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Lasst den armen Kurt doch endlich tot sein

Da war diese Schlagzeile in der BZ, “Die Wasserfallens kommen”. Erst hab ich gemeint, das Leben des Kurt werde verfilmt oder so (“Volksfront von Bernäa!” – “Bernäische Volksfront!”), jedenfalls kam mir die Schlagzeile mindestens vor wie der Teaser zu einem Simpsons-Film. Dann erst habe ich kapiert, dass es darum geht, dass die gesamte hinterbliebene Familie WaFa in die Politik einsteigen (bzw im Fall vom Chrigu, durchstarten) will, inklusive dem blonden Anhang vom Herrn Jungnationalrat. In der Zeitung haben sie das noch mit einem totaaaal witzigen Föteli visualisiert, wo die ganze WaFa-Sippe zum Sturm aufs Rathaus bläst.

Ich gebe zu: Dschango hat dies für einen schlechten Witz gehalten. Vor allem ob der Aussage vom Gretli WaFa, dass es seit Kurts Tod halt sehr “einsam sei zuhause” und dass sie gerne in die Politik einsteigen würde, um der Einsamkeit zu entrinnen, lachte ich mir schier einen Krampf. Wo andere sich in Psychotherapien flüchten, setzt Frau WaFa auf die stadtbernische Politik, das nenne ich mal kreativ. Weniger Staat für alle anderen, so viel Staatstheater wie möglich für Mama Gretlis Seelenheil! Ob die FDP das zum Programm macht und in Zukunft für jeden Psychopathen, jede Witwe und jeden Lebensversager einen Stadtratssitz verlangt? Die bestehende FDP-Riege im Rathaus lässt zumindest vermuten, dass schon mal in diese Richtung vorgespurt wird.

Habe diesen Artikel ja schon fast verdrängt, da kommt doch letzthin im Schweiz Aktuell dieselbe Story, diesmal hübsch mit Küdes Schwarzweiss-Portraits angereichert. Hätte nur noch “Time to say Goodbye” oder “Candle in the Wind” im Hintergrund gefehlt. (Tot wirkt der Typ übrigens direkt sympathisch. Egal.) Noch ein bisschen mehr Tränendrüsen, noch ein bisschen mehr heile Familie, Margret gibt sich in Bümpliz bürgernah und hat für jeden Passanten einen glatten Spruch parat. Und das politische Programm? “Da, wo mein Mann aufhören musste”, zum Beispiel. Oder: “genau wie mein Mann”. Oder auch “die Lücke füllen, die mein Mann hinterlassen hat.”

Gut, nebst der Parklücke, die das Fehlen des Wasserfallenschen Autos im Stadtberner Parkplatzsystem hinterlassen hat, konnte ich seit Küdes Tod bisher noch keine wirkliche Lücke finden. Aber ich betreibe ja auch nicht Leichenfledderei im Namen des Volkswohls.

Wozu auch ein politisches Programm, wenn man einen bekannten Namen hat? Die Stadtberner FDP und SVP haben ja Erfahrung damit, Pappkameraden zu staatstragendem Format aufzublasen. Hauptsache, Maggie spült genug Stimmvieh ins Boot und drückt bei Abstimmungen den richtigen Knopf, da ist es doch völlig egal, ob sie wirklich Plan von der Sache hat. Spasskandidaturen sind ja gross in Mode und die Medien geifern nach jedem Grenzdebilen, der sich selbst und den letzten Rest Vernunft in der Politik ad Absurdum führt.

Margret, im Stadtrat wirst du es nicht nur einfach haben. Viele da sind zwar tatsächlich mit hausgemachten Guttelis bestechlich, viel mehr als erweiterte Redezeit wirst dir damit aber nicht erkaufen können. Vor allem wirst du dich daran gewöhnen müssen, dass du, im Gegensatz zum Familientisch, im Stadtrat nicht mehr autonom die absolute Mehrheit stellst.

Fazit: Wahlkampf lässt sich auch mit toten Politikern betreiben. Eigentlich sogar noch besser, als mit lebenden.