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Aga T. Korhonen

Als vorerst einziger weiblicher Part im Autorentrio hat Aga T. erfolgreich die Besetzungscouch durchlaufen. Aufgewachsen in Helsinki verbindet sie die finnische Zurückhaltung mit dem kosmopolitischen Weitblick. Die Unbeschwertheit der langen Sommernächte mit der Melancholie der dunklen Wintertage. Den Genüssen des Lebens nicht abgeneigt, den seelischen Abgründen zugeneigt. Ihre Leidenschaft ist das Reisen in ferne Länder, Literatur in den eigenen vier Wänden, das Kochen für gute Freunde sowie das Philosophieren bei einer guten Flasche Wein.

Aga T. Korhonen
aga@daumenschraube.ch

Aga T. Korhonens Artikel:


Mundartlyrik

Es ist eine Krux mit den zeitgenössischen helvetischen Sängern: Seichte Texte über zigmal gehörte Themen, unterstrichen durch ein Popgeplänkel, welches zeitweilig den Ausdruck Ohrenterror mehr als verdient hat. Vom heimwehgeplagten Bergler in der Stadt bis zum Büezer, der über den Spangen tragenden Schwan sinniert: Mal ehrlich, wo sind die etwas anspruchsvolleren Texter geblieben, welche das Wort lieben und sich nicht in erster Linie über eine Platzierung in den Charts definieren? Mit Ausnahme von Künstlern wie Stephan Eicher oder Kuno’s Truppe, sind sie leider rar geworden, die Troubadours der heutigen Zeit.

Dies ist mir bewusst geworden, als ich vor kurzem beim Herumstöbern auf eine Mani Matter LP gestossen bin (ja Kinders, das ist das grosse schwarze Ding mit Rillen, ein Relikt aus Aga’s Jugend…). Mit einem Schlag wurde ich sowas von in meine Kindheit zurückversetzt und ich erinnerte mich, wie mein Bruder und ich sämtliche Texte auswendig konnten. Irgendwo existiert sogar noch kompromittierendes Tonmaterial, worauf ich lautstark (und vor allem wohl in schiefer Tonlage) geschlagene 90 Minuten die Matter Lieder am trällern bin (muss glaub mal ein ernsthaftes Wort mit meinen Eltern sprechen – so von wegen Beweismaterialvernichtung und so…) Kurzum: Mani Matter war unser Held.

Zugegeben, der grosse Musiker war er nicht aber die Kunst des Wortes hat er wie kein anderer beherrscht. Hab ich als Kind über die Texte gelacht (“zwe Boxer im Ring, gä enang ufe Gring…”), war ich als Erwachsene beeindruckt von den gesellschaftskritischen Seitenhieben und der Gabe, das Leben stets mit einem Augenzwinkern zu betrachten. So staunte ich nicht schlecht als mein vierjähriges Patenkind kürzlich ihr Sangestalent unter Beweis stellen wollte und mir lautstark folgendes Liedchen zum Besten gab:

Är isch vom Amt ufbotte gsy, am Fritig vor de nüne,
by Schtraf, im Unterlassigsfall, im Houptgebäud, Block zwo,
Im Büro 146 persönlich ga z’erschiine,
Und isch zum Houptiigang am haubi nüüni inecho.

Vom Iigang, d’Schtäge uf, und de nach rächts het är sech gwändet,
isch dürne länge Gang, de wider rächts und de graduus,
de zrügg, und wider links, bis wo der Korridor het gändet,
de wider zrügg und gradus – witer meh und meh konfus.

I sött doch – het er dür die lääre Gäng grüeft – vor de Nüne,
by Schtraf im Ungerlassigsfall im Houptgebäud Block Zwo,
im Büro 146 persönlech ga erschiine und dür die lääre Gäng
da het me s’Echo ghört dervo.

Hie bini- het är dänkt – scho gsy, nei dert bim Egge chumme
ni villech wider… nei s’isch anders – warum geit’s jetz da,
i ha doch gmeint… aha.. jetz no dert vorne einisch ume,
was isch de das, da geits… jetz weis i nümme woni schtah.

Und dä wo isch ufbotte gsy am Fritig vor de nüne,
by Schtraf im Ungerlassigsfall im Houptgebäud Block Zwo,
im Büro 146 persönlech ga z’erschiine,

isch immer witergloffe und isch nie meh ume cho.

Weniger die Tatsache, dass ein vierjähriges Mädchen einen solchen Text zum Besten gab sondern vielmehr, dass Mani Matter auch heute noch mit seiner Mundartpoesie begeistern kann, lässt mich hoffen, dass dieser auch bei der jüngeren Generation nicht in Vergessenheit gerät. Zgrächtem nid, himmustärne!




Erziehung mal anders

Aus der Reihe:

Agamobil


Aga fährt Tram

 

Szene:
5er Tram, irgendwann nach Feierabend

Eine Frau, Typ Ökotusse mit strähnigem Haar, farbigen Socken und ganz doll lustigem rotem Hut unterhält sich mit einem ungefähr 8jährigen Knirps:

- Gehst du jetzt nach Hause?

- Mh-mh

- Deine Mami hat bestimmt schon gekocht. Isst du überhaupt etwas? Du bist so klein und dünn..

Der Junge nestelt unsicher an der Kordel seiner Jacke und schaut verlegen auf seine Schuhe.

- Du musst Deinem Mami mehr folgen, gell. Und geh doch mal Fussball spielen. In deinem Alter muss man doch ein Hobby haben.

- …

- Du hast ja jetzt Herbstferien, das wär doch eine gute Gelegenheit, mit dem Fussball spielen zu beginnen.

- Mh-mh

- Ich möchte auch wieder Kind sein. Oder Lehrerin. Da hat man ja nur Ferien. Wobei, wenn ich es mir so überlege: Ich wär eine böse Lehrerin. Ich würde mit der Steinschleuder auf Kinder zielen, die nicht artig wären. Oder mit dem Luftgewehr in die Zehen schiessen.

- ???

- So, ich muss jetzt aussteigen. Grüss deine Mami von mir. Und sei schön artig.

Sachen gibts.


Bisher in Agamobil erschienen:
  1. Junge, Junge…
  2. Erziehung mal anders
  3. Zuggeschichten




Immer mitten in die Fresse rein…

…kommt mir da spontan in den Sinn. Pfui! Bei diesem hausgemachten, rechten Schwachsinn, den diese Kreatur von sich gibt, wäre nicht nur wie aktuell verdientermassen geschehen ein Abwürgen, sondern ein absolutes lebenslängliches Redeverbot angebracht. Jawohl.





Dem Dativ sein Tod

Miss Schlag-mich-tot

Es gibt gewisse Sachen, die gehen einfach gar nicht. Auch nicht wenn ein gewiefter Werbefuzzi meint, das sei ganz doll lustig. Nein. Einfach nicht. Seit einigen Tagen begegnet mir auf meinem Arbeitsweg ein Werbeplakat eines Kaffeeherstellers. Darauf ist eine der unzähligen Schlag-mich-tot-Ex-Missen zu sehen, lasziv in die Linse blickend. Nun gut, adrett ist sie ja wirklich. Anyway.

Da steht also in grossen Lettern über der blonden Schönen: “Ich liebe jedem seiner Stärken“. Ha! Ich kann ihn direkt vor mir sehen, den für diesen Schund zuständigen Werber. Rechteckige, vorzugsweise schwarze Hornbrille, die leicht angegraute Mähne lässig mit Gel nach hinten gepappt, schwarzes Sakko, junge Modelfreundin, Lieblingsclub: Kaufleuten. Halt eben Klischeewerber mit Jahreseinkommen eines Bundesrates. Hat zwar den Vorteil, dass man sich wenigstens die renommiertesten Herzchirurgen leisten kann. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun gut, einen kurzen Moment dachte ich ja noch, dass hier eine übereifrige Werbeassistentin den Druckauftrag etwas zu voreilig erteilt hat. Aber nein, das ist voll Absicht! Frei nach dem Motto: Wenden wir doch mal den Dativ falsch an. Was mit Verona Feldbusch Poth (oder wars Buschpoth-Feld?) vor zig Jahren in Deutschland funktioniert hat, ist doch bestimmt auch in der Schweiz lustig. Hat sich der Herr Werber gedacht. Nein, meine Herren Kreativen, ist es nicht. Es ist bloss eine billige Kopie des abgedroschenen “Hier werden Sie geholfen” Slogans.

Da muss wohl das nächste Mal etwas intensiver gebrainstormt werden, dann klappts dann vielleicht wieder mit dem Idee…




Hello World!

Hallo, werte Besucherin, werter Besucher, und herzlichen Willkommen auf diesem kleinen, gemütlichen Aussenposten am Rande des Universums!

Soeben haben wir unser kleines Blog eröffnet. Es ist uns ein Vergnügen, Dich hier begrüssen zu dürfen und wir hoffen, dass Du uns ganz lange treu bleibst. Wir werden unser Möglichstes tun, Dich gebührend zu unterhalten, zu informieren, hin und wieder auch zu nerven.

Wie Du siehst haben wir bereits ein paar Kostproben unseres Schaffens publiziert, damit Du einen Vorgeschmack darauf bekommst, was Dich in Zukunft hier erwartet. Lies sie, erfreue Dich an ihnen und schau regelmässig hier rein. Unser Ziel ist es, mindestens drei neue Beiträge pro Woche zu veröffentlichen; es lohnt sich also durchaus, unseren RSS-Feed zu abonnieren.

Wir freuen uns sehr, wenn Du unsere Artikel kommentierst. Bitte habe aber Verständnis dafür, wenn wir in aller Regel auf Kommentare nicht reagieren. Dies hier ist für uns ein Blog, kein Forum. Wenn Du findest, ein Thema müsse uns unbedingt interessieren oder wenn Du Bemerkungen zum Design dieser Seite hast, oder auch wenn Du Dich fürchterlich über einen Artikel aufregst – schreib uns doch bitte eine eMail. Bedenke aber bitte, dass wir uns das Recht vorbehalten, sämtliche an uns gerichtete eMails anonymisiert zu publizieren.

Nun denn, werte Besucherin, werter Besucher, habe viel Spass mit der Daumenschraube. Auf dass unser gemeinsamer Weg ein langer und äusserst kurzweiliger werde.

Mit freundlichen Grüssen,

Deine Daumenschraube.ch-Redaktion




Fellinis Inspiration

Ist gar nicht so einfach, ein Thema für einen gebührenden Einstiegsbeitrag zu kreieren. Wieso verlässt einen Kreativität und Inspiration immer just in dem Moment, wo sie gebraucht werden? Die leere Seite auf dem Computer starrt mich kaltschnäuzig an. Füll mich, scheint sie hämisch zu grinsen. Zum wiederholten Male stehe ich auf, studiere meinen Ipod und bin sehr beeindruckt von meinem vielfältigen Musikgeschmack und den vielen liebevoll erstellen Wiedergabelisten. Noch eine Zigarette und einen Espresso denk ich mir, dann kommt bestimmt die ganz grosse Idee, der Knüller sozusagen.

Ich stehe auf dem Balkon, Themen schwirren mir durch den Kopf. Mal kann ich sie fassen, mal sind sie ungreifbar. Wie eine Sternschnuppe, die erst klar vom Himmel fällt um dann im Nichts zu verschwinden. Zurück ans Notebook, voller Elan und Wille. Wieso merke ich eigentlich erst jetzt, dass ich Hunger habe? Schnell zum Kühlschrank, mal sehen, was sich aus einem abgelaufenen Salat, einem Käse, dem die Bezeichnung Schimmelkäse mehr als gerecht wird und einer Tiefkühlpackung Erbsen machen lässt. Irgendwie vergeht mir der Appetit und ich entscheide mich stattdessen für ein Glas Wein. Soll ja inspirieren und lustig machen. Mal sehen.

Also, ein weiterer Anlauf. Mein Lappi hat sich mittlerweile in den Ruhemodus versetzt. Hat sich wohl meinem Zustand angepasst. Die ersten Zeilen entstehen, zögerlich und unbeholfen. Wie haben Schreiberlinge eigentlich früher gearbeitet als es noch keine Computer gab? Wo sind die Unmengen an verschwendetem Papier gelandet, wenn die Ideen sich jeweils als doch nicht so erquickend erwiesen und haufenweise irgendwo zerknüllt in der Ecke landeten? War Umweltschutz damals auch schon ein Thema? Gab es die Grünen zu dieser Zeit eigentlich auch schon? Und wenn ja, haben sie damals anstatt gegen Offroader gegen Schriftsteller Unterschriften gesammelt? Fragen über Fragen.

Nun gut, der Wein ist alle, die Müdigkeit macht sich breit. Das wird heute wohl nichts mehr. Aber ich geb die Hoffnung nicht auf, dass mich heute Nacht der Geist eines grandiosen italienischen Regisseurs in meinen Träumen heimsucht und mir ganz viel Inspiration schenkt. Solls ja bekanntlich geben. Hat doch der alte Fellini jüngst unserem Mundartbarden Büne Huber im Schlaf den neuen Albumtitel eingeflüstert: “The Rimini Flashdown” – wenn das mal nicht kreativ ist.