Verantwortung ist anstrengend
Das Rezept zur Aktualität: Man nehme eine gute Portion tabuisierte psychische Probleme, füge mangelnde Kontrolle bei altersgemässen Beschäftigungen hinzu, mische das ganze mit schlechten Vorbildern, fahrlässiger Lagerung von Feuerwaffen und Munition und schon haben wir unser Amok-Soufflé.
Ich habe schon mal vor rund zwei Jahren an anderer Stelle, die leider nicht mehr verfügbar ist, ein kleines Essay/Pamphlet zu dem Thema geschrieben, daher riskiere ich hier, mich zu wiederholen. Es gibt nebst der Tatsache, dass die Ereignisse in Wenningen eh grauenhaft sind, ein paar schauerliche Details, die bei derartigen Geschichten immer wieder durchscheinen. Im obersten Absatz habe ich natürlich extrem vereinfacht, und doch sind dies mehr oder weniger die Zutaten, die es für einen Untergang mit wehenden Fahnen braucht.
Es ist immer wieder interessant zu beobachten, dass Menschen zu den immer gleichen Verklärungen neigen, wenn vermeintlich Unbegreifliches geschieht, man betet, hofft auf Gott, sieht “das Böse” aufblitzen und so weiter und so fort. Mag sein, dass mir ein wenig der Geruch des Klugscheissers auf dem Sofa anhaftet, wenn ich da jetzt aus der Distanz die grosse Analyse mache. Dennoch:
Da ist nichts Magisches daran, wenn jemand so handelt. Vorbilder gibt es mittlerweile genug, der Mensch zeichnet sich ja durch adaptives Lernverhalten aus. Da reicht es, wenn Eltern nicht genau genug hinschauen, Waffen verfügbar sind und die betroffene Person sich im Stich gelassen fühlt. Unser Chemie-Cocktail im Gehirn besorgt den Rest.
Es gibt immer einen Spielraum zum lernen, und im Fall von Tim K. kommt man nicht darum herum, die Rolle der Eltern sehr kritisch zu hinterfragen. Ich bin dafür, diese Chance zu nutzen und die Eltern daran zu erinnern, dass es eine ganz konkrete Verantwortung gibt. Wir sollten diese von Eltern konsequent einfordern, auch wenn Kinder gross ziehen ein hartes Brot sein kann.

