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Deppensteuer subito!

Schon lustig, wie Freunde unsichtbarer Freunde reagieren, wenn Leute, die es wagen, die Existenz von Elfen und Feen nicht nur anzuzweifeln, sondern dies auch noch laut kund zu tun, gleiche Rechte wie die Anhänger von bronzezeitlichen Kulten sowie die Aufhebung derer ungerechtfertigten Privilegien fordern…

Wie wir auf 20min lesen, schlägt die Junge CVP die Einführung einer “Atheistensteuer” vor – wer aus der Landeskirche (die in der Lesart der CVP wohl sowas ähnliches wie die AHV darstellt) ausgetreten ist, soll künftig eine gemeinnützige Organisation oder Glaubensgemeinschaft (!) mit einem finanziellen Beitrag unterstützen müssen, der der gesparten Kirchensteuer entspricht. Die Junge CVP bekommt dabei Schützenhilfe vom Präsi der ‘grossen’ CVP, Christophe Darbellay.

Ganz abgesehen davon, dass hier mal wieder die Begriffe “Steuer” und “vom Staat eingetriebener Mitgliederbeitrag im Auftrag retardierender Nabelschau-Klubs” verwechselt werden, keineswegs alle aus der Kirche ausgetretenen auch Atheisten sind, wohl kaum jemand (nur) aus Steueroptimierungsgründen aus der Kirche austritt (man tut das in erster Linie darum, weil man an diesen spezifischen Mist nicht mehr glaubt) und der JCVP-Präsi ein bisschen wie der verschollene Zwillingsbruder vom Berner JSVP-Präsi und Polit-Clown Erich J. Hess aussieht, finde ich den Vorschlag durchaus überlegenswert.

Man müsste ihn nur konsequent zu Ende denken (ich weiss, damit hapert es bei euch C-Knüllen bekanntlich, übernehme ich aber gerne für euch!) und generell sogenannte Nicht-Steuern einführen – Steuern auf Tätigkeiten, Vorgänge oder Leistungen, die nicht stattfinden oder in Anspruch genommen werden.

So müssten beispielsweise alle, die kein Auto haben, eine Autobahn-Nichtbenützungssteuer bezahlen. Das wäre nur solidarisch, weil die armen Autofahrer können ja nichts dafür, wenn diese langhaarigen Hippies kein Stutz fürs Benzin haben. Sowieso: auf unverbleites Benzin müsste man eigentlich auch eine Steuer bezahlen, eine Bleifreisteuer nämlich, weil wer Blei diskriminiert irgendwie kein guter Mensch sein kann. Dann noch eine Minderwertsteuer im Gegensatz zur Mehrwertsteuer, die dann fällig wird, wenn man etwas im Secondhand-Laden oder von M-Budget kauft. Auch eine Armutssteuer müsste man sich überlegen – schliesslich drückt, wer unter der Armutsgrenze lebt, das Bruttosozialprodukt, konsumiert zuwenig und macht uns so all den schönen Wohlstand kaputt. Und ganz wichtig: eine Deppensteuer! Ist es denn nicht so, dass uns all die Viertel-, Halb- und Vollidioten im Land unglaublich viel Geld kosten? Ist das nicht total unsolidarisch gegenüber den Klugen? Von einer “Alter, du siehst so komplett Scheisse aus, dass ich zum Augenarzt rennen muss, wenn ich dich länger als drei Sekunden anschaue”-Steuer ganz zu schweigen.

Dazu noch eine Unschwerverkehrsabgabe (bei Sexualakten zwischen Leuten unter einem Gesamtgewicht von zusammen 120 kg), eine Alkoholfreisteuer (wer sich nicht an die Regeln der Gesellschaft halten und vom Bier nicht besoffen werden will, soll gefälligst zahlen!) und eine Kein-Hundesteuer (oder scheisst du etwa das ganze Trottoir zu, wenn es keine Hunde mehr gibt? Eben!) – ein weites Feld an Mehreinnahmen für Gemeinden, Kantone und Bund, in Zeiten wie diesen durchaus willkommen.

Klar: es ist völlig offen, wer auf der von der JCVP halluzinierten Liste der zu begünstigenden Organisationen stehen soll. Können da alle drauf, die sich irgendwie noch so als nützlich für die Allgemeinheit sehen? Oder soll es davon abhängen, wieviel ihres Gesamtumsatzes eine Organisation für gemeinnützige Zwecke ausgibt? Greenpeace würde dann gut aussehen, der Beinhart-Haushalt ebenso, die Landeskirchen (gemäss meinen Recherchen maximal 15%. wenn sehr wohlwollend geschätzt) hätten dann aber wohl ein Problem.

Man könnte ja auch noch einen Schritt weitergehen. Würde es denn nicht Sinn machen, wenn man beim Bezahlen der Steuern aus einer Liste auswählen könnte, an welches Amt und/oder Departement der Obulus gehen soll? Oder noch viel besser: eine Liste derjenigen Länder, die man finanziell unterstützen möchte, weil, vielleicht gibt es ja auch Steuerzahler, die gar nicht praktizierende Schweizer sind! Man könnte dann zB sagen, ja ok, die nette Frau Leuthard mit dem Schockblick, die soll jetzt bitte 20% meiner Steuern bekommen, der niedliche Herr Merz nochmals 20% (Appenzeller! Minderheitenschutz!), den Rest bitte gleichmässig zwischen Terre des Hommes, Grönland und der Kebab-Bude ums Eck aufteilen. Transparenz pur und niemand hätte mehr was zu jammern.

Frei nach Darbellay: der Vorschlag respektiert die Denkbefreitheit hundertprozentig.




Abgründig demokratisch

Leider nicht das, wonach es aussieht

Leider nicht das, was der Name suggeriert

Angenommen, es wäre  Donnerstag Abend und ihr hättet zwar wahnsinnig Lust auf Unterhaltung, leider aber kein Geld zur Verfügung. Kann ja mal vorkommen. Normalerweise wärt ihr in dieser Situation voll angeschissen, weil bekanntlicherweise kostet hierzulande alles, ganz besonders Unterhaltung.

Normalerweise, ja, aber nicht, wenn ihr euch zufälligerweise in der Stadt Bern aufhaltet. Hier gibt es nämlich seit viiielen hundert Jahren schon eine Anstalt, die sich zumindest seit einiger Zeit dafür einsetzt, einmal in der Woche auch dem kleinen Geldbeutel Zerstreuung zu bieten. 80 Freiwillige geben jede Woche ihr Bestes, um auf und hinter der Bühne ein Spektakel aufzuführen, hinter dem jede griechische Tragödie zur Soap verblasst. Es werden neu auch Elemente des Theatersports aufgenommen: oft ist unklar, ob die Protagonisten (man darf hier ruhig einmal ausschliesslich die männliche Form benutzen) nun Schauspieler oder Publikum sind.

Und wo findet man diese ehrenwerte Institution? An pittoresker Lage im Herzen der Berner Altstadt, am Rathausplatz, da in dem Gebäude mit den hohen Treppen links und rechts. Mag ja sein, dass dieser Ort ursprünglich nicht als Musentempel vorgesehen war, spätestens seit der gestrigen Budgetdebatte ist aber klar: will Bern als Kulturhauptstadt punkten, muss sie für den Stadtrat einen Posten im Kulturbudget reservieren!

Hauptakteurin war mal wieder die Fraktion “SVPplus”, die sowohl den tragischen wie auch den komischen Teil der Aufführung in Eigenregie inszenierte. Als Kullissenschieberin amtete, zumindest, bevor es sogar diesen Herrschaften zu blöd wurde (und das will etwas heissen), Juniorpartnerin FDP.

Ah, apropos FDP: ihr wisst ja alle (*hüstel*), dass der höchste Berner momentan der FüDläParteiler Ueli Haudenschild ist. Witzig übrigens, wenn nicht gar von prophetischer Qualität: ich habe zuerst “Huahaschild” geschrieben, und eigentlich müsste man ihn genau so umbenamsen. Falls man mich irgendwann mal anfragen wird, ob ich einen Lexikonartikel zu den Stichworten “Unfähigkeit”, “Führungsniete” und “Rückgratschwund” verfassen würde, mit dem Foto vom Herrn Huahaschild wüsste ich im Fall grad sofort eine diese Stichworte visualisierende Illustration. Aber mich fragt ja keiner. Deshalb wird auch mein Artikel zum Thema “schwanz- und eifrei (s.a.: ‘Huahaschild’)” bloss geistige Makulatur bleiben.

Schade eigentlich.

Wahrscheinlich muss ich an dieser Stelle dem Teil der Leserschaft, der sich nicht für Politik interessiert (ich verstehe euch jeden Tag ein bisschen besser), etwas Hintergrundinformationen liefern. Es wurde gestern nämlich in einem zweiten Anlauf das Budget der Stadt Bern fürs Jahr 2010 beraten. Dazu hat die Fraktion ‘SVPplus’ (das sind im Wesentlichen die SVP, deren Blocherjugend, ein paar scheintote Schweizer Demokraturisten sowie “mini Harley het i mim Ranze Platz, mis Hirni näbem Boschettli” Jimy Hofer) ein Paket von 180 Änderungsanträgen eingereicht. Ziel dieses ‘Planes’ war, dass die Debatte derart verzögert wird, dass das Budget nicht mehr vor den Herbstferien verabschiedet und somit auch im November nicht den StimmbürgerInnen zur Abstimmung vorgelegt werden kann. Damit wollte man bei der SVP erreichen, dass – ja, was eigentlich? Dass die Stadt Bern möglichst bald vom Kanton zwangsverwaltet wird, in der Hoffnung, dass dann die vom Kanton vorgeschriebenen Auslagen, welche die SVP streichen wollte, direkt vom Kanton an den Kanton überwiesen werden? Man weiss es nicht. Falls ihr hierzu mehr Informationen haben wollt, fragt doch am besten direkt beim Herrn Wurmbandführer Hess nach. Wenn ihr viel, viel Geduld mitbringt und alle Fragen mit Worten formuliert, die aus nicht mehr als zwei Silben gebildet werden, besteht vielleicht eine gewisse Chance, dass er euch das erklären kann.

Wobei – man muss ja ganz klar sagen, dass die Qualität von Hess’ Voten der Qualität seiner Anträge in nichts nachstand: auf jeder Ebene, egal ob formal, rechtlich, inhaltlich oder rhetorisch unter jeglicher jemals über den Hof galoppierten Sau. Und weil ihm die Argumente fehlten (logisch, bei unter 12 Gramm aktivierbarem Resthirn), musste er die Redezeit von fünf Minuten pro Antrag halt eben mit Extrem-Bärndütsching dehnen:

Miiiiiiiiir stiimmmmmmmeeeeee iiiiitz üüüüübere Aaaaaaaaatraaaaaag füüüüfesäääächzg bis siiiiibeeeeeneeeesääääächzg aaaaab… daaaaaas siiiiii drüüüüüüüü Aaaaaaaträääääg zuuuu füüüüüf Minuuuute, das maacht ausoooo… ääääääääh… füfzäääääääh Minuuuuuteeeee, odeeeer, angerscht gseit, ä Vieeeeertuuuuuustuuuuuuuuuuund…

Aber zum Glück sass ja noch Ziehvater und Puppenspieler Thomas Fuchs auf der Zuschauertribüne (keine Sorge, sie wurde extra zu diesem Zweck im Vorfeld mit zusätzlichen Stahlträgern verstärkt). Mit dem Natel in der Hand gab er seinem Führer-Stellvertreter unten im Saal Anweisungen, was zu tun sei – selbiger war dann auch noch dämlich genug, während diesen (keineswegs in konspirativer Lautstärke geführten) Gesprächen ständig zu seinem Idol hochzuschauen. Schon interessant, wie jemand von der Zuschauertribüne aus die Politik im Stadtrat steuern kann, ohne dass dies dem Stadtratspräsidenten negativ auffallen würde. Huahaschild halt, sag ich doch.

So war es auch an der Grenze zur Realsatire, als Jimy Hofer während einem Votum mitten im Satz abbrach und zurück an seinen Platz ging. Erstaunen im Rat, was war geschehen? Nun, wie man uns aus zuverlässiger Quelle mitteilte, knurrte er, wieder in den Sitz gezwängt:

Ha ke Ahnig gha, um was es geit, aber dr Hess het gmeint, ig müess derzue ga rede.

Heil, Führer befiehl, die Broncos folgen!

Spassig wurde die Sache natürlich erst so richtig, als gegen Mitternacht die elektronische Abstimmungsanlage ausfiel und der Stadtrat mit Einzelnamensaufruf (“Hanspeter Aeberhart?” – “Ja” – “Michael Aebersold?” – “Nein” …) über die letzten hundert Anträge abstimmen durfte. Morgens um 3 war dann der Spuk vorbei.

Und als Fazit? Fast zweihundert Änderungsanträge, die allermeisten davon rein rechtlich gar nicht umsetzbar, in der Folge genau keiner (0, null, zero, zilch) angenommen. Zig Chefbeamte und Gemeinderäte während fast 24 Stunden in Geiselhaft (wo ist der Bundesmerz, wenn man ihn braucht?!?) einer Partei, die sich einen schlanken, effizienten Staat und den Abbau von Bürokratie auf die braunrandige Fahne geschrieben hat. Eine Partei, die sich als singuläre Repräsentantin von Volk und Demokratie darstellt und die bei jeder ihrer Aktionen, welche nichts anderes tun, als die Grundfesten der Demokratie zu diskreditieren, klar und deutlich zeigt, wie sehr sie im Grunde genommen auf genau dieses Volk, auf genau diese Demokratie scheisst.

Dazu passt doch der Spruch von Hases Mami, zwar nicht in dem Zusammenhang geäussert, aber trotzdem wie der Nagel auf den Kopf:

Ig ha gchotzet wie nä Gärbihung.

In diesem Sinne: ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn wir uns wieder zum fröhlichen Theatersport im Berner Stadtrat treffen!

PS: Dschango fährt diesen Sonntag mal wieder auf Urlaub, zu Hasenverwandten nach Italien. Kann also gut sein, dass ihr nächste Woche auf mich verzichten müsst. Aber keine Sorge: euer Dschango kommt sicher zurück – und voraussichtlich bringe ich wieder amüsante Einsichten mit aus dem Land, wo die Zitronen blühn.

Bis bald!




Bern hat gewählt: die Gala-Preisverleihung 2008

So, endlich ist der Zauber vorbei. Gewählt ist in Bern, die Ergebnisse kann man hier, hier und hier einsehen. Während ihr euch alle wochenlang herumgequält habt, ob und wo ihr jetzt euer Kreuzlein macht, tagte ein internationales Expertenteam im Daumenschraube-Hauptquartier, um die begehrten Wahl-Daumenschrauben 2008 zu vergeben. Nun sind die Würfel gefallen!

Ich schlüpfe deshalb jetzt in meinen Frack, schmeisse Britney von der Bühne und stelle euch die Gewinnerinnen und Gewinner der diesjährigen Wahl-Daumenschrauben-Preise vor:

Das Beste vorweg: Den Preis für sympathischen Realitätsverlust gewinnt die Bürgerliche Wende, die bis vor kurzem noch die Stadt bedroht, sich Sonntag Nacht aber spontan in Luft aufgelöst hat. Nebst diesem Preis gibt es von meiner Seite noch ein total lieb und konstruktiv gemeintes “fuck you” für euch. Lasst ihr es in vier Jahren endlich bleiben oder wollt ihr wieder eine kalte Dusche?

Vom Himmel hoch...

Vom Himmel hoch...

Es folgt der nächste Höhepunkt, nämlich der Preis für die grösste Geschmacklosigkeit. Diesen gewinnt die Grüne Partei Bern. Was denn, nicht die SVP? Erstaunlicherweise nicht, nein. Zwar hat die Dreckschleuder-Sturmspitze der guten alten Grüsel-Partei, bestehend aus Hess und Glauser, im Stadtrat bereits weit vorgespurt, wurde aber im Finish vom Ängeli-Jenni, der im Wahlprospekt der GPB aus dem Wolkenmeer zu uns herabschauend abgedruckt wurde, deutlich deklassiert. Dass man mit Toten Wahlkampf macht hat die GPB zwar nicht erfunden – siehe Gretli Wafa, die ihren Fokus jetzt wieder vermehrt auf den Besuch von Eishockeymatches legen kann. Trotzdem bemerkenswert, dass neu offenbar auch im links-grünen Lager Emotionen vor Inhalt und Populismen vor Programm salonfähig werden.

Bärenstark!

Bärenstark!

Den Integrationspreis “Politiker trotz allem” gewinnt Stephan Hügli mit seiner grandiosen Kampagne “mein unsichtbarer Freund, der Bär”. Erinnert sich noch jemand an ‘My friend Harvey’? Das Theaterstück um den Mann, der als einziger einen riesigen, weissen, sprechenden Hasen sehen und hören kann? Genau so kam Hügli jeweils rüber, wenn er sich mit einem plüschigen Bären im Hintergrund ablichten liess. Dazu der immer leicht gequälte Blick, nicht nur die Fotos, sondern der ganze Wahlkampf von einer geradezu erratischen Statik geprägt… fantastisch. Wirkte ziemlich psycho und war somit ein klares Statement dafür, dass man auch dann Exekutiv-Politiker sein kann (oder zumindest will), wenn man sich die meisten Freunde bloss einbildet.

Den Gothic-Preis ‘Vlad Tepes’ gewinnt, absolut verdient, RGM mit der Plakat-Kampagne “weniger unters Solarium, dem Klima zuliebe”. Noch nie haben zur Wahl stehende PolitikerInnen auf Plakaten so käsig ausgesehen, geradezu wie frisch aus der Gruft. Oder war es eine indirekte Werbung für “Spende Blut – rette der SP das Leben”? Es kann natürlich auch sein, dass der Grafiker einfach nur mit dem Aufheller ins Kraut geschossen hat. Trotzdem ein schöner Beitrag, mein Vampir-Herz jubelt (düster).

Links und n@t?

Links und n@t?

An die SP geht der Preis für “Schau mal, die tollen Zeichen, die es auf meiner Tastatur hat!”. Leute, nur weil ein Zeichen vage an ein ‘a’ gemahnt, ist es noch lange keins. Oder kann mir mal jemand erklären, was Secondäts sind? Euer Alex hat ja vorgemacht, wie es richtig sein sollte. H@tet (!) ihr ihm das Plakat gezeigt, bevor ihr es gedruckt habt, dann wäre das sicher gut gekommen. Was cool und trendy gedacht war wirkt so im besten Fall seltsam.

Nanu?

Nanu?

Den Voher-Nachher-Preis ‘Beauty and Beast in Personalunion’ gewinnt deutlich Barbara Hayoz (FDP). Man vergleiche ein Inserat, das sie zur Wahl als Stadtpräsidentin empfiehlt (wuahahahaaa!) mit dem Foto, das ein Bund-Schurni paar Wochen vor den Wahlen aufgenommen hat – wohlverstanden nach dem Coiffeur-Besuch. Ich frage mich (und die Welt): ist dies überhaupt dieselbe Person? Böse Zungen behaupten, dass hier der SP-Grafiker (siehe oben) eingesetzt wurde und dass selbiger halt nicht nur gerade einen Aufheller-, sondern auch noch einen Runzel-Krähenfuss-Schlupflid-und-Tränensack-wegmach-Werkzeug-Kurs besucht hat und sich beim Babsi voll austoben konnte/wollte. Von Vorspiegelung falscher Tatsachen zu reden hiesse selbstredend Bären vom Graben an die Aare zu tragen, schliesslich ist Hayoz ja auch als Frau zu den Wahlen angetreten.

Der Preis für zirkuläre Antilogik mit Ansage geht an Jimy Hofer. Nicht nur deshalb, weil seine Statements zum Klimawandel das Bildungsniveau jedes Fünfjährigen beleidigen, sondern vor allem wegen seinem Wahlspruch (“Wählt keine Politiker”). Nunja, zum Stapi hat es nicht gereicht, dafür wird er bald den Stadtrat mit seiner Anwesenheit beglücken (nebenbei: passt der überhaupt in die Sessel…?). Das Problem ist nur: sobald er im Stadtrat hockt, wird Jimy zum Politiker, ghoue oder gstoche. Hofer bricht also sein wichtigstes Wahlversprechen im Moment des Amtsantrittes. Tritt er deshalb konsequenterweise noch während der ersten Stadtrats-Sitzung zurück? Fände ich schön, glaube ich eher nicht, deshalb der Preis.

Ebenfalls an Jimy verleihe ich den Preis Abschreckendes Beispiel im Bereich Alphabetisierung. Ein knapp A5-Format erreichendes “Wahlprogramm”, das vor Rechtschreibfehlern strotzt, zeigt einerseits die Grenzen und Probleme unseres Schulsystems deutlich auf. Dass sich ein funktionaler Analphabet aber zutraut, Stadtpräsident der Schweizer Hauptstadt zu werden, spricht andererseits wieder für das grosse Einfühlvermögen und den ausgezeichneten Fachverstand unserer SozialpädagogInnen. Vielleicht mal einmal weniger z’Vieri näh, dafür ab der Vierten wiederholen, wie wäre das, Jimy?

Für die GFL haben wir uns extra einen Anerkennungspreis ausgedacht, einfach weil sie uns die letzten vier Jahre hindurch so toll unterhalten hat. Weil diese Partei aber politisch partout nicht eingrenzbar ist (sind es jetzt velofahrende FDPler oder fdplende Velofahrer?), bekommt sie den Wetterfahnen-Preis zum sturmen Huhn.

Wir erlauben uns auch, den GFL-Präsidenten Manuel C. Widmer persönlich mit dem Sonderpreis ‘Tausendmal probiert, tausendmal ist nichts passiert’ zu würdigen. Und wir wetten darauf, dass er auch bei der nächsten Wahl wieder versuchen wird, in den Stadtrat zu kommen. Und bei der übernächsten. Und der über-übernächsten. Aber Mänu, nimm es easy: wenn du so weitermachst, wirst du immerhin nie der Amtszeitbeschränkung zum Opfer fallen. Immerhin.

(Wie eine böse, aber durchaus verlässliche Zunge Dschango ins Ohr geraunt hat, ist die Strategie des Nicht-Gewählt-Werdens bei Widmer übrigens durchaus Programm. So scheiterte er bereits im Semer mehrfach beim Versuch, als SchülerInnenvertreter gewählt zu werden. Sein wichtigstes politisches Amt war bisher das des Klassenchefs, und, so munkelt man, auch dieses habe er nur bekommen, weil einfach sonst niemand scharf aufs Klassenbuch war.)

Rrrrrrhrrhrrrr...!

Sexy beast

Der Preis für die abgefahrenste Frisur war Gegenstand heftigster Diskurse unter den Experten. Man einigte sich schliesslich auf Philippe Müller von der FDP, der mit seiner Eigenkreation ‘Schnittlauch im Töpfli, dressiert’ angetreten ist. Sein Mut, fortschreitenden Haarausfall nicht etwa zu kaschieren sondern im Gegenteil zu betonen, gehört belohnt. Und das Schübeli, das wie eine Mutantenspinne in die hoh(l)e Stirn hängt, wertet sein Gesicht unglaublich auf, gerade weil es von selbigem ablenkt. Bravo!

Keine Angst, er will bloss spielen!

Keine Angst, er will bloss spielen!

Das Zeitungsinserat, das Müller als frei flottierenden Rosenkavalier zeigt, hat übrigens den Männeranteil in Berns Strassen die letzten Wochen auf fast 100% ansteigen lassen – die Aussicht, dass ihnen in der Stadt ein Schnittlauch-Müller entgegenkommt und ein Röseli anhängen will, hat die meisten Frauen veranlasst, sich bis nach den Wahlen zu Hause zu verstecken.

Dann hätten wir noch den Preis für die meisten Kandidierenden im Verhältnis zu den tatsächlich erkämpften Sitzen und auch absolut, der dieses Jahr an die EVP geht. Ihr Plan, die Stadt zu übernehmen und zusammen mit der EDU einen Gottesstaat zu errichten, ist leider gescheitert. Eure Charme-Offensive war zwar beeindruckend, der Prospekt wahnsinnig bunt und mit lauter glücklichen Menschen drauf, von dem her habt ihr alles richtig gemacht. Bei euch merkt man aber einfach schon recht schnell, dass das selige Leuchten in euren Augen nur deshalb so hell scheint, weil das Sonnenlicht ungehindert durch den Hinterkopf zur Hornhaut gelangen kann. Nächstes Mal tretet ihr vielleicht besser nur mit den wirklich fähigen Kandid… ok, sorry, das war jetzt gemein, ich will ja keineswegs zu eurer Auflösung aufrufen.

Apropos EVP: der Preis für das jämmerlichste Hobby geht an Gabriel Nathanaël Jordi von der EVP. Kann ja an mir liegen, aber, werte Frauen, würdet ihr einem Mann länger als drei Sekunden zuhören, der von sich selbst sagt, er sei “Coach einer Kinderband”? Eben. Und gäbe es einen Preis für ‘Dank Eltern, die bei der Vornamenswahl total kreativ waren, fürs Leben stigmatisiert’, Jordi hätte ihn auf sicher.

(Nein, die EDU bekommt dieses Jahr keinen Preis. Die Jesus-Soldaten Gubser und Räber sind schon Witzfiguren genug, da muss man sie nicht auch noch im Internet fertig machen, finde ich. Naja, wenigstens heute nicht.)

Dann haben wir noch den Sisyphos-Preis für viel Aufwand, wenig Wirkung, der dieses jahr an Sylvia Lafranchi-Haas (FDP) geht. Man hat sie ja stunden- und tagelang in der Stadt herumlungern sehen, Passanten ihr Wahlkärtli in die Hand drückend. Inserate wurden geschaltet mit ihrem Konterfei, eine tolle Homepage wurde gebastelt, auch Dschangos Briefkasten mit ihrem Konterfei zugemüllt und es wurde überhaupt ein rechter Aufwand getrieben, die Frau und ihren Offroader via Medien in des Volkes Herz zu torpedieren. Sogar eine Liason mit Lastwagen-Proll und Beinahe-Bundesrat Erich J. Hess wurde medienwirksam inszeniert. Muss ordentlich Schotter (und einen Haufen Überwindung) gekostet haben und ging ja sowas von komplett in die Hose. Aber es hat immerhin für einen dritten Ersatzplatz gereicht – wir hoffen, das hat sich somit für die Kandidatin gelohnt!

Da wir sowieso schon in der Rechtskurve angelangt sind, jetzt doch noch zur SVP. Diese gewinnt den Preis “wenn es ein Secondo kann, dann wir sowieso”. Oder ist es nur Zufall, dass die Berner SVP mit demselben Schlagwort wie Barack Obama (allerdings mit noch weniger Inhalt) Wahlwerbung machte? Wie auch immer: aus den Wahlunterlagen der SVP spricht deutlich, dass man überhaupt keinen Plan hat, was ein Programm überhaupt ist. Der Messias der SVP wohnt ja in Herrliberg, den kann man in Bern gar nicht wählen, auch wenn dieser nicht will. Folgerichtig setzt man einzig auf einen Slogan, der alles und gleichzeitig überhaupt nichts sagt. Und den man benutzen kann, egal welche Politik man momentan gerade betreibt. Dafür gibt es noch einen zweiten Preis, denjenigen für demaskierende Ehrlichkeit nämlich. Ein Wort (Ehrlichkeit), das man eher selten in Zusammenhang mit dieser Partei liest, zugegebenermassen, trotzdem ist der Preis mehr als verdient.

Dann liegt hier noch ein Preis für die absolute Bedeutungslosigkeit rum, den wir an Arbeitnehmer- und Rentnerpartei (ARP) vergeben. Nehmt es locker, wirklich relevant wart ihr ja noch nie. Und lange werdet ihr auf dem Ehemaligen-Bänkli nicht bleiben: nächstes Mal folgen euch die Schweizer Demokraten, übernächstes Mal auch noch die FDP nach.

Und Jimy Hofer dankt ja schon in der ersten Stadtratssitzung ab.