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Liberal im Jahre 2009

Es gibt heute ja bekanntlich viele, viele bunte Blätter, die dem und der Gläubigen ihren Überschuss an Phantasie satt befriedigen: “reformiert” (formerly known as “saemann”), das katholische Pfarrblatt und noch viele weitere, selten wirklich auflagenstarke und/oder relevante Blättchen tummeln sich im Pfuhl der medialen Verkündigung. Das ist auch gut so: erstens hat selbst der Dümmste im Lande ein Recht darauf, in seiner Ignoranz bestätigt zu werden, zweitens müssen all die Absolventen der Ringier-Journalistenschule zu Zeiten des medialen Kollapses ja irgendwohin.

Was ich aber partout nicht verstehen will: warum entwickelt sich der Bund, frisch “gerettet” (die paar Entlassungen sind ja sowas von nicht relevant) zum neuen Berner Pfarrblatt?

Wer auch nur mit minimal offenen Augen durch diese Zeitung blättert, staunt, denn mehr und mehr dominieren religiöse Themen. Selbstverständlich wird möglichst “tolerant” berichtet (lies: verniedlichend), möglichst “neutral” (lies: anbiedernd) und möglichst “objektiv” (lies: kompatibel mit den eigenen Glaubensvorstellungen).

Beispiel gefällig? Nun denn. Nehmen wir doch mal die Ausgabe vom 1. Juli diesen Jahres. Unter dem Titel “Betende Banker” werden solchige portraitiert – auf etwa 2/3 Seite. Völlig widerspruchsfrei dürfen da Erzfundamentalisten ihre frohe Botschaft verkünden, inklusive intelligenten Behauptungen wie “Gebet verbessert Betriebsklima” (das tut regelmässiges Lüften auch) oder “die UBS gehört Gott Vater” (dann soll er den Mist gefälligst auch selbst finanzieren).

Dann, auf Seite 19, darf auch noch EVP-Mann Ruedi Löffel salbadern. Zugegeben: hier sehe ich eine gewisse Relevanz, da Löffel als Vater des Antirauch-Gesetzes gilt, das hier seit 1. Juli in Kraft ist. Natürlich bekommt auch Löffel eine 2/3 Seite, inklusive Foto mit Agentur C-Bild im Hintergrund (“Seid still und erkennet, dass ich euer Gott bin” – wenn die Argumente ausgehen, hilft halt nur noch “STFU!”). Natürlich fühlt sich hier ein Bund-Schurni bemüssigt, einen Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und Löffels religiösem Background zu konstruieren. Was dieser im Übrigen recht gekonnt umschifft.

Weiter, diesmal mit einer 4/5 Seite, wird noch ein Seelsorger-Ehepaar portraitiert – ironischerweise unter der Rubrik “Arbeit”.

So geht das im Bund schon eine ganze Weile. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einmal an prominenter Stelle irgendwelche Spinner von Gottes Gnaden zu Wort kommen. Dass sich der Bund übrigens während vielen Jahren dem Wunsch konfessionsfreier LeserInnen entzogen hat, bei den Todesanzeigen nicht nur immer Bibelsprüche, sondern vielleicht zumindest ab und zu mal einen neutraler Text abzudrucken, passt hier ja bestens hin. Soweit ich weiss war der 13. Juni insofern eine Premiere, als dass man hier tatsächlich zum ersten Mal eine Bund-Todesanzeigenseite anschauen konnte, ohne der Bibelpropaganda ausgesetzt zu sein. Und auch die Tatsache, dass in der Regel erst 20Minuten, dann eventuell die BZ, und erst dann – eventuell – der Bund über Aktionen der Freidenker, der Brights oder anderer säkularer Bewegungen berichtet, passt in dieses Konzept.

Die Frage ist nun: ist diese neue Richtung eine Art vorausschreitender Gehorsam, um die Zwinglianer aus Zürich gnädig zu stimmen? Oder ist sie vielmehr Ausdruck einer neuen Stossrichtung als Nischenprodukt?

Wahrscheinlich ist “gläubig” halt einfach das neue “liberal”. Von dem her hat die FDP durchaus das Recht und die Verpflichtung, in der neuen Landesregierung vertreten zu sein.

Nein, ich meine jetzt nicht den Bundesrat, sondern den Vatikan.

Santo subito!




‘Der Bund’ am Ende – wir zeigen die Zukunft!

Wie man in diversen, verschiedenen, solchen und auch anderen Publikationen lesen konnte, ist die Zukunft der Berner Tageszeitung ‘Der Bund‘ mehr als fragwürdig. Man suche eine Lösung, man kläre verschiedene Optionen ab, das Projektteam analysiere – bekanntlich ist dies nichts als Management-Neusprech für “das Pferd ist tot, mal schauen, wie lange wir den Pöbel trotzdem noch im Sattel halten können”.

Wirklich erstaunen kann das nicht. Ob Bern die kritische Grösse hat, zwei Tageszeitungen zu ernähren, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass der Bund die letzten Jahren sowieso mehr und mehr zur BZ-Filiale geworden ist, halt einfach ein bisschen weniger bunt. Von “liberal und unabhängig” war da schon länger nicht mehr viel zu spüren und es darf vermutet werden, dass die wenigen tatsächlich kritischen (und nicht bloss ‘kritisch im Rahmen des von den Werbekunden tolerierbaren’) JournalistInnen bereits bei der letzten Umbaurunde mehrheitlich das Schiff verlassen durften/mussten.

Heisst das, dass die Berner Bevölkerung nun ein Informationsdefizit haben wird? Nein, keine Sorge. Für (garantiert unabhängige) Kritik und Unterhaltung gibt es ja nach wie vor noch die Daumenschraube und daran ändert sich auch nichts, solange uns tamedia nicht ein wirklich, wirklich grosszügiges Angebot macht. Ausserdem plant man bei ebender unter anderem ein Fusionswerk zwischen Berner Zeitung und Der Bund, das sicher noch viiiiiiel besser wird, als es die Summe seiner Teile je war.

Aber klar doch.

Wir von der Daumenschraube haben bereits einen konkreten Vorschlag, wie diese Fusion zumindest benennbar wäre. Und unsere Kreativ-Abteilung hat schon eine Idee, wie das neue Logo des fusionierten Zeitungs-Monopols aussehen könnte:

Wäre ehrlich, knüpft an die lange Tradition der beiden Blätter an und versucht, es allen recht zu machen. Eigentlich gäbe es nur Gewinner.

(Angebote für die Übertragung der Rechte an der Marke ‘Der BrunZ – die abhängige und kostenpflichtige Gratiszeitung’ sowie für die Erstellung eines CI gemäss obigem Muster bitte an redaktion@daumenschraube.ch – merci!)




Freudscher Verleser… unschuldig!

Ein Schelm, wer Schlüpfriges denkt?

Ein Schelm, wer Schlüpfriges denkt?

Tztztz… da hat sich ein Bund-Redakteur aber Mühe gegeben, dass sich der alte Dschango beim Zmorgekafi ganz fest die Augen reiben muss. War dann aber doch nicht das, was ich gemeint habe zu lesen.

Wäre zugegebenermassen auch sehr erstaunlich gewesen, wenn es dabei Tote gegeben hätte, irgendwie.