Von Zügen und Jägern
Auf Geschäftsreisen erlebt man viele lustige Sachen. Was sage ich da, es ist ein regelrechter Kosmos voller Absurditäten, gerade wenn man im Zug reist. Folgendes trug sich auf den Schienen zwischen Zürich und München zu:
Da wäre beispielsweise dieser anabolisch aufgeblasene Ostblöckler (hätte auf Rumäne oder Bulgare getippt), der morgens um sieben gefühlte 278 SMS schreibt, und das mit eingeschalteten Tastentönen. Meine höfliche Intervention (“Würden sie bitte die Tastentöne ausschalten?”) wurde mit einem unfreundlichen “Nein, das kann isch ned” quittiert.
“Natürlich können sie das!” kam mir gerade noch über die Lippen, doch dann erkannte ich die Sinnlosigkeit meiner Bildungsoffensive. Der Herr meinte wohl, es sei technisch nicht möglich, ich hingegen bin der Meinung, dass die Anabolika dem Gehirn dieses Fleischberges nicht allzu gut getan haben. Sei’s drum.
Für echte Heiterkeit sorgte aber der Schwäbische Schaffner, der in schönstem Schwenglisch bei jedem Halt u.A. “Ssänk juh foa trävelling wis se Deutsche Bahn, guud bajj” über die Lautsprecher schmetterte. Die einzigartige Betonung des “i”-Lautes in Good Bye, kombiniert mit der etwas zu langgezogenen, verschwäbelten Aussprache, haben mich für alle Tastentöner und Kloraucher auf dieser Fahrt entschädigt.
Nicht vollständig entschädigt wird wohl der Kanton Bern für seinen teuren Einsatz gegen den renitenten Rentner Kneubühl. Was für eine absurde Geschichte. Da freut man sich als Steuerzahler, wenn für die ausgegebenen Millionen am Ende wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit dabei herausschaut.
Zudem scheint die Meinungsfreiheit in unserer Demokratie noch intakt, wenn einem Polizisten das halbe Gesicht weg geschossen wird und trotzdem ein paar Hirnamputierte in Texas-Manier “Go, Kneubühl, go!” skandieren. Da fühlt man sich gut aufgehoben.
Doch die Kirsche auf dem Kuchen ist die Begegnung der fahndenden und leicht nervösen Schroterei mit dem gestandenen und total mutigen Taubenjäger aus dem Jura, was für ein Mannsbild in dieser ach so wilden Schweiz hinter den sieben Bergen.
Wir finden es ja total verhältnismässig, für ein bisschen (gefühlte) Freiheit und Stolz in Kauf zu nehmen, mit staatlich finanziertem Blei aus Polizei-Schrotflinten vollgepumpt zu werden.
Eh ja, jedem seine Priorität.


