Ich finde, Frauen riechen von Natur aus gut. Keine Ahnung, wie die das machen, aber sie tun es. Quasi defaultmässig aufs Optimum voreingestellt – Hacks erübrigen sich.
Wenn mich eine Frau anmachen will, riecht sie nach Frau und nicht nach dem Chemiekasten eines Parfumeurs. Auch nicht nach Heublümchen, nicht nach Opium und schon gar nicht nach Steffi Graf, sondern einfach nach Frau. Ich bin da auch tolerant, was Schweiss angeht; dieser wirkt auf mich im Zweifelsfall zumindest weniger aufdringlich als eine tonnenschwere Parfumwolke, die den latent zugrundeliegenden Schweissgeruch sowieso mehr unterstreicht denn kaschiert.
Bei Männern ist es dasselbe. Ja, Männer riechen manchmal streng, so dass es Richtung Gestank geht. Aber trotzdem: lieber weiss ich via meiner Nase, dass mein Nachbar im Bus kürzlich dem ältesten aller Hobbies gefrönt und schon vor ein paar Tagen sein Ungerhösli zu wechseln vergessen hat, als dass ich diese Informationen plus einer Dosis Axe von gestern, plus einer Prise Rasierwasser von heute Morgen, plus einem Häuchlein vom Wunderbaum aus Muttis Golf empfange.
Ja, der Dschango hat eine ausgezeichnete Nase. Er riecht es sowieso, liebe Frauen, wenn ihr untenrum zyklusbedingt grad nicht dicht seid. Easy, vollstes Verständnis von meiner Seite her. Aber erspart mir doch bitte, dass die Gerüche eurer Ausflüsse von denjenigen der synthetischen Kamille überlagert werden, mit der eure Slipeinlagen präpariert wurden. Mit den Ausflüssen kann ich nämlich umgehen, mit Ausflüssen gemischt mit Syntho-Kamille eher nicht.
Ganz übel: wenn Frau seit Jahrzehnten dasselbe Parfum benutzt, in täglich steigenden Dosen, um die eigene Unempflindlichkeit gegenüber dem Duft zu kompensieren. Arme Junkies der Geruchsindustrie, zum sozialen Abstieg verdammt. Solche Frauen riecht man, lange bevor man sie sieht. Und beides ist nicht schön.
In meiner perfekten kleinen Welt würde olfaktorischer Exhibitionismus sowieso mindestens so streng bestraft wie Rasen mit dem Auto: die Dunkelziffer, wieviele Unfälle jedes Jahr geschehen, weil Piloten aufgrund der Ange-ou-Démon-Granate einer Flight Attendant während Sekunden ins Koma fallen, wird von Experten als “wahrscheinlich verdammt uhuere hoch” eingeschätzt.
Auch so eine Sache: Düfte, die auf einer von mehreren Personen benützten Toilette nun mal vorkommen. Niemand konnte mir bisher erklären, warum der Gestank von verbranntem Schwefel in einer Toilette angenehmer sein soll als derjenige von einem gesunden Schiss, der immerhin dorthin gehört, im Gegensatz zu Schwefel, der in Toiletten nur extrem selten natürlich vorkommt.
In diesem Zusammenhang möchte ich mal denjenigen Menschen, die unter latenter oder voll ausgebrochener Bakterien-Paranoia leiden, ein für alle Mal den Rest geben. Darauf freue ich mich schon lange, also passt gut auf, hier gibts was zu lernen!
Wie wir ja alle wissen, sind Düfte nichts anderes als Mokeküle. Was wir als Duft erleben, ist der Reiz, den ein Duftmolekül beim Andocken an einen entsprechenden Rezeptor in unserer Nase auslöst (Details hier). So weit, so gut. Was viele Leute (erfolgreich) verdrängen: ein Duft ist nicht etwas ätherisch-feinstoffliches, sondern etwas ganz und gar Handfestes, eine chemische Verbindung nämlich. Bevor sie nun auf unseren Riechkolben trifft, reist diese Verbindung fröhlich durch die Luft und hat ihren Ursprung – Achtung! – in dem Objekt, von dem sie abgesondert wurde.
(Denkpause)
Na, hat es eingeschlagen? Oder bist du dir der Tragweite dieser Einsicht immer noch nicht bewusst? OK, ich helfe dir auf die Sprünge: wenn es nach Kothaufen riecht, hast du tatsächlich ein Stück Scheisse in der Nase. Riecht es nach Schweiss? Dann ist der Schweiss so präsent in dir, wie er es nie wäre, würde der Schwitzende dir mit der nassen Hand bloss über den Rücken fahren. Riecht es nach Sonntagsbraten? Dann, lieber Vegi, hast du dir selbigen soeben einverleibt, ob du willst oder nicht. Und wenn es tötelet, weil eine dahingegangene Maus unter dem Sofa verrottet – ja, dann hast du soeben tatsächlich ein Stück langsam vor sich hinfaulender toter Maus in deiner Nase gehabt. Oder kurz: was du riechst ist in dir.
Witzige Vorstellung, nicht? Vor allem, wenn man bedenkt, wie nahe die Nase dem Mund ist und wie nicht existent die hermetische Schranke zwischen den beiden.
Den LeserInnen, die noch nicht aufgehört haben zu atmen, muss spätestens jetzt völlig klar sein, warum künstliche Düfte bei mir pfui sind, egal ob für die Wohnung, den Hund, das Auto oder die Slipeinlage: Ich rieche gern, was ist. Wir können es sowieso nicht umgehen, mit der Welt um uns in Berührung zu kommen, schon gar nicht, was unser Riechorgan betrifft. Folglich vermeide ich tunlichst, die Welt durch das olfaktorische Äquivalent zu einer rosaroten Brille zu betrachten.
Meine Nase ist mein Auge ist mein Ohr.