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Die Perfektion und ihr Kind

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Es ranken sich viele Mythen um die Japaner und ihre ganz eigene Definition von Perfektion und dem Streben danach. Auf mich als durchschnittlichen Europäer mit Wikinger-Hintergrund wirkt das mitunter etwas bescheuert, obwohl gerade im Schweizerischen Dienstleistungssektor etwas mehr Japan-Groove wünschenswert wäre. Anders kann ich mir meine Glücksgefühle nicht erklären, wenn ich ordentlich bis gut bedient werde und am Ende sogar noch das bekomme, was ich bestellt oder wofür ich bezahlt habe.

Natürlich kommt man in der Kampfkunst auch nicht um diesen Aspekt herum. Das äussert sich in meinem Dojo zum Beispiel darin, dass grundsätzlich ein sehr hohes Niveau gepflegt wird. Während man in anderen Dojos bei einer entsprechenden Leistung einen höheren Gurt bekommt, gibts bei uns Sprüche à la “Nett und schön, aber verbesserungswürdig”.

Das kann zwar tierisch nerven, hat aber äusserst positive Auswirkungen auf die Gesamtqualität unserer Rumhebelei. Zudem führt es zu einer Selbstbetrachtung, die von einer gewissen Bescheidenheit geprägt ist, frei nach dem Motto: Ich weiss, dass ich nichts kann. In unserer wer-hat-den-Längsten-Gesellschaft ist das durchaus erfrischend und angenehm, zudem kann man mit dieser Einstellung eigentlich nur gewinnen.

Andererseits verzichte ich gerne auf sämtliche Aspekte der totalen Selbstaufgabe in eben diesem Streben nach Perfektion. Ich habe nach wie vor ein Leben mit allem drum und dran, darum werde ich bestimmt nicht den ganzen Tag im Kimono und in Reislatschen durch die Gegend rennen. Auch das Verneigen vor dem Bildnis eines längst toten Meisters an der Wand ist nicht so meins, es ist aber nicht wirklich hilfreich, sich dagegen zu wehren. Jedem Verein seine Mätzchen, wohl oder übel.

Letztendlich kann ich mich nicht beklagen, denn es gibt Dojos, wo die Etikette wesentlich strenger gelebt wird und die Philosophie mindestens so viel Platz wie der eigentliche Sport einnimmt. Somit habe ich es mit diesem doch sehr sportlich orientierten Trüppchen gut getroffen, und die paar unausweichlichen Bücklinge, die gefordert werden, halten sich in einer übersichtlichen und vertretbaren Menge.

Wir bleiben dran.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit
  5. Die Perfektion und ihr Kind




Leistungsindex schmerzbefreit

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Neulich in der Garderobe, kurz vor dem Training.

Nasse: “Du, Housi, bin ich eigentlich auch im Plan für die Gelbgurtprüfung im Frühling?”
Housi: “Nööp, du bist noch zu schlecht dafür.” (breites Grinsen)
Nasse: “Mir würden im Fall deine markigen Statements fehlen, wenns die mal nicht mehr gäbe…”
Housi: “Ich mags halt direkt. Dann weisst du wenigstens, woran du bist.”
Nasse: “Ach Housi, wenn ich mal gross und stark bin, dann lege ich dich auch auf die Matte.”
Housi: “Du bist schon gross und stark. Jetzt musst du halt noch lernen, deine Masse anständig zu bewegen. Technik ist das Stichwort. Und dreissig Jahre Erfahrung.”
Nasse: *seufz*

Wenigstens kann ich jetzt den Obi Knoten.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit
  5. Die Perfektion und ihr Kind




Ballistische Erfahrung

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Es geht vorwärts. Nach drei Wochen schnupfenbedingter Abwesenheit ging ich neulich wieder mal auf die Matten. Und wat war das geil, echt jetzt. Es hat mir tatsächlich enorm gefehlt.

Einer der Kollegen in Weiss (ich meine die Gurtfarbe) muss für seine Gelbgurt-Prüfung üben. Da ich nach meiner erwähnten Abwesenheit wieder ein bisschen warm werden musste, war das eine gute Gelegenheit, ganz im Geiste des Ehrenkodex der Kampfkünste, mich zur Verfügung zu stellen. Was dann darin gemündet hat, dass ich während etwas mehr als einer Stunde permanent als Wurfgeschoss eingesetzt wurde. Und es war gut so. Sehr gut sogar.

Es ist mir nach wie vor ein kleines bisschen unheimlich, wie man sich nach koordiniertem verkloppt werden so wohlig fühlen kann.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit
  5. Die Perfektion und ihr Kind




Gut gerollt

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Aus einem blutigen Anfänger ist nun ein bemühter Anfänger geworden. Das Abrollen geht schon in die meisten Richtungen und aus allen möglichen Positionen ganz gut, doch mit der Beinarbeit haperts noch. Ist auch nicht ganz einfach, mit so langen Stelzen wie ich sie habe.

Insgesamt aber kann ich bereits nach knapp zwei Monaten regelmässigen Trainings deutliche Veränderungen wahrnehmen, körperlich wie geistig. Meine Stressresistenz ist beispielsweise signifikant gestiegen, das Selbstbewusstsein verändert sich irgendwie auf eine sehr subtile Art, es scheint viel zu gehen in meinem System. Und es passiert eben auf eine sehr unterschwellige, aber scheinbar konsistente Art.

Man kann sich natürlich darüber streiten, was jetzt “wegen” Aikido passiert und was nicht. Grundsätzlich hilft es, wenn man offen und Arbeitswillig ist was die eigene Entwicklung angeht. Kampfkunst kann ein Katalysator sein, sie kann Entwicklungen unterstützen oder vielleicht sogar beschleunigen.

Man könnte es möglicherweise so zusammenfassen: Bei der Kampfkunst setzt man sich auf eine sehr intensive Art und Weise mit sich selbst und anderen auseinander, ausserdem lernst man sich physisch und psychisch zu beherrschen.

Witzigerweise bezahlt man dafür um hart zu trainieren, sich in eine erst mal fremde Gruppe einzufügen und wegstecken muss man auch noch einiges. Zum Glück bleibt da der Spass nicht auf der Strecke, sonst wäre es gar etwas masochistisch.

Zusammen mit dem gelegentlichen Waffentraining (vorerst mit dem Holzschwert, Bokken genannt) ergibt das praktizieren von Aikido ein rundes Paket für Körper und Geist, das ich mittlerweile nicht mehr missen möchte.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit
  5. Die Perfektion und ihr Kind




Nasse und die Kampfkunst

Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Jahaha, da staunt ihr, wa? Ich hatte ehrlich gesagt keine grosse Ahnung von dem ganzen Kram. Habe mir, ganz der Web 2.0 Cowboy, verschiedene Kampfsportarten auf YouTube reingezogen und bin immer wieder bei Aikido hängen geblieben.

Das Probetraining (mein erstes seit Jahren) hat jedenfalls schon mal ordentlich Spass gemacht. Die Leute waren easy drauf und ich wurde recht schnell in den Trainingsbetrieb integriert. Meine ungelenke Holzfäller-Masse hat zwar für den einen oder anderen Lacher gesorgt, andererseits konnte ich bereits nach einer halben Stunde meine Körperkraft deutlich besser einschätzen als die letzten gefühlten 50 Jahre. Mindestens zwei Leute haben sich noch hörbar darüber beschwert, dass ich teils schwer zu lösende Griffe tätige. Passt schon, ich will ja schliesslich Gegenleistung für mein Geld.

Summa summarum eine recht flockige Bilanz, vom Muskelkater mal abgesehen. Das Jahresabonnement jedenfalls ist so gut wie gelöst. Natürlich bleiben wir bezüglich der hiesigen Berichterstattung über Nasses Abenteuer im Kampfkunst-Dschungel dicht am Schlagstock, äh, Ball.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit
  5. Die Perfektion und ihr Kind