Päng
Das muss ich mir mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.
Der hiesige Herbst wird jedenfalls spannend.
Nasse Magnussen | |
Ein Hüne von einem Mann im besten Alter. Daher ist Nasse der alte Schwede im Team. Er lebt glücklich mit seiner wilden Schweizerin und ihren wilden Haustieren als legales Alien in diesem schönen Land. Nasse trinkt gerne ein Gläschen oder zwei nach getaner Arbeit, was man seiner Schreibe manchmal auch anmerkt. Er ist ein totaler Medienfreak, sei es Ton, Text oder Bild (statisch wie bewegt), er saugt alles rein, was ihm vor die Linsen kriecht. Als verhinderter Tierflüsterer hat Nasse ein tolles Verhältnis zu Katzen und Hunden, in freier Natur fühlt er sich sauwohl. Nicht zuletzt ist er ein aufmerksamer Gastgeber, der gut Kochen kann und ein edles Tröpfchen zu gutem Essen zu schätzen weiss. | ![]() nasse@daumenschraube.ch |
Das muss ich mir mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.
Der hiesige Herbst wird jedenfalls spannend.
War ja klar, dass sich ein verklemmt-konservativer Schreiberling nicht entblöden würde, zu den aktuellen Glaubenskrisen von gestandenen Verfechtern konservativen Gedankenguts (hier und hier) seinen Mist dazu zu karren.
Well, allow me to retort.
Wir haben das Argument “Die verstehen nichts von Wirtschaftspolitik” schon in anderem Zusammenhang geniessen dürfen (wenn der bei den anstehenden Wahlen mal nicht in deinem Füdli explodiert, Blochers Chrigel…), doch leider zündet dieses Argument ungefähr so gut wie ein frisch gebadeter Frauenfurz.
Muss ich den Unterschied zwischen Put und Call denn kennen, um dieses System der Wetten in der Hochfinanz völlig hirnbefreit zu finden? Muss ich im Detail wissen, wie die grossen Buben um Rohstoffpreise zocken, um das komplett bireweich zu finden?
Also bitte.
Es würde wohl keinem halbwegs gescheiten Linken einfallen, den Sinn von Handel, Kapital und Co. ernsthaft zu bezweifeln, und der real praktizierte Kommunismus ist auch schon ein Weilchen tot. Das hat sich in sozialdemokratischen Kreisen im Fall schon rumgesprochen.
Von konservativer Seite hingegen sind immer noch Lobeshymnen auf Frau Thatcher zu hören, die zwar die gröbsten Probleme in UK damals behoben hat, aber auch die Türen für hardcore-Kapitalismus der niederen Art geöffnet hat. Die Tories unter John Major haben dann den Rest erledigt.
Back to zero, rinse and repeat.
Oder vielleicht doch lieber ein Zitat aus weiter oben erwähntem Artikel gefällig?
“Genau besehen ist die Geschichte des Kapitalismus eine einzige Abfolge von Boom und Crash”
Toll, und das macht jetzt jede Kapitalismuskritik überfällig, oder wie? Ist das der Grund, warum man vielleicht nicht ein klitzekleines bisschen an dem System schrauben sollte, damit nicht jeder Depp seine Pensionskasse an der Börse verjubeln kann?
Ich erinnere hier nur am Rande an Andreas Thiel, der sich ebenfalls nicht entblödete, sein pseudoliberales Gedankengut rauszuposaunen, währenddessen Pensionskassen-Guthaben im Tempo von Taschentüchern abbrannten. Keine Spur von Selbstkritik, während des eigenen Geistes Kinde in der Wirtschaft amok läuft.
Bleibt noch das Argument “selbst Schuld, wenn man sein PK-Guthaben ins Wirtschaftscasino trägt”.
Wer hat den Leuten denn diese Empfehlungen gegeben? Wer zum Teufel will denn keinen Reibach machen?
Ich gehe schliesslich auch zum Arzt, wenn Hausmittel nicht mehr helfen. Mein Hausarzt hat mir jedenfalls bis dato noch kein lebensbedrohliches Gift verschrieben.
Nein, was mich unglaublich fest im Arsch schmerzt, sind diese völlig übertriebenen und komplett sinnbefreiten Systeme, wo man auf den Preis von lebensnotwendigen Rohstoffen wettet, wo Leute dazu verführt werden, mit ihrer Rente Roulette zu spielen, wo man auch als halbintelligenter Mitbürger einfach keinen Plan mehr hat, was wo durchläuft und wer wieviel kassiert.
So was geht einfach gar nicht.
Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, dass alle zockwilligen und deregulierungsgeilen Hardliner in einen (örtlich wie von der Restwirtschaft) isolierten Ort abschiebt, wo sie tun und lassen können, was sie wollen. So eine Art Casino für Kapitalismus-Irre, am besten mit integrierter Self-Service-Euthanasie-Station für die ganz gross Gescheiterten.
Aber bitte, for fuckin’ fucks sake, lasst die Restwelt mit dem Scheiss in Ruhe.
Bin bekennendermassen kein Fan der Linken, obwohl ich denen eindeutig mehr zustimme als dem rechten Rand im grossen Drama der Politik. Und Aufzeichnungen von Reden im Deutschen Bundestag schauen ist auch kein Hobby von mir, da fällt mir nur schon beim Gedanken daran das Gesicht ab.
Aber es gibt sie, diese Momente, wo die real herrschenden Verhältnisse für einen Deppen wie mich absolut verständlich und nachvollziehbar erklärt werden.
Einen solchen Scoop hat der werte Gregor Gysi gelandet, auf Umwegen bin ich auf eine Rede von ihm gestossen. Irgendwie kann ich das nicht für mich behalten, also bitteschön:
Mahlzeit.
Iron Maiden ist eine Band, die ich als pubertierender Jugendlicher durchaus zu schätzen wusste. Mittlerweile kann ich das bei Nüchternheit natürlich nicht mehr ernst nehmen, aber heute lassen wir eine Fünf mal gerade sein.
Ich erinnere mich noch ganz schwach daran, wie ich mal mit dem Herrn Beinhart darüber sinnierte, dass man Wasted Years unbedingt in einer Bossa Nova Version reproduzieren müsste.
Ich wurde erhört, wenn auch nur zum Teil.
Denn Andy Rehfeldt hat das produzieren von Remixes inklusive Videodub zum Hobby und gehört offenbar zu den besten seiner Zunft.
Zu meinem grossen Vergnügen hat er sich unter anderem Iron Maiden vorgeknöpft.
Das Resultat finde ich sensationell, daher Bühne frei für Virgem De Ferro mit El Tropa:
Mahlzeit!
Kulturpessimismus ist eigentlich nicht so meins.
Doch jüngst hatte ich wohl so etwas wie eine kleine Krise in meinem Optimismus-System. Jedenfalls war mein Flow irgendwie komisch an dem Tag.
Erst war der Blätterwald voll mit Sperminators freakiger (ex-)Haushälterin, irgendwo posierten Floncine Jordast total verliebt bis verblödet, der Toni Rominger schaute eine Spalte daneben ohne Hund traurig ins Nirgendwo und mitteilungsbedürftige Nobodies gaben ihren Senf ab zur Frage, bis zu welchem Oberschenkeldurchmesser man Leggings tragen darf.
Schlagartig wurde mir klar: Fukushima ist auf einem anderen Planeten, der Klimawandel ist ein Lüge und Rihanna ist die Göttin des zeitgenössischen Entertainments.
Gut, vielleicht sollte ich meinen Prinzipien besser treu bleiben und es sein lassen, den Blick zu lesen. Was ich eigentlich fast immer tue. Oder eben sein lasse, je nach Blickwinkel.
Item, auf jeden Fall fand ich es in besagter Situation eine gute Idee, doch lieber zu SPON zu wechseln und mir den Feuilleton zu gönnen. Ein bisschen Kultur und so.
Mein Flow baute sich wieder auf zu seiner üblichen Geschmeidigkeit, dann stolperte ich über Frau Berg, genauer über eine ihrer Kolumnen. Nämlich diese da.
Danach war er wieder kaputt, mein schöner Flow.
Also tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue. Ich wandte mich den bildenden Künsten zu.
Mein jüngster Erwerb in Form einer Silikatscheibe mit organisierten Klängen darauf nennt sich Insides und stammt aus der Feder von Jon Hopkins.
Was für ein grandioses Album. Die sorgfältig arrangierten und gefrickelten Sounds kitzeln das Ohr, streicheln den Bauch und lassen die Seele durch subtile, klickende und vor Strom bruzzelnde Landschaften schweben.
Etwas vom Besten, was ich seit langem gehört habe. Unbedingte Kaufempfehlung.
Wenn sich also der Weltuntergang ankündigt und alle hysterisch um ihr Leben rennen, werde ich mein mobiles Musikabspielgerät einschalten, die Kopfhörer überstülpen und mit einem epischen Soundtrack im Ohr still und andächtig verdampfen.
Soll mal einer sagen, ich wäre nicht vorbereitet.
Viel zu viel zu tun. Daher nur ein kurzes Intermezzo aus der Abteilung “breath to music”:
Mahlzeit!
Ha!
Ging also doch schneller als erwartet, die Sache mit dem Familienbusiness, da oben in Schweden. Kalt war’s auch, nur so nebenbei.
Dank dem lieben Punaise, der seinem Ruf als verpeilter Kulturfuzzi wieder mal völlig gerecht wurde und jede Deadline erfolgreich zu überschreiten wusste, war die Dreifaltigkeit auf dem Schräubchen gewährt.
Merci anyway, mon cher, wenn du schon mal einen Account hast, dann kannse auch gleich hier bleiben, ne!? Dann wird die Dreifaltigkeit halt eben zu einer Quadrille. Ihr hört also noch von JB, aber fragt bloss nicht wann.
Ja, und wenn man sich mal hier umsieht…
Die lieben Gründer-Kollegen von der Redaktion scheinen ja alle beide momentan einen regelrechten Höhenflug zu geniessen, da komme ich gerade recht, um das allgemeine Niveau wieder ein bisschen an die Realität anzunähern. Kann ja nicht ewig so weitergehen, wer braucht schon einen Pulitzer-Preis?
Eben.
Genau das oder ähnlich habe ich gedacht, als ich diesen Quatsch bekommen habe. Mannmannmann.
Wenn man lieber Schulbuben verklagt als anständige Sicherheitssysteme zu bauen, dann passiert so ein Mist eben. Auch toll, dass man erst nach langem Zaudern und Zögern an die Kunden herangegangen ist, danke bestens.
Mein Pech, dass ich jetzt Freunde dazu auffordern durfte, ihre Kreditkartenabrechnungen die nächsten Monate bitte etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nicht gerade heimelig.
Da habe ich übrigens gestaunt. Meine lieben Nachbarn, die Dänen, drehen schon fast ein bisschen durch, jedenfalls Teile von denen. Anders kann man sich solche Sachen nicht erklären.
Oh mein Gott, die Finnen waren ja auch noch. Man fragt sich auch hier: War es zu viel Lapin Kulta oder sind da ein paar Leute zu lange in der Sauna geblieben?
Echt abgefahren, was da politisch in Europa im Moment vorgelegt wird, man weiss gar nicht, wo man hinschauen soll.
Auch wenn die hysterische Fliege Longchamp im Bezug auf die herbstlichen Wahlen hierzulande bereits ihre Runden dreht, so sind die Helvetischen Hunde grösstenteils doch noch am schlafen, zumindest an der Leine.
Mal sehen, wie es tönt, wenn die Scharfmacher warm gelaufen sind.
Wir haben ja in der Schweiz auch unser Akte-X-Format, es nennt sich Abstimmungssontag. Und auch dort ist die Wahrheit irgendwo da draussen.
Anders kann man nicht erklären, warum Alf vorerst die meisten Stimmen geholt hat, der alten Klapperkiste Mühleberg und den unverbesserlichen Atomköpfen von der BKW (wenn auch umstritten) das Vertrauen ausgesprochen wird und man doch lieber hundertausende Knarren in Haushalten hat als nicht.
Aber die Auswirkungen sind auch lokal nicht zu unterschätzen.
Somit dürfen wir uns im Kanton Bern für die nächsten zehn Jahre von jeglichem Fortschritt jedweder Couleur verabschieden. Mit Alf im Ständerat (muss zwar erst noch passieren, aber viel steht da nicht mehr im Weg) würden die feuchten Träume der Aufrechten ein kleines bisschen wahrer, und mit dem Volksvorschlag zur Fahrzeugbesteuerung gehen wir ökologisch zurück in die roaring eighties.
Zudem haben wir es jetzt amtlich: Es gibt Leute, die immer noch nicht begriffen haben, wie man abstimmt. Da staunt der Laie und wundert sich der Fachmann.
Apropos, grosses Kompliment an die Limmat zur Waffeninitiative. Liebe Stadtzürcher, ihr habt den ganzen Kanton gerettet. Wir fühlen mit euch, wir wissen was es heisst, in einem grossen Kanton von Hillbillies umzingelt zu sein. Nicht schön.
Aber darum geht es ja gar nicht, obwohl ich von dem ganzen Volkswillen(TM) vorerst mal die Schnauze gestrichen voll habe.
Meinereiner muss zurück in die kalte Heimat, es gibt dort akut Familienbusiness zu erledigen. Könnte ein wenig dauern, daher sage ich vorläufig mal leise Tschüss.
Ich habe aber für Stellvertretung gesorgt, unser neuer Kollege wird sich diese Tage vorstellen und meine Lücke ohne Probleme füllen.
Ich wünsche euch derweil viel Spass mit den Ewiggestrigen und ihren liebsten Spielzeugen namens Offroader, Brennstab und Sturmgewehr.
Beharrlichkeit zahlt sich eben doch aus.
Gestern wurde ich vom 6. zum 5. Kyu befördert. Auf Deutsch heisst das, dass ich kein blutiger Anfänger mehr bin und gewisse Grundtechniken beherrsche.
Ist jetzt nicht so die Weltleistung per se, aber die Befriedigung sitzt tief. Der Motivation hat es auch nicht geschadet.
Der betonharte Arsch ist mehr so ein unbeabsichtigter, aber willkommener Nebeneffekt.
Frisch und erholt melden wir uns aus dem Winterurlaub zurück, mehr denn je bereit, den Finger in die Wunde zu drücken. Und nötigenfalls noch draufzulegen.
Doch der Reihe nach.
Für einen grossen Teil der Menschen in unseren Kreisen, uns selbst eingeschlossen, waren die letzten Jahre politisch gesehen schwierig bis beschissen, je nach gesellschaftlicher Positionierung und Wohnort. Natürlich nicht nur, aber die Tendenz ist klar erkennbar. Das Jahr 2010 hat da nicht unbedingt dazu beigetragen, die Stimmung zu heben.
Vieles ist wirklich schwierig zu verstehen. Es gibt aber Geschichten aus der Mitte unseres Lebens, die diese Stimmung sehr gut illustrieren.
Da wäre zum Beispiel dieser gut gebildete Sohn eines insgesamt eher linken Anwalts, der freimütig bekennt, dass er SVP wählen würde, wenn er denn schon dürfte. Wir reden hier von einem jungen Mann, der in knapp sechs Monaten seine Wahlzettel einwerfen gehen wird. Hört man sich die Begründungen an, die keineswegs dumm oder unüberlegt sind, kann man sich ein Bild machen, wohin die Karawane im Moment so etwa zieht. Rebellion sieht anders aus.
Dann wären da die entfernten Bekannten, die vor ein paar Jahren noch liberal-sozial-bürgerlich eingestellt waren, alles im praktikablen und akzeptablen Bereich. Mittlerweile fahren sie ziemlich stramm auf Blocher-Linie und tun dies bei mehr oder weniger vollem Bewusstsein. Das ganze Programm, ultra-strenge Justiz, Kultur an der kurzen Leine, Behandlung von Ausländern jenseits der Genfer Konventionen, you name it. Alles dabei. Ist ja auch ein extremes Beispiel.
Es gibt noch ganz viel dazwischen, ein erstaunlich populärer Ansatz ist beispielsweise die Überwachung durch den Staat auf der ganzen Linie. Wenn man sich ein wenig mit politischen Systemen und Datenschutz beschäftigt, kann einem schon ein bisschen mulmig werden, um mal auf dem Teppich zu bleiben. Und wir sind noch nicht in der Nähe des Stammtisches, dies nur nebenbei.
Die rechte Brei ist bereits ein Weilchen trendy, und es reisst nicht ab. Ich bin ziemlich froh, dass wir keine ausgewachsene Wirtschaftskrise oder Rezession haben, jedenfalls nichts im Format vergangener Tage. Denn das ist eine Mischung, die wir nicht brauchen.
So ein Experiment ging in Europa, nicht weit von hier und nicht allzu lange her, schon mal gehörig in die Hose.
Herzlichen Dank den Eidgenössischen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern für das Bekenntnis zu einer sozialen, offenen und toleranten Schweiz.
Wir gratulieren den Gewinnern der Abstimmung.
Ich gehe mich jetzt übelst betrinken.
Musigstubete Nummer elfundvierzig. Oder so.
Keine grossen Worte, sondern einfach ein schlicht galaktisch guter Song:
Die O’Jays mit ihrem Kracher For the Love of Money live in der legendären Sendung Soul Train.
Mahlzeit:
Es ist wahrlich kein Spass, den ganzen Tag lang Radio Energy Bern zu hören.
Doch zum Glück gibt es mutige Menschen wie den Ane H. vom kleinen Bund, der es trotzdem gemacht hat.
Unbedingte Leseempfehlung!
Schluss mit lustig. So langsam aber sicher entwickle ich einen gepflegten Hass auf iProdukte.
Ich habe das Zeugs aus dem sonnigen Cupertino ja nie sonderlich gemocht, aber was da neulich abging, war einfach zu viel.
Dabei wollte ich doch nur auf meinem vom Arbeitgeber gesponserten iPhone-iPod etwas aufräumen. Zu viele Songs, zu viel Chaos, zu viel überhaupt. Zudem lief das unsägliche iTunes, das man ja unbedingt benötigt, um seine iProdukte zu verwalten, auf meinem Laptop von Anno dazumal gar etwas langsam.
Ein dickes Dankeschön nach Kalifornien an dieser Stelle für die Software iTunes, der beinahe gesicherte Topfavorit für meinen diesjährigen Biggest Binary Pain In The Ass-Award, und ich habe dieses Jahr mit ein paar ganz blöden Programmen zu tun gehabt, das könnt ihr mir glauben.
Gut, wir sind ja pragmatisch. Also wird der Laptop Software-ethnisch bereinigt, iTunes auf dem deutlich flotteren Desktop PC installiert, die Musikbibliothek flockig geleert und neu angelegt. Hier ein Auszug aus der Mängelliste, die ich während der Neuorganisation meiner Musik für unterwegs im Geiste angelegt habe:
Wer jetzt sagt, ich solle halt einen Mac kaufen, weil es dort rund läuft, dem massiere ich gerne das iGesicht. Es gibt in der Geschichte der Informatik genügend Beispiele für gelungene Portierungen von proprietärer Software auf nicht-heimische Plattformen, also bitte.
Nun gut, ich will mal nicht so sein. Ich werde mein iTelefon bis zu seinem Lebensende, das so fern nicht sein kann, brav weiter benutzen, dabei beide Augen zudrücken und meine lukrativen Geschäfte darauf respektive damit tätigen.
Sobald mein werter Scheff mir ein Budget für ein neues Telefon stellt, werde ich den Apfelkack mit einem breiten Grinsen im Gesicht verbrennen. Und totschlagen. Das unsägliche iTunes werde ich mit einem wohligen Gefühl von sämtlichen Geräten verbannen, allenfalls besorge ich mir einen Peruanischen Schamanen, der das böse Karma aus meinen Rechnern verscheucht.
Genug ist genug.
Es gibt Momente, da sitze ich einfach nur da und frage mich, ob das Projekt Menschheit denn überhaupt gut kommen kann.
Wir haben es ja seit der Aufklärung einerseits relativ weit gebracht, andererseits krankt das System Mensch immer wieder an den gleichen Schnittstellen. Man darf sich mit Recht fragen, ob die Menschheit jemals aus ihrer Geschichte lernen wird. Momentan bezweifle ich das gerade.
Das kann passieren, wenn man sich die Resultate der Friedrich-Ebert-Stiftung, die in Deutschland zu rechtsextremen Themen rumgefragt hat, reinzieht und wirken lässt.
Da kräuseln sich mir die Zehennägel, denn Deutschland ist nicht weit von hier. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn in der Deutschen Schweiz dieselbe Befragung ganz ähnliche Resultate hervorbringen würde.
Als vorläufiges Fazit kann man festhalten, dass die Leute grundsätzlich mal kein Problem mit Überwachung und staatlich repressivem Verhalten haben, so lange die christlich-jüdisch-abendländische Leitkultur gewahrt ist, bei einem vergleichsweise liberalen und kulturell durchmischten Gesellschaftsmodell kriegen aber alle das grosse Muffensausen.
Da soll mal einer drauskommen.
Wer weiss, vielleicht hilft uns da die Neuro-Forschung weiter, indem sie mal ein Deppen-Neuron oder so etwas ähnliches findet. Es muss ja letztendlich einen biologischen Grund geben, warum die einen völligen Schwachsinn denken und reden, andere hingegen vernünftig und besonnen durchs Leben gehen.
Da kommen sicher noch interessante Erkenntnisse auf uns zu. Ich freue mich schon jetzt auf die Pille, die rassistische und menschenfeindliche Ansichten ausmerzt und aus jedem dissozialen Möchtegern-Nazi einen flotten, sozialen, demokratischen und engagierten Menschen machen. Da werden die Leute staunen.
Bis dahin vertörlen wir uns die Zeit mit den kleinen, täglichen Goodies, die uns die hiesige Kulturszene beschert. Da lese ich doch heute in meinem liebsten Käseblatt (auf der letzten Seite neben Frau Glogger), dass der bärtige Rap-Gangster Greis seine visuelle Duftmarke (aka. Tag) auf den Zeitungskästen derselben Firma hinterlassen hat. Nur war der Herr Greis leider so doof, dies vor Zivis und und mit seiner offenbar bekannten Duftmarke zu tun.
Schon blöd. Ich könnte so etwas besser. Erstens würde ich das Erkennungszeichen eines ungeliebten Kollegen verwenden anstatt des eigenen, zudem würde ich Zivilbullizisten sowieso auf 100 Kilometer gegen den Wind riechen.
Nun ja, jetzt muss der Herr Greis halt ganz gängstermässig die Kästen putzen gehen, damit er sich die Busse sparen kann. Das dürfte für einen Helvetischen Musikanten schon eine Rolle spielen, da man es hierzulande nicht vermag, im Bentley und mit billigen Bitches rumzukurven, obwohl man ein dekorierter Künstler ist.
Vielleicht müsste man dem jungen Mann mal erklären, wie so ein Leben als Musik-Gangster auszusehen hat. Und vor allem, wo man so etwas durchziehen kann, denn in hiesigen Gefilden sind die Voraussetzungen eher schlecht.
Aber mich fragt ja keiner.
Quizfrage:
Was ist der Unterschied zwischen Ueli “Shlomo” Maurer und Micheline “Fatima” Calmy-Rey?
Nix, nada, niente. Beide haben sich lokalen Kleidungsbräuchen angepasst, beide jeweils aus guten Gründen.
Wo aber bleibt der Protest? Micheline musste damals medial ziemlich unten durch wegen ihrem weissen Nichts auf dem Kopf, beim Ueli hingegen hält sich die rechte Journaille offenbar ziemlich im Zaum. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Die Frau Roten vom Magazin ist auch ein bisschen streitbar, ich zum Beispiel finde ihr Geschreibsel recht gut. Die Meinungen in meinem Umfeld sind aber recht geteilt, ich stehe weitgehend alleine da mit meiner beinahe bedingungslosen Vorliebe für die Michèle.
Ihre Kolumne im aktuellen Magazin (das zum Teufel noch mal nicht mehr gratis im Web steht. Was hat die Leute bloss geritten?) hat mir wirklich aus dem Herzen gesprochen, sie schreibt da über den rechten Meinungs-Pöbel und seine Auswüchse.
Ihre Argumentation ist schlüssig und nebenbei – auch ohne expliziten Bezug von Frau Roten selbst – ein flammendes Plädoyer wider die Diktatur des Pöbels.
Unbedingte Leseempfehlung!
Røyksopp haben wir schon ein paar Jährchen auf dem Radar, allerdings machen sich die beiden Fischerseelen aus dem Norwegischen Tromsø, einer Stadt nördlich des Polarkreises, zwischendurch immer wieder rar.
Ich habe einen recht witzigen Auftritt in einer Norwegischen Fernsehshow gefunden, der knapp befriedigend übersetzt wurde (nicht, dass ich Verständnisprobleme hätte, aber unsere werte Leserschaft ist womöglich froh darum).
Nun wurde mir neulich ihr letztes Album angetragen, das schreit natürlich nach einer gepflegten Musigstubete.
Somit seit der Vollständigkeit halber die tolle Scheibe Senior wärmstens empfohlen, aber natürlich auch alle anderen Veröffentlichungen zuvor.
Mein aktueller Überhit ist das sphärische, tränenreiche What Else Is There vom Album The Understanding aus dem Jahr 2005. Ich liebe den süssen Akzent meiner Landsmännin Karin Dreijer Andersson, die dem Stück ihre Stimme geliehen hat.
Mahlzeit.
Ich bin ja selbst deklarierter Fussball-Nixchecker. Umso schlimmer für die Footer-Fan-Kollegen im Büro, als ich eine Einladung für ein Spiel der Champions League bekam. So mit alles drum und dran, inklusive Eintritt in die Champions Lounge und Lizenz zum Futtern und Löten.
Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, den zwei Fussballbegeisterten mein Ticket unter die Nase zu halten und ihre Reaktion zu geniessen. Hie und da muss ich meinen leichten sadistischen Neigungen einfach etwas Auslauf gönnen, das aber nur nebenbei.
Da habe ich also mit der werten Kollegin im Voraus freudig fantasiert, wie wir bequem auf einer Ledercouch rumpflözen und uns mit feinstem Schampus vollaufen lassen würden. Das Spiel würde so zur Nebensache verkommen und wir hätten mit ein paar netten Leuten einen lustigen Abend verbracht.
Die erste Enttäuschung liess nicht lange auf sich warten. Nachdem wir uns durch tausende von eigenartig eingekleideten Leuten durchgewühlt hatten, kamen wir etwas erschöpft, aber eben voller Vorfreude in der Champions Lounge an.
Dann dies: Es gab keinen Schampus. Die Tische waren durchaus reichlich gedeckt, aber an Blubberwein hatte offensichtlich niemand gedacht.
Und dies: Weit und breit keine Ledercouch. Es gab zwar die eine oder andere Möglichkeit, sich bequem zu setzen, aber die grosse Anzahl Menschen in dieser Lounge stand in keinem Verhältnis zu den wenigen Sitzmöglichkeiten. Zudem musste das Spiel optimalerweise auf den Rängen in harten Schalensitzen aus Plastik genossen werden. Zum Glück hatten wir ein Dach über dem Kopf.
Das brachte mein welkes Oberstübchen dazu, ein paar Erkenntnisse zu formulieren.
Erstens: Ein Ticket in die Champions Lounge ist kein Freibillet für dekadenten Schampus-Spass mit Leder unter dem Füdli. Wenn man sich einen Abend lang wie ein Halbgott fühlen will, geht man also besser nach Egerkingen ins Römerbad, das kostet etwa gleich viel, aber man kommt wesentlich entspannter aus dem Laden wieder raus.
Zweitens: Menschen, die für ein Ticket in der Champions Lounge bezahlen, haben eigentlich nur Gratisessen, Gratisbooze und einen leicht besseren Blick auf das Spielgeschehen, mehr nicht. Der Andrang ist etwa gleich gross und penetrant wie beim Fussvolk und es gibt auch bei den vermeintlich Mehrbesseren Leute, die sich nach dem Gang aufs Klo die Hände nicht waschen.
Ich habe echt kurz überlegt, ob ich in res publica auf den Mann zeigen und laut schreien sollte “Die Sau hat sich nach dem Pinkeln die Hände nicht gewaschen!”. Ich tat es dann doch nicht, weil die Einladung von einem Kunden und Sponsoren kam und ich niemanden unnötig blamieren wollte. Henusode.
Ach ja, das Spiel. Glücklicherweise vergingen die zwei mal fünfundvierzig Minuten inklusive Pause wie im Fluge, es war streckenweise sogar richtig spannend. Natürlich hat der Favorit letztendlich gewonnen und die Lokalmatadore gingen geknickt, aber unter tosendem Applaus zurück in ihre Kabinen.
Immerhin hatte der Anlass trotz allem ein wenig People-Flair, habe ich doch zwischen all den Wichtigtuern noch ein paar Dekoschlampen Spielerfrauen und sogar das Christineli Surer gesehen. Aber die Ärmste sollte wirklich mal richtig Essen, bei so einem Klappergestell muss ich immer gleich an den Mittermeier denken: “Die will man nicht ficken, die will man füttern.”
Sei’s drum, es war eine interessante Erfahrung, die ich in etwa mit dem gleichen Fazit wie beim Oktoberfest abschliessen kann:
Es ist in Ordnung, wenn man es mal gesehen hat, aber einmal reicht im Leben.