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Kontext, Kontext, Kontext!

Aufmerksamen LeserInnen wird es nicht entgangen sein: Dschango hat ein Lieblingswort. Gut, ok, nicht nur eines, aber eines ganz besonders: sch’gengdas. Für unsere lieben Teutonen: das ist eine (bern-)schweizerdeutsche Version von “immerhin”. Wollt ich nur gesagt haben.

Nun gut. Dieser Ausdruck traf mich zum ersten Mal vor vielen Jahren, als ich ihn von Hase hörte, als Ausdruck eines gewissen Zweckoptimismus mit zynischem Unterton.

Ein Beispiel. Der Bundespräsident lässt sich von einem Öldiktator so richtig ordentlich den Arsch versohlen, die ganze Welt lacht über den “Bundesrat Nötzli” (O-Ton BlAbend von gestern), sowohl Gewaltentrennung als auch Föderalismus wurden verletzt, eine alternative Rechtsordnung, massgeschneidert für alle Lybier in der Schweiz, wurde geschaffen, aber immerhin, die Geiseln werden frei kommen. Oder sollen dies zumindest ganz bald. Sehr wahrscheinlich. Wenn wir jetzt alle ganz fest die Arschbacken zusammenkneifen und ja nichts Zweideutiges oder gar Eindeutiges Richtung Lybien schicken. Von einem Berner Beobachter (bzw einer Berner Beobachterin, war ja immerhin Hase, von der ich den Ausdruck habe) würde man jetzt furztrocken hören:

Sch’gengdas, het s’Müüsli gseit.

Soweit so gut. Aber, das fragte ich Hase sofort, aber was zur Hölle hat das Mäuschen damit zu tun? Inwiefern ist Mäuschen dazu qualifiziert, eine Aussage über den Bundespräsidenten zu machen? Leider erntete ich von Hase auch nur ratloses Kopfschütteln, das Rätsel musste ungelöst bleiben. Offenkundig fehlte hier der Kontext, der eventuell Mäuschen die Legitimation lieferte, sich zur Thematik zu äussern (und ich sage euch, Mäuschen hält nie und nimmer mit seiner Meinung hinter dem Berg). Die Causa Müüsli musste vorläufig offen bleiben, so unbefriedigend die Situation auch war. Viel, viel länger übrigens, als die Geiseln in Lybien festgehalten wurden, und der Bundespräsident hat sich in all den Jahren einen Scheissdreck drum gekümmert.

Schnellvorlauf, etwa zehn Jahre. Ich beginne einen neuen Job, finde tolle neue Arbeitskollegen und bin im Übrigen eigentlich ganz wohl in meiner Haut. Die Müüsli-Geschichte habe ich zwar nicht vergessen, wohl aber in einen Teil meines Fühlens und Denkens verbannt, der im allgemeinen Rauschen untergeht. Ich diskutiere also eines schönen Tages mit meinen neuen Kumpels irgendwas Geschäftskritisches und auf einmal sagt der eine Kolleg:

Sch’gengdas…

Ich steige da natürlich voll mit ein:

…het s’Müüsli gseit

Und – jetzt kommt es! – da gibt der wie aus der Pistole geschossen zurück:

… wo’s is Meer bislet het.

Und plötzlich tat sich mir eine Welt auf. Plötzlich konnte ich nachfühlen, was Leute meinen, wenn sie sagen, sie hätten Erleuchtung gefunden. Auf einmal sah ich klar und deutlich, was Müüsli für eine Rolle in der Weltgeschichte spielte, wusste mit absoluter Sicherheit, ja, Müüsli hat etwas zu sagen. Müüsli ist teh shizzle!

Wir lernen also: Kontext ist Trumpf. Ohne Kontext hängt auch – sogar! – Müüsli nur lustlos im Raum herum und weiss sich nicht recht zu helfen. Also: mehr Kontext braucht das Land!

Ich hoffe sehr, dass auch Roger Köppel diesen Artikel liest. Gestern haben wir nämlich aus irgendeinem Grund eine Weltwoche im Briefkasten gehabt – fragt mich nicht, es geschah ohne jegliches aktives Zutun von unserer Seite. Nachdem ich den Briefkasten desinfiziert (übrigens, das passt gerade schön zur Schweinegrippe: es heisst nicht ‘desinfiszieren’, auch wenn man das immer wieder in Film, Funk und Fernsehen hört, das Substantiv schreibt sich ja auch nicht ‘Desinfekstion’, ihr Knüllen) und mir Gummihandschuhe übergezogen habe, entschloss ich mich dann, dieses Blatt mal wieder anzuschauen und las das Editorial vom Schefredaktör aufmerksam durch. Herr Köppel referiert da über den Zweiten Weltkrieg und nachdem ich die ganze Seite noch ein zweites Mal gelesen habe, merkte ich, was der Herr Köppel vergessen hatte: den Kontext, der den Text nicht nur lesbar gemacht hätte, sondern ihn auch mit einem gewissen Informationsgehalt hätte aufwerten können. Ich weiss nämlich immer noch nicht, was mir der Herr Köppel eigentlich genau sagen wollte mit seinem Editorial.

Herr Köppel wäre gut beraten, sich am Müüsli ein Beispiel zu nehmen.




Lecker ist anders

Heieiei… da leiere ich mir einen ab, wie sehr in die Gesellschaft integriert wir Gitanen doch heutzutage seien, und da stolpere ich in meiner nächsten Nachbarschaft über dieses Schild.

Schrecklich. Dass man uns jagt, erlegt und zu Steaks verarbeitet, ist ja schon schlimm genug. Aber das verdammte stundenlange Einlegen in Marinade vorher… einfach nur grauenhaft.

Damit dieser Freitag nicht ganz trostlos endet, empfehle ich euch noch, un-be-dingt bei der Allee der Spackonauten vorbezuschauen. Herr banana hat da eine Abhandlung zur Verteidigung von Analog-Käse und Gel-Schinken hingehauen, dass mir die Schwarte gekracht hat vor Lachen.

Übrigens, von wegen Analog-Käse… ist ja ein supigeiles Wort, aber welcher Scheiss-Nerd von Lebensmitteltechniker kommt auf die Idee, was zu Essen auf den Markt zu bringen, das den Wortteil ‘Anal’ im Produktnamen enthält?

Der Käse ist voll fürn Arsch, ey.




Türkisch-griechische Freundschaft – mit Alles!

Alle kennen die Frage, die einem beim Kebab- bzw Falafelverkäufer unweigerlich gestellt wird, kurz bevor selbiger den heiss ersehnten Imbiss mit Brot umhüllt:

„Mit Scharf, mit Alles?“

Vom grammatikalischen und stilistischen Standpunkt her total falsch, ja. Trotzdem sympathisch, wenn nicht sogar heimelig. Von dieser sympathischen Heimeligkeiit möchte wohl auch die Migros profitieren, wenn sie ihre (im Übrigen total leckeren) Hot Sandwiches anschreibt.

Vielleicht liegt hier die lang ersehnte Versöhnung zwischen Griechen und Türken, quasi zum Reinbeissen parat. Die Zyprioten freuen sich bereits, so munkelt man.




Furu Siftware chropmatsch

Wer den Dschango ab und zu IRL trifft, weiss, dass das Chrischtchindli ihm nachträglich noch ein MPD32 gebracht hat. Ein ganz primafeines Gerät, es zischt auch vorzüglich mit REAPER, Dschango ist total glücklich.

Er wäre aber nicht Dschango, wenn er nicht mindestens ein Haar finden würde, und siehe, in der deutschen Preset-Dokumentation wurde er fündig. Wohlverstanden, ich mache mich hier nicht über einen Fremdsprachler lustig, der Google-übersetzte Dokumente generiert. Vielmehr scheint, dass der Autor die eine oder andere Substanz konsumiert hat oder aber einem sprachlichen Kreativ-Schub erlegen ist.

Ganz besonders schlimm hat es den GURU-Teil getroffen, aber man siehe selbst:

Ist lustig, ja – aber bei den Stichworten ‘Siftware’ und ‘chropmatsch’ komme ich schon ins Grübeln. Woher, so frage ich mich, woher wissen Akai um meine Musik-Skills? Woher wissen sie um den Qualitätslevel meiner eingesetzten Programme?

Das erklärt wohl den Zusatz ‘Pro’ im Firmennamen.




Dem Chefredaktor fiel der Dativ aus dem Hirn

Muss nicht sein, oder?

Und wir regen uns auf, wenn wir Amateure in unseren Artikeln ein Rechtschreibfehlerchen übersehen haben. Pah!

Zumindest bei den Titeln sind wir immerhin fehlerfrei. Und die Fälle beherrschen wir eigentlich alle.

Mal eine Scheibe von der Daumenschraube abschneiden Tagi!




Deppenapostroph – für dich und mich

Ja, Coop geht mir auf den Sack. Nicht nur, weil sie einen Stress inklusive Filmteam an den Aralsee karren müssen, um einen Werbespot contre la Klimacatastrophe zu drehen. Auch nicht nur, weil ich das Zmittagsangebot des Mini-Coops bei uns ums Eck mehr als ausgeschöpft habe und sich diese Knalltüten standhaft weigern, mal einen frischen Wind ins Sortiment zu bringen. Und auch nicht nur deshalb, weil sie den unübertrefflichen Höhepunkt der Schoggikultur nicht zum Kauf anbieten. Es ist mehr die Summe der Dinge, die einen an sich harmlosen Konsum(!)enten – Dschango – gegen Detailhändler aufbringen und Gesetze gegen Besitz und Anwendung von Brandbomben verfluchen lassen.

Apropos Aralsee: Kümmert jetzt sicher keine Sau, aber beim Stichwort Aralsee kommt mir in den Sinn, dass ich gar keine Ahnung habe, was ‘Aral’ bedeutet. Ich meine jetzt da die Benzinverticker, nicht die kasachische Stadt, wobei ich eben dachte, dass sich der Name der Firma vom Namen der Stadt ableiten könnte – Erdölvorkommen und so. Ja, ich weiss, ich bin schon ein schlaues Kerlchen, dass ich da drauf komme. Da hättet ihr jetzt nicht gedacht, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte, na? Nur führt uns die kasachische Stadt leider in die Irre, weil der Name der Firma leitet sich von den beiden Bestandteilen (Benzol ist aromatisch, Benzin hingegen aliphatisch) eines Treibstoff-Gebräus ab, das ein Chemiker 1924 in Deutschland erfunden hatte. Von Deutschland nach Kasachstan – da kann man mal sehen, wohin uns Assoziationen führen können. Direkt ins Klo nämlich, rein geografisch gesprochen.

Nachdem ich nun auf so charmante Weise ein bisschen Text um das Bild gezaubert habe, bleibt mir noch etwas Platz, um auf das eigentliche Thema dieses Artikels einzugehen. Letzthin sass ich nämlich auf dem Klo und führte mir das Magazin zu Gemüte, als mein unschuldiges Auge obiges Inserat erblickte. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:  Es – gibt – im – Deutschen – keinen – Genitiv – Apostrophen! Ausser, man will einen Eigennamen verdeutlichen: Andrea’s Friseursalon vs. Andreas’ Friseursalon. Muss meiner Meinung nach auch nicht sein, aber ich beuge mich da ja dem neuschreiblichen Duden-Diktat.

Wo aber soll, bitteschön, in obigem Beispiel die Notwendigkeit einer Verdeutlichung auszumachen sein? Womit kann man ‘Tims’ verwechseln? Weshalb muss ich mir nicht einen, sondern gleich zwei Deppenapostrophe antun, während ich gemütlich abseile? Coop, was soll das? Warum tust du mir das an? Können wir nicht einfach Freunde sein?

Der Stress geht mir übrigens auch auf den Sack. Das ist aber wieder eine total andere Geschichte.




Warnung: Golferschirme können Ihre Gesundheit gefährden!

Meinereiner hat ja nicht einmal gewusst, dass Golfer eine eigene Sorte Schirm benötigen… Trotzdem: vielleicht sollte man in diesem Berner Fachgeschäft mit dem Schirm auch noch eine Packung Alka-C abgeben – so für alle Fälle.




Stellungsprobleme

Es ist schon faszinierend, was unser Bildungssystem alles hervorbringt. Nicht nur, dass neu individueller Violinunterricht möglich ist (man erinnere sich, damals, im Krieg, als wir zu hundert in einem ungeheizten Keller im Kollektiv um ein Stück hartes Brot geigen mussten). Nein, neu bietet man an Schweizer Konservatorien auch die Möglichkeit, sich zur erfahrenen Pädagogin ausbilden zu lassen! Stellt euch das vor, ihr kommt frisch aus der Ausbildung und seid bereits – flutsch! – erfahren in eurer Kunst! Und um das zu belegen, bekommt ihr auch noch ein Diplom mit, das ihr euch übers Bett hängen könnt. Oder an den Notenständer. Oder wo auch immer, das bleibt dann komplett euch überlassen.

Vielleicht sollte man bei der Berufsausbildung zur Violinpädagogin den Fokus etwas weg von der Erfahrung nehmen, dafür in ein oder zwei Stunden deutsche Grammatik investieren. Nur so ein Vorschlag.

Und übrigens, Camel-Case geht echt nur noch bei Sourcecode. Alles andere ist sooooooo 90ies…