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Auf, auf in eine strahlende Zukunft!

Die Frage spaltet die Nation: darf Satire in Zeiten explodierender Atommeiler überhaupt noch aus dem Haus oder hat sie sich gefälligst im Hinterzimmer zu verstecken, bis der Normalzustand wieder hergestellt ist? Meinereiner hat da ja eine dezidierte Meinung, und dies nicht nur deshalb, weil ich sowieso bei der Mühleberg-Abstimmung ein “Nein” eingelegt und somit ein irgendwie reineres Gewissen als die Mehrheit des Kantons habe.

Klingt vielleicht doof, aber wenn jetzt die grosse (also die wirklich ganz, ganz grosse) Katastrophe kommen würde, dann könnte ich zumindest zum Atompilz hochschauen, der sich über dem AKW Mühleberg bildet, und während meine Augen aus den Höhlen verdampfen und während sich mein Schatten in die Wand hinter mir einbrennt, währenddem könnte ich also die noch verbliebene Augenbraue hochziehen und sagen: “Äbe.”

Aber auch, wenn ich jetzt zu der kurzsichtigeren Hälfte der Berner Bevölkerung gehören würde, müsste ich hier klar sagen: Satire darf alles. Und vor allem: immer.

Ist ja jedem seine eigene Entscheidung, klar. Ich verstehe die beiden Subventionskomiker G&M schon auch, dass sie nicht die “glatten Sieche” spielen wollen, wenn vor und nach ihnen Bilder von havarierten Reaktoren zu sehen sind. Ich frage mich aber: wo ist die Grenze? Wäre eine Satiresendung noch dringelegen, wenn ein Kleinflugzeug abgestürzt wäre? Ein Jumbo, aber ein unbemannter? Ein unbemannter Jumbo, abgestürzt über einem vollen Kindergarten? Einer AIDS-Klinik? Oder kurz: wieviele Tote muss man kurz vor- oder nachher gesehen haben, damit eine Satire-Sendung “nicht mehr verantwortbar” ist? Ein Minenfeld tut sich auf und Dschango empfiehlt allen Berufs-Clowns, statt zu Jammern einfach ihren verdammten Job zu machen.

Ferner wäre noch zu klären, was denn eine adäquate Trauerzeit in Zeiten von Natur- und Menschenkatastrophen wäre. Ist relevant, ab wann in einem Katastrophengebiet keine Menschen mehr sterben oder machen wir dies vom aktuellen Medieninteresse abhängig? Weil, dann wäre beispielsweise klar: über Japan darf man momentan keine Witze reissen. Über Libyen darf man wieder.

Übrigens ist jetzt ja Hochsaison für mein Lieblingswort “betroffen” in all seinen Varietäten. Letzthin habe ich ja schon das Phänomen der Drittbetroffenheit demonstriert, diese Woche habe ich dank der Tagesschau auch noch herausgefunden, dass es da ganz verschiedene Formen von Betroffenheit gibt, sogar eine Steigerung zu “sehr betroffen” ist möglich. Doris Leuthart hat sich ob des Tsunamis immerhin als “sehr betroffen” eingeschätzt – irritierend, wenn man weiss, dass es hier gar keine Tsunamis gibt.

Gibt es eigentlich so wie bei der Richter-Skala eine Betroffenheits-Skala? Ich meine, wo 2 “ich bin schon auch irgendwie betroffen, aber irgendwie geht es mir auch am Arsch vorbei” bedeuten würde, aber eine 10 wäre dann “ich bin so derart betroffen, meine Betroffenheit entwickelt gerade eine eigene Betroffenheit meiner betroffenen Betroffenheit gegenüber”? Man könnte sich dann extrem viele Floskeln sparen und sachlich mitteilen: “meine Betroffenheit ereichte gestern Nacht noch keine 4.2 auf der nach oben offenen Betroffenheitsskala, heute Morgen sah ich dann, dass der kritische Betroffenheitswert von über 7 erreicht wurde” und allen wäre klar, was gemeint ist.

Bei der ganzen Atomdiskussion ist es ja immer wieder dieselbe Leier: was macht man mit dem nuklearen Abfall? Wie entsorgt man potentiell gefährliche, tumbe Bolzen, die völlig nutzlos sind, aber immer noch blödsinnig vor sich hinstrahlen? Im Fall Erich J. Hess wurde diese Woche ein Pilotprojekt gestartet, das aufhorchen lässt: offenbar übernimmt der ORF dankend solche Elemente und integriert sie auch noch in ihre Sendegefässe. Ich wittere hier ein Zukunftsmodell – falls die Österreicher den Fuchs, den Blocher und den Mörgeli auch noch wollen, einfach Bescheid geben, sind alle gratis abzugeben (müssen aber an der Grenze abgeholt werden).

Ich finde es übrigens funny, wieviele Grünparteien wir auf einmal in der Schweiz haben. Plötzlich nimmt sogar “sowohle-alse-auche”-Pelli das Wort “Aussstieg” in den Mund, ohne dass gleich das Wort “Versorgungslücke” hinten nachgeschoben wird. Und vom glühenden, um nicht zu sagen strahlenden Kernkraft-Evangelisten Christian Wasserfallen hört man momentan auch verdächtig wenig.

Sowieso, das arme Wort “Versorgungslücke”… war es vor einem Monat noch der Star unter den Wörtern, blickt es heute schon neidisch zu seinem alten Kumpel “Kernschmelze” hoch, der sich da oben im Scheinwerferlicht feiern lässt. Plötzlich sieht man in allen TV-Kanälen, wie unbeherrschbar Atomenergie ist. Wie wenig wir über die Pulverfässer wissen, die wir zwischen unseren Ärschen und gigantischen Vulkanen installieren. Und wurde anlässlich der Bekanntmachung von Dagobert “Bäre-Babsi” Hayoz’ Rücktritt im “Bund” noch mit apokalyptischen Worten davor gewarnt, dass der Stadt Bern die Katastrophe einer übermächtigen Rot-Grün-Regierung drohe, ist heute allen Kommentatoren klar, dass der Atomausstieg nichts als logisch und eine Frage der Vernunft sei und sie das alles ja schon immer gesagt hätten.

Man muss annehmen, dass gewisse Journalisten und Politiker bereits die Nase zu tief in die Fukushima-Reaktoren gesteckt und sich dabei seltsame DNS-Mutationen eingefangen haben. Weil, Gummihälse, die sind in der Natur sonst eigentlich nicht lebensfähig.




Wie jetzt? Schon wieder Frühling?

Letzthin hat der Schweizer Souverän (sowie seine Souveräne) ja den Tierschutzanwalt wuchtig verworfen. Es ist halt so, dass des Eidgenossen liebstes Tier das Kotelett ist und selbiges am artgerechtesten in der Pfanne gehalten wird. Simple Fakten des Lebens. Letzthin im Büro hatte ich aber mit dem neuen Coder-Gspändli eine Diskussion über Guinness. Nämlich, dass dieses schöne Getränk, von dem sich in Irland ganze Familien schon seit Generationen mehrheitlich ernähren,  hierzulande gleich vierfach vergewaltigt wird:

  • Es ist hier nur in der Memmen-Version “Draught” erhältlich
  • Es wird gerne in Büchsen kredenzt, mit so einer grausligen Gummikugel drin (soll wohl das Überschäumen verhindern)
  • Es wird hier ungern bei mehr als molligen 4° Celsius ausgeschenkt
  • Um das Büchsen-Feeling zu verschwammen, setzt man in hiesigen Gaststätten das aus der Hülse ins Glas gestürzte Bier auf einen Mini-Vibrator, welcher dann dem Guinness aus der Dose zur arttypischen, schaumigen Krone verhilft.

Man kann das oben zusammenfassen mit: schmeckt voll Scheisse.

Und daraus entwickelte sich dann die Idee: wir lancieren einen Bierschutzanwalt! Der dann von Pub zu Pub geht, mit einem Thermometer in der Hand, und überprüft, ob alle Biere auch artgerecht gehalten werden. Dieser Anwalt müsste gleichzeitig natürlich auch Kläger, Richter und Henker sein können – wir dulden keine Toleranz gegenüber Bierquälern!

Das Traurige an der Sache ist: käme so ein Seich an die Urne, das Verhältnis Ja/Nein wäre wohl gerade umgekehrt wie beim Viecheranwalt.

Die ollen Katholen

Jaja, die Mutter aller Kirchen ist mal wieder am Pranger. War ja alles in den Medien, Kindsmissbrauch hier und da, grosses Drama, die Obrigkeit hält sich mit systeminterner Kritik nobel zurück, unterstützt die Täter und fordert von den Opfern Initiative, die verklemmte Haltung zur Sexualität ist sicher nicht der Grund, neineneineinen, also alles wie gehabt. Wäre da nicht ein gewisser Bischof Mixa, der meint, diese Vorfälle wären auch Ergebnis der “sogenannten sexuellen Revolution“.

Seltsam, wie eine gesellschaftliche Entwicklung just in der Institution, die sich dieser Entwicklung seit jeher am vehementesten entgegenstemmt hat, ihre reichste Blütenpracht entfalten kann.

Confessions of a Stupid Old Man

Apropos traurig: da war ja neulich im TagiMagi ein Artikel über den Peter Bichsel, der nur noch als Karikatur seiner selbst auftritt (die Parodie von Mike Müller wirkt mittlerweile echter als das Original). Ganz besonders witzig ist der Bichselsche Gottesbeweis, den ich hier in verkürzter Form wiedergebe:

  • Prämisse 1: In Solothurn lebt ein vom Leben und sich selbst enttäuschter alter Mann, der früher mal ganz OK geschreibt hat.
  • Prämisse 2: Dieser alte Mann bringt es nicht auf die Reihe, aus eigenem Antrieb Lebenssinn zu entwickeln, sondern meint, dass dieser Sinn ihn gefälligst in einer Beiz anspringen solle.
  • Prämisse 3: Der alte Mann weiss zwar nicht, ob er an Gott glaubt, braucht ihn aber, um Sinn zu schaffen und damit sich der Bichsel noch auf etwas freuen kann.
  • Logische Schlussfolgerung: Gott existiert!

Lieber Peter, such dir doch ein Fumoir und bleib da drin, bis die Asche, die du produzierst, von dir selbst nicht mehr zu unterscheiden ist. Die Tour de France findet ihren Weg über den TV auch ins Flora – da musst du nicht unbedingt einen Dokumentarfilmer bis in ein Pariser Hotelzimmer mitschleppen.

Evi löst das Problem der Jugendgewalt

Mittlerweile weiss man ja, wo das Hauptproblem der Jugend zu verorten ist. Es ist nicht die Unwilligkeit der Politik, massiv in Bildung zu investieren. Es ist auch nicht die krude Auffassung von Integration, die hierzulande gepflegt wird (“lasst sie einfach alle kommen, es wird ihnen derart gefallen hier, dass sie sich von selbst integrieren”). Und natürlich ist auch nicht der Leistungsdruck schuld, nicht der alltägliche Medienwahn, nicht die fehlenden Zukunftsperspektiven. Es liegt nicht daran, dass wir als Gesamtgesellschaft kein Bild davon haben, wohin wir uns entwickeln sollen und auch nicht daran, dass die einzigen Führerfiguren, die wir haben, wirklich das sind: führende Figuren.

Nein, Schuld an allem sind Killerspiele.

Schon nur das Wort: ich kenne Kartenspiele, da spielt man mit Karten. Ich kenne Brettspiele, die spielt man mit Brettern. Gesellschaftsspiele werden in Gesellschaft gespielt, Geschicklichkeitsspiele benötigen Geschicklichkeit. Und Killerspiele? Benötigt man da Killer dazu? Spielt man diese mit anderen Killern? Oder dient der Killer gar als Spielfeld? Man weiss es nicht.

Obwohl also eine gewisse Unschärfe bezüglich dieses Begriffs besteht, ist man sich darüber einig, dass solches verboten gehört. Wegen den Kindern. Und ja, nicht nur für Kinder verboten, sondern für alle. Weil es ja bekanntlich allen Kindern schadet, wenn ein Erwachsener zum Zwecke des Zeitvertreibs auf animierte Pixel schiesst. Das Statement von Rolf Schweiger in 10vor10, das betreffe ja sowieso nur ein paar tausend Leute, die Einschränkung der Freiheit sei hier also zumutbar, finde ich schon noch bemerkenswert, vor allem von einem FDPler. Wieviele Millionäre gibt es in der Schweiz? Nur ein paar tausend? Warum beschlagnahmen wir denen nicht ihr Prvatvermögen und senken dafür die Steuern für alle anderen? Sind ja nur ein paar tausend, die Einschränkung deren persönlicher Freiheit ist hier also, da der Gesamtgesellschaft förderlich, durchaus zumutbar. Und denkt endlich mal jemand an die Kinder?!?

Dschango denkt natürlich an die Kinder. Und er weiss, dass heutige Kinder ihren Erziehungsberechtigen in technologischer Hinsicht weit voraus sind. Die Tatsache, dass sich ein in der Agglomeration amtierender und vom Zufall in die Politik gespülten Lehrer von einem Verkaufsverbot davon abhalten lässt, ein “Killerspiel” zu spielen, beweist nur, dass der Lehrer eine vorgestrige Nulpe ist. Es gibt kein Spiel, keinen Film und kein Buch, das heute nicht innert Minutenfrist auf die heimische Festplatte gesaugt werden kann. Minimales technisches Verständnis vorausgesetzt, das bei der Zielgruppe (Kinder) vorhanden ist, bei den Bedenkenträgern aber komplett fehlt.

Und da ja das Kinder-Argument immer verfängt: wieviele Kinder sterben jedes Jahr durch den Strassenverkehr? Wieviele Kinder und Jugendliche werden jedes Wochenende in den Entnüchterungszellen eingeliefert? Muss die Konsequenz nicht sein, dass man Autofahren und Alkohol verbietet, um die armen, armen Kinder zu schützen? Und wenn wir Gewaltverherrlichendes und Intolerantes konsequent verbieten wollen: wo ist der Bann für die Bibel? Für den Koran? Das SVP-Parteiprogramm?

Ja, noch wegen SVP… obwohl ich mir jetzt wohl einen Monat lang die Hände zwangswaschen muss: der Führerlehrling Erich J. Hess setzt sich in einem überparteilichen Kommitee dafür ein, dass dieses Verbot nicht durchkommt. Und vorgestern im 10vor10 hat er fast intelligent gewirkt, wie er da seinen auswendig gelernten Satz aufgesagt hat. Ist ein bisschen wie beim Matthias Stürmer, der einerseits als von mir hochgeschätzter Kämpfer für Open Source Software agitiert, andererseits aber auch ein Jesus-Fundi mit gesellschaftlichen Ansichten aus der Bronzezeit ist.

Hat eben alles zwei Seiten. Mindestens.

Die grössten Kritiker der Elche…

… waren früher selbst mal welche, so sagt bekanntlich der Volksmund, der ja immer recht hat. Sagt ihrerseits zumindest wieder die SVP, die aber im Moment ein grosses Problem hat: wie macht man dem unfehlbaren Volk klar, dass man zwar einen Haufen Abzocker in den eigenen Reihen hat, deshalb eigentlich gegen jegliche regulative Eingriffe in die Wirtschaft ist, sich aber gleichzeitig gegen die Linke positionieren muss, die blöderweise ein recht populäres Anliegen bereits seit gefühlten zwei Milliarden Jahren predigt, das von der SVP, andererseits, wiederum seit gefühlten vier Milliarden Jahren, verlacht und verhetzt wird, wie also macht man diesem Volk weis, dass man doch auch irgendwie gegen Abzockerei in der Wirtschaft ist? Ganz einfach: man nimmt denjenigen Herrn, der in den 90ern das Mantra des “mehr, mehr, mehr!” erfolgreich in der Schweiz eingeführt hat, schliesse diesen mit dem nicht wirklich mit Intelligenz und politischem Gespür gesegneten Initianten der Abzocker-Initiative eine Woche lang in einen fensterlosen Raum, und voilà, schon haben wir:

  • eine eigentlich sinnvolle Initiative, die ständig davor bedroht ist, zurückgezogen zu werden
  • einen Gegenvorschlag, der in den Erweiterungen interessant, im Kern aber jämmerlich ist
  • einen gescheiterten Alt-Bundesrat, der endlich mal wieder Auftritte im TV bekommt und sich als (millionenschwerer, aber egal) Paulus und volksnahen Kümmerer aufspielen kann.

Es kann einfach nur Gewinner geben. Genau wie bei der Sicherheits-Initiative, die von Philippe “was tut der eigentlich genau?” Müller erfolgreich aufgegleist wurde und an der Urne jämmerlich gescheitert ist. Am Montag nach der Abstimmung fühlte sich der Dschango dann im komplett falschen Film, weil sowohl Müller als auch die Medien die Ablehnung der Initiative als Sieg für Müller werteten.

Und in neun Tagen sind Grossratswahlen im Kanton Bern. Am liebsten würde ich mich schon heute ins Koma saufen.




Denunziärän Sie jätzt!

Ach du meine Güte. Die Stadtberner SVP läuft wieder mal Amok.

Erich J. Hess aka. “Där Föhrär” hat sich mit seiner rechtswinkligen Spielgruppe wieder mal dem Dossier Sozialhilfe angenommen und eine Hotline für Verdachtsmeldungen zu Sozialhilfemissbrauch eingerichtet. So weit, so schlecht.

Manchmal ist ja das Ansinnen von jemandem rechtens, auch wenn es bei der Umsetzung dann etwas holpert und klemmt. Aber bei Erich und seinen Rattenkindern kann ich nicht mal ansatzweise so etwas wie ein berechtigtes Ansinnen erkennen, aus dieser Ecke kommt einfach nur gequirlte Scheisse.

Ganz übel wird es, wenn man ein wenig historisches Gspüri walten lässt. Hotlines für Denunzierungen haben einen ganz üblen Nebengeschmack. Kommt noch dazu, dass nicht mal eine Lücke gefüllt wird. Der Stadtverwaltung kann man ja bereits Unstimmigkeiten melden, und das erst noch bei der zuständigen Behörde selbst, so quasi ohne Umweg über irgendwelche dubiosen Stellen ohne städtisches Qualitätsmanagement.

Manchen Politikern ist wirklich jeder Scheiss recht, um mal wieder in der Zeitung zu stehen. Echt jetzt.