Jimy erklärt die Welt
Eigentlich wollte ich ja Jimy Hofer, seines Zeichens Gemeinderatskandidat unbeleckt von Stil und Bildung, hier totschweigen. Schon nur aus ästhetischen Gründen. Im ‘Bund’ von heute (danke, du liebe unabhängige, liberale Tageszeitung übrigens, dass du auch und besonders wenig belichteten Zeitgenossen ein ganzseitiges Portrait angedeihen lässt) liess er aber einen Satz raus, der sogar für seine Verhältnisse an Unterbelichtung kaum zu toppen ist. Angesprochen auf den Klimawandel (sic!) meint unser stolzer Nichtleser:
Die Mittelstreifen der Autobahn sind doch noch immer grün. Darum habe ich nie begriffen, warum Abgase giftig sein sollen.
Jimy, du bist mein neuer Held. Endlich spricht jemand das aus, was ich schon seit Jahren insgeheim denke. Alles bloss eine Erfindung dieser links-grün-Wischiwaschi-68er-Sozitanten-Kommunisten-Emanzenbande. Das Problem ist nur: ausser uns beiden glaubt das fast keiner mehr. Da du ein Mann der Tat und kein Politiker bist, schlage ich dir das folgende Experiment zur Untermauerung deiner fundierten und von Sachkenntnis nur so triefenden Aussage vor:
Als erstes stellen wir dich, deine Listenkollegen und ein paar deiner Broncolinos in die Broncos-Bar in der Matte, zusammen mit etwa fünf vollgetankten Harleys. Dann dichten wir die Bar hermetisch ab. Nein, nicht nur gegen Jugos und alles, was aus mehr als sieben Buchstaben besteht, sondern wirklich luftdicht. Danach startet ihr eure Feuerrösser und gebt mal voll Gummi – freier Leerlauf für freie Bürger! Nach ungefähr drei Stunden werde ich höchstpersönlich die Siegel an der Türe entfernen (ich habe erwähnt, dass ich mich zur Überwachung des Experiments ausserhalb der Bar aufhalten werde, oder…?) und mich persönlich davon überzeugen, dass Abgase komplett ungiftig sind.
Jimy, Bern kann mit dieser Demonstration nur gewinnen! Weil entweder lebt ihr da drinnen dann alle noch (über Gehirnschädigungen kann ein echter Bronco ja nur lachen, oder?) und wir können endlich das ganze grüne Gesocks mit Heugabeln und Teerfackeln (grad extra klimaschädigend, hähähää!) aus der Stadt jagen, am besten Richtung Ittigen. Oder aber es wird in der Matte bald ein Lokal frei, die Zeitungen müssen mich nicht mehr frühmorgens mit deinem Bild Richtung Kloschüssel treiben und das Konkursamt kann zumindest mal einen Fall definitiv abschliessen. Also ich bin Bern zuliebe dabei, Gaffa-Tape zum Abdichten habe ich schon gekauft, musst mir nur sagen, wann ich vorbeikommen soll.
Übrigens: weiss eigentlich jemand, was genau ein ‘Bronco’ ist? Ich meine jetzt mal abgesehen von stark riechenden Provinz-Easyridern? Wikipedia meint, ein Bronco sei ursprünglich ein wildes Pferd gewesen, eines, dass sich ungern in einen Sattel fügt und bockt, sobald es einen Reiter auf sich spürt. War wohl der Grund, warum die Harley-Prolls sich diesen Namen für ihr Männerbündchen ausgesucht haben; klingt drum so schön nach Freiheit und Abenteuer. Hätten die Jungs auch noch weitergelesen, hätten sie aber gemerkt, dass heute auch der Bronco eine Zuchtrasse ist, die vor allem für Rodeos gezüchtet wird. Also: der Bronco wird künstlich bockig gemacht, damit er im Zirkus zum Gaudi des Publikums möglichst wild tut und kriegt den Gnadenschuss, sobald er zu zahm wird. Passt hier ja bestens, oder?
Nun ja. Gegen Schluss des Interviews meint Jimy dann, er sei halt nicht einer, der “die Faust im Sack mache”. Jimy, so unter uns, quasi von Mann zu Tönnchen: die Aussage ist sehr gewagt, weil, keine Ahnung, ob du ihn mit der Faust noch erreichst, aber zumindest optisch hast du den Kontakt zu deinem Sack schon vor Jahrzehnten verloren…

