Artikel, die mit ‘deutschland’ getaggt wurden

Ze Dschörman Gründlichkeit

Da haben wir den Salat. Jahrelang ist es gut gegangen, nun knallt es das eine ums andere mal. Alle wollen sie uns ans Ersparte.

Ich bin der Sache gegenüber, gelinde gesagt, etwas ambivalent. Da ist einerseits diese unmögliche Schweizer Tugend, dass wir jahrelang von jedem Dahergelaufenen dankbar jede Kohle angenommen haben. Und ja, wir haben gewusst, mit was für dubiosen Gestalten wir da geschäften. Und nein, wir haben nicht hingeschaut, woher die Knete kommt.

Andererseits gibts diesen klammen Riesenstaat nördlich von uns, dem die letzte territoriale Akquisition finanziel nicht so bekommen ist. Schon klar, vierzig Jahre Sozialismus kann man nicht eben schnell mal in ein paar Jahren weg sanieren.

Und dann gibt es noch so etwas wie staatspolitischen Realismus, der jegliche moralische Diskussion überflüssig macht. Es sind nur Ideologen (sprich: Idioten), die an dem ganzen Vorgang, geklaute Daten zu kaufen und staatlich zu verwerten, moralische Kritik üben. Es gab auch schon vor 9/11 politische Vorgänge, die kaum zu ertragen sind, und doch nötig scheinen.

Wo bitte bleibt die realistische, ideologiebefreite Diskussion, wie wir mit ausgehungerten Staatsfinanzen und deren Auswüchsen umgehen sollten? Der Bundesrat (vor allem unser Appizöller Schatzchäschtlimeischter) macht die gleich dumme Fresse wie eh und jeh und übt sich in Duldungsstarre, während der Deutsche Michel das Bankenwesen von hinten pimpert. Die Presse ersäuft im populistischen Geschrei, und der einseitig informierte Schweizer Bürger hat die Hosen voll, dass uns die Deutschen nach den Jobs noch das Ersparte wegnehmen. Arme Schweiz…

Vorschlag zur Güte: Die Deutschen kriegen ihre gesammelten Vermögen zurück, zusammen mit einer Ladung Ausgewanderter, die uns ja eh nur die Jobs wegnehmen und für unsere sensiblen Öhrchen viel zu forsch tönen.

Damit hätten wir zwei Probleme auf einmal gelöst: keine Steuerprobleme mehr mit dem Land der Dichten und Lenker, und das fehlende Geld kompensieren wir mit den wegfallenden Lohnsummen unserer teutonischen, zukünftigen Ex-Kollegen.

Manchmal sind die einfachsten Lösungen am effizientesten. Ich glaube, da nehme ich zur Feier des Tages ein Gläschen darauf.




Peer Steinbrück, Finanzminister.

Werter Genosse Steinbrück

Ich verfolge die deutsche Politik mit grossem Interesse, lebe ich doch in dem kleinen Schurkenstaat am Südrand der Bundesrepublik. Sie haben ja jüngst für ein wenig Unruhe gesorgt, als Sie die Schweiz leicht undifferenziert angegriffen haben. Ich bin zwar längstens nicht einig mit Ihnen, habe jedoch eine gewisse Sympathie für Menschen, die deutliche Aussagen machen. Bei dem schon fast pathologischen Harmoniebedürfnis in der öffentlich-politischen Schweiz sind deutliche Aussagen generell erfrischend und wünschenswert.

Aber da gibt es das eine oder andere klitzekleine Problemchen. Es ist bespielsweise ein wenig dümmlich so zu argumentieren, als ob das schweizer Bankgeheimnis noch Wasserdicht und für die deutsche Finanzmisere mitverantwortlich wäre – da wurden Sie wohl falsch informiert oder Sie haben schlicht zu wenig sorgfältig nachgelesen. Dann wären da die Gewerkschaften, die in Deutschland deutlich über ihre eigentliche Existenzberechtigung hinaus Einfluss nehmen auf eine Art und Weise, die man getrost als wirtschaftsschädlich bezeichnen kann. Dann wäre da das selbst von gewieften Experten als unsäglich kompliziert titulierte deutsche Steuerrecht, dass offenbar von niemandem so richtig verstanden wird und teilweise sehr unfair zu sein scheint. Dann wären, last but not least, noch die EU-Gesetze zu erwähnen, an denen Deutschland eifrig mitgearbeitet hat, die einen 5-Nasen-Betrieb dazu zwingen eine Person alleine für den ganzen Bürokratiescheiss abzustellen. Effizient ist anders.

Dies, werter Genosse, sind allesamt sehr triftige Gründe, warum in Deutschland die Kacke dermassen am dampfen ist. Einen direkten Zusammenhang mit der Schweiz kann ich da noch nicht erkennen. So gesehen haben Sie mit ihren Angriffen ein bisschen in der eigenen Küche rumgeballert.

Natürlich sind Schweizerlinge auch keine Engel, man hat hierzulande viel zu lange nicht genau genug hingesehen, wenn die berühmten Geldkoffer nach Zürich, Genf oder Bern gebracht wurden. Andererseits gibt es hier mittlerweile und bereits seit Jahren eines der strengsten Geldwäschereigesetze auf der Welt, was man vielleicht auch in Betracht ziehen sollte. Und, um endlich auf des Pudels Kern zu kommen: Wenn Ihnen, werter Genosse, die guten Steuerzahler dermassen abhanden kommen, dann kann es nur daran liegen, dass anderswo steuerlich bessere und – vor allem – gerechtere Bedingungen herschen. Wenn Sie aber in einem Anfall von fehlender Selbstreflektion die Schweiz in einen Topf mit Despoten und Schurkenstaaten werfen, dann haftet ihnen sofort der Makel des undifferenzierten Lautsprechers an. Das ist ein Stereotyp, der seit dem zweiten Weltkrieg hierzulande tief verborgene Ängste, Ressentiments und Ablehnung hervorruft. Das sollten Sie bedenken, bevor Sie das nächste mal ihre Giftspritzen gen Süden richten.

Alles Gute und nicht zu fest ins Fettnäpfchen treten,

Ihr bestens unterhaltener Nasse Magnussen