Artikel, die mit ‘medien’ getaggt wurden

Muss auch mal erwähnt werden

Gut, OK, es geschehen vielleicht doch Zeichen und Wunder.

Man erinnert sich eventuell noch an meine kleine Polemik bezüglich dem “Bund” und religionskritischen Themen. Bevor sich jetzt die Ergeuschterer wieder ergeuschtern: Nein, ich nehme kein Wort zurück, hat zu der Zeit alles gestimmt, voll und ganz. Aber in den letzten Wochen habe ich bei dieser Zeitung doch einen gewissen, hmmmm, ich weiss jetzt nicht, ob ich das schon “Richtungswechsel” nennen soll, sicherlich aber eine Art Meinungsumschwung festgestellt.

Neu werden nämlich auch die Meinungen und Aussagen der nicht mit einem “der Grosse Bruder liebt dich, ob du willst oder nicht”-Mem Ausgerüsteten berücksichtigt, besonders in Artikeln, in denen es um just diese geht. Neu schafft man es, auf der Todesanzeigenseite auch Sprüche abzudrucken, die für Nicht-Gläubige nicht verletzend oder beängstigend wirken. Neu wird über Ungerechtigkeiten wider den säkularen Staat tatsächlich berichtet. Und die Krönung war der tatsächlich intelligente, tatsächlich recherchierte und tatsächlich die Fakten berücksichtigende Frontseiten-Kommentar zum Verbot der Freidenker-Plakate in Zug (an der Stelle mal wieder: http://geniess-das-leben.ch).

Woran das liegt? Vielleicht am neuen Zürcher Kurs? Vielleicht an der verkleinerten Redaktion? Vielleicht daran, dass man gemerkt hat, dass sich unter den Bund-LeserInnen auch ein ganz ansehlicher Haufen Konfessionsfreier findet? Man frage Klügere.

Fakt ist: Ich verzeihe euch die Einstampfung des Kleinen Bundes zwar immer noch nicht, aber ihr habt in den letzten Wochen doch eure Chancen erhöht, dass mein Abo demnächst (vielleicht! Ihr seid jetzt wieder im Provisorium!) wieder verlängert wird.

Dschango nimmt den Kurswechsel wohlwollend zur Kenntnis und rapportiert hier entsprechend. Fair muss fair bleiben.




Liberal im Jahre 2009

Es gibt heute ja bekanntlich viele, viele bunte Blätter, die dem und der Gläubigen ihren Überschuss an Phantasie satt befriedigen: “reformiert” (formerly known as “saemann”), das katholische Pfarrblatt und noch viele weitere, selten wirklich auflagenstarke und/oder relevante Blättchen tummeln sich im Pfuhl der medialen Verkündigung. Das ist auch gut so: erstens hat selbst der Dümmste im Lande ein Recht darauf, in seiner Ignoranz bestätigt zu werden, zweitens müssen all die Absolventen der Ringier-Journalistenschule zu Zeiten des medialen Kollapses ja irgendwohin.

Was ich aber partout nicht verstehen will: warum entwickelt sich der Bund, frisch “gerettet” (die paar Entlassungen sind ja sowas von nicht relevant) zum neuen Berner Pfarrblatt?

Wer auch nur mit minimal offenen Augen durch diese Zeitung blättert, staunt, denn mehr und mehr dominieren religiöse Themen. Selbstverständlich wird möglichst “tolerant” berichtet (lies: verniedlichend), möglichst “neutral” (lies: anbiedernd) und möglichst “objektiv” (lies: kompatibel mit den eigenen Glaubensvorstellungen).

Beispiel gefällig? Nun denn. Nehmen wir doch mal die Ausgabe vom 1. Juli diesen Jahres. Unter dem Titel “Betende Banker” werden solchige portraitiert – auf etwa 2/3 Seite. Völlig widerspruchsfrei dürfen da Erzfundamentalisten ihre frohe Botschaft verkünden, inklusive intelligenten Behauptungen wie “Gebet verbessert Betriebsklima” (das tut regelmässiges Lüften auch) oder “die UBS gehört Gott Vater” (dann soll er den Mist gefälligst auch selbst finanzieren).

Dann, auf Seite 19, darf auch noch EVP-Mann Ruedi Löffel salbadern. Zugegeben: hier sehe ich eine gewisse Relevanz, da Löffel als Vater des Antirauch-Gesetzes gilt, das hier seit 1. Juli in Kraft ist. Natürlich bekommt auch Löffel eine 2/3 Seite, inklusive Foto mit Agentur C-Bild im Hintergrund (“Seid still und erkennet, dass ich euer Gott bin” – wenn die Argumente ausgehen, hilft halt nur noch “STFU!”). Natürlich fühlt sich hier ein Bund-Schurni bemüssigt, einen Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und Löffels religiösem Background zu konstruieren. Was dieser im Übrigen recht gekonnt umschifft.

Weiter, diesmal mit einer 4/5 Seite, wird noch ein Seelsorger-Ehepaar portraitiert – ironischerweise unter der Rubrik “Arbeit”.

So geht das im Bund schon eine ganze Weile. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einmal an prominenter Stelle irgendwelche Spinner von Gottes Gnaden zu Wort kommen. Dass sich der Bund übrigens während vielen Jahren dem Wunsch konfessionsfreier LeserInnen entzogen hat, bei den Todesanzeigen nicht nur immer Bibelsprüche, sondern vielleicht zumindest ab und zu mal einen neutraler Text abzudrucken, passt hier ja bestens hin. Soweit ich weiss war der 13. Juni insofern eine Premiere, als dass man hier tatsächlich zum ersten Mal eine Bund-Todesanzeigenseite anschauen konnte, ohne der Bibelpropaganda ausgesetzt zu sein. Und auch die Tatsache, dass in der Regel erst 20Minuten, dann eventuell die BZ, und erst dann – eventuell – der Bund über Aktionen der Freidenker, der Brights oder anderer säkularer Bewegungen berichtet, passt in dieses Konzept.

Die Frage ist nun: ist diese neue Richtung eine Art vorausschreitender Gehorsam, um die Zwinglianer aus Zürich gnädig zu stimmen? Oder ist sie vielmehr Ausdruck einer neuen Stossrichtung als Nischenprodukt?

Wahrscheinlich ist “gläubig” halt einfach das neue “liberal”. Von dem her hat die FDP durchaus das Recht und die Verpflichtung, in der neuen Landesregierung vertreten zu sein.

Nein, ich meine jetzt nicht den Bundesrat, sondern den Vatikan.

Santo subito!




Da haben sich ja zwei gefunden…

Wenn es einen Himmel gibt, dann gibt es auch Beziehnungen, die dort geschlossen worden sein müssen. Ich spreche jetzt nicht von der Hasenliebe, auch wenn diese definitiv in die Kategorie ‘heavenly’ passen würde, nein, es geht mir hier vielmehr um die Medien und ihre enge Beziehungen zu intellektuellen Flachzangen mit grossem Mitteilungsbedürfnis.

Beispiele gefällig? OK.

Die üblichen Verdächtigen sind gut genug

Als erstes möchte ich euch Herrn Roland Näf vorstellen. Ich weiss gar nicht, ob wir über diesen Herrn schon geschrieben haben hier, verdient hat er es sowieso. Herr Näf ist Vizepräsident der SP des Kantons Bern und hat sich auf die Fahne geschrieben, die Welt von Killerspielen zu befreien. Er hat zu diesem Behufe beispielsweise auch schon den Mediamarkt verklagt, weil dieser solche pösen Spiele anbiete – natürlich ist die Klage abgeschmettert worden.

Herrn Näf ehre ich heute mit einem Eintrag in diesem Blog, weil dieser wackere Kämpfer, der nach dem Motto “wenn wir die Wirkung verbieten, wird auch die Ursache von selbst verschwinden” politisiert, offenbar neu auch telepathische Fähigkeiten entwickelt hat. So schrie er, interviewt nach dem Massenmord von Winnenden, in den Medien bereits nach einem Killerspiel-Verbot, als die Polizei den Computer des Mörders noch gar nicht untersucht hatte. Näf zementiert mit seiner sektiererischen, verbissenen Art genau das Image, das seine Partei verzweifelt abzulegen versucht: das einer ängstlichen, verbotsgeilen und bevormundenden Ansammlung von Oberlehrern. Folglich ist das einzige wirkliche Killerspiel, das ich bisher mitverfolgen durfte, dasjenige, das Näf mit den Medien zuungunsten seiner Partei spielt.

Übrigens, Herr Näf: man munkelt, Tischtennis sei das neue Counter-Strike… ihr Engagement ist gefragt!

Kleider machen zwar Leute, aber nicht intelligenter

Ein anderes Beispiel, wie Ignoranz und Durchschnitt unverhältnismässige Wichtigkeit erhalten können, wenn sie nur oft genug in der Medienlandschaft durchgekaut werden, sehen wir am Beispiel Andreas Thiel. Sicher gibt es schlechtere Kabarettisten als ihn, gerade in der Schweiz. Zum Glück wird diesen aber, im Gegensatz zu Thiel, selten Gelegenheit zu öffentlichen Auftritten gegeben, geschweige denn, die eigene Meinung in ganzseitigen Zeitungsberichten der Welt mitzuteilen.

Es geht mir jetzt hier gar nicht darum, dass ich Thiel schlicht nicht lustig weil verdammt platt finde (ok, vielleicht 5% der Gags kommen bei meinem Zwerchfell an). Auch nicht, dass mich sein Gesicht immer wieder an einen Ameisenbären mit selbstgestrickten Ohrenwärmern erinnert. Oder dass die Medien seine “geschliffene Sprache” loben, während es mir jedesmal die Fussnägel hochrollt, wenn Thiel versucht, Bühnenhochdeutsch zu sprechen (Kurz-Tipp: ein ‘ch’ wird niemals als ’sch’ ausgesprochen, auch wenn es nach einem ‘r’ kommt). Und auch, dass Thiel seine politische Gesinnung, die meilenweit von der meinen entfernt ist, zum Hauptverkaufsargument seines Humors macht, ist mir egal. Meinetwegen kann man sich ausgerechnet der Ideologie verschreiben, die uns in die aktuelle Scheisse geritten hat und natürlich profitiert Thiel hier von einem Exoten-Bonus. Ob man das jetzt intelligent finden soll, sei dahingestellt.

Was mich an Thiel aber wirklich nervt ist sein unglaublicher Mangel an Allgemeinbildung. Er ist ja im Solothurnischen aufgewachsen, von dem her habe ich, als Auch-Betroffener des solothurnischen Schulsystems, ein gewisses Verständnis. Gerade an mir, heute weitestgehend erfolgreich in die Restwelt integriert und befähigt, etwas weiter als bis ans Ende meines Rüssels zu denken, lässt sich aber auch aufzeigen, dass man das Stigma einer solchen Schulbildung durchbrechen kann, wenn man nur den Kopf aus dem eigenen Arsch zieht und selbst zu denken beginnt.

Thiel nutzt den Trick aller Populisten: er vereinfacht. Was nicht ausserhalb seiner (zugegebenermassen beeindruckenden) Nasenspitze geschieht, wird ausgeblendet. So war er sich nicht zu blöde, sich selbst in einem 10vor10-Bericht als einen der wenigen (ich meine sogar, er sagte “einzige”) wirklich freien Bühnenkünstler zu bezeichnen. Warum? Ganz einfach, weil er noch nie Subventionen oder staatlich Unterstützung angefordert oder bezogen habe.

Bei wem schellt der Bullshit-Alarm jetzt auf Stufe 10? Gut so. Wer auch nur eine halbe Millisekunde überlegt, merkt, was an dieser Aussage faul ist. Natürlich bekommt Thiel nicht direkt Geld vom Staat. Natürlich wird er nicht subventioniert (er gibt ja auch keine Milch). Aber schon mal dran gedacht, dass die allermeisten Orte, an denen er auftritt, durchaus am Rockzipfel des Staates hängen? Momentan gastiert er im Berner La Capella – hat ihm wohl jemand gesagt, dass dieser Veranstaltungsort nur dank den Subventionen, die der Stadtrat letztes Jahr bewilligt hat, überhaupt noch existiert? Thiel macht es sich so einfach wie die Schweizer Rüstungsindustrie, die zwar Waffen in Kriegsgebiete schickt, aber sämtliche Verantwortung ablehnt, was mit diesen Waffen geschieht – man selbst drückt ja nicht ab.

Die gute Nachricht kam aber diese Woche in der Berner Zeitung: Thiel plant seinen Umzug nach Island, zwecks Auswanderung. Ist zwar schade für diese Insel und ihre Bewohner, die gerade in der letzten Zeit wirklich genug gelitten haben, aber was solls, Island ist ja gross. Er stellt sich vor, ein- oder zweimal pro Monat für Auftritte (an subventionierten Bühnen) in die Schweiz zu kommen. Offenbar weiss er nicht, dass Flüge nach und von Island notorisch verspätet sind oder ausfallen – wir dürfen uns ab Mai also über zahlreiche “Vorstellung fällt aus”-Meldungen in Zusammenhang mit Thiel freuen. Spassig ist in diesem Zusammenhang Thiels Aussage, in der Schweiz gebe es einfach “zu viele Dealer und Pisser”. Nunja, zumindest von Letzteren gibt es ab Mai einen weniger hier.

Noch ein kleiner Tipp: in Island kommt es momentan nicht sehr gut an, wenn man mit Sprüchen wie “weniger Staat, mehr unternehmerische Freiheit” unterwegs ist. Isländer sind zwar extrem cool (im wahrsten Sinne) und auch wahnsinnig (ebenfalls im wahrsten Sinne) nett, ich würde Herrn Thiel aber empfehlen, sich hier vielleicht ein bisschen bedeckt zu halten. Wir wollen ja nicht, dass plötzlich ein Schweizer Kabarettist mit dem Gesicht nach unten in der Bucht von Reykjavik treibt.

Lieber beten als denken (oder gar handeln)

Den Preis für Ignoranz und Verbohrtheit gewinnt diese Woche aber klar die deutsche Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Statement zum Massenmord in Winnenden, sie würde “dem Bundesland alle nötige Hilfe zukommen lassen und für die Angehörigen beten”, das von allen Tagesschauen freudig verbreitet wurde. Ja, klar, mit Beten wird den Angehörigen sicher geholfen. Was ist eigentlich der Witz daran, wenn jemand sagt, er oder sie bete für einen? Will der Betende damit sagen, dass er einen direkten Draht zu Gott habe? Dass sich Gott durch die Gebete irgendwelcher Nacktaffen dazu genötigt fühlen könnte, die Toten umgehend wieder auferstehen zu lassen? Oder ist es halt doch nichts weiter als akkustisches Nasenbohren, das umso besser ankommt, wenn man die bittersäuerliche Trauermiene aufsetzt, in der Merkel Weltmeisterin ist?

Ich bin ja auch gespannt, wie die Hilfe konkret aussehen wird, insbesondere dann, wenn sie, im Gegensatz zum Beschwören eingebildeter Freunde, mit Kosten verbunden sein sollte. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Frau Merkel tatsächlich eine 180°-Kehrtwende macht und nun vermehrt Gelder für so unnütze Dinge wie schulpsychologische Dienste und Bildung (kleinere Klassen, mehr und besser ausgebildete LehrerInnen, bessere Infrastruktur, Tagesschulen etc, etc, etc) fliessen. Höchstwahrscheinlich war das aber auch nur mal wieder medienwirksames Betroffenheits-Geseier ohne Sinn und rationale Basis – von dem her passt es ja auch wieder zur Beterei. Oder wie sagte mal ein guter Freund von mir:

“To say ‘I pray for you’ is polite for ‘fuck off’”.

In diesem Sinne, an all die Näfs, Thiels, Merkels und sonstigen Experten, Genies und Führer sowie ihre willfährigen Speichellecker, die Medien: ich bete für euch bis ans Ende meiner Tage…