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Die bunte Welt des Dschango B.

Jetzt müsst ihr euch alle an den Stühlen festhalten, weil jetzt kommt der Hammer: der Dschango ist seit dieser Woche eidgenössisch attestierter Berufsbilder. Huiiiuiui, jetzt sehe ich förmlich eine “WTF?!?”-Welle hierher schwappen. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie das denn passieren kann, und ob jetzt dann eigentlich jeder dahergelaufene Zigeuner Jugendliche ausbilden darf.

Im Grunde genommen kann man die letzte Frage mit einem klaren  “Ja!” beantworten. Viel mehr als die Fähigkeit, während 40 Lektionen nicht extrem negativ aufzufallen, braucht man nämlich nicht, um im Kanton Bern Berufsbilder zu werden. Das schweizerische Berufsbildungssystem ist in seiner Niederschwelligkeit bezüglich den Ausbildern so sympathisch wie irritierend und ich muss zugeben, ich hätte nie gedacht, dass das System tatsächlich so funktioniert. Aber es tut es offenbar seit ungefähr viertausend Jahren.

Überhaupt nicht funktionieren tut momentan aber irgendwas auf Haiti – keine Angst, wir rufen jetzt nicht auch noch zu Spenden auf, gebt das Geld besser für ein Blümli für den Hasen oder für irgendein Sexspielzeug aus. Da haben die Haitianer nämlich genausowenig von. Aber mir ist aufgefallen, dass da eine Frau nach zig Tagen ausgegraben wurde. Also nicht das ist mir aufgefallen, weil, das steht ja momentan fast jeden Tag in irgendeiner Zeitung, dass auf Haiti eine Frau ausgegraben wurde oder gerade ausgegraben wird, nein, aber der Name der Frau ist mir aufgefallen und ich habe mir geschworen: falls mir irgendwann eine Tochter geboren werden sollte, sie müsste den Namen “Hotteline” tragen, ob sie wollte oder nicht, ob mir das Jugendamt im Nacken hängen würde oder nicht, schniezpupsegal.

Ja, mir ist auch klar, dass man den Namen wahrscheinlich als  “Ottlin” aussprechen täte, so mit französisch-stummem Asch. Würde ich aber nicht. Ich würde jeden Mittag “HOTTELIIIIIIIIINEEEEEEE!!” quer durchs Quartier schreien, mit extra stark betontem H, und ich würde mir einen Schranz in den Ranzen lachen, weil alle Nachbarn den Hals verdrehen würden, um zu sehen, welches arme Kind denn einen derart abgefahrenen Namen hat. Und Hotteline Beinhart würde zur Berühmtheit werden, nicht bloss, weil sie mit einem Natel in der Hand in einem Erdhaufen gefunden wurde, nein, sondern weil es die mit dem komplett verblödeten Vater ist, der seine Kinder nach haitischen Erdbebenopfern benamst. Und der bildet auch noch Lehrlinge aus, im Fall!

Es gäbe immerhin mehr zu reden als wenn ein Bundesrat mal wieder Gesicht und Eier verliert und vor der versammelten Presse den Hampelmann gibt. Aber halt, von der Béglé-Affäre wollte ich hier eigentlich wirklich nichts schreiben, weil auch wir bei der Daumenschraube haben gewisse Grenzen, was wir an Anti-Ästhetik unseren LeserInnen zumuten wollen. Oder eben nicht.

Da mache ich doch viel lieber ein bisschen auf Diashow und zeige euch, was mir die letzten Wochen so an lustigen Biudaleh vor die Linse gehuscht ist. Als erstes präsentiere ich euch, was die Bernischen Kornhausbibliotheken so ausgetüftelt haben, das meines Wissens einmalig in der ganzen Welt ist: in der Kornhausbibliothek kann man nämlich Bücher verlängern!

Das mag funktionale Analphabeten jetzt total kalt lassen, für mich aber ist es der Stein der Weisen. Stellt euch vor, ihr seid an einem guten Buch, die letzten zwei Seiten vor euch, und spontan denkt ihr, ha, eigentlich könnte die Story gerne noch für ein paar hundert Seiten so weitergehen. Und ihr schnappt euch den Fernsprecher oder eine Internet-Röhre und verlängert das Buch ganz einfach um ein Kapitel oder zwei, schnell und unkompliziert!

Gut, man müsste jetzt auch noch Bücher verkürzen können, weil einige Bücher schlicht zu lang sind. Ich vermute nämlich, dass beispielsweise die Bibel von ein paar über-enthusiastischen Literaturfreaks einfach ein paarmal zu oft verlängert wurde. Die Verkürzungs- komplementär zur Verlängerungsmöglichkeit wäre also durchaus angebracht, ich hoffe, dass sich die Kornhausbibliotheken da etwas überlegen.

Es wäre nämlich auch sonst noch praktisch, wenn man Bücher verkürzen könnte. So wäre beispielsweise das neueste Buch von Hans Küng in der verbesserten, weil verkürzten Version nur noch dies:

Ich habe mein Leben mit dem Glauben an unsichtbare Freunde verschwendet und muss nun rechtfertigen, warum ich keinen nützlichen Beruf gelernt habe (zB beim Herrn Beinhart).

Lobet den Herrn!

Es wäre alles viel, viel einfacher, ehrlich.

Ich kam in den letzten Wochen übrigens ab und zu in Spiez vorbei, das ist da diese flotte Party-Metropole am Thunersee. Es ist ein spassiges Käffchen, wirklich. Nicht nur, dass man dort den Jesus-Fisch sogar am Schaufenster des Frisörs findet (habe mich leider nicht getraut, den zu fötelen, weil die haben schon so apokalyptisch raus- und den Dschango angeschaut, gruslig) oder dass man auf der Website der Gemeinde Werbung für Fundi-Events macht. Nein, man zeigt sich auch gerne kreativ, wenn es um die Benennung von Firmen geht:

Gut, wenn man jetzt eine Swingerbörse aufmachen würde, da wäre “Popnet” sicher der perfekte Name für. Tun sie aber nicht, die Popnetten, die tun nämlich nur Computer vertschutten und so. Von allen guten Geistern verlassen muss aber sein, wer für seine softwareentwicklungstechnischen Bedürfnisse eine Firma engagiert, die sich “kaformatik” nennt, das “ka” auch noch fein grafisch hervorgehoben. Für Nicht-Nerds: “KA” steht für “keine Ahnung”. Also im IT-Slang, ob das bei der Firma auch extra so gewählt wurde, weiss ich natürlich nicht.

Ja, und zum Schluss möchte ich euch noch etwas mit auf den Weg geben, sozusagen mein Lebensmotte für 2010, gefunden am Bahnhof Stöckacker:

In diesem Sinne noch ein erfreuliches Wochenende – und immer schön nett bleiben, gell?




Grüne Eier, unschwule Filme, nuttige Models und ein drittplatzierter alter Sack

Himmel, Arsch und Zwirn, wie ging es ab bei mir die letzten Wochen… meine Schräubchen-Aktivität hat darob arg gelitten, deshalb: mea culpa. Als klitzekleine Entschädigung wird dieser Artikel mal wieder epische Länge aufweisen. Genauso wie die Liste der Tags zu diesem Artikel. Soll ja niemand sagen, ich schaue nicht zu meinen LeserInnen.

Also: Jahreswechsel war bekanntlich, bzw sogar Jahrzehntewechsel; hoffe, die werte Leserschaft ist gut geflutscht. Bei Beinharts gings wie immer im entspannten Rahmen über die Bühne, unaufgeregt und inmitten vieler lieber Leute. Und ich darf beruhigen: die neue Scheisse scheint zum Glück noch 1:1 der alten Scheisse  zu entsprechen, kein Grund also, sich auch nur annähernd neu zu orientieren. Der Bundesrat ist noch genauso ratlos wie letztes Jahr, Merz hat sein Gesicht noch immer nicht gefunden, Leuthard ihr rechtes Auge noch immer nicht schliessen können und generell darf gesagt werden, dass Denkbefreitheit nach wie vor Breitensport ist.

Soweit so gut.

Eier trotz grün

Aber trotzdem gibt es ein paar Dinge, die neu sind. Da war beispielsweise ein gewisser Diego Hättenschwiler (mir bis dato völlig unbekannt, aber offenbar Delegierter der Berner Grünen), der meiner bescheidenen Meinung nach der bisher erste Grüne ist, bei dem zwischen den Beinen etwas anderes als handgerollte Filzkügelchen aus Bio-Wolle baumelt. Und genau dorthin (zwischen die Beine, aber am anderen Ende als an dem, wo idR die Kronjuwelen hängen) zielt auch die Diskussion, die Hättenschwiler anstossen will: die Beschneidung von Knaben ohne entsprechende medizinische (!) Indikation, bei Mädchen ein Straftatsbestand, müsse endlich diskutiert und verboten bzw bestraft werden. Man kann sich vorstellen, dass unsere beschnittenen Mitbürger exotischer Religionszugehörigkeiten am Toben sind.

Dschango aber sagt: Recht so! Meinen Segen habt ihr, liebe Grüne! Endlich wird an einem Tabu gerührt, das mir schon seit Jahren auf den Sack geht und anderen an die infantile Vorhaut. Ich meine: es kann ja nicht sein, dass wenn ich volljährigen, mündigen Leuten auf ihren Wunsch hin ein Piercing verpassen möchte, von Gesundheitsamt und Gewerbepolizei kontrolliert werde, es aber kein Problem darstellt, wenn tatterige Hobby-Chirurgen mit unsichtbaren Freunden auf dem Copiloten-Sitz an Geschlechtsteilen von Säuglingen herumschnippeln. Es ist mir völlig schnuppe, wenn dies zwischen Erwachsenen im Konsens geschieht. Ihr könnt euch dann gegenseitig alle möglichen Körperteile absäbeln, ob von Gott angeordnet oder nicht, ob alte oder neue Tradition, es geht mir komplett am Arsch vorbei. Aber die Lizenz zur Misshandlung von Säuglingen, nur weil man einer bronzezeitlichen Endzeit-Sekte angehört? Hallo?!?

Spassig ist die Reaktion des Schweizerischen Israelischen Gemeindebundes: erstens sei die jüdische Beschneidung eine alte Tradition (das allein rechtfertigt ja schon sämtliche Verstümmelungen), zweitens sei die Beschneidung von Juden durch die Religionsfreiheit geschützt (logo, wir stellen in der Schweiz die Religionsfreiheit grundsätzlich über alle anderen Grundrechte, vor allem über diejenigen von Dritten, und ganz besonders dann, wenn die Dritten minderjährig sind) und schliesslich habe die Beschneidung von Knaben handfeste Vorteile, denn sie vermindere das Risiko von Harnwegsinfekten und Peniskrebs. Letzteres stimmt tatsächlich, theoretisch zumindest, man kann denselben Effekt aber auch erzielen, indem man seine Nille hin und wieder “guet mit Söifi und Wassr” wischt. Das BAG hat scheints schon einen entsprechenden TV-Werbespot mit Ali Kebap in der Hauptrolle geplant – man will ja auch die muslimischen MitbürgerInnen erreichen.

Und übrigens: wenn die Theorie des SIG tatsächlich hinhauen würde, wäre Pimmelkrebs in Israel, den USA und fast allen arabischen Ländern komplett ausgerottet. Ist er das? Eben.

Abschliessend kann ich Herrn Hättenschwiler zu seinen haarigen Klöten nur eine unglaublich dicke Haut wünschen. Er wird sie, im traditionell religiösen Absurditäten Sympathie entgegenbringenden Grünen-Umfeld, bitter benötigen.

Ghey secks for teh win!

So apropos “bestens unterhalten”: wir (Hase, Dschango, der Franzose) waren neulich mal wieder im 3D-Kino, “Avatar” ansehen. Wir waren begeistert! Selten, dass ich nach Filmende das dringende Bedürfnis hatte, den Film gleich nochmal zu schauen (machen wir dann auch noch, Mitte-Mitte ist das Stichwort). Die Story ist zwar in maximal drei Hauptsätzen erzählt (ganz witzig: in der Pause haben wir drei überlegt, wie der Film weitergeht, und wir haben im Detail jeden einzelnen Strang genau so fertiggesponnen, wie er dann auf der Leinwand tatsächlich kam), das hat uns aber nicht wirklich gestört – vor lauter Gucken kommt man eh kaum zum Denken.

Weniger Freude an dem Film hatten einzelne Transgender/Schwulen/Lesben/WTF-Verbände, die auch zum Boykott gegen den Film aufriefen. Wieso das denn, könnte man sich fragen. Ganz einfach: im ganzen Film kommt kein einziger Schwuler vor, keine einzige Lesbe (OK, Frau Weaver spielt mit, immerhin), nicht ein Transgendator, keine Transen, null Sex (letzteres würde ich als valides Argument noch so halb unterstützen). Und das geht so natürlich nicht.

Ich träume schon von einer Welt, in der man keinen Film mehr machen darf, ohne nicht eine Liste von Quoten-Minderheiten rollentechnisch zu berücksichtigen. Das heisst, egal ob Krimi, Science Fiction, HdR, Kostümschinken oder Disney-Weihnachtsfilm, neu müssen folgende Sprechrollen zwingend enthalten sein (die Liste ist als ‘work in progress’ zu verstehen und muss noch durch das BunDesamt zum Schutz von Minderheiten [BDSM] freigegeben werden):

  • 3 Juden (1 orthodox,  1 liberal, 1 de facto-Atheist)
  • 1 Uigure (einfach bloss, um China anzupissen)
  • 2 Muslime
  • 5 Fetisch-Liebhaber, Ausrichtung je nach Wunsch und/oder Präferenz des Regisseurs besetzt
  • 1 Zeuge Jehowas
  • 1 Atheist
  • 2 Personen mit Schuhgrösse >= 45
  • 1 Agnostiker
  • 3 Schwule (davon mind. 1 Ledertrine, kann nicht anstelle eines Fetisch-Liebhabers [s.o.] besetzt werden!)
  • 2 Lesben
  • 8 Informatiker
  • 1 abgehalfteter Ex-Bundesrat mit Profilneurose, Messias-Komplex und Verfolgungswahn (guckt nicht so: endlich ein Job, für den der Mann wirklich die beste Wahl ist!)
  • 6 Hundehasser
  • 1 Outdoor-Fanatiker
  • 2 Bisexuelle
  • 2 Vegetarier
  • 24 Zigeuner (kann man immer, in jedem Film brauchen!)
  • 1 Asexueller
  • 3 Versicherungsvertreter
  • 1 Kleinwüchsiger
  • 3 Schwarze, die Afroamerikaner genannt werden möchten
  • 2 Afroamerikaner, die Schwarze genannt werden möchten
  • 2 Inder
  • 8 Detailhandelsangestellte (paritätisch zwischen Coop und Migros aufgeteilt)
  • 1 Analphabet
  • 5 Fettleibige (BMI nicht unter 52 pP)
  • 3 Magersüchtige (BMI nicht über 7 pP)
  • 4 Allergiker

Man müsste auch noch bestimmen, ob man als Regisseur kumulieren darf, also zB mit einer schwarzen, lesbischen, magersüchtigen, muslimischen Inderin gleich fünf Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Ich wüsste da ein paar Leute, die so den Sprung in die Selbständigkeit wagen und sich ein recht schickes, regelmässiges Einkommen sichern könnten.

Ach übrigens, mein altes Vorurteil, dass man einfach kein schlechter Mensch sein kann, wenn man einen derart appetitlichen Arsch wie die Frau Rodriguez hat, dieses Vorurteil hat sich dann im zweiten Teil des Films vollumfänglich bestätigt. Das Vorurteil wird folglich per sofort zum Dogma erhoben.

Der Zahn der Zeit

Bevor jetzt die Gerüchte wieder überkochen: Dschango ist trotz seines hohen Alters noch ein extrem Agiler, Wendiger, ja, gar ein sich stromlinienförmig durch die Welt Bewegender. Physisch wie geistig, wie ich anmerken darf. Trotzdem lässt sich nicht leugnen: wir bauen langsam aber sicher ab.

Da war beispielsweise der Vorfall bei einem Kunden. Es ging darum, ihm ein Outlook 2007 zu installieren (nicht hinterfragen, manchmal muss ein Mann einfach tun, was ein Mann tun muss). Alles lief recht smooth ab, ich startete dieses doofe Outlook, “wollen Sie Konto einrichten”, neeee, wie immer halt, mach einfach weiter du Depp… *tschägäng-tschabbawahnsinn*… Oh-lala, wie bunt sieht das denn aus? Gut. Ich versuche, ein eMail zu verfassen, um zu schauen, wie sich das Teil so anfühlt. Neue Nachricht, Adresse eingeben, Subject, Text. Und abschicken. Hmmm… wo zum Henker ist der ‘Send’-Button…?

Suchen, suchen, suchen… Zillionen von Optionen, Myriaden von Ribbons, Knöpfe agogo, aber keiner, der ein Mail zu versenden verspricht. Panik macht sich breit. Erstmal den Kollegen rufen (knapp 20 Jahre jünger), er soll den Send-Button finden. Grosses Gelächter, “na Dschango, jetzt gibst aber wirklich ab, ne?”, er setzt sich hin… und sucht… und sucht… und sucht… irgendwann dann “Gopfertami!”, aber immer noch kein Send-Button.

Also mal Google anwerfen, und siehe da: ungefähr 600′000 Einträge, alle mit demselben Problem. Und die Lösung? Outlook 2007 kann zwar Mails schreiben, wenn noch kein Konto definiert ist, logischerweise aber keine verschicken. Ein ‘dummer’ Mailclient würde jetzt einfach eine Fehlermeldung ausgeben. Und Fehlermeldungen sind gut! Mit Fehlermeldungen kann ich umgehen! Fehlermeldungen verdanke ich seit 20 Jahren einen Grossteil meines Einkommens! Weil aber der Dreck aus Redmond gerne mal für den User denkt, zeigt er in der Folge ganz einfach keinen Send-Button an, so im Stil von: “Hach, du hast in dem Moment, als ich wollte, nicht das gemacht, was ich für dich vorgesehen habe. Weisste was? Du kannst dir deinen Send-Button sonstwohin stecken. Bevor du den zu sehen bekommst, darfst du mich jetzt erstmal eine halbe Stunde lang bewundern… bin ich nicht schön geworden? Hast du gesehen? Neuer Lidschatten! In Farben, von denen du gar nicht wusstest, dass sie existieren! Oder streichle mal meine Ribbons, wie sie hübsch aufribbeln…Wie…? Ah jetzt lass mal den blöden Send-Button, schau doch mal, die Schuhe…!!

Es ist ein bisschen so, als ob man Paris Hilton  zu seinem Mailclient machen würde. Und das verstehe ich nicht, warum man das tun möchten sollte. Aber gut, das kann man noch damit erklären, dass ich einfach ungern Micromist benütze. Oder dass 600′000 Google-Hits tatsächlich von einem nicht durchdachten System zeugen. Aber letzthin stand der Dschango an der Tramhaltestelle und sah vis-à-vis ein Plakat hängen. Bisher ist das noch überhaupt nicht erwähnenswert, ihr könnt eure Münder also erstmal wieder zumachen. Aber was Dschango da las, war erstaunlich: “Peniskassen” stand da nämlich, in riesigen Lettern auf dreifaches Weltformat gedruckt, appliziert auf einer hundskommunen APG-Plakatwand. Nein, der Zusammenhang mit der BAG-Kampagne wider den Schwanzkrebs muss hier nicht hergestellt werden, weil der zweite (dritte?) Blick enthüllte, dass das Wort eigentlich “Pensionskassen” hiess.

Zehn Minuten später, Dschango wirft einen Blick auf den BlAbend, und was steht da: “Nuttig! Martina wird Model”, darunter ein Foto von einer etwas seltsam posierenden Frau Hingis. Dschango war erstaunt, weil, auch wenn er die Frau Hingis eine eher unattraktive findet und sich immer panisch die Ohren zuhält, wenn er sie sprechen hört: sie als “nuttig” zu bezeichnen erschien ihm dann doch etwas gar derb. Erfreut bemerkte er, nachdem er sein Haupt mehrmals irritiert geschüttelt hatte, dass das Wort eigentlich “mutig” hiess. Und Dschango überlegte, ob es nicht langsam doch Zeit für eine Brille wird.

Auf der anderen Seite ist da noch ein anderes als das vorgängig erwähnte Büro-Gspandli, das, mit Blick auf den BlAbend auf meinem Pult, meinte:

“Hey, weisch was hani zersch gläse?!”

“Nuttig?”

“Genau!!”

Und dieses Gspändli ist doch ein paar Jährchen jünger als ich. Und hat bereits eine Brille. Kann also noch nicht so schlimm sein mit dem alten Dschango.

Und was war sonst noch?

Bei unserem alljährlichen XMas/New Year-Pokerturnier (Schrauben-Red, Schrauben-Red-Hasen, Friends) wurde der Dschango dieses Jahr Dritter. Immerhin. Bisher war er noch immer im Heads Up, das wollte diesmal irgendwie nicht klappen. Im Gegensatz zu meinen werten Blog-KollegInnen (beide relativ sang- und klanglos ausgesemmelt, HA!!) bin ich aber sehr zufrieden, vor allem, weil meine beste Hand des ganzen Abends ein 10er-Trilling war, der von einem Full House verdient geschlagen wurde. Die Bilanz des Abends gestaltete sich trotzdem erfreulich: ausschliesslich mit Bluffs SFr. 11.- verdient und noch die nächsten zwei Tage an den (selbstinduzierten) Folgen des Poker-Events gelitten.

Sch’äbe geng das.




Rettet die braunen Arschlöcher!

So, da bin ich wieder.

Das Gegrippe ist einigermassen gut überstanden, an dieser Stelle nochmals danke für die netten Genesungswünsche und selbige zurück. Mittlerweile krochelt der Hase rum, agiert schon recht genervt, weil sie im Haus bleiben muss, und hat eine Stimme wie Marlene Dietrich nach jahrzehntelangem Zwangsnikotin- und Whisky-Konsum. Finde ich ja noch so rRRRrRRRrrrrRRRRrrrr, findet Hase aber gar nicht gut, vor allem deshalb nicht, weil ich jedesmal lüstern grinse, wenn sie was krächzt. Und damit man versteht, wie ich jetzt von der sexy Stimme meiner Freundin zum übernächsten Absatz und dem eigentlichen Thema dieses Artikels komme, dafür lade ich die werte Leserschaft nun auf eine kleine Assoziationsreise in die Dschango-Welt ein.

Festhalten, meine Damen und Herren, der Assoziations-Express fährt los! Erste Station: tiefe Hasenstimme, Hauptbahnhof. Ohne weiteren Halt geht es da zur Marlene Dietrich, bzw wieder zurück zu dieser. Umsteigen. Nach der Marlene kommt ein Zwischenhalt im Zweiten Weltkrieg. Vom Zweiten Weltkrieg kommen wir nach Algerien. Von Algerien geht es nach Tunesien. Von da zum Thema “lustige Demokratien”, dort nehmen wir dann den Bummler nach Libyen, treffen unterwegs im reservierten Abteil (wo wir während der Fahrt primitive Karikaturen von Mohammed und Hannibal im Darkroom malen) unsere Geiseln/Geschäftsmänner/Gepäckverlierer/Terroristen/whatever  und steuern von da auf direktem Weg zum Bundesmerz im Appenzöllischen. Wenn wir im Appenzöll sind drängt sich der Zölibat und folglich der Katholizismus auf, also besuchen wir rasch den Papst, ziehen aber gleich weiter Richtung Emmental. Nach kurzweiliger Wanderung sehen wir die Freikirchen links und rechts des Wegs aufragen und den Minaretten die Sonne nehmen, folglich biegen wir dort scharf rechts ab und stehen schliesslich vor dem Haus vom Wabers Chrigu von der EDU. Womit wir am Ende unserer Reise wären und der Übergang zum nächsten Thema quasi kanten- und schmerzfrei ist.

Also, ‘Anal Bleaching’ ist das Thema. Irgendwie ist mir dieser Begriff mal ins Hirn gefallen, ich habe ihn fein säuberlich unter “Diverse LOLies” eingeordnet und dann sein lassen. Das war eigentlich eine gute Entscheidung, weil er sich in meinem Alltag nur sehr sperrig auf regelmässiger Basis anwenden lässt. Vielleicht wäre das anders, wenn ich Porno-Darsteller wäre, aber so als IT-Knilch und Teilzeit-Zigeuner kommt man eher selten mit diesem Ausdruck in Kontakt.

Vielleicht etwas einleitende Information für alle diejenigen unter uns, die noch echte Probleme haben: Mit ‘Anal Bleaching’ wird die Hautaufhellung im Bereich des Anus bezeichnet (Wikipedia). Ja, ich weiss, “rund um den Anus” hätte hier auch gut gepasst. Anal Bleaching wird übrigens gerne mit ‘Anal Bleeding’ verwechselt, dabei ist das etwas komplett anderes.  Und es ist tatsächlich so, dass Leute hart in der Krise verdientes Geld dafür hinblättern, sich das eigene (!) Arschloch mit allerlei Chemie farblich pimpen zu lassen. Zwar primär dahingehend, den rektalen Farbton der Umgebung des Restarsches anzupassen, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass man sich in Zukunft die Rosette passend zum Handtäschli tönen lassen kann. Und will.

Und damit das schon mal klar ist: solange es nicht Pflicht wird und keine Menschen gegen ihren Willen involviert sind, ist mir das sowas von schniezepurzepipifaxegal. Färbt euch doch eure Rekta in allen möglichen Regenbogenfarben, meinetwegen auch kariert, schraffiert und mit Bitmap-Grafik unterlegt. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich keineswegs jemals alles begreifen werde, was die menschliche Natur so umtreibt, wenn sie genug Geld und Freizeit zur Verfügung hat, von dem her habe ich ja gar nicht den Anspruch, verstehen zu wollen, warum Mensch so etwas freiwillig tut. Ausserdem: auch Kosmetikerinnen müssen von etwas leben! Ob jetzt von der Hand in den Mund oder von selbiger am Anus, scheissegal. Und wenn es nun Leute gibt, die es erfüllend finden, anderen Menschen im Broterwerb das Fäkalloch einzufärben, so sei ihnen das unbenommen, meinen Segen habt ihr, ziehet hin und färbet euch bunt und scheckig!

Es geht aber nicht anders als dass ich ganz schüchtern die Frage in den Raum werfe: Wer in aller Welt braucht sowas? Und wozu? Gut, das waren jetzt zwei Fragen, aber trotzdem. Ich mag ja ein bisschen von gestern sein und vielleicht ist das heute anders als bei uns damals, aber mal so ganz ontrenuu: wer um Himmels Willen steht nackig mit dem Rücken zum Spiegel, bückt sich dann derart runter, dass er/sie seine/ihre Fussspitzen berühren kann, linst zwischen den Knien hoch zum Spiegelbild und denkt sich: “hmmm, sonst ist ja alles OK bei mir, mein Körper ist ein Geschenk an die Welt, aber verdammt… meine Rosette ist so… so… braun!”? Wer von euch (Handzeichen bitte!) hat schon mal die Situation erlebt, dass der Sexualpartner den Farbton im Genitalraum bemängelt hätte? Und warum habt ihr dann selbigem Sexualpartner nicht einfach ein mittelgrosses Küchenutensil in den Arsch gerammt und diesen mitsamt dem daranhängenden Ex-ualpartner per Fusstritt aus der Wohnung befördert?

Mal ganz abgesehen davon, dass ich dort, wo täglich die eine oder andere Kackwurst rausgedrückt wird, spontan jetzt keine anderen Farben als – allenfalls herbstlich angereicherte – Brauntöne erwartet hätte: was machen diese Leute eigentlich den ganzen Tag? Hat man ihnen noch nicht erklärt, dass Analbeschnüfflung zwar im Tierreich oft und gerne praktiziert wird, beim Menschen aber eher unüblich ist? Oder unterliegen diese Leute einer unwahrscheinlichen Selbstüberschätzung, indem sie meinen, die ganze Welt sei am Closeup-Anblick ihrer Gagidüse interessiert? Müssten wir auf der Daumenschraube die Kategorie “Nabelschau” in “Analschau” umbenamsen, mal wieder stehenden Fusses dem Zeitgeist voraushinkend? Ich sehe schon, heute gibt es wieder weit mehr Fragen als Antworten.

Man munkelt ja in Expertenkreisen, Rom sei deshalb untergegangen, weil die Dekadenz umgekehrt proportional zur Kultur gewachsen ist und diese Dekadenz die arme Kultur schliesslich abgehängt hat. Das mag sein. Aber man nehme sich die Zeit und stelle sich jetzt bildhaft einen Römer im untergehenden Rom vor, meinetwegen einen Senator oder sonst einen Bonzen, der den ganzen Tag nur faul auf einem Steinbett liegt und sich von blutjungen Sklavinnen Weintrauben in den Hals stecken lässt, also quasi den Archetypen der Dekadenz, was der für Augen machen würde, wenn man ihm ein Anal Bleaching vorschlagen würde. Nebst der Tatsache, dass er mit diesem Begriff nichts, aber auch gar nichts anzufangen wüsste, weil der Lateiner englischen Begriffen generell wenig Verständnis entgegenbringt, er würde wohl nur traurig das archetypisch-dekadente Haupt schütteln, selbst wenn man ihm präzise erklären würde, was Anal Bleaching genau ist. Also sogar für den dekadenten Senator wäre dies ein deutliches Zuviel an Dekadenz, man stelle sich das jetzt mal plastisch und in 3D vor!

Und apropos Senator: man ist es sich ja von der Politik her schon gewohnt, dass die grössten Arschlöcher traditionell braun sind. Ich fände es deshalb schon nur aus soziopolitischen Gründen nicht akzeptabel, wenn diese schöne Tradition aufgeweicht würde. Deshalb: Freiheit für braune Arschlöcher! Gegen die Arisierung von braunen Fäkalrohren! Denn auch deine Rosette hat ein Recht auf ihren Schokohof.

Bin froh, dass wir das jetzt endlich einmal besprochen haben.




Itauiänisch reloaded

Wir waren ja mal wieder in Italien, Hases Genpool besuchen gehen. Diesmal gaaaanz tief runter: “finibus terrae” hat die Ecke mal geheissen, und tatsächlich, danach kommt nur noch Afrika und Griechenland. Und um dasjenige, das eh alle am meisten interessiert, gleich vorwegzunehmen: 4,3 Kilo in sieben Tagen. So. Man munkelt, dass sich die Insassen einer hier ungenannt wollenden Berner Trainingslokalität bereits schelmisch darauf freuen, nächste Woche einem fetten, alten Zigeuner den faulen Arsch grün und blau zu schlagen. Und ich habs ja verdient, soviel restzwinglianischer Masochismus muss mir erlaubt sein.

Labern, fressen, labern, fressen, schlafen. Repeat.

Habe ich schon mal erwähnt, dass sowohl der Italiener als auch die Italienerin an sich kein Gramm normal sind? Sogar, wenn ich dies schon getan hätte – es ist dermassen wahr, dass es kaum oft genug gesagt werden kann.

Zwei Hauptpunkte: die Fresserei und die Schwaflerei. Beides sind die Hauptsäulen, auf denen die italienische Kultur steht. Und beides wird bis zum Exzess betrieben.

Gut, OK, es waren ja Verwandte, da ist klar, dass mit der grossen Kelle angerichtet wird. Aber einmal haben wir fünfzehn Gänge über den ganzen Tag verteilt gezählt, da war noch nicht mal ein Frühstück drin. Kann das noch gesund sein?! Und man verstehe mich jetzt richtig: nicht so Chrüter-Oski-Nouvelle-Wobischdu-Portionen, sondern solche, die dazu geeignet sind, Holzfäller oder Kampfhunde nach härtestem Einsatz zu sättigen. Ich kann wirklich fressen wie gestört, aber nach drei Tagen habe auch ich aufgegeben: es war, wie wenn meine Verdauung einfach nicht mehr nachkäme, all das Zeug, das oben reingestopft wird, zu verarbeiten, bevor schon wieder Nachschub kam. Gefühlsmässig habe ich deshalb noch eine Woche nach der Rückkehr in die Schweiz italienische Nahrungsmittel defätiert.

Und dann haben sie uns dauernd versichert, dass es an “normalen” Tagen bei ihnen nicht so wäre, dass sie nur für uns ein Festessen veranstalten. Und im nächsten Satz erzählen sie, wie man vor drei Tagen (ohne, dass Schweizer oder sonst ein erkennbarer Grund zur Völlerei vorhanden gewesen wäre) wie deppert geschaufelt habe, einfach so. Und wie zwischen erstem Advent und Stefanstag der Tisch in der Regel gar nie abgeräumt, sondern einfach nur immer das Leergegessene wieder aufgefüllt werde. Und dass Weihnachten im Vergleich zu Ostern geradezu harmlos sei.

Aber eben: erzählt wird viel an italienischen Tischen. Verdammt, elend, unglaublich viel sogar. Wir lernten einmal eine gebildete junge Frau kennen, die sogar ausländisch parlieren konnte (Französisch, Englisch, sogar bissi Deutsch), was in Italien wirklich eine Ausnahme darstellt. Ihre Sprechleistung von ungefähr zweitausend Silben Italienisch pro Sekunde sprengte die Kapazität meines Gehirns bei weitem, weshalb ich vorschlug, in eine mir etwas näher stehende Sprache zu wechseln. Nachdem ich ihr etwa drei Minuten beim Französischsprechen zugehört habe, sagte ich ihr, sie könne auch genauso gut wieder Italienisch sprechen – die Sprache hatte zwar gewechselt, sowohl Betonung als auch Tempo blieben aber unverändert.

Meine Theorie ist ja, dass alle, die nördlich des Gotthards geboren sind, eine Verengung in ihrem Gehörgang angeboren haben. Dank (oder Fluch, je nachdem) derer ist man nicht in der Lage, mehr als eine gewisse Anzahl Worte aktiv zu hören, geschweige denn, sinnvoll zu verarbeiten. Entsprechend sind auch unsere Sprechwerkzeuge aufgebaut: darauf optimiert, die diffizile Architektur eines nördlichen Gehörgangs zu berücksichtigen, ihn ja nicht mit zu viel Sprachleistung zum Bufferüberlauf zu treiben. (Dass dies mit einer erhöhten Leistung beim Bedenken des zu Sagenden einhergeht, ist zwar naheliegend, die Erfahrung zeigt aber, dass es eine Fehlannahme ist.)

Das südländische Ohr hingegen ist ein bodenloser Krater, der völlig ungerührt auch die unglaublichste Menge an Worten aufnehmen und verarbeiten kann. Entsprechend sind auch südländische Zungen gefertigt: als linguistische Maschinengewehre, wartungsfrei und nur dann wirklich glücklich, wenn sie auf höchsten Touren feuern können.

Es ist mir bisher erst einmal gelungen, einen Tisch mit immerhin fünfzehn italienischen Dransitzenden für ein paar Sekunden zum Schweigen zu bringen, und das ging so: man wollte mich zum Verzehr irgendeiner Widerlichkeit nötigen, ich glaube, es war Fischgehirn. Normalerweise bin ich solchem Mist ja nicht ganz abgeneigt – mein Top-Team aus Gaumen und Magen erträgt zumindest rein theoretisch eigentlich alles, was kreucht und fleucht. Bockig werde ich aber dann, wenn ich etwas “muss” – wenn ich etwas probieren muss, etwas machen muss, etwas erledigen muss. Dann stellen sich bei mir die Nackenhaare auf, die Augenbrauen ziehen sich zusammen und bevor es denkt, sagt es schon “sicher nicht”. Muss was genetisches sein.

Item, man sagte mir also, ich müsse dieses Fischgehirn jetzt unbedingt probieren, weil, nebst seiner kulinarischen Qualitäten habe es auch noch… andere. Aha, so fragte ich, welcher Art diese Qualitäten denn seien, und bekam zur Antwort, diese Qualitäten seien besonders, wenn nicht gar explizit, für Männer geeignet. Gut, gab ich zurück, dann macht es uns also so intelligent wie Frauen? Kopfschütteln über den Barbaren aus dem Norden war die Folge, neiein, das hätte ich falsch verstanden, es wirke mehr… unten. Achso!, ich wieder, dann sei ja gut, und fragte mit grösster Unschuldsmiene, weil, ich hätte da unten keineswegs Performance-Probleme – ob das bei den anderen Herren hier am Tisch etwa der Fall sei?

Tatsächlich schwiegen jetzt alle – Männer und Frauen – während etwa dreissig Sekunden, in einer Stille, die andere als beklemmend empfunden hätten, ich aber genoss, da ich endlich mal in Ruhe und ohne Störung einen oder zwei Bissen kauen konnte.

Echte Männer

Sowieso, es ist ja eine Freude, Italien als Mann zu bereisen, der tradierten Insignien der Männlichkeit im besten Fall mild belächelnd, im weniger guten Fall offensiv bekämpfend begegnet. Konkret: ich hasse Autofahren, ich scheisse auf rote Sportwagen, ich schlafe bei Fussball ein, ich glaube jeder Studie, die behauptet, dass mehr als 30 Minuten Velofahren im Tag impotent macht, ich koche gerne, ich putze mehr als die Frau, ich verdiene weniger als ebendiese, ich definiere mich nicht über meinen Job und wenn mir ein Geschlechtsgenosse über seine böse Alte vorjammert, bin ich reflexartig auf deren Seite. Männersolidarität finde ich selten mehr als bemitleidenswert und ja, verdammt, ich tausche halt lieber mit der Hausfrau Rezepte aus, als virtuelle Schwanzlängenvergleiche mit den klötentragenden Jammerlappen im Wohnzimmer auszutragen.

Der Italiener ist ja überzeugt davon, dass es nördlich von Milano eigentlich keine Männer mehr gibt. Der globale Brennpunkt des Testosterons ist irgendwo zwischen Lecce und Rom anzusiedeln, alles andere sind ja nur verweichlichte Memmen. So meint der Italiener.

Dazu passt, dass der Italiener eine Art von Homophobie entwickelt hat, die geradezu Jööööh-Charakter hat. Und zwar wird ganz einfach die Existenz von Homosexualität negiert. Das heisst, man weiss zwar, dass es schwule Italiener gibt, diese leben aber ganz einfach alle in Milano. Irgendwie muss es da einen Botty-Magneten haben, der einfach alle Homos früher oder später da hochzieht. Und weil eben alle Schwulen in Milano leben, kann es an Orten wie zB Lecce gar keine mehr geben. Ist ja logisch, oder?

Entsprechend kann man sich in Süditalien so tuntig aufführen, wie man will, es wird sich niemand daran stören. Solange man nicht mit dem Pimmel im Hintern eines anderen Mannes erwischt wird, ist alles in Ordnung und man wird glauben, dass derjenige eben “die Richtige” noch nicht gefunden hat. Und sogar wenn man auf einer öffentlichen Toilette in eindeutiger Pose erwischt wird: eher ist man bereit, an einen schrägen Unfall zu glauben, an einen Ausrutscher auf glitschigem Boden, wobei man, Gesicht voran und “Goooooooooooooal!” schreiend, zufällig auf dem – unerklärlicherweise voll erigierten – Genital eines Priesters gelandet ist, als dass den Betroffenen homosexuelle Absichten unterstellt werden.

Erklärungsnotstand herrscht nur, wenn der Priester zufälligerweise aus Milano stammt.

Sprachliches

Moskitos fisten!

Fistare gli zanzare!

Wir kennen eine aus Apulien stammende Frau, die seit über zwanzig Jahren in der Deutschschweiz lebt (und zeitweise arbeitete) und nach all dieser Zeit noch nicht ein einziges Wort Deutsch oder Schweizerdeutsch versteht, geschweige denn spricht. Sie hat es geschafft, zwei Kinder grosszuziehen und sich selbst während dieser ganzen Zeit in einem selbstgewählten italienischen Ghetto zu halten. Der nächste SVP-Wasserträger, der mir irgendwas vorjammert, weil der Jugo von nebenan nach drei Jahren in Bern noch immer kein Goethe-fähiges Hochdeutsch spricht und keine Schiller-Sonette freihändig vortragen kann, dem muss ich glaub echt mal die Kutteln so richtig durchputzen.

Ich bin ja, was romanische Sprachen angeht, wirklich kein Genie – Legionen von Franz-LehrerInnen aller möglichen Niveaus, Stufen, Ebenen und Lehrkörper können das bestätigen. Aber nach einer Woche nur Zuhören war ich soweit, dass ich zumindest kapiert habe, um was es in einer umgangssprachlichen Unterhaltung ungefähr geht. Ist ja auch selten Quantentheorie, über die da diskutiert wird. Aber die Ignoranz, die in Italien Fremdsprachen gegenüber geübt wird, ist wirklich sensationell. Es scheint, als ob italienische Gehirne einfach abblocken, sobald was ausländisches an ihre akkustischen Sensoren gerät.

Entsprechend gibt es an italienischen Unis auch so gut wie keine Veranstaltungen, die nicht in Italienisch abgehalten werden. Englisch als Lingua Franca zumindest der Natur- und Wirschaftswissenschaften ist dort auf jeden Fall noch nicht durchgedrungen. Was in einem Land mit einer traditionell rekordhohen Marke an arbeitslosen Uni-Abgängern doppelt idiotisch wäre, eigentlich.

Auf die eigene Sprache jedoch ist der Italiener stolz wie sonstwas. Völlig irrelevant, dass sie ausserhalb der eigenen vier Wände nur noch in der Schweiz (und da auch eher zum Erhalt des Lokalkolorits und um die Restschweiz zu nerven) gesprochen wird: wenn es um Italienisch geht, wird jeder Bauarbeiter zum linguistischen Experten und Ästheten. Völlig normal, dass man mit einem doppelten Doktor nur Italienisch sprechen kann. Ebenso völlig normal, dass man von der Kellnerin augenbrauenhebend korrigiert wird, wenn man ein falsches Geschlecht vors Wort setzt.

Die Sprache ist aber auch immer wieder zu Spässen aufgelegt. So heisst ja bekanntlich “es stinkt” auf Italienisch “puzza”. Daraus nun abzuleiten, dass “Trepuzzi” einfach “drei Stinker” seien, ist aber komplett falsch – es handelt sich hier um eine Stadt, deren Geruchsemissionen sich durchaus im italienischen und gesamteuropäischen Durchschnitt halten. Dass der Mano weiblich ist, ist da nur noch der Tüpfelchen auf das i und konsequent.

Aber auch bei den Namen findet sich allerlei Spassiges: ganz besonders zu erwähnen sicherlich der Name Sturzo für einen Katholenpolitiker.

Strandfreuden

Hase und ich haben eine Tätigkeit kultiviert, die wir “simulierten Strandurlaub” nennen. Man geht dazu an dem Ort, wo man sich gerade aufhält – das kann im Urlaub an einer x-beliebigen, nicht wirklich für ihre Traumstrände berühmte Destination sein oder zur Not auch im Marzili oder im Badezimmer in der Bümplizer Wohnung – dorthin, wo sich Touristen und Einheimische in der Regel zum Eintunken ihrer Glieder in Salz- oder Süsswasser treffen.

Warum wir das tun? Ganz einfach: als Dink-Vorzeigemodelle sind wir ja prädestiniert für Urlaub auf den Malediven, den Seychellen…. Hauptsache schön weit weg, schön Strandsonnepalmen und, vor allem, schön teuer. Nun wissen wir ja ganz genau, dass wir es in der Regel selten länger als zwei Stunden an einem Strand aushalten. Wo der Erholungsfaktor beim kollektiven Hautkrebs kultivieren, während links und rechts ein textil unterdotierter, ziemlich repräsentativer Querschnitt durch die ZuschauerInnen des RTL-Nachmittagsfernsehens liegt, krakeelt und… einfach ist, liegen soll, hat sich für uns noch nie so wirklich erschlossen. Aber trotzdem, man ist ja den ständigen, vierfarbigen Illusionen der Reiseindustrie machtlos ausgesetzt. Und so kommt es halt auch bei uns mal vor, dass wir, meist nach Wochen, in denen die Welt zwanzig mal eingerissen, neu aufgebaut und wieder in Stücke gehauen wurde, schmachtend vor Bildern von weissen Stränden stehen, die nur eines suggerieren: nichts tun.

Das Problem ist nur: wir können nicht nichts tun. Geht nicht, irgendwie. Absenz von Aktivität hat keinerlei Erholungswert für uns. Wenn wir nichts tun, dann möchten wir etwas tun. Sachen anschauen. Lesen. Das Hotelzimmer umräumen, egal. Und auf den Maledellen kann man nichts tun, ausser eben: nichts tun. Und bevor sich da wieder Besserwisser zu Wort melden: Schnorcheln und tauchen ist für uns genau dasselbe wie nichts tun, einfach noch mit bunten Fischlein drumherum.

Und genau aus diesem Grund, um uns von dieser uns innewohnenden Unmöglichkeit zur Untätigkeit immer mal wieder aufs Neue zu überzeugen, machen wir eben simulierten Strandurlaub. Was haben wir schon an Geld und Nerven gespart, indem wir eben nicht auf die Maledellen gefahren sind! Wenn mehr Leute simulierten Strandurlaub machen würden, das Klima wäre im Fall schon fast gerettet, alleine schon nur durch die nicht zurückgelegten Flugmeilen!

Item.

Apulien ist recht berühmt für seine Strände, die zur Hauptsaison vor allem von Italienern, Deutschen und Schweizern frequentiert werden. In dieser Zeit muss die Gegend die absolute Hölle auf Erden sein. Wir haben da wesentlich mehr Glück gehabt, im Wesentlichen waren die Strände nämlich leergefegt, und das trotz, so sagt zumindest Hase, durchaus angenehmen Wassertemperaturen. All die Gummienten-Schnorchel-Badehosen-Shops, die das Bild von solchen Orten sonst prägt, war gnädigerweise bereits grösstenteils weggeschlossen, übrig blieb die stellenweise tatsächlich atemberaubende Landschaft, klarstes Wasser und trotz Bewölkung mehr als genug Sonne für zwei Bleichhasen. Beste Voraussetzungen für simulierten Strandurlaub!

Wir gingen da also an den Strand und profitierten gleich vom “Liegestühle und Sonnenschirm zusammen für nur zehn Euro”-Sonderangebot, haben uns mit ausreichend, aber nicht allzu schwerer Lesekost in zu bratender Absicht in den Sand gelegt, das bereits millionenfach als malerisch besungene Meer in unverbaubarer Frontalsicht.

Es war schon todlangweilig, als wir noch standen. Aber im Liegen fühlte ich sofort, wie mein Gehirn im Sekundentakt “Mami, wie lang geits no? Mami wie lang geits no? Mami wie…” in Richtung meines Aufmerksamkeitshorizonts feuerte. Und so schön es auch war, links und rechts über mehrere hundert Meter keinen Grind ansehen zu müssen, irgendwie fehlte etwas. Ich meine, ja, Meer, schön. Aber irgendwann hat man sich doch sattgesehen an Wellen, nicht? Zumal nie zum Beispiel ein Wal angespült wird oder ein Geisterschiff oder ein Hai gesichtet wird oder so. Immer nur dieses dröge Rauschen, das mich ständig in einen lethargischen, passiv-aggressiven Zustand befördert und mich final auf einer mechanisch-tierischen Ebene spitz wie Nachbars Lumpi macht, dass es auch nicht mehr schön ist.

Aber eben, niemand um uns herum. Niemand, den man herzhaft auslachen könnte. Niemand, mit dem man einen Streit vom Zaun brechen könnte. Und das (höchstwahrscheinlich) endvierzige Schweizer Paar, das sich in gerade noch Sichtweite befand (Illustrationsvorschlag: Er Geo-Lehrer im Muristalden, Sie Katechetin und/oder Sozialarbeiterin), mittels Sandwürfen und dem demonstrativen Ziehen eines Burggrabens zu einer zünftigen Schlägerei zu provozieren, erschien mir dann doch als Zeitverschwendung.

Zum Glück begann es nach etwa 45 Minuten zu regnen, was einerseits eine von uns hochgeschätzte Betriebsamkeit am Strand auslöste, andererseits die Möglichkeit eröffnete, uns ohne grösseren Gesichtsverlust (Andrea: jetzt nicht übersäuern!) von unserem Sonderangebot zu trennen.

Und wieder zweimal SFr. 4′000.- für Maledellen-Urlaub gespart!

Mafia, Wirtschaft, Kirche, Politik

Der staatstragende, klassisch-italienische Vierklang, hier in absteigender Wichtigkeit geordnet.

Diese Woche hat der Cavaliere ja mal wieder aufs Maul bekommen, von einem ultralinken, die Gesetze politisch ausnutzenden Verfassungsgericht. Diese verfluchten Kommunisten in Roben wollen einfach nicht begreifen, dass zwar alle Tiere gleich sind, die grösste Sau unter ihnen aber gleicher als alle anderen sein muss, weil sonst der Staat zusammenbrechen zu droht. In Italien ist dies mehr oder weniger allen (zumindest 70% der ItalienerInnen stehen nach wie vor hinter B.) völlig klar.

Sowieso: man hat in diesem Land eine Form der Betriebsblindheit kultiviert, die von aussen betrachtet sprachlos macht. So sprachen wir beispielsweise die Leute auf die zig-tausenden von Bauruinen an, die jeden Ort, jede Gegend, jedes Feld und jeden Strand zu einer Häuserkampfkulisse machen: auf der Autoreise zwischen Lecce und Brindisi habe ich innert 15 Minuten einmal über dreissig Runien gezählt. Völliges Unverstehen schlug uns entgegen – wie bitte, Bauruinen? Wir erklärten dann, was wir meinten, zB da die drei Mauern, die offensichtlich seit Jahrzehnten einfach als Mauern mitten im Dorf stehen (“ach ja, da wollte einer mal eine Fabrik bauen, aber die Regierung hat dann gewechselt”), oder das Haus, das direkt an der Strandpromenade steht und offenbar nie aus der Rohbau-Phase kam (“ah. ja, dem ist der Gemeindepräsident mal mit dem Bulldozer übers Haus gefahren”), oder auch das Villenquartier für gehobene Ansprüche, das einen ganzen Berg für sich beansprucht, laut Baureklame seit 2002 fertig ist, bisher erst aus rohen Mauern besteht und, dem Überwucherungsgrad des Grundstücks nach zu urteilen, seit mindestens drei Jahren keine Baumaschine mehr gesehen hat (“achso, natürlich, dem ist halt das Geld ausgegangen”).

In Italien scheint es eine lustige Regelung zu geben: wenn man ein Haus ohne Baubewilligung baut, und man es schafft, bis zum Dachgiebel zu bauen, bevor ein Gericht den Bau untersagt, wird der Bau, nach Zahlung einer “Gebühr” selbstverständlich, legalisiert. Wenn ein Gericht einschreitet (lies: man zuwenig “Gebühren” gezahlt oder den falschen Empfänger eingesetzt hat), verfügt das Gericht den sofortigen Bauabbruch. Punkt. Keine Verpflichtung, den ganzen Scheiss wieder wegzuräumen. Und da man, genug Kapital vorausgesetzt, erstens sowieso gleich wieder mit der Bauerei von vorn beginnen kann, kauft man halt ein paar hundert Meter weiter ein Stück Land und versucht, möglichst schnell bis zum Giebel zu bauen. Rinse, repeat.

Eine schöne Parabel zur italienischen Politik ist die Strassenbeschilderung. Manchmal meint ein Pfeil, der nach links weist, eigentlich rechts, oder umgekehrt, oder aber, und das ist wohl der Normalfall, er bedeutet einfach geradeaus, einer vagen Mitte folgend, die sich mehr über die Bezeichnung der Strasse (“super”, “mega”, oder wie auch immer) definiert als über deren tatsächliche Richtung.

Es macht auch durchaus Sinn, dass, wenn man von der Stadt Trecase auf die Autobahn fährt und während einer Stunde dieser geradeaus folgt, nach besagter Stunde dann auf eine Ausfahrt namens “Trecase” stösst. Keine Angst, wir sind nicht in einem Wurmloch gelandet, dies ist bloss die… anders intelligente italienische Strassensignalisation.

Eng mit der Politik (und somit dem organisierten Verbrechen) ist in Italien die Kirche verwoben. Man hat sich da offenbar darauf geeinigt, den Kuchen fair aufzuteilen, getreu dem biblischen Wort, wonach das Weltliche dem Cavaliere und seinen Kumpels, der Rest der Kirche gehören soll. Oder so ähnlich.

Apropos Kirchen: Wir waren ja auch in ein paar solchen (nicht wirklich spannend, die meisten sind aufgehellte, radikal totrenovierte Bauten im apulischen Barok), unter anderem in einer, die auch der Pappa Ratzi mit seinem Besuch beehrt hat. Ich habe sogar einen Stuhl gesehen, auf dem der Ratzi höchstselbst seinen pontifikalen Arsch drauf gesetzt hat. Es mag auf den ersten Blick verwirren, dass dieser Stuhl, im Übrigen kein sonderlich erwähnenswertes Exemplar süditalienischer Schreinerkunst, deswegen nicht als Heiliger oder zumindest seliger Stuhl bezeichnet werden kann, sondern bloss als “der Stuhl, auf dem der olle Bene, seines Zeichens Heiligstuhlbesitzer im wahrsten Sinne, mal gehockt ist”.

Leider war es mir nicht vergönnt, mich auf das gebenedeite Sitzwerkzeug zu lagern. Ob es daran lag, dass man befürchtete, die Heiligkeit des Stuhls könnte eventuell auf meinen atheistischen Zigeunerarsch abfärben, konnte ich nicht abschliessend klären. Vielleicht lag es auch nur daran, dass der Wärter meinen Witz vom “Papa Nazi” nicht verstanden hat. Seis drum. Man hat es schliesslich auch nicht verstanden, als ich an jedem Padre Pio-Denkmal den Schalter zum versteckten Waffenlager gesucht habe.

Statistisch sind die Apulianerinnen übrigens die eifrigsten Kirchenbesucher Italiens: mehr als 43% besuchen mindestens 1x pro Woche (!) eine Messe. An Apulien kann man übrigens auch schön darstellen, wie Gläubigkeit einiglich mit materieller Armut einhergeht: wenn nur die Hälfte dessen, was in die Kirche und ihre Repräsentanten an Arbeit, Zeit und Kapital investiert wird, stattdessen in eine Volkswirtschaft geleitet würde, die diesen Namen auch verdient und tatsächlich die katastrophalen Infrastrukturprobleme anpacken würde, Apulien wäre wohl die Schweiz Italiens, halt einfach mit einem Meer statt Bergen.

Es passt übrigens auch wie die Faust aufs Auge, dass es in Italien eine Versicherungsgesellschaft namens “Cattolica” gibt.

Alles Scheisse?

War jetzt der ganze Urlaub eine Reise in die tiefste Hölle, ist Italien das Afghanistan Europas?

Nunja, manchmal war es schon hart an der Grenze zum Erträglichen. Vor allem das nicht-hinsehen-Wollen war zeitweise extrem schwierig für uns. Wie kann man mit Bergen von Müll vor dem Haus leben, ohne diesen Müll überhaupt noch wahrzunehmen? Wie kann man ein antidemokratisches Regime verteidigen, mit dem einzigen Argument, dass “die Kommunisten es auch nicht besser gemacht” haben? Wie kann man eine derartige Denkblockade haben, wenn es darum geht, die Verbrechen der Kirche ihrer guten Taten gegenüberzustellen? Ich weiss es heute noch nicht.

Aber eben, da gab es auch dies:

Der gesamten Mannschaft von Sud Sound System beim Wellenreiten am Strand zuschauen. Geile neue Rezepte bekommen, zB Orechiette an einer Sauce aus Cime di Rape. Ein schwuler, kommunistischer Katholik, der zum Präsidenten der Region gewählt wird. Mit Hase am sturmgepeitschten Meer entlanglatschen. Zum ersten Mal im Leben einen früchtetragenden Pfefferstrauch (-baum?) sehen. Die Erkenntnis, dass es auch in Italien eine erstarkende Grüne Bewegung gibt. Und Zia Teresas Sugo, der, mit einer Handvoll Vongole angereichert, für einen Atheisten die wohl grösstmögliche Annäherung ans Paradies darstellt.

Ich weiss, das alles macht einen Berlusconi nicht ungeschehen. Aber es macht ihn zu einer Nebenfigur, einem Störgeräusch, einer Randnotiz einer Fussnote einer Marginalie, in einem ansonsten wunderschönen Buch, das dringend einen anständigen Lektor und eine etwas anspruchsvollere Leserschaft bräuchte.

Viva Italia – trotz allem.




Abgründig demokratisch

Leider nicht das, wonach es aussieht

Leider nicht das, was der Name suggeriert

Angenommen, es wäre  Donnerstag Abend und ihr hättet zwar wahnsinnig Lust auf Unterhaltung, leider aber kein Geld zur Verfügung. Kann ja mal vorkommen. Normalerweise wärt ihr in dieser Situation voll angeschissen, weil bekanntlicherweise kostet hierzulande alles, ganz besonders Unterhaltung.

Normalerweise, ja, aber nicht, wenn ihr euch zufälligerweise in der Stadt Bern aufhaltet. Hier gibt es nämlich seit viiielen hundert Jahren schon eine Anstalt, die sich zumindest seit einiger Zeit dafür einsetzt, einmal in der Woche auch dem kleinen Geldbeutel Zerstreuung zu bieten. 80 Freiwillige geben jede Woche ihr Bestes, um auf und hinter der Bühne ein Spektakel aufzuführen, hinter dem jede griechische Tragödie zur Soap verblasst. Es werden neu auch Elemente des Theatersports aufgenommen: oft ist unklar, ob die Protagonisten (man darf hier ruhig einmal ausschliesslich die männliche Form benutzen) nun Schauspieler oder Publikum sind.

Und wo findet man diese ehrenwerte Institution? An pittoresker Lage im Herzen der Berner Altstadt, am Rathausplatz, da in dem Gebäude mit den hohen Treppen links und rechts. Mag ja sein, dass dieser Ort ursprünglich nicht als Musentempel vorgesehen war, spätestens seit der gestrigen Budgetdebatte ist aber klar: will Bern als Kulturhauptstadt punkten, muss sie für den Stadtrat einen Posten im Kulturbudget reservieren!

Hauptakteurin war mal wieder die Fraktion “SVPplus”, die sowohl den tragischen wie auch den komischen Teil der Aufführung in Eigenregie inszenierte. Als Kullissenschieberin amtete, zumindest, bevor es sogar diesen Herrschaften zu blöd wurde (und das will etwas heissen), Juniorpartnerin FDP.

Ah, apropos FDP: ihr wisst ja alle (*hüstel*), dass der höchste Berner momentan der FüDläParteiler Ueli Haudenschild ist. Witzig übrigens, wenn nicht gar von prophetischer Qualität: ich habe zuerst “Huahaschild” geschrieben, und eigentlich müsste man ihn genau so umbenamsen. Falls man mich irgendwann mal anfragen wird, ob ich einen Lexikonartikel zu den Stichworten “Unfähigkeit”, “Führungsniete” und “Rückgratschwund” verfassen würde, mit dem Foto vom Herrn Huahaschild wüsste ich im Fall grad sofort eine diese Stichworte visualisierende Illustration. Aber mich fragt ja keiner. Deshalb wird auch mein Artikel zum Thema “schwanz- und eifrei (s.a.: ‘Huahaschild’)” bloss geistige Makulatur bleiben.

Schade eigentlich.

Wahrscheinlich muss ich an dieser Stelle dem Teil der Leserschaft, der sich nicht für Politik interessiert (ich verstehe euch jeden Tag ein bisschen besser), etwas Hintergrundinformationen liefern. Es wurde gestern nämlich in einem zweiten Anlauf das Budget der Stadt Bern fürs Jahr 2010 beraten. Dazu hat die Fraktion ‘SVPplus’ (das sind im Wesentlichen die SVP, deren Blocherjugend, ein paar scheintote Schweizer Demokraturisten sowie “mini Harley het i mim Ranze Platz, mis Hirni näbem Boschettli” Jimy Hofer) ein Paket von 180 Änderungsanträgen eingereicht. Ziel dieses ‘Planes’ war, dass die Debatte derart verzögert wird, dass das Budget nicht mehr vor den Herbstferien verabschiedet und somit auch im November nicht den StimmbürgerInnen zur Abstimmung vorgelegt werden kann. Damit wollte man bei der SVP erreichen, dass – ja, was eigentlich? Dass die Stadt Bern möglichst bald vom Kanton zwangsverwaltet wird, in der Hoffnung, dass dann die vom Kanton vorgeschriebenen Auslagen, welche die SVP streichen wollte, direkt vom Kanton an den Kanton überwiesen werden? Man weiss es nicht. Falls ihr hierzu mehr Informationen haben wollt, fragt doch am besten direkt beim Herrn Wurmbandführer Hess nach. Wenn ihr viel, viel Geduld mitbringt und alle Fragen mit Worten formuliert, die aus nicht mehr als zwei Silben gebildet werden, besteht vielleicht eine gewisse Chance, dass er euch das erklären kann.

Wobei – man muss ja ganz klar sagen, dass die Qualität von Hess’ Voten der Qualität seiner Anträge in nichts nachstand: auf jeder Ebene, egal ob formal, rechtlich, inhaltlich oder rhetorisch unter jeglicher jemals über den Hof galoppierten Sau. Und weil ihm die Argumente fehlten (logisch, bei unter 12 Gramm aktivierbarem Resthirn), musste er die Redezeit von fünf Minuten pro Antrag halt eben mit Extrem-Bärndütsching dehnen:

Miiiiiiiiir stiimmmmmmmeeeeee iiiiitz üüüüübere Aaaaaaaaatraaaaaag füüüüfesäääächzg bis siiiiibeeeeeneeeesääääächzg aaaaab… daaaaaas siiiiii drüüüüüüüü Aaaaaaaträääääg zuuuu füüüüüf Minuuuute, das maacht ausoooo… ääääääääh… füfzäääääääh Minuuuuuteeeee, odeeeer, angerscht gseit, ä Vieeeeertuuuuuustuuuuuuuuuuund…

Aber zum Glück sass ja noch Ziehvater und Puppenspieler Thomas Fuchs auf der Zuschauertribüne (keine Sorge, sie wurde extra zu diesem Zweck im Vorfeld mit zusätzlichen Stahlträgern verstärkt). Mit dem Natel in der Hand gab er seinem Führer-Stellvertreter unten im Saal Anweisungen, was zu tun sei – selbiger war dann auch noch dämlich genug, während diesen (keineswegs in konspirativer Lautstärke geführten) Gesprächen ständig zu seinem Idol hochzuschauen. Schon interessant, wie jemand von der Zuschauertribüne aus die Politik im Stadtrat steuern kann, ohne dass dies dem Stadtratspräsidenten negativ auffallen würde. Huahaschild halt, sag ich doch.

So war es auch an der Grenze zur Realsatire, als Jimy Hofer während einem Votum mitten im Satz abbrach und zurück an seinen Platz ging. Erstaunen im Rat, was war geschehen? Nun, wie man uns aus zuverlässiger Quelle mitteilte, knurrte er, wieder in den Sitz gezwängt:

Ha ke Ahnig gha, um was es geit, aber dr Hess het gmeint, ig müess derzue ga rede.

Heil, Führer befiehl, die Broncos folgen!

Spassig wurde die Sache natürlich erst so richtig, als gegen Mitternacht die elektronische Abstimmungsanlage ausfiel und der Stadtrat mit Einzelnamensaufruf (“Hanspeter Aeberhart?” – “Ja” – “Michael Aebersold?” – “Nein” …) über die letzten hundert Anträge abstimmen durfte. Morgens um 3 war dann der Spuk vorbei.

Und als Fazit? Fast zweihundert Änderungsanträge, die allermeisten davon rein rechtlich gar nicht umsetzbar, in der Folge genau keiner (0, null, zero, zilch) angenommen. Zig Chefbeamte und Gemeinderäte während fast 24 Stunden in Geiselhaft (wo ist der Bundesmerz, wenn man ihn braucht?!?) einer Partei, die sich einen schlanken, effizienten Staat und den Abbau von Bürokratie auf die braunrandige Fahne geschrieben hat. Eine Partei, die sich als singuläre Repräsentantin von Volk und Demokratie darstellt und die bei jeder ihrer Aktionen, welche nichts anderes tun, als die Grundfesten der Demokratie zu diskreditieren, klar und deutlich zeigt, wie sehr sie im Grunde genommen auf genau dieses Volk, auf genau diese Demokratie scheisst.

Dazu passt doch der Spruch von Hases Mami, zwar nicht in dem Zusammenhang geäussert, aber trotzdem wie der Nagel auf den Kopf:

Ig ha gchotzet wie nä Gärbihung.

In diesem Sinne: ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn wir uns wieder zum fröhlichen Theatersport im Berner Stadtrat treffen!

PS: Dschango fährt diesen Sonntag mal wieder auf Urlaub, zu Hasenverwandten nach Italien. Kann also gut sein, dass ihr nächste Woche auf mich verzichten müsst. Aber keine Sorge: euer Dschango kommt sicher zurück – und voraussichtlich bringe ich wieder amüsante Einsichten mit aus dem Land, wo die Zitronen blühn.

Bis bald!




Kontext, Kontext, Kontext!

Aufmerksamen LeserInnen wird es nicht entgangen sein: Dschango hat ein Lieblingswort. Gut, ok, nicht nur eines, aber eines ganz besonders: sch’gengdas. Für unsere lieben Teutonen: das ist eine (bern-)schweizerdeutsche Version von “immerhin”. Wollt ich nur gesagt haben.

Nun gut. Dieser Ausdruck traf mich zum ersten Mal vor vielen Jahren, als ich ihn von Hase hörte, als Ausdruck eines gewissen Zweckoptimismus mit zynischem Unterton.

Ein Beispiel. Der Bundespräsident lässt sich von einem Öldiktator so richtig ordentlich den Arsch versohlen, die ganze Welt lacht über den “Bundesrat Nötzli” (O-Ton BlAbend von gestern), sowohl Gewaltentrennung als auch Föderalismus wurden verletzt, eine alternative Rechtsordnung, massgeschneidert für alle Lybier in der Schweiz, wurde geschaffen, aber immerhin, die Geiseln werden frei kommen. Oder sollen dies zumindest ganz bald. Sehr wahrscheinlich. Wenn wir jetzt alle ganz fest die Arschbacken zusammenkneifen und ja nichts Zweideutiges oder gar Eindeutiges Richtung Lybien schicken. Von einem Berner Beobachter (bzw einer Berner Beobachterin, war ja immerhin Hase, von der ich den Ausdruck habe) würde man jetzt furztrocken hören:

Sch’gengdas, het s’Müüsli gseit.

Soweit so gut. Aber, das fragte ich Hase sofort, aber was zur Hölle hat das Mäuschen damit zu tun? Inwiefern ist Mäuschen dazu qualifiziert, eine Aussage über den Bundespräsidenten zu machen? Leider erntete ich von Hase auch nur ratloses Kopfschütteln, das Rätsel musste ungelöst bleiben. Offenkundig fehlte hier der Kontext, der eventuell Mäuschen die Legitimation lieferte, sich zur Thematik zu äussern (und ich sage euch, Mäuschen hält nie und nimmer mit seiner Meinung hinter dem Berg). Die Causa Müüsli musste vorläufig offen bleiben, so unbefriedigend die Situation auch war. Viel, viel länger übrigens, als die Geiseln in Lybien festgehalten wurden, und der Bundespräsident hat sich in all den Jahren einen Scheissdreck drum gekümmert.

Schnellvorlauf, etwa zehn Jahre. Ich beginne einen neuen Job, finde tolle neue Arbeitskollegen und bin im Übrigen eigentlich ganz wohl in meiner Haut. Die Müüsli-Geschichte habe ich zwar nicht vergessen, wohl aber in einen Teil meines Fühlens und Denkens verbannt, der im allgemeinen Rauschen untergeht. Ich diskutiere also eines schönen Tages mit meinen neuen Kumpels irgendwas Geschäftskritisches und auf einmal sagt der eine Kolleg:

Sch’gengdas…

Ich steige da natürlich voll mit ein:

…het s’Müüsli gseit

Und – jetzt kommt es! – da gibt der wie aus der Pistole geschossen zurück:

… wo’s is Meer bislet het.

Und plötzlich tat sich mir eine Welt auf. Plötzlich konnte ich nachfühlen, was Leute meinen, wenn sie sagen, sie hätten Erleuchtung gefunden. Auf einmal sah ich klar und deutlich, was Müüsli für eine Rolle in der Weltgeschichte spielte, wusste mit absoluter Sicherheit, ja, Müüsli hat etwas zu sagen. Müüsli ist teh shizzle!

Wir lernen also: Kontext ist Trumpf. Ohne Kontext hängt auch – sogar! – Müüsli nur lustlos im Raum herum und weiss sich nicht recht zu helfen. Also: mehr Kontext braucht das Land!

Ich hoffe sehr, dass auch Roger Köppel diesen Artikel liest. Gestern haben wir nämlich aus irgendeinem Grund eine Weltwoche im Briefkasten gehabt – fragt mich nicht, es geschah ohne jegliches aktives Zutun von unserer Seite. Nachdem ich den Briefkasten desinfiziert (übrigens, das passt gerade schön zur Schweinegrippe: es heisst nicht ‘desinfiszieren’, auch wenn man das immer wieder in Film, Funk und Fernsehen hört, das Substantiv schreibt sich ja auch nicht ‘Desinfekstion’, ihr Knüllen) und mir Gummihandschuhe übergezogen habe, entschloss ich mich dann, dieses Blatt mal wieder anzuschauen und las das Editorial vom Schefredaktör aufmerksam durch. Herr Köppel referiert da über den Zweiten Weltkrieg und nachdem ich die ganze Seite noch ein zweites Mal gelesen habe, merkte ich, was der Herr Köppel vergessen hatte: den Kontext, der den Text nicht nur lesbar gemacht hätte, sondern ihn auch mit einem gewissen Informationsgehalt hätte aufwerten können. Ich weiss nämlich immer noch nicht, was mir der Herr Köppel eigentlich genau sagen wollte mit seinem Editorial.

Herr Köppel wäre gut beraten, sich am Müüsli ein Beispiel zu nehmen.




Itauiänisch for Beginners

Wir waren neulich ja wieder mal in Italien unterwegs, zwischen Milano und Como, zwecks Verwandtenbesuch. Nein, nicht die Dschango-Verwandtschaft wurde besucht – diese ist eh immer schon da, wo man gerade hin will und geht dort auch meist nicht freiwillig weg; der Wortteil ’suchen’ wäre in dem Zusammenhang also völlig fehl am Platz – sondern diejenige des Hasen.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mein Italienisch noch immer unter aller Sau ist, obwohl ich nun schon eine halbe Ewigkeit mit dem südländischen Hasen zusammen bin. Entsprechend unidirektional gestaltete sich die Kommunikation mit all den Nonnas, Mammas, Zios und Zias für mich; also beschränkte ich mich im Wesentlichen auf die internationale Sprache des Magens, um mich verständlich zu machen. Und mit dieser kommt man, zumindest in Italien, sehr weit.

Aber eins nach dem anderen. Grundsätzlich kann man ja sagen, dass Italiener kein Gramm normal sind. Dies nicht nur, weil sie regelmässig einen ihrer grössten Verbrecher zum Staatsoberhaupt wählen und auch nicht nur, weil sie ihre Küchen, Wohn- und Schlafzimmer sowie Bäder und WCs mit Heiligen, Päpsten und Märtyrern vollhängen (schon mal abgeseilt, während dir Padre Pio mit Leidensmiene zulächelt? Muss man erlebt haben), sondern vor allem wegen ihrem komplett durchgeknallten Verhältnis zur Tätigkeit des Essens.

Ich meine, mir kann es ja egal sein, dass man mich zum Quasi-Volkshelden erklärt, nur weil ich konsequent jeden Teller, den man mir vorsetzt und der mit leckeren Sachen gefüllt ist, leer esse. Man sagt ja, italienische Frauen seien schwer zu erobern, aber man lobe bloss den Sugo einer italienischen Hausfrau über den grünen Klee (was selten viel Überwindung kostet) und schon hat man ihr Herz für immer und ewig gewonnen. So gesehen war Dschango in Italien ein Herzensbrecher und Womanizer allererster Güte: keine Frau mit Herd konnte meinem Charme (bzw demjenigen des schwarzen Loches, das sich ‘Dschangos Magen’ nennt) widerstehen.

Man trifft in Italien noch die vom Aussterben bedrohte Art der ‘Domina casa dominatus vulgae’ an, die ihren Lebens- und Daseinszweck primär im Anschaffen unsäglicher Mengen von Fressalien sieht. Und diese Aufgabe, das muss man sagen, erfüllt sie, ja überfüllt sie zu jeder Tages- und Nachtzeit. Gerüchtehalber gibt es in Italien Frauen, die ihr ganzes Leben noch nie ausserhalb der Küche gesehen worden sind. Wir haben Exemplare gesehen, die offenbar mit ihrer Küche geradezu verwachsen sind, weil es unmöglich ist, auf eine andere Art solche Mengen an Essen zuzubereiten, aufzutischen und wieder abzuräumen. Letzteres im Übrigen, damit sofort mehr Platz für neue Kalorienbomben geschaffen wird.

Auf einen Italiener muss ein leerer Esstisch ungefähr so deprimierend wirken wie der Gesichtsausdruck eines Herrn Ospel auf einen Schweizer. Nur so lässt sich die Besessenheit dieser Leute in Bezug aufs Essen erklären. Wohlverstanden: sie finden es selbst nicht normal und lachen über die Italiener, die den ganzen Tag am Fressen seien – während sie sich gerade eine Ladung Pasta ins Gesicht schieben.

Was irritierte: nicht die Tatsache, dass wir Hasen beide explizite AtheistInnen sind, hat zu Aufschreien geführt. Auch nicht die Tatsache, dass wir nicht verheiratet sind. Beides wird wohl etwas anders sein, wenn wir dann im Herbst mehr Richtung Süden gehen, aber egal. Dass wir kinderlos sind wurde lediglich als „schade“ angesehen und unser Vegetariertum einfach mit fünffachen Portionen Gemüse ausgeglichen. Komplettes Unverständnis schlug uns aber entgegen, als man uns nach unserem Auto zuhause fragte:

„Che tipo di macchina avete?“
„Non abbiamo una macchina.“
„NESSUNA MACCHINA?!? MA PERCHE?!?“

Hase hat dann in einem mehrstündigen Vortrag versucht, das Konzept ‘Mobility’ zu erklären – Stirnrunzeln und Misstrauen waren die Folge. Dann, eher unabsichtlich, rutschte ihr das Wort ‘Car Sharing’ raus – und plötzlich ging ein kollektives „Aaaah, Carre Sharinge!“ um den Tisch. Warum auch kompliziert, wenn es einfach geht.

Noch etwas: absolut unabdingbar für die Kommunikation mit italienischen Mitmenschen ist eine Geste, die ich den ‘Scheinangriff des Geiers’ nenne. Diese Geste ist äusserst universell einsetzbar und wird immer verstanden, ich erlaube mir deshalb, dieses fantastische Kommunikationsmittel etwas näher zu erläutern. Der Scheinangriff des Geiers geht so:

Man hebt das Kinn um ungefähr 7 Grad an und schiebt anschliessend das angehobene Kinn in gerader Linie 5-10 Zentimeter nach vorne. Man kann den Scheinangriff des Geiers einmal oder, durch Verkettung mehrerer Vorschieb-Phasen, mehrmals ausführen, wobei man dann irgendwann aufpassen muss, dass einem der Kopf noch auf dem Hals bleibt. Diese Geste, beliebig unterstütz- und akzentuierbar durch leichtes Schulternhochziehen, Hände verwerfen und allenfalls offenem Mund kann, je nach Kontext, „kapiere ich nicht“, „ist ja klar“ oder „wenn du meine Freundin weiter so anschaust kriegst du paar an die Fresse“ heissen – die Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig.

Wenig ist aber so verständlich, wie wenn einem Zia Lucia den Teller nochmal füllt, einen in die Wange kneift und „mangia, mangia!“ sagt. Ich gehorche ja äusserst ungern und selten Befehlen, aber einer Zia Lucia widerspricht halt nicht mal Dschango.




Das parfümierte Rektum

Durch eine unglückliche Verkettung von für sich genommen eigentlich ganz harmlosen Zufällen gelangte neulich eine Rolle parfümiertes Luxus-Klopapier an den häsischen Toilettenpapierhalter. Erst wusste ich gar nicht, woher dieser penetrante Gestank nach chemischen Blümchen herkam, als ich dann aber den quietschbunten, zwölflagigen Ausbund an Anal-Dekadenz sah, schwante mir einiges.

Vielleicht sollte ich hier erläutern, wie die Hasen (und somit auch der Dschango) mit diesem Thema sonst umgehen. Also, im Grunde genommen scannen wir das Angebot unseres lokalen Detaillisten nach dem Term ‘Recycling’ und packen davon jeweils die grösste Einheit mit dem niedrigsten Preis in unseren Einkaufswagen. Eine Seite so rauh wie eine Metallfeile, die andere noch viel schlimmer, weitestgehend geruchs- und farbneutral, generell eher unscheinbar, genau so mögen wir unser WC-Papier seit Anbeginn aller Zeiten.

Und nun war da plötzlich dieser gelbe Wahnsinn auf Rolle, der mit seinem Frühlingsgestank penetrante Fröhlichkeit an einem Ort zu verbreiten suchte, an dem ich sonst nur Erleichterung und Kontemplation zu finden erhoffe. Das brachte mich dann aber immerhin auf eine Idee für einen Blog-Artikel.

Und zwar, so fragte ich mich, nähme es mich wahnsinnig wunder, worin denn der Sinn eines parfümierten Klopapiers besteht. Ich meine, es kann ja nicht daran liegen, dass man den Ratten im Abwasserkanal ein hübsches Geschenk machen und auch nicht daran, dass man den Gestank der eigenen Fäkalität kompensieren möchte – in beiden Fällen müsste man dann ja jeden Gagu einzeln mit Klopapier umwickeln.

(Im Übrigen stellt sich mir die Frage nach dem Sinn noch bei so einigen parfümierten Produkten: Kerzen, Raumspray, Slipeinlagen – ein weites Feld. Aber einewä, eins nach dem anderen, ich kann mich ja nicht um alles kümmern, heieiei!)

Wie man es dreht und wendet, es macht keinen Sinn, ausser demjenigen, dass man seinem After eine gewisse Parfümierung angedeihen möchte. Falls dem so ist (und ich habe daran absolut keinen Zweifel), hätte ich auch mehrere Ideen, wie man den eigentlichen Zweck dieses Produkts endlich einmal klar und deutlich herausstellen könnte. Die Idee, die noch am jugendfreiesten und am wenigsten brechreizerregend ist, möchte ich hier kurz vorstellen. Also, hier ein TV-Spot, der wie folgt läuft:

Kamera blendet ein, man sieht das Gesicht einer schlummernden, wunderhübschen Frau. Die Kamera zoomt langsam weg, man sieht, dass die Frau in einem Bett liegt. Beim Zoomen streift die Kamera auch noch die vielen Diplome und Urkunden an der Wand: man will uns suggerieren, dass diese Frau nicht nur schön, sondern auch noch wahnsinnig klug ist. Die Morgensonne scheint durchs Fenster, Vöglein zwitschern, alles ist gut.

Dann hört man auf einmal eine WC-Spülung, danach tapsende Fusstritte, wenig später legt sich ein Mann, der ein bisschen aussieht wie Stefan Weiler in unschwul und ohne Agglo-Aura, zu der Frau, kuschelt sich an sie und es kommt, wie es kommen muss: konsensualer, gegenseitiger Oralverkehr (vulgo: 69ern).

In dem Moment, wo die wunderhübsche Frau dem unschwulen Mann das Rektum auslutscht, hält sie plötzlich inne und sagt: „Oh, dein After riecht heute aber frisch!“ Er: „Kein Wunder, ich habe ihn auch mit Flauschi Frühlingsfrisch gewischt!“ Beide mit Blick in die Kamera: „Flauschi Frühlingsfrisch – für natürlich frischen After!“ Beide lachen glücklich und saugen danach weiter, als ob es kein Morgen gäbe. Erkennungsmelodie, ausblenden.

Zugegebenermassen: im Vorabendprogramm von SF1 würde ich den Spot nicht zeigen. Zwitschernde Vöglein sind einfach zu abgedroschen.




Berlin-Fieber (oder: kreativer Bio-Antifaschismus)

Es ist ja bereits zu einer schönen Tradition geworden: wenn Dschango in Urlaub fährt, wird er erstmal krank. Keine Ahnung, ob das an meinem ungesunden Lebenswandel liegt (unwahrscheinlich) oder daran, dass mein Körper bei Urlaubsbeginn sofort auf ‘totale Enspannung’ schaltet und in der Folge sämtlichen Viren, Würmern, Bazillen und sonstigen mikroskopischen Schweinereinen Tür und Tor öffnet. Vielleicht war das bei meinen Vorfahren schon so, als sie jeweils die Wohnwagen sattelten und an einen neuen Ort zogen, die lokalen Bauern mit Heugabeln und Teerfackeln dicht im Nacken. Egal, irgendwie geht es offenbar nicht anders, als dass ich eine Reise mit Magenkrämpfen, Dünnpfiff, Fieber, Bronchitis, Angina oder weiss der Teufel was beginne. Nach ein oder zwei Tagen ist dann meist wieder alles paletti und der tatsächliche Urlaub kann beginnen. Das Gute daran: ich habe mittlerweile einen ganz guten Überblick über die verschiedenen Gesundheitssysteme dieser Welt.

Jaja, schon klar...

Jaja, schon klar...

Nun ja, auch dieses Mal schlug die Tradition zu. Beim Besteigen des Zuges nach Berlin war mir schon tendenziell elend zumute, meine Laune war noch schlechter als sonst bei Erwartung einer achtstündigen Zugfahrt und langsam aber sicher kam in mir auch ein Temperatürchen hoch. Beim nachmittäglichen Powershopping am Prenzlberg hing ich dann schon ziemlich in den Seilen und die Nacht verbrachte ich als des Hasen persönliche Zentralheizung, die unser Schlafzimmer auf kuschlige 39° erwärmte.

Berlin ist eine Reise wert, auch im Fieberwahn, und ich halluzinierte nächtens irgendwas von frisch geschlüpften Vögeln, die nur aus Beinen und Gehirnen bestanden und sich folglich schlecht füttern liessen. Durchaus spannend, aber man muss es wohl selbst erlebt haben. Dieses Intermezzo dauerte genau eine Nacht lang und am nächsten Tag war ich wieder fit und die alte Rampensau.

Richtig? Falsch!

Angefangen hat es damit, dass ich keine Einkaufstüten mehr tragen konnte – in Berlin eine mittlere Katastrophe. Meine Hände fühlten sich an, als ob sie offen wären, schmerzten wie Sau und waren so hitzeempfindlich, dass ich den Kaffee via Röhrli soff. Ich konnte nicht mal mehr den Verschluss einer PET-Flasche aufschrauben, ohne in Heulen und Wehklagen auszubrechen.

Dann, am nächsten Tag: noch mehr Schmerzen (ich konnte mich nicht mal mehr an der Haltestange in der U-Bahn festhalten), die Hände so geschwollen, dass sie aussehen wie die Dinger, die man in amerikanischen Stadien in die Luft hält („USA #1!“). Ausserdem waren da plötzlich Zillionen von kleinen Flecken, Pocken nicht unähnlich, die langsam aber gewissenhaft zu jucken begannen. Und damit nicht genug: der ganze Zirkus erschien plötzlich auch auf meinen Fusssohlen und an allen Zehen.

Mein erster Gedanke war natürlich: „Stigmata! Scheisse Dschango, jetzt wirst zu einem Heiligen und musst den Rest deines Lebens damit verbringen, Kranke zu heilen und übers Wasser zu gehen. Und das als Nichtschwimmer!“ Hase hat mich dann aber überzeugt, statt einem Exorzisten einen Hautarzt aufzusuchen, was ich schliesslich auch tat.

Die Hautärztin hiess dann leider nicht ‘Dr. Krätzig’, das war der Verhaltenstherapeut einen Stock höher. Fand ich schade, irgendwie. Meine Frau Doktor liess mich aber (nach bloss etwa sechs Stunden Wartezeit und einem zweisekündigen Blick auf meine Hände) wissen, dass meine Symptome typisch für eine Virusinfektion seien.

„Bitte? Ein Virus?? Sicher keine Allergie?“ – „Neinein“, meinte Frau Doktor, „eindeutig ein Virus. Ihr Körper muss da von selbst mit fertig werden (was er dann auch wurde), das kann bis zu vier Wochen dauern (dauerte es dann nicht), ich verschreibe Ihnen eine Salbe, die die Pusteln lindern sollte (tat sie dann auch).“

Nunja, die Salbe war etwa doppelt so teuer wie die Behandlung, was mich irritierte, offenbar aber mit dem faszinierenden teutonischen Gesundheitssystem zusammenhängt, das Kranke und ihre Ärzte bestraft, solange keine Pharmazeutika konsumiert werden. Wie ich nun so die Apotheke verlasse, reift in meinem von Viren noch arg gebeutelten Gehirn ein Plan, der an Bösartigkeit und Brillianz kaum zu überbieten ist. Sobald nämlich die Nacht über Berlin hereinbrach, setzte ich mich in die U-Bahn und stieg bei der Station Lichtenberg aus. Dann stellte ich mich vor jeden Briefkasten, den ich finden konnte, hob die Klappe hoch und hustete einmal kräftig rein.

Als erstes ein grosses „mea culpa, mea maxima culpa!“ an alle unschuldigen EinwohnerInnen von Lichtenberg. Wie gesagt, mein Gehirn war noch vom Virus geschwächt und mein Moralzentrum offenbar ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen. Es tut mir wahnsinnig leid, liebe unschuldige EinwohnerInnen von Lichtenberg, seid immerhin beruhigt: der Virus ist ein im Grunde genommen ganz harmloser.

Aber die Vorstellung, dass alle Berliner Neonazis das ganze folgende Wochenende blöd herumstanden, weil sie keine Baseballschläger mehr in den Händen halten konnten, ist einfach zu geil.

(Sonst war Berlin aber wieder erste Sahne. Zwei Shoppingtipps: Fette Beute verschönert deinen Spiegel und den Naschpiraten würde ich vom Fleck weg heiraten. Und nochmals vielen, vielen Dank an die lieben Leute vom Kinzig9 für die Gastfreundschaft, war wunderbar bei euch!)




Berlin, wir fahren nach Berlin!

Wenn ihr diesen Artikel lest, hocken die Hasen bereits im Zug Richtung Berlin. Ja, wir sind dieser Stadt hoffnungslos verfallen. Kann dran liegen, dass sie mich stark an Bern erinnert, einfach um den Faktor 100 aufgeblasen und mit einem schwulen Stapi. Und einer Reithalle, die sich über das ganze Stadtgebiet erstreckt.

Wir sind ja schon ein bisschen herumgekommen in der Welt, aber so zuhause wie in Berlin haben wir uns selten gefühlt. Berliner sind einfach nur geil: Witz, Offenheit, Style, alles passt. Wenn ich an einer Imbissbude mit “na Kleena, wat darf’s denn sein?” (ich bin deutlich über 1.80 gross) angesprochen werde, schmelze ich dahin. Wenn sich der andere dann auch noch kaputtlacht, weil ich “einmal Falafel ohne Spermasauce” bestelle, weiss ich, dass ich unter Freunden bin.

Und dann: Kultur! Und nochmal Kultur! Jeder in dieser Stadt ist ein Künstler und man hat den Eindruck, dass man dem nächsten Pollack, dem nächsten Mozart und der nächsten Dietrich jederzeit an der nächsten Ecke begegnen kann. Die grösste Museendichte Europas, die abgefahrensten Clubs, Russendisko… ich weiss noch, dass wir letztes Mal fix und fertig vom Herumlatschen im Ausgehmagazin Zitty herumblätterten (das Teil erscheint wöchentlich und ist ein VERDAMMTES BUCH!) und von der Masse an Angebot schlicht erschlagen wurden. Wir haben uns dann entschieden, zuhause in der Küche Scrabble zu spielen…

Sowie: Shopping! Meine Fresse, kann man in dieser Stadt Geld ausgeben… kleines Manko: es gibt in ganz Berlin offenbar nur einen einzigen Laden, der Damenschuhe kleiner als Grösse 38 führt. Letztes Mal waren wir jedenfalls während einer Woche in gefühlten fünf Milliarden Schuhläden, bis wir dem Hasen passendes Schuhwerk erwerben konnten.

Und auf der anderen Seite: die Stadt mit der zweitgrössten Türken-Population der Welt (erster Platz: Istambul); darunter eher selten türkisches Bildungsbürgertum. Vollgekokste 15jährige, die sich in U-Bahnen Gangwars liefern. Der Penner, der dir erst von seiner früheren Kapitänskarriere erzählt und dir dann mitten im Satz über die Schuhe kotzt. Neukölln.

Gehört halt alles auch dazu. Und passt.

Ach, was erzähle ich da. Peter Fox hat es schon lange gesagt, weit besser als ich es je könnte und erst noch mit wunderbarer Vertonung:

Des langen Artikels kurzer Sinn: es könnte sein, dass ihr nächste Woche nichts von mir hört. Ich werde zwar versuchen, mein Netbook am Hasen vorbei in die Ferien zu schmuggeln, kann aber nicht garantieren, dass ich dann nicht vom Berliner Flow überwältigt und komplett schreibfaul werde.

Also bis bald, und macht jut!




Da haben sich ja zwei gefunden…

Wenn es einen Himmel gibt, dann gibt es auch Beziehnungen, die dort geschlossen worden sein müssen. Ich spreche jetzt nicht von der Hasenliebe, auch wenn diese definitiv in die Kategorie ‘heavenly’ passen würde, nein, es geht mir hier vielmehr um die Medien und ihre enge Beziehungen zu intellektuellen Flachzangen mit grossem Mitteilungsbedürfnis.

Beispiele gefällig? OK.

Die üblichen Verdächtigen sind gut genug

Als erstes möchte ich euch Herrn Roland Näf vorstellen. Ich weiss gar nicht, ob wir über diesen Herrn schon geschrieben haben hier, verdient hat er es sowieso. Herr Näf ist Vizepräsident der SP des Kantons Bern und hat sich auf die Fahne geschrieben, die Welt von Killerspielen zu befreien. Er hat zu diesem Behufe beispielsweise auch schon den Mediamarkt verklagt, weil dieser solche pösen Spiele anbiete – natürlich ist die Klage abgeschmettert worden.

Herrn Näf ehre ich heute mit einem Eintrag in diesem Blog, weil dieser wackere Kämpfer, der nach dem Motto “wenn wir die Wirkung verbieten, wird auch die Ursache von selbst verschwinden” politisiert, offenbar neu auch telepathische Fähigkeiten entwickelt hat. So schrie er, interviewt nach dem Massenmord von Winnenden, in den Medien bereits nach einem Killerspiel-Verbot, als die Polizei den Computer des Mörders noch gar nicht untersucht hatte. Näf zementiert mit seiner sektiererischen, verbissenen Art genau das Image, das seine Partei verzweifelt abzulegen versucht: das einer ängstlichen, verbotsgeilen und bevormundenden Ansammlung von Oberlehrern. Folglich ist das einzige wirkliche Killerspiel, das ich bisher mitverfolgen durfte, dasjenige, das Näf mit den Medien zuungunsten seiner Partei spielt.

Übrigens, Herr Näf: man munkelt, Tischtennis sei das neue Counter-Strike… ihr Engagement ist gefragt!

Kleider machen zwar Leute, aber nicht intelligenter

Ein anderes Beispiel, wie Ignoranz und Durchschnitt unverhältnismässige Wichtigkeit erhalten können, wenn sie nur oft genug in der Medienlandschaft durchgekaut werden, sehen wir am Beispiel Andreas Thiel. Sicher gibt es schlechtere Kabarettisten als ihn, gerade in der Schweiz. Zum Glück wird diesen aber, im Gegensatz zu Thiel, selten Gelegenheit zu öffentlichen Auftritten gegeben, geschweige denn, die eigene Meinung in ganzseitigen Zeitungsberichten der Welt mitzuteilen.

Es geht mir jetzt hier gar nicht darum, dass ich Thiel schlicht nicht lustig weil verdammt platt finde (ok, vielleicht 5% der Gags kommen bei meinem Zwerchfell an). Auch nicht, dass mich sein Gesicht immer wieder an einen Ameisenbären mit selbstgestrickten Ohrenwärmern erinnert. Oder dass die Medien seine “geschliffene Sprache” loben, während es mir jedesmal die Fussnägel hochrollt, wenn Thiel versucht, Bühnenhochdeutsch zu sprechen (Kurz-Tipp: ein ‘ch’ wird niemals als ’sch’ ausgesprochen, auch wenn es nach einem ‘r’ kommt). Und auch, dass Thiel seine politische Gesinnung, die meilenweit von der meinen entfernt ist, zum Hauptverkaufsargument seines Humors macht, ist mir egal. Meinetwegen kann man sich ausgerechnet der Ideologie verschreiben, die uns in die aktuelle Scheisse geritten hat und natürlich profitiert Thiel hier von einem Exoten-Bonus. Ob man das jetzt intelligent finden soll, sei dahingestellt.

Was mich an Thiel aber wirklich nervt ist sein unglaublicher Mangel an Allgemeinbildung. Er ist ja im Solothurnischen aufgewachsen, von dem her habe ich, als Auch-Betroffener des solothurnischen Schulsystems, ein gewisses Verständnis. Gerade an mir, heute weitestgehend erfolgreich in die Restwelt integriert und befähigt, etwas weiter als bis ans Ende meines Rüssels zu denken, lässt sich aber auch aufzeigen, dass man das Stigma einer solchen Schulbildung durchbrechen kann, wenn man nur den Kopf aus dem eigenen Arsch zieht und selbst zu denken beginnt.

Thiel nutzt den Trick aller Populisten: er vereinfacht. Was nicht ausserhalb seiner (zugegebenermassen beeindruckenden) Nasenspitze geschieht, wird ausgeblendet. So war er sich nicht zu blöde, sich selbst in einem 10vor10-Bericht als einen der wenigen (ich meine sogar, er sagte “einzige”) wirklich freien Bühnenkünstler zu bezeichnen. Warum? Ganz einfach, weil er noch nie Subventionen oder staatlich Unterstützung angefordert oder bezogen habe.

Bei wem schellt der Bullshit-Alarm jetzt auf Stufe 10? Gut so. Wer auch nur eine halbe Millisekunde überlegt, merkt, was an dieser Aussage faul ist. Natürlich bekommt Thiel nicht direkt Geld vom Staat. Natürlich wird er nicht subventioniert (er gibt ja auch keine Milch). Aber schon mal dran gedacht, dass die allermeisten Orte, an denen er auftritt, durchaus am Rockzipfel des Staates hängen? Momentan gastiert er im Berner La Capella – hat ihm wohl jemand gesagt, dass dieser Veranstaltungsort nur dank den Subventionen, die der Stadtrat letztes Jahr bewilligt hat, überhaupt noch existiert? Thiel macht es sich so einfach wie die Schweizer Rüstungsindustrie, die zwar Waffen in Kriegsgebiete schickt, aber sämtliche Verantwortung ablehnt, was mit diesen Waffen geschieht – man selbst drückt ja nicht ab.

Die gute Nachricht kam aber diese Woche in der Berner Zeitung: Thiel plant seinen Umzug nach Island, zwecks Auswanderung. Ist zwar schade für diese Insel und ihre Bewohner, die gerade in der letzten Zeit wirklich genug gelitten haben, aber was solls, Island ist ja gross. Er stellt sich vor, ein- oder zweimal pro Monat für Auftritte (an subventionierten Bühnen) in die Schweiz zu kommen. Offenbar weiss er nicht, dass Flüge nach und von Island notorisch verspätet sind oder ausfallen – wir dürfen uns ab Mai also über zahlreiche “Vorstellung fällt aus”-Meldungen in Zusammenhang mit Thiel freuen. Spassig ist in diesem Zusammenhang Thiels Aussage, in der Schweiz gebe es einfach “zu viele Dealer und Pisser”. Nunja, zumindest von Letzteren gibt es ab Mai einen weniger hier.

Noch ein kleiner Tipp: in Island kommt es momentan nicht sehr gut an, wenn man mit Sprüchen wie “weniger Staat, mehr unternehmerische Freiheit” unterwegs ist. Isländer sind zwar extrem cool (im wahrsten Sinne) und auch wahnsinnig (ebenfalls im wahrsten Sinne) nett, ich würde Herrn Thiel aber empfehlen, sich hier vielleicht ein bisschen bedeckt zu halten. Wir wollen ja nicht, dass plötzlich ein Schweizer Kabarettist mit dem Gesicht nach unten in der Bucht von Reykjavik treibt.

Lieber beten als denken (oder gar handeln)

Den Preis für Ignoranz und Verbohrtheit gewinnt diese Woche aber klar die deutsche Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Statement zum Massenmord in Winnenden, sie würde “dem Bundesland alle nötige Hilfe zukommen lassen und für die Angehörigen beten”, das von allen Tagesschauen freudig verbreitet wurde. Ja, klar, mit Beten wird den Angehörigen sicher geholfen. Was ist eigentlich der Witz daran, wenn jemand sagt, er oder sie bete für einen? Will der Betende damit sagen, dass er einen direkten Draht zu Gott habe? Dass sich Gott durch die Gebete irgendwelcher Nacktaffen dazu genötigt fühlen könnte, die Toten umgehend wieder auferstehen zu lassen? Oder ist es halt doch nichts weiter als akkustisches Nasenbohren, das umso besser ankommt, wenn man die bittersäuerliche Trauermiene aufsetzt, in der Merkel Weltmeisterin ist?

Ich bin ja auch gespannt, wie die Hilfe konkret aussehen wird, insbesondere dann, wenn sie, im Gegensatz zum Beschwören eingebildeter Freunde, mit Kosten verbunden sein sollte. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Frau Merkel tatsächlich eine 180°-Kehrtwende macht und nun vermehrt Gelder für so unnütze Dinge wie schulpsychologische Dienste und Bildung (kleinere Klassen, mehr und besser ausgebildete LehrerInnen, bessere Infrastruktur, Tagesschulen etc, etc, etc) fliessen. Höchstwahrscheinlich war das aber auch nur mal wieder medienwirksames Betroffenheits-Geseier ohne Sinn und rationale Basis – von dem her passt es ja auch wieder zur Beterei. Oder wie sagte mal ein guter Freund von mir:

“To say ‘I pray for you’ is polite for ‘fuck off’”.

In diesem Sinne, an all die Näfs, Thiels, Merkels und sonstigen Experten, Genies und Führer sowie ihre willfährigen Speichellecker, die Medien: ich bete für euch bis ans Ende meiner Tage…




Generation “Hääh?!?”

Letzten Samstag gingen Beinharts mal wieder in den Ausgang. Da ich seit Anfang Jahr wieder RaBe-Mitglied bin, dachten wir uns, wir schauen an selbigem Fest vorbei, das im Gaskessel über die Bühne ging. Kurzes Fazit: Dreadzone Soundsystem waren supi-nette Dudes, Saalschutz arrogante Zürcher Sub-Szene-Futzis mit gravierenden Bildungslücken, das DJ-Kollektiv Skeewiff war recht geil (Sound) bzw fast eine Spur zu geil (Performance) und PlayBoy’s Bend aus Belgien ist für mich die Entdeckung des noch jungen Konzertjahres 2009 schlechthin.

Darum gehts hier jetzt aber überhaupt nicht.

Wir standen im Gaskessel rum und beobachteten, wie uns das Ausgangsvolk langsam aber sicher zu siezen beginnen möchte. Sind wir uns mittlerweile ja gewohnt. Zum Glück oszillierte der Schwäbi bereits im Raum, so dass wir noch nicht die Ältesten waren. Es lief Funk und die Minderjährigen hupften zu Musik, die bereits ihre Eltern wuschig gemacht hat. Naja, trotz unserem Dinosaurier-Alter nicht so unser Ding, also lästerten wir stattdessen eine Weile über die Leute ab.

Irgendwann wurde das langweilig, glücklicherweise aber der Konzertsaal aufgemacht und die Hasen hoppelten rüber. Suchten uns ein nettes Plätzli, höckelten hin und warteten.

Und staunten.

Früher, ich meine jetzt wirklich ganz, ganz viel früher, da lief ein Konzert wie folgt ab: zuerst war auf der Bühne noch nix los, bzw nur Roadies, die das Mantra aller Roadies beteten: “TEST, TEST, ONE, TWO”. Das ging etwa eine Stunde so, während derer im Hintergrund dezente Beschallung lief. Ein grosses No-Go war, die Musik der Band, die gleich spielen würde, aufzulegen – man will die Musiker ja nicht mit ihrer eigenen Studio-Aufnahme brüskieren. Eventuell spielte jemand mit dem Lichtpult herum, eventuell kotzte jemand vor die Bühne, aber im grossen Ganzen war der Rahmen hier vorgegeben. Vor allem: der Schallpegel war zu diesem Zeitpunkt auf einem Level, wo man theoretisch bei normaler Gesprächslautstärke noch ein Rilke-Gedicht hätte rezitieren und die Menschen um einen herum dies hätten verstehen können.

Danach spielte eine Band, es wurde laut, es wurde ständig an der Schmerzgrenze entlang geschrammt, eventuell ploppte auch mal ein Trommelfell. Man konnte dies aber vermeiden, indem man Ohrenstöpsel so bis zu einem Drittel tief ins Ohr schob, was dem Sound zwar etwas abträglich war, der Hörfähigkeit aber umso zuträglicher.

Nach der ersten Band hiess es “zurück auf Feld eins”, die Roadies kamen wieder aus ihren Löchern hervor und so ging es weiter, bis man irgendwann in einer Ecke aufwachte und sich fragte, wo man wohl seine Hosen gelassen hat. Und das Portemonnaie. Und woher die Bissspuren in der Unterleibsgegend kommen. Die Ohren haben noch genau so lange gepfiffen, wie das letzte Bier im Magen rumort hat und gut war.

Heute, meine Lieben, heute ist das ganz anders. Es scheint keine Übergänge zwischen Acts mehr zu geben, die Trennung zwischen Soundcheck und Act ist aufgehoben. Heute ist alles im Flow, Mann! Egal ob Sound- bzw Linecheck, Wartezeit, tatsächlicher Act oder Putzkommando: alles spielt sich auf derselben Lautstärke ab. Und diese Lautstärke, ich wage es zu sagen, ist mittlerweile jenseits von Gut und Böse.

Man komme jetzt nicht auf die Idee, dem Dschango vorzuwerfen, er sei eine alte Memme. Dschango hat damals, als MP3s noch für Nerds waren, auben den Gring in Bassboxen gesteckt, damit es ihn so richtig durchhudlet. Dschango ist mal an einem Motörhead-Konzert eingepennt. Und Dschango hat generell grosse Freude an Lautstärke, ganz einfach weil sie vorzüglich zu Lärm passt.

Es ist geil, wenn die Bässe meine Testikel zum Schwingen bringen, ja. Es ist geil, wenn mein Herzschlag vom Beat synchronisiert wird, ja. Ich kann total gut nachvollziehen, was die 15-Jährige, die sich auf 35 frustriert hat, um sich danach auf 18 runterzuschminken, gemeint hat, als sie mir, unterlegt von einer Hello Kitty-Lippenstift- contra Flaschenbier-Fahne, “EYYSCHSOOOOOOOGEEEEEILMANN!!” ins Ohr geröhrt hat (sie hat definitiv nicht Dschango gemeint). Aber Leute, alles hat Grenzen. Und was ich lautstärketechnisch in der letzten Zeit im Ausgang erlebe, sprengt diese Grenzen eindeutig.

Wo diese Grenze liegt? Ich würde sie ungefähr dort ansetzen, wo, wenn ich einen Qualitäts-Ohrenstöpsel komplett bis an den Anschlag ins Ohr drehe, immer noch nicht das Gefühl habe, dass die Musik auch nur annähernd zu leise ist. Wie letzten Samstag geschehen.

Jetzt ist es ja nicht so, dass die Jugend von heute nach so einem Abend glücklich ins Bettli fällt, um den Ohren eine Woche oder zwei Ruhe zu gönnen. Nein, die Jugend von heute braucht Dieselboy ab iPod, um einschlafen zu können. Und steht spätestens zwei Tage später wieder vor der Bassboxe, um sich auch noch die letzte widerspenstige Hörfähigkeit auszuhämmern.

Wen wundert es da noch, dass die Jugendlichen heute immer schlechter hören? Wen wundert es, dass diese Teenies nicht mehr tanzen können? Schon mal einem Haufen Minderjähriger beim Arschwackeln zugesehen? Keine Ahnung von Takt oder gar Rhythmus, nur noch ein dröges Schaukeln, im besten Fall unmotiviertes Auf-der-Stelle-Treten ohne Konzept und Plan. Kein Wunder, wenn sich das hörbare Spektrum auf einen kontinuierlichen Brumm beschränkt. Wer das nächste grosse Ding in der Musik sucht, setzt vorzugsweise auf Tinnitus als primären Datenträger.

(Daneben fiel mir übrigens auch auf, dass die heutigen DJs keine Ahnung mehr von Aufbau haben. Diese Wahrnehmung mag so niederschmetternd sein, weil ich mittlerweile tatsächlich ein alter Sack bin, aber heute heisst “mixen” offenbar in erster Linie, alle vier Beats irgend etwas zu bringen, das die Tanzwilligen aus dem Konzept wirft.)

Meine Theorie: Alles taube Nüsse. Egal ob BesucherInnen, TechnikerInnen, DJs, MusikerInnen und VeranstalterInnen, alle schwer hörgeschädigt und im Prinzip berechtigt, eine IV-Vollrente zu beziehen. Der DJ kann die Tracks nur noch anhand der Basslinie erspüren und ohne all die Blinkis und Leuchtis an den Geräten wären die meisten Musiker akkustische Autisten. Sie merken es nur nicht, weil sie sich dauernd mit Leuten umgeben, die genauso hörbefreit sind wie sie selbst. Wir werden also faktisch von Gehörlosen mit Musik versorgt – so lassen sich auch Phänomene wie der Loudness War und MusicStar erklären.

Kennt ihr Saramagos “Stadt der Blinden”? So stelle ich mir die Zukunft vor, halt einfach mit Gehörlosen statt Blinden. Letztens war ja in der Presse zu lesen, man plane, in der Schweiz Englisch als fünfte quasi-offizielle Landessprache einzuführen. Vorher, ich sage es euch, vorher kommt die Zeit, in der Gebärdensprache als einzige offizielle Landessprache eingeführt wird, ganz einfach, weil in 20 Jahren niemand mehr gesprochene Sprache verstehen wird.

Und die beiden letzten, die dann noch tanzen können, sind Dschango und der Schwäbi.

Ho-ly fuck!




Heute schon ein totes Tier im Schuh gehabt?

Dieser Artikel beginnt mit einem Geständnis: Ich, Dschango Beinhart, gestehe hiermit, Käsefüsse zu haben. Und nicht Käse so aus der Gouda-Light-Abteilung, sondern richtig üble Fine Food Quanten, im Aroma oszillierend zwischen einem gut abgereiften Camenbert aus der Normandie und einer würzigen, ungarischen Salami. Das sind wohl meine Gene, die jahrhundertelang in allen Ecken Europas herumflottiert sind, um dann schliesslich in meinen Füssen fröhliche Zusammenkunft zu feiern. Ist jetzt nicht so schlimm wie, sagen wir mal, Haarausfall im Jugendalter (hier liebe ich meine Gene!), weil ein Fusstoupet ist etwas ganz Normales, während ein Toupet auf dem Kopf immer wieder Anlass für derbe Spässe an Geschäftsweihnachtsessen ist.

Und spart euch all die guten Tipps. Alles ausprobiert, Erfolg mässig bis nicht vorhanden. Egal welches Fasergemisch für die Socken, egal wie oft oder wie selten mit welchen Emulsionen, Meersalzen und ätherischen Ölen eingerieben, gereinigt und gepudert, es läuft immer auf dasselbe hinaus: Falls mal jemand eine gefechtsfähige Geruchskanone entwickelt, wird er garantiert früher oder später bei Dschango vorbeikommen.

Da ich es vermeide, bei Besuch o.ä. meine Schuhe auszuziehen (meine wenigen Freunde will ich nicht auch noch verlieren) ist es im Grunde genommen nur Hase, die darunter leidet. Dies jedoch sehr. Und wer schon mal versucht hat, eine Frau, die grün im Gesicht ist, zu einem Schäferstündchen zu verführen, weiss, dass es höchst kontraproduktiv für einen entspannten Koitus ist, wenn die Frau darauf besteht, beim Akt den Kopf aus dem Fenster zu halten. Aber zum Glück gibt es heute, wo keine definierbare Zielgruppe von Marketingaktivitäten und auf sie zugeschnittenen Angeboten verschont wird, auch für Käsefussbesitzer und ihre Hasen eine Lösung: Geox, der Schuh der atmet!

Ich bin (bzw Hase ist) ja ein treuer Kunde dieser Firma, die mit dem gesellschaftlichen Tabu des Körpergeruchs ein Schweinegeld erwirtschaftet. Hatte bisher ein paar Sommerschuhe von denen, die auch tatsächlich das hielten, was sie versprachen: weniger Fussschweiss, daraus resultierend weniger Fussgeruch, daraus resultierend mehr und besseren Sex. OK, das Letzte habe ich jetzt frei hineininterpretiert, aber bei mir läuft es mehr oder weniger darauf hinaus.

Nunja.

Neulich war Zeit für einen Schuhwechsel, zielstrebig steuerten wir den Geox-Laden an und Dschango hatte die Aufgabe, von dem ausgestellten Schuhwerk ein Paar auszuwählen, das seinem Gusto entsprach. Das geschah auch recht flott – das Kriterium ’schwarz’ reduziert das Angebot in der Regel auf unter 50%, ‘ohne jeglichen Schischi’ auf maximal 5% und bei ‘ich sagte doch, ohne jeglichen Schischi, gopfertami!’ bleibt dann meist nur noch ein Schuh übrig. Die nette Verkäuferin meinte noch aufgeregt, der Schuh sei einmalig, weil erstmals auch von oben her wasserdicht (“die Membrane ist bis oben durchgezogen!”) und wir wurden uns schnell handelseinig. Zweihundert Franken abgedrückt, eine tolle Tüte mitbekommen, meine Füsse hatten ein kältefestes, schweissresistentes Winterquartier – was konnte da noch passieren?

Also, mal das Positive vorweg: der Schuh ist sau bequem. Wie Finkli schmiegen sich die Teile an meine strapazierten Treterchen, sie sind wohlig warm und tatsächlich kann man sich sogar eine Schneeballschlacht mit den Büro-Dudes geben, ohne dass Wasser von aussen reinkäme. Aufmerksame LeserInnen merken hier: da kann etwas nicht stimmen. Und ihr habt natürlich völlig recht, ihr aufmerksamen LeserInnen ihr!

Es geschah ein paar Tage nach dem Kauf, als Dschango abends noch vor dem Computer sass. Irgendwas roch da eigenartig. Undefinierbar, aber doch eindeutig unangenehm. Subtil, aber doch störend. Das Gemeine war: hätte es nach Käsefuss gerochen, hätten bei mir sofort alle Alarmglocken geschellt und ich hätte mir Müllsäcke über die Schuhe gezogen. Bei diesem Geruch dauerte es aber eine Weile, bis der Ursprung ausgemacht wurde. Er erinnerte mich an etwas Totes, das irgendwo in einer Ecke vor sich hinrottet und geduldig darauf wartet, zu Staub zu zerfallen. Nachdem ich eine Stunde lang unter allen Möbelstücken die vermeintliche Ex-Maus gesucht und die Katzen mit bösen Blicken verunsichert habe, merkte ich, dass mir der Geruch folgt. Dass er immer da ist, wo ich bin. Das gab mir dann doch zu denken.

Also. Der Schuh ist tatsächlich dicht. Er ist dichter, als ich es je war. Er atmet bestimmt irgendwie – vielleicht einmal pro Minute, so wie ein Wal. Das reicht jedoch bei weitem nicht, original osteuropäischen Zigeunerfussschweiss auszuweisen. Mit einem Emmentaler Bauernfuss wäre der Schuh bestimmt klar gekommen, vielleicht sogar mit einem Freiburger Pied Vacherin, bei mir streckt er aber die Waffen, schreit laut “Erbarmen!” zu mir hoch und die Dampfwölkchen, die in der Werbung immer so lustig paff-paff machen, bleiben bei mir ganz aus. Witzigerweise schafft es der Geruch, die ach so dichte Membrane (“bis oben hin durchgezogen!”) auszutricksen. Wahrlich ein Meisterwerk schuhmacherischer Ingenieurskunst!

Ganz übel ist es, wenn der Schuh eine Nacht ‘ausatmen’ kann. Der Geruch, der dem Teil am nächsten Morgen entströmt, ist sogar für meine Nase eine Note zu exotisch. Ich war schon an wirklich üblen Orten unterwegs, habe schon ganz, ganz elende Gerüche eingeatmet, habe nie auch nur die geringsten Berührungsängste gegenüber menschlichen Ausdünstungen gezeigt, aber dieser Mief ist wirklich, wirklich unter jeglicher Sau. Kein totes Tier auf dieser Welt kann derart bestialisch stinken.

Damit könnte ich ja noch leben. Letzthin, als es gerade arschkalt war, zeigte der Schuh aber noch ein neues, weitaus perfideres Gesicht: die Dinger sind nicht eistauglich. Ja, werte LeserInnen, richtig gelesen: nicht eistauglich! Ihr erinnert euch an letzte Woche, als die Strassen und Trottoirs alle gefroren waren? Da hättet ihr den Dschango sehen sollen, wie er verzweifelt versuchte, spät in der Nacht auf seinen rutschenden Tretern einen vereisten Hügel hochzukommen: ein Schritt vor, zwei Schritt zurück, Hopplarutsch, und das während etwa einer halben Stunde. Am Schluss krabbelte ich auf allen Vieren, die Fingernägel ins Eis hackend und mich daran den Hügel hochziehend. Wäre es jemand anderem passiert und hätte ich es gesehen, ich hätte mich bestimmt kaputtgelacht.

Die Nachbarn reden übrigens seit Neustem nicht mehr mit uns. Ich vermute, das ist, weil sie zweimal pro Tag im Treppenhaus an meinen in den letzten Zügen vor sich hinröchelnden Geox-Schuhen vorbeimüssen und sich fragen, warum der verfluchte Beinhart nicht endlich das sterbende Tier aus seinen Latschen entfernt.

Und verdammt, ich kann sie irgendwie verstehen.




Leseoffensive zum Wochenende

Das Wochenende steht vor der Tür, es hudlet und luftet wie blöd. Nächste Woche ist Abstimmungs- und Wahlsonntag, beides geht mir schon sowas von auf den Keks. Zur Unfähigkeit von BärenBabsi ist alles gesagt, zur Lachnummer auf der Harley ebenfalls. Auch auf der SVP herumtrampeln macht mir momentan wenig Freude – da diese Partei bald mehr Bundesratskandidaten als WählerInnen hat, was soll ich hier denn noch Lustiges beitragen?

Politikverdrossenheit? Schnauze voll vom miesen Wetter? Warum nicht mal wieder ein gutes Buch in die Hand nehmen, sich mit dem Hasen im Bau verstecken und dort mal dem einen, mal dem anderen frönen?

Deshalb hier meine aktuellen Leseempfehlungen aufs Wochenende:


R. D. Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Ja, ich weiss, der Titel dieses Buches könnte von mir stammen. Tut er aber nicht. Leider, einerseits, weil wer fände es schon nicht toll, wenn ein Titel von einem (ein guter noch dazu!) auf ein Buch gedruckt würde? Zum Glück, andererseits, weil sein eigenes Buch unter Pseudonym zu rezensieren, das wäre jetzt sogar für mich ein kleines bisschen zu narzisstisch.

Darum gehts hier jetzt aber überhaupt nicht. Stattdesssen möchte ich der werten LeserInnenschaft, die philosophisch interessiert ist, dieses höchst amüsante und spannende Buch ans Herz legen. Zwar ist es eine Übersicht über die Philosophie, im Gegensatz zu den bisher erhältlichen Büchern zu diesem Thema ist es aber weder eine knochentrockene Abhandlung der verschiedenen Denkschulen und Ismen, noch ein Bombardement von Fakten, das die Lust am eigenen Denken schon im Keim erstickt. Stattdessen kommt es in einer humorvollen, verständigen Sprache daher und richtet sich ganz am konkreten Leben aus: Was ist Wahrheit? Woher weiss ich, wer ich bin? Nicht dass das Buch kugelsichere Antworten auf diese Fragen liefern würde, aber es gibt die richtigen Impulse, um selbst weiter zu denken.

Der Autor führt uns in einer Art philosophischer Weltreise durch die verschiedenen Orte, an denen Philosophie gemacht wurde, verknüpft immer den Titel des jeweiligen Kapitels mit dem Ort, der Person und der Zeit, die auf die jeweilige Frage eine Antwort gefunden zu haben glaubte. Auf diese Weise schafft er es, die zum Teil sehr anspruchsvollen Denksysteme anschaulich darzustellen.

Dschango-Prädikat: Unbedingt empfehlenswert!


Naomi Wolf: Wie zerstört man eine Demokratie – Das 10-Punkte-Programm

Die Autorin geht in ihrem Buch der Frage nach, was es braucht, damit eine Regierung ein Land von einer Demokratie in eine Diktatur verwandeln kann. Sie schildert dies mit einem Brief an einen Freund, in dem sie beschreibt, wie fragil einerseits das ist, was wir als ‘Demokratie’ bezeichnen und wieviel Aufmerksamkeit es von jeder Demokratin, jedem Demokraten auch und besonders heute braucht, damit die Errungenschaften, die unsere Vorfahren mit Blut und Geld erkämpft haben, nicht von billigen Populismen über den Haufen geworfen werden.

Hui, was für ein Satz…

Das 10-Punkte-Programm, wie es Wolf beschreibt, wurde in der Vergangenheit von beinahe jeder Diktatur angewendet. In den USA wurden in der Vergangenheit offenbar sogar angehende südamerikanische Diktatoren gezielt darin ausgebildet, ihre Bevölkerung mit diesen zehn Punkten unter die Knute zu zwingen.

Ja, das Buch ist aus einer sehr USAmerikanischen Warte aus geschrieben und die ständigen Lobreden auf die bestmögliche Demokratie ennet dem grossen Teich wirkt auf europäische Gehirne wohl etwas… naja, naiv vielleicht. Trotzdem hat, was Wolf zu sagen hat, durchaus auch bei uns Gültigkeit. Die Strategien und Techniken, die autoritäre Regimes anwenden, um eine freiheitliche Gesellschaft in Unterdrückung und Angst zu führen, sind während Jahrhunderten erprobt und bewährt und es wäre verwegen zu behaupten, dass solches bei uns nicht möglich wäre.

Bemerkenswert ist Wolfs Einsicht, dass die meisten Diktaturen keineswegs mit gewalttätigen Aktionen an die Macht gekommen sind. In den meisten Fällen liessen sich Diktatoren demokratisch wählen, zumindest aber juristisch legitimieren. Eine Diktatur entsteht nie über Nacht, indem man plötzlich die Stiefeltritte uniformierter Schergen im Treppenhaus hört. Stattdessen ist es ein langsamer, beinahe unmerklicher Prozess, der das Volk soweit bringt, zum Schluss dankbar zu seinem Metzger zu laufen.

Ein wichtiger Appell an das Demokratieverständnis jedes Einzelnen.

Dschango-Prädikat: Sollte beim Erreichen des Stimmrechtsalters Pflichtlektüre sein.

So, genug von all dem klugen Zeugs, hier noch ein bisschen Belletristik:


T.C. Boyle: Zähne und Klauen

Boyle begleitet mich schon seit bald 20 Jahren, war sogar mal mein absoluter Lieblingsautor (“America” war eine Offenbarung). Diesen Status musste er zwar leider abgeben (es wird ihn bitter reuen), noch immer aber schreibt er durchaus lesenswert.

Die Kurzgeschichtensammlung “Zähne und Klauen” beschreibt den Menschen als Spielball zwischen Ratio und Trieb, zwischen Dekadenz und Infantilität, zwischen Sinn und Unsinn. Seine Helden sind Säufer, Aussteiger und durchgeknallte Verlierer der Gesellschaft. Absurde Situationen treffen auf absurde Figuren, oder umgekehrt, je nachdem. Und Boyle schafft es, dass wir auch die grössten Deppen dafür bewundern, wie sie es schaffen, ihr seltsames Leben zu leben.

Dies ist sicherlich eines der grössten Talente von Boyle: man schliesst seine Figuren ins Herz. Boyle trifft, vor allem in seinen Kurzgeschichten, genau den Ton, genau die Balance zwischen Witz und Intellekt, die dazu führen, dass man sein als “Zwüschedüre”-Literatur geplantes Buch in wenigen Stunden wegliest. Die Boyleschen Verlierer machen süchtig, genauso wie sein süffiger, immer mit einem spitzbübischen Grinsen versehener Stil. Zynismus seinen Figuren gegenüber ist Boyle fern und es ist genau dieses Liebevolle, das ihn in meinen Augen zu einem der grössten seiner Zeit macht.

Dschango-Prädikat: Nicht nur fürs Nachttischli geeignet.


Sven Regener: der kleine Bruder

Ja, der Herr Lehmann ist wieder da! Das dünne Büchlein enttäuscht zwar vom Umfang her (seit ‘Neue Vahr Süd’ sind meine Standards gestiegen), aber trotzdem: ein höchst vergnügliches Lesewerk hat der Herr Regener da wieder abgeliefert.

Das Buch spielt zwischen ‘Herr Lehmann’ und ‘Neue Vahr Süd’. Frank Lehmann wurde gerade aus der Bundeswehr entlassen und fährt mit seinem Punk-Kumpel Wolli ins Berlin paar Jahre vor dem Mauerfall, um da zu seinem Bruder Manni zu ziehen. Regener führt uns durch den Alltag der Hausbesetzer- und Anarcho-Szene in Berlin, ihre Auseinandersetzungen, ihre (faulen) Kompromisse, letztlich auch ihr Scheitern vor dem real existierenden Kapitalismus.

Ja, das Buch ist zum Brüllen lustig. Kaum eine Seite, auf der ich nicht in lautes Lachen ausgebrochen bin. Die Figur Frank Lehmann oszilliert ständig zwischen Naivität und Weltgewandtheit, stösst als Landei in Berlin zwar dauernd auf Mitleid, entpuppt sich aber, wenn es wirklich hart auf hart kommt, durchaus als der einzige, der einigermassen seine Hirnzellen zusammenreissen kann.

‘Der kleine Bruder’ ist einerseits ein Lobgesang auf ein Leben abseits aller Konventionen, andererseits auch dessen Schwanengesang, weil auch der autonomste Kapuzenjackenträger über kurz oder lang von der Gesellschaft abhängig ist, gegen die er, am liebsten unter Mamis Rock hervor, revoltiert.

Hase hat das Buch auch gelesen und fand es nur “soso, lala”. Es ist irgendwie ein Männerbuch, ja. Es beschreibt die seltsamen Rituale von XY-Trägern, ihre eigenartige Logik, ihr befremdliches Paarungsverhalten und ihre noch viel befremdlicheren Initiationsriten. Es entlarvt uns Männer (vor allem diejenigen, die sich gerne als links, anarchistisch, autonom und/oder feministisch sehen) als weinerliche Testosteronhaufen, die den Schwanz wortwörtlich einklemmen, sobald das eigene Weltbild ins Wanken gerät.

Vielleicht ist das Lesevergnügen für Frauen nicht so gewährleistet. Wenn man aber als Mann zwischen 18 und 25 Jahren in alternativen Szenen aufgewachsen ist und sich auch im hohen Alter noch nicht vollständig vom Geruch von Freiheit, Tränengas und Bierdunst lösen kann, erkennt man sich und seine damalige Umwelt auf jeder Seite wieder. Frank Lehmann ist so, wie ich mich zu sein erinnern glaube, und ich denke, das geht jedem so, der eine ähnliche Biografie hat.

Einziger Kritikpunkt: ZU KURZ, VERDAMMT!

Dschango-Prädikat: Ja, wie jetzt? Muss doch sein, oder?




Darmsaugen

Klistier war gestern

Klistier war gestern

Der Begriff des ‘Augenoptikers’, ich kann es nicht oft genug sagen, ist mir ein Gräuel. Welche Form des Optikers, so schreit es jeweils in mir, wenn ich jemanden dieses Unwort benutzen höre, gibt es denn sonst noch!? Ein Ohrenoptiker macht wenig Sinn und Muschioptiker haben mit ‘Gynäkologe’ bereits ein viel schöneres Wort, was soll dieses bescheuerte ‘Augenoptiker’ also? Könnte man nicht verantwortunsbewusster mit Buchstaben umgehen und in diesem Fall, gerade in Hinblick auf Klimaerwärmung und Finanzkrise, einfach fünf davon einsparen? ‘AUGEN’ gibt in Scrabble nämlich nur sieben Punkte, es kann also gar nicht so besonders sein. Mein Plädoyer (das ist mal ein Wort, mindestens 27 Punkte und wahrscheinlich auch noch der 50er Bonus, von den roten und blauen Bonus-Dingsens gar nicht zu sprechen! Leider habe ich es bisher noch nie legen können) lautet also: verschont die OptikerInnen vor den Augen – unserer aller Augen zuliebe.

In diesem Fall wurde aber der Vogel (hier wohl eher: Steinbock) derart abgeschossen, dass er kaum mehr als solcher zu erkennen ist. Klar, dem Optiker kann man hier eine gewisse Betriebsblindheit seinem Namen gegenüber attestieren. Aber welcher sadistische Legastheniker und typografische Tiefflieger von einem Schildermaler hat dieses Verbrechen begangen? Oder ist dies ein Beispiel dafür, dass man Lehrlinge nicht unbeaufsichtigt Kundenaufträge erledigen sollte?

Lehrling 1: Kannst du vergessen… so kommt das niemals auf ein Poschi…
Lehrling 2: Wetten, dass…?
Lehrling 1: LOL!

Und nein, es liegt nicht an meiner bizarren Fantasie, auch Hase hat spontan ‘Darmsaugen’ gelesen.

Wollte ich nur noch gesagt haben.




White Power (the good kind)

Meistens sind Sachen, die neu sind, ja nicht automatisch gut. Und oft ist das einzig Neue dann die Verpackung, was zur Folge hat, dass ich stunden- und tagelang im Migros herumirre, um so triviale Sachen wie Tofu oder Alpenkräuter-Tee zu finden.

Rrrrrrrrh...!!

Rrrrrrrrh...!!

Jetzt hat die Migros aber mal wieder einen Volltreffer bei mir gelandet, mit der “Crema Catalana”-Schoggi von Frey.

Halt, Stop, nicht aufschreien, liebe LeserInnenschaft. Ich weiss, Frey ist nicht wirklich bekannt für gute Schoggi. Und auf Diskussionen, ob weisse Schoggi jetzt wirklich Schokolade im engeren Sinne (ja, ist sie) und ob sie nicht total unmännlich sei (nein, ist sie nicht), lasse ich mich hier gar nicht ein.

Fakt ist: wer weisse Schoggi mag (hier!) und Crème Catalane als eines seiner Lieblingsdesserts deklariert (hierhierhier!!), ist mit diesem Produkt bestens bedient. Hase hat mich letzten Samstag da drauf aufmerksam gemacht und der Dschango, der olle Fresssack, hat die Tafel innerhalb einer Stunde verputzt.

Ich hoffe jetzt nur, dass das Zeug noch jemand anders auch mag. Es würde mich in Depressionen treiben, wenn dieses vorzügliche Produkt, wie so viele davor, plötzlich aus dem Migros-Regal verschwinden würde.

So, ich wär dann mal am Futtern…




Zu intim!

Da rief letzthin eine meinem Hasen geschäftlich bekannte Person bei uns zuhause an und fragte, Hasens Vornamen erwähnend, nach ihr. Anständig und zuvorkommend wie ich bin, gab ich die korrekte Auskunft, nämlich dass Hase unter der Dusche sei und in wenigen Minuten zurückrufen würde. Die Frau am Telefon fand das offenbar amüsant, konnte ich doch geradezu hören, wie sich ihre Mundwinkel hochzogen, während sie ein “merci, uf Widerhöhre!” ins Telefon trällerte. Mich irritierte das leicht und ich beschloss, den Hasen darauf anzusprechen.

Ich sag nur soviel: Pandoras Büchse ist dagegen Pipifax.

Mir ist ja klar, dass ich am Telefon nicht unbedingt mitteile, wenn Hase für kleine oder grosse Hasen muss. Ich habe mittlerweile gelernt, dass gewisse Menschen mit Wörtern wie “Toilette”, “scheissen” oder “onanieren” Probleme haben, obwohl Konsens darüber besteht, dass 99% der Menschheit mindestens zwei dieser Worte täglich einmal aktiv benutzt. Schon das Wort “Klo” provoziert bei manchen Personen hysterisches Kichern, ein Wort wie “Furz” kann einer Party eine komplett neue Wendung geben. Offenbar herrscht gesellschaftlicher Konsens darüber, dass man all das, was mit menschlichen Ausscheidungen zu tun hat, nicht kommuniziert. Sogar ich, der im Wohnwagen aufgewachsen ist, kann das am Rande nachvollziehen. Aber hey… Dusche?? Welches seltsame Tabu verletzt das denn?

Meine Libertin-Seele schlug natürlich sofort Alarm: US-amerikanische Sitten reissen ein! Man darf nicht mehr seichen gehen, sondern muss “Hände waschen”. Man darf nicht mehr abkacken, sondern geht sich “frisch machen”. Und man muss sich dafür entschuldigen, wenn man niesen muss. Was kommt als nächstes? Ein Warnblinker, wenn ich einen Ständer kriege?

Aber wie für alles andere hat Hase auch dafür eine höchst logische Erklärung. Es sei halt unangenehm, meinte sie, wenn man sich vorstelle, dass sich der andere (der am Telefon) vorstelle, dass man nackt unter der Dusche stehe. Und dass es für den oder die AnrufendeN noch viel unangenehmer sei, weil er/sie sich vorstelle, dass die Person unter der Dusche sich jetzt sicher vorstelle, dass er/sie sich vorstelle, dass er/sie unter der Dusche sei. Und das erst noch nackig (shocking!). Und, verblüffenderweise, sobald man sich vorstelle, dass sich der andere vorstelle, dass man sich vorstelle, dass der andere unter der Dusche sei – just in dem Moment täte man das ja auch!

OK, Hase hat mir das wirklich sehr einfühlsam und gründlich erklärt. Kapiert habe ich es zwar nicht, ich werde aber in Zukunft darauf verzichten, Positionsangaben des Hasen in der Welt zu verbreiten, solange die Koordinaten in oder um unser Badezimmer herum sind. Zum Glück muss ich nicht alles verstehen, um Hase glücklich zu machen.

Neulich, Hase war im Training, rief ihr Chef bei uns zuhause an und wollte sie sprechen. Da es nichts mit Ausscheidungen zu tun hatte war ich auf der sicheren Seite und gab völlig korrekt und höchst diskret Auskunft. Ich weiss nicht, warum der arme Mann trotzdem hörbar erbleichte, als ich meinte: “Sie schlägt gerade anderen Frauen die Fresse ein – kann sie Sie danach zurückrufen?”