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Das wird ja mal wieder was

Verleser der Woche:

  • “Lady Gaga most influential artist in the world”

Ach so, nein, ich dachte hier bloss, das wäre ein Verleser gewesen. Beziehungsweise: es war wohl mein Wunschdenken, das mir gesagt hat, dass dies bloss ein Verleser war. Und mit dem Wunschdenken, das weiss man ja, ist das immer so ein zweischneidiges Schwert.

Das wird auch Nadine Masshard noch merken, ihres Zeichens im Herbst Kandidierende für den Nationalrat. Frau Masshard hat einen Haufen Kollegen zusammengetrommelt und einen tollen Werbefilm ins Internetz gestellt, bei dem man sich das Zürcher SP-Zebra wieder sehnlichst herbeiwünscht. Immerhin konnte das Zebra (wenn auch nur züri-)deutsch und immerhin wirkte das Zebra nicht ganz so hirn- und blutleer wie die DarstellerInnen des Masshard’schen Werbefilmchens.

Fragen, die sich beim Betrachten des Films spontan stellen:

  • Warum einen englischen Werbefilm für eine deutschschweizer Kandidatur?
  • Wenn schon Englisch – warum ein derart beschissenes?
  • Wie schafft es der asexuelle Symbolmann, dass er seinen Espresso vom körperlosen Barista zugeworfen bekommt, kaum hat er die Bar betreten?
  • Ist Nadine Masshard der Schweizer George Clooney?
  • Wenn ja – wo ist das Schweizer Gegenstück zu Elisabetta Canalis?
  • Wo ist John Malkovich?

Aber wir wollen den Film jetzt nicht weiter rezensieren, es gilt ja schliesslich nach Fukushima: Hauptsache “äckolotschikäl”.

Letzthin erzählte mir jemand von jemandem, dem vom Chefredakteur eines der einflussreichsten Print-Magazine der Schweiz “lebenslanges Schreibverbot in dieser Publikation” ausgesprochen wurde. Jetzt mal ernsthaft: wie verdammt endgeil ist das? Wenn ich wählen könnte, ob ich zB lieber in der “New York Times” publizieren oder von selbiger ein lebenslanges Publikationsverbot ausgesprochen bekommen wolle, ich würde keine Sekunde zögern, mir das Verbot schriftlich bestätigen lassen, es rahmen, mit mir herumtragen und es hegen und pflegen und stolz jedem zeigen, der mir auf der Strasse begegnet, unabhängig von dessen Wille oder Kooperation.

Stellt euch doch mal nur folgende Visitenkarte vor:

Dschango Beinhart
Autor

(Hat lebenslanges  Schreibverbot in der “Weltwoche”.)

Oder, noch besser:

Dschango Beinhart
Autor

“Welches VERDAMMTE ARSCHLOCH hat dem ÜBERHAUPT  eine Kolumne gegeben?!?”
(R. Köppel)

Sorry Leute, gebt mir Whirlpools voll Koks, schnelle Autos, vierzig Jungfrauen, ein Pferdegestüt und dazu noch Roger Federer als persönlichen Balljungen – ich würde alles zurückweisen, dürfte ich mich stattdessen mit so einer Visitenkarte schmücken.

Was damit nur sehr weit aussen am Rande etwas zu tun hat, ist, dass ich und mein Schurni-Kumpel neulich merkten, dass wir beide eine gleiche Beobachtung gemacht haben. Und zwar insofern, als dass immer mehr Leute, wenn sie doch eigentlich von sich selbst erzählen, in der dritten Person berichten: man ist frustriert, man war extrem schockiert, man musste sich am Riemen reissen, wenn es doch eigentlich das Ich ist, das da seine Seele ausbreitet.

Des Schurnis These war, dass das unpersönliche “man” als  emotionale Notbremse dient, um eine gewisse Distanz zwischen dem Erzählten und dem Erzähler zu bringen. Dies vor allem bei Geschichten, die für den Erzähler schwierig zu akzeptieren sind, tief in seinem Innersten wühlen und leichter aus der Distanz des Beobachters wiederzugeben sind. Gleichzeitig, so merkte er an, gleichzeitig dient das “man” auch als Berufung auf eine Authorität: wenn ich beim Fischen Regenwürmer gegenüber Mehlwürmern bevorzuge, ist das eine Meinung. Wenn man Regenwürmer nimmt, ist es allgemein anerkannter Fakt. Er ergänzte seine Beobachtung mit der Bemerkung, dass er dieses Verhalten vor allem von mittelständischen Agglomerations- und Talschaftsbewohnern her kennt.

Die Beobachtung des Phänomens an sich konnte ich bestätigen, jedoch fällt mir diese Tatsache vor allem im Umfeld von Doku-Soap-Prolo- und sonstigem Infotainment-TV-Müll auf. wo man halbstundenweise mit indirekter Rede belästigt wird, dabei geht es doch eigentlich um den Erzähler, vom Erzähler selbst erzählt. Subjekt ist das Stichwort hier, direkte Rede. Meine These war also, dass dies eine Art sprachliches Mem darstellt, das, einmal spontan aufgetreten, sich nun über die TV-Netze verbreitet und damit traurigerweise Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch findet.

Gut, ich verbringe jetzt, sagen wir mal, deutlich weniger Zeit in bäuerisch geprägten Agglomerationsgemeinden als mein Schurni-Kumpel. Konkret verbringt er ungefähr gleichviel Zeit in Hägerfultiwolfenosterkringen wie ich im Prolo-TV. Genauer: bei der Betrachtung desselben. Und nur so kann ich mir erklären, dass ich meinem Schurni natürlich Recht geben muss (so ein Studium lohnt sich hin und wieder eben schon!), weil mir der klassische Fehler unterlaufen ist, dass ich Ursache (wut ze Schurni sed) mit Wirkung (Prolo-TV) verwechselt habe.

Eieieieieiei. Da hat mir wohl der Kulturzyniker in mir einen Streich gespielt.

Dasselbe ist wohl auch der Knalltüte passiert, die – wie so viele Knalltüten vor und wohl noch unzählige nach ihr – den Weltuntergang vorhergesagt und ihn anschliessend wieder verschoben hat.

Wirkung: Weltuntergang.
Postulierte Ursache: Gott.
Tatsächliche Ursache: Wunschdenken.

Autsch, und schon steckt man in der argumentatorischen Zwickmühle. Besagte Knalltüte hat jetzt nochmal nachgerechnet und den Weltuntergang auf Oktober verschoben; letztes Wochenende hat einfach mal das Jüngste Gericht begonnen, wo Jesus die Schafe von den Böcken trennt. Und wenn man sich mal anschaut, wie lange so Prozessvorbereitungen schon nur auf Erden dauern können, wo es im Vergleich zum Richten über die gesamte Menschheit nur um Pipifax geht, kann man sich vorstellen, dass das schon ein paar Wochen in Anspruch nehmen kann, bis die da soweit sind und mal die paar ersten verdammen können. Also: Geduld ist angesagt.

Meine Theorie ist ja, das der Apokalypt einfach auf Zeit spielt. Getreu dem Motto: die Welt, das bist du. Und die Welt geht dann unter, wenn du untergehst. Hach, jetzt werden wir aber arg philosophisch hier, das hält auf Dauer ja keine Sau aus. Welche uns über Umwegen zu unseren vierbeinigen Freunden bringt.

Diese Annonce, gefunden in der Länggasse, bekommt den soeben geschaffenen  “Dschango lacht sich an der Busstation den Ranzen kaputt und kriegt sich nicht mehr ein”-Award, mit Zusatzpunkten in den Sparten Kreativität und Lolwut:

Das kommt eben davon, wenn man die Schöpfungslehre zum Pflichtfach macht...

Sieht asiatisch aus, ja, aber Vorsicht!

Würde dort tatsächlich eine Telefonnummer stehen, ich täte ja sowas von anrufen und wenn schon nicht die “Katze” abholen, so doch einen Kasten Bier spendieren.

Und wenn wir schon in der Tierwelt angelangt sind: letzthin musste ich mich über meinen Hasen ja sowas von ärgern. Beim Gang aufs WC stiess ich mir nämlich den Fuss am Altpapierständer, weil sich dieser auf der Wegstrecke zum WC befindet und meine Wenigkeit mit viel Elan und wenig Aufmerksamkeit um die Ecke geschossen kam. Keine Sorge, bis hierhin ist Hase noch komplett unschuldig und mein Ärger bezog sich da noch auf die Massenträgheit von Altpapierständern und fehlende Knautschzonen an Füssen. Beim Reiben meiner Extremitäten, hilflos am Boden liegend, fiel mein Auge aber auf den Altpapierständer, und was musste ich da, lieblos weggeworfen, entdecken? Den Jahresbericht 2010 der Zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern!

Manchen wird nun immer noch nicht klar sein, warum ich Hase in der Folge zürnte, deshalb helfe ich euch auf die Sprünge. In besagtem Jahresbericht nämlich, da steht einiges an Interessantem und Wissenswertem. Beispielsweise steht da, dass im 2010 an der Klinik für Zahnärtzliche Prothetik eine Dissertation abgeschlossen wurde, die den folgenden schönen Titel trägt:

Untersuchung zur Zementierung von Einzelzahnimplantatkronen unter Berücksichtigung des Abutmentdesigns: Haftkräfte von zehn Zementen bei Implantatrekonstruktionen nach 48-stündiger Lagerung in 0.9%iger NaCl-Lösung bei 37°C: eine In-vitro-Studie.

Hallo? Wie geil ist das denn? Davon muss die Welt doch wissen! Es kann doch nicht angehen, dass solche Informationen einfach mir nix, dir nix, im Altpapier verschwinden! Alleine das Wort “Abutmentdesign”: gäbe es das Wort nicht bereits, man müsste es dringend erfinden!

Nun steht aber das Wochenende vor der Tür (bzw, es ist bereits in der Wohnung und fläzt auf dem Sofa) und ich möchte, um oben beschriebenen Ärger zum Vorteil aller Betroffenen etwas zu mildern, noch ein pikantes Detail aus des Dschangos amourösem Nachrichtenverkehr erzählen. Neulich smste (so sagen die Jungen heute doch, oder?) ich Hase nämlich den folgenden Text:

bi hüt im studio, ha do so ne hookline, womer nüm usem gring goht…

Antwort von Hase:

was o immer e hookline isch, houptsach si het keni brüscht, de hesch mi säge…

Fragt sich noch irgendjemand, warum ich diese Frau liebe?