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Wundertüten, Knalltüten

Verleser diese Woche:

  • “Penisbruderschaft” statt “Piusbruderschaft”

Langsam bekommen diese Verleser bei mir einen hermeneutisch-prophetischen Anstrich, irgendwie.

Bester Spam diese Woche:

Sie kennen bereits XYZ oder haben erste Erfahrungen bereits mit uns gesammelt? Auf Ihre Resonanz bin ich gespannt.

Jau, auf meine Resonanz bin ich selbst gespannt wie die E-Saite eines hochgestimmten Basses. Man nennt mich schliesslich nicht umsonst den wandelnden Resonanzkörper.

Darf ich übrigens mal auf einen Missstand aufmerksam machen, der mir die letzten Monate, wenn nicht Jahre, immer wieder über den Weg läuft und der sich partout nicht verscheuchen lässt? Es geht da um die üble Unsitte, hochdeutsche Ausdrücke und Phrasen auf Biegen und Brechen zu mundartisieren, ohne Rücksicht auf Verluste, was zu üblen Ergebnissen führen kann, vor allem dann, wenn man den ursprünglichen Ausdruck überhaupt nicht kapiert hat. Exemplarisch dafür:

De zieh ni de angeri Siite uuf!

Oder, gerück-hochdeutscht: “Dann ziehe ich andere Seiten auf!”, was nicht nur falsch, sondern komplett sinnentleert ist.

Ein anderes Beispiel: das Wort “Schmutz” kannte ich im idiomatischen Gebrauch bis vor Kurzem entweder als Kuss oder als eingesottenes Schweinefett. Ich habe keine Ahnung, warum ein- und dasselbe Wort für zwei derart unterschiedliche Dinge stehen können; vielleicht müsste man dazu mal einen Linguisten befragen. Aber auch dem Linguisten wird aufgefallen sein, dass seit einiger Zeit die Bedeutung “Dreck” über die Grenze einwandert, für genau dasselbe Wort. Warum nun in der Werbung “Schmutz” verwendet wird, wenn es offensichtlich darum geht, den Dreck aus der Wohnung zu bringen, das muss uns schleierhaft bleiben. Vielleicht kann die gute Hausfrau gerade noch ertragen, dass ihr Heim schmutzig ist; wenn es aber dreckig wäre (*kreisch!*), würde der Himmel über ihr einstürzen, weshalb man sich in deutschen Marketingzentralen wohl gesagt hat, nun gut, die Schweizer Hausfrauen, die sind bekanntlich von recht fragiler Struktur, dann gönnen wir denen halt mal was Beruhigendes. Schön für die Hausfrauen! Dass dann aber auf der anderen Seite ein Dschango steht, der kaum mehr zwischen Dreck, Kuss und Schweinefett unterscheiden kann und die konkrete Bedeutung jeweils mühsam aus dem Kontext herausdestillieren muss, das ist diesen deutschen Werbefuzzis natürlich scheissegal.

Apropos scheissegal: weiss überhaupt noch jemand, was “Fukushima” schon wieder war? Ich liess ja letzthin den Optimisten raushängen und meinte, dass dies bis zu den nächsten Wahlen bereits Schnee von gestern sein werde. Schön wärs, weil in der Realität hat es dann keine zwei Wochen gedauert. Dazu passt, dass gestern Morgen die Kantonspolizei mit mindestens 2×2 Schnäutzen bei uns im Quartier herumschlich und buchstäblich dabei zuschaute, wie ein überschneller Porsche Cayenne um ein Haar ein Grosi auf dem Fussgängerstreifen über den Haufen gefahren hätte, während die Staatsgewalt damit beschäftigt war, Velos auf Reifendruck und korrekte Beleuchtung zu kontrollieren.

Man wird bei der SVP gelernt haben, dass man sich einfach einen neuen, weniger wehrhaften Gegner suchen muss, wenn man den ursprünglichen Kampf verloren hat. Und wäre die FDP etwas intelligenter, würde auch sie die Konsequenzen ziehen und mit einer Studie beweisen, dass sich sowohl der Klimawandel als auch Fukushima in Nichts auflösen, wenn man bloss den am besten verdienenden 1% der Bevölkerung genügend grosse Steuergeschenke macht. Wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass dies mehr oder weniger die Botschaft war, die der Bundesrat bezüglich “äs isch jetz doch chly angerscht aus mer gmeint hei”-Unternehmenssteuerreform II letzthin dem Volk verkündet hat, und im Bundesrat ist die FDP ja glaub immer noch dabei.

Ich finde es übrigens recht funny, wie jetzt alle rumnölen, die FDP solle doch mit den Grünliberalen fusionieren. Ist ja etwa so, als ob der Papst beim russischen Patriarchen anklopfen und meinen würde, sorry Dude, da Konzil von Nizäa, vergiss es, wir waren ja so total von der Rolle da – können wir sonst für ein Weilchen bei euch unterkommen?, also das sähe ich jetzt gar nicht, und nicht nur, weil weder Ratzinger noch Pelli ein anständiges Russchisch sprechen. Und ob es jetzt um pro/contra Gotteskörper Jesu’ geht oder um antietatistische Haltung im Prinzip, aber Nanny-Staat in einem einzigen, ganz konkreten Fall, das ist doch jetzt wirklich Jacke wie Hose, so unterschiedlich sind die einzelnen Religionen nun auch wieder nicht.

Aber nun zu etwas ganz anderem. Dass ich ein Faible für seltsame Namen habe, ist der werten LeserInnenschaft wohl hinlänglich (wenn nicht gar schädlich) bekannt. Gestern früh kam es im Tram zu einem unkontrollierten Lachanfall meinerseits, weil im 20Min ein Artikel über einen Glarner Radiopiraten drinstand, der, im Haupterwerb als Agronom tätig, eine thailändische Freundin hat. Soweit, so belanglos, könnte man meinen. Lustig beginnt es dann zu werden, wenn man weiss, wie der Glarner Bauer heisst: Balz Wichser. Zum Brüller wird die Geschichte, wenn man weiss, wie die thailändische Freundin mit Vornamen heisst: Supaporn. Und das Zwerchfell explodiert spätestens dann, wenn man eins und eins zusammenzählt und sich überlegt, wie die arme Frau heissen wird, wenn sie erstmal ihren Glarner Bauern nach Schweizer Recht geheiratet hat.

Und wenn wir schon bei der Balz sind: in der allseits beliebten Blabend-Rubrik “Single des Tages” (wieviel Sinn macht eigentlich eine Rubrik “… des Tages” in einer Zeitung “… am Abend“? Egal.) vom Montag liess sich Tobias aus Bülach ZH mit den Worten zitieren:

Eine Frau muss mir ins Auge stechen.

Soll doch jeder seinem Fetisch frönen, wie es ihm gerade plaisiert, und beinhalte dieser auch das Penetrieren von Sehorganen mit spitzen Gegenständen.

Man möge mich jetzt eine Memme schimpfen, aber – ich für meinen Teil würde dann doch Wichsen mit Supaporn bevorzugen.




Afghani oder afghani nid?

Man muss sich manchmal auch was gönnen.

Hase und ich haben deshalb unsere Ängste und Sorgen überwunden und uns in ein noch wenig erforschtes Gebiet aufgemacht, um dort die lokalen Besonderheiten und Gebräuche zu studieren. Und so nebenbei bissi im Schnee rumzutoben. Gerne, als Kontrastprogramm zu unserem normalen Leben, in ein Gebiet, das von religiösen Fundamentalisten und/oder politischen Autokraten beherrscht wird. Im Grunde genommen hatten wir also nur Weissrussland, die Kandahar-Region oder das Wallis zur Auswahl – wir entschieden uns dann, weil niedrigster CO2-Footprint, für letzteres und sind auf die Bettmeralp gefahren.

Gypsy Kitchen!

Gut, wir haben auch festgestellt, dass das Wallis jedes Jahr ungefähr gleichviel Entwicklungshilfe und Wirtschaftsförderung wie Afghanistan und Weissrussland zusammen erhält, von dem her wollten wir doch auch mal sehen, was die mit unserem Geld so machen den ganzen Tag. Hase hatte im Internet eine Ferienwohnung gesucht und auch gefunden – sie war zwar schweineteuer, aber immerhin ausgezeichnet ausgestattet. Meine Wenigkeit war ja primär an der Küche interessiert und dementsprechend hocherfreut, als ich feststellen durfte, dass es die mit Abstand besteingerichtete Ferienwohnung war, die ich je zu mieten das Vergnügen hatte. Ich sag jetzt natürlich nicht, wo die Wohung genau war, weil ich vermeiden will, dass schon wieder eine Dschango Beinhart-Gedenkstätte eingerichtet wird, aber nur soviel: man hatte seitens Besitzerfamilie sogar daran gedacht, itauiänische Espresso-Maschinen in dreifacher Ausführung (klein, mittel, gross) anzuschaffen. Und da der Dschango auch ein nettes Sortiment an Pfannen und Töpfen sowie ein ordentlich geschliffenes, grosses Messer vorfand, konnte dem erholsamen Aufenthalt eigentlich gar nichts mehr im Weg stehen.

Man kann vorausschickend sagen, dass man im Wallis, den durchaus berechtigten Vorurteilen zum Trotz, einen ganz hübschen Urlaub verleben kann. Auch sind die Walliser gar nicht so schlimm, wie sie in den Medien dargestellt werden. Man muss im Umgang mit ihnen einfach folgende Themen meiden:

  • die Jagd im Allgemeinen, Wölfe im Speziellen
  • Zahlungsausgleich
  • Subventionen
  • Umweltschutz
  • Religion, v.a. die Abwesenheit derselben
  • Politik
  • Militär / Schusswaffenbesitz
  • Heli-Skiing
  • Klimawandel
  • Frauenrechte
  • Minderheitenrechte
  • Europa
  • EU und UNO (wenn nicht in der Rolle als Geldgeberinnen)

Als Faustregel darf gelten: was an einem normalen Familientreffen nicht zur Katastrophe führt, wird auch im Gespräch mit Wallisern in der Regel friedlich enden (your family may vary). Und wie an einem Familientreffen machen grosse Mengen an Alkohol die Sache weit erträglicher.

Übrigens durfte ich feststellen, dass die Bettmeralp und benachbarte Gebiete (ich nehme an, das gilt auch für den Rest des Wallis) ein Paradies ist. Jetzt nicht primär ein Paradies für Wandervögel oder Wintersportbegeisterte, sondern auch und vor allem ein Paradies für den Deppenapostroph. Dieser war derart inflationär in Gebrauch, dass ich mir überlege, ihn zukünftig nur noch “Bettmerapostroph” zu nennen. Die nachfolgende Lichtbildreihe, die keineswegs Anspruch auf auch nur annähernde Vollständigkeit erhebt, mag dies belegen.

Bettmerapostroph 1

Bettmerapostroph 1 - der zeitlose Klassiker

Bettmerapostroph 2 - originell!

Bettmerapostroph 3 - die absolute Härte

Auffallend ist, dass die Walliser für viele Dinge eine ganz eigene Bezeichnung haben. Dies hat nichts mit dem Walliser Dialekt zu tun, sondern nur mit der Tatsache, dass einige Dinge jenseits des Tunnels einfach ganz anders laufen. Ein Beispiel wäre hier der Begriff “autofrei”. Die Bettmeralp wirbt ja damit, autofrei zu sein. Nun stellt sich der strunznormale Tourist unter “autofrei” vor, dass er während seines Aufenthalts davon entbunden ist, Abgase aus Motorfahrzeugen einzuatmen. Auf der Bettmeralp bedeutet “autofrei” aber nur, dass keine vierrädrigen Personenwagen auf den Strassen fahren, was aufgrund der Topographie sowieso unmöglich wäre. Stattdessen hat man dort auf das CO2-freundliche und völlig lärmneutrale Fahrzeug “Motorschlitten” gesetzt und mutmasslich jedem Einwohner von Betten mit einem IQ von über 30 so ein Teil geschenkt, was dazu führt, dass man vor der Seilbahnstation innert fünf Minuten ungefähr dieselbe Menge an Feinstaub und Zweitakter-Abgasen einatmet, wie wenn man sich während einer Stunde in Zürich ans Central gestellt hätte. Aber Autos im Sinne von vierrädrigen PKWs, das muss man sagen, haben wir die ganze Woche über tatsächlich keine gesehen.

Interessant ist auch, wie sich die Touristen in einem “autofreien” Gebiet verhalten. Ungedenk der Tatsache, dass ständig Monstertrucks auf Raupen in einem Arschtempo durchs Dorf heizen, lassen Unterschweizer mit einem seligen Grinsen im Gesicht ihre Brut völlig sorglos umhertoben, beziehungsweise sich auf der Strasse hin- und herwälzen. Das Kind an sich verhält sich bei akuter Gefahr ja ähnlich wie das gemeine Reh, nämlich entweder mit Flucht oder mit Schockstarre. Der Fluchtreflex wird aber offenbar durch Winterkleidung und Schnudernase massgeblich behindert, so dass nur die Starre als adäquate Reaktion bleibt. Herzerfrischend, mitanzusehen, wie so einem Laurin oder einer Leonie vor einem 1.5 Tonnen schweren Dröhnmaschin der Kiefer runterklappt, weil der dumme Bratz gerade gemerkt hat, dass nur die just vollstreckte Vollbremsung des umsichtigen Chauffeurs sein Ende als Fettfleck auf Schnee verhindert hat. Gut, bei einigen Kindern hatten wir den Eindruck, als ob die Eltern das absichtlich machen würden (“Herr Richter, wir können doch nichts dafür, da stand ja extra noch autofrei!”). Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Und nochwas zum Thema Motorschlitten: für eine Fahrt von der Seilbahnstation zu unserer Wohnung (Fahrtzeit: grob geschätzte 12 Sekunden) durften wir SFr. 30.- (in Worten: dreissig) abdrücken. Zum Vergleich: mit dreissig Franken fahre ich hier mit dem Taxi einmal quer durch Bern und wieder retour. Dass uns der grenzdebile Freizeit-Schlittler auch noch am völlig falschen Ort rausgeschmissen hat und ich anschliessend auf Abwege geriet, deshalb auf die Schnautze knallte und dabei mein eh schon lädiertes Knie in schmerzhafter Weise in den Boden rammte, war in den dreissig Eiern glücklicherweise bereits inbegriffen.

Zum Schnee nur soviel: es hatte Unmengen von dem Zeug. Überall. Hase kam gar nicht mehr aus dem Vergischplen raus und mir, das muss ich zugeben, hing das Material nach vier Tagen doch schon ganz ordentlich aus dem Hals. Auch zeigte man sich auf der Bettmeralp mir gegenüber extrem unkooperativ, indem man jede Nacht den plattgedrückten und runtergeskifahrten Schnee wieder durch Neumaterial aus Schneekanonen und -lanzen ersetzte, wodurch es am nächsten Morgen dann wieder genauso aussah wie am Tag davor. Jede Nacht konnte man buchstäblich mit ansehen, wie sich an den Hängen unsere Steuern in weisses Rutschmaterial verwandelten. Es wäre ein wunderschöner Anblick gewesen, hätte es nicht so einen Höllenlärm veranstaltet.

Oben blau und unten weiss. Viel mehr gab es da eigentlich nicht zu sehen.

Oh, und apropos Schnee: wir waren ja auch noch Schneeschuhlaufen. Das war ein grosser Spass! Weil wir Memmen und blutige Anfänger sind, dachten wir uns, wir schliessen uns vielleicht besser einer geführten Schneeschuhwanderung an und entschieden uns dann für eine Tour mit Ed Kummer, einem alten Hasen im Geschäft. Ed heisst mit vollständigem Namen übrigens weder Edgar, noch Eduard, noch Theodor, sondern Edelbert, I shit you not. Nun ja, der Marsch war lange und grandios, dem Aletsch-Gletscher entlang und durch den Aletsch-Wald, ein Traum. Im Übrigen ist Schneeschuhlaufen relativ einfach und gar nicht so anstrengend, wie ich meinte. Hase hat dann auch noch stellvertretend für die Gruppe und zur Erheiterung derselben herausgefunden, dass man in Schneeschuhen nicht rückwärts gehen kann. Hei, was haben wir gelacht.

Nach etwa vier Stunden im Schnee waren wir dann auch relativ gebacken und wollten unbedingt etwas futtern. Das stellte uns aber vor einige logistische Probleme. Wir befanden uns nämlich auf der Riederfurka und wir wollten auf der Bettmeralp einkehren, was erstmal eine gute Stunde Marsch bedeutet. Gut, soweit kein Problem. Wenn man aber einen langen, unanstrengenden Weg geht, kommt man ins Plaudern. Und wenn man gehend und plaudernd Hunger hat, spricht man darüber, was man bald essen möchte. Und irgendwie hatten wir uns die fixe Idee “Raclette” eingebrockt. Auf der Bettmeralp angekommen, hatten wir uns die ganze Zeit schon auf Raclette gefreut und waren entsprechend giggerig auf das Zeug. Womit wir aber nicht gerechnet haben: nirgends ist es schwieriger, an ein Walliser Raclette zu gelangen, als im Wallis.

Ja, gut, in der einen oder anderen Beiz hätten wir wohl ein Raclette kredenzt bekommen können. Aber, und dieses aber muss ich gleich fett wiederholen, aber also ist es rein vom ökonomischen Standpunkt her extrem uninteressant, mit mir portionenweise Raclette verspeisen zu wollen. So ein Kilo Raclettekäse verdrücke ich nämlich schon locker, wenn ich gar nicht ausgesprochen hungrig bin und da auf der Bettmeralp, ich kann euch sagen, mein Magen lief ständig so zwei, drei Meter hinter mir her und sah schon aus wie ein täupelender Sepp Blatter. Es war kein schöner Anblick.

Wir latschten dann also das elende Dorf auf und ab, um eine Gaststätte zu finden, die uns Raclette à discretion kredenzen würde – völlig aussichtslos. Schon portionenweise war das nur in einer Beiz möglich (acht Stutz für die Portion – ja danke, für geschätzt 150 Hämmer kann ich mir den Ranzen auch mit subventionsfreien Sushi vollschlagen). Es war schon lange dunkel und in den Strassen liessen sich mittelalte Touristinnen von mittelschönen Skilehrern das Vorspiel bestehend aus Schüümli Pflüümli und Wodka Redbull angedeihen, als sich Dschango und sein Hase entschlossen, das Raclette-Thema zu vertagen und uns stattdessen eine Pizza zu gönnen. Die zwar wahnsinnig lecker war (gut, man hätte mir an jenem Abend auch eine überfahrene Leonie in der Mikrowelle aufwärmen können und ich hätte sie wahnsinnig lecker gefunden), mir aber die nächsten Tage den Dünnschiss bescherte. Man kann halt einfach nicht immer gewinnen und wer weiss, was mir mit einem Discount-Raclette oder einer Leonie im Bauch widerfahren wäre.

Raclette hatten wir dann übrigens am Tag der Abreise, indem wir uns im Bettmeralper Coop (das originellerweise “Walliser Wochen” hatte – wirklich exotisch so mitten im Wallis) eine Ladung des leckeren Walker-Käses gekauft haben und diesen dann am Abend zuhause in der Hasenhöhle zum Schmelzen brachten.Was zudem ohne einen Wirt zu bewerkstelligen war, der dauernd nervös um mich herumtanzt (“sitter ganz sicher, dass der no möget…?!?”).

Man kann abschliessend also feststellen: ja, es ist möglich, im Wallis Ferien zu machen und dies auch noch zu überleben. Andere Entwicklungsländer sind sicher günstiger, haben auf der anderen Seite aber meist auch weniger Schnee, von Motorschlitten ganz zu schweigen. Oh, da fällt mir noch ein, dass Malawi ein Furz-Verbot kennt und dieses in Zukunft auch durchsetzen will. Also noch eine Gegend, die aus finanziellen Gründen als Feriendestination für den Dschango eher als kostspielig einzuschätzen ist.

Nächstes Jahr also doch Afghanistan.




Hilfe, die Dogen bilden wieder Szenen!

Auch davor schützt die Reithalle-Initiative!

Nun ist es ja so, dass auch ich nicht alles weiss, was es auf dieser Welt zu wissen gäbe. Mir war noch knapp geläufig, was “Dogen” sind – Oberhäupter der italienischen Republiken Venedig und Genua im Mittelalter nämlich – es war mir aber nicht bewusst, dass es mit diesen Dogen Probleme in der Jetztzeit geben könnte. Geschweige denn, dass sie in der Stadt Bern durch eine besonders ausgeprägte Szenenbildung auffallen würden.

Zum Glück wurde ich diese Woche eines Besseren belehrt, durch jene Postille nämlich, die – zum Glück! – vom durch den “keine Werbung”-Kleber auf unserem Briefkasten nicht abgeschreckten Verträger in selbigen gesteckt wurde.

Es geht hier natürlich um den Hochglanzprospekt zur fünften oder sechsten oder wasweissichwievielten Reithalle-Initiative, die am 26. September in Bern zur Abstimmung kommt und übrigens ein grandioses Beispiel dafür ist, wie sehr gewissen Politikern der Volkswille am Herzen liegt, vor allem dann, wenn das strunzdumme Volk ums Verrecken nicht begreifen will, was sein Wille zu sein habe. Vielleicht etwas Positives vorweg: der ganze Prospekt kommt mit genau zwei (2!) Ausrufezeichen aus. Das sind, notabene, genau gleich viele, wie ich zum Schreiben dieses Artikels bisher benützt habe.

Ich weiss nicht, ob meine werte LeserInnenschaft jetzt die Sensation wirklich begreift (ihr braucht ja schon mindestens fünf Anläufe, bis ihr endlich kapiert, was ihr eigentlich abstimmen wolltet, gopf): da ist ein Prospekt, der unter anderem das Konterfei von Brokeback-Erich enthält, ich würde jetzt den Textanteil auf rund 2000 Zeichen schätzen, und nur zwei davon sind Ausrufezeichen. Wenn man die textarme Titelseite wegrechnet, sogar nur noch eines! Viermal weniger als ich, unter wohlverstanden hochverantwortlicher Dosierung, bis jetzt hier verschreibt habe! Wahrlich, ich sage euch: der Tag, an dem die Hölle zufriert, ist nahe.

Und wenn wir schon beim Prophetentum sind: Meinen Glückwunsch an die muslimischen MitbürgerInnen, ihr dürft ab morgen ja wieder im Sonnenlicht fressen, saufen, rauchen und ficken, weil das euer nachtblinder Gott dann wieder zulässt. Das finde ich schon mal gut. Vor allem den Punkt mit dem Rauchen, weil das bekanntlich saudumme Verletzungen gibt, wenn man im Dunkeln rauchen will und dann zB die Zigi oder die Shisha falsch herum anzündet.  Das Ende des Ramadans entlastet somit auch die Krankenkassen, und wer kann sich ernsthaft dagegen wehren? Eben.

Apropos Ramadan: im Gegensatz zum Rest der muslimischen Welt hat Genf ja das ganze Jahr über einen, und dessen Ende ist nicht wirklich absehbar. Bei dem geht es auch keineswegs um Ficken, Fressen und andere das Leben beglückende Ereignisse, sondern um Steinigungen. Die jetzt vielleicht in einer Wüstenlandschaft noch Sinn machen, aber in einer agrarisch geprägten Landschaft wie der Schweiz eher schräg daherkommen. Ich meine, bevor man sich die Mühe macht, hier genügend Steine im aparten Format zu finden, könnte man sich allenfalls überlegen, die Sitte hierzulande mit Kuhfladen umzusetzen. “Kuhfladigung” wäre eh noch ein geiles Wort, irgendwie. Kuhfladigung in der Mubarak, hahaha. Ich werde das beim Herrn Ramadan vielleicht bei Gelegenheit mal anregen.

Noch jemand, der grossen Spass am Ende des Ramadans (nicht dem von Genf, jetzt!) hat, ist der Pastor Terry Jones, der sich vor Jahren mal in seiner damals noch in Deutschland angesiedelten Halluzinationsgruppe am Klingelbeutel gütlich getan hat, danach zurück ins gelobte Land gegangen ist und sich nun dem Koran-BBQ widmet. Oder widmen will, man weiss das nicht so genau. Auf jeden Fall hat ihm die Gemeinde Gainesville seine Aktion verboten, unter Hinweis auf feuerpolizeiliche Bestimmungen, was ich persönlich recht schlappschwanzig finde. Momentan ist noch nicht klar, ob morgen tatsächlich Koräne (-ane?) brennen werden oder nicht, mich persönlich regt aber schon nur die Idee an sich auf. Ich meine, in Zeiten von Rohstoffknappheit, welcher Idiot kommt auf die Idee, wertvolles Papier einfach zu verbrennen? Hat Pastor Jones nichts aus der “Deep Horizon”-Katastrophe gelernt? Man muss es fast annehmen, denn sonst würde er nicht nur den Koran, sondern sämtliche überflüssige Fantasy-Literatur (Koran, Bibel, Tora, egal) in grossen Containern sammeln und zu nützlichen Konsumgegenständen wie Bratwurst-Umwickelservietten oder Klopapier verarbeiten. Mister Jones, noch haben Sie Zeit,  zu bereuen und auf den rechten Pfad zurückzukehren!

Man könnte es zugegebenermassen falsch verstehen, dass ich von den Fundamentalisten direkt auf Roland Näf überleite, aber ich bin stolz darauf, meiner lieben LeserInnenschaft mitteilen zu dürfen, dass wir es jetzt amtlich haben: die Tatsache, dass ihr regelmässige Daumenschraube-LeserInnen seid, heisst nicht zwingend, dass deshalb nichts aus euch wird im Leben. Einer der Daumenschraube-Fans der ersten Stunde wurde nämlich letzthin zum Präsidenten der SP des Kantons Bern gewählt – wir gratulieren herzlich!

Nicht so viel Freude hatten wir, als wir hörten, dass der Grosse Rat des Kantons Bern einen Vorstoss Näfs, den Kindergärten mehr Stellenprozente zu gönnen, abgelehnt hatte. Da muss man sich schon an den Grind langen: hat der Näf doch endlich mal eine gute Idee und löst sich etwas von seiner Killerspiel-Fixierung, macht ihm der Grosse Rat diese Idee prompt kaputt. In dieses Bild passt übrigens, dass derselbe Grosse Rat auch das Kulturprogramm abgelehnt hatte. Selbstverständlich will man Integration, selbstredend will man Förderung, und ohne Zweifel ist Bildung, als unsere wertvollste Resource, hochprioritär zu behandeln, nur kosten darf der Scheiss natürlich nichts.

Übrigens, da wir uns nun in die Niederungen des Bildungswesens begeben haben: ich glaube, dies hier mal erwähnt zu haben, euer Dschango ist ja jüngst unter die Lehrmeister gegangen und bildet nun Spätpubertierende zu waschechten Informatikern aus. Macht Spass, macht Freude, und die Kleinen lernen erst noch was dabei statt nur herumzulungern. Keine Freude macht hingegen, was der Dschango da dauernd an Papier von der GIBB bzw von der OdA ICT Bern erhält. Nicht weil er grundsätzlich etwas gegen Papier hat – siehe meine Opposition gegenüber der Verbrennung desselben -  sondern weil diese der Erziehungsdirektion angehängten Läden offenbar des teutschen Sprake night so righik machtig sint. Anders kann ich mir nicht erklären, wie diese Institutionen Papier produzieren können, die vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzen. Ich will hier ja nicht ins Detail gehen, aber als mein Stift letzthin mit einem Brief dazu aufgefordert wurde, zu einem Lehrgang “nicht leidende Kleidung” zu tragen, da war sowohl der Stift als auch ich etwas überfordert. Wollte man sicherstellen, dass nur Fair Trade-Baumwolle getragen wurde? Oder, dass dem Stift sein Gwändli nicht in einem Sweatshop produziert wurde? Oder meinte man eher “nicht-leitend” und hat einfach das Legasthenen-AddOn aus der Textverarbeitung auszuschalten vergessen? Fragen über Fragen.

Aber zurück zum Reithalle-Prospekt und somit zum Titel dieses Artikels. Nebst der beinahe schon angsteinflössend geringen Anzahl von Ausrufezeichen und dem Bildnis von Richi-Dschei frappiert dieser nämlich auch noch mit folgender schockierenden Feststellung:

Es besteht eine Dogenszene, gegen welche die Polizei nicht durchgreifen kann.

Zum Glück gibt es noch aufrechte Politiker, die sich dagegen wehren, wenn italienische Herrscher aus dem Mittelalter unkontrolliert nach Bern immigieren und hier ihren Zirkus aufführen, eine rat- und tatlose Polizei vor sich. Und zum Glück gibt es auch noch ein Volk, das diesen Politikern hoffentlich auch beim fünften Mal den wohlverdienten Finger zeigt.




Kontext, Kontext, Kontext!

Aufmerksamen LeserInnen wird es nicht entgangen sein: Dschango hat ein Lieblingswort. Gut, ok, nicht nur eines, aber eines ganz besonders: sch’gengdas. Für unsere lieben Teutonen: das ist eine (bern-)schweizerdeutsche Version von “immerhin”. Wollt ich nur gesagt haben.

Nun gut. Dieser Ausdruck traf mich zum ersten Mal vor vielen Jahren, als ich ihn von Hase hörte, als Ausdruck eines gewissen Zweckoptimismus mit zynischem Unterton.

Ein Beispiel. Der Bundespräsident lässt sich von einem Öldiktator so richtig ordentlich den Arsch versohlen, die ganze Welt lacht über den “Bundesrat Nötzli” (O-Ton BlAbend von gestern), sowohl Gewaltentrennung als auch Föderalismus wurden verletzt, eine alternative Rechtsordnung, massgeschneidert für alle Lybier in der Schweiz, wurde geschaffen, aber immerhin, die Geiseln werden frei kommen. Oder sollen dies zumindest ganz bald. Sehr wahrscheinlich. Wenn wir jetzt alle ganz fest die Arschbacken zusammenkneifen und ja nichts Zweideutiges oder gar Eindeutiges Richtung Lybien schicken. Von einem Berner Beobachter (bzw einer Berner Beobachterin, war ja immerhin Hase, von der ich den Ausdruck habe) würde man jetzt furztrocken hören:

Sch’gengdas, het s’Müüsli gseit.

Soweit so gut. Aber, das fragte ich Hase sofort, aber was zur Hölle hat das Mäuschen damit zu tun? Inwiefern ist Mäuschen dazu qualifiziert, eine Aussage über den Bundespräsidenten zu machen? Leider erntete ich von Hase auch nur ratloses Kopfschütteln, das Rätsel musste ungelöst bleiben. Offenkundig fehlte hier der Kontext, der eventuell Mäuschen die Legitimation lieferte, sich zur Thematik zu äussern (und ich sage euch, Mäuschen hält nie und nimmer mit seiner Meinung hinter dem Berg). Die Causa Müüsli musste vorläufig offen bleiben, so unbefriedigend die Situation auch war. Viel, viel länger übrigens, als die Geiseln in Lybien festgehalten wurden, und der Bundespräsident hat sich in all den Jahren einen Scheissdreck drum gekümmert.

Schnellvorlauf, etwa zehn Jahre. Ich beginne einen neuen Job, finde tolle neue Arbeitskollegen und bin im Übrigen eigentlich ganz wohl in meiner Haut. Die Müüsli-Geschichte habe ich zwar nicht vergessen, wohl aber in einen Teil meines Fühlens und Denkens verbannt, der im allgemeinen Rauschen untergeht. Ich diskutiere also eines schönen Tages mit meinen neuen Kumpels irgendwas Geschäftskritisches und auf einmal sagt der eine Kolleg:

Sch’gengdas…

Ich steige da natürlich voll mit ein:

…het s’Müüsli gseit

Und – jetzt kommt es! – da gibt der wie aus der Pistole geschossen zurück:

… wo’s is Meer bislet het.

Und plötzlich tat sich mir eine Welt auf. Plötzlich konnte ich nachfühlen, was Leute meinen, wenn sie sagen, sie hätten Erleuchtung gefunden. Auf einmal sah ich klar und deutlich, was Müüsli für eine Rolle in der Weltgeschichte spielte, wusste mit absoluter Sicherheit, ja, Müüsli hat etwas zu sagen. Müüsli ist teh shizzle!

Wir lernen also: Kontext ist Trumpf. Ohne Kontext hängt auch – sogar! – Müüsli nur lustlos im Raum herum und weiss sich nicht recht zu helfen. Also: mehr Kontext braucht das Land!

Ich hoffe sehr, dass auch Roger Köppel diesen Artikel liest. Gestern haben wir nämlich aus irgendeinem Grund eine Weltwoche im Briefkasten gehabt – fragt mich nicht, es geschah ohne jegliches aktives Zutun von unserer Seite. Nachdem ich den Briefkasten desinfiziert (übrigens, das passt gerade schön zur Schweinegrippe: es heisst nicht ‘desinfiszieren’, auch wenn man das immer wieder in Film, Funk und Fernsehen hört, das Substantiv schreibt sich ja auch nicht ‘Desinfekstion’, ihr Knüllen) und mir Gummihandschuhe übergezogen habe, entschloss ich mich dann, dieses Blatt mal wieder anzuschauen und las das Editorial vom Schefredaktör aufmerksam durch. Herr Köppel referiert da über den Zweiten Weltkrieg und nachdem ich die ganze Seite noch ein zweites Mal gelesen habe, merkte ich, was der Herr Köppel vergessen hatte: den Kontext, der den Text nicht nur lesbar gemacht hätte, sondern ihn auch mit einem gewissen Informationsgehalt hätte aufwerten können. Ich weiss nämlich immer noch nicht, was mir der Herr Köppel eigentlich genau sagen wollte mit seinem Editorial.

Herr Köppel wäre gut beraten, sich am Müüsli ein Beispiel zu nehmen.




Lecker ist anders

Heieiei… da leiere ich mir einen ab, wie sehr in die Gesellschaft integriert wir Gitanen doch heutzutage seien, und da stolpere ich in meiner nächsten Nachbarschaft über dieses Schild.

Schrecklich. Dass man uns jagt, erlegt und zu Steaks verarbeitet, ist ja schon schlimm genug. Aber das verdammte stundenlange Einlegen in Marinade vorher… einfach nur grauenhaft.

Damit dieser Freitag nicht ganz trostlos endet, empfehle ich euch noch, un-be-dingt bei der Allee der Spackonauten vorbezuschauen. Herr banana hat da eine Abhandlung zur Verteidigung von Analog-Käse und Gel-Schinken hingehauen, dass mir die Schwarte gekracht hat vor Lachen.

Übrigens, von wegen Analog-Käse… ist ja ein supigeiles Wort, aber welcher Scheiss-Nerd von Lebensmitteltechniker kommt auf die Idee, was zu Essen auf den Markt zu bringen, das den Wortteil ‘Anal’ im Produktnamen enthält?

Der Käse ist voll fürn Arsch, ey.




Türkisch-griechische Freundschaft – mit Alles!

Alle kennen die Frage, die einem beim Kebab- bzw Falafelverkäufer unweigerlich gestellt wird, kurz bevor selbiger den heiss ersehnten Imbiss mit Brot umhüllt:

„Mit Scharf, mit Alles?“

Vom grammatikalischen und stilistischen Standpunkt her total falsch, ja. Trotzdem sympathisch, wenn nicht sogar heimelig. Von dieser sympathischen Heimeligkeiit möchte wohl auch die Migros profitieren, wenn sie ihre (im Übrigen total leckeren) Hot Sandwiches anschreibt.

Vielleicht liegt hier die lang ersehnte Versöhnung zwischen Griechen und Türken, quasi zum Reinbeissen parat. Die Zyprioten freuen sich bereits, so munkelt man.




Furu Siftware chropmatsch

Wer den Dschango ab und zu IRL trifft, weiss, dass das Chrischtchindli ihm nachträglich noch ein MPD32 gebracht hat. Ein ganz primafeines Gerät, es zischt auch vorzüglich mit REAPER, Dschango ist total glücklich.

Er wäre aber nicht Dschango, wenn er nicht mindestens ein Haar finden würde, und siehe, in der deutschen Preset-Dokumentation wurde er fündig. Wohlverstanden, ich mache mich hier nicht über einen Fremdsprachler lustig, der Google-übersetzte Dokumente generiert. Vielmehr scheint, dass der Autor die eine oder andere Substanz konsumiert hat oder aber einem sprachlichen Kreativ-Schub erlegen ist.

Ganz besonders schlimm hat es den GURU-Teil getroffen, aber man siehe selbst:

Ist lustig, ja – aber bei den Stichworten ‘Siftware’ und ‘chropmatsch’ komme ich schon ins Grübeln. Woher, so frage ich mich, woher wissen Akai um meine Musik-Skills? Woher wissen sie um den Qualitätslevel meiner eingesetzten Programme?

Das erklärt wohl den Zusatz ‘Pro’ im Firmennamen.




Dem Chefredaktor fiel der Dativ aus dem Hirn

Muss nicht sein, oder?

Und wir regen uns auf, wenn wir Amateure in unseren Artikeln ein Rechtschreibfehlerchen übersehen haben. Pah!

Zumindest bei den Titeln sind wir immerhin fehlerfrei. Und die Fälle beherrschen wir eigentlich alle.

Mal eine Scheibe von der Daumenschraube abschneiden Tagi!




Deppenapostroph – für dich und mich

Ja, Coop geht mir auf den Sack. Nicht nur, weil sie einen Stress inklusive Filmteam an den Aralsee karren müssen, um einen Werbespot contre la Klimacatastrophe zu drehen. Auch nicht nur, weil ich das Zmittagsangebot des Mini-Coops bei uns ums Eck mehr als ausgeschöpft habe und sich diese Knalltüten standhaft weigern, mal einen frischen Wind ins Sortiment zu bringen. Und auch nicht nur deshalb, weil sie den unübertrefflichen Höhepunkt der Schoggikultur nicht zum Kauf anbieten. Es ist mehr die Summe der Dinge, die einen an sich harmlosen Konsum(!)enten – Dschango – gegen Detailhändler aufbringen und Gesetze gegen Besitz und Anwendung von Brandbomben verfluchen lassen.

Apropos Aralsee: Kümmert jetzt sicher keine Sau, aber beim Stichwort Aralsee kommt mir in den Sinn, dass ich gar keine Ahnung habe, was ‘Aral’ bedeutet. Ich meine jetzt da die Benzinverticker, nicht die kasachische Stadt, wobei ich eben dachte, dass sich der Name der Firma vom Namen der Stadt ableiten könnte – Erdölvorkommen und so. Ja, ich weiss, ich bin schon ein schlaues Kerlchen, dass ich da drauf komme. Da hättet ihr jetzt nicht gedacht, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte, na? Nur führt uns die kasachische Stadt leider in die Irre, weil der Name der Firma leitet sich von den beiden Bestandteilen (Benzol ist aromatisch, Benzin hingegen aliphatisch) eines Treibstoff-Gebräus ab, das ein Chemiker 1924 in Deutschland erfunden hatte. Von Deutschland nach Kasachstan – da kann man mal sehen, wohin uns Assoziationen führen können. Direkt ins Klo nämlich, rein geografisch gesprochen.

Nachdem ich nun auf so charmante Weise ein bisschen Text um das Bild gezaubert habe, bleibt mir noch etwas Platz, um auf das eigentliche Thema dieses Artikels einzugehen. Letzthin sass ich nämlich auf dem Klo und führte mir das Magazin zu Gemüte, als mein unschuldiges Auge obiges Inserat erblickte. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:  Es – gibt – im – Deutschen – keinen – Genitiv – Apostrophen! Ausser, man will einen Eigennamen verdeutlichen: Andrea’s Friseursalon vs. Andreas’ Friseursalon. Muss meiner Meinung nach auch nicht sein, aber ich beuge mich da ja dem neuschreiblichen Duden-Diktat.

Wo aber soll, bitteschön, in obigem Beispiel die Notwendigkeit einer Verdeutlichung auszumachen sein? Womit kann man ‘Tims’ verwechseln? Weshalb muss ich mir nicht einen, sondern gleich zwei Deppenapostrophe antun, während ich gemütlich abseile? Coop, was soll das? Warum tust du mir das an? Können wir nicht einfach Freunde sein?

Der Stress geht mir übrigens auch auf den Sack. Das ist aber wieder eine total andere Geschichte.




Warnung: Golferschirme können Ihre Gesundheit gefährden!

Meinereiner hat ja nicht einmal gewusst, dass Golfer eine eigene Sorte Schirm benötigen… Trotzdem: vielleicht sollte man in diesem Berner Fachgeschäft mit dem Schirm auch noch eine Packung Alka-C abgeben – so für alle Fälle.




Stellungsprobleme

Es ist schon faszinierend, was unser Bildungssystem alles hervorbringt. Nicht nur, dass neu individueller Violinunterricht möglich ist (man erinnere sich, damals, im Krieg, als wir zu hundert in einem ungeheizten Keller im Kollektiv um ein Stück hartes Brot geigen mussten). Nein, neu bietet man an Schweizer Konservatorien auch die Möglichkeit, sich zur erfahrenen Pädagogin ausbilden zu lassen! Stellt euch das vor, ihr kommt frisch aus der Ausbildung und seid bereits – flutsch! – erfahren in eurer Kunst! Und um das zu belegen, bekommt ihr auch noch ein Diplom mit, das ihr euch übers Bett hängen könnt. Oder an den Notenständer. Oder wo auch immer, das bleibt dann komplett euch überlassen.

Vielleicht sollte man bei der Berufsausbildung zur Violinpädagogin den Fokus etwas weg von der Erfahrung nehmen, dafür in ein oder zwei Stunden deutsche Grammatik investieren. Nur so ein Vorschlag.

Und übrigens, Camel-Case geht echt nur noch bei Sourcecode. Alles andere ist sooooooo 90ies…