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Das parfümierte Rektum

Durch eine unglückliche Verkettung von für sich genommen eigentlich ganz harmlosen Zufällen gelangte neulich eine Rolle parfümiertes Luxus-Klopapier an den häsischen Toilettenpapierhalter. Erst wusste ich gar nicht, woher dieser penetrante Gestank nach chemischen Blümchen herkam, als ich dann aber den quietschbunten, zwölflagigen Ausbund an Anal-Dekadenz sah, schwante mir einiges.

Vielleicht sollte ich hier erläutern, wie die Hasen (und somit auch der Dschango) mit diesem Thema sonst umgehen. Also, im Grunde genommen scannen wir das Angebot unseres lokalen Detaillisten nach dem Term ‘Recycling’ und packen davon jeweils die grösste Einheit mit dem niedrigsten Preis in unseren Einkaufswagen. Eine Seite so rauh wie eine Metallfeile, die andere noch viel schlimmer, weitestgehend geruchs- und farbneutral, generell eher unscheinbar, genau so mögen wir unser WC-Papier seit Anbeginn aller Zeiten.

Und nun war da plötzlich dieser gelbe Wahnsinn auf Rolle, der mit seinem Frühlingsgestank penetrante Fröhlichkeit an einem Ort zu verbreiten suchte, an dem ich sonst nur Erleichterung und Kontemplation zu finden erhoffe. Das brachte mich dann aber immerhin auf eine Idee für einen Blog-Artikel.

Und zwar, so fragte ich mich, nähme es mich wahnsinnig wunder, worin denn der Sinn eines parfümierten Klopapiers besteht. Ich meine, es kann ja nicht daran liegen, dass man den Ratten im Abwasserkanal ein hübsches Geschenk machen und auch nicht daran, dass man den Gestank der eigenen Fäkalität kompensieren möchte – in beiden Fällen müsste man dann ja jeden Gagu einzeln mit Klopapier umwickeln.

(Im Übrigen stellt sich mir die Frage nach dem Sinn noch bei so einigen parfümierten Produkten: Kerzen, Raumspray, Slipeinlagen – ein weites Feld. Aber einewä, eins nach dem anderen, ich kann mich ja nicht um alles kümmern, heieiei!)

Wie man es dreht und wendet, es macht keinen Sinn, ausser demjenigen, dass man seinem After eine gewisse Parfümierung angedeihen möchte. Falls dem so ist (und ich habe daran absolut keinen Zweifel), hätte ich auch mehrere Ideen, wie man den eigentlichen Zweck dieses Produkts endlich einmal klar und deutlich herausstellen könnte. Die Idee, die noch am jugendfreiesten und am wenigsten brechreizerregend ist, möchte ich hier kurz vorstellen. Also, hier ein TV-Spot, der wie folgt läuft:

Kamera blendet ein, man sieht das Gesicht einer schlummernden, wunderhübschen Frau. Die Kamera zoomt langsam weg, man sieht, dass die Frau in einem Bett liegt. Beim Zoomen streift die Kamera auch noch die vielen Diplome und Urkunden an der Wand: man will uns suggerieren, dass diese Frau nicht nur schön, sondern auch noch wahnsinnig klug ist. Die Morgensonne scheint durchs Fenster, Vöglein zwitschern, alles ist gut.

Dann hört man auf einmal eine WC-Spülung, danach tapsende Fusstritte, wenig später legt sich ein Mann, der ein bisschen aussieht wie Stefan Weiler in unschwul und ohne Agglo-Aura, zu der Frau, kuschelt sich an sie und es kommt, wie es kommen muss: konsensualer, gegenseitiger Oralverkehr (vulgo: 69ern).

In dem Moment, wo die wunderhübsche Frau dem unschwulen Mann das Rektum auslutscht, hält sie plötzlich inne und sagt: „Oh, dein After riecht heute aber frisch!“ Er: „Kein Wunder, ich habe ihn auch mit Flauschi Frühlingsfrisch gewischt!“ Beide mit Blick in die Kamera: „Flauschi Frühlingsfrisch – für natürlich frischen After!“ Beide lachen glücklich und saugen danach weiter, als ob es kein Morgen gäbe. Erkennungsmelodie, ausblenden.

Zugegebenermassen: im Vorabendprogramm von SF1 würde ich den Spot nicht zeigen. Zwitschernde Vöglein sind einfach zu abgedroschen.




Zu intim!

Da rief letzthin eine meinem Hasen geschäftlich bekannte Person bei uns zuhause an und fragte, Hasens Vornamen erwähnend, nach ihr. Anständig und zuvorkommend wie ich bin, gab ich die korrekte Auskunft, nämlich dass Hase unter der Dusche sei und in wenigen Minuten zurückrufen würde. Die Frau am Telefon fand das offenbar amüsant, konnte ich doch geradezu hören, wie sich ihre Mundwinkel hochzogen, während sie ein “merci, uf Widerhöhre!” ins Telefon trällerte. Mich irritierte das leicht und ich beschloss, den Hasen darauf anzusprechen.

Ich sag nur soviel: Pandoras Büchse ist dagegen Pipifax.

Mir ist ja klar, dass ich am Telefon nicht unbedingt mitteile, wenn Hase für kleine oder grosse Hasen muss. Ich habe mittlerweile gelernt, dass gewisse Menschen mit Wörtern wie “Toilette”, “scheissen” oder “onanieren” Probleme haben, obwohl Konsens darüber besteht, dass 99% der Menschheit mindestens zwei dieser Worte täglich einmal aktiv benutzt. Schon das Wort “Klo” provoziert bei manchen Personen hysterisches Kichern, ein Wort wie “Furz” kann einer Party eine komplett neue Wendung geben. Offenbar herrscht gesellschaftlicher Konsens darüber, dass man all das, was mit menschlichen Ausscheidungen zu tun hat, nicht kommuniziert. Sogar ich, der im Wohnwagen aufgewachsen ist, kann das am Rande nachvollziehen. Aber hey… Dusche?? Welches seltsame Tabu verletzt das denn?

Meine Libertin-Seele schlug natürlich sofort Alarm: US-amerikanische Sitten reissen ein! Man darf nicht mehr seichen gehen, sondern muss “Hände waschen”. Man darf nicht mehr abkacken, sondern geht sich “frisch machen”. Und man muss sich dafür entschuldigen, wenn man niesen muss. Was kommt als nächstes? Ein Warnblinker, wenn ich einen Ständer kriege?

Aber wie für alles andere hat Hase auch dafür eine höchst logische Erklärung. Es sei halt unangenehm, meinte sie, wenn man sich vorstelle, dass sich der andere (der am Telefon) vorstelle, dass man nackt unter der Dusche stehe. Und dass es für den oder die AnrufendeN noch viel unangenehmer sei, weil er/sie sich vorstelle, dass die Person unter der Dusche sich jetzt sicher vorstelle, dass er/sie sich vorstelle, dass er/sie unter der Dusche sei. Und das erst noch nackig (shocking!). Und, verblüffenderweise, sobald man sich vorstelle, dass sich der andere vorstelle, dass man sich vorstelle, dass der andere unter der Dusche sei – just in dem Moment täte man das ja auch!

OK, Hase hat mir das wirklich sehr einfühlsam und gründlich erklärt. Kapiert habe ich es zwar nicht, ich werde aber in Zukunft darauf verzichten, Positionsangaben des Hasen in der Welt zu verbreiten, solange die Koordinaten in oder um unser Badezimmer herum sind. Zum Glück muss ich nicht alles verstehen, um Hase glücklich zu machen.

Neulich, Hase war im Training, rief ihr Chef bei uns zuhause an und wollte sie sprechen. Da es nichts mit Ausscheidungen zu tun hatte war ich auf der sicheren Seite und gab völlig korrekt und höchst diskret Auskunft. Ich weiss nicht, warum der arme Mann trotzdem hörbar erbleichte, als ich meinte: “Sie schlägt gerade anderen Frauen die Fresse ein – kann sie Sie danach zurückrufen?”