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Au plaisir

Chères et chers, me voilà. Bitte um Verzeihung, es hat ein wenig länger gedauert als geplant.

Es war nicht etwa eine falsche Einschätzung meines werten Kollegen Magnussen, der sich ja jetzt in Schweden einen abfriert, nein, ich wurde schlicht und einfach von meinem noch nicht ganz ausgereiften Zeitmanagement und ein paar kleinen Sachzwängen abgelenkt.

Und was ganz blöd ist: Meine Themen, die ich abzuhandeln plante, sind zum einen leider in nuklearem Rauch aufgegangen und werden zum anderen in diesem Augenblick von der zerstrittenen Nato abgeklatscht.

Realität essen Text auf.

Ich wage es aber nicht, hier einfach so mit leeren Händen aufzukreuzen.

Darum werfen wir einen Blick auf ein Thema, das eigentlich auf immer und ewig brandaktuell ist, aber momentan im allgemeinen Bomben- und Nuklearhagel leicht untergeht.

Donc: In Deutschen Landen, wo ich übrigens die eine Hälfte meiner doppelt gemoppelten Staatsangehörigkeit her habe, wurde in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl abgehalten.

Eigentlich ist es ja beruhigend zu berichten, dass es die NPD nicht in den Sächsischen Landtag geschafft hat. 4,6 Prozent Wählerstimmen reichen nun mal nicht. Mais attention, mesdames et messieurs, denn Sachsen-Anhalt hat knapp 2,4 Millionen Einwohner. Das heisst also, dass mindestens zig-tausende Wähler diesen Connards und ihren verblödeten Kameradschaften ihre Stimme gegeben haben.

Das ist nach wie vor beachtlich und für mich weiterhin ein solider Grund, eine persönliche Sperrzone um den Deutschen Osten, zumindest Teile davon,  zu legen.

Schauen wir nun ein paar Steinwürfe westwärts, in meine zweite Heimat Fronkräisch.

Etwas gar gemischte Gefühle habe ich bei Marine Le Pen, Anwältin, stramme Französin und Tochter des alten Fröntler-Haudegens Jean-Marie Le Pen, die anfangs Jahr zur Chefin des Front National gewählt wurde.

Im Vergleich zum polternden Papa ist die Dame geradezu dezent und aerodynamisch, man könnte schon fast sagen angenehm. Jedenfalls scheinbar, denn der Inhalt ist natürlich immer noch übelst rechtsnationalistisch und rassistisch, die Verpackung aber ist einiges dezenter.

Ein Drachen im Schafspelz, sozusagen.

Während Jean-Marie Le Pen, der ja eigentlich unwählbar ist, es sogar bis in die Stichwahl gegen Chirac schaffte, kann man sich sein Töchterchen auch ohne viel Fantasie problemlos als Präsidentin vorstellen, spätestens seit speedy Sarkozy sind die Türen weit offen für solche Szenarien.

Im heutigen politischen Klima ist so eine Person für viele Leute wählbar, gerade weil sie sich von dem ganzen Fröntler-Kram distanziert und Fragen stellt wie “ist es denn falsch, für die Interessen Frankreichs und seine Identität einzustehen?”.

So etwas sagen in Frankreich auch Sozialisten.

Gerade dieser Ton, diese Musik, gibt freiheitsliebenden Demokratie-Fans wie mir unheimlich zu denken.

Es wäre nicht das erste mal, dass der Front National nach einer freundlichen Einleitung das Schafskostüm ablegt und sein wahres Naturell zeigt.




Thilo, wir fahr’n nach nirgendwo.

Diese Tage wurde schrecklich viel über Thilo Sarrazin geschrieben und er hat auch viel gesagt. Sehr viel sogar. Wir haben für unsere werte Leserschaft die ganze Geschichte handlich zusammengefasst, frei nach Dieter Nuhr:

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.

Adiömerci.




Noch ein Häppchen vom News-Buffet?


Auch du bist Deutschland?

Nö, aber den ESC haben wir — Überraschung! — wieder mal verserbelt. Trotz brilliantem Michi in Gold (habe ich mir sagen lassen), es hat nix geholfen. Vermutlich hat das protzige Goldjäckchen in Zeiten der Krise nicht den richtigen Ton getroffen.

Warum tun wir uns so einen Scheiss überhaupt an? Ich bin für den bedingungslosen Rückzug, weil irgendwann muss man es einfach gut sein lassen. Es geht da unter anderem um Würde und solches Gedöns, aber mir hört ja eh keiner zu.

Dafür hat die über-gehypteste Landpomeranze der Neuzeit (mit Pilgererfahrung im Jesus-Camp light) ohne richtige Singstimme und mit Englischem Fantasie-Akzent den Laden gerockt. Alle sind Lena, oder so.

Na ja. Soll mal einer die Teutonen oder den ESC an sich verstehen.


Shalom und Tschüss!

Bei den Israelis piepts wieder mal in den höchsten Tönen. Dafür ernten sie jetzt ziemliche Misstöne aus aller Welt, was auch absolut gerechtfertigt ist. Wir schliessen uns dem Geheule gerne an.

Bezüglich der Lösung für die Nahost-Frage halte ich es mit Henrik M. Broder. Der fand mal (irgendwo, Link leider verloren), dass man die Israelis mitsamt Sack und Pack am besten nach Ostdeutschland umsiedeln sollte.

Liegt irgendwie auf der Hand: Die Ossis sind ihre demographischen und strukturellen Probleme los (man denke nur an die knackigen Israelinnen!) und der Nahe Osten kann aufatmen und endlich wieder in Ruhe die Eselchen über die Golanhöhen treiben, ohne über lästige Siedler zu stolpern.

Idylle pur.


Läuft doch wie geschmiert…

Last but not least möchte ich noch, sozusagen fürs Protokoll, unseren Unmut über die trübe Brühe loswerden, die seit längerem den Golf von Mexiko braun einfärbt. Die ganze Sache ist einfach nur ein Trauerspiel erster Güte, mehr fällt mir da echt auch nicht ein.

Wir fassen zusammen: Daumenschrauben light für Deutschland-Lena und den ESC, einmal extra-fest für die Verantwortlichen in Israel und nochmals extra-fest für die versammelten Öl-Trottel dieser Welt.




Ze Dschörman Gründlichkeit

Da haben wir den Salat. Jahrelang ist es gut gegangen, nun knallt es das eine ums andere mal. Alle wollen sie uns ans Ersparte.

Ich bin der Sache gegenüber, gelinde gesagt, etwas ambivalent. Da ist einerseits diese unmögliche Schweizer Tugend, dass wir jahrelang von jedem Dahergelaufenen dankbar jede Kohle angenommen haben. Und ja, wir haben gewusst, mit was für dubiosen Gestalten wir da geschäften. Und nein, wir haben nicht hingeschaut, woher die Knete kommt.

Andererseits gibts diesen klammen Riesenstaat nördlich von uns, dem die letzte territoriale Akquisition finanziel nicht so bekommen ist. Schon klar, vierzig Jahre Sozialismus kann man nicht eben schnell mal in ein paar Jahren weg sanieren.

Und dann gibt es noch so etwas wie staatspolitischen Realismus, der jegliche moralische Diskussion überflüssig macht. Es sind nur Ideologen (sprich: Idioten), die an dem ganzen Vorgang, geklaute Daten zu kaufen und staatlich zu verwerten, moralische Kritik üben. Es gab auch schon vor 9/11 politische Vorgänge, die kaum zu ertragen sind, und doch nötig scheinen.

Wo bitte bleibt die realistische, ideologiebefreite Diskussion, wie wir mit ausgehungerten Staatsfinanzen und deren Auswüchsen umgehen sollten? Der Bundesrat (vor allem unser Appizöller Schatzchäschtlimeischter) macht die gleich dumme Fresse wie eh und jeh und übt sich in Duldungsstarre, während der Deutsche Michel das Bankenwesen von hinten pimpert. Die Presse ersäuft im populistischen Geschrei, und der einseitig informierte Schweizer Bürger hat die Hosen voll, dass uns die Deutschen nach den Jobs noch das Ersparte wegnehmen. Arme Schweiz…

Vorschlag zur Güte: Die Deutschen kriegen ihre gesammelten Vermögen zurück, zusammen mit einer Ladung Ausgewanderter, die uns ja eh nur die Jobs wegnehmen und für unsere sensiblen Öhrchen viel zu forsch tönen.

Damit hätten wir zwei Probleme auf einmal gelöst: keine Steuerprobleme mehr mit dem Land der Dichten und Lenker, und das fehlende Geld kompensieren wir mit den wegfallenden Lohnsummen unserer teutonischen, zukünftigen Ex-Kollegen.

Manchmal sind die einfachsten Lösungen am effizientesten. Ich glaube, da nehme ich zur Feier des Tages ein Gläschen darauf.




Peer Steinbrück, Finanzminister.

Werter Genosse Steinbrück

Ich verfolge die deutsche Politik mit grossem Interesse, lebe ich doch in dem kleinen Schurkenstaat am Südrand der Bundesrepublik. Sie haben ja jüngst für ein wenig Unruhe gesorgt, als Sie die Schweiz leicht undifferenziert angegriffen haben. Ich bin zwar längstens nicht einig mit Ihnen, habe jedoch eine gewisse Sympathie für Menschen, die deutliche Aussagen machen. Bei dem schon fast pathologischen Harmoniebedürfnis in der öffentlich-politischen Schweiz sind deutliche Aussagen generell erfrischend und wünschenswert.

Aber da gibt es das eine oder andere klitzekleine Problemchen. Es ist bespielsweise ein wenig dümmlich so zu argumentieren, als ob das schweizer Bankgeheimnis noch Wasserdicht und für die deutsche Finanzmisere mitverantwortlich wäre – da wurden Sie wohl falsch informiert oder Sie haben schlicht zu wenig sorgfältig nachgelesen. Dann wären da die Gewerkschaften, die in Deutschland deutlich über ihre eigentliche Existenzberechtigung hinaus Einfluss nehmen auf eine Art und Weise, die man getrost als wirtschaftsschädlich bezeichnen kann. Dann wäre da das selbst von gewieften Experten als unsäglich kompliziert titulierte deutsche Steuerrecht, dass offenbar von niemandem so richtig verstanden wird und teilweise sehr unfair zu sein scheint. Dann wären, last but not least, noch die EU-Gesetze zu erwähnen, an denen Deutschland eifrig mitgearbeitet hat, die einen 5-Nasen-Betrieb dazu zwingen eine Person alleine für den ganzen Bürokratiescheiss abzustellen. Effizient ist anders.

Dies, werter Genosse, sind allesamt sehr triftige Gründe, warum in Deutschland die Kacke dermassen am dampfen ist. Einen direkten Zusammenhang mit der Schweiz kann ich da noch nicht erkennen. So gesehen haben Sie mit ihren Angriffen ein bisschen in der eigenen Küche rumgeballert.

Natürlich sind Schweizerlinge auch keine Engel, man hat hierzulande viel zu lange nicht genau genug hingesehen, wenn die berühmten Geldkoffer nach Zürich, Genf oder Bern gebracht wurden. Andererseits gibt es hier mittlerweile und bereits seit Jahren eines der strengsten Geldwäschereigesetze auf der Welt, was man vielleicht auch in Betracht ziehen sollte. Und, um endlich auf des Pudels Kern zu kommen: Wenn Ihnen, werter Genosse, die guten Steuerzahler dermassen abhanden kommen, dann kann es nur daran liegen, dass anderswo steuerlich bessere und – vor allem – gerechtere Bedingungen herschen. Wenn Sie aber in einem Anfall von fehlender Selbstreflektion die Schweiz in einen Topf mit Despoten und Schurkenstaaten werfen, dann haftet ihnen sofort der Makel des undifferenzierten Lautsprechers an. Das ist ein Stereotyp, der seit dem zweiten Weltkrieg hierzulande tief verborgene Ängste, Ressentiments und Ablehnung hervorruft. Das sollten Sie bedenken, bevor Sie das nächste mal ihre Giftspritzen gen Süden richten.

Alles Gute und nicht zu fest ins Fettnäpfchen treten,

Ihr bestens unterhaltener Nasse Magnussen