Artikel, die mit ‘fussball’ getaggt wurden

Schampus und Champions

Ich bin ja selbst deklarierter Fussball-Nixchecker. Umso schlimmer für die Footer-Fan-Kollegen im Büro, als ich eine Einladung für ein Spiel der Champions League bekam. So mit alles drum und dran, inklusive Eintritt in die Champions Lounge und Lizenz zum Futtern und Löten.

Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, den zwei Fussballbegeisterten mein Ticket unter die Nase zu halten und ihre Reaktion zu geniessen. Hie und da muss ich meinen leichten sadistischen Neigungen einfach etwas Auslauf gönnen, das aber nur nebenbei.

Da habe ich also mit der werten Kollegin im Voraus freudig fantasiert, wie wir bequem auf einer Ledercouch rumpflözen und uns mit feinstem Schampus vollaufen lassen würden. Das Spiel würde so zur Nebensache verkommen und wir hätten mit ein paar netten Leuten einen lustigen Abend verbracht.

Die erste Enttäuschung liess nicht lange auf sich warten. Nachdem wir uns durch tausende von eigenartig eingekleideten Leuten durchgewühlt hatten, kamen wir etwas erschöpft, aber eben voller Vorfreude in der Champions Lounge an.

Dann dies: Es gab keinen Schampus. Die Tische waren durchaus reichlich gedeckt, aber an Blubberwein hatte offensichtlich niemand gedacht.

Und dies: Weit und breit keine Ledercouch. Es gab zwar die eine oder andere Möglichkeit, sich bequem zu setzen, aber die grosse Anzahl Menschen in dieser Lounge stand in keinem Verhältnis zu den wenigen Sitzmöglichkeiten. Zudem musste das Spiel optimalerweise auf den Rängen in harten Schalensitzen aus Plastik genossen werden. Zum Glück hatten wir ein Dach über dem Kopf.

Das brachte mein welkes Oberstübchen dazu, ein paar Erkenntnisse zu formulieren.

Erstens: Ein Ticket in die Champions Lounge ist kein Freibillet für dekadenten Schampus-Spass mit Leder unter dem Füdli. Wenn man sich einen Abend lang wie ein Halbgott fühlen will, geht man also besser nach Egerkingen ins Römerbad, das kostet etwa gleich viel, aber man kommt wesentlich entspannter aus dem Laden wieder raus.

Zweitens: Menschen, die für ein Ticket in der Champions Lounge bezahlen, haben eigentlich nur Gratisessen, Gratisbooze und einen leicht besseren Blick auf das Spielgeschehen, mehr nicht. Der Andrang ist etwa gleich gross und penetrant wie beim Fussvolk und es gibt auch bei den vermeintlich Mehrbesseren Leute, die sich nach dem Gang aufs Klo die Hände nicht waschen.

Ich habe echt kurz überlegt, ob ich in res publica auf den Mann zeigen und laut schreien sollte  “Die Sau hat sich nach dem Pinkeln die Hände nicht gewaschen!”. Ich tat es dann doch nicht, weil die Einladung von einem Kunden und Sponsoren kam und ich niemanden unnötig blamieren wollte. Henusode.

Ach ja, das Spiel. Glücklicherweise vergingen die zwei mal fünfundvierzig Minuten inklusive Pause wie im Fluge, es war streckenweise sogar richtig spannend. Natürlich hat der Favorit letztendlich gewonnen und die Lokalmatadore gingen geknickt, aber unter tosendem Applaus zurück in ihre Kabinen.

Immerhin hatte der Anlass trotz allem ein wenig People-Flair, habe ich doch zwischen all den Wichtigtuern noch ein paar Dekoschlampen Spielerfrauen und sogar das Christineli Surer gesehen. Aber die Ärmste sollte wirklich mal richtig Essen, bei so einem Klappergestell muss ich immer gleich an den Mittermeier denken: “Die will man nicht ficken, die will man füttern.”

Sei’s drum, es war eine interessante Erfahrung, die ich in etwa mit dem gleichen Fazit wie beim Oktoberfest abschliessen kann:

Es ist in Ordnung, wenn man es mal gesehen hat, aber einmal reicht im Leben.




Sie leben…

Ja, wir leben noch. Auch wenn der Rhythmus unseres Geschreibsels zuletzt etwas zu wünschen übrig gelassen hat.

Egal, denn im Prioritäten setzen waren wir schon immer gut.

Apropos Prioritäten setzen, nachdem die in Schweizer Besitz befindliche Ölplattform Deepwater Horizon abgegluckert ist und den mexikanischen Golf inklusive Küsten schön einölt, könnte jetzt eine Schweizer Firma Abhilfe schaffen. Man ist da scheinbar zuversichtlich.

Komisch, irgendwie fühlen wir uns ein bisschen an die übliche CH-Kriegsgewinnlerei(TM) erinnert. Ein Schlingel, wer böses dabei denkt…

Denken ist ein gutes Stichwort. Wir sind immer wieder mal überrascht, wie die Jesus-betrunkenen Polit-Kreuzritter gelegentlich von den Kollegen der SVP in Sachen Hirnakrobatik rechts überholt werden.

Unsichtbare Freunde hin oder her, das hier stellt doch einiges in den Schatten, obwohl es in der Schweizer Politik an Dummheiten zuletzt kaum gefehlt hat. Respekt, solch gequirlte Scheisse muss man im Denkstübchen erst mal hinkriegen.

Diskussionen über Fussbälle oder Plastiktröten sparen wir uns an dieser Stelle, da faktisch kein Interesse vorhanden. Ich finde Vuvuzelas aus Metall eh besser, die kann man wenigstens als Rauchinstrument benutzen.

Olé.