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Dschango Beinhart

Aufgewachsen zwischen den Karpaten und Ste-Maries-de-la-Mer ist Dschango Beinhart nun hier in der Daumenschraube sesshaft geworden. Von aufbrausendem Temperament, schneller Feder und grosser Klappe schreibt er gegen Ignoranz und Selbstüberschätzung an. Daneben ist Dschango ein ausgezeichneter Koch, ein begnadeter Musiker und er sieht auch noch blendend aus.

Dschango Beinhart
dschango@daumenschraube.ch

Dschango Beinharts Artikel:


Die perfekte Woche

Ja, der Titel dieses Artikels…  ich habe lange mit ihm gerungen, schliesslich hat er mir das Kreuz auf die Matte gedrückt und ich hab nur noch abklopfen können. Vielleicht ist es nicht die perfekte Woche gewesen, aber heieiei, verdammt nahe dran war sie auf jeden Fall.

So könnte ich diese Woche beispielsweise über die Katholen und deren obersten Schef schnöden. Ginge total easy, vor lauter Steilvorlagen weiss man ja nicht, wo man als erstes abdrücken soll. Aber erstens hat Kollege Magnussen bereits in äusserst befriedigener Weise abgedrückt und zweitens läuft es in der katholischen Kirche momentan absolut optimal, jedenfalls für meine persönliche Agenda diese Organisation betreffend. Also lassen wir das mal.

Ich könnte auch darüber schreiben, wie sich diesen Montag eine Theologieprofessorin ohne Plan und von der traurigen Gestalt selbst demontiert hat. Das war am Mäntigsapéro, das Ron Orp wohl im kompletten Drogenrausch recherchiert hat (merci, Berner Gazette!) und bei dem es eigentlich auch den Beda Stadler (da übrigens ungewohnt nett und die Theologin Schroer schon fast liebevoll provozierend) nicht wirklich gebraucht hätte. So viel Schwurbel hat selbst der Dschango noch selten gehört und am Schluss machte die gute Frau den Eindruck, als ob sie den Blödsinn, den sie da rausgelassen hat, selbst nicht mehr glauben könnte. Schade war nur, dass die eigentlich wichtigste Frage des Abends nicht gestellt werden konnte, nämlich wie viel Neues wir in den letzten 200 (oder 500, oder 1000, oder 2000) Jahren dank der Theologie über die “Natur Gottes” gelernt haben. War ja toll, wie Frau Schroer erzählt hat, was sie alles machen in ihrer Fakultät (Kurzfassung: nichts, was in anderen Fakultäten nicht mindestens so professionell, aber ohne Dogma als Ausgangspunkt aller Forschung gemacht würde). Andererseits hatte ich gegen Schluss den Eindruck, dass die Frau Professorin jetzt dann eh bald heulend zum Saal rausrennt und liess es mit der Fragerei bleiben.

Ja, und selbst wenn all dies nicht passiert wäre, könnte ich euch von einer Amazon-Suche erzählen, bei der ich zufällig auf das Buch “Gott: eine kleine Geschichte des Grössten” gestossen bin. Nicht, dass man das Buch jetzt lesen müsste (laut Amazon-Kritik macht der Autor so tolle, voll richtige und total noch nie gehörte Aussagen wie “wer Atheist ist, ist Nihilist, ist Massenmörder oder zumindest ein Unterstützer solcher”, hier der Lesbarkeit zuliebe gekürzt wiedergegeben). Aber man schaue sich mal dies an:

Ein Schelm, aber sowas von ein Schelm, wer da Böses denkt, vor allem, wenn er kurz vorher die doch leicht sinnfeindlich und lusttötend dreinblickende Frau Schroer live gesehen hat.

Und zum Schluss melden die mir doch noch, dass schwanz-und-hirnlos-Rapper Bushido zur dreizehnthässlichsten Frau Deutschlands gekürt wurde. Noch vor Angie Merkel (Platz 14) und Bill Kaulitz (Platz 30).

Sorry, aber… kann eine Woche überhaupt noch besser laufen?




Immer feste druff!

Momentan scheint es ja schampar trendy zu sein, der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP) Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Der Wahlkampfblog weiss beispielsweise ganz genau, was diese Partei falsch macht. Kritik wird oft von extern mitgeteilt, mit ganz besonderer Verve auch vom politischen Gegner, oder, im Beispiel vom Wahlkampfblog, von Leuten, die gerne bedeutende Polit-Anlässe organisieren würden, aber von der SP regelmässig einen Korb bekommen.

Fakt ist: sozial ist nicht mehr sexy. Wer für andere schaut, wird belächelt. Wer für eine gerechtere Gesellschaft kämpft, wird ausgelacht. Und wer gar kritisiert, auf welche Art wir wieviel verdienen, manövriert sich selbst aufs Abstellgleis.

Interessant ist: an allem ist die SP schuld. Immer. Schon mal aufgefallen? Für alles, was in diesem Land schief läuft, ist die SP verantwortlich. Erstaunlich ist bloss, dass dieses Land seit Gründung des Bundesstaates durchgehend eine bürgerliche Mehrheit in Parlament und Regierung hat. Aber so sind sie eben, die Linken: Geheimplan hier, Verschwörung da, und schon wissen die armen Bürgerlichen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht und sie drücken aufs sozialistische Knöpfchen.

Eine höchst beliebte Knallkopf-Kritik ist ja, dass die SP das Demo-Debakel vom 6. Oktober 2007 zu verantworten habe. Oder alternativ: die SP habe aus dem Demo-Debakel am 6. Oktober 2007 nichts gelernt.

Ein komplett bescheuerter Vorwurf. Am 6. Oktober 2007 war ein (damals noch) FDP-Politiker Polizeidirektor, die Einsatzleitung oblag dem Kanton (mit einem FDP-Polizeidirektor) und die prügelnden Scheisse-statt-Hirn-Kinder waren garantiert alles andere als SP-WählerInnen. Der einzige Vorwurf, den sich die SP hier machen muss, ist, dass sie konsequent gegen eine Einschneidung von Bürgerrechten (hier: Versammlungsfreiheit) eintritt. Was meiner Meinung nach zu keinem Vorwurf, sondern einem “Merci” führen müsste.

Das SP-Sicherheitspapier, das vom Wahlkampfblog im Original als “stark” eingestuft und “in der parteiinternen Diskussion verwässert” wurde, war einfach nur ein weiteres Law and Order-Pamphlet ohne irgendwelchen Realitätsanspruch. Klar, es hätte allen wunderbar gepasst, wenn die SP sich nun auch zu Repression als Allheilmittel bekannt hätte. Wäre wahnsinnig praktisch gewesen, wenn auch diese Partei endlich das populistische “wir wissen auch nicht weiter, aber das wenigstens lauter als alle anderen”-Mantra angestimmt hätte.

Und übrigens: die Damen Wyss und Allemann als “Lichtgestalten” zu bezeichnen ist ja nun doch etwas gar seltsam. Sie mögen ja beide gute Politikerinnen sein, aber “Lichtgestalten”? Mal bisschen von den Drogen runter, Herr Balsiger, dann klappt es auch wieder mit der Einordnung von visuellen Reizen.

In der Tat gibt es bei der SP auf nationaler Ebene Figuren, die den Eindruck dieser Partei prägen. Nur sind dies momentan kaum Leute, die tatsächlich etwas auf die Reihe bringen (Allemann, die in der Bevölkerung als “Babi” und Wyss, die der Masse als “arrogant und mühsam” ankommen, zähle ich hier explizit dazu), sondern Pseudolinke, die ihre krude Weltsicht und ihre persönliche, von Zwängen geprägte Lebenssicht auf ihre Umwelt loslassen wollen: Jositsch, Galladé und Maurer (Esthi, nicht Ueli) wären da Beispiele. Solche Figuren prägen momentan leider das Image der SP als sinnfeindliche Verbotspartei. Solche Figuren, vom politischen Gegner gerne als “pragmatisch” und “undogmatisch” dargestellt, sind aber für mich kaum unterscheidbar von bürgerlichen Repressionsfanatikern und verwischen für mich die Grenzen zwischen den Parteien noch mehr.

Man verstehe mich nicht falsch: wenn es nach mir ginge, gäbe es überhaupt keine Parteien mehr. Die Idee der Parteiendemokratie mag die letzten 200 Jahre ein tolles Modell gewesen sein; aber ob es heute noch funktioniert, ist zumindest diskutierwürdig (keine Angst, nicht in diesem Artikel). Klar ist aber, dass Parteiendemokratie nur dann funktionieren kann, wenn die beteiligten Parteien auch tatsächlich unterschiedliche Positionen einnehmen. Den momentanen Trend, alle Positionen (zumindest auf dem Papier) in die Mitte zu verschieben (sprich: Rückgratlosigkeit zum Programm zu machen), muss man daher als Angriff auf unsere Demokratie verstehen.

Noch ein Wort zu den neuen Parteien, die letzten Herbst in den Berner Stadtrat eingezogen sind. Klar ist, dass die SP Wählerstimmen an glp, GFL und BDP verloren hat. Klar ist aber auch, dass diese Parteien soziale Anliegen gerne links (!) liegen lassen: in der Stadtratsdebatte zur Konjunkturanschiebung von vorletztem Donnerstag wurden sämtliche grünen Anliegen durchgewunken, sämtliche sozialen Anliegen aber deutlich abgelehnt. Vor allem die GFL hat sich damit wieder mal klar als das entpuppt, was sie schon seit eh und je ist: die Partei der velofahrenden FDPler, die im Sommer schon mal kurzärmlige Hemden tragen (aber auch nur dann, wenn das alle anderen auch tun).

Wahlkampf-Balsiger schreibt übrigens von “Leaderfiguren aus BDP, GFL, GB und glp”. Nähme mich mal wunder, wo er diese gesehen hat, im Stadtrat können sie unmöglich sein.

Er schreibt auch davon, dass die SP “eine gut gebildete Bevölkerungsschicht, die mit der verstaubten Rhetorik der SP wenig anfangen kann, ökologisch denkt und handelt, gleichzeitig den Markt nicht verteufelt und pragmatische Lösungen anstrebt”, nicht mehr abholen kann. Was Balsiger unterschlägt ist der Nebensatz “solange es sie selbst nicht einschränkt”. Und genau das ist der Punkt an der Sache. Was all die neuen Parteien versuchen, ist die Quadratur des Kreises: grün angehauchte Pfläschterli auf die schwärende Wunde, um den wirtschaftlichen Status Quo erhalten. “Biodiesel” ist so eine klassisch grünliberale Idee, die im Voraus zum Scheitern verurteilt ist, an der aber garantiert ein paar schlaue g- oder l-WählerInnen gut verdienen werden.

Wie ich ganz am Anfang schon schrieb: Kritik wird an der SP vor allem von aussen geübt. Als nicht-SP-Mitglied reihe ich mich deshalb gerne hier ein, greife diesen tollen Trend auf und möchte der SP ein paar Tipps mit auf den Weg geben:

Etwas, das man in SP-Kreisen oft und gerne ignoriert: die stetig wachsende Zahl der konfessionsfreien Wählerinnen und Wähler vergrault ihr mit eurer Anbiederung gegenüber religiösen Führern und Institutionen regelmässig. Kein Lama, kein Papst, keine Kirche und kein Bischof, dem SP-VertreterInnen nicht allzu gern in den gebenedeiten Arsch kriechen. Ich kann zwar ein Stück weit nachvollziehen, wie ihr den südamerikanischen Befreiungstheologen auf den Leim gekrochen seid. Aber wie ihr ja selbst wisst, muss man nicht unbedingt Marx gelesen haben, um zu wissen, dass Religion Opium fürs Volk ist. In der heutigen Zeit übrigens eher Crack: billiger in der Produktion, verheerender in der Wirkung.

In dem Zusammenhang: nur weil jemand zufälligerweise eine dunkle Haut hat, aus einem fremden Land kommt, verfolgt wurde oder eine Frau ist, heisst das noch lange nicht, dass dieser Jemand auch ein guter Mensch ist oder a priori sein Gehirn regelmässig zum Denken einschaltet. Umso mehr, wenn selbiger auch noch bekennender Freikirchler ist. Es mag auf den Wahllisten gut aussehen, wenn man bunte Köpfe hat. Es wäre aber vielleicht noch schlau, vorgängig abzuklären, welche Positionen diese Leute dann effektiv einzunehmen gedenken.

Klar ist, dass euch eure Gegner gerne zur MItte-Partei kastrieren möchten. Es wäre all diesen “Pragmatismus!”-Schreiern natürlich allzu wohl, wenn ihr euch auf dasselbe undefinierbare Niveau begeben würdet, auf dem sie sich bereits befinden. Es wäre natürlich schön, wenn ihr ebenfalls auf Abgrenzung verzichten würdet, damit die Wähler noch viel weniger wissen, was die Parteien genau unterscheidet. Es wäre für alle anderen faktisch der Hammer, wenn die SP überhaupt nicht mehr gewählt würde, ganz einfach weil sie eh denselben neo-kon-liberalen Marsch bläst wie alle anderen.

Ich sage euch aber: eure Zeit kommt wieder. Spätestens dann, wenn die Weltwirtschaftskrise nicht mehr nur die Wahl “VW oder Ferrari” betrifft und die Arbeitslosenquote wieder diejenige der Analphabeten in diesem Land übersteigt, spätestens dann wird man sich wieder an euch erinnern. Oder habt ihr etwa das Gefühl, all das neue, bunte grünliberale und liberalgrüne Suppenkraut gäbe es in vier, in acht Jahren noch?

Deshalb hier mein Aufruf, werte Genossinnen und Genossen: seid nicht das blassrosa Fähnchen im grünen Sturmwind. Was die letzten Monate in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen gedruckt stand, sollte euch eigentlich zeigen, dass ihr mit eurer Kapitalismuskritik so komplett daneben nicht sein könnt. Es ist wichtig, dass ihr für die Schwachen dieser Gesellschaft einsteht, weil es sonst niemand mehr macht. Es ist wichtig, dass ihr euch für unsere Bürgerrechte einsetzt, auch wenn ihr dafür vom Gegner als “mühsam” und “stur” angesehen werdet. Es ist manchmal gut, stur zu sein! Es könnte sogar sein, dass euch eure jetzige Sturheit in ein paar Jahren als “ehrlich” und “konsequent” ausgelegt wird. Grenzt euch deshalb jetzt ab von all diesen grünen Wendehälsen, die uns das alte unterdrückerische Wirtschaftssystem in Jute-Säcken verkaufen wollen.

Steht zu euren Überzeugungen. Es braucht sie heute mehr denn je.




Kacke mit Kakás Kapelle

Schlimm: in São Paolo ist das Kirchendach der Jesus-Fundianer Wiedergeburt in Christus eingestürzt – siehe zB hier. Prominentestes Mitglied der Sekte ist Fussballer Kaká, der dort auch seine Herzdame geehelicht hat.

Warum das jetzt einen Artikel wert ist? Eigentlich gar nicht, stimmt. Es kommt jetzt auch kein Sermon im Stil von “warum ein Blitzableiter auf einer Kirche ein klares Misstrauensvotum gegenüber Gott ist”, keine Angst.

Aber den Titel, den konnte ich mir einfach nicht verkneifen.
:D




Die noch einmal ganz andere Presseschau

Es wird ja immer wieder gejammert über den Qualitätsverlust, der die Presselandschaft mehr und mehr prägt. Auch wir von der Daumenschraube sind immer an vorderster Front dabei, wenn es darum geht, der sogenannten dritten Macht (nicht zu verwechseln mit dem dritten Reich, total etwas anderes) auf die Pfoten zu hauen, weil sie mal wieder einen Bock geschossen hat.

Und ich hab fast mein Höslli genässt vor Lachen

Man muss aber so ehrlich sein, auch Lobenswertes zu erwähnen. So geschehen diese Woche im BlaAbend, mit der besten Schlagzeile aller Zeiten. Da kann sich sogar “Wir sind Papst!” dahinter verstecken, finde ich.

Sowieso, der Blabend, gäbe es diesen nicht, wie viel würde uns fehlen. Dank diesem tollen Blatt entgeht uns nichts, beispielsweise auch nicht, dass Ramona und Nico gerne von der Presse in Ruhe gelassen würden. Und die Grossmutter von Nico auch. Und Juri, der Vater von Nico, sowieso. Und Ramona, Nico, Juri und Grosi hätten ohne den Blabend kein Podium, um dieses Bedürfnis der Welt auch mitzuteilen, weil, die Schweizer Illustrierte liest ja eh kaum ein Schwein. Blabend, mach weiter so, die Teenie-Mütter dieses Landes brauchen dich!

OHGOTTOHGOTTOHGOTT!!

OHGOTTOHGOTTOHGOTT!!

Ich finde es auch schön, wenn die Presse ihre national-psychohygienischen Aufgaben wahrnimmt. Da war beispielsweise die ganze Zeit von einer Weltwirtschaftskrise die Rede, die uns alle total sturm im Gring gemacht hat. Auch bei Beinharts hat sich die Weltwirtschaftskrise im Kopf breit gemacht: wir kaufen jetzt nur noch das billige Séléction-Zeug aus der Migros, anstatt den traditionellen Wocheneinkauf im Globus zu machen.

Item. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, dass die Presse den Menschen den Kopf wieder geraderückt und ihnen sagt: Leute, so schlimm ist das alles nicht! Freut euch des Lebens und sagt JA! Und dieser Woche ist es der Berner Zeitung gelungen, mal wieder deutlich zu machen, dass wir in einer absoluten Null-Problem-Zone leben. Oder wie sonst kann man es sich erklären, dass die Tatsache, dass eine Schönheitskönigin von einem Büsi gekratzt wurde, eine Meldung mit Foto wert ist? Danke an die BZ, die uns mal wieder klar gemacht hat, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben!

PS: Schönheitskönigin und Büsi wurden umgehend von einem Care-Team betreut; beiden geht es den Umständen entsprechend wieder gut.




Das auserwählte Volk

Schon mal überlegt, warum die Klorolle im Büro-WC immer dann leer ist, wenn du auf dem Pott hockst? Oder schon mal gestutzt, weil immer du der- oder diejenige bist, dem/der die Tauben auf den Kopf scheissen? Dass in der Beiz immer du vom Personal übersehen wirst? Kann das einfach nur Zufall sein? Natürlich nicht, du gehörst einfach nicht zum Auserwählten Volk.

So schön sah er lange nicht mehr aus

So schön sah er lange nicht mehr aus

Es gibt ja einige Gruppen, die von sich behaupten, von Gott auserwählt zu sein. Im Grunde genommen behaupten das auch alle Religionsgemeinschaften von sich, mal mit mehr, mal mit weniger Offenheit und Vehemenz. Allen voran natürlich die Juden, die die Auserwähltheit quasi erfunden haben und die diese Idee bis heute durchziehen. Man kann (und soll) sich jetzt natürlich fragen, ob es unbedingt einen Holocaust, verstümmelte Shnibbeles und Katjuscha-Raketen braucht, damit Gott einem zeigen kann, wie ganz doll lieb er einen hat. Eher nicht, denk ich mir jetzt mal.

Die Muslime hingegen leben mehrheitlich unter grausligen Verhältnissen, bekommen israelische Bomben zum Frühstück und haben Schiss vor Schnaps und Frauen. Und die Shnibbele-Geschichte gilt auch hier. Also die Muslime können wir bezüglich Auserwähltheit wohl ebenfalls knicken.

Dann noch die Christen. Rein vom ökonomischen (lies: calvinistischen) Standpunkt her könnten sie ja auserwählt sein: Wohlstand einer breiten Bevölkerung kommt primär in christlich geprägten Ländern vor. Sie müssen sich auch nicht von Geistlichen an ihren juvenilen Genitalien rumsäbeln lassen, das passt auch. Die besten Gegenargumente hierzu: Weltwirtschaftskrise und katholische Priester. Ausserdem gibt es mittlerweile so viele Abspaltungen, Sekten und Kleinbibelgruppen christlichen Flavours, dass ich darauf wette, nicht mal Gott selbst hätte noch die Übersicht darüber, welche er jetzt genau als auserwählt ansehen würde.

Wenn man lange genug über dieses Thema nachdenkt, kommt man zwangsläufig zu diesem Schluss: Das Auserwählte Volk, meine lieben Leserinnen und Leser, das wirklich und wahrhaftig von Gott Auserwählte Volk, das sind die Zahnärzte dieser Welt.

Mir kam dieser Gedanke, als ich mir vorgestern Nacht mal wieder die Füllung von Molar 17 ausgebissen habe. Molar 17 und ich teilen eine lange, nicht immer erfreuliche Geschichte. Zig Füllungen (Amalgan, Porzellan, Plastik, Araldit, Weisses-Zeug-aus-der-Tube-womit-man-Löcher-in-der-Wand-zustopft), Wurzelbehandlungen, Spülungen und was weiss ich noch alles habe ich diesem verfluchten Zahn geschenkt. Und was kam zurück? Schmerzen und noch mehr Schmerzen. OK, vielleicht war es ja auch mein Fehler, weil wirkliche Aufmerksamkeit habe ich Molar 17 (oder ‘17′, wie mein Zahnarzt und ich ihn liebevoll nennen) nur dann zukommen lassen, wenn er mir mal wieder eine Eiterbeule bescherte, die mein Gesicht leicht rechtslastig wirken liess. Tatsache ist aber: mein Zahnarzt hat sich dank 17 eine Golfausrüstung, ein vergoldetes iPhone und eine Scheidung leisten können. Für einen simplen Backenzahn eine ganz beachtliche Leistung.

Habe ich eigentlich schon mal von meinem Zahnarzt erzählt? Ich mag ihn sehr gut leiden. Bedenkt man, dass wir ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zueinander haben (ich möchte gerne auch morgen noch kraftvoll zubeissen können, er möchte sein Handicap verbessern), kann man sogar sagen, dass wir in einer fröhlichen Symbiose zueinander leben. Er hat es geschafft, dass ich locker und entspannt auf dem Zahnarztstuhl hocken kann und mir nicht mehr die (metaphorische) Seele aus dem Leib schwitze, sobald ich seine Folterwerkzeuge sehe. Er bohrt wie der Teufel und wenn er mir sagt, dass ich keine Spritze brauche, dann ist das auch so. Da ich sehr viel Zeit auf dem Zahnarztstuhl verbringe, habe ich mir auch einige Grundkenntnisse der dentalassistentischen Tätigkeiten angeeinet: absaugen und Füllungs-Pistole nachladen sowie Röntgenaufnahmen meines Gebisses anfertigen kann ich mittlerweile weitestgehend autonom. Ich halte meinem Med. Dent. auch gerne die Werkzeuge. Oder packe ihn am Kragen, damit er mir beim Füllungsaufbau nicht ins Maul fällt.

Wie ich also vorgestern die – im Übrigen erstaunlich schwere – Ex-Füllung meines Zahns in der Hand hielt, ging ich folgendem Gedankengang nach:

Wenn Gott existiert, hat er sich etwas dabei überlegt, als er uns gemacht hat. Es kann also nicht sein, dass unsere für das Leben im Zuckerparadies des 21. Jahrhunderts schlecht angepassten Zähne durch Zufall oder gar – oh Schreck! – ein fehlerhaftes Design entstanden sein können. Sowieso: etwas derart Kompliziertes wie ein Zahn kann gar nicht durch Zufall entstanden sein. Immerhin braucht es da drinnen einen Nerv, dessen Aufgabe es ist, Unruhe in der Mundhöhle zu stiften und seinen Besitzer regelmässig daran zu erinnern, Gott für seinen tollen Job zu loben.

Nebst diesem – zugegebenermassen ehrenvollen – Zweck hat ein Zahn aber auch noch die Aufgabe, mindestens einem Zahnarzt einen gewissen Lebensstandard zu ermöglichen. So schlau war Gott, als er die Welt schuf, dass er schon daran gedacht hat, was er wohl mit den Zahnärzten macht, die sonst nur den ganzen Tag rumhängen und Golf spielen. Müssen Gott ordentlich auf den Sack gegangen sein, all die Golfbälle, die den ganzen Tag durchs Paradies flogen. Und so sehr liebte er die Zahnärzte, dass er schuf den Zahnnerv und den Karies, und Saure Zungen und Sugus, an denen Füllungen kleben bleiben und dann mit diesen zusammen beim TV schauen mit einem lauten Knirschen wieder rauskommen. Und Gott sah, dass es gut war. Vor allem der Part mit Dschango, der im Monatsturnus spuckte und fluchte, gefiel ihm ganz ausgezeichnet und er lachte sich den Ranzen voll.

Molar 17 hat sich nun zur letzten Reise aufgemacht. Mein Lieblings-Folterknecht hat ihn mit einem Gartenkralle-ähnlichen Werkzeug aus dem Kiefer gebrochen, in kleine, handliche Stücke zerkleinert und im Sondermüll entsorgt. Es war eine blutige, trotzdem befriedigende Angelegenheit für alle Beteiligten.

Er ruhe in Frieden, der kleine Sauhund.




Heute schon ein totes Tier im Schuh gehabt?

Dieser Artikel beginnt mit einem Geständnis: Ich, Dschango Beinhart, gestehe hiermit, Käsefüsse zu haben. Und nicht Käse so aus der Gouda-Light-Abteilung, sondern richtig üble Fine Food Quanten, im Aroma oszillierend zwischen einem gut abgereiften Camenbert aus der Normandie und einer würzigen, ungarischen Salami. Das sind wohl meine Gene, die jahrhundertelang in allen Ecken Europas herumflottiert sind, um dann schliesslich in meinen Füssen fröhliche Zusammenkunft zu feiern. Ist jetzt nicht so schlimm wie, sagen wir mal, Haarausfall im Jugendalter (hier liebe ich meine Gene!), weil ein Fusstoupet ist etwas ganz Normales, während ein Toupet auf dem Kopf immer wieder Anlass für derbe Spässe an Geschäftsweihnachtsessen ist.

Und spart euch all die guten Tipps. Alles ausprobiert, Erfolg mässig bis nicht vorhanden. Egal welches Fasergemisch für die Socken, egal wie oft oder wie selten mit welchen Emulsionen, Meersalzen und ätherischen Ölen eingerieben, gereinigt und gepudert, es läuft immer auf dasselbe hinaus: Falls mal jemand eine gefechtsfähige Geruchskanone entwickelt, wird er garantiert früher oder später bei Dschango vorbeikommen.

Da ich es vermeide, bei Besuch o.ä. meine Schuhe auszuziehen (meine wenigen Freunde will ich nicht auch noch verlieren) ist es im Grunde genommen nur Hase, die darunter leidet. Dies jedoch sehr. Und wer schon mal versucht hat, eine Frau, die grün im Gesicht ist, zu einem Schäferstündchen zu verführen, weiss, dass es höchst kontraproduktiv für einen entspannten Koitus ist, wenn die Frau darauf besteht, beim Akt den Kopf aus dem Fenster zu halten. Aber zum Glück gibt es heute, wo keine definierbare Zielgruppe von Marketingaktivitäten und auf sie zugeschnittenen Angeboten verschont wird, auch für Käsefussbesitzer und ihre Hasen eine Lösung: Geox, der Schuh der atmet!

Ich bin (bzw Hase ist) ja ein treuer Kunde dieser Firma, die mit dem gesellschaftlichen Tabu des Körpergeruchs ein Schweinegeld erwirtschaftet. Hatte bisher ein paar Sommerschuhe von denen, die auch tatsächlich das hielten, was sie versprachen: weniger Fussschweiss, daraus resultierend weniger Fussgeruch, daraus resultierend mehr und besseren Sex. OK, das Letzte habe ich jetzt frei hineininterpretiert, aber bei mir läuft es mehr oder weniger darauf hinaus.

Nunja.

Neulich war Zeit für einen Schuhwechsel, zielstrebig steuerten wir den Geox-Laden an und Dschango hatte die Aufgabe, von dem ausgestellten Schuhwerk ein Paar auszuwählen, das seinem Gusto entsprach. Das geschah auch recht flott – das Kriterium ’schwarz’ reduziert das Angebot in der Regel auf unter 50%, ‘ohne jeglichen Schischi’ auf maximal 5% und bei ‘ich sagte doch, ohne jeglichen Schischi, gopfertami!’ bleibt dann meist nur noch ein Schuh übrig. Die nette Verkäuferin meinte noch aufgeregt, der Schuh sei einmalig, weil erstmals auch von oben her wasserdicht (“die Membrane ist bis oben durchgezogen!”) und wir wurden uns schnell handelseinig. Zweihundert Franken abgedrückt, eine tolle Tüte mitbekommen, meine Füsse hatten ein kältefestes, schweissresistentes Winterquartier – was konnte da noch passieren?

Also, mal das Positive vorweg: der Schuh ist sau bequem. Wie Finkli schmiegen sich die Teile an meine strapazierten Treterchen, sie sind wohlig warm und tatsächlich kann man sich sogar eine Schneeballschlacht mit den Büro-Dudes geben, ohne dass Wasser von aussen reinkäme. Aufmerksame LeserInnen merken hier: da kann etwas nicht stimmen. Und ihr habt natürlich völlig recht, ihr aufmerksamen LeserInnen ihr!

Es geschah ein paar Tage nach dem Kauf, als Dschango abends noch vor dem Computer sass. Irgendwas roch da eigenartig. Undefinierbar, aber doch eindeutig unangenehm. Subtil, aber doch störend. Das Gemeine war: hätte es nach Käsefuss gerochen, hätten bei mir sofort alle Alarmglocken geschellt und ich hätte mir Müllsäcke über die Schuhe gezogen. Bei diesem Geruch dauerte es aber eine Weile, bis der Ursprung ausgemacht wurde. Er erinnerte mich an etwas Totes, das irgendwo in einer Ecke vor sich hinrottet und geduldig darauf wartet, zu Staub zu zerfallen. Nachdem ich eine Stunde lang unter allen Möbelstücken die vermeintliche Ex-Maus gesucht und die Katzen mit bösen Blicken verunsichert habe, merkte ich, dass mir der Geruch folgt. Dass er immer da ist, wo ich bin. Das gab mir dann doch zu denken.

Also. Der Schuh ist tatsächlich dicht. Er ist dichter, als ich es je war. Er atmet bestimmt irgendwie – vielleicht einmal pro Minute, so wie ein Wal. Das reicht jedoch bei weitem nicht, original osteuropäischen Zigeunerfussschweiss auszuweisen. Mit einem Emmentaler Bauernfuss wäre der Schuh bestimmt klar gekommen, vielleicht sogar mit einem Freiburger Pied Vacherin, bei mir streckt er aber die Waffen, schreit laut “Erbarmen!” zu mir hoch und die Dampfwölkchen, die in der Werbung immer so lustig paff-paff machen, bleiben bei mir ganz aus. Witzigerweise schafft es der Geruch, die ach so dichte Membrane (“bis oben hin durchgezogen!”) auszutricksen. Wahrlich ein Meisterwerk schuhmacherischer Ingenieurskunst!

Ganz übel ist es, wenn der Schuh eine Nacht ‘ausatmen’ kann. Der Geruch, der dem Teil am nächsten Morgen entströmt, ist sogar für meine Nase eine Note zu exotisch. Ich war schon an wirklich üblen Orten unterwegs, habe schon ganz, ganz elende Gerüche eingeatmet, habe nie auch nur die geringsten Berührungsängste gegenüber menschlichen Ausdünstungen gezeigt, aber dieser Mief ist wirklich, wirklich unter jeglicher Sau. Kein totes Tier auf dieser Welt kann derart bestialisch stinken.

Damit könnte ich ja noch leben. Letzthin, als es gerade arschkalt war, zeigte der Schuh aber noch ein neues, weitaus perfideres Gesicht: die Dinger sind nicht eistauglich. Ja, werte LeserInnen, richtig gelesen: nicht eistauglich! Ihr erinnert euch an letzte Woche, als die Strassen und Trottoirs alle gefroren waren? Da hättet ihr den Dschango sehen sollen, wie er verzweifelt versuchte, spät in der Nacht auf seinen rutschenden Tretern einen vereisten Hügel hochzukommen: ein Schritt vor, zwei Schritt zurück, Hopplarutsch, und das während etwa einer halben Stunde. Am Schluss krabbelte ich auf allen Vieren, die Fingernägel ins Eis hackend und mich daran den Hügel hochziehend. Wäre es jemand anderem passiert und hätte ich es gesehen, ich hätte mich bestimmt kaputtgelacht.

Die Nachbarn reden übrigens seit Neustem nicht mehr mit uns. Ich vermute, das ist, weil sie zweimal pro Tag im Treppenhaus an meinen in den letzten Zügen vor sich hinröchelnden Geox-Schuhen vorbeimüssen und sich fragen, warum der verfluchte Beinhart nicht endlich das sterbende Tier aus seinen Latschen entfernt.

Und verdammt, ich kann sie irgendwie verstehen.




PraktikantInnentag auf der Tagi-Redaktion

Naja, ‘Tag’ ist relativ.

Seit einigen Wochen
hat man eher den
Eindruck, dass da eine übermotivierte Kleinklasse die Redaktion komplett übernommen hat. Oder wie sonst erklärt man sich kreative Wortschöpfungen wie “verzweifelt schmunzeln“? Schon mal probiert, verzweifelt zu schmunzeln? Geht das überhaupt? Wenn ja – Fotobeweise bitte an dschango@daumenschraube.ch, werden umgehend hier veröffentlicht.

Die Online-Objektedatenbank des Museums in der Runden Ecke in Berlin ist hingegen durchaus einen Klick wert.

In diesem Zusammenhang (bzw fernab von jenem) hier noch eine heitere Szene aus der Welt der Lehrlingsbetreuung, neulich passiert in diesem Land und eurem Dschango zugetragen:

Schef: Schreib mal das Couvert an… hier hast du einen Zettel mit der Adresse, musst sie nur abschreiben.
Stift: OK…
(Stunden später)
Schef: Couvert angeschrieben?
Stift: Joa!
Schef: (liest) Moment… auf dem Zettel steht ‘Treuhand Tschanz’. Warum hast du ‘Tschanz Treuhand’ aufs Couvert geschrieben?
Stift: Ja, weil, ich wusste nicht, welches der Vor- und welches der Nachname ist…

Ich prophezeie diesem Auszubildenden eine steile Karriere als Tagi-Journalist.




Einen an die Waffel!

Man mag sich darüber empören, wie viel Schrott unter dem Label ‘Unterhaltung’ produziert wird. Man kann sich auch darüber wundern, wofür Menschen Geld hinzulegen bereit sind. Dies gilt ganz besonders für den Bereich der Computerspiele, denn beim Gamer paaren sich im Idealfall drei Eigenschaften (Technikverliebtheit, Untervögelung und der Bezahlwille, um dem Zocken auch möglichst exzessiv frönen zu können), die ihn zu einem begehrten Zielobjekt von allerlei Herstellern sinnloser Plastikgeräte machen.

Die Firma TN Games hat nun ein Gerät in Helmform angekündigt, das es dem Computerspieler erlaubt, auf ihn eingehende virtuelle Kopfschüsse und Schläge auf den Kopf mittels Force-Feedback zu spüren. Die Firma hat bereits eine Weste auf den Markt gebracht, mit der man spüren kann, wenn der Gegner einen Körpertreffer gelandet hat – und wo.

Ob das nötig ist? Kaum. Macht es die SVP konkordanzfähig? Eher nicht. Rettet es auch nur eine einzige chinesische Katze vor dem Kochtopf? Man darf es bezweifeln. Trotzdem, Dschango findet, hier wurde Geschichte geschrieben. Wer nicht im IT-Support arbeitet versteht das vielleicht nicht, aber ich sage euch: dieses Teil muss von einem IT-Supporter erfunden worden sein.

Man stelle sich die Möglichkeiten vor, die sich beim unternehmensweiten Einsatz solcher Geräte ergeben würden. So könnte man zum Beispiel den Auslöser mit Windows-Systemereignissen koppeln – wer Rückfragen des Systems provoziert, erhält Schläge auf den Hinterkopf, in stufenlos ansteigender Heftigkeit. Wer den Internet Explorer anstatt einem anständigen Browser startet (bzw Bullshit-Meldungen über solche verbreitet), spürt, wie ihm die Trojaner um die Ohren fliegen. Und vergesst die doofen Pop-Ups und Systemmeldungen, die nur hässlich aussehen und um die sich keine Sau kümmert: findet der Virenscanner verdächtige Objekte, wird der Benutzer künftig erstmal mit einem paralysierenden Stromstoss davon abgehalten, weiteren Schaden anzurichten, bis der Fachmann vorbeikommt. Ein Traum!

Selbstverständlich könnte man den Kopfschuss-Helm auch ferngesteuert auslösen. Dann beispielsweise, wenn man, wie diese Woche in Dschangos Büro geschehen, von einem Kunden das gewünschte Logo zwar tatsächlich in computerlesbarer Form und per eMail erhält – allerdings hübsch eingebunden in eine Excel-Tabelle.

Reply – OK – “Terrorists win”




Dem Chefredaktor fiel der Dativ aus dem Hirn

Muss nicht sein, oder?

Und wir regen uns auf, wenn wir Amateure in unseren Artikeln ein Rechtschreibfehlerchen übersehen haben. Pah!

Zumindest bei den Titeln sind wir immerhin fehlerfrei. Und die Fälle beherrschen wir eigentlich alle.

Mal eine Scheibe von der Daumenschraube abschneiden Tagi!




Eine Frage der Moleküle

Ich finde, Frauen riechen von Natur aus gut. Keine Ahnung, wie die das machen, aber sie tun es. Quasi defaultmässig aufs Optimum voreingestellt – Hacks erübrigen sich.

Wenn mich eine Frau anmachen will, riecht sie nach Frau und nicht nach dem Chemiekasten eines Parfumeurs. Auch nicht nach Heublümchen, nicht nach Opium und schon gar nicht nach Steffi Graf, sondern einfach nach Frau. Ich bin da auch tolerant, was Schweiss angeht; dieser wirkt auf mich im Zweifelsfall zumindest weniger aufdringlich als eine tonnenschwere Parfumwolke, die den latent zugrundeliegenden Schweissgeruch sowieso mehr unterstreicht denn kaschiert.

Bei Männern ist es dasselbe. Ja, Männer riechen manchmal streng, so dass es Richtung Gestank geht. Aber trotzdem: lieber weiss ich via meiner Nase, dass mein Nachbar im Bus kürzlich dem ältesten aller Hobbies gefrönt und schon vor ein paar Tagen sein Ungerhösli zu wechseln vergessen hat, als dass ich diese Informationen plus einer Dosis Axe von gestern, plus einer Prise Rasierwasser von heute Morgen, plus einem Häuchlein vom Wunderbaum aus Muttis Golf empfange.

Ja, der Dschango hat eine ausgezeichnete Nase. Er riecht es sowieso, liebe Frauen, wenn ihr untenrum zyklusbedingt grad nicht dicht seid. Easy, vollstes Verständnis von meiner Seite her. Aber erspart mir doch bitte, dass die Gerüche eurer Ausflüsse von denjenigen der synthetischen Kamille überlagert werden, mit der eure Slipeinlagen präpariert wurden. Mit den Ausflüssen kann ich nämlich umgehen, mit Ausflüssen gemischt mit Syntho-Kamille eher nicht.

Ganz übel: wenn Frau seit Jahrzehnten dasselbe Parfum benutzt, in täglich steigenden Dosen, um die eigene Unempflindlichkeit gegenüber dem Duft zu kompensieren. Arme Junkies der Geruchsindustrie, zum sozialen Abstieg verdammt. Solche Frauen riecht man, lange bevor man sie sieht. Und beides ist nicht schön.

In meiner perfekten kleinen Welt würde olfaktorischer Exhibitionismus sowieso mindestens so streng bestraft wie Rasen mit dem Auto: die Dunkelziffer, wieviele Unfälle jedes Jahr geschehen, weil Piloten aufgrund der Ange-ou-Démon-Granate einer Flight Attendant während Sekunden ins Koma fallen, wird von Experten als “wahrscheinlich verdammt uhuere hoch” eingeschätzt.

Auch so eine Sache: Düfte, die auf einer von mehreren Personen benützten Toilette nun mal vorkommen. Niemand konnte mir bisher erklären, warum der Gestank von verbranntem Schwefel in einer Toilette angenehmer sein soll als derjenige von einem gesunden Schiss, der immerhin dorthin gehört, im Gegensatz zu Schwefel, der in Toiletten nur extrem selten natürlich vorkommt.

In diesem Zusammenhang möchte ich mal denjenigen Menschen, die unter latenter oder voll ausgebrochener Bakterien-Paranoia leiden, ein für alle Mal den Rest geben. Darauf freue ich mich schon lange, also passt gut auf, hier gibts was zu lernen!

Wie wir ja alle wissen, sind Düfte nichts anderes als Mokeküle. Was wir als Duft erleben, ist der Reiz, den ein Duftmolekül beim Andocken an einen entsprechenden Rezeptor in unserer Nase auslöst (Details hier). So weit, so gut. Was viele Leute (erfolgreich) verdrängen: ein Duft ist nicht etwas ätherisch-feinstoffliches, sondern etwas ganz und gar Handfestes, eine chemische Verbindung nämlich. Bevor sie nun auf unseren Riechkolben trifft, reist diese Verbindung fröhlich durch die Luft und hat ihren Ursprung – Achtung! – in dem Objekt, von dem sie abgesondert wurde.

(Denkpause)

Na, hat es eingeschlagen? Oder bist du dir der Tragweite dieser Einsicht immer noch nicht bewusst? OK, ich helfe dir auf die Sprünge: wenn es nach Kothaufen riecht, hast du tatsächlich ein Stück Scheisse in der Nase. Riecht es nach Schweiss? Dann ist der Schweiss so präsent in dir, wie er es nie wäre, würde der Schwitzende dir mit der nassen Hand bloss über den Rücken fahren. Riecht es nach Sonntagsbraten? Dann, lieber Vegi, hast du dir selbigen soeben einverleibt, ob du willst oder nicht. Und wenn es tötelet, weil eine dahingegangene Maus unter dem Sofa verrottet – ja, dann hast du soeben tatsächlich ein Stück langsam vor sich hinfaulender toter Maus in deiner Nase gehabt. Oder kurz: was du riechst ist in dir.

Witzige Vorstellung, nicht? Vor allem, wenn man bedenkt, wie nahe die Nase dem Mund ist und wie nicht existent die hermetische Schranke zwischen den beiden.

Den LeserInnen, die noch nicht aufgehört haben zu atmen, muss spätestens jetzt völlig klar sein, warum künstliche Düfte bei mir pfui sind, egal ob für die Wohnung, den Hund, das Auto oder die Slipeinlage: Ich rieche gern, was ist. Wir können es sowieso nicht umgehen, mit der Welt um uns in Berührung zu kommen, schon gar nicht, was unser Riechorgan betrifft. Folglich vermeide ich tunlichst, die Welt durch das olfaktorische Äquivalent zu einer rosaroten Brille zu betrachten.

Meine Nase ist mein Auge ist mein Ohr.




‘Der Bund’ am Ende – wir zeigen die Zukunft!

Wie man in diversen, verschiedenen, solchen und auch anderen Publikationen lesen konnte, ist die Zukunft der Berner Tageszeitung ‘Der Bund‘ mehr als fragwürdig. Man suche eine Lösung, man kläre verschiedene Optionen ab, das Projektteam analysiere – bekanntlich ist dies nichts als Management-Neusprech für “das Pferd ist tot, mal schauen, wie lange wir den Pöbel trotzdem noch im Sattel halten können”.

Wirklich erstaunen kann das nicht. Ob Bern die kritische Grösse hat, zwei Tageszeitungen zu ernähren, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass der Bund die letzten Jahren sowieso mehr und mehr zur BZ-Filiale geworden ist, halt einfach ein bisschen weniger bunt. Von “liberal und unabhängig” war da schon länger nicht mehr viel zu spüren und es darf vermutet werden, dass die wenigen tatsächlich kritischen (und nicht bloss ‘kritisch im Rahmen des von den Werbekunden tolerierbaren’) JournalistInnen bereits bei der letzten Umbaurunde mehrheitlich das Schiff verlassen durften/mussten.

Heisst das, dass die Berner Bevölkerung nun ein Informationsdefizit haben wird? Nein, keine Sorge. Für (garantiert unabhängige) Kritik und Unterhaltung gibt es ja nach wie vor noch die Daumenschraube und daran ändert sich auch nichts, solange uns tamedia nicht ein wirklich, wirklich grosszügiges Angebot macht. Ausserdem plant man bei ebender unter anderem ein Fusionswerk zwischen Berner Zeitung und Der Bund, das sicher noch viiiiiiel besser wird, als es die Summe seiner Teile je war.

Aber klar doch.

Wir von der Daumenschraube haben bereits einen konkreten Vorschlag, wie diese Fusion zumindest benennbar wäre. Und unsere Kreativ-Abteilung hat schon eine Idee, wie das neue Logo des fusionierten Zeitungs-Monopols aussehen könnte:

Wäre ehrlich, knüpft an die lange Tradition der beiden Blätter an und versucht, es allen recht zu machen. Eigentlich gäbe es nur Gewinner.

(Angebote für die Übertragung der Rechte an der Marke ‘Der BrunZ – die abhängige und kostenpflichtige Gratiszeitung’ sowie für die Erstellung eines CI gemäss obigem Muster bitte an redaktion@daumenschraube.ch – merci!)




Bern hat gewählt: die Gala-Preisverleihung 2008

So, endlich ist der Zauber vorbei. Gewählt ist in Bern, die Ergebnisse kann man hier, hier und hier einsehen. Während ihr euch alle wochenlang herumgequält habt, ob und wo ihr jetzt euer Kreuzlein macht, tagte ein internationales Expertenteam im Daumenschraube-Hauptquartier, um die begehrten Wahl-Daumenschrauben 2008 zu vergeben. Nun sind die Würfel gefallen!

Ich schlüpfe deshalb jetzt in meinen Frack, schmeisse Britney von der Bühne und stelle euch die Gewinnerinnen und Gewinner der diesjährigen Wahl-Daumenschrauben-Preise vor:

Das Beste vorweg: Den Preis für sympathischen Realitätsverlust gewinnt die Bürgerliche Wende, die bis vor kurzem noch die Stadt bedroht, sich Sonntag Nacht aber spontan in Luft aufgelöst hat. Nebst diesem Preis gibt es von meiner Seite noch ein total lieb und konstruktiv gemeintes “fuck you” für euch. Lasst ihr es in vier Jahren endlich bleiben oder wollt ihr wieder eine kalte Dusche?

Vom Himmel hoch...

Vom Himmel hoch...

Es folgt der nächste Höhepunkt, nämlich der Preis für die grösste Geschmacklosigkeit. Diesen gewinnt die Grüne Partei Bern. Was denn, nicht die SVP? Erstaunlicherweise nicht, nein. Zwar hat die Dreckschleuder-Sturmspitze der guten alten Grüsel-Partei, bestehend aus Hess und Glauser, im Stadtrat bereits weit vorgespurt, wurde aber im Finish vom Ängeli-Jenni, der im Wahlprospekt der GPB aus dem Wolkenmeer zu uns herabschauend abgedruckt wurde, deutlich deklassiert. Dass man mit Toten Wahlkampf macht hat die GPB zwar nicht erfunden – siehe Gretli Wafa, die ihren Fokus jetzt wieder vermehrt auf den Besuch von Eishockeymatches legen kann. Trotzdem bemerkenswert, dass neu offenbar auch im links-grünen Lager Emotionen vor Inhalt und Populismen vor Programm salonfähig werden.

Bärenstark!

Bärenstark!

Den Integrationspreis “Politiker trotz allem” gewinnt Stephan Hügli mit seiner grandiosen Kampagne “mein unsichtbarer Freund, der Bär”. Erinnert sich noch jemand an ‘My friend Harvey’? Das Theaterstück um den Mann, der als einziger einen riesigen, weissen, sprechenden Hasen sehen und hören kann? Genau so kam Hügli jeweils rüber, wenn er sich mit einem plüschigen Bären im Hintergrund ablichten liess. Dazu der immer leicht gequälte Blick, nicht nur die Fotos, sondern der ganze Wahlkampf von einer geradezu erratischen Statik geprägt… fantastisch. Wirkte ziemlich psycho und war somit ein klares Statement dafür, dass man auch dann Exekutiv-Politiker sein kann (oder zumindest will), wenn man sich die meisten Freunde bloss einbildet.

Den Gothic-Preis ‘Vlad Tepes’ gewinnt, absolut verdient, RGM mit der Plakat-Kampagne “weniger unters Solarium, dem Klima zuliebe”. Noch nie haben zur Wahl stehende PolitikerInnen auf Plakaten so käsig ausgesehen, geradezu wie frisch aus der Gruft. Oder war es eine indirekte Werbung für “Spende Blut – rette der SP das Leben”? Es kann natürlich auch sein, dass der Grafiker einfach nur mit dem Aufheller ins Kraut geschossen hat. Trotzdem ein schöner Beitrag, mein Vampir-Herz jubelt (düster).

Links und n@t?

Links und n@t?

An die SP geht der Preis für “Schau mal, die tollen Zeichen, die es auf meiner Tastatur hat!”. Leute, nur weil ein Zeichen vage an ein ‘a’ gemahnt, ist es noch lange keins. Oder kann mir mal jemand erklären, was Secondäts sind? Euer Alex hat ja vorgemacht, wie es richtig sein sollte. H@tet (!) ihr ihm das Plakat gezeigt, bevor ihr es gedruckt habt, dann wäre das sicher gut gekommen. Was cool und trendy gedacht war wirkt so im besten Fall seltsam.

Nanu?

Nanu?

Den Voher-Nachher-Preis ‘Beauty and Beast in Personalunion’ gewinnt deutlich Barbara Hayoz (FDP). Man vergleiche ein Inserat, das sie zur Wahl als Stadtpräsidentin empfiehlt (wuahahahaaa!) mit dem Foto, das ein Bund-Schurni paar Wochen vor den Wahlen aufgenommen hat – wohlverstanden nach dem Coiffeur-Besuch. Ich frage mich (und die Welt): ist dies überhaupt dieselbe Person? Böse Zungen behaupten, dass hier der SP-Grafiker (siehe oben) eingesetzt wurde und dass selbiger halt nicht nur gerade einen Aufheller-, sondern auch noch einen Runzel-Krähenfuss-Schlupflid-und-Tränensack-wegmach-Werkzeug-Kurs besucht hat und sich beim Babsi voll austoben konnte/wollte. Von Vorspiegelung falscher Tatsachen zu reden hiesse selbstredend Bären vom Graben an die Aare zu tragen, schliesslich ist Hayoz ja auch als Frau zu den Wahlen angetreten.

Der Preis für zirkuläre Antilogik mit Ansage geht an Jimy Hofer. Nicht nur deshalb, weil seine Statements zum Klimawandel das Bildungsniveau jedes Fünfjährigen beleidigen, sondern vor allem wegen seinem Wahlspruch (“Wählt keine Politiker”). Nunja, zum Stapi hat es nicht gereicht, dafür wird er bald den Stadtrat mit seiner Anwesenheit beglücken (nebenbei: passt der überhaupt in die Sessel…?). Das Problem ist nur: sobald er im Stadtrat hockt, wird Jimy zum Politiker, ghoue oder gstoche. Hofer bricht also sein wichtigstes Wahlversprechen im Moment des Amtsantrittes. Tritt er deshalb konsequenterweise noch während der ersten Stadtrats-Sitzung zurück? Fände ich schön, glaube ich eher nicht, deshalb der Preis.

Ebenfalls an Jimy verleihe ich den Preis Abschreckendes Beispiel im Bereich Alphabetisierung. Ein knapp A5-Format erreichendes “Wahlprogramm”, das vor Rechtschreibfehlern strotzt, zeigt einerseits die Grenzen und Probleme unseres Schulsystems deutlich auf. Dass sich ein funktionaler Analphabet aber zutraut, Stadtpräsident der Schweizer Hauptstadt zu werden, spricht andererseits wieder für das grosse Einfühlvermögen und den ausgezeichneten Fachverstand unserer SozialpädagogInnen. Vielleicht mal einmal weniger z’Vieri näh, dafür ab der Vierten wiederholen, wie wäre das, Jimy?

Für die GFL haben wir uns extra einen Anerkennungspreis ausgedacht, einfach weil sie uns die letzten vier Jahre hindurch so toll unterhalten hat. Weil diese Partei aber politisch partout nicht eingrenzbar ist (sind es jetzt velofahrende FDPler oder fdplende Velofahrer?), bekommt sie den Wetterfahnen-Preis zum sturmen Huhn.

Wir erlauben uns auch, den GFL-Präsidenten Manuel C. Widmer persönlich mit dem Sonderpreis ‘Tausendmal probiert, tausendmal ist nichts passiert’ zu würdigen. Und wir wetten darauf, dass er auch bei der nächsten Wahl wieder versuchen wird, in den Stadtrat zu kommen. Und bei der übernächsten. Und der über-übernächsten. Aber Mänu, nimm es easy: wenn du so weitermachst, wirst du immerhin nie der Amtszeitbeschränkung zum Opfer fallen. Immerhin.

(Wie eine böse, aber durchaus verlässliche Zunge Dschango ins Ohr geraunt hat, ist die Strategie des Nicht-Gewählt-Werdens bei Widmer übrigens durchaus Programm. So scheiterte er bereits im Semer mehrfach beim Versuch, als SchülerInnenvertreter gewählt zu werden. Sein wichtigstes politisches Amt war bisher das des Klassenchefs, und, so munkelt man, auch dieses habe er nur bekommen, weil einfach sonst niemand scharf aufs Klassenbuch war.)

Rrrrrrhrrhrrrr...!

Sexy beast

Der Preis für die abgefahrenste Frisur war Gegenstand heftigster Diskurse unter den Experten. Man einigte sich schliesslich auf Philippe Müller von der FDP, der mit seiner Eigenkreation ‘Schnittlauch im Töpfli, dressiert’ angetreten ist. Sein Mut, fortschreitenden Haarausfall nicht etwa zu kaschieren sondern im Gegenteil zu betonen, gehört belohnt. Und das Schübeli, das wie eine Mutantenspinne in die hoh(l)e Stirn hängt, wertet sein Gesicht unglaublich auf, gerade weil es von selbigem ablenkt. Bravo!

Keine Angst, er will bloss spielen!

Keine Angst, er will bloss spielen!

Das Zeitungsinserat, das Müller als frei flottierenden Rosenkavalier zeigt, hat übrigens den Männeranteil in Berns Strassen die letzten Wochen auf fast 100% ansteigen lassen – die Aussicht, dass ihnen in der Stadt ein Schnittlauch-Müller entgegenkommt und ein Röseli anhängen will, hat die meisten Frauen veranlasst, sich bis nach den Wahlen zu Hause zu verstecken.

Dann hätten wir noch den Preis für die meisten Kandidierenden im Verhältnis zu den tatsächlich erkämpften Sitzen und auch absolut, der dieses Jahr an die EVP geht. Ihr Plan, die Stadt zu übernehmen und zusammen mit der EDU einen Gottesstaat zu errichten, ist leider gescheitert. Eure Charme-Offensive war zwar beeindruckend, der Prospekt wahnsinnig bunt und mit lauter glücklichen Menschen drauf, von dem her habt ihr alles richtig gemacht. Bei euch merkt man aber einfach schon recht schnell, dass das selige Leuchten in euren Augen nur deshalb so hell scheint, weil das Sonnenlicht ungehindert durch den Hinterkopf zur Hornhaut gelangen kann. Nächstes Mal tretet ihr vielleicht besser nur mit den wirklich fähigen Kandid… ok, sorry, das war jetzt gemein, ich will ja keineswegs zu eurer Auflösung aufrufen.

Apropos EVP: der Preis für das jämmerlichste Hobby geht an Gabriel Nathanaël Jordi von der EVP. Kann ja an mir liegen, aber, werte Frauen, würdet ihr einem Mann länger als drei Sekunden zuhören, der von sich selbst sagt, er sei “Coach einer Kinderband”? Eben. Und gäbe es einen Preis für ‘Dank Eltern, die bei der Vornamenswahl total kreativ waren, fürs Leben stigmatisiert’, Jordi hätte ihn auf sicher.

(Nein, die EDU bekommt dieses Jahr keinen Preis. Die Jesus-Soldaten Gubser und Räber sind schon Witzfiguren genug, da muss man sie nicht auch noch im Internet fertig machen, finde ich. Naja, wenigstens heute nicht.)

Dann haben wir noch den Sisyphos-Preis für viel Aufwand, wenig Wirkung, der dieses jahr an Sylvia Lafranchi-Haas (FDP) geht. Man hat sie ja stunden- und tagelang in der Stadt herumlungern sehen, Passanten ihr Wahlkärtli in die Hand drückend. Inserate wurden geschaltet mit ihrem Konterfei, eine tolle Homepage wurde gebastelt, auch Dschangos Briefkasten mit ihrem Konterfei zugemüllt und es wurde überhaupt ein rechter Aufwand getrieben, die Frau und ihren Offroader via Medien in des Volkes Herz zu torpedieren. Sogar eine Liason mit Lastwagen-Proll und Beinahe-Bundesrat Erich J. Hess wurde medienwirksam inszeniert. Muss ordentlich Schotter (und einen Haufen Überwindung) gekostet haben und ging ja sowas von komplett in die Hose. Aber es hat immerhin für einen dritten Ersatzplatz gereicht – wir hoffen, das hat sich somit für die Kandidatin gelohnt!

Da wir sowieso schon in der Rechtskurve angelangt sind, jetzt doch noch zur SVP. Diese gewinnt den Preis “wenn es ein Secondo kann, dann wir sowieso”. Oder ist es nur Zufall, dass die Berner SVP mit demselben Schlagwort wie Barack Obama (allerdings mit noch weniger Inhalt) Wahlwerbung machte? Wie auch immer: aus den Wahlunterlagen der SVP spricht deutlich, dass man überhaupt keinen Plan hat, was ein Programm überhaupt ist. Der Messias der SVP wohnt ja in Herrliberg, den kann man in Bern gar nicht wählen, auch wenn dieser nicht will. Folgerichtig setzt man einzig auf einen Slogan, der alles und gleichzeitig überhaupt nichts sagt. Und den man benutzen kann, egal welche Politik man momentan gerade betreibt. Dafür gibt es noch einen zweiten Preis, denjenigen für demaskierende Ehrlichkeit nämlich. Ein Wort (Ehrlichkeit), das man eher selten in Zusammenhang mit dieser Partei liest, zugegebenermassen, trotzdem ist der Preis mehr als verdient.

Dann liegt hier noch ein Preis für die absolute Bedeutungslosigkeit rum, den wir an Arbeitnehmer- und Rentnerpartei (ARP) vergeben. Nehmt es locker, wirklich relevant wart ihr ja noch nie. Und lange werdet ihr auf dem Ehemaligen-Bänkli nicht bleiben: nächstes Mal folgen euch die Schweizer Demokraten, übernächstes Mal auch noch die FDP nach.

Und Jimy Hofer dankt ja schon in der ersten Stadtratssitzung ab.




Abstimmungs-Empfehlung

Ha! Ertappt! Du schaust dir am Samstag Blogs an, du bist hiermit als Nerd geoutet!

Haaa-ha!!

Falls du, entgegen der landläufigen Meinung, trotzdem ein politisch interessierter Mensch bist, empfehlen wir dir, morgen unbedingt Abstimmen und Wählen zu gehen. Völlig egal, was du abstimmst und wem du deine Stimme gibst, nur geh! Oder halte gefälligst bis zu den nächsten Wahlen/Abstimmungen die Klappe, sobald es um Politik geht. Deal?

Das ganze Stimm-/Wahlmaterial wiegt ungefähr 1,5kg pro StimmberechtigteN, ich verzichte also darauf, euch hier alles im Detail zu erklären. Das Folgende muss als Abstimmungsempfehlung genügen:

Yeah man!




Back Lash

Da war vorgestern eine Meldung im 20Min, die mich mal wieder an der Zurechnungsfähigkeit der Menschheit, so ganz generell gesprochen, zweifeln lässt. John Lash, seines Zeichens von mir hochgeschätzter Tai Chi-Lehrer und als solcher Pionier und Urgestein der Schweizer Kampfkunst-Szene, bietet seit Neuestem eine ganz besondere Dienstleistung an: einen Begleitservice für Frauen nämlich.

Das schmierige Grinsen könnt ihr euch gleich wieder vom Gesicht wischen, meine Lieben. Lash meint mit ‘Begleitservice’ keineswegs das, woran ihr jetzt denkt, ihr Ferkel. Stattdessen stellt er sich vor, dass er und seine Schüler unterm Baldachin beim Bahnhof stehen und begleitbedürftigen Frauen helfen, unbeschadet nach Hause zu kommen. Wie man die Lash’sche Privatarmee von hundskommunen Schlägern unterscheiden kann? Ganz einfach:

Zu erkennen sind die Begleiter an ihrer schwarzen Kluft und langen Kampfstöcken.

Spontan hüpfen mir beim Lesen dieser Meldung einige Gedanken durchs Gehirn. Erstens: ob Tai Chi, inklusive den Waffenformen, tatsächlich als Selbstverteidigung taugt, ist zumindest fragwürdig. Zweitens: es ist mir höchst, extrem, unglaublich und wahnsinning unsympathisch, wenn bewaffnete, uniformierte Privatpersonen Polizeiaufgaben übernehmen. (Wer jetzt meint, dass ein Stock per se keine Waffe sei, den überzeuge ich gerne eines Besseren). Und drittens schliesslich: weiss Lash überhaupt, welche Verantwortung er auf sich nimmt, wenn er einen solchen Service anbietet? Ist er sich bewusst, welche rechtlichen Konsequenzen es haben kann, wenn seine Schüler tatsächlich in Gewalthandlungen verwickelt werden?

Es gibt in der Schweiz das sogenannte Gewaltmonopol des Staates, und das ist auch durchaus gut so. Bern ist nun mal nicht Laredo, Texas. Die Vorstellung, dass sich jeder, der einen Stock in der Hand halten kann, zum Hilfspolizisten aufspielt, macht mir ehrlich gesagt mehr Schiss als jeder Raubüberfall.

Also: überlasst Polizeiaufgaben bitte der Polizei. Wir brauchen keine schwarzgewandeten Milizen, wir brauchen mehr gesunden Menschenverstand und mehr Zivilcourage bei jedem einzelnen. Und mit ‘wir’ meine ich unter Altersstarrsinn leidende Tai Chi-Lehrer explizit mit.




Freudscher Verleser… unschuldig!

Ein Schelm, wer Schlüpfriges denkt?

Ein Schelm, wer Schlüpfriges denkt?

Tztztz… da hat sich ein Bund-Redakteur aber Mühe gegeben, dass sich der alte Dschango beim Zmorgekafi ganz fest die Augen reiben muss. War dann aber doch nicht das, was ich gemeint habe zu lesen.

Wäre zugegebenermassen auch sehr erstaunlich gewesen, wenn es dabei Tote gegeben hätte, irgendwie.




Deppenapostroph – für dich und mich

Ja, Coop geht mir auf den Sack. Nicht nur, weil sie einen Stress inklusive Filmteam an den Aralsee karren müssen, um einen Werbespot contre la Klimacatastrophe zu drehen. Auch nicht nur, weil ich das Zmittagsangebot des Mini-Coops bei uns ums Eck mehr als ausgeschöpft habe und sich diese Knalltüten standhaft weigern, mal einen frischen Wind ins Sortiment zu bringen. Und auch nicht nur deshalb, weil sie den unübertrefflichen Höhepunkt der Schoggikultur nicht zum Kauf anbieten. Es ist mehr die Summe der Dinge, die einen an sich harmlosen Konsum(!)enten – Dschango – gegen Detailhändler aufbringen und Gesetze gegen Besitz und Anwendung von Brandbomben verfluchen lassen.

Apropos Aralsee: Kümmert jetzt sicher keine Sau, aber beim Stichwort Aralsee kommt mir in den Sinn, dass ich gar keine Ahnung habe, was ‘Aral’ bedeutet. Ich meine jetzt da die Benzinverticker, nicht die kasachische Stadt, wobei ich eben dachte, dass sich der Name der Firma vom Namen der Stadt ableiten könnte – Erdölvorkommen und so. Ja, ich weiss, ich bin schon ein schlaues Kerlchen, dass ich da drauf komme. Da hättet ihr jetzt nicht gedacht, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte, na? Nur führt uns die kasachische Stadt leider in die Irre, weil der Name der Firma leitet sich von den beiden Bestandteilen (Benzol ist aromatisch, Benzin hingegen aliphatisch) eines Treibstoff-Gebräus ab, das ein Chemiker 1924 in Deutschland erfunden hatte. Von Deutschland nach Kasachstan – da kann man mal sehen, wohin uns Assoziationen führen können. Direkt ins Klo nämlich, rein geografisch gesprochen.

Nachdem ich nun auf so charmante Weise ein bisschen Text um das Bild gezaubert habe, bleibt mir noch etwas Platz, um auf das eigentliche Thema dieses Artikels einzugehen. Letzthin sass ich nämlich auf dem Klo und führte mir das Magazin zu Gemüte, als mein unschuldiges Auge obiges Inserat erblickte. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:  Es – gibt – im – Deutschen – keinen – Genitiv – Apostrophen! Ausser, man will einen Eigennamen verdeutlichen: Andrea’s Friseursalon vs. Andreas’ Friseursalon. Muss meiner Meinung nach auch nicht sein, aber ich beuge mich da ja dem neuschreiblichen Duden-Diktat.

Wo aber soll, bitteschön, in obigem Beispiel die Notwendigkeit einer Verdeutlichung auszumachen sein? Womit kann man ‘Tims’ verwechseln? Weshalb muss ich mir nicht einen, sondern gleich zwei Deppenapostrophe antun, während ich gemütlich abseile? Coop, was soll das? Warum tust du mir das an? Können wir nicht einfach Freunde sein?

Der Stress geht mir übrigens auch auf den Sack. Das ist aber wieder eine total andere Geschichte.




Anbetungswürdig: Chernobog

Ui, fast hätte ich es vergessen, die Gottheit des Monats ist ja überfällig!

Chernobog

Chernobog (künstlerische Interpretation)

Chernobog (künstlerische Interpretation)

Heute stelle ich euch einen Gott vor, der es nicht leicht hat. Schon nur sein Name: dieser gemahnt einerseits an eine Atomreaktor-Katastrophe, andererseits an ‘Blog’. Beides ist nicht mehr wirklich hot & trendy. Folgerichtig ist Chernobog (auch Crnobog, Czernobóg, Černobog oder Zernebog genannt) auch der Schwarze Gott der Dunkelheit, der in ewigem Zwist mit dem Weissen Gott der Güte, Byelobog, liegt. Wobei hier zu sagen ist, dass vermutet wird, beide Götter seien nur die verschiedenen Ausprägungen ein und desselben Gottes. Klingt schizo, ist es wohl auch, aber das ist eben so, wenn man ein Gott ist.

Er hat es auch nicht so einfach im Moment, weil er ein slawischer Gott ist. Was aus dieser Ecke kommt hat ja generell mit Vorurteilen zu kämpfen. Wir können an dieser Stelle aber beruhigen: Chernobog ist weder Raser noch Sozialschmarotzer. Nicht mal exotische Dämpfe kommen aus seiner Küche. Chernobog ist somit als Beispiel für eine gelungene Integration anzusehen.

Nebst unter seinem Namen, der nebenbei gesagt für eine Black Metal Band vorzüglich ist, leidet er auch darunter, dass es ausser christlichen keine Quellen über ihn gibt. Logischerweise ist alles, was über ihn geschrieben ist, tendenziell negativ-propagandistisch besetzt.

In einer dieser Propaganda-Schriften steht beispielsweise geschrieben, Chernobog werde eigentlich gar nicht wirklich angebetet. Stattdessen wird bei Festen ein Kelch herumgereicht und alle anderen Götter werden in Chernobogs Namen verflucht. Egal ob Propaganda oder nicht – I dig your style, Cherny!

Chernobog ist ein gerne gesehener Gaststar in diversen Medien. So hatte er schon Auftritte in verschiedenen Videogames, Filmen und Büchern. Erstere machen öfters einen Levelboss aus ihm, was alleine schon zeigt, dass er uhuere rüdig kann, wenn er denn nur will.

Vorteile

  • Es gibt kaum Quellen über Chernobog, man kann sich also seinen ganz persönlichen Gott basteln.
  • Gottesdienst besteht primär aus dem Verfluchen anderer Götter. Einfacher gehts nun wirklich nicht.
  • Slawische Götter sind momentan gross im Kommen. Wer Wert auf Trend legt, liegt bei Chernobog absolut richtig.
  • Als Gamer hat man öfters das Vergnügen, seinem Idol in Videospielen zu begegnen. Wieviele Christen oder Muslime können das schon von sich behaupten?

Nachteile

  • Kann sein, dass man ganz, ganz böse sein will, ergo den Chernobog anbetet und plötzlich merkt, dass man bloss der bösen Seite vom lieben Byleobog angehangen ist. Schön dumm gelaufen.
  • Chernobogger haben damit zu kämpfen, mit ukrainischen Strahlenopfern verwechselt zu werden, die im Internet ihre Schädigungen beklagen.
  • Kann sein, dass man bloss christlicher Propaganda auf den Leim geht und es Chernobog gar nicht gibt. Haben ja Erfahrung mit nicht-existierenden Göttern, diese cheiben chogen Christen.
  • Kenntnisse mindestens einer slawischen Sprache werden für den Anbetenden empfohlen.

Weiterführende Links




Leseoffensive zum Wochenende

Das Wochenende steht vor der Tür, es hudlet und luftet wie blöd. Nächste Woche ist Abstimmungs- und Wahlsonntag, beides geht mir schon sowas von auf den Keks. Zur Unfähigkeit von BärenBabsi ist alles gesagt, zur Lachnummer auf der Harley ebenfalls. Auch auf der SVP herumtrampeln macht mir momentan wenig Freude – da diese Partei bald mehr Bundesratskandidaten als WählerInnen hat, was soll ich hier denn noch Lustiges beitragen?

Politikverdrossenheit? Schnauze voll vom miesen Wetter? Warum nicht mal wieder ein gutes Buch in die Hand nehmen, sich mit dem Hasen im Bau verstecken und dort mal dem einen, mal dem anderen frönen?

Deshalb hier meine aktuellen Leseempfehlungen aufs Wochenende:


R. D. Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Ja, ich weiss, der Titel dieses Buches könnte von mir stammen. Tut er aber nicht. Leider, einerseits, weil wer fände es schon nicht toll, wenn ein Titel von einem (ein guter noch dazu!) auf ein Buch gedruckt würde? Zum Glück, andererseits, weil sein eigenes Buch unter Pseudonym zu rezensieren, das wäre jetzt sogar für mich ein kleines bisschen zu narzisstisch.

Darum gehts hier jetzt aber überhaupt nicht. Stattdesssen möchte ich der werten LeserInnenschaft, die philosophisch interessiert ist, dieses höchst amüsante und spannende Buch ans Herz legen. Zwar ist es eine Übersicht über die Philosophie, im Gegensatz zu den bisher erhältlichen Büchern zu diesem Thema ist es aber weder eine knochentrockene Abhandlung der verschiedenen Denkschulen und Ismen, noch ein Bombardement von Fakten, das die Lust am eigenen Denken schon im Keim erstickt. Stattdessen kommt es in einer humorvollen, verständigen Sprache daher und richtet sich ganz am konkreten Leben aus: Was ist Wahrheit? Woher weiss ich, wer ich bin? Nicht dass das Buch kugelsichere Antworten auf diese Fragen liefern würde, aber es gibt die richtigen Impulse, um selbst weiter zu denken.

Der Autor führt uns in einer Art philosophischer Weltreise durch die verschiedenen Orte, an denen Philosophie gemacht wurde, verknüpft immer den Titel des jeweiligen Kapitels mit dem Ort, der Person und der Zeit, die auf die jeweilige Frage eine Antwort gefunden zu haben glaubte. Auf diese Weise schafft er es, die zum Teil sehr anspruchsvollen Denksysteme anschaulich darzustellen.

Dschango-Prädikat: Unbedingt empfehlenswert!


Naomi Wolf: Wie zerstört man eine Demokratie – Das 10-Punkte-Programm

Die Autorin geht in ihrem Buch der Frage nach, was es braucht, damit eine Regierung ein Land von einer Demokratie in eine Diktatur verwandeln kann. Sie schildert dies mit einem Brief an einen Freund, in dem sie beschreibt, wie fragil einerseits das ist, was wir als ‘Demokratie’ bezeichnen und wieviel Aufmerksamkeit es von jeder Demokratin, jedem Demokraten auch und besonders heute braucht, damit die Errungenschaften, die unsere Vorfahren mit Blut und Geld erkämpft haben, nicht von billigen Populismen über den Haufen geworfen werden.

Hui, was für ein Satz…

Das 10-Punkte-Programm, wie es Wolf beschreibt, wurde in der Vergangenheit von beinahe jeder Diktatur angewendet. In den USA wurden in der Vergangenheit offenbar sogar angehende südamerikanische Diktatoren gezielt darin ausgebildet, ihre Bevölkerung mit diesen zehn Punkten unter die Knute zu zwingen.

Ja, das Buch ist aus einer sehr USAmerikanischen Warte aus geschrieben und die ständigen Lobreden auf die bestmögliche Demokratie ennet dem grossen Teich wirkt auf europäische Gehirne wohl etwas… naja, naiv vielleicht. Trotzdem hat, was Wolf zu sagen hat, durchaus auch bei uns Gültigkeit. Die Strategien und Techniken, die autoritäre Regimes anwenden, um eine freiheitliche Gesellschaft in Unterdrückung und Angst zu führen, sind während Jahrhunderten erprobt und bewährt und es wäre verwegen zu behaupten, dass solches bei uns nicht möglich wäre.

Bemerkenswert ist Wolfs Einsicht, dass die meisten Diktaturen keineswegs mit gewalttätigen Aktionen an die Macht gekommen sind. In den meisten Fällen liessen sich Diktatoren demokratisch wählen, zumindest aber juristisch legitimieren. Eine Diktatur entsteht nie über Nacht, indem man plötzlich die Stiefeltritte uniformierter Schergen im Treppenhaus hört. Stattdessen ist es ein langsamer, beinahe unmerklicher Prozess, der das Volk soweit bringt, zum Schluss dankbar zu seinem Metzger zu laufen.

Ein wichtiger Appell an das Demokratieverständnis jedes Einzelnen.

Dschango-Prädikat: Sollte beim Erreichen des Stimmrechtsalters Pflichtlektüre sein.

So, genug von all dem klugen Zeugs, hier noch ein bisschen Belletristik:


T.C. Boyle: Zähne und Klauen

Boyle begleitet mich schon seit bald 20 Jahren, war sogar mal mein absoluter Lieblingsautor (“America” war eine Offenbarung). Diesen Status musste er zwar leider abgeben (es wird ihn bitter reuen), noch immer aber schreibt er durchaus lesenswert.

Die Kurzgeschichtensammlung “Zähne und Klauen” beschreibt den Menschen als Spielball zwischen Ratio und Trieb, zwischen Dekadenz und Infantilität, zwischen Sinn und Unsinn. Seine Helden sind Säufer, Aussteiger und durchgeknallte Verlierer der Gesellschaft. Absurde Situationen treffen auf absurde Figuren, oder umgekehrt, je nachdem. Und Boyle schafft es, dass wir auch die grössten Deppen dafür bewundern, wie sie es schaffen, ihr seltsames Leben zu leben.

Dies ist sicherlich eines der grössten Talente von Boyle: man schliesst seine Figuren ins Herz. Boyle trifft, vor allem in seinen Kurzgeschichten, genau den Ton, genau die Balance zwischen Witz und Intellekt, die dazu führen, dass man sein als “Zwüschedüre”-Literatur geplantes Buch in wenigen Stunden wegliest. Die Boyleschen Verlierer machen süchtig, genauso wie sein süffiger, immer mit einem spitzbübischen Grinsen versehener Stil. Zynismus seinen Figuren gegenüber ist Boyle fern und es ist genau dieses Liebevolle, das ihn in meinen Augen zu einem der grössten seiner Zeit macht.

Dschango-Prädikat: Nicht nur fürs Nachttischli geeignet.


Sven Regener: der kleine Bruder

Ja, der Herr Lehmann ist wieder da! Das dünne Büchlein enttäuscht zwar vom Umfang her (seit ‘Neue Vahr Süd’ sind meine Standards gestiegen), aber trotzdem: ein höchst vergnügliches Lesewerk hat der Herr Regener da wieder abgeliefert.

Das Buch spielt zwischen ‘Herr Lehmann’ und ‘Neue Vahr Süd’. Frank Lehmann wurde gerade aus der Bundeswehr entlassen und fährt mit seinem Punk-Kumpel Wolli ins Berlin paar Jahre vor dem Mauerfall, um da zu seinem Bruder Manni zu ziehen. Regener führt uns durch den Alltag der Hausbesetzer- und Anarcho-Szene in Berlin, ihre Auseinandersetzungen, ihre (faulen) Kompromisse, letztlich auch ihr Scheitern vor dem real existierenden Kapitalismus.

Ja, das Buch ist zum Brüllen lustig. Kaum eine Seite, auf der ich nicht in lautes Lachen ausgebrochen bin. Die Figur Frank Lehmann oszilliert ständig zwischen Naivität und Weltgewandtheit, stösst als Landei in Berlin zwar dauernd auf Mitleid, entpuppt sich aber, wenn es wirklich hart auf hart kommt, durchaus als der einzige, der einigermassen seine Hirnzellen zusammenreissen kann.

‘Der kleine Bruder’ ist einerseits ein Lobgesang auf ein Leben abseits aller Konventionen, andererseits auch dessen Schwanengesang, weil auch der autonomste Kapuzenjackenträger über kurz oder lang von der Gesellschaft abhängig ist, gegen die er, am liebsten unter Mamis Rock hervor, revoltiert.

Hase hat das Buch auch gelesen und fand es nur “soso, lala”. Es ist irgendwie ein Männerbuch, ja. Es beschreibt die seltsamen Rituale von XY-Trägern, ihre eigenartige Logik, ihr befremdliches Paarungsverhalten und ihre noch viel befremdlicheren Initiationsriten. Es entlarvt uns Männer (vor allem diejenigen, die sich gerne als links, anarchistisch, autonom und/oder feministisch sehen) als weinerliche Testosteronhaufen, die den Schwanz wortwörtlich einklemmen, sobald das eigene Weltbild ins Wanken gerät.

Vielleicht ist das Lesevergnügen für Frauen nicht so gewährleistet. Wenn man aber als Mann zwischen 18 und 25 Jahren in alternativen Szenen aufgewachsen ist und sich auch im hohen Alter noch nicht vollständig vom Geruch von Freiheit, Tränengas und Bierdunst lösen kann, erkennt man sich und seine damalige Umwelt auf jeder Seite wieder. Frank Lehmann ist so, wie ich mich zu sein erinnern glaube, und ich denke, das geht jedem so, der eine ähnliche Biografie hat.

Einziger Kritikpunkt: ZU KURZ, VERDAMMT!

Dschango-Prädikat: Ja, wie jetzt? Muss doch sein, oder?




Spwhored

SPORE

SPORE

(Warnung: Dieser Artikel wird bei Nicht-GamerInnen Schlaflähmungen im Gesicht verursachen. Müsst ihr jetzt halt einfach durch.)

Vor etwa drei Jahren fleuchte ein digitaler Furz durchs Internet: Will Wright, Schöpfer von grossartigen Simulationsspielen wie den Sims, Sim Earth oder Sim City, plane einen neuen Wurf. Das Spiel solle komplexer, spannender, vielfältiger und abgefahrener sein als alles bisher Dagewesene. Was man auf den Videos sehen konnte, schien diese Aussage zu bestätigen. Und seit dem 7. September 2008 ist es soweit: Spore ist erhältlich. Natürlich habe ich vorher bereits den Creature Creater gekauft. Natürlich war ich Preloader. Und natürlich war ich am Rande des Nervenzusammenbruchs, als nach drei Jahren des Wartens der “Play”-Button im EA Download-Manager erschien, der mir anzeigte, dass es endlich, endlich, endlich losgehen konnte.

Und was ist nun mein Fazit?

Als erstes dies: wenn man unbedingt möchte, dass ein Game als Totgeburt erscheint, ist die Firma Electronic Arts der erste Ansprechpartner. Bekanntlich bietet dieser Publisher langjährige Erfahrung und ein kompetentes Team, wenn es darum geht, auch das genialste Spiel komplett zu versauen. Kaum ein Publisher ist so auf Wal Mart-Kompatibilität getrimmt wie EA und mit Spore haben sie diesbezüglich einen neuen Meilenstein gesetzt. Das Game ist dermassen konsequent von allem befreit, was auch nur im Ansatz an Blut oder Sex erinnert, dass es auch für sechsjährige Amish mit Angst vor Gummibärchen geeignet ist.

Mein Tipp an Will Wright: wenn es irgendeinen Weg gibt, aus dem Vertrag mit EA rauszukommen, tu es. Tu es, solange Spore noch positive Kritiken im Stil von ‘grundsätzlich geil, aber…’ bekommt. Mach Spore so, wie du es geplant hast und schiebe die Änderungen als Expansion nach. Wenn es nicht von EA kommt, gebe ich dir und deinem Spiel noch eine Chance, ehrlich. Und mein Tipp an den Rest der Menschheit: falls EA irgendwann beginnt, Sicherheitsgurte, Schwimmwesten oder Verhütungsmittel zu produzieren – RENNT, FLÜCHTET, EVAKUIERT!!!

Der erste Kritikpunkt betrifft die Länge der Spielphasen vor der Space-Phase. In ungefähr drei Stunden hat man seine Kreatur vom Einzeller bis zum Raumfahrt-Zeitalter gebracht. Ich hätte schon erwartet, dass ich mich da während paar Tagen beschäftigen kann. Bedenkt man aber, dass die Level bei jedem Spiel exakt genau gleich aufgebaut sind (gleiche Anzahl Gegner, im Wesentlichen jedesmal dieselbe Strategie zum Gewinnen), ist dies zugegebenermassen eher ein Pluspunkt.

Und dann die Space-Phase. Geil aufgemacht, sogar an die Bedienung gewöhnt man sich und seit dem letzten Patch sind auch die Klickorgien etwas reduziert worden (in der Original-Version durfte man alle 5 Minuten dieselben dämlichen Piraten durch die halbe Galaxis jagen). Nach ein paar Stunden merkt man aber, wie der Hase läuft. Und von da an ist das Game nur noch Routine. Achievements nachzulaufen ist sicher nicht schlecht und motiviert auch ein Stück weit. Ich habe jetzt etwa die Hälfte aller Achievements, die letzten könnte ich in knapp einer Woche auch noch kassieren, wenn ich mich denn dazu aufraffen könnte. Werde ich aber kaum, da es jetzt nur noch darum geht, dieselbe Strategie mit minimsten Veränderungen noch ungefähr 40 Mal durchlaufen zu lassen.

Wir sprechen hier von einer Art GTA ohne direkte Interaktionsmöglichkeit, nur im Weltall, und ohne Nutten. Und ohne alles andere, was in GTA Spass macht. Das Grinding ist derbe, weil alles nach Schema X abläuft. So besteht beispielsweise die “empfohlene” Strategie zur Expansion darin, einfach alle Zivilisationen, die Ärger machen, platt zu walzen. Da man nicht sterben kann, soll man einfach bei jedem Abkacken wieder losdüsen und erneut auf den Gegner eindreschen. Das klappt auch wunderbar, beweist aber eigentlich nur, dass die Computer-Gegner wesentlich klüger sind als die menschlichen Spieler, denn immerhin geben sie auf, wenn es ihnen zu langweilig wird…

Da sind wir jetzt auch bei den unlogischen Sachen. Zum Beispiel repräsentiere ich zwar die Zivilisation, die das schnellste Raumschiff im ganzen Universum baut. Auf der anderen Seite aber auch die einzige, die ausschliesslich ein einziges Raumschiff bauen kann. Ich bin auch der einzige, der Planetensysteme kaufen und terraformen kann. Überhaupt fühlt man sich in Spore wie eine Art Gott mit Behinderung: einerseits fast allmächtig, andererseits mit völlig irren Beschränkungen versehen. Hierzu passt auch, dass einerseits Aktionen, die den Spielverlauf überhaupt nicht betreffen (beispielsweise das Umbenennen von Planeten) als Cheats angesehen werden, während die die Spielbalance massiv verändernden Mods vom Game widerstandslos akzeptiert werden.

Wirklich schlecht ist Spore nicht. Es hat leider nur sehr, sehr wenig mit dem zu tun, was vor drei Jahren versprochen wurde. Wo ist beispielsweise die Wasserwelt-Phase? Wo sind die dreibeinigen Kreaturen? Warum ist eine Kreatur mit vier Meter langen Beinen genau so schnell wie ein Bodesuri mit Stummelbeinchen? Interessant in dem Zusammenhang sind die Aussagen eines ehemaligen Maxis-Mitarbeiters im Sporum, dass sehr viel aus dem ursprünglichen Spiel gestrichen wurde. Seis, um die Komplexität der Software zu reduzieren, seis, um den 08/15-Gamer nicht mit zu viel Möglichkeiten zu verschrecken. Mal wieder hat also der Massenmarkt ein grossartiges Produkt bis zur Unbrauchbarkeit verwässert.

Ich weiss, Spore ist eher ein Spielzeug als ein Spiel, aber dann erinnert es mich an die Roboter meiner Kindheit, die ausser in eine bestimmte Richtung laufen und ihren Roboter-Tanz aufzuführen nichts konnten. Wie diese Roboter wird wohl deshalb auch Spore sehr bald auf dem Spiele-Schrotthaufen landen – wobei man die Robots wenigstens noch ausschlachten konnte.

Die Idee hinter Spore ist genial, der Creature-Editor superb, das Game an sich bietet aber viel zu wenig. Am Schluss hat man ein Spore Lab Plus, in dem man auch Gebäude, Raumschiffe, Fahrzeuge und Schiffe designen kann (ohne dass das Design irgendeine Auswirkung auf das Gameplay hätte, notabene – ein Kampfstern mit dreitausend Laserkanonen ist genauso stark wie eine fliegende Ente mit Sturmgewehr). Eine Art stark eingeschränkter, virtueller Lego-Baukasten also. Da bringt es auch nichts, auf die riesige Galaxie zu verweisen, die man theoretisch erkunden könnte: Spieltiefe ist nun mal nicht direkt an die Grösse des Spielplans gekoppelt.

Wie bei EA nicht anders zu erwarten, hat man bei Spore das Gefühl, dass einem konstant Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Nebst der himmeltraurigen DRM-Implementierung (SecuROM!), die bereits zu einer  Klage gegen EA geführt hat, verstehe ich beispielsweise nicht, warum der Creature Creator, für den ich immerhin bezahlt habe, nach Installation von Spore nicht mehr funktionieren soll. Dass man bei EA jetzt darüber nachdenkt, Micropayment einzuführen, ist hier von Seiten des Publishers nur konsequent. Auch passt ins Bild, dass kurz nach Release von Spore schon das erste (natürlich kostenpflichtige) AddOn angekündigt wurde: man soll nun den Viertel des Preises des Hauptprodukts dafür ausgeben, um mit noch mehr Design-Elementen genau gleich wenig Spielinhalt zu haben.

Und was lerne ich aus der Akte Spore? Erstens, dass ich mich nie, nie, nie, nie, nie mehr auf ein Computerspiel freuen werde. Zweitens, dass ich in Zukunft von allem, was das Label “Electronic Arts” trägt, die Finger lassen werde. Echt jetzt. Ich kann mich an kein Spiel von dieser Klitsche erinnern, das auch nur die Bandbreite wert gewesen wäre, die es beim Herunterladen verschwendet hat. Und drittens schliesslich, dass das Experiment, mal wieder für ein Computerspiel zu bezahlen (“Qualität kostet!”), gründlich in die Hose gegangen ist. Vergleiche ich beispielsweise den Spielspass von Spore (CHF 88.-) mit dem von Armagetron (CHF 0.00), loost ersteres ab. Und zwar extrem.

Will Wright hat irgendwann mal gemeint, dass zwei Sorten Leute Spore kaufen würden: diejenigen, die Spore tatsächlich spielen und diejenigen, die primär Kreaturen, Raumschiffe und was noch alles mit dem Editor kreieren werden. Momentan würde ich mich eher bei letzteren sehen – wenn dann der Austausch der Schöpfungen über die Sporepedia tatsächlich ohne grössere Probleme klappen würde.

Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Wertung

★★½☆☆ für die Grafik, weil ok.
★★★★☆ für den Content, weil primär Community-generiert.
★★★☆☆ für das Gameplay, weil solala.
★★½☆☆ für den Sound, weil ok.
★☆☆☆☆ für die Langzeit-Motivation, weil kaum vorhanden.
★★☆☆☆ Hype/Resultat-Faktor.

★★½☆☆ Total

Dschango-Prädikat: muss nicht sein.




Jimy erklärt die Welt

Eigentlich wollte ich ja Jimy Hofer, seines Zeichens Gemeinderatskandidat unbeleckt von Stil und Bildung, hier totschweigen. Schon nur aus ästhetischen Gründen. Im ‘Bund’ von heute (danke, du liebe unabhängige, liberale Tageszeitung übrigens, dass du auch und besonders wenig belichteten Zeitgenossen ein ganzseitiges Portrait angedeihen lässt) liess er aber einen Satz raus, der sogar für seine Verhältnisse an Unterbelichtung kaum zu toppen ist. Angesprochen auf den Klimawandel (sic!) meint unser stolzer Nichtleser:

Die Mittelstreifen der Autobahn sind doch noch immer grün. Darum habe ich nie begriffen, warum Abgase giftig sein sollen.

Jimy, du bist mein neuer Held. Endlich spricht jemand das aus, was ich schon seit Jahren insgeheim denke. Alles bloss eine Erfindung dieser links-grün-Wischiwaschi-68er-Sozitanten-Kommunisten-Emanzenbande. Das Problem ist nur: ausser uns beiden glaubt das fast keiner mehr. Da du ein Mann der Tat und kein Politiker bist, schlage ich dir das folgende Experiment zur Untermauerung deiner fundierten und von Sachkenntnis nur so triefenden Aussage vor:

Als erstes stellen wir dich, deine Listenkollegen und ein paar deiner Broncolinos in die Broncos-Bar in der Matte, zusammen mit etwa fünf vollgetankten Harleys. Dann dichten wir die Bar hermetisch ab. Nein, nicht nur gegen Jugos und alles, was aus mehr als sieben Buchstaben besteht, sondern wirklich luftdicht. Danach startet ihr eure Feuerrösser und gebt mal voll Gummi – freier Leerlauf für freie Bürger! Nach ungefähr drei Stunden werde ich höchstpersönlich die Siegel an der Türe entfernen (ich habe erwähnt, dass ich mich zur Überwachung des Experiments ausserhalb der Bar aufhalten werde, oder…?) und mich persönlich davon überzeugen, dass Abgase komplett ungiftig sind.

Jimy, Bern kann mit dieser Demonstration nur gewinnen! Weil entweder lebt ihr da drinnen dann alle noch (über Gehirnschädigungen kann ein echter Bronco ja nur lachen, oder?) und wir können endlich das ganze grüne Gesocks mit Heugabeln und Teerfackeln (grad extra klimaschädigend, hähähää!) aus der Stadt jagen, am besten Richtung Ittigen. Oder aber es wird in der Matte bald ein Lokal frei, die Zeitungen müssen mich nicht mehr frühmorgens mit deinem Bild Richtung Kloschüssel treiben und das Konkursamt kann zumindest mal einen Fall definitiv abschliessen. Also ich bin Bern zuliebe dabei, Gaffa-Tape zum Abdichten habe ich schon gekauft, musst mir nur sagen, wann ich vorbeikommen soll.

Übrigens: weiss eigentlich jemand, was genau ein ‘Bronco’ ist? Ich meine jetzt mal abgesehen von stark riechenden Provinz-Easyridern? Wikipedia meint, ein Bronco sei ursprünglich ein wildes Pferd gewesen, eines, dass sich ungern in einen Sattel fügt und bockt, sobald es einen Reiter auf sich spürt. War wohl der Grund, warum die Harley-Prolls sich diesen Namen für ihr Männerbündchen ausgesucht haben; klingt drum so schön nach Freiheit und Abenteuer. Hätten die Jungs auch noch weitergelesen, hätten sie aber gemerkt, dass heute auch der Bronco eine Zuchtrasse ist, die vor allem für Rodeos gezüchtet wird. Also: der Bronco wird künstlich bockig gemacht, damit er im Zirkus zum Gaudi des Publikums möglichst wild tut und kriegt den Gnadenschuss, sobald er zu zahm wird. Passt hier ja bestens, oder?

Nun ja. Gegen Schluss des Interviews meint Jimy dann, er sei halt nicht einer, der “die Faust im Sack mache”. Jimy, so unter uns, quasi von Mann zu Tönnchen: die Aussage ist sehr gewagt, weil, keine Ahnung, ob du ihn mit der Faust noch erreichst, aber zumindest optisch hast du den Kontakt zu deinem Sack schon vor Jahrzehnten verloren…