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Dschango Beinhart

Aufgewachsen zwischen den Karpaten und Ste-Maries-de-la-Mer ist Dschango Beinhart nun hier in der Daumenschraube sesshaft geworden. Von aufbrausendem Temperament, schneller Feder und grosser Klappe schreibt er gegen Ignoranz und Selbstüberschätzung an. Daneben ist Dschango ein ausgezeichneter Koch, ein begnadeter Musiker und er sieht auch noch blendend aus.

Dschango Beinhart
dschango@daumenschraube.ch

Dschango Beinharts Artikel:


Lecker ist anders

Heieiei… da leiere ich mir einen ab, wie sehr in die Gesellschaft integriert wir Gitanen doch heutzutage seien, und da stolpere ich in meiner nächsten Nachbarschaft über dieses Schild.

Schrecklich. Dass man uns jagt, erlegt und zu Steaks verarbeitet, ist ja schon schlimm genug. Aber das verdammte stundenlange Einlegen in Marinade vorher… einfach nur grauenhaft.

Damit dieser Freitag nicht ganz trostlos endet, empfehle ich euch noch, un-be-dingt bei der Allee der Spackonauten vorbezuschauen. Herr banana hat da eine Abhandlung zur Verteidigung von Analog-Käse und Gel-Schinken hingehauen, dass mir die Schwarte gekracht hat vor Lachen.

Übrigens, von wegen Analog-Käse… ist ja ein supigeiles Wort, aber welcher Scheiss-Nerd von Lebensmitteltechniker kommt auf die Idee, was zu Essen auf den Markt zu bringen, das den Wortteil ‘Anal’ im Produktnamen enthält?

Der Käse ist voll fürn Arsch, ey.




Wer hat Angst vor den bösen Piraten?

Ich weiss ja nicht, wie das bei euch so ausschaut, aber jedesmal, wenn ich das Wort ‘Raubkopierer’ höre, streckt sich mein Rückgrat durch, meine Brust bläht sich auf und ich bin mindestens zehn Zentimeter grösser. Der Grund dafür ist die Silbe ‘Raub’ im Wort:

  • Raubfisch
  • Raubtier
  • Raubkatze
  • Raubvogel
  • Raubwanze

Gibt definitiv schlimmere Nachbarschaften für einen popeligen Zigeuner in den Enddreissigern. Gut, da gibt es auch noch:

  • Raubtierkapitalismus (ok, können die armen Viecher jetzt nichts für)
  • Raubbau
  • Rauber (eine Ex-Arbeitskollegin bzw Ex-Arbeits- und Ex-Kollegin von mir, die meinetwegen gern geraubt, höchst ungern aber kopiert werden darf)

Apropos Enddreissiger. Letzthin mal wieder mit Kollega Magnussen geplaudert, kamen auf das Thema Midlife-Crisis (ja Nasse, ich weiss, du wirst so eine nie kriegen; die Diskussion darf dort bleiben, wo wir sie abgebrochen haben). Auf jeden Fall merkte ich, dass ich über kurz oder lang vor einem riesigen Dilemma stehen werde. Weil, was macht jemand, der irgendwie findet, er sei jetzt dann langsam alt genug für eine Midlife-Crisis, der aber mit seinem Hasen total glücklich ist, sich nicht für Autos interessiert und extremste Höhenangst hat? Es wird eine schwierige Zeit auf mich zukommen, soviel ist schon mal sicher.

Aber zurück zu den Raubkopierern. Schauen wir doch mal, wie die gute alte Wikipedia den Raub definiert:

Raub ist nach deutschem Strafrecht die Wegnahme (Besitzübergang) einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben mit der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.

Wer ein Gehirn besitzt, dessen Kapazität nur wenig mehr als die Ansteuerung von Photosynthese erlaubt, wird unschwer erkennen, dass alleine schon das Wort ‘Raubkopieren’ ein Widerspruch in sich ist – das Anfertigen einer Kopie ist nun mal kein Besitzübergang. Und, das darf ich wohl sagen, noch nie hätte ich gegen jemanden Gewalt ausgeübt, nur damit er mich seine mp3-Sammlung kopieren lässt, isch schworen.

Der Begriff ‘Raubkopierer’, so falsch er auch ist, griffig kommt er allemal daher. Unter diesem Begriff lassen sich auch gut sämtliche Strohmänner einordnen, die PolitikerInnen mit wenig Ideen und noch viel weniger Plan gerne in ihre eloquenten Reden streuen. Pädosexuelle? Lösen wir en passant mit dem Raubkopierer-Problem. Rassismus? Ist obsolet, sobald alle Raubkopierer kastriert sind. Klimawandel? Mal ein paar Raubkopierer verbrennen, die sind CO2-neutral.

Ich meine, ist ja ganz witzig, mal wieder zu einer anderen sozialen Gruppe zu gehören, die von der Mehrheit als Paria angesehen wird. Macht Laune, weil schliesslich die ganzen Gitanen schon längst vollständig in diese Gesellschaft integriert sind und der Dschango sonst nichts mehr zu Jammern hätte.

Trotzdem wurde letzten Sonntag in Zürich die Piratenpartei Schweiz gegründet und Dschango findet das gut. Womit wir endlich am Kern dieses Artikels angekommen wären.

“Nanu!”, so interjektiert nun die besorgte LeserInnenschaft. “Schon wieder so eine Ein-Themen-Partei? Was wollen diese Piraten denn? Anarchie im Tarngewand einer politischen Partei? Hemmungsloser Konsum für alle, gar die Geilheit des Geizes als Parteiprogramm?”

Nun ja, ganz so schlimm ist es auch nicht.

Im Kern geht es der Piratenpartei um eines: die Re-Demokratisierung unseres Kulturguts. Dazu gehört sowohl die Einschränkung des Urheberrechts (das sich mehr und mehr vom Konsumenten und vom Urheber entfernt, um immer näher beim Rechteverwerter zu stehen), ein Verbot von Kopierschutz-Technologien, Abschaffung von Patenten, bedingungsloses Grundeinkommen für alle, etc.

Klingt utopisch, ja, weil die Forderungen der Piratenpartei die Grundfesten dessen, was wir als unseren Reichtum und als Basis unserer Gesellschaft ansehen, angreifen. Und so meint auch die NZZ, schon lange bekannt als grosse Verfechterin von Konsumentenrechten und Bewahrerin der individuellen Freiheit:

[Die Piraten] stören sich daran, dass jemand ein Buch schreibt oder eine Musik komponiert und daraus das Recht auf Entschädigung durch die Nutzniesser ableitet.

(…)

Die Freiheit, von der die Piraten reden, meint die freie Selbstbedienung im Internet und bedeutet nicht weniger als die Enteignung der Künstler. Das Urheberrecht mag ein Auslaufmodell aus dem Geist des aufgeklärten 18. Jahrhunderts sein und wird vielleicht nicht lange dem Ansturm der digitalen Verwerter standhalten. Aber wir brauchen es nicht gleich im Namen vermeintlicher Bürgerrechte zu Grabe zu tragen.

Man kann knapp danebenliegen, oder auch komplett. Die NZZ hat hier aber eindeutig eine neue Rekordmarke in der Disziplin ‘Merkbefreitheit’ aufgestellt. Nicht nur, dass sie Urheber- und Verwertungsrechte verwechselt. Offenbar war bei der NZZ zum Zeitpunkt des Artikelschreibens das Internet kaputt, so dass der Schurni nicht mal die Website der Piraten besuchen konnte. Nur so lässt sich erklären, warum eine Zeitung wie die NZZ die Faktenlage komplett ignoriert und sich stattdessen auf ein Pamphlet im bewährten neoliberalen Stil beschränkt.

Gut, es gäbe noch die Möglichkeit, dass die NZZ ein gewisses Eigeninteresse daran hat, den Status Quo zu erhalten. So etwas über ein derart seriöses und objektives Blatt zu behaupten wäre allerdings wahnsinnig unschicklich. Lieber dumm als bös, das haben schon die Christen gemerkt, und die NZZ preist in der Folge auch im Jahre 2009 noch ihren Gott ‘freier Markt’ als Lösung aller Probleme. Also, das heisst natürlich, ‘frei’ innerhalb der Freiheit, in der Monopolisten wie genanntes Blättchen ihr angegrautes Geschäftsmodell rentabel halten können. Ist ja nur logisch.

Wer jetzt immer noch nicht weiss, warum die Piratenpartei durchaus diskussionswürdige Ansätze vertritt, kann sich gerne mal von der deutschen WirtschaftsWoche (WiWo) aufklären lassen.

Ob ich der Partei beitreten werde? Mal schauen. Die einzige Partei, bei der ich bisher Mitglied war, hat sich knapp ein halbes Jahr nach meinem Eintritt aufgelöst. Von dem her weiss ich nicht, ob es wirklich als Unterstützung anzusehen wäre, würde ich der Piratenpartei beitreten.

Ob ich sie wählen werde? Mal schauen. Am Schluss entscheiden halt schon Personen und nicht Parteien, bei wem ich mein Kreuzchen mache. Mein Vertrauen in parteilich organisierte Interessenvertretungen hat sich bei mir in den letzten Jahren merklich abgekühlt. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis auch die Piraten vom parlamentarischen Irrsinn auf ein ‘konstruktives, lösungsorientiertes, aus der Mitte heraus politisierendes’ Format geschrumpft werden.

Und ob die Piratenpartei eine wirkliche Zukunft hat? Dreimal könnt ihr raten… genau: Mal schauen! Auch die Grünen haben vor gefühlten 100 Jahren als Spinner und Wirtschaftsfeinde angefangen. Heute nennen sie sich ‘grünliberal’, können rechnen, gelten als sexy und spinnen immer noch – neu aber mit einer gewissen politischen Relevanz.

So, jetzt brauche ich noch einen knackigen Schlusssatz. Oh, da ist ja einer, garantiert 100% raubkopiert:

KLAR MACHEN ZUM ÄNDERN!




Liberal im Jahre 2009

Es gibt heute ja bekanntlich viele, viele bunte Blätter, die dem und der Gläubigen ihren Überschuss an Phantasie satt befriedigen: “reformiert” (formerly known as “saemann”), das katholische Pfarrblatt und noch viele weitere, selten wirklich auflagenstarke und/oder relevante Blättchen tummeln sich im Pfuhl der medialen Verkündigung. Das ist auch gut so: erstens hat selbst der Dümmste im Lande ein Recht darauf, in seiner Ignoranz bestätigt zu werden, zweitens müssen all die Absolventen der Ringier-Journalistenschule zu Zeiten des medialen Kollapses ja irgendwohin.

Was ich aber partout nicht verstehen will: warum entwickelt sich der Bund, frisch “gerettet” (die paar Entlassungen sind ja sowas von nicht relevant) zum neuen Berner Pfarrblatt?

Wer auch nur mit minimal offenen Augen durch diese Zeitung blättert, staunt, denn mehr und mehr dominieren religiöse Themen. Selbstverständlich wird möglichst “tolerant” berichtet (lies: verniedlichend), möglichst “neutral” (lies: anbiedernd) und möglichst “objektiv” (lies: kompatibel mit den eigenen Glaubensvorstellungen).

Beispiel gefällig? Nun denn. Nehmen wir doch mal die Ausgabe vom 1. Juli diesen Jahres. Unter dem Titel “Betende Banker” werden solchige portraitiert – auf etwa 2/3 Seite. Völlig widerspruchsfrei dürfen da Erzfundamentalisten ihre frohe Botschaft verkünden, inklusive intelligenten Behauptungen wie “Gebet verbessert Betriebsklima” (das tut regelmässiges Lüften auch) oder “die UBS gehört Gott Vater” (dann soll er den Mist gefälligst auch selbst finanzieren).

Dann, auf Seite 19, darf auch noch EVP-Mann Ruedi Löffel salbadern. Zugegeben: hier sehe ich eine gewisse Relevanz, da Löffel als Vater des Antirauch-Gesetzes gilt, das hier seit 1. Juli in Kraft ist. Natürlich bekommt auch Löffel eine 2/3 Seite, inklusive Foto mit Agentur C-Bild im Hintergrund (“Seid still und erkennet, dass ich euer Gott bin” – wenn die Argumente ausgehen, hilft halt nur noch “STFU!”). Natürlich fühlt sich hier ein Bund-Schurni bemüssigt, einen Zusammenhang zwischen dem Rauchverbot und Löffels religiösem Background zu konstruieren. Was dieser im Übrigen recht gekonnt umschifft.

Weiter, diesmal mit einer 4/5 Seite, wird noch ein Seelsorger-Ehepaar portraitiert – ironischerweise unter der Rubrik “Arbeit”.

So geht das im Bund schon eine ganze Weile. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens einmal an prominenter Stelle irgendwelche Spinner von Gottes Gnaden zu Wort kommen. Dass sich der Bund übrigens während vielen Jahren dem Wunsch konfessionsfreier LeserInnen entzogen hat, bei den Todesanzeigen nicht nur immer Bibelsprüche, sondern vielleicht zumindest ab und zu mal einen neutraler Text abzudrucken, passt hier ja bestens hin. Soweit ich weiss war der 13. Juni insofern eine Premiere, als dass man hier tatsächlich zum ersten Mal eine Bund-Todesanzeigenseite anschauen konnte, ohne der Bibelpropaganda ausgesetzt zu sein. Und auch die Tatsache, dass in der Regel erst 20Minuten, dann eventuell die BZ, und erst dann – eventuell – der Bund über Aktionen der Freidenker, der Brights oder anderer säkularer Bewegungen berichtet, passt in dieses Konzept.

Die Frage ist nun: ist diese neue Richtung eine Art vorausschreitender Gehorsam, um die Zwinglianer aus Zürich gnädig zu stimmen? Oder ist sie vielmehr Ausdruck einer neuen Stossrichtung als Nischenprodukt?

Wahrscheinlich ist “gläubig” halt einfach das neue “liberal”. Von dem her hat die FDP durchaus das Recht und die Verpflichtung, in der neuen Landesregierung vertreten zu sein.

Nein, ich meine jetzt nicht den Bundesrat, sondern den Vatikan.

Santo subito!




Der King hat ausgepoppt

Schon saublöd.

Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben, da stirbt der Jackson Michel (das ist der, der den Begriff ‘Gesichtsverlust’ auf ein völlig neues Level gehoben hat) weg und ich hab eine Überschrift, die einfach zu gut ist, als dass man sie ignorieren kann.

Henusode.

Nicht, dass es mich jetzt gross (oder auch nur am Rande) in meiner Lebensqualität beeinträchtigen würde, wenn der weisseste Schwarze aller Zeiten nicht mehr unter uns weilt – er hat mich auch nicht gross beschäftigt, als er noch lebte, schliesslich habe ich keine Kinder. Irgendwie hab ich den Zugang zu der Figur verloren, ungefähr zu demselben Zeitpunkt, als MTV Scheisse wurde. An ‘Beat it’ kann ich mich noch erinnern, und an die ‘Dirty Diana’, und natürlich an ‘Thriller’. Aber sonst? ‘Black or White’? Ja, entscheide dich mal… ‘Heal the world’? Pffffft… heil dich doch selber…

Weil ich ein alter Masochist bin, habe ich mir aber einen Blick ins Michael Jackson Forum nicht verklemmen können, und siehe da, Perlen warten darauf, ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden!

Schon ziemlich geil beginnt es ja im Foren-Header, wo die Betreiber versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben:

Für alle die alleine sind oder mit einem unbeteiligten sprechen möchten, empfehlen wir die TelefonSeelsorge. 24 Stunden täglich – anonym, vertraulich, gebührenfrei.

So meint beispielsweise sana24:

mich trift es schwer den ein mänsch den wir lieben ist von uns gegangen

Nimm es easy, liebe sana24, weil, ob MJ überhaupt noch unter die Kategorie ‘mänsch’ gefallen ist, das würde ich als zweifelhaft ansehen. War ja eher ein Cyborg, mit all dem Plastikzeug drin. Und der positive Aspekt: jetzt hast du endlich wieder den Kopf frei, um im Deutschunterricht mitzumachen und musst nicht mehr die ganzen Hefte mit “I love U Michael!”-Einträgen füllen. Hat eben alles zwei Seiten im Leben.

Andere Leute sind schockiert, wie die Welt mit ihrem Idol posthum umgeht, so zB MJJmyLOVE:

Die Leute sind schrecklich, sogar jetzt noch sagen die: “man muss sagen, dass seine Beziehung zu kleinen Jungs krank war” wie unfassbar!!!

Ja, es ist total schlimm. Weil, spätestens dann, wenn sie tot sind, sollte man Pädophile nicht mehr schmähen, sondern ihnen ein Denkmal setzen – oder ein Kirchenfenster, siehe nebenstehendes Bild.

Als etwas unsensibel empfinde ich die Signatur von CptChaos:

MICHAEL!!! GO 4 LONDON!!!

Vielleicht ist der gute Cpt aber auch nur überoptimistisch.

(Unter uns: ich glaube ja immer noch, dass das ganze Gesterbe nur a) ein Marketing-Trick ist oder b) ein easy Weg, um die bereits ausverkauften Konzerte im Januar möglichst kostenneutral abzusagen.)

Dafür macht cyplone auf Fatalismus:

HEUTE NACHT IS DIE MUSIK GESTORBEN!!!!!!

Hauptsache, die Grossbuchstaben überleben.

Etwas unorthodox dann die Frage von sunshine1974:

Weiß jemand wo ich vielleicht mit gleichgesinnten Michael Jackson Fans Trauern kann? Ein Gottesdienst oder so etwas ähnliches.

Ich verwette meine linke Arschbacke darauf, dass irgend ein schlauer Pfaffe in den nächsten Tagen genau dies anbieten wird. Denen ist ja mittlerweile nichts mehr zu blöd, um ihre Hütten vollzukriegen. An sunshine1974s Stelle würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und eine Initiative starten, damit die ganze Welt kollektive Global-Trauer verhängt. Und einen globalen (ja was red ich da, einen UNIVERSALEN!) MJ-Gedenktag brauchen wir auch. Dringend!

Sowieso: theologisch sind MJ-Fans offenbar recht gebildet. So auch Littlesister:

Möge Gott ihn beschützen und ihn oben im Himmel einen Popstern schenken.

Einen Popp-Stern? So wie den hier?

Und auch Blacky09 ist Hobby-Theologin:

Doch, ich glaube, es gibt einen Gott. Er hat Michael zu sich geholt, um ihn nicht noch mehr zu quälen. Er meinte es sicher gut und will, dass Michael nun ein besseres und schöneres und ruhigeres Leben hat.

Komm Blacky, sprich Klartext: MJ ist Gottes eingeborener Sohn, der zu uns geschickt wurde, die Sünden der Welt von uns zu nehmen. Er ist nun wieder vereint mit seinem Vater im Himmel und betreut im Moment gerade die Vorhölle, wo er sich den ungetauften Kindern annimmt. Halleluja! Amen!

(BTW: ziemlich geil ist die Tatsache, dass wegen MJs Tod jetzt in diesem Forum eine Diskussion über die Existenz Gottes entbrannt ist, im Sinn von “wie kann ein Gott existieren, der MJ von uns nimmt?!?”…)

Darüber, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, ist man heutzutage ja informiert. Trotzdem ist es immer wieder wichtig, dass man da drauf hinweist, so wie MJJusic:

Als ich heute morgen ganz gemütlich duschen gehen wollte, das Radio angeschalten hab und diese Nachricht gehört habe, brach ich förmlich zusammen.

Merke: nie gleichzeitig gemütlich duschen und Radio hören! Das kann nämlich zu Zusammenbrüchen führen. Man spricht in dem Zusammenhang bereits von Killer-Radios und Koma-Duschen.

Etwas orientierungslos kommt Zagros in seinem selbst verfassten Gedicht rüber:

Ein kurzes Gedicht von mir an Michael:

Wenn ich Gott anflehen würde, könnest du dann kommen?
Wenn ich ein Teil meines Lebens dir gebe, würdest du dann zurück kommen?
Der Tod steht Michal Jackson nicht, ich habe nicht genug von dir. Wo willst du hin Michael wohin?

Ich rate mal: Six feet under. Zur Wurm-Party. Radieschen von unten ansehen. Perma-AFK. Und das Gedicht ist so toll, dass Blacky09 meint:

Ein sehr schönes Gedicht! Wie schön wäre es, wenn es wahr werden könnte. Ich würde sofort einen Teil von mir geben, wenn er nur wieder da wäre!

Mit dem Teil von dir meinst du wohl dein Gehirn, aber das wird nicht klappen, weil Gott Gehirne nicht so toll findet. Das sind Zombies, die da drauf abfahren, als MJ-Fan solltest du das eigentlich wissen.

So, dann mal ab in die Grusel-Ecke. Lischen83 mag ja eine ganz flotte sein. Total nett und so, ey. Aber stellt euch jetzt plastisch vor, wer hinter so einer Aussage stehen könnte:

Er hat mich sowohl künstlerisch geprägt als auch meinen Beruf als Sozialarbeiterin…

Also wie jetzt? ‘Künstlerisch’ im Sinn von ‘künstlichem Gesicht’? Und Sozialarbeit im Sinn von… hoffentlich nicht mit kleinen Jungs, oder?

Wirklich gruslig ist aber das hier, aus dem Foren-Header:

Seine Kunst ist unsterblich.

Uuuuuuuhhh… jetzt hab ich aber wirklich Angst…




Lustige Logik

Jaja, auch den Dschango hat der Brief des BernMobil-Direktors René Schmid erreicht. Logisch, der Dschango ist ja seit gefühlten 100 Jahren BäreAbi-Besitzer (bzw ‘Libero’, wie die Jungen heute sagen) und somit in Herrn Schmids Adresskartei. Aber auch wenn der Dschango nur per Rauchzeichen erreichbar wäre: Herr Schmid wollte auf Nummer Sicher gehen und hat den Brief, nicht, dass dann der Dschango rumsürmelt, er habe von nichts gewusst, auch noch in der einen oder anderen Gratiszeitung abdrucken lassen (was wohl kaum gratis war, auch wenn der Ausdruck ‘Gratiszeitung’ solches suggerieren könnte). Ganzseitig, versteht sich, weil der Herr Schmid hat ja auch einiges zu sagen in seinem Brief.

Was denn? Irrelevant, eigentlich. Er jammert irgendwas davon, dass er am Morgen im 3-Tram den Abfall zusammenräumt und sich dabei offenbar auffällig verhält – fragt mich nicht. Kann ja nicht mein Problem sein, wenn sein Pflichtenheft auch noch den Punkt “allgemeine Sauberkeit in den Fahrzeugen gewährleisten” enthält. Hätte er mal besser beim Einstellungsgespräch auf den Tisch gehauen. Oder wäre Direktor der UBS geworden, die haben nämlich überhaupt keine Trams.

Aber ein Satz ist mir dann doch noch aufgefallen, im Brief von Herrn Schmid:

Legen Sie zum Beispiel Ihre Gratiszeitung in Ihren Zeitungssammler daheim beziehungsweise im
Büro.

Nebst der Tatsache, dass dieser Satz grammatikalsch und stilistisch unter aller Granate ist, hat bei mir beim Lesen desselben doch prompt mein guter, alter Bullshit-Detektor mal wieder angegeben (ich darf solche Sätze machen! Die Welt erwartet das von mir!). Herr Schmid skizziert mit seinem Brief eine Welt, die ungefähr folgendermassen aussieht:

  1. 1) Die Welt dreht sich einzig und allein um Dschango.
  2. 2) Wegen 1) kauft BernMobil jeden Tag einen Haufen Zeitungen, damit der Dschango gut unterhalten in den Tag startet.
  3. 3) Wegen 2) gibt es ein Abfallproblem im Tram.
  4. 4) BernMobil ist eine Non Profit-Organisation, die sich hauptsächlich der Rettung des Weltklimas widmet.
  5. 5) Auch die Angehörigen fremder Kulturen, die als ‘Team Sauber’ durch die Trams streifen, sind unbezahlte Fronarbeiter, die ihren Job eigentlich nur machen, weil sie BernMobil so total groovy finden.
  6. 6) Wegen 3), 4) und 5) fände es BernMobil total easy, wenn der Dschango die Gratiszeitungen im Büro oder zuhause entsorgen würde.

Soweit, so gut. Dummerweise sieht die Realität aber so aus:

  1. BernMobil kassiert von den Gratiszeitungen einen ganz ordentlichen Batzen Geld, damit deren Mist in den Trams aufliegt.
  2. Dank der Tatsache, dass Dschango (und noch zwei oder drei andere) den Mist überhaupt in die Hand nimmt, zahlen die Gratiszeitungen überhaupt was an BernMobil.
  3. Gratiszeitungen sind am einfachsten und angenehmsten zu entsorgen, wie mir ein Mitarbeiter des Team Saubers persönlich gesagt hat.
  4. Dschango war schon verdammt froh, wenn er spätabends noch einen zerknüllten BlAbend gefunden hat, der ihn bis zur Zielhaltestelle in genügendem Masse sediert hat.

Man kann also auch sagen:

  1. Nicht Dschango verursacht die Papierflut, sondern die Gratiszeitungen.
  2. Nicht Dschango profitiert in erster Linie, sondern BernMobil.

Verursacherprinzip? Oh ja! Ich bin weder Drucker, noch Reporter, noch Verleger, noch Austräger, noch nicht mal Tramchauffeur und schon gar nicht BernMobil-Direktor. Weitere Fragen, wer folglich für die Entsorgung der Papierflut zuständig ist? Kein Fragen? Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Ausserdem: Kann ja sein, dass zwei Drittel von Schmids Brief-EmpfängerInnen eine “neue, ungelesene Zeitung” bevorzugen. Aber hallo, gerade aus dem Gedanken des Minderheitenschutzes heraus werde ich jetzt grad extra meine Zeitung immer liegenlassen. Ich meine, möglicherweise kommt da plötzlich der dritte Dritel vorbei, findet keine gelesene, alte Zeitung und fährt, total enttäuscht von sich und der Welt, wieder mit dem Auto zur Arbeit. Und dann ist Scheisse mit der Klimarettung, soll dann ja kein Schmid jammern kommen.

Und noch etwas ist interessant:

Übernehmen Sie ein kleines bisschen Verantwortung für «Ihr» Verkehrsmittel. Ich gebe zu: Am Anfang hat mich diese Umstellung auch ein wenig Überwindung gekostet. Aber ich versichere Ihnen: Ich wurde deswegen noch nie ausgelacht oder beschimpft. Und ich fühle mich dabei wohler als vorher.

Ja, man könnte “ihr Verkehrsmittel” mit “Jesus” austauschen und der Satz bliebe erhalten, das ist aber gar nicht der Punkt (und man wird ausgelacht, wenn man für Jesus Verantwortung übernimmt, zumindest von mir). Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sich Herr Schmid, als BernMobil-Direktor wohlverstanden, dazu überwinden musste, für sein Verkehrsmittel ein “kleines bisschen Verantwortung” zu übernehmen.

Schon bedenklich, die Einstellung dieser Manager heutzutage.




Er ist wieder da! Er lebt!!

Hallo, liebe Freunde der geschmackssicheren Unterhaltung! Euer Dschango ist wieder zurück!

Gerüchte machten ja schon die Runde, heieiei… aber nix da. Ich wurde weder von der Evangelischen Allianz entführt, noch bin ich – back to the roots – im Zigeunerwagen durch Europa getingelt. Ich habe auch keinen Amoklauf vorbereitet (obwohl ich in dieser Zeit das eine oder andere Killerspiel gespielt habe), wurde nicht pädophil (obwohl ich das eine oder andere Erzeugnis der Musikindustrie gepiratet habe) und auch mein Hase hat mich noch nicht aus der Wohnung geschmissen, obwohl ich letzthin das Znacht anbrennen liess. Ich bin auch nicht – und dieses Gerücht kam mir tatsächlich zu Ohren – von betupften LeserInnen dieses Blogs verklagt und mundtot gemacht worden. Beide (die Betupften und ich) sind wesentlich härter im Nehmen, als viele denken.

Nein, der Grund für mein Schweigen ist viel profaner: seit 1. (bwz seit 2., wegen so einem komischen Märchentag) Juni habe ich einen neuen Job. Bisher macht mir dieser nur Freude, meine neuen Dudes sind supifeine Giele, das Büro ist wunderprächtig und mein Notebook könnte ubunter nicht sein. Aber heieiei, ist schon was anderes, wenn man den ganzen Tag den Grind abgefüllt bekommt. Abends will dann einfach der Blog-Flow nicht so wirklich und die letzten zwei Wochen war ich spätestens um 24:00 in der Heja, Schotten dicht und innerhalb von 3 Millisekunden im Traumland. Wo ich dann vom letzten Projekt im alten Job geträumt habe. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Nunja. Momentan habe ich einen soooooooolchen Berg an Ideen und auf meinem Handy soooooo viele Fotos, die noch recht gern in einen Blog-Artikel möchten, ich weiss gar nicht, wo anfangen. Deshalb erstmal ein knappes Lebenszeichen von mir sowie das Versprechen, dass die nächsten Tage/Wochen wieder voll mit dem Dschango zu rechnen ist.

Aber einen hab ich schon mal, ein Wochenend-Amuse-Bouche sozusagen, der muss einfach raus. Kollega Nasse hat euch die letzten Tage ja mit Schmankerln vom Grossen Bösen Satan unterhalten, der jetzt momentan plötzlich wieder der coole Kumpel von Nebenan ist, und ich will auf ewiglich verdammt sein, wenn ich mir die Gelegenheit entgehen lasse, den guten Nasse mal ein bisschen vorzuführen.

Et voilà:

Habe dich trotzdem ganz fest lieb, du Volldepp.
:D




Erbarmen!

Also.

Morgen in einer Woche beginne ich meinen neuen Job. Bis dahin sollte ich den jetzigen Job in Anstand fertigbringen. Draussen sind gefühlte 52° und am Freitag haben Cockos endlich, endlich REAPER Version 3.0 veröffentlicht. Alles für sich genommen durchaus erquickliche Ereignisse, die mir auch hübsch Freude bereiten, aber heieiei, einisch isch gnue. Folglich gibt es diese Woche von mir weder Lustiges noch Interessantes hier, bitte weitergehen, dankeschön.

Ausserdem solltet ihr bei dem Wetter nicht am Computer sitzen, ihr Nerds.

Echt jetzt.




Itauiänisch for Beginners

Wir waren neulich ja wieder mal in Italien unterwegs, zwischen Milano und Como, zwecks Verwandtenbesuch. Nein, nicht die Dschango-Verwandtschaft wurde besucht – diese ist eh immer schon da, wo man gerade hin will und geht dort auch meist nicht freiwillig weg; der Wortteil ’suchen’ wäre in dem Zusammenhang also völlig fehl am Platz – sondern diejenige des Hasen.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mein Italienisch noch immer unter aller Sau ist, obwohl ich nun schon eine halbe Ewigkeit mit dem südländischen Hasen zusammen bin. Entsprechend unidirektional gestaltete sich die Kommunikation mit all den Nonnas, Mammas, Zios und Zias für mich; also beschränkte ich mich im Wesentlichen auf die internationale Sprache des Magens, um mich verständlich zu machen. Und mit dieser kommt man, zumindest in Italien, sehr weit.

Aber eins nach dem anderen. Grundsätzlich kann man ja sagen, dass Italiener kein Gramm normal sind. Dies nicht nur, weil sie regelmässig einen ihrer grössten Verbrecher zum Staatsoberhaupt wählen und auch nicht nur, weil sie ihre Küchen, Wohn- und Schlafzimmer sowie Bäder und WCs mit Heiligen, Päpsten und Märtyrern vollhängen (schon mal abgeseilt, während dir Padre Pio mit Leidensmiene zulächelt? Muss man erlebt haben), sondern vor allem wegen ihrem komplett durchgeknallten Verhältnis zur Tätigkeit des Essens.

Ich meine, mir kann es ja egal sein, dass man mich zum Quasi-Volkshelden erklärt, nur weil ich konsequent jeden Teller, den man mir vorsetzt und der mit leckeren Sachen gefüllt ist, leer esse. Man sagt ja, italienische Frauen seien schwer zu erobern, aber man lobe bloss den Sugo einer italienischen Hausfrau über den grünen Klee (was selten viel Überwindung kostet) und schon hat man ihr Herz für immer und ewig gewonnen. So gesehen war Dschango in Italien ein Herzensbrecher und Womanizer allererster Güte: keine Frau mit Herd konnte meinem Charme (bzw demjenigen des schwarzen Loches, das sich ‘Dschangos Magen’ nennt) widerstehen.

Man trifft in Italien noch die vom Aussterben bedrohte Art der ‘Domina casa dominatus vulgae’ an, die ihren Lebens- und Daseinszweck primär im Anschaffen unsäglicher Mengen von Fressalien sieht. Und diese Aufgabe, das muss man sagen, erfüllt sie, ja überfüllt sie zu jeder Tages- und Nachtzeit. Gerüchtehalber gibt es in Italien Frauen, die ihr ganzes Leben noch nie ausserhalb der Küche gesehen worden sind. Wir haben Exemplare gesehen, die offenbar mit ihrer Küche geradezu verwachsen sind, weil es unmöglich ist, auf eine andere Art solche Mengen an Essen zuzubereiten, aufzutischen und wieder abzuräumen. Letzteres im Übrigen, damit sofort mehr Platz für neue Kalorienbomben geschaffen wird.

Auf einen Italiener muss ein leerer Esstisch ungefähr so deprimierend wirken wie der Gesichtsausdruck eines Herrn Ospel auf einen Schweizer. Nur so lässt sich die Besessenheit dieser Leute in Bezug aufs Essen erklären. Wohlverstanden: sie finden es selbst nicht normal und lachen über die Italiener, die den ganzen Tag am Fressen seien – während sie sich gerade eine Ladung Pasta ins Gesicht schieben.

Was irritierte: nicht die Tatsache, dass wir Hasen beide explizite AtheistInnen sind, hat zu Aufschreien geführt. Auch nicht die Tatsache, dass wir nicht verheiratet sind. Beides wird wohl etwas anders sein, wenn wir dann im Herbst mehr Richtung Süden gehen, aber egal. Dass wir kinderlos sind wurde lediglich als „schade“ angesehen und unser Vegetariertum einfach mit fünffachen Portionen Gemüse ausgeglichen. Komplettes Unverständnis schlug uns aber entgegen, als man uns nach unserem Auto zuhause fragte:

„Che tipo di macchina avete?“
„Non abbiamo una macchina.“
„NESSUNA MACCHINA?!? MA PERCHE?!?“

Hase hat dann in einem mehrstündigen Vortrag versucht, das Konzept ‘Mobility’ zu erklären – Stirnrunzeln und Misstrauen waren die Folge. Dann, eher unabsichtlich, rutschte ihr das Wort ‘Car Sharing’ raus – und plötzlich ging ein kollektives „Aaaah, Carre Sharinge!“ um den Tisch. Warum auch kompliziert, wenn es einfach geht.

Noch etwas: absolut unabdingbar für die Kommunikation mit italienischen Mitmenschen ist eine Geste, die ich den ‘Scheinangriff des Geiers’ nenne. Diese Geste ist äusserst universell einsetzbar und wird immer verstanden, ich erlaube mir deshalb, dieses fantastische Kommunikationsmittel etwas näher zu erläutern. Der Scheinangriff des Geiers geht so:

Man hebt das Kinn um ungefähr 7 Grad an und schiebt anschliessend das angehobene Kinn in gerader Linie 5-10 Zentimeter nach vorne. Man kann den Scheinangriff des Geiers einmal oder, durch Verkettung mehrerer Vorschieb-Phasen, mehrmals ausführen, wobei man dann irgendwann aufpassen muss, dass einem der Kopf noch auf dem Hals bleibt. Diese Geste, beliebig unterstütz- und akzentuierbar durch leichtes Schulternhochziehen, Hände verwerfen und allenfalls offenem Mund kann, je nach Kontext, „kapiere ich nicht“, „ist ja klar“ oder „wenn du meine Freundin weiter so anschaust kriegst du paar an die Fresse“ heissen – die Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig.

Wenig ist aber so verständlich, wie wenn einem Zia Lucia den Teller nochmal füllt, einen in die Wange kneift und „mangia, mangia!“ sagt. Ich gehorche ja äusserst ungern und selten Befehlen, aber einer Zia Lucia widerspricht halt nicht mal Dschango.




Das parfümierte Rektum

Durch eine unglückliche Verkettung von für sich genommen eigentlich ganz harmlosen Zufällen gelangte neulich eine Rolle parfümiertes Luxus-Klopapier an den häsischen Toilettenpapierhalter. Erst wusste ich gar nicht, woher dieser penetrante Gestank nach chemischen Blümchen herkam, als ich dann aber den quietschbunten, zwölflagigen Ausbund an Anal-Dekadenz sah, schwante mir einiges.

Vielleicht sollte ich hier erläutern, wie die Hasen (und somit auch der Dschango) mit diesem Thema sonst umgehen. Also, im Grunde genommen scannen wir das Angebot unseres lokalen Detaillisten nach dem Term ‘Recycling’ und packen davon jeweils die grösste Einheit mit dem niedrigsten Preis in unseren Einkaufswagen. Eine Seite so rauh wie eine Metallfeile, die andere noch viel schlimmer, weitestgehend geruchs- und farbneutral, generell eher unscheinbar, genau so mögen wir unser WC-Papier seit Anbeginn aller Zeiten.

Und nun war da plötzlich dieser gelbe Wahnsinn auf Rolle, der mit seinem Frühlingsgestank penetrante Fröhlichkeit an einem Ort zu verbreiten suchte, an dem ich sonst nur Erleichterung und Kontemplation zu finden erhoffe. Das brachte mich dann aber immerhin auf eine Idee für einen Blog-Artikel.

Und zwar, so fragte ich mich, nähme es mich wahnsinnig wunder, worin denn der Sinn eines parfümierten Klopapiers besteht. Ich meine, es kann ja nicht daran liegen, dass man den Ratten im Abwasserkanal ein hübsches Geschenk machen und auch nicht daran, dass man den Gestank der eigenen Fäkalität kompensieren möchte – in beiden Fällen müsste man dann ja jeden Gagu einzeln mit Klopapier umwickeln.

(Im Übrigen stellt sich mir die Frage nach dem Sinn noch bei so einigen parfümierten Produkten: Kerzen, Raumspray, Slipeinlagen – ein weites Feld. Aber einewä, eins nach dem anderen, ich kann mich ja nicht um alles kümmern, heieiei!)

Wie man es dreht und wendet, es macht keinen Sinn, ausser demjenigen, dass man seinem After eine gewisse Parfümierung angedeihen möchte. Falls dem so ist (und ich habe daran absolut keinen Zweifel), hätte ich auch mehrere Ideen, wie man den eigentlichen Zweck dieses Produkts endlich einmal klar und deutlich herausstellen könnte. Die Idee, die noch am jugendfreiesten und am wenigsten brechreizerregend ist, möchte ich hier kurz vorstellen. Also, hier ein TV-Spot, der wie folgt läuft:

Kamera blendet ein, man sieht das Gesicht einer schlummernden, wunderhübschen Frau. Die Kamera zoomt langsam weg, man sieht, dass die Frau in einem Bett liegt. Beim Zoomen streift die Kamera auch noch die vielen Diplome und Urkunden an der Wand: man will uns suggerieren, dass diese Frau nicht nur schön, sondern auch noch wahnsinnig klug ist. Die Morgensonne scheint durchs Fenster, Vöglein zwitschern, alles ist gut.

Dann hört man auf einmal eine WC-Spülung, danach tapsende Fusstritte, wenig später legt sich ein Mann, der ein bisschen aussieht wie Stefan Weiler in unschwul und ohne Agglo-Aura, zu der Frau, kuschelt sich an sie und es kommt, wie es kommen muss: konsensualer, gegenseitiger Oralverkehr (vulgo: 69ern).

In dem Moment, wo die wunderhübsche Frau dem unschwulen Mann das Rektum auslutscht, hält sie plötzlich inne und sagt: „Oh, dein After riecht heute aber frisch!“ Er: „Kein Wunder, ich habe ihn auch mit Flauschi Frühlingsfrisch gewischt!“ Beide mit Blick in die Kamera: „Flauschi Frühlingsfrisch – für natürlich frischen After!“ Beide lachen glücklich und saugen danach weiter, als ob es kein Morgen gäbe. Erkennungsmelodie, ausblenden.

Zugegebenermassen: im Vorabendprogramm von SF1 würde ich den Spot nicht zeigen. Zwitschernde Vöglein sind einfach zu abgedroschen.




Türkisch-griechische Freundschaft – mit Alles!

Alle kennen die Frage, die einem beim Kebab- bzw Falafelverkäufer unweigerlich gestellt wird, kurz bevor selbiger den heiss ersehnten Imbiss mit Brot umhüllt:

„Mit Scharf, mit Alles?“

Vom grammatikalischen und stilistischen Standpunkt her total falsch, ja. Trotzdem sympathisch, wenn nicht sogar heimelig. Von dieser sympathischen Heimeligkeiit möchte wohl auch die Migros profitieren, wenn sie ihre (im Übrigen total leckeren) Hot Sandwiches anschreibt.

Vielleicht liegt hier die lang ersehnte Versöhnung zwischen Griechen und Türken, quasi zum Reinbeissen parat. Die Zyprioten freuen sich bereits, so munkelt man.




Glaubensfreiheit für Moses!

Es gibt Tage, an denen sich Dschango frühmorgens einen Kaffee aus der Maschine zieht, nicht wissend, dass dieser Kaffee bald wieder aus seiner Nase sprühen und sich als feiner Nebel in der Küche verteilen wird. So geschehen gestern, als ich in BZ und Bund einen Artikel über den Hund Moses las (der im Bund aus Persönlichkeitsschutzgründen zu ‘Abraham’ anonymisiert wurde). Heute morgen kam die Story auch im 20Min.

Kurz gesagt geht es darum, dass sich die Besitzer von Moses weigern, ihrem Hund einen (seit vorletztem Jahr gesetzlich vorgeschriebenen) Mikrochip einsetzen zu lassen. Und dies begründen sie nicht etwa mit einer Chipallergie des Hundes, sondern mit ihrer in der Bronzezeit erfundenen Religion. Im Märchenbuch der Niederbipper Landwirte-Familie steht nämlich geschrieben, dass “Gottes Strafe jene trifft, die mit einem solchen Mal gekennzeichnet sind”.

Das Verwaltungsgericht hat ihnen schon den juristischen Finger gezeigt (Bussgeld Fr. 1′500.-, ich als braver Steuerzahler danke hiermit den Niederbipper Fundies für ihren tollen Beitrag zur Sanierung der dämonischen Staatskasse); entsprechend wollen sie nun Moses’ Recht auf Glaubens- und Chipfreiheit vor Bundesgericht erstreiten.

Echt Leute… dies ist eine derjenigen Steilvorlagen, bei denen ich kaum weiss, wo ich mit Reintreten anfangen soll…

Mal ganz abgesehen davon, dass es mir kalt den Rücken herunterläuft, wenn aktuell lebende Mitbürger meines Landes denken, dass es über dem Bundesgericht immer noch Gott als letzte Instanz gibt, schreit dieser Vorfall nach einer irgendwie gearteten Beschränkung von Klagen ans Bundesgericht. Es kann schlicht nicht angehen, dass eine höchste juristische Instanz mit derartiger Idiotie beschäftigt wird. Dies aber nur nebenbei.

Stattdessen möchte ich hier Möglichkeiten aufzeigen, wie dem Dilemma von Moses pragmatisch zu begegnen wäre:

1. Moses konvertiert zum Islam

Eine verblüffend einfache Lösung. Für Muslime gelten die Judenmärchen nicht und vom Satanschip wissen die auch nix. Moses müsste sich dann zwar umbenamsen lassen (Dschango wäre für ‘Mohammed Ali’, das rockt!), das wäre aber wohl nicht so ein Problem. Da wir davon ausgehen, dass Moses bereits kastriert ist, wird ihn auch die Beschneidung nicht wirklich stören. Einziger Nachteil: Moses würde sich selbst als perma-unrein ansehen. Das könnte aber wohl mit der einen oder anderen Hadsch ausgeglichen werden. Fragen Sie hierzu den Imam Ihres Vertrauens.

2. Moses muss Farbe bekennen

Die BZ schreibt zwischen den Zeilen, dass Moses offenbar jede Bitch anspringe, die an ihm vorbeiläufigt. Es wurde mir auch zugetragen, dass man Moses dabei beobachtet habe, wie er das Weihwasserbecken der Niederbipper Kirche leergeschlabbert und an eine Wand derselben gepisst habe. Ein wahrer Christ würde das nie tun; es stellt sich also die Frage, wie bibelfest Moses tatsächlich ist.

Ist Moses schon getauft? Wurde der Hund überhaupt schon nach seiner Konfession gefragt? Dschango vermutet, dass die Jesus-Bauern schlicht keinen konfessionsfreien Hund in ihrer Mitte dulden. Ein klarer Fall von Diskriminierung also! Die Freidenker-Vereinigung wurde informiert; man überlegt sich nun, Moses atheistisches Asyl zu gewähren.

(Dass Moses einen ‘Zentralrat der Ex-christlichen Köter’ gründen will, ist hingegen ein reines Gerücht ohne jegliche Faktengrundlage.)

3. Radikal, aber fair

Sicherlich die beste Lösung für alle Beteiligten: nicht nur der Hund wird gechippt, sondern die ganze Familie noch dazu. Die Chippflicht wurde ja eingeführt, um die gefährlichen Kampfhunde in Schach zu halten (fragt jetzt bitte nicht den Dschango, wie das funktionieren soll). Das müsste sich eigentlich auch auf die noch viel gefährlicheren Kampffundis ausweiten lassen. Bei ausgewachsenen Familienmitgliedern würde ich auch einen Maulkorb sowie eine Kastration befürworten; die Welpen sollte man fremdplatzieren.

Wie nun weiter?

Wird Moses den Kampf gegen die satanischen Behörden gewinnen? Rufen Islamisten eine Fatwa gegen das Bundesamt für Veterinärwesen aus? Werden die obligatorischen Hundeführerkurse neu auch eine Lektion Bibelkunde enthalten? Wird das Agnus Dei in einen Canus Dei umbenannt? Wird die Bevölkerung von Niederbipp kollektiv entwurmt? Steht ein Care-Team bereit? Und was meint der Papst zu diesem Skandal? Man weiss es nicht.

Daumenschraube.ch hält euch auf dem Laufenden!




Berlin-Fieber (oder: kreativer Bio-Antifaschismus)

Es ist ja bereits zu einer schönen Tradition geworden: wenn Dschango in Urlaub fährt, wird er erstmal krank. Keine Ahnung, ob das an meinem ungesunden Lebenswandel liegt (unwahrscheinlich) oder daran, dass mein Körper bei Urlaubsbeginn sofort auf ‘totale Enspannung’ schaltet und in der Folge sämtlichen Viren, Würmern, Bazillen und sonstigen mikroskopischen Schweinereinen Tür und Tor öffnet. Vielleicht war das bei meinen Vorfahren schon so, als sie jeweils die Wohnwagen sattelten und an einen neuen Ort zogen, die lokalen Bauern mit Heugabeln und Teerfackeln dicht im Nacken. Egal, irgendwie geht es offenbar nicht anders, als dass ich eine Reise mit Magenkrämpfen, Dünnpfiff, Fieber, Bronchitis, Angina oder weiss der Teufel was beginne. Nach ein oder zwei Tagen ist dann meist wieder alles paletti und der tatsächliche Urlaub kann beginnen. Das Gute daran: ich habe mittlerweile einen ganz guten Überblick über die verschiedenen Gesundheitssysteme dieser Welt.

Jaja, schon klar...

Jaja, schon klar...

Nun ja, auch dieses Mal schlug die Tradition zu. Beim Besteigen des Zuges nach Berlin war mir schon tendenziell elend zumute, meine Laune war noch schlechter als sonst bei Erwartung einer achtstündigen Zugfahrt und langsam aber sicher kam in mir auch ein Temperatürchen hoch. Beim nachmittäglichen Powershopping am Prenzlberg hing ich dann schon ziemlich in den Seilen und die Nacht verbrachte ich als des Hasen persönliche Zentralheizung, die unser Schlafzimmer auf kuschlige 39° erwärmte.

Berlin ist eine Reise wert, auch im Fieberwahn, und ich halluzinierte nächtens irgendwas von frisch geschlüpften Vögeln, die nur aus Beinen und Gehirnen bestanden und sich folglich schlecht füttern liessen. Durchaus spannend, aber man muss es wohl selbst erlebt haben. Dieses Intermezzo dauerte genau eine Nacht lang und am nächsten Tag war ich wieder fit und die alte Rampensau.

Richtig? Falsch!

Angefangen hat es damit, dass ich keine Einkaufstüten mehr tragen konnte – in Berlin eine mittlere Katastrophe. Meine Hände fühlten sich an, als ob sie offen wären, schmerzten wie Sau und waren so hitzeempfindlich, dass ich den Kaffee via Röhrli soff. Ich konnte nicht mal mehr den Verschluss einer PET-Flasche aufschrauben, ohne in Heulen und Wehklagen auszubrechen.

Dann, am nächsten Tag: noch mehr Schmerzen (ich konnte mich nicht mal mehr an der Haltestange in der U-Bahn festhalten), die Hände so geschwollen, dass sie aussehen wie die Dinger, die man in amerikanischen Stadien in die Luft hält („USA #1!“). Ausserdem waren da plötzlich Zillionen von kleinen Flecken, Pocken nicht unähnlich, die langsam aber gewissenhaft zu jucken begannen. Und damit nicht genug: der ganze Zirkus erschien plötzlich auch auf meinen Fusssohlen und an allen Zehen.

Mein erster Gedanke war natürlich: „Stigmata! Scheisse Dschango, jetzt wirst zu einem Heiligen und musst den Rest deines Lebens damit verbringen, Kranke zu heilen und übers Wasser zu gehen. Und das als Nichtschwimmer!“ Hase hat mich dann aber überzeugt, statt einem Exorzisten einen Hautarzt aufzusuchen, was ich schliesslich auch tat.

Die Hautärztin hiess dann leider nicht ‘Dr. Krätzig’, das war der Verhaltenstherapeut einen Stock höher. Fand ich schade, irgendwie. Meine Frau Doktor liess mich aber (nach bloss etwa sechs Stunden Wartezeit und einem zweisekündigen Blick auf meine Hände) wissen, dass meine Symptome typisch für eine Virusinfektion seien.

„Bitte? Ein Virus?? Sicher keine Allergie?“ – „Neinein“, meinte Frau Doktor, „eindeutig ein Virus. Ihr Körper muss da von selbst mit fertig werden (was er dann auch wurde), das kann bis zu vier Wochen dauern (dauerte es dann nicht), ich verschreibe Ihnen eine Salbe, die die Pusteln lindern sollte (tat sie dann auch).“

Nunja, die Salbe war etwa doppelt so teuer wie die Behandlung, was mich irritierte, offenbar aber mit dem faszinierenden teutonischen Gesundheitssystem zusammenhängt, das Kranke und ihre Ärzte bestraft, solange keine Pharmazeutika konsumiert werden. Wie ich nun so die Apotheke verlasse, reift in meinem von Viren noch arg gebeutelten Gehirn ein Plan, der an Bösartigkeit und Brillianz kaum zu überbieten ist. Sobald nämlich die Nacht über Berlin hereinbrach, setzte ich mich in die U-Bahn und stieg bei der Station Lichtenberg aus. Dann stellte ich mich vor jeden Briefkasten, den ich finden konnte, hob die Klappe hoch und hustete einmal kräftig rein.

Als erstes ein grosses „mea culpa, mea maxima culpa!“ an alle unschuldigen EinwohnerInnen von Lichtenberg. Wie gesagt, mein Gehirn war noch vom Virus geschwächt und mein Moralzentrum offenbar ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen. Es tut mir wahnsinnig leid, liebe unschuldige EinwohnerInnen von Lichtenberg, seid immerhin beruhigt: der Virus ist ein im Grunde genommen ganz harmloser.

Aber die Vorstellung, dass alle Berliner Neonazis das ganze folgende Wochenende blöd herumstanden, weil sie keine Baseballschläger mehr in den Händen halten konnten, ist einfach zu geil.

(Sonst war Berlin aber wieder erste Sahne. Zwei Shoppingtipps: Fette Beute verschönert deinen Spiegel und den Naschpiraten würde ich vom Fleck weg heiraten. Und nochmals vielen, vielen Dank an die lieben Leute vom Kinzig9 für die Gastfreundschaft, war wunderbar bei euch!)




Berlin, wir fahren nach Berlin!

Wenn ihr diesen Artikel lest, hocken die Hasen bereits im Zug Richtung Berlin. Ja, wir sind dieser Stadt hoffnungslos verfallen. Kann dran liegen, dass sie mich stark an Bern erinnert, einfach um den Faktor 100 aufgeblasen und mit einem schwulen Stapi. Und einer Reithalle, die sich über das ganze Stadtgebiet erstreckt.

Wir sind ja schon ein bisschen herumgekommen in der Welt, aber so zuhause wie in Berlin haben wir uns selten gefühlt. Berliner sind einfach nur geil: Witz, Offenheit, Style, alles passt. Wenn ich an einer Imbissbude mit “na Kleena, wat darf’s denn sein?” (ich bin deutlich über 1.80 gross) angesprochen werde, schmelze ich dahin. Wenn sich der andere dann auch noch kaputtlacht, weil ich “einmal Falafel ohne Spermasauce” bestelle, weiss ich, dass ich unter Freunden bin.

Und dann: Kultur! Und nochmal Kultur! Jeder in dieser Stadt ist ein Künstler und man hat den Eindruck, dass man dem nächsten Pollack, dem nächsten Mozart und der nächsten Dietrich jederzeit an der nächsten Ecke begegnen kann. Die grösste Museendichte Europas, die abgefahrensten Clubs, Russendisko… ich weiss noch, dass wir letztes Mal fix und fertig vom Herumlatschen im Ausgehmagazin Zitty herumblätterten (das Teil erscheint wöchentlich und ist ein VERDAMMTES BUCH!) und von der Masse an Angebot schlicht erschlagen wurden. Wir haben uns dann entschieden, zuhause in der Küche Scrabble zu spielen…

Sowie: Shopping! Meine Fresse, kann man in dieser Stadt Geld ausgeben… kleines Manko: es gibt in ganz Berlin offenbar nur einen einzigen Laden, der Damenschuhe kleiner als Grösse 38 führt. Letztes Mal waren wir jedenfalls während einer Woche in gefühlten fünf Milliarden Schuhläden, bis wir dem Hasen passendes Schuhwerk erwerben konnten.

Und auf der anderen Seite: die Stadt mit der zweitgrössten Türken-Population der Welt (erster Platz: Istambul); darunter eher selten türkisches Bildungsbürgertum. Vollgekokste 15jährige, die sich in U-Bahnen Gangwars liefern. Der Penner, der dir erst von seiner früheren Kapitänskarriere erzählt und dir dann mitten im Satz über die Schuhe kotzt. Neukölln.

Gehört halt alles auch dazu. Und passt.

Ach, was erzähle ich da. Peter Fox hat es schon lange gesagt, weit besser als ich es je könnte und erst noch mit wunderbarer Vertonung:

Des langen Artikels kurzer Sinn: es könnte sein, dass ihr nächste Woche nichts von mir hört. Ich werde zwar versuchen, mein Netbook am Hasen vorbei in die Ferien zu schmuggeln, kann aber nicht garantieren, dass ich dann nicht vom Berliner Flow überwältigt und komplett schreibfaul werde.

Also bis bald, und macht jut!




Fair enough

Dem Herrn Balsiger vom Wahlkampfblog bin ich ja schon übel übers Maul gefahren – meiner Meinung nach durchaus berechtigt. Nun hat er aber einen Artikel zur SP in der Krise eingestellt, nach dessen Lektüre ich geneigt bin, dem Herrn Balsiger vollumfänglich zuzustimmen.

Wahrscheinlich werde ich alt.




Grenzen der Unbegrenztheit

Beinharts sind ja treue Sunrise-Kunden und als solche eigentlich auch relativ zufrieden. Gut, wir sind die Sorte Kunden, denen alles egal ist, solange sie einigermassen das bekommen, wofür sie bezahlen.

Nunja, Dschango hat sich vor einiger Zeit so ein Sunrise T@KE AWAY (ausgesprochen wohl “Tätki ewei”, muss irgendwas finnisches sein) Teil zugetan, mit der Idee, er wäre dann jederzeit mit einem flotten Internet unterwegs. Das hat eigentlich auch supi funktioniert und Dschango war glücklich. Dann, vor etwa drei Wochen, stelle er fest, dass seine Interwebs nur noch mit maximal 16 KB/s daherkommen. Ja, das ist ungefähr der Datendurchsatz, den wir früher mit unseren analogen Modems erreicht haben. Und nein, mit Technologie aus dem 20. Jahrhundert machen Internet-Anwendungen des 21. Jahrhunderts absolut keinen Spass.

Erster Gedanke: Rechnung nicht bezahlt. Kann ja vorkommen. Flugs Arschlahm geinternetbankt und gesehen, dass ich mal wieder ein vorbildlicher Kunde war. Dann mit dem Notebook in der Hand quer durch Bern gelatscht und festgestellt, dass es definitiv nicht am Standort liegt – überall dieselbe vorsintflutliche Bandbreite. Es führte also kein Weg dran vorbei: ich musste mich beim Sunrise-Kundendienst melden.

Das normale Vorgehen in einem solchen Fall besteht darin, Proviant, Trinkwasser und mediale Unterhaltung für die nächsten zwei Wochen einzulagern, damit man das Hotline-Queuing einigermassen gesund übersteht. Man sucht sich dann eine Sitzgelegenheit, in der man möglichst während mehreren Stunden bequem sitzen kann und stellt sich mental auf die Orgie an drittklassigen Hits aus den 90ern ein, die man bald geniessen darf.

Das Positive zuerst: noch nie war ein Anruf an ein Call-Center so derart schmerzfrei. Natürlich bin ich beim “Wenn Sie Fragen zu…, drücken Sie Taste EINS…”-Gelaber gescheitert – die Situation, dass mein Problem bereits in der Roboter-Schleife korrekt einsortiert wird, wird wohl zu meinen Lebzeiten nie mehr eintreten – und bin folglich beim komplett falschen Herrn gelandet. Als er mir das mitteilte, ging ich als erfahrener Hotliner übergangslos in Kampfstellung: “Könnten Sie mich dann bitte mit der korrekte Stelle verbinden?”. Wie baff war ich, als mir der Herr, immer noch freundlich, aber mit einer leichten Reiznote in der Stimme, zurückgab: “Genau das habe ich Ihnen gerade vorschlagen wollen.”

OK, da war ich jetzt wirklich mal sprachlos. Seit wann denken die Leute in den Callcentern mit? Seit wann kommen die auf die Idee, proaktiv zu überlegen, was der Kunde als nächstes wohl möchte? Seit wann kommen die überhaupt auf Ideen?

Komplett aus dem Häuschen war ich dann, als ich nach nur einmal (!) Umleiten bei der richtigen (!!) Dame landete und diese schon umfassend (!!!) über mein Problem informiert war, inklusive aller relevanten Kundendaten, inklusive der Bandbreitenlimite von 16KB/s, inklusive allem. Dschango zerdrückte eine Freudenträne, wähnte sich im Dienstleistungsparadies und hätte die Dame vor Euphorie fast spontan geheiratet.

Leider bekam Dschango einen doppelten Korb. Auf mein Heiratsangebot ging die Dame überhaupt nicht ein und auf mein Problem in einer Art, die für mich nicht wirklich erfreulich war. Das heisst – und ich kann es nicht genug betonen – die Dame hat es geschafft, mir zu erklären, dass mein Problem halt einfach so sei und dass es auch noch lange so bliebe und dass man da nichts machen könne, dies aber in einer Art, die mich als Kunden einigermassen zufrieden zurückliess. Dafür, liebe Sunrise-Dame mit der netten Stimme, deren Name ich leider nicht mehr weiss, dafür möchte ich mich bei Ihnen nochmals herzlich bedanken. Wenn ich zumindest das Gefühl habe, ernst genommen zu werden, ist es auch nicht mehr so schlimm, wenn Ihre Firma Infrastrukturprobleme hat, die ich als Kunde ausbaden darf.

Mein Problem bestand nämlich darin, dass ich offenbar zuviel Traffic auf meinem Abo hatte. Die nette Frau Sunrise machte mich darauf aufmerksam, dass dies im Vertrag drinstehe, und tatsächlich, da steht zwar:

Inklusive-Datenvolumen unbegrenzt(1)

Aber eben auch:

(1) Fair Usage: Bei Überschreitung einer Datenmenge von 10 GB pro Monat wird die Bandbreite reduziert.

“Hahaaa!”, dachte sich da der Dschango, “das ist wohl, weil ich nur so ein Memmen-Abo (basic) habe. Wenn ich auf das tolle ‘max’ umsteige, dann ist die Limite sicher weg!”

Denkste. Es ist auch nicht möglich, die Bandbreite durch Zahlung eines (meinetwegen saftigen) Aufschlags wieder freizugeben. Die Idee von Frau Sunrise, einfach noch ein zweites Produkt zu kaufen, fand ich dann nicht so super, also bleibt mir nur noch, bis am 4. April (dann beginnt mein Abrechnungszyklus) mit einem Anschluss auszuharren, bei dem sich Internet so anfühlt, als ob jedes Bit einzeln und auf Ochsenkarren zu meinem Computer verschoben würde.

Liebe Sunrise, mit dem Kundendienst hast du diesmal ja punkten können bei mir. Das finnische Internet fliegt aber bei nächster Gelegenheit raus – schick das zu der netten Dame vom Callcenter, die wird dem Siech schon beibringen, wie man Kunden glücklich macht.




Man kann nicht immer lustig sein

ja, liebe Leute, diese Woche macht es sich der Dschango total einfach. Nicht, dass nichts passiert wäre, über das sich zu schreiben lohnen würde, aber euer Dschango war einfach mit anderem Zeug beschäftigt.

Erstens: Kollega Magnussen hat mir die neue Prodigy, „Invaders must die“, gesteckt. Diese ist, das muss ich zugeben, verdammt gut. Ich bin ja momentan sowieso in der Metal-Drum’n'Bass-Fusion-Phase, Pendulum sind meine Helden der Stunde und da passt das Gebrettere der Techno-Punk-Opas perfekt. Wie dem auch sei: die CD hat mich mit Haut und Haaren zurück in die 90er katapultiert. In den 90ern hingegen war mein Gehirn… nunja, anderweitig beschäftigt und keineswegs in der Lage, witzige oder gar kluge Sätze zu formulieren. QED.

Zweitens: wer mich (bzw diesen Blog) kennt, weiss, dass ich ein grosser REAPER-Fan bin. Es ist noch viel schlimmer: ich bin ein REAPER-Fanboy, der sogar mit entsprechendem T-Shirt durch die Gegend rennt. Nun ist die Version 3 unterwegs, diese Woche wurde eine neue Testversion aufgelegt und ich bin einer derjenigen, die das Teil auf Herz und Nieren testet. Im Gegensatz zu anderen Produkten, bei der ein Beta- (bzw Alpha-)Test vor allem daraus besteht, die vorhandenen Bugs soweit zu umschiffen, so dass man die eigentlichen Funktionen trotzdem noch anschauen kann, geht es bei REAPER vor allem darum, die neuen Features auch tatsächlich auszuprobieren. Und von diesen gibt es bei jeder neuen Version mehr als genug.

Drittens: Anfang Monat ist, nach fast zehn Jahren Entwicklungszeit, Darkfall Online erschienen. Ja, ich weiss, nach dem Spore-Debakel habe ich geschworen, mich nie mehr auf ein Game zu freuen. Und dieses Mal war ich tatsächlich cool, liess mich nicht zu sehr euphorisieren von den vollmundigen Versprechungen und habe das Teil mit relativ wenig Emotionen gekauft, installiert und angezockt. Ich weiss nicht, ob es an meiner veränderten Geisteshaltung oder am Spiel selber liegt, aber das Ding ist bis jetzt einfach nur geil. Mein Char versucht im Moment zwar vor allem, auf Bäume einzuhacken und dabei nicht getötet zu werden, aber so nach den ersten paar Stunden kann ich sagen, dass das Spiel zumindest ein würdiger Nachfolger von Ultima Online ist. Ich habe mich sogar dazu hinreissen lassen, in einen Clan einzutreten (Darkfall Pirates, yarrrr!!), für mich als eingefleischten Solo-Player wirklich eine ausserordentliche Sache. Ich werde zu gegebener Zeit einen ausführlichen Bericht darüber schreiben.

Wie ihr seht: Dschango war diese Woche primär damit beschäftigt, sich selbst zu unterhalten und er hat noch nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei. Wer heute auf dieses Blog kommt, nur um sich unterhalten zu lassen, ist deshalb selber schuld.

Ätsch-Bätsch!




Da haben sich ja zwei gefunden…

Wenn es einen Himmel gibt, dann gibt es auch Beziehnungen, die dort geschlossen worden sein müssen. Ich spreche jetzt nicht von der Hasenliebe, auch wenn diese definitiv in die Kategorie ‘heavenly’ passen würde, nein, es geht mir hier vielmehr um die Medien und ihre enge Beziehungen zu intellektuellen Flachzangen mit grossem Mitteilungsbedürfnis.

Beispiele gefällig? OK.

Die üblichen Verdächtigen sind gut genug

Als erstes möchte ich euch Herrn Roland Näf vorstellen. Ich weiss gar nicht, ob wir über diesen Herrn schon geschrieben haben hier, verdient hat er es sowieso. Herr Näf ist Vizepräsident der SP des Kantons Bern und hat sich auf die Fahne geschrieben, die Welt von Killerspielen zu befreien. Er hat zu diesem Behufe beispielsweise auch schon den Mediamarkt verklagt, weil dieser solche pösen Spiele anbiete – natürlich ist die Klage abgeschmettert worden.

Herrn Näf ehre ich heute mit einem Eintrag in diesem Blog, weil dieser wackere Kämpfer, der nach dem Motto “wenn wir die Wirkung verbieten, wird auch die Ursache von selbst verschwinden” politisiert, offenbar neu auch telepathische Fähigkeiten entwickelt hat. So schrie er, interviewt nach dem Massenmord von Winnenden, in den Medien bereits nach einem Killerspiel-Verbot, als die Polizei den Computer des Mörders noch gar nicht untersucht hatte. Näf zementiert mit seiner sektiererischen, verbissenen Art genau das Image, das seine Partei verzweifelt abzulegen versucht: das einer ängstlichen, verbotsgeilen und bevormundenden Ansammlung von Oberlehrern. Folglich ist das einzige wirkliche Killerspiel, das ich bisher mitverfolgen durfte, dasjenige, das Näf mit den Medien zuungunsten seiner Partei spielt.

Übrigens, Herr Näf: man munkelt, Tischtennis sei das neue Counter-Strike… ihr Engagement ist gefragt!

Kleider machen zwar Leute, aber nicht intelligenter

Ein anderes Beispiel, wie Ignoranz und Durchschnitt unverhältnismässige Wichtigkeit erhalten können, wenn sie nur oft genug in der Medienlandschaft durchgekaut werden, sehen wir am Beispiel Andreas Thiel. Sicher gibt es schlechtere Kabarettisten als ihn, gerade in der Schweiz. Zum Glück wird diesen aber, im Gegensatz zu Thiel, selten Gelegenheit zu öffentlichen Auftritten gegeben, geschweige denn, die eigene Meinung in ganzseitigen Zeitungsberichten der Welt mitzuteilen.

Es geht mir jetzt hier gar nicht darum, dass ich Thiel schlicht nicht lustig weil verdammt platt finde (ok, vielleicht 5% der Gags kommen bei meinem Zwerchfell an). Auch nicht, dass mich sein Gesicht immer wieder an einen Ameisenbären mit selbstgestrickten Ohrenwärmern erinnert. Oder dass die Medien seine “geschliffene Sprache” loben, während es mir jedesmal die Fussnägel hochrollt, wenn Thiel versucht, Bühnenhochdeutsch zu sprechen (Kurz-Tipp: ein ‘ch’ wird niemals als ’sch’ ausgesprochen, auch wenn es nach einem ‘r’ kommt). Und auch, dass Thiel seine politische Gesinnung, die meilenweit von der meinen entfernt ist, zum Hauptverkaufsargument seines Humors macht, ist mir egal. Meinetwegen kann man sich ausgerechnet der Ideologie verschreiben, die uns in die aktuelle Scheisse geritten hat und natürlich profitiert Thiel hier von einem Exoten-Bonus. Ob man das jetzt intelligent finden soll, sei dahingestellt.

Was mich an Thiel aber wirklich nervt ist sein unglaublicher Mangel an Allgemeinbildung. Er ist ja im Solothurnischen aufgewachsen, von dem her habe ich, als Auch-Betroffener des solothurnischen Schulsystems, ein gewisses Verständnis. Gerade an mir, heute weitestgehend erfolgreich in die Restwelt integriert und befähigt, etwas weiter als bis ans Ende meines Rüssels zu denken, lässt sich aber auch aufzeigen, dass man das Stigma einer solchen Schulbildung durchbrechen kann, wenn man nur den Kopf aus dem eigenen Arsch zieht und selbst zu denken beginnt.

Thiel nutzt den Trick aller Populisten: er vereinfacht. Was nicht ausserhalb seiner (zugegebenermassen beeindruckenden) Nasenspitze geschieht, wird ausgeblendet. So war er sich nicht zu blöde, sich selbst in einem 10vor10-Bericht als einen der wenigen (ich meine sogar, er sagte “einzige”) wirklich freien Bühnenkünstler zu bezeichnen. Warum? Ganz einfach, weil er noch nie Subventionen oder staatlich Unterstützung angefordert oder bezogen habe.

Bei wem schellt der Bullshit-Alarm jetzt auf Stufe 10? Gut so. Wer auch nur eine halbe Millisekunde überlegt, merkt, was an dieser Aussage faul ist. Natürlich bekommt Thiel nicht direkt Geld vom Staat. Natürlich wird er nicht subventioniert (er gibt ja auch keine Milch). Aber schon mal dran gedacht, dass die allermeisten Orte, an denen er auftritt, durchaus am Rockzipfel des Staates hängen? Momentan gastiert er im Berner La Capella – hat ihm wohl jemand gesagt, dass dieser Veranstaltungsort nur dank den Subventionen, die der Stadtrat letztes Jahr bewilligt hat, überhaupt noch existiert? Thiel macht es sich so einfach wie die Schweizer Rüstungsindustrie, die zwar Waffen in Kriegsgebiete schickt, aber sämtliche Verantwortung ablehnt, was mit diesen Waffen geschieht – man selbst drückt ja nicht ab.

Die gute Nachricht kam aber diese Woche in der Berner Zeitung: Thiel plant seinen Umzug nach Island, zwecks Auswanderung. Ist zwar schade für diese Insel und ihre Bewohner, die gerade in der letzten Zeit wirklich genug gelitten haben, aber was solls, Island ist ja gross. Er stellt sich vor, ein- oder zweimal pro Monat für Auftritte (an subventionierten Bühnen) in die Schweiz zu kommen. Offenbar weiss er nicht, dass Flüge nach und von Island notorisch verspätet sind oder ausfallen – wir dürfen uns ab Mai also über zahlreiche “Vorstellung fällt aus”-Meldungen in Zusammenhang mit Thiel freuen. Spassig ist in diesem Zusammenhang Thiels Aussage, in der Schweiz gebe es einfach “zu viele Dealer und Pisser”. Nunja, zumindest von Letzteren gibt es ab Mai einen weniger hier.

Noch ein kleiner Tipp: in Island kommt es momentan nicht sehr gut an, wenn man mit Sprüchen wie “weniger Staat, mehr unternehmerische Freiheit” unterwegs ist. Isländer sind zwar extrem cool (im wahrsten Sinne) und auch wahnsinnig (ebenfalls im wahrsten Sinne) nett, ich würde Herrn Thiel aber empfehlen, sich hier vielleicht ein bisschen bedeckt zu halten. Wir wollen ja nicht, dass plötzlich ein Schweizer Kabarettist mit dem Gesicht nach unten in der Bucht von Reykjavik treibt.

Lieber beten als denken (oder gar handeln)

Den Preis für Ignoranz und Verbohrtheit gewinnt diese Woche aber klar die deutsche Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Statement zum Massenmord in Winnenden, sie würde “dem Bundesland alle nötige Hilfe zukommen lassen und für die Angehörigen beten”, das von allen Tagesschauen freudig verbreitet wurde. Ja, klar, mit Beten wird den Angehörigen sicher geholfen. Was ist eigentlich der Witz daran, wenn jemand sagt, er oder sie bete für einen? Will der Betende damit sagen, dass er einen direkten Draht zu Gott habe? Dass sich Gott durch die Gebete irgendwelcher Nacktaffen dazu genötigt fühlen könnte, die Toten umgehend wieder auferstehen zu lassen? Oder ist es halt doch nichts weiter als akkustisches Nasenbohren, das umso besser ankommt, wenn man die bittersäuerliche Trauermiene aufsetzt, in der Merkel Weltmeisterin ist?

Ich bin ja auch gespannt, wie die Hilfe konkret aussehen wird, insbesondere dann, wenn sie, im Gegensatz zum Beschwören eingebildeter Freunde, mit Kosten verbunden sein sollte. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Frau Merkel tatsächlich eine 180°-Kehrtwende macht und nun vermehrt Gelder für so unnütze Dinge wie schulpsychologische Dienste und Bildung (kleinere Klassen, mehr und besser ausgebildete LehrerInnen, bessere Infrastruktur, Tagesschulen etc, etc, etc) fliessen. Höchstwahrscheinlich war das aber auch nur mal wieder medienwirksames Betroffenheits-Geseier ohne Sinn und rationale Basis – von dem her passt es ja auch wieder zur Beterei. Oder wie sagte mal ein guter Freund von mir:

“To say ‘I pray for you’ is polite for ‘fuck off’”.

In diesem Sinne, an all die Näfs, Thiels, Merkels und sonstigen Experten, Genies und Führer sowie ihre willfährigen Speichellecker, die Medien: ich bete für euch bis ans Ende meiner Tage…




Generation “Hääh?!?”

Letzten Samstag gingen Beinharts mal wieder in den Ausgang. Da ich seit Anfang Jahr wieder RaBe-Mitglied bin, dachten wir uns, wir schauen an selbigem Fest vorbei, das im Gaskessel über die Bühne ging. Kurzes Fazit: Dreadzone Soundsystem waren supi-nette Dudes, Saalschutz arrogante Zürcher Sub-Szene-Futzis mit gravierenden Bildungslücken, das DJ-Kollektiv Skeewiff war recht geil (Sound) bzw fast eine Spur zu geil (Performance) und PlayBoy’s Bend aus Belgien ist für mich die Entdeckung des noch jungen Konzertjahres 2009 schlechthin.

Darum gehts hier jetzt aber überhaupt nicht.

Wir standen im Gaskessel rum und beobachteten, wie uns das Ausgangsvolk langsam aber sicher zu siezen beginnen möchte. Sind wir uns mittlerweile ja gewohnt. Zum Glück oszillierte der Schwäbi bereits im Raum, so dass wir noch nicht die Ältesten waren. Es lief Funk und die Minderjährigen hupften zu Musik, die bereits ihre Eltern wuschig gemacht hat. Naja, trotz unserem Dinosaurier-Alter nicht so unser Ding, also lästerten wir stattdessen eine Weile über die Leute ab.

Irgendwann wurde das langweilig, glücklicherweise aber der Konzertsaal aufgemacht und die Hasen hoppelten rüber. Suchten uns ein nettes Plätzli, höckelten hin und warteten.

Und staunten.

Früher, ich meine jetzt wirklich ganz, ganz viel früher, da lief ein Konzert wie folgt ab: zuerst war auf der Bühne noch nix los, bzw nur Roadies, die das Mantra aller Roadies beteten: “TEST, TEST, ONE, TWO”. Das ging etwa eine Stunde so, während derer im Hintergrund dezente Beschallung lief. Ein grosses No-Go war, die Musik der Band, die gleich spielen würde, aufzulegen – man will die Musiker ja nicht mit ihrer eigenen Studio-Aufnahme brüskieren. Eventuell spielte jemand mit dem Lichtpult herum, eventuell kotzte jemand vor die Bühne, aber im grossen Ganzen war der Rahmen hier vorgegeben. Vor allem: der Schallpegel war zu diesem Zeitpunkt auf einem Level, wo man theoretisch bei normaler Gesprächslautstärke noch ein Rilke-Gedicht hätte rezitieren und die Menschen um einen herum dies hätten verstehen können.

Danach spielte eine Band, es wurde laut, es wurde ständig an der Schmerzgrenze entlang geschrammt, eventuell ploppte auch mal ein Trommelfell. Man konnte dies aber vermeiden, indem man Ohrenstöpsel so bis zu einem Drittel tief ins Ohr schob, was dem Sound zwar etwas abträglich war, der Hörfähigkeit aber umso zuträglicher.

Nach der ersten Band hiess es “zurück auf Feld eins”, die Roadies kamen wieder aus ihren Löchern hervor und so ging es weiter, bis man irgendwann in einer Ecke aufwachte und sich fragte, wo man wohl seine Hosen gelassen hat. Und das Portemonnaie. Und woher die Bissspuren in der Unterleibsgegend kommen. Die Ohren haben noch genau so lange gepfiffen, wie das letzte Bier im Magen rumort hat und gut war.

Heute, meine Lieben, heute ist das ganz anders. Es scheint keine Übergänge zwischen Acts mehr zu geben, die Trennung zwischen Soundcheck und Act ist aufgehoben. Heute ist alles im Flow, Mann! Egal ob Sound- bzw Linecheck, Wartezeit, tatsächlicher Act oder Putzkommando: alles spielt sich auf derselben Lautstärke ab. Und diese Lautstärke, ich wage es zu sagen, ist mittlerweile jenseits von Gut und Böse.

Man komme jetzt nicht auf die Idee, dem Dschango vorzuwerfen, er sei eine alte Memme. Dschango hat damals, als MP3s noch für Nerds waren, auben den Gring in Bassboxen gesteckt, damit es ihn so richtig durchhudlet. Dschango ist mal an einem Motörhead-Konzert eingepennt. Und Dschango hat generell grosse Freude an Lautstärke, ganz einfach weil sie vorzüglich zu Lärm passt.

Es ist geil, wenn die Bässe meine Testikel zum Schwingen bringen, ja. Es ist geil, wenn mein Herzschlag vom Beat synchronisiert wird, ja. Ich kann total gut nachvollziehen, was die 15-Jährige, die sich auf 35 frustriert hat, um sich danach auf 18 runterzuschminken, gemeint hat, als sie mir, unterlegt von einer Hello Kitty-Lippenstift- contra Flaschenbier-Fahne, “EYYSCHSOOOOOOOGEEEEEILMANN!!” ins Ohr geröhrt hat (sie hat definitiv nicht Dschango gemeint). Aber Leute, alles hat Grenzen. Und was ich lautstärketechnisch in der letzten Zeit im Ausgang erlebe, sprengt diese Grenzen eindeutig.

Wo diese Grenze liegt? Ich würde sie ungefähr dort ansetzen, wo, wenn ich einen Qualitäts-Ohrenstöpsel komplett bis an den Anschlag ins Ohr drehe, immer noch nicht das Gefühl habe, dass die Musik auch nur annähernd zu leise ist. Wie letzten Samstag geschehen.

Jetzt ist es ja nicht so, dass die Jugend von heute nach so einem Abend glücklich ins Bettli fällt, um den Ohren eine Woche oder zwei Ruhe zu gönnen. Nein, die Jugend von heute braucht Dieselboy ab iPod, um einschlafen zu können. Und steht spätestens zwei Tage später wieder vor der Bassboxe, um sich auch noch die letzte widerspenstige Hörfähigkeit auszuhämmern.

Wen wundert es da noch, dass die Jugendlichen heute immer schlechter hören? Wen wundert es, dass diese Teenies nicht mehr tanzen können? Schon mal einem Haufen Minderjähriger beim Arschwackeln zugesehen? Keine Ahnung von Takt oder gar Rhythmus, nur noch ein dröges Schaukeln, im besten Fall unmotiviertes Auf-der-Stelle-Treten ohne Konzept und Plan. Kein Wunder, wenn sich das hörbare Spektrum auf einen kontinuierlichen Brumm beschränkt. Wer das nächste grosse Ding in der Musik sucht, setzt vorzugsweise auf Tinnitus als primären Datenträger.

(Daneben fiel mir übrigens auch auf, dass die heutigen DJs keine Ahnung mehr von Aufbau haben. Diese Wahrnehmung mag so niederschmetternd sein, weil ich mittlerweile tatsächlich ein alter Sack bin, aber heute heisst “mixen” offenbar in erster Linie, alle vier Beats irgend etwas zu bringen, das die Tanzwilligen aus dem Konzept wirft.)

Meine Theorie: Alles taube Nüsse. Egal ob BesucherInnen, TechnikerInnen, DJs, MusikerInnen und VeranstalterInnen, alle schwer hörgeschädigt und im Prinzip berechtigt, eine IV-Vollrente zu beziehen. Der DJ kann die Tracks nur noch anhand der Basslinie erspüren und ohne all die Blinkis und Leuchtis an den Geräten wären die meisten Musiker akkustische Autisten. Sie merken es nur nicht, weil sie sich dauernd mit Leuten umgeben, die genauso hörbefreit sind wie sie selbst. Wir werden also faktisch von Gehörlosen mit Musik versorgt – so lassen sich auch Phänomene wie der Loudness War und MusicStar erklären.

Kennt ihr Saramagos “Stadt der Blinden”? So stelle ich mir die Zukunft vor, halt einfach mit Gehörlosen statt Blinden. Letztens war ja in der Presse zu lesen, man plane, in der Schweiz Englisch als fünfte quasi-offizielle Landessprache einzuführen. Vorher, ich sage es euch, vorher kommt die Zeit, in der Gebärdensprache als einzige offizielle Landessprache eingeführt wird, ganz einfach, weil in 20 Jahren niemand mehr gesprochene Sprache verstehen wird.

Und die beiden letzten, die dann noch tanzen können, sind Dschango und der Schwäbi.

Ho-ly fuck!




Supergreen!

Ja, auch die Daumenschraube macht sich Sorgen um die Umwelt. Zum Glück kann mit Geld auch ein gutes Gewissen kaufen – ignoranz.ch hat mich auf die Idee gebracht. co2stats bietet an, den CO2-Verbrauch, den eine Website produziert, mit alternativen Energieformen zu kompensieren. Wie das genau funktionieren soll kann ich euch leider nicht sagen, aber für ein kuschlig-warmes Gutmenschengefühl reicht es allemal.

Nun ja, wir wollen uns in 50 Jahren nicht vorwerfen lassen, dass wir schuld sind, weil die Eisbären alle kollektiven Selbstmord begangen haben und die Eskimos so wie wir nur noch zwei Worte für Schnee kennen: ‘Schnee’ und ‘Drecksschnee’. Aus diesem Grund haben wir alle tief ins Portemonnaie gelangt und unterstützen den Ablasshandel des 21. Jahrhunderts eine gute Sache.




Einfach mal easy

Die Briten haben sie schon, die Italiener kriegen sie wohl nicht, die Deutschen wurschteln dran rum: dieses Wochenende hat die Freidenker-Vereinigung der Schweiz eine Spendenaktion gestartet, um auch in der Schweiz Werbung wider die religiöse Abrüstung zu betreiben -20Min hat bereits berichtet, wie immer als Erste.

Dschango unterstützt diese Aktion natürlich ebenfalls. Es ist höchste Zeit, dass all den “Jesus liebt dich, wenn du aufhörst zu denken”-Plakaten endlich mal Gegensteuer gegeben wird. In der Schweiz sind wir mindestens 11%, die an keine Elfen als Lebensleitplanke glauben – rein rechnerisch sollte man hier somit in zwei Monaten vor Atheo-Bussen schier überflutet werden…

Also, PayPal-Account hervorkramen und mindestens einen Zehner loswerden, hopp!

geniess-das-leben.ch
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profiter-de-la-vie.ch