass wenn ich volljährigen, mündigen Leuten auf ihren Wunsch hin ein Piercing verpassen möchte, von Gesundheitsamt und Gewerbepolizei kontrolliert werde, es aber kein Problem darstellt, wenn tatterige Hobby-Chirurgen mit unsichtbaren Freunden auf dem Copiloten-Sitz an Geschlechtsteilen von Säuglingen herumschnippeln. Es ist mir völlig schnuppe, wenn dies zwischen Erwachsenen im Konsens geschieht. Ihr könnt euch dann gegenseitig alle möglichen Körperteile absäbeln, ob von Gott angeordnet oder nicht, ob alte oder neue Tradition, es geht mir komplett am Arsch vorbei. Aber die Lizenz zur Misshandlung von Säuglingen, nur weil man einer bronzezeitlichen Endzeit-Sekte angehört? Hallo?!?

Spassig ist die Reaktion des Schweizerischen Israelischen Gemeindebundes: erstens sei die jüdische Beschneidung eine alte Tradition (das allein rechtfertigt ja schon sämtliche Verstümmelungen), zweitens sei die Beschneidung von Juden durch die Religionsfreiheit geschützt (logo, wir stellen in der Schweiz die Religionsfreiheit grundsätzlich über alle anderen Grundrechte, vor allem über diejenigen von Dritten, und ganz besonders dann, wenn die Dritten minderjährig sind) und schliesslich habe die Beschneidung von Knaben handfeste Vorteile, denn sie vermindere das Risiko von Harnwegsinfekten und Peniskrebs. Letzteres stimmt tatsächlich, theoretisch zumindest, man kann denselben Effekt aber auch erzielen, indem man seine Nille hin und wieder “guet mit Söifi und Wassr” wischt. Das BAG hat scheints schon einen entsprechenden TV-Werbespot mit Ali Kebap in der Hauptrolle geplant – man will ja auch die muslimischen MitbürgerInnen erreichen.

Und übrigens: wenn die Theorie des SIG tatsächlich hinhauen würde, wäre Pimmelkrebs in Israel, den USA und fast allen arabischen Ländern komplett ausgerottet. Ist er das? Eben.

Abschliessend kann ich Herrn Hättenschwiler zu seinen haarigen Klöten nur eine unglaublich dicke Haut wünschen. Er wird sie, im traditionell religiösen Absurditäten Sympathie entgegenbringenden Grünen-Umfeld, bitter benötigen.

Ghey secks for teh win!

So apropos “bestens unterhalten”: wir (Hase, Dschango, der Franzose) waren neulich mal wieder im 3D-Kino, “Avatar” ansehen. Wir waren begeistert! Selten, dass ich nach Filmende das dringende Bedürfnis hatte, den Film gleich nochmal zu schauen (machen wir dann auch noch, Mitte-Mitte ist das Stichwort). Die Story ist zwar in maximal drei Hauptsätzen erzählt (ganz witzig: in der Pause haben wir drei überlegt, wie der Film weitergeht, und wir haben im Detail jeden einzelnen Strang genau so fertiggesponnen, wie er dann auf der Leinwand tatsächlich kam), das hat uns aber nicht wirklich gestört – vor lauter Gucken kommt man eh kaum zum Denken.

Weniger Freude an dem Film hatten einzelne Transgender/Schwulen/Lesben/WTF-Verbände, die auch zum Boykott gegen den Film aufriefen. Wieso das denn, könnte man sich fragen. Ganz einfach: im ganzen Film kommt kein einziger Schwuler vor, keine einzige Lesbe (OK, Frau Weaver spielt mit, immerhin), nicht ein Transgendator, keine Transen, null Sex (letzteres würde ich als valides Argument noch so halb unterstützen). Und das geht so natürlich nicht.

Ich träume schon von einer Welt, in der man keinen Film mehr machen darf, ohne nicht eine Liste von Quoten-Minderheiten rollentechnisch zu berücksichtigen. Das heisst, egal ob Krimi, Science Fiction, HdR, Kostümschinken oder Disney-Weihnachtsfilm, neu müssen folgende Sprechrollen zwingend enthalten sein (die Liste ist als ‘work in progress’ zu verstehen und muss noch durch das BunDesamt zum Schutz von Minderheiten [BDSM] freigegeben werden):

  • 3 Juden (1 orthodox,  1 liberal, 1 de facto-Atheist)
  • 1 Uigure (einfach bloss, um China anzupissen)
  • 2 Muslime
  • 5 Fetisch-Liebhaber, Ausrichtung je nach Wunsch und/oder Präferenz des Regisseurs besetzt
  • 1 Zeuge Jehowas
  • 1 Atheist
  • 2 Personen mit Schuhgrösse >= 45
  • 1 Agnostiker
  • 3 Schwule (davon mind. 1 Ledertrine, kann nicht anstelle eines Fetisch-Liebhabers [s.o.] besetzt werden!)
  • 2 Lesben
  • 8 Informatiker
  • 1 abgehalfteter Ex-Bundesrat mit Profilneurose, Messias-Komplex und Verfolgungswahn (guckt nicht so: endlich ein Job, für den der Mann wirklich die beste Wahl ist!)
  • 6 Hundehasser
  • 1 Outdoor-Fanatiker
  • 2 Bisexuelle
  • 2 Vegetarier
  • 24 Zigeuner (kann man immer, in jedem Film brauchen!)
  • 1 Asexueller
  • 3 Versicherungsvertreter
  • 1 Kleinwüchsiger
  • 3 Schwarze, die Afroamerikaner genannt werden möchten
  • 2 Afroamerikaner, die Schwarze genannt werden möchten
  • 2 Inder
  • 8 Detailhandelsangestellte (paritätisch zwischen Coop und Migros aufgeteilt)
  • 1 Analphabet
  • 5 Fettleibige (BMI nicht unter 52 pP)
  • 3 Magersüchtige (BMI nicht über 7 pP)
  • 4 Allergiker

Man müsste auch noch bestimmen, ob man als Regisseur kumulieren darf, also zB mit einer schwarzen, lesbischen, magersüchtigen, muslimischen Inderin gleich fünf Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Ich wüsste da ein paar Leute, die so den Sprung in die Selbständigkeit wagen und sich ein recht schickes, regelmässiges Einkommen sichern könnten.

Ach übrigens, mein altes Vorurteil, dass man einfach kein schlechter Mensch sein kann, wenn man einen derart appetitlichen Arsch wie die Frau Rodriguez hat, dieses Vorurteil hat sich dann im zweiten Teil des Films vollumfänglich bestätigt. Das Vorurteil wird folglich per sofort zum Dogma erhoben.

Der Zahn der Zeit

Bevor jetzt die Gerüchte wieder überkochen: Dschango ist trotz seines hohen Alters noch ein extrem Agiler, Wendiger, ja, gar ein sich stromlinienförmig durch die Welt Bewegender. Physisch wie geistig, wie ich anmerken darf. Trotzdem lässt sich nicht leugnen: wir bauen langsam aber sicher ab.

Da war beispielsweise der Vorfall bei einem Kunden. Es ging darum, ihm ein Outlook 2007 zu installieren (nicht hinterfragen, manchmal muss ein Mann einfach tun, was ein Mann tun muss). Alles lief recht smooth ab, ich startete dieses doofe Outlook, “wollen Sie Konto einrichten”, neeee, wie immer halt, mach einfach weiter du Depp… *tschägäng-tschabbawahnsinn*… Oh-lala, wie bunt sieht das denn aus? Gut. Ich versuche, ein eMail zu verfassen, um zu schauen, wie sich das Teil so anfühlt. Neue Nachricht, Adresse eingeben, Subject, Text. Und abschicken. Hmmm… wo zum Henker ist der ‘Send’-Button…?

Suchen, suchen, suchen… Zillionen von Optionen, Myriaden von Ribbons, Knöpfe agogo, aber keiner, der ein Mail zu versenden verspricht. Panik macht sich breit. Erstmal den Kollegen rufen (knapp 20 Jahre jünger), er soll den Send-Button finden. Grosses Gelächter, “na Dschango, jetzt gibst aber wirklich ab, ne?”, er setzt sich hin… und sucht… und sucht… und sucht… irgendwann dann “Gopfertami!”, aber immer noch kein Send-Button.

Also mal Google anwerfen, und siehe da: ungefähr 600′000 Einträge, alle mit demselben Problem. Und die Lösung? Outlook 2007 kann zwar Mails schreiben, wenn noch kein Konto definiert ist, logischerweise aber keine verschicken. Ein ‘dummer’ Mailclient würde jetzt einfach eine Fehlermeldung ausgeben. Und Fehlermeldungen sind gut! Mit Fehlermeldungen kann ich umgehen! Fehlermeldungen verdanke ich seit 20 Jahren einen Grossteil meines Einkommens! Weil aber der Dreck aus Redmond gerne mal für den User denkt, zeigt er in der Folge ganz einfach keinen Send-Button an, so im Stil von: “Hach, du hast in dem Moment, als ich wollte, nicht das gemacht, was ich für dich vorgesehen habe. Weisste was? Du kannst dir deinen Send-Button sonstwohin stecken. Bevor du den zu sehen bekommst, darfst du mich jetzt erstmal eine halbe Stunde lang bewundern… bin ich nicht schön geworden? Hast du gesehen? Neuer Lidschatten! In Farben, von denen du gar nicht wusstest, dass sie existieren! Oder streichle mal meine Ribbons, wie sie hübsch aufribbeln…Wie…? Ah jetzt lass mal den blöden Send-Button, schau doch mal, die Schuhe…!!

Es ist ein bisschen so, als ob man Paris Hilton  zu seinem Mailclient machen würde. Und das verstehe ich nicht, warum man das tun möchten sollte. Aber gut, das kann man noch damit erklären, dass ich einfach ungern Micromist benütze. Oder dass 600′000 Google-Hits tatsächlich von einem nicht durchdachten System zeugen. Aber letzthin stand der Dschango an der Tramhaltestelle und sah vis-à-vis ein Plakat hängen. Bisher ist das noch überhaupt nicht erwähnenswert, ihr könnt eure Münder also erstmal wieder zumachen. Aber was Dschango da las, war erstaunlich: “Peniskassen” stand da nämlich, in riesigen Lettern auf dreifaches Weltformat gedruckt, appliziert auf einer hundskommunen APG-Plakatwand. Nein, der Zusammenhang mit der BAG-Kampagne wider den Schwanzkrebs muss hier nicht hergestellt werden, weil der zweite (dritte?) Blick enthüllte, dass das Wort eigentlich “Pensionskassen” hiess.

Zehn Minuten später, Dschango wirft einen Blick auf den BlAbend, und was steht da: “Nuttig! Martina wird Model”, darunter ein Foto von einer etwas seltsam posierenden Frau Hingis. Dschango war erstaunt, weil, auch wenn er die Frau Hingis eine eher unattraktive findet und sich immer panisch die Ohren zuhält, wenn er sie sprechen hört: sie als “nuttig” zu bezeichnen erschien ihm dann doch etwas gar derb. Erfreut bemerkte er, nachdem er sein Haupt mehrmals irritiert geschüttelt hatte, dass das Wort eigentlich “mutig” hiess. Und Dschango überlegte, ob es nicht langsam doch Zeit für eine Brille wird.

Auf der anderen Seite ist da noch ein anderes als das vorgängig erwähnte Büro-Gspandli, das, mit Blick auf den BlAbend auf meinem Pult, meinte:

“Hey, weisch was hani zersch gläse?!”

“Nuttig?”

“Genau!!”

Und dieses Gspändli ist doch ein paar Jährchen jünger als ich. Und hat bereits eine Brille. Kann also noch nicht so schlimm sein mit dem alten Dschango.

Und was war sonst noch?

Bei unserem alljährlichen XMas/New Year-Pokerturnier (Schrauben-Red, Schrauben-Red-Hasen, Friends) wurde der Dschango dieses Jahr Dritter. Immerhin. Bisher war er noch immer im Heads Up, das wollte diesmal irgendwie nicht klappen. Im Gegensatz zu meinen werten Blog-KollegInnen (beide relativ sang- und klanglos ausgesemmelt, HA!!) bin ich aber sehr zufrieden, vor allem, weil meine beste Hand des ganzen Abends ein 10er-Trilling war, der von einem Full House verdient geschlagen wurde. Die Bilanz des Abends gestaltete sich trotzdem erfreulich: ausschliesslich mit Bluffs SFr. 11.- verdient und noch die nächsten zwei Tage an den (selbstinduzierten) Folgen des Poker-Events gelitten.

Sch’äbe geng das.




Mann oh Mann!

Keine Angst, heute gibts nichts zum Thema Gaddafi/Merz. Ist ja echt dröge langsam, immer auf demselben Thema herumzuhacken. Mittlerweile beschäftigt sich sogar der Nationalrat mit dem Thema, was in der Regel darauf hindeutet, dass sich keine Sau mehr dafür interessiert. Also weg damit.

Stattdessen möchte ich der werten LeserInnenschaft in Erinnerung rufen, dass am 9.9.09 erstmals (?) der Tag des Mannes gefeiert wurde. Hurra, Heissa, Trallala! Es war ein total wilder Tag, an dem mein Y-Chromosom von oben bis unten beschenkt, gewürdigt und gefeiert wurde.

Naja, in meinen Träumen vielleicht.

Den Kommentar von Hase, was sie mir denn Gutes antun werde am Feiertag der Männlichkeit, kann ich hier leider nicht ganz adäquat abbilden. Es war sehr laut, schrill und enthielt ganz viele Silben wie “muhahahaaaahahaaahaaaaaaa!!!”. Entsprechend konsterniert startete ich in den Tag, der keineswegs besser wurde, je länger er dauerte.

Die finale Ausbeute des Manntages: ein mudriges Plastiksäckli von l’Oreal, zu einem Sechstel “gefüllt” mit drittklassigen Pflegeprodukten “für den Mann”, dazu noch einen Industrie-Espresso im Plastikbecher. War jetzt voll der Bringer, habe mich selten so männlich gefühlt.

Aber schon interessant: während man (!) am Tag der Frau über Themen wie Gleichberechtigung diskutiert, liegt der Fokus beim Tag des Mannes darauf, uns optisch einigermassen passabel und wach zu machen. Das sollte schon zu denken geben.

Da fällt mir ein, dass es neu “Kino speziell für Männer” gibt. Find ich ja gut, im Prinzip. Jeder Randgruppe ihr eigenes Kino, von mir aus können sie auch Kino speziell für maso-pädophile Tourette-Tetraplegiker mit einer Sackhaarphobie machen, wurscht. Aber es wundert mich ja schon, dass sich ein Haufen (mutmasslich heterosexueller) Männer dafür einsetzt, für ein paar Stunden ausschliesslich mit Geschlechtsgenossen in einem dunklen ZImmer hocken zu dürfen, während dazu ein Film läuft. Ich bin ja nicht in der Szene, aber soweit ich weiss, hätten sie das schon vor Jahren an jeder x-beliebigen Gay-Party haben können.

Oh Mann… jetzt, wo ich bei schwul und Tourette bin, kommt mir grad der Gaddafi wieder in den Sinn, aber ich habe ihn ja nicht mehr erwähnen wollen.

Voll die Zwickmühle.




Und wer denkt an Graubünden?

Der Herr Gaddafi, der ist ja ein Lausbub.

Zuerst liess er den Bundesmerz ein lustiges Tänzchen aufführen und lachte sich wohl den revolutionären Arsch wackelig, als er das Schweizer Medienecho darauf vorgelesen bekam. Und dann steht in der Zeitung, dass er der UNO-Vollversammlung (der Libyen nächstes Jahr übrigens vorsitzt) vorschlagen will, die Schweiz, den alten terroristischen Schurkenstaat, zu zerschlagen und auf die Nachbarländer aufzuteilen: die Deutschschweiz den Deutschen, die Frankophonen an Frankreich, das Tessin an Italien.

Gut, der Vorschlag wurde bereits zurückgezogen, weil er die die Satzung der UNO verletzt. Aber ist das nicht gar kleinlich? Weil, man muss ja zugeben: dies würde einige Probleme lösen. Das ganze strukturschwache Zeug ginge an Frankreich (die bekämen dann ja schliesslich auch Genf zum Ausgleich), die Tessiner sind eh wöhler in Italien und mit dem neuen Steuerabkommen sind wir ja sowieso irgendwie schon fast ein bisschen Deutschland. Herr Gaddafi ist hier also durchaus visionär, wenn nicht gar revolutionär. Aber das ist er ja sowieso schon, der Herr Revolutionsführer.

(Da fällt mir ein: Gaddafi sieht ein bisschen aus wie meine verstorbene Oma. Also, als sie noch gelebt hat, meine ich jetzt. Können wohl beide nix für, ausser dass sie beide ein Faible für Sonnenbrillen aus den 70ern haben. Bzw gehabt haben. Und übrigens hätte die ganze Libyen-Affäre gar nie stattgefunden, wenn wir den Bundesmerz vor seinem Besuch in Tripolis mit ein bisschen Lametta und einem lustigen Generalissimo-Hut eingekleidet hätten, weil do in Rome like the Romans do. Das aber nur ganz nebenbei.)

Blöderweise, bei allem VisioRevolutionismus, hapert es mit der Allgemeinbildung beim Herrn Führer. Weil, bei seiner klugen Raumaufteilung hat er die Bündner total vergessen. Scheisse auch. Die Daumenschraube hat sich mal so unverbindlich erkundigt, ob allenfalls Liechtenstein (noch so ein Streitpunkt) die Bündner übernehmen würden. Leider kam da schon eine Absage, man habe schon jetzt kaum genug Briefkästen für alle EinwohnerInnen und man studiere ebenfalls an einem Anschluss ans Reich herum, sie haben deshalb kein Interese am Graubünden. Auch Österreich will nicht: man habe bereits genug starrsinnige Bergler und Steinböcke finde man per se schiach, also naa und schleichts eu, seavus.

Schade eigentlich.

Eine Möglichkeit wäre natürlich, Graubünden zu einer libyschen Exklave zu machen. Mit dem vom Bundesmerz verbockten ausgehandelten Vertrag wäre das kein Problem; wir haben ja neu schon libysches Recht hier. Ausserdem, wenn man einen Bündner mit einem Bettlaken und einer Porno-Sonnenbrille ausstaffiert, dann sieht der voll aus wie ein libyscher Revolutionsführer, merkt jetzt keiner den Unterschied. Reden tun beide in unverständlichem Idiom, also bitte. Jetzt müsste man den Laden nur noch in “Grübien” umbenennen und fertig wäre der Kuchen.

Ist halt alles eine Frage der Definition. So wie bei den Geiseln: die sind neu Geschäftsleute auf Libyenbesuch, die zufälligerweise Visa-Probleme haben. Auch der Bundesmerz-Besuch ist als Erfolg zu werten, schliesslich haben wir unsere Geiseln bereits nach zwei Tagen aus dem Gefängnis gehabt, während andere Länder ihre Krankenschwestern jahrelang in Kerkern schmoren lassen – sch’gengdas.

Und so ist wohl auch Merz’ Ankündigung, er werde sein Gesicht verlieren, wenn die Geiseln (pardon: Geschäftsleute) bis am 1. September nicht zurück sind, zu verstehen: nicht als konkrete Zusage, sondern als Wunschvorstellung.




Geiseln

Wo?




Auch ein Herr Kurer hat seine Probleme

Es ist verdammt schwierig, heutzutage noch eindeutige Feindbilder zu haben. Früher, ich meine, früher, als wir noch Billigzigarettenrauch durch Arafat-Tücher geblasen haben, da war das noch viel einfacher: die in den Banken, das waren die bösen Kapitalisten, und die davor, das waren die lieben Antikapitalisten. Die Bösen waren dafür, dass der Staat sich wie ein alter, zahnloser, impotenter Tattergreis aufführt und sie gefälligst in Ruhe lässt. Und so Spinner wie ich reckten die Faust in die Luft, weil wir wollten, dass der Staat mehr wie ein hübsches, liebes Mami wird, das uns umsorgt und uns die Windeln nicht nur bezahlt sondern auch noch höchstpersönlich anlegt und uns den Arsch dreimal täglich pudert.

Diese Zeiten, liebe Leute, sind jetzt vorbei. Nehmen wir beispielsweise den armen Herrn Kurer von der UBS. Früher hätte ich gesagt: “Scheisskapitalist! Verdient Millionen auf dem Buckel von Millionen! Hängt ihn am höchsten Laternenpfahl auf!”. Und heute merkt man, dass auch dieser Mann seine Probleme hat, gegen die die unseren doch eher jämmerlich anmuten. Ich meine, wenn ich jetzt sofort auf die Hälfte meines Lohns verzichten müsste, was wären das? Paar tausend Kröten? Völlig irrelevant, davon kann man sich ja noch nicht mal ein ordentliches Auto kaufen. Herr Kurer hingegen verliert auf einen Schlag MILLIONEN! Das sind mal Probleme!

Natürlich bleiben ihm noch genau so viele Millionen übrig, aber das ist ja nicht das Thema. Weil, der Kurer und seine Getreuen haben eben Verantwortung zu tragen. Genau wie der Herr Ospel oder der Herr Wuffli damals. Und Verantwortung, das muss mal gesagt sein, gibts nicht einfach nur so für ein paar Fränkli, da muss man schon tief in die Tasche langen, um so viel Verantwortung auch bezahlen zu können. Denn, wie war das noch mal, vor der Ewigkeit von… zwei Monaten, wenn so Sozialromantiker wie ich anmerkten, das gegenwärtige System des All-you-can-eat bei den Managerlöhnen und -boni sei jenseits allen Anstands? Da wurde man belächelt, verbal getätschelt und es wurde einem von einem brummenden Patriarchen-Bass erklärt, dass eben nur dann die besten Leute kommen täten, wenn man diese auch super entlöhne. Dass man nur dann Top-Manager finde, wenn diese für die unglaubliche Verantwortung, die sie tragen würden, auch unglaublich gut entschädigt würden.

Habt ihr das denen damals echt geglaubt? Ich meine… wirklich geglaubt?

Heute ist das ja total anders, weil da nimmt der Herr Kurer in der Tagesschau auch gerne mal Worte wie ‘Ethik’ oder ‘Moral’ in den Mund, ohne in Würgekrämpfe oder hysterisches Gelächter auszubrechen. Mittlerweile lässt sich die grösste Schweizer Bank vom Bund mit einem zarten Tüchli die Fäkalien entfernen, pudern, eincrèmen, wickeln; “Jä-tu-tuuu!” und einen Muntsch aufs Fudi gibts auch noch, ohne dass die Führungsriege damit ein Problem hätte. Was bei jeder x-beliebigen Branche einem ‘Rückfall in den Kommunismus’ gleichgekommen wäre, ist hier absolut kein staatlicher Eingriff und marktwirtschaftlich sinnvoll. Wir lernen: ethisch ist es dann, wenn es den Banken nützt.

Zum Glück meinen die Schweizerinnen und Schweizer ja immer noch, ‘UBS’ stehe für ‘unsere Bank der Schweizer’, wie dies gestern auch die Tante Egerszegi bei Giaccobo & Müller gequakt hat. Die UBS bekommt somit eine Art gefühlten Nationalbankstatus, was insofern beachtenswert ist, weil der gleiche Typ, der schon das eine ‘nationale Symbol’ in Luft auflösen liess (welch Wortspiel in diesem Zusammenhang!), jetzt am anderen Symbol herumkriselt. Herrn Kurer kann man somit guten Willens als ‘Symbol-Demontierer der Nation’ bezeichnen; ein Ehrentitel, den ich jetzt zugegebenermassen frei erfunden habe, der mich aber diebisch freuen würde, wenn er mir denn einmal verliehen würde. Da kann ich aber noch lange drauf warten!

Dschangos Prognose: die UBS wird in spätestens einem halben Jahr der Deutschen Bank verkauft. Die Nationalbank gibt es bis dahin nicht mehr; als Währungsreserve der Schweiz dient dann der Geldspeicher des Führers vom Herrliberg. Bald gibt es auch einen Film zum Grounding der UBS, mit Viktor Giaccobo als Peter Kurer und Whitney Toyloy als Bundesrätin Leuthard, Louis de Funès wird mit Hilfe modernster Computeranimation auferstehen und Bundesrat Merz spielen (in einer Nebenrolle: Matthias Hüppi als Thierry Carrel). Der Film wird ein riesiger Erfolg, vor allem im Multiplex-Kino des Westsides, wo die Leute anstehen werden bis zu den Nudelsuppen. In Langenthal und Burgdorf floppt der Film aber total. Gerne stellt sich Dschango fürs Drehbuchschreiben zur Verfügung, Angebote bitte an dschango@daumenschraube.ch, dankeschön.

Nochmal, damit es auch der/die Letzte kapiert: wir (du, ich, alle in den Arbeits- und Steuerprozess eingegliederten) bezahlen den Managern der UBS stattliche Boni dafür, weil sie so verdammt gut gwärchet haben. Als Detail spannend: Auch die Ex-Swissair-Angestellten bezahlen jetzt die Zeche für die Party, die diejenigen Banker, die ihnen den Job weggenommen haben, gefeiert haben.

Hmmm…

Man kann vom Kapitalismus denken was man will, aber vom Aspekt der Selbsterhaltung her ist das System unschlagbar.




Dr. Jesus, bitte melden, Notfall in OP drei…

An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen, Herrn Rudolf Merz, seines Zeichens Finanzbundesoberhoschi, eine gute Genesung zu wünschen. Es geht mir nicht um seine Art, Politik zu machen, sondern rein um ein Anliegen der Gerechtigkeit: ich finde, es ist ungerecht, wenn bloss Frankreich dauernd einen Politiker im Fernsehen hat, der mich frappant an Louis de Funès erinnert. Wenn ich Sarkozy sehe, warte ich immer darauf, dass jetzt dann bald der ausserirdische Kohlsuppenfresser ins Bild rückt und zusammen mit Sarkofunès lustige Ausserirdischensprachengespräche pflegt. Ja, es ist an der Zeit, dass jedes Land Politiker an der Spitze hat, die wie tote französische Komiker aussehen oder zumindest deren Mimik/Gestik übernehmen!

Damit hat dieser Artikel aber eigentlich überhaupt nichts zu tun, wie man unschwer am Titel erkennen kann, der ja noch nicht mal den Namen “Louis” enthält. Kommen wir also endlich zur Sache, Schätzchen.

Dass ein Berner Herzchirurg den Finanzminister bebypasst, wenn selbiger kollabiert, dagegen kann man ja eigentlich nichts haben (siehe auch oben). Man kann meiner Meinung nach nicht mal was dagegen haben, wenn dieser Herzchirurg ein gläubiger Christ ist. Heja, nicht alle sind mit genug Selbstvertrauen ausgestattet, um durchs Leben zu kommen, da reicht es oft nicht mal, als internationale Koryphäe auf einem doch eher schwierigen Gebiet angesehen zu gelten. Jeder so, wie er mag, und mir ist es immer noch lieber, wenn Herzchirurgen in die Kirche gehen, als dass sie Sonntag für Sonntag am Bahnhof herumlungern.

Item.

Wenn der Herr Finanzminister am Herzen operiert wird, ist das ein Ereignis mit News-Charakter, sehe ich ein. Und auch dass der Chirurg, der selbigen Minister operiert hat, zu diesem Thema interviewt wird, kein Einspruch von meiner Seite. Warum aber das Schweizer Fernsehen und hier besonders das von mir sonst sehr geschätzte Magazin “Schweiz Aktuell” in einem Beitrag zu des Merzens Gesundheitszustand Herrn Carrel für seinen Glauben Werbung machen lässt (3:00 – 3:20), muss aber wohl offen bleiben. Der Chirurg beim Beten, der Chirurg beim telegenen Mit-sich-Hadern, der Chirurg beim Vor-dem-Kloster-Stehen – inwiefern hat dies auch nur marginalen News-Wert? Oder auch nur am äussersten Rand mit dem operierten Finanzminister zu tun? Geradezumal, als diese Aussagen aus dem 2005 ausgestrahlten Dokumentarfilm “Der Herzchirurg” stammen (in dem sie im Übrigen auch Sinn machten)?

Das Znacht im Hals stecken blieb mir allerdings (zum Glück nur metaphorisch), als Herr Carrel den folgenden Verbalfurz abliess:

Es gibt für mich die schöpferische Hand hinter mir, die doch noch einen Einfluss hat und die sich wahrscheinlich beim geringsten Fehler, den ich machen würde, manifestieren täte.

Wohlverstanden: Herr Carrel spricht nicht vom Jäten im Garten oder vom Auswählen des korrekten Brotbelags zum Zmorge, sondern vom Operieren am offenen Herzen.

(Um den WTF-Faktor dieser Aussage vollständig entfalten und auf die werte Leserschaft wirken zu lassen, legen wir an dieser Stelle eine Denkpause ein und unterhalten Sie währenddessen mit flockiger Fahrstuhlmusik.)

Haben das alle kapiert? EIn Chirurg zählt darauf, dass Gott, Jesus oder die Aliens einschreiten, wenn er dummerweise mal die falsche Ader trifft. Eine Art übersinnliche Kunstfehlerversicherung, sozusagen. Bei manchen Leuten mag das ja heimelig wirken, vielleicht sogar beruhigend. Bei mir löst dies nur Befremden aus und, in Hinblick auf meinen nicht ganz risikofreien Lebenswandel, leichte Panik.

Und apropos Versicherung: zahlt meine Krankenkasse überhaupt Wunderdoktoren? Hat Jesus einen Vertrag mit meiner Kasse? Muss ich getauft sein, um unter Carrels Zaubermesser liegen zu dürfen? Funktioniert seine chirurgische Notbremse auch bei Muslimen? Atheisten? Anti-Theisten? Fragen über Fragen, die uns alle interessiert hätten, Schweiz Aktuell aber nicht zu beantworten wagte.

Man muss das aber auch positiv sehen, irgendwie. Dank Herrn Carrel haben wir nun einen Grund mehr, zu unseren Pumpen Sorge zu tragen, weil – wer will schon darauf vertrauen, dass Russels Teapot einschreiten, wenn der Chirurg grad dem Musculus Gluteus Maximus der Anästhesistin nachschaut?

OK, brave Christen machen sowas ja eh nicht.

Wuaaaa-hahahaaa…!!