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Verantwortung ist anstrengend

Das Rezept zur Aktualität: Man nehme eine gute Portion tabuisierte psychische Probleme, füge mangelnde Kontrolle bei altersgemässen Beschäftigungen hinzu, mische das ganze mit schlechten Vorbildern, fahrlässiger Lagerung von Feuerwaffen und Munition und schon haben wir unser Amok-Soufflé.

Ich habe schon mal vor rund zwei Jahren an anderer Stelle, die leider nicht mehr verfügbar ist, ein kleines Essay/Pamphlet zu dem Thema geschrieben, daher riskiere ich hier, mich zu wiederholen. Es gibt nebst der Tatsache, dass die Ereignisse in Wenningen eh grauenhaft sind, ein paar schauerliche Details, die bei derartigen Geschichten immer wieder durchscheinen. Im obersten Absatz habe ich natürlich extrem vereinfacht, und doch sind dies mehr oder weniger die Zutaten, die es für einen Untergang mit wehenden Fahnen braucht.

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, dass Menschen zu den immer gleichen Verklärungen neigen, wenn vermeintlich Unbegreifliches geschieht, man betet, hofft auf Gott, sieht “das Böse” aufblitzen und so weiter und so fort. Mag sein, dass mir ein wenig der Geruch des Klugscheissers auf dem Sofa anhaftet, wenn ich da jetzt aus der Distanz die grosse Analyse mache. Dennoch:

Da ist nichts Magisches daran, wenn jemand so handelt. Vorbilder gibt es mittlerweile genug, der Mensch zeichnet sich ja durch adaptives Lernverhalten aus. Da reicht es, wenn Eltern nicht genau genug hinschauen, Waffen verfügbar sind und die betroffene Person sich im Stich gelassen fühlt. Unser Chemie-Cocktail im Gehirn besorgt den Rest.

Es gibt immer einen Spielraum zum lernen, und im Fall von Tim K. kommt man nicht darum herum, die Rolle der Eltern sehr kritisch zu hinterfragen. Ich bin dafür, diese Chance zu nutzen und die Eltern daran zu erinnern, dass es eine ganz konkrete Verantwortung gibt. Wir sollten diese von Eltern konsequent einfordern, auch wenn Kinder gross ziehen ein hartes Brot sein kann.




Ressourcenkonflikt

Da gehe ich neulich auf diese Treppe zu, die sich auf privatem Grund im Innenhof eines Geschäftshauses mit Durchgang zu einer Hauptstrasse befindet. Diese Stufen werden nicht nur von Mietern, sondern auch oft und gerne von jungen Menschen benutzt, die irgendwo in der Umgebung eine Schule besuchen und ihre Mittagspause in der lauschigen Ecke verbringen. Jugendliche haben ja oft ein Gespür für gute Plätze. Hie und da blieb ein wenig Abfall des campierenden Nachwuchses liegen, aber sonst war da nichts erwähnenswertes.

Nach dem unausweichlichen Ende der Sommerferien blieb es auf der Treppe jedoch verdächtig still und einsam, mal abgesehen von den üblichen Durchgängern. Seit neulich weiss ich auch wieso: Am Treppengeländer hing ein weisses Blatt A4, eingepackt in ein Plastikmäppli, mit folgendem Text darauf: “Bitte Durchgang nicht blockieren!”. Aha. Da hat wohl ein Abwart, pardon, Gebäudemanager seine unausweichliche Pflicht getan.

Ist ja auch eine Zumutung, als vollqualifizierter Gebäudemanager mit Diplom jeden Wochentag zwei Taschentücher und eine leere Gourmessa-Tüte aufheben zu müssen. Als ob das tägliche Wischen des Innenhofs nicht schon reichen würde, gopferteli! Ja, ich erinnere mich sogar daran, dass ich bei meiner mittäglichen Jagd nach Essen hie und da mal höflich um Durchgang bitte musste, wollte ich den jungen Leuten bei meinem Transit nicht auf ihre teuren Markenkleider, Mobiltelefone und Ipods stehen. Mir wäre es ja egal gewesen, aber die jungen Leute von Heute haben es dann vorgezogen, mir schwedischem Trampel Platz zu machen.

Nun gut, jetzt ist Schicht im Schacht, die jungen Leute schmeissen ihre Taschentücher anderswo auf den Boden und nerven einen anderen Gebäudemanager mit Diplom, die Treppe ist ein kleines bisschen weniger dreckig als vorher und der Durchgang komplett befreit von jeglichen Lebenszeichen. Erstaunlich, was so ein Blatt Papier für eine Geschichte erzählen kann.