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Jean-Bertrand Punaise

Sohn eines Französischen Ekelzwerg-Beamten und einer Deutschen Übermutter-Lehrerin, sozusagen der Prototyp des vereinten Europa. Ein Wandler zwischen den Welten, der sich nicht scheut, die ganz heissen Eisen anzufassen. Findet Paris etwas provinziell, mag Asiatinnen, fühlt sich in der Welt der bildenden Künste pudelwohl und setzt sich als mitdenkender Weltbürger auch mit Politik auseinander. Geht prinzipiell nur auswärts essen und hält sich sehr gerne in schummrigen Nachtlokalen auf. Hat ein Faible für Schweizer Uhrenmacherkunst.

Jean-Bertrand Punaise
jb@daumenschraube.ch

Jean-Bertrand Punaises Artikel:


Pop und Pantomimen

Auch ein guter Verleser: Popelfee statt Popelfe. Gelesen im Zusammenhang mit Annet Louisan.

Und maintenant un petit amuse-geule für einen gelungenen Wochenstart:

David Armand ist ein englischer Schauspieler/Autor/Komiker, der vor allem durch seine pantomimischen Interpretationen von Pop-Songs bekannt wurde.

Zu recht, wie wir finden.

Auf youtube gibt es eine tolle Auswahl an Clips, die ihn in Aktion zeigen, da geht’s lang.

Einer meiner absoluten Favoriten ist dieser:

Hier der direkte Link zum Video.

Ja ja, immer diese Engländer. Wir wünschen eine gute Woche.




Au plaisir

Chères et chers, me voilà. Bitte um Verzeihung, es hat ein wenig länger gedauert als geplant.

Es war nicht etwa eine falsche Einschätzung meines werten Kollegen Magnussen, der sich ja jetzt in Schweden einen abfriert, nein, ich wurde schlicht und einfach von meinem noch nicht ganz ausgereiften Zeitmanagement und ein paar kleinen Sachzwängen abgelenkt.

Und was ganz blöd ist: Meine Themen, die ich abzuhandeln plante, sind zum einen leider in nuklearem Rauch aufgegangen und werden zum anderen in diesem Augenblick von der zerstrittenen Nato abgeklatscht.

Realität essen Text auf.

Ich wage es aber nicht, hier einfach so mit leeren Händen aufzukreuzen.

Darum werfen wir einen Blick auf ein Thema, das eigentlich auf immer und ewig brandaktuell ist, aber momentan im allgemeinen Bomben- und Nuklearhagel leicht untergeht.

Donc: In Deutschen Landen, wo ich übrigens die eine Hälfte meiner doppelt gemoppelten Staatsangehörigkeit her habe, wurde in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl abgehalten.

Eigentlich ist es ja beruhigend zu berichten, dass es die NPD nicht in den Sächsischen Landtag geschafft hat. 4,6 Prozent Wählerstimmen reichen nun mal nicht. Mais attention, mesdames et messieurs, denn Sachsen-Anhalt hat knapp 2,4 Millionen Einwohner. Das heisst also, dass mindestens zig-tausende Wähler diesen Connards und ihren verblödeten Kameradschaften ihre Stimme gegeben haben.

Das ist nach wie vor beachtlich und für mich weiterhin ein solider Grund, eine persönliche Sperrzone um den Deutschen Osten, zumindest Teile davon,  zu legen.

Schauen wir nun ein paar Steinwürfe westwärts, in meine zweite Heimat Fronkräisch.

Etwas gar gemischte Gefühle habe ich bei Marine Le Pen, Anwältin, stramme Französin und Tochter des alten Fröntler-Haudegens Jean-Marie Le Pen, die anfangs Jahr zur Chefin des Front National gewählt wurde.

Im Vergleich zum polternden Papa ist die Dame geradezu dezent und aerodynamisch, man könnte schon fast sagen angenehm. Jedenfalls scheinbar, denn der Inhalt ist natürlich immer noch übelst rechtsnationalistisch und rassistisch, die Verpackung aber ist einiges dezenter.

Ein Drachen im Schafspelz, sozusagen.

Während Jean-Marie Le Pen, der ja eigentlich unwählbar ist, es sogar bis in die Stichwahl gegen Chirac schaffte, kann man sich sein Töchterchen auch ohne viel Fantasie problemlos als Präsidentin vorstellen, spätestens seit speedy Sarkozy sind die Türen weit offen für solche Szenarien.

Im heutigen politischen Klima ist so eine Person für viele Leute wählbar, gerade weil sie sich von dem ganzen Fröntler-Kram distanziert und Fragen stellt wie “ist es denn falsch, für die Interessen Frankreichs und seine Identität einzustehen?”.

So etwas sagen in Frankreich auch Sozialisten.

Gerade dieser Ton, diese Musik, gibt freiheitsliebenden Demokratie-Fans wie mir unheimlich zu denken.

Es wäre nicht das erste mal, dass der Front National nach einer freundlichen Einleitung das Schafskostüm ablegt und sein wahres Naturell zeigt.