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Afghani oder afghani nid?

Man muss sich manchmal auch was gönnen.

Hase und ich haben deshalb unsere Ängste und Sorgen überwunden und uns in ein noch wenig erforschtes Gebiet aufgemacht, um dort die lokalen Besonderheiten und Gebräuche zu studieren. Und so nebenbei bissi im Schnee rumzutoben. Gerne, als Kontrastprogramm zu unserem normalen Leben, in ein Gebiet, das von religiösen Fundamentalisten und/oder politischen Autokraten beherrscht wird. Im Grunde genommen hatten wir also nur Weissrussland, die Kandahar-Region oder das Wallis zur Auswahl – wir entschieden uns dann, weil niedrigster CO2-Footprint, für letzteres und sind auf die Bettmeralp gefahren.

Gypsy Kitchen!

Gut, wir haben auch festgestellt, dass das Wallis jedes Jahr ungefähr gleichviel Entwicklungshilfe und Wirtschaftsförderung wie Afghanistan und Weissrussland zusammen erhält, von dem her wollten wir doch auch mal sehen, was die mit unserem Geld so machen den ganzen Tag. Hase hatte im Internet eine Ferienwohnung gesucht und auch gefunden – sie war zwar schweineteuer, aber immerhin ausgezeichnet ausgestattet. Meine Wenigkeit war ja primär an der Küche interessiert und dementsprechend hocherfreut, als ich feststellen durfte, dass es die mit Abstand besteingerichtete Ferienwohnung war, die ich je zu mieten das Vergnügen hatte. Ich sag jetzt natürlich nicht, wo die Wohung genau war, weil ich vermeiden will, dass schon wieder eine Dschango Beinhart-Gedenkstätte eingerichtet wird, aber nur soviel: man hatte seitens Besitzerfamilie sogar daran gedacht, itauiänische Espresso-Maschinen in dreifacher Ausführung (klein, mittel, gross) anzuschaffen. Und da der Dschango auch ein nettes Sortiment an Pfannen und Töpfen sowie ein ordentlich geschliffenes, grosses Messer vorfand, konnte dem erholsamen Aufenthalt eigentlich gar nichts mehr im Weg stehen.

Man kann vorausschickend sagen, dass man im Wallis, den durchaus berechtigten Vorurteilen zum Trotz, einen ganz hübschen Urlaub verleben kann. Auch sind die Walliser gar nicht so schlimm, wie sie in den Medien dargestellt werden. Man muss im Umgang mit ihnen einfach folgende Themen meiden:

  • die Jagd im Allgemeinen, Wölfe im Speziellen
  • Zahlungsausgleich
  • Subventionen
  • Umweltschutz
  • Religion, v.a. die Abwesenheit derselben
  • Politik
  • Militär / Schusswaffenbesitz
  • Heli-Skiing
  • Klimawandel
  • Frauenrechte
  • Minderheitenrechte
  • Europa
  • EU und UNO (wenn nicht in der Rolle als Geldgeberinnen)

Als Faustregel darf gelten: was an einem normalen Familientreffen nicht zur Katastrophe führt, wird auch im Gespräch mit Wallisern in der Regel friedlich enden (your family may vary). Und wie an einem Familientreffen machen grosse Mengen an Alkohol die Sache weit erträglicher.

Übrigens durfte ich feststellen, dass die Bettmeralp und benachbarte Gebiete (ich nehme an, das gilt auch für den Rest des Wallis) ein Paradies ist. Jetzt nicht primär ein Paradies für Wandervögel oder Wintersportbegeisterte, sondern auch und vor allem ein Paradies für den Deppenapostroph. Dieser war derart inflationär in Gebrauch, dass ich mir überlege, ihn zukünftig nur noch “Bettmerapostroph” zu nennen. Die nachfolgende Lichtbildreihe, die keineswegs Anspruch auf auch nur annähernde Vollständigkeit erhebt, mag dies belegen.

Bettmerapostroph 1

Bettmerapostroph 1 - der zeitlose Klassiker

Bettmerapostroph 2 - originell!

Bettmerapostroph 3 - die absolute Härte

Auffallend ist, dass die Walliser für viele Dinge eine ganz eigene Bezeichnung haben. Dies hat nichts mit dem Walliser Dialekt zu tun, sondern nur mit der Tatsache, dass einige Dinge jenseits des Tunnels einfach ganz anders laufen. Ein Beispiel wäre hier der Begriff “autofrei”. Die Bettmeralp wirbt ja damit, autofrei zu sein. Nun stellt sich der strunznormale Tourist unter “autofrei” vor, dass er während seines Aufenthalts davon entbunden ist, Abgase aus Motorfahrzeugen einzuatmen. Auf der Bettmeralp bedeutet “autofrei” aber nur, dass keine vierrädrigen Personenwagen auf den Strassen fahren, was aufgrund der Topographie sowieso unmöglich wäre. Stattdessen hat man dort auf das CO2-freundliche und völlig lärmneutrale Fahrzeug “Motorschlitten” gesetzt und mutmasslich jedem Einwohner von Betten mit einem IQ von über 30 so ein Teil geschenkt, was dazu führt, dass man vor der Seilbahnstation innert fünf Minuten ungefähr dieselbe Menge an Feinstaub und Zweitakter-Abgasen einatmet, wie wenn man sich während einer Stunde in Zürich ans Central gestellt hätte. Aber Autos im Sinne von vierrädrigen PKWs, das muss man sagen, haben wir die ganze Woche über tatsächlich keine gesehen.

Interessant ist auch, wie sich die Touristen in einem “autofreien” Gebiet verhalten. Ungedenk der Tatsache, dass ständig Monstertrucks auf Raupen in einem Arschtempo durchs Dorf heizen, lassen Unterschweizer mit einem seligen Grinsen im Gesicht ihre Brut völlig sorglos umhertoben, beziehungsweise sich auf der Strasse hin- und herwälzen. Das Kind an sich verhält sich bei akuter Gefahr ja ähnlich wie das gemeine Reh, nämlich entweder mit Flucht oder mit Schockstarre. Der Fluchtreflex wird aber offenbar durch Winterkleidung und Schnudernase massgeblich behindert, so dass nur die Starre als adäquate Reaktion bleibt. Herzerfrischend, mitanzusehen, wie so einem Laurin oder einer Leonie vor einem 1.5 Tonnen schweren Dröhnmaschin der Kiefer runterklappt, weil der dumme Bratz gerade gemerkt hat, dass nur die just vollstreckte Vollbremsung des umsichtigen Chauffeurs sein Ende als Fettfleck auf Schnee verhindert hat. Gut, bei einigen Kindern hatten wir den Eindruck, als ob die Eltern das absichtlich machen würden (“Herr Richter, wir können doch nichts dafür, da stand ja extra noch autofrei!”). Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Und nochwas zum Thema Motorschlitten: für eine Fahrt von der Seilbahnstation zu unserer Wohnung (Fahrtzeit: grob geschätzte 12 Sekunden) durften wir SFr. 30.- (in Worten: dreissig) abdrücken. Zum Vergleich: mit dreissig Franken fahre ich hier mit dem Taxi einmal quer durch Bern und wieder retour. Dass uns der grenzdebile Freizeit-Schlittler auch noch am völlig falschen Ort rausgeschmissen hat und ich anschliessend auf Abwege geriet, deshalb auf die Schnautze knallte und dabei mein eh schon lädiertes Knie in schmerzhafter Weise in den Boden rammte, war in den dreissig Eiern glücklicherweise bereits inbegriffen.

Zum Schnee nur soviel: es hatte Unmengen von dem Zeug. Überall. Hase kam gar nicht mehr aus dem Vergischplen raus und mir, das muss ich zugeben, hing das Material nach vier Tagen doch schon ganz ordentlich aus dem Hals. Auch zeigte man sich auf der Bettmeralp mir gegenüber extrem unkooperativ, indem man jede Nacht den plattgedrückten und runtergeskifahrten Schnee wieder durch Neumaterial aus Schneekanonen und -lanzen ersetzte, wodurch es am nächsten Morgen dann wieder genauso aussah wie am Tag davor. Jede Nacht konnte man buchstäblich mit ansehen, wie sich an den Hängen unsere Steuern in weisses Rutschmaterial verwandelten. Es wäre ein wunderschöner Anblick gewesen, hätte es nicht so einen Höllenlärm veranstaltet.

Oben blau und unten weiss. Viel mehr gab es da eigentlich nicht zu sehen.

Oh, und apropos Schnee: wir waren ja auch noch Schneeschuhlaufen. Das war ein grosser Spass! Weil wir Memmen und blutige Anfänger sind, dachten wir uns, wir schliessen uns vielleicht besser einer geführten Schneeschuhwanderung an und entschieden uns dann für eine Tour mit Ed Kummer, einem alten Hasen im Geschäft. Ed heisst mit vollständigem Namen übrigens weder Edgar, noch Eduard, noch Theodor, sondern Edelbert, I shit you not. Nun ja, der Marsch war lange und grandios, dem Aletsch-Gletscher entlang und durch den Aletsch-Wald, ein Traum. Im Übrigen ist Schneeschuhlaufen relativ einfach und gar nicht so anstrengend, wie ich meinte. Hase hat dann auch noch stellvertretend für die Gruppe und zur Erheiterung derselben herausgefunden, dass man in Schneeschuhen nicht rückwärts gehen kann. Hei, was haben wir gelacht.

Nach etwa vier Stunden im Schnee waren wir dann auch relativ gebacken und wollten unbedingt etwas futtern. Das stellte uns aber vor einige logistische Probleme. Wir befanden uns nämlich auf der Riederfurka und wir wollten auf der Bettmeralp einkehren, was erstmal eine gute Stunde Marsch bedeutet. Gut, soweit kein Problem. Wenn man aber einen langen, unanstrengenden Weg geht, kommt man ins Plaudern. Und wenn man gehend und plaudernd Hunger hat, spricht man darüber, was man bald essen möchte. Und irgendwie hatten wir uns die fixe Idee “Raclette” eingebrockt. Auf der Bettmeralp angekommen, hatten wir uns die ganze Zeit schon auf Raclette gefreut und waren entsprechend giggerig auf das Zeug. Womit wir aber nicht gerechnet haben: nirgends ist es schwieriger, an ein Walliser Raclette zu gelangen, als im Wallis.

Ja, gut, in der einen oder anderen Beiz hätten wir wohl ein Raclette kredenzt bekommen können. Aber, und dieses aber muss ich gleich fett wiederholen, aber also ist es rein vom ökonomischen Standpunkt her extrem uninteressant, mit mir portionenweise Raclette verspeisen zu wollen. So ein Kilo Raclettekäse verdrücke ich nämlich schon locker, wenn ich gar nicht ausgesprochen hungrig bin und da auf der Bettmeralp, ich kann euch sagen, mein Magen lief ständig so zwei, drei Meter hinter mir her und sah schon aus wie ein täupelender Sepp Blatter. Es war kein schöner Anblick.

Wir latschten dann also das elende Dorf auf und ab, um eine Gaststätte zu finden, die uns Raclette à discretion kredenzen würde – völlig aussichtslos. Schon portionenweise war das nur in einer Beiz möglich (acht Stutz für die Portion – ja danke, für geschätzt 150 Hämmer kann ich mir den Ranzen auch mit subventionsfreien Sushi vollschlagen). Es war schon lange dunkel und in den Strassen liessen sich mittelalte Touristinnen von mittelschönen Skilehrern das Vorspiel bestehend aus Schüümli Pflüümli und Wodka Redbull angedeihen, als sich Dschango und sein Hase entschlossen, das Raclette-Thema zu vertagen und uns stattdessen eine Pizza zu gönnen. Die zwar wahnsinnig lecker war (gut, man hätte mir an jenem Abend auch eine überfahrene Leonie in der Mikrowelle aufwärmen können und ich hätte sie wahnsinnig lecker gefunden), mir aber die nächsten Tage den Dünnschiss bescherte. Man kann halt einfach nicht immer gewinnen und wer weiss, was mir mit einem Discount-Raclette oder einer Leonie im Bauch widerfahren wäre.

Raclette hatten wir dann übrigens am Tag der Abreise, indem wir uns im Bettmeralper Coop (das originellerweise “Walliser Wochen” hatte – wirklich exotisch so mitten im Wallis) eine Ladung des leckeren Walker-Käses gekauft haben und diesen dann am Abend zuhause in der Hasenhöhle zum Schmelzen brachten.Was zudem ohne einen Wirt zu bewerkstelligen war, der dauernd nervös um mich herumtanzt (“sitter ganz sicher, dass der no möget…?!?”).

Man kann abschliessend also feststellen: ja, es ist möglich, im Wallis Ferien zu machen und dies auch noch zu überleben. Andere Entwicklungsländer sind sicher günstiger, haben auf der anderen Seite aber meist auch weniger Schnee, von Motorschlitten ganz zu schweigen. Oh, da fällt mir noch ein, dass Malawi ein Furz-Verbot kennt und dieses in Zukunft auch durchsetzen will. Also noch eine Gegend, die aus finanziellen Gründen als Feriendestination für den Dschango eher als kostspielig einzuschätzen ist.

Nächstes Jahr also doch Afghanistan.




Silo8: leider doch nur ein Deppen-Apostroph

Kollega Hymnos ist schier begeistert, Tausende pilgern vier Nächte pro Woche ins Nebelloch der Schweiz, wahrscheinlich dem ganzen verdammten Land gefällt es, bloss der Dschango, die olle Unke, der findet es mal wieder nur soso-lala: das Jubiläumsprogramm von Karl’s Kühne Gassenschau, genannt ‘Silo8‘.

Zuerst mal das Freundliche vorweg, dann haben wir das hinter uns. Höchst positiv aufgefallen sind mir (in eher typo-ästhetischer Reihenfolge):

  • die Explosionen am Schluss
  • die DarstellerInnen
  • das Bühnenbild
  • die Band

Die Leute haben Vollgas gegeben und ihre Rollen mit Verve gespielt. Das grotesk-absurde Element wurde konsequent und vollendet durchgezogen, die Gesangseinlage von Frau Ida war schier berauschend. Beeindruckt haben mich auch die technische Infrastruktur, die hinter so einer Produktion stehen muss, sowie die Techies, die all das Zeug bedienen. Gott helfe uns und ihnen, damit das folgende, von einer endblonden Teenie-Frau hinter mir, am Ende des Stücks (sehr) laut gedachte Szenario nie eintrete:

Iiiiihhh… we die mau uf die fauschi Siite kippä…!!

Nein, ich spoile nicht. Geht hin und seht es euch an, wenn ihr mitlachen wollt.

Item.

Ich denke, mein Hauptproblem war eine falsche Vorstellung davon, was mich erwarten sollte. Ich habe mir Trash vorgestellt, Underground, BlutScheisseTränenFeuerAkrobatik, sowas in der Art. Der Deppen-Apostroph war für mich Signal für Anarchie und Wahnsinn, für Chaos und Burlesk! Und stattdessen?

Der grosse Ablöscher begann für mich ja schon ganz am Anfang, als ich aufs Areal trat. Das bin jetzt sicher auch nur wieder ich, aber wenn es etwas gibt, was mir sowas von auf den Sack geht, sind es die ganzen verfluchten Event-Zonen. Da diese Frissmich-Trinkmich-Kaufmich-SchenkmirdeineAufmerksamkeit-Meilen, die ihre Ursprünge wohl auf irgendeinem versifften Open Air im letzten Jahrtausend haben. Anmerken muss ich ja, dass die ganzen 1200 (man korrigiere mich, wenn ich hier falsch liege) Personen absolut smooth und schmerzlos abgefüttert wurden: unseren – durchaus leckereren – Abendhappen hatten wir, trotz langer Warteschlange, innert weniger Minuten.

Hat sich niemand über die Zahl da oben gewundert? Ja, ist schon ein Haufen Leute. So richtig bewusst wurde mir das, als ich ins Vorstellungs-Areal eintrat und in die Runde blickte. Ebenfalls bewusst wurde mir in diesem Moment, dass es schlicht nicht möglich ist, tatsächlich Underground zu bleiben, wenn man an rund 80 (?) Abenden 1200 Leute ins Theater holen will.

Und das ist wohl das Problem: das Stück gibt sich zwar laut und dreckig und total schrill, in Tat und Wahrheit ist es aber nichts mehr als Trash Light, gerade so viel, dass das Grosi noch ein bisschen rot wird, aber ja nicht so viel, dass es wirklich jemandem umsgottswill weh tun könnte. Der obligate, zehnmillisekündige Schnäbiblitzer wäre da ein Beispiel. Die Gags sind selten unvorhersehbar, nie wirklich originell, orientieren sich an klassischem Slapstick, nur halt mit viel, viel mehr Gadgets.

Am besten waren die Kärle dann, wenn sie die Sau rauslassen konnten. Umso quälender waren dann die “poetischen” Momente. Im Grunde genommen weiss ich ja schon, dass es mir jetzt dann gleich die Fussnägel hochrollen wird, wenn ich das Wort “poetisch” höre/lese/denke: was danach kommt, dient in aller Regel dazu, Emotionen im Fast Food-Verfahren an die Leute zu bringen. Möglichst auffällig verpackt, mit möglichst wenig Nähr- oder Ballaststoffen, viel Zucker und Zuckeraustauschstoffe, schnell produziert, schnell geliefert, schnell verzehrt, schnell verdaut. Und so lief es dann auch jeweils ab. Die vorne wussten, auf welche Dur- oder Moll-Knöpfe sie in welcher Reihenfolge drücken mussten, das Publikum dankte es durch braves Abspulen der eigenen Emotionsrolle. Bin sicher auch nur wieder ich, aber ich kann mit der zuckersüssen Samstagabend-Romantik halt nichts anfangen. Klebt mir das Hirn von.

To-tal was anderes, aber artverwandt: was ist das eigentlich für eine komplett verblödete Unsitte da mit der Klatscherei? Früher, da gab es sowas, das nannten wir damals ‘Applaus’: ein komplett unkoordiniertes Durcheinander von Klatschgeräuschen, ausgelöst von dem in reinster Form autonomen Zusammenschlagen von vielen, immer aber ausschliesslich individuell koordinierten Handpaaren. Das konnte schon mal einen ganz schönen Lärm machen! Ausserdem gab es Nuancen: es gab den verhaltenen Applaus, den Verlegenheits-Applaus, den frenetischen Applaus, den brausenden… und heute? Alle synchron: *KLATSCH!!-KLATSCH!!-KLATSCH!!-KLATSCH!!*, wie damals, als der Führer noch gelebt hat. Oder als ob die alle auf Valium und per Elektroschocks ferngesteuert wären. Kann es für einen Schauspieler etwas Frustrierenderes geben, als wenn du völlig ausgekotzt da vorne stehst und dir gegenüber sitzen 1200 Applaus-Faschisten, die den Mussolini klatschen? OK, 1200 minus ich und den paar Rhythmospasten im Publikum… was die Sache auch nicht besser machte.

Und am Schluss merkten wir, dass wir von 1200 ZuschauerInnen mit einem Grüppchen von vielleicht… 30? 50? weiteren Nasen die einzigen waren, die mit dem ÖV da hoch kamen. Und das bei Gratis-Shuttle, optimalen Zugs-Anbindungen und allem Pipapo. Eine endlose Schlange von Autos jeglicher Bauart, die bunte Wahrzeichen aller möglichen Kantone trugen, fuhr im Schritttempo durch Olten, heimwärts. Und dieses Spiel jeden Abend, an dem Silo8 spielt. Das war dann der Zeitpunkt, wo ich mich im Jahre 1990 wähnte, weit weg von Finanz-, Klima- und Energiekrisen. In Happy Olten scheinen diese auf jeden Fall noch nicht angekommen zu sein.

Gut, für ihr bescheuertes Publikum können die Kärle nun wirklich nichts.




Deppenapostroph – für dich und mich

Ja, Coop geht mir auf den Sack. Nicht nur, weil sie einen Stress inklusive Filmteam an den Aralsee karren müssen, um einen Werbespot contre la Klimacatastrophe zu drehen. Auch nicht nur, weil ich das Zmittagsangebot des Mini-Coops bei uns ums Eck mehr als ausgeschöpft habe und sich diese Knalltüten standhaft weigern, mal einen frischen Wind ins Sortiment zu bringen. Und auch nicht nur deshalb, weil sie den unübertrefflichen Höhepunkt der Schoggikultur nicht zum Kauf anbieten. Es ist mehr die Summe der Dinge, die einen an sich harmlosen Konsum(!)enten – Dschango – gegen Detailhändler aufbringen und Gesetze gegen Besitz und Anwendung von Brandbomben verfluchen lassen.

Apropos Aralsee: Kümmert jetzt sicher keine Sau, aber beim Stichwort Aralsee kommt mir in den Sinn, dass ich gar keine Ahnung habe, was ‘Aral’ bedeutet. Ich meine jetzt da die Benzinverticker, nicht die kasachische Stadt, wobei ich eben dachte, dass sich der Name der Firma vom Namen der Stadt ableiten könnte – Erdölvorkommen und so. Ja, ich weiss, ich bin schon ein schlaues Kerlchen, dass ich da drauf komme. Da hättet ihr jetzt nicht gedacht, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte, na? Nur führt uns die kasachische Stadt leider in die Irre, weil der Name der Firma leitet sich von den beiden Bestandteilen (Benzol ist aromatisch, Benzin hingegen aliphatisch) eines Treibstoff-Gebräus ab, das ein Chemiker 1924 in Deutschland erfunden hatte. Von Deutschland nach Kasachstan – da kann man mal sehen, wohin uns Assoziationen führen können. Direkt ins Klo nämlich, rein geografisch gesprochen.

Nachdem ich nun auf so charmante Weise ein bisschen Text um das Bild gezaubert habe, bleibt mir noch etwas Platz, um auf das eigentliche Thema dieses Artikels einzugehen. Letzthin sass ich nämlich auf dem Klo und führte mir das Magazin zu Gemüte, als mein unschuldiges Auge obiges Inserat erblickte. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:  Es – gibt – im – Deutschen – keinen – Genitiv – Apostrophen! Ausser, man will einen Eigennamen verdeutlichen: Andrea’s Friseursalon vs. Andreas’ Friseursalon. Muss meiner Meinung nach auch nicht sein, aber ich beuge mich da ja dem neuschreiblichen Duden-Diktat.

Wo aber soll, bitteschön, in obigem Beispiel die Notwendigkeit einer Verdeutlichung auszumachen sein? Womit kann man ‘Tims’ verwechseln? Weshalb muss ich mir nicht einen, sondern gleich zwei Deppenapostrophe antun, während ich gemütlich abseile? Coop, was soll das? Warum tust du mir das an? Können wir nicht einfach Freunde sein?

Der Stress geht mir übrigens auch auf den Sack. Das ist aber wieder eine total andere Geschichte.