Artikel, die mit ‘freidenker’ getaggt wurden

Muss auch mal erwähnt werden

Gut, OK, es geschehen vielleicht doch Zeichen und Wunder.

Man erinnert sich eventuell noch an meine kleine Polemik bezüglich dem “Bund” und religionskritischen Themen. Bevor sich jetzt die Ergeuschterer wieder ergeuschtern: Nein, ich nehme kein Wort zurück, hat zu der Zeit alles gestimmt, voll und ganz. Aber in den letzten Wochen habe ich bei dieser Zeitung doch einen gewissen, hmmmm, ich weiss jetzt nicht, ob ich das schon “Richtungswechsel” nennen soll, sicherlich aber eine Art Meinungsumschwung festgestellt.

Neu werden nämlich auch die Meinungen und Aussagen der nicht mit einem “der Grosse Bruder liebt dich, ob du willst oder nicht”-Mem Ausgerüsteten berücksichtigt, besonders in Artikeln, in denen es um just diese geht. Neu schafft man es, auf der Todesanzeigenseite auch Sprüche abzudrucken, die für Nicht-Gläubige nicht verletzend oder beängstigend wirken. Neu wird über Ungerechtigkeiten wider den säkularen Staat tatsächlich berichtet. Und die Krönung war der tatsächlich intelligente, tatsächlich recherchierte und tatsächlich die Fakten berücksichtigende Frontseiten-Kommentar zum Verbot der Freidenker-Plakate in Zug (an der Stelle mal wieder: http://geniess-das-leben.ch).

Woran das liegt? Vielleicht am neuen Zürcher Kurs? Vielleicht an der verkleinerten Redaktion? Vielleicht daran, dass man gemerkt hat, dass sich unter den Bund-LeserInnen auch ein ganz ansehlicher Haufen Konfessionsfreier findet? Man frage Klügere.

Fakt ist: Ich verzeihe euch die Einstampfung des Kleinen Bundes zwar immer noch nicht, aber ihr habt in den letzten Wochen doch eure Chancen erhöht, dass mein Abo demnächst (vielleicht! Ihr seid jetzt wieder im Provisorium!) wieder verlängert wird.

Dschango nimmt den Kurswechsel wohlwollend zur Kenntnis und rapportiert hier entsprechend. Fair muss fair bleiben.




Glaubensfreiheit für Moses!

Es gibt Tage, an denen sich Dschango frühmorgens einen Kaffee aus der Maschine zieht, nicht wissend, dass dieser Kaffee bald wieder aus seiner Nase sprühen und sich als feiner Nebel in der Küche verteilen wird. So geschehen gestern, als ich in BZ und Bund einen Artikel über den Hund Moses las (der im Bund aus Persönlichkeitsschutzgründen zu ‘Abraham’ anonymisiert wurde). Heute morgen kam die Story auch im 20Min.

Kurz gesagt geht es darum, dass sich die Besitzer von Moses weigern, ihrem Hund einen (seit vorletztem Jahr gesetzlich vorgeschriebenen) Mikrochip einsetzen zu lassen. Und dies begründen sie nicht etwa mit einer Chipallergie des Hundes, sondern mit ihrer in der Bronzezeit erfundenen Religion. Im Märchenbuch der Niederbipper Landwirte-Familie steht nämlich geschrieben, dass “Gottes Strafe jene trifft, die mit einem solchen Mal gekennzeichnet sind”.

Das Verwaltungsgericht hat ihnen schon den juristischen Finger gezeigt (Bussgeld Fr. 1′500.-, ich als braver Steuerzahler danke hiermit den Niederbipper Fundies für ihren tollen Beitrag zur Sanierung der dämonischen Staatskasse); entsprechend wollen sie nun Moses’ Recht auf Glaubens- und Chipfreiheit vor Bundesgericht erstreiten.

Echt Leute… dies ist eine derjenigen Steilvorlagen, bei denen ich kaum weiss, wo ich mit Reintreten anfangen soll…

Mal ganz abgesehen davon, dass es mir kalt den Rücken herunterläuft, wenn aktuell lebende Mitbürger meines Landes denken, dass es über dem Bundesgericht immer noch Gott als letzte Instanz gibt, schreit dieser Vorfall nach einer irgendwie gearteten Beschränkung von Klagen ans Bundesgericht. Es kann schlicht nicht angehen, dass eine höchste juristische Instanz mit derartiger Idiotie beschäftigt wird. Dies aber nur nebenbei.

Stattdessen möchte ich hier Möglichkeiten aufzeigen, wie dem Dilemma von Moses pragmatisch zu begegnen wäre:

1. Moses konvertiert zum Islam

Eine verblüffend einfache Lösung. Für Muslime gelten die Judenmärchen nicht und vom Satanschip wissen die auch nix. Moses müsste sich dann zwar umbenamsen lassen (Dschango wäre für ‘Mohammed Ali’, das rockt!), das wäre aber wohl nicht so ein Problem. Da wir davon ausgehen, dass Moses bereits kastriert ist, wird ihn auch die Beschneidung nicht wirklich stören. Einziger Nachteil: Moses würde sich selbst als perma-unrein ansehen. Das könnte aber wohl mit der einen oder anderen Hadsch ausgeglichen werden. Fragen Sie hierzu den Imam Ihres Vertrauens.

2. Moses muss Farbe bekennen

Die BZ schreibt zwischen den Zeilen, dass Moses offenbar jede Bitch anspringe, die an ihm vorbeiläufigt. Es wurde mir auch zugetragen, dass man Moses dabei beobachtet habe, wie er das Weihwasserbecken der Niederbipper Kirche leergeschlabbert und an eine Wand derselben gepisst habe. Ein wahrer Christ würde das nie tun; es stellt sich also die Frage, wie bibelfest Moses tatsächlich ist.

Ist Moses schon getauft? Wurde der Hund überhaupt schon nach seiner Konfession gefragt? Dschango vermutet, dass die Jesus-Bauern schlicht keinen konfessionsfreien Hund in ihrer Mitte dulden. Ein klarer Fall von Diskriminierung also! Die Freidenker-Vereinigung wurde informiert; man überlegt sich nun, Moses atheistisches Asyl zu gewähren.

(Dass Moses einen ‘Zentralrat der Ex-christlichen Köter’ gründen will, ist hingegen ein reines Gerücht ohne jegliche Faktengrundlage.)

3. Radikal, aber fair

Sicherlich die beste Lösung für alle Beteiligten: nicht nur der Hund wird gechippt, sondern die ganze Familie noch dazu. Die Chippflicht wurde ja eingeführt, um die gefährlichen Kampfhunde in Schach zu halten (fragt jetzt bitte nicht den Dschango, wie das funktionieren soll). Das müsste sich eigentlich auch auf die noch viel gefährlicheren Kampffundis ausweiten lassen. Bei ausgewachsenen Familienmitgliedern würde ich auch einen Maulkorb sowie eine Kastration befürworten; die Welpen sollte man fremdplatzieren.

Wie nun weiter?

Wird Moses den Kampf gegen die satanischen Behörden gewinnen? Rufen Islamisten eine Fatwa gegen das Bundesamt für Veterinärwesen aus? Werden die obligatorischen Hundeführerkurse neu auch eine Lektion Bibelkunde enthalten? Wird das Agnus Dei in einen Canus Dei umbenannt? Wird die Bevölkerung von Niederbipp kollektiv entwurmt? Steht ein Care-Team bereit? Und was meint der Papst zu diesem Skandal? Man weiss es nicht.

Daumenschraube.ch hält euch auf dem Laufenden!




Das Wort zum Sonntag von Pfarrer Beinhart

Liebe Brüder und Schwestern,
Liebe Gemeinde.

Was für eine Woche! Wer sich auch nur ein kleines Bisschen für die Trennung von Kirche und Staat interessiert, kam voll auf seine Rechnung. Gute Nachrichten, verwirrende Nachrichte sowie Nachrichten, die eigentlich schlecht sind, sich aber dann doch noch ins Positive wandeln.

Als erstes war die Meldung, dass die Freidenker-Vereinigung sich über Diskriminierung beschwerte. Was ist da passiert? Um auf ihre neu aufgeschaltete Website konfessionsfrei.ch aufmerksam zu machen (hier können sich Konfessionsfreie zu ihrem Nicht-Glauben ‘bekennen’), wollte die Vereinigung Plakate im öffentlichen Verkehr aufhängen lassen. Dürfte eigentlich kein Problem sein, denkt man da, aber Holla! In Thun, St. Gallen und Bern weigerten sich die Verkehrsbetriebe, dies zu tun. Manchmal waren die Begründungen schwammig/nebulös (BernMobil), manchmal einfach nur bescheuert (St. Gallen). Der Vorfall macht deutlich, wie wichtig die Arbeit dieser Vereinigung ist.

Übrigens: wie mir normalerweise gut unterrichtete Kreise mitteilten, war die unbeabsichtigte Werbung, die die Verkehrsbetriebe mit dem Ablehnen des doch sehr biederen Plakats ausgelöst haben, wesentlich effizienter und vor allem günstiger, als wenn die Plakate tatsächlich in den Bussen und Trams gehangen hätten. Von dem her: Danke, ihr lieben fundamentalistischen Jesus-Verkehrsbetriebe!

Interessant ist hier vielleicht noch, wie die lokalen Medien auf diesen Vorfall reagierten: während 20Minuten berichtete, verzichteten BZ und Bund auch nach mehrmaligem Nachhaken der FVS darauf. Beda Stadler hat sich heute zwar in gewohnt polemischer und witziger Weise in der BZ dazu geäussert, ansonsten war die Sache den Blättern keine Zeile wert. Macht auch Sinn, irgendwie, weil wenn man ums Verrecken einen CVP-Kandidaten im Stadtberner Gemeinderat sehen möchte, dann vermeidet man logischerweise alles, was die Leute zum (freien) Denken anregen könnte.

(Hier noch ein kleiner Veranstaltungshinweis: am Montag um 20:15 hält der Philosoph Michael Schmidt-Salomon im ONO einen Vortrag zum Thema “Projekt Aufklärung – glaubst du noch oder denkst du schon?”. Der Eintritt ist frei und folglich auch während der Finanzkrise aufbringbar.)

Dann las ich gestern, dass das Bundesgericht einen Entscheid von 1993 korrigiert hat, in dem es um gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht bei muslimischen Schülern geht. Völlig unerwartet hat hier Lausanne einen mutigen, wichtigen, absolut richtigen Akzent gesetzt: Integration geht vor Religionsfreiheit. Gratulation an dieser Stelle nach Lausanne, dieser Entscheid lässt darauf hoffen, dass bei euch doch noch nicht alle Tassen aus dem Schrank gefallen sind. Weiter so!

Und heute, noch vor dem ersten Kafi, las ich (diesmal wieder in den Berner Lokalkäseblättern), dass sich die “Umma”, der Dachverband der Muslime im Kanton Bern, aus dem depperten “Haus der Religionen” zurückgezogen hat. Offenbar waren da zuviele interkulturelle Probleme, als dass man sie denn innerhalb eines “kulturverbindenden” Projekts hätte lösen können. Dschango würde das total schade finden, wenn er meinen würde, dass interreligiöser Dialog etwas Gutes wäre. Tut er aber nicht, hahaha!

Und so möchte ich euch, liebe Gemeinde, in den Sonntag entlassen mit den Worten: unsere Gesellschaft braucht nicht mehr Religion, sondern weniger davon. Diese Woche ist der beste Beweis dafür.

Gehet hin in Frieden!